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Freitag, 23. Juni 2017

[Filmkritik] Sieben Minuten nach Mitternacht

Hallo meine Mosterfreunde,

A Monster Calls habe ich euch vor einer Weile vorgestellt, als ich es zufällig in der Bibliothek entdeckt habe. Ehrlich gesagt war ich ohne Erwartungen in das Buch hineingegangen, aber es hat mich doch sehr berührt, mich an einiges erinnert und mich zum Weinen gebracht. Beim Film nun wusste ich ja, was kommt, und heute möchte ich mit euch darüber sprechen.

Zur Handlung: Conor O'Malley ist 12 Jahre alt, er hat keine Freunde an der Schule und alle Lehrer fassen ihn mit Samthandschuhen an. Der Grund dafür ist, dass Conors Mutter Krebs hat. Conor ist inzwischen gut darin, allein klarzukommen. Er macht sich selbst essen, wäscht die Wäsche. In der Schule wird er gemobbt, aber er schluckt das einfach runter.

Das einzige, was sein Leben noch unerträglicher machen kann, ist seine Großmutter, die beschließt, dass er eine Weile bei ihr wohnen sollte, während eine neue Behandlung bei seiner Mutter getestet wird. Connor und seine Oma haben ein schwieriges Verhältnis, da sie sich beide nicht verstehen und völlig verschiedene Lebenswelten haben. Aber eine Sache hält sie zusammen...

Die Gesamtaussage des Buches hat mich damals völlig umgehauen, denn irgendwie hab ich es nicht kommen sehen. Ich war deswegen gespannt, ob der Film mich nochmal zurückversetzen kann, oder ob nun die Luft quasi raus ist. Auch war ich sehr gespannt, wie die drei Geschichten des Monsters gestaltet sein würden, denn ich hatte Vergleiche zu Harry Potter 7 gehört.

Conor wird von Lewis MacDougall, der meiner Meinung nach sehr gut auf die Rolle passt. Dennoch hat es mich irgendwie gestört, dass im Film viel deutlicher wird, dass es sich bei der Hauptfigur um einen Jungen handelt. Das klingt jetzt ein bisschen bescheuert, aber im Buch konnte ich das gut ausblenden und so viel mehr Verbindung aufbauen. Im Film war da einfach ein Stück weit Distanz.

Sigourney Weaver als Großmutter hat mir auch gut gefallen. Sie verkörpert sowohl die distanzierte Geschäftsfrau als auch die leidende Mutter perfekt. Conor kann sie nicht verstehen, da sie ihren Schmerz deutlich besser verstecken kann. Dennoch ist für den Zuschauer spürbar, was sie durchlebt. Felicity Jones hat mir als Conors Mutter auch gut gefallen. Sie hat die liebevolle und zärtliche Art, der man auch im Buch begegnet. 

Das Monster fand ich weitesgehend gut animiert. Gelegentlich hat es doch ein wenig seltsam ausgeschaut, aber generell war es nicht zu angsteinflösend und erschien dennoch mächtig genug. Die Stimme von Liam Neeson passt perfekt dazu. Die Geschichten, die das Monster erzählt, sind wirklich wundervoll animiert gewesen. Dieser Teil hat mir mit am besten gefallen.

Das Buch wird in einigen Momenten sehr gewaltvoll. Das wurde aus dem Film herausgelassen. Wir erfahren davon eher durch Erzählungen, sodass der Film auch für Kinder in Ordnung geht. Dennoch ist das Thema heftig und nicht jedes Kind sollte sich mit sowas beschäftigen müssen. Daher kann ich den Film für jüngere Kinder (jünger als Connor selbst) nicht empfehlen. Es geht um Schmerz, Verlust, Angst und Liebe, egal ob gewalttätige Szenen herausgeschnitten wurden.

Alles in allem hat mir der Film gut gefallen und er ist eine schöne und respektvolle Buchverfilmung. Einige neue Elemente kommen hinzu (Habt ihr auch Liam Neeson als Vater der Mutter auf den Bildern gesehen? Gibt es da tiefere Bedeutungen?), die für mich aber nicht bahnbrechend waren. Da ich die Auflösung schon kannte, hat das Ende mich diesmal nicht so kalt erwischt. Dennoch war die Darstellung sehr gut gewählt. Der kurze Momente der Stille... ja, das war gut gemacht. Ich kann den Film empfehlen. Er ist kein klassischer Krebsfilm, würde ich sagen, denn es geht darum, wie es Kind mit diesem Schicksal umgeht. Es geht darum, einen Elternteil langsam zu verlieren. Und für mich ist es nach wie vor eine sehr realistische Darstellung, die Leuten, die etwas ähnliches durchgemacht haben als Kind, sagt, dass es ok ist. 

Habt ihr den Film gesehen? Habt ihr Gedanken, die ihr mit uns teilen möchtet?

Bis bald,
Eure Kitty Retro

Mittwoch, 21. Juni 2017

[FederLeichtSaga] FederLeicht Band 1 - Wie fallender Schnee

Hallo an alle Fabelwesenfreunde,

irgendwie habe ich immer den Drang neue lange Reihen anzufangen, wenn ich bei der letzten nicht weiter komme, weil es da das nächste Buch noch nicht gibt. Kennt ihr das?

Fakten:
  • Autorin: Marah Woolf
  • Roman
  • 2014 erschienen
  • 310 Seiten
  • Ina Körner Verlag 
  • Preis: 9,50€ Taschenbuch
Klappentext:
"Eliza, jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", hat meine Großmutter mir mal erklärt. Damals habe ich nicht verstanden, was sie damit meinte, und heute war ich immer noch nicht schlauer. Denn jetzt stecke ich mittendrin in einem Anfang - aber von zauberhaft kann keine Rede sein. Ausgerechnet ich soll eine magische Schneekugel für die Elfen zurückholen. Wenn sie wenigsten nett wären - diese Elfen. Aber nein - sie sind eingebildet, arrogant und bockig (einer jedenfalls). Im Grunde kann das alles nur ein schlechter Scherz sein. Ich bin bestimmt die Letzte, die sich mutig in ein Abenteuer stürzt. Denn die erlebe ich maximal mit einer Tüte Chips und meiner besten Freundin Sky vor dem Fernseher. Wäre ich bloß nicht in den Wald gegangen und durch das blöde Portal gestolpert. Dann wäre die Geschichte, die meine Welt völlig auf den Kopf stellte, vermutlich nie passiert. Aber das ist nicht mehr zu ändern und so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen - schon gar nicht von einem Elf."

Der Klappentext ist eine Stelle aus dem Buch und das an sich finde ich schon mal sehr gut, denn es ist nicht nur eine bloße Zusammenfassung, sondern eher eine Einleitung in die Geschichte. Das es tatsächlich um Elfen gehen wird oder zumindest auch um diese, war mir bei dem Titel der Reihe nicht sofort klar gewesen. Keine Ahnung was genau ich erwartet hatte, doch Elfen waren es nicht gewesen. Diese Tatsache war mir zunächst nicht ganz geheuer, denn ich habe schon sehr schlechte Elfengeschichten gelesen, daher startete ich mit Skepsis. Doch ein Glück verflog diese schnell.

Es handelt sich um einen klassischen Jugendfantasyroman mit ein bisschen Liebelei zwischen den Zeilen und so kleinen fiesen Abenteuern. Mittlerweile achte ich sehr darauf vorher zu wissen, ob ich ein Jugendbuch lese oder nicht, da sich so die Erwartungen einfach ganz anders staffeln.

Eliza ist ein typischer Teenager mit diesen typischen Problemen: schwierige Familie, tolle beste Freundin, unglücklich verliebt und großes schlummerndes Talent. Die Klischees werden alle bedient und das auf eine sehr schöne und charmante Weise. Der Name der Autorin ist mir durchaus schon lange bekannt und ich muss gestehen - ohne das dies böse gemeint ist - ich habe sie mir viel viel jünger vorgestellt (ohne ihr Alter zu kennen, doch sie wirkt einfach schon so gesetzt). Die Geschichte ist schon sehr jung und frisch und ich bin fasziniert, wie sie so etwas schreiben konnte. Das klingt auch so negativ, aber ich meine es wirklich nicht so.

Eliza passiert es nun, dass sie irgendwie in eine andere Welt gerufen wird oder besser gelockt und dort den Elfen helfen soll, etwas wieder zu beschaffen, was ihnen gestohlen wurde. Dabei wird Cassian ihr Aufpasser, der ein wirklich schwieriger und in sich total gespaltener Charakter zu sein scheint. Er ist eben einfach dieser Machotyp, den es in einer solchen Geschichte wahrscheinlich immer braucht.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Einbindung und Verbindung vom Theaterspielen in beiden Welten. So werden gleichzeitig auch die ganzen wichtigen Freunde mit einbezogen. Nebencharaktere, ihr wisst, sind ein großes Muss für jedes tolle Buch und hier gibt es gleich so viele tolle, dass ich richtig froh wurde. Die Hauptfiguren haben mich bei weitem nicht so leicht in den Bann gezogen wie alle anderen. Besonders toll fand ich auch die Einbeziehung weiterer Fabelwesen, die ich sowieso ganz toll finde. Schade das mir noch nie ein Buch mit Zentauren als wichtigsten Fabelwesen untergekommen ist zum Beispiel.

Da es sich wirklich um eine sehr junge Geschichte handelt, möchte ich es auch denen weiterempfehlen, die so etwas gern lesen und vor allem im Jugendgenre unterwegs sind,

eure Blue Diamond.


Sonntag, 18. Juni 2017

Star-Shot

Hallo meine Fantasy-Küken,

heute möchte ich wieder über ein Buch aus der Mothbox sprechen. Ich habe inzwischen ja schon einige auf dem Blog vorgestellt, und war bisher auch nur von einem eher enttäuscht. Das war One Hundred Shadows. Das heutige Buch ist diesem in mancher Hinsicht ähnlich, aber es hat mich nicht enttäuscht.

Die Fakten:
  • Autor: Mary-Ann Constantine
  • Titel: Star-Shot
  • Erschienen: 2015
  • Verlag: Seren Books
  • Seiten: 212
  • Preis: 9, 99 Euro
  • Klappentext: "Part fable, part mystery, Star-Shot is a poignant debut novel set in Cardiff, in a time that is almost, but not quite, our own. As their paths cross in a circumscribed world of benches, parks and galleries, a handful of characters reveal stories of obsession, loss and recovery, creating a fragile network of relationships which will help to resist the inexorable channels of silence eating into the city."

Zur Handlung: Theo ist ein junger Mann, der die Welt der Seen und Frösche, Bäume und Vögel aufrecht erhalten möchte. Dan ist ein junger alleinerziehender Vater, der dringend Geld braucht, aber sich nicht von Teddy trennen kann. Luke ist ein alter Kollege, der eine bahnbrechende Idee für ein neues Forschungsprojekt hat. Myra liebt das Museum und war doch seit Jahren nicht darin. Nun kämpft sie mit Krebs.

Lina ist eine syrische Flüchtlingsfrau, die ihren Mann und ihre Familie verloren hat. Einst war sie selbst Wissenschaftlerin, Biologin, nun putzt sie im Krankenhaus und kann sich kaum durchschlagen. Sie alle verbindet eine Herzlichkeit, eine tiefe Einsamkeit in dieser Stadt, die nicht ganz Cardiff ist, aber doch zu großen Teilen. Bahnen von Stille ziehen durch diese Stadt, eisige Kälte breitet sich in ihnen aus und fordert Todesopfer.

Wir haben es in diesem Buch mit einer Vielzahl von Charakteren zu tun und die ersten 50 Seiten habe ich ein bisschen den Überblick verloren und nicht immer gewusst, wen ich gerade verfolge, denn die Kapitel wechseln immer zu einer anderen Figur, allerdings ist nicht immer gleich ersichtlich, zu welcher. Doch je tiefer man in die Geschichte eindringt, desto mehr bilden sich die einzelnen Figuren heraus und es fällt schnell leicht, sie zu unterscheiden.

Jede Figur hat ganz individuell Probleme. Theo beispielsweise sieht sich selbst als hässlich. Seine Mutter ist gestürzt und leidet an Demenz oder Alzheimer, und er muss sie versorgen. Seinen Bruder, der Kriegsreporter war, hat er in Syrien verloren. Dazu kommt dann Lina, die ihren Ehemann, einen Arzt, ebenfalls in Syrien verloren hat. Beide begegnen sich schließlich ohne Groll und helfen sich in ihrem Schmerz.

Dan hat seine Frau verloren, da sie einen Tumor hatte. Seitdem muss er sich allein im Teddy, seinen kleinen Sohn kümmern. Doch er kann nicht gleichzeitig arbeiten und sein Kind versorgen. Abgeben möchte er Teddy aber nur, wenn er der Person vertraut, die ihn übernimmt. Auch hier kommt Lina dazu, die ihre eignen Enkel nicht kennen gelernt hat. Lina ist es auch, die Myra Zitronen ins Krankenhaus bringt, damit es dieser endlich wieder besser geht.

Es entsteht ein sehr feines und charismatisches Beziehungsgeflecht, wobei sich alle zunächst gar nicht klar sind, dass sich überall zwischen ihnen Verbindungen ergeben. Theo und Myra wissen nicht, dass sie beide Kontakt zu Lina haben. Doch das Netz wird immer dichter, je näher die Stille sich drängt und klar wird, dass sie nicht nur unangenehm sondern tödlich sein kann.

Man sollte hier aber nicht zu sehr auf Mystery oder Thriller hoffen. Stattdessen geht es um diese unterschiedlichen Charaktere, die ein Ende der Einsamkeit gefunden haben. Sie versuchen so gut sie können gegen die Stille vorzugehen, doch jeder kämpft auch mit seinen individuellen Problemen und schließlich können sie nur alle zusammen zumindest einen Teil davon lösen.

Ich fand vor allem das Ende einfach herzerwärmend und habe schließlich mit jedem Charakter mitgefiebert. Allein der Professor ist für mich völlig unklar geblieben. Wir bekommen nur sehr kurze Stücke von seinem Weg, und für mich war nicht richtig klar, was nun mit ihm los ist. Scheinbar liebt er eine Frau, die aber von Auftritt zu Auftritt zieht. Hier bin ich einfach nicht mitgekommen. Warum wurde er dann krank?

Das Ende war dann leider nicht ganz schlüssig für mich. Wie schon bei One Hundred Shadows habe ich das Fantasy-Element der Stille nicht wirklich verstanden und auch nur bedingt die Lösung des Problems. Dennoch fand ich es ein gutes Ende. Man sollte da einfach nicht zu viel Aufklärung erwarten, alles bleibt recht vage. Es gibt aber einen guten Zirkelschluss zu den Anfangskapiteln.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Der Schreibstil war ansprechend, die Charaktere haben mein Herz doch sehr schnell erobert und die Beziehungen zwischen ihnen haben mich mitfiebern lassen. Das Fantasy-Element hätte ich vielleicht gar nicht gebraucht. Die Gesamtaussage ist mir auch nur vage bewusst geworden. Das Ende lässt Freiraum für Interpretationen. Aber ich finde das Buch empfehlenswert, wenn ihr gern außergewöhnliches lest.

Kennt ihr das Buch? Habt ihr die letzte Mothbox bekommen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




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