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Mittwoch, 5. August 2020

If We Were Villains

Hallo meine Mysteryleser,

heute möchte ich euch das dritte Buch des Dark Academics Buchclubs vorstellen. Dieser hat sich vor allem düstere Bücher in akademischen Settings zum Thema genommen, und ich habe bisher viel Spaß mit diesem Buchclub. Das Buch für Juli war dieses, If We Were Villains. Ich hatte es schon lange auf meiner Wunschliste und war daher nicht böse um einen Grund, es endlich zu kaufen.

Die Fakten:
  • Autor: M. L. Rio
  • Titel: If We Where Villains
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Titan Books
  • Seiten: 426
  • Preis: 9,39 Euro
  • Klappentext: "Oliver Marks has just served ten years for a murder he may or may not have committed. On the day of his release, he is greeted by the detective who put him in prison. Detective Colbourne is retiring, and he wants to know what really happened a decade before. As a young actor at an elite conservatory, Oliver noticed that his talented classmates seem to play the same characters onstage and off - villain, hero, temptress - though he was always a supporting role. But when the teachers change the casting, a good-natured rivalry turns ugly, and the plays spill dangerously over into real life. When tragedy strikes, one of the seven friends is found dead. The rest face their greatest acting challenge yet: convincing the police, and themselves, that they are blameless..."

Zur Handlung: Oliver hat schon immer davon geträumt, Schauspieler zu werden, auch wenn seine Familie sich damit nicht anfreunden kann. Inzwischen ist er im letzten Jahr seiner Ausbildung an einer sehr exklusiven Kunstschule, in der speziell Shakespeare-Schauspieler ausgebildet werden. In seinem Jahrgang sind noch insgesamt sieben Schüler übrig. Oliver jedoch ist meist eher an der Seitenlinie und füllt die Rollen, die übrig bleiben.

Für das letzte Jahr haben sich die Lehrer etwas Besonderes ausgedacht, eine Herausforderung, der nicht alle Schauspieler in Olivers Klasse gewachsen sind: erstmals sollen sie nicht die Rollen spielen, die ihnen quasi in die Wiege gelegt wurden, sondern Rollen, die tatsächlich Arbeit von ihnen erfordern. Doch wer gewohnt ist, immer die Hauptrolle zu spielen, gibt diese vielleicht nicht ohne Kampf auf.

Dieses Buch ist unterteilt in 5 Akte und darin jeweils Szenen. Das Buch ist aber ein Roman und kein Theaterskript. Dennoch gibt es im Schreibstil viel Anlehnung an die Shakespeare-Stücke. So werden viele Zeilen aus Shakespeare zitiert, wenn die Schüler spielen oder manchmal auch, wenn sie sich anders nicht ausdrücken können - es liegt ihnen sozusagen mehr im Blut als Englisch. Außerdem sind längere Gespräche in einem Theaterstil dargestellt, indem dann vorn immer nur der Name steht, der spricht, und ein Doppelpunkt. Das fand ich aber zum Lesen total angenehm. Wie oft habe ich in solchen langen Gesprächsszenen in anderen Büchern schon den Überblick verloren, wer wann spricht?

Die ersten beiden Akte haben mich völlig in diese Welt hineingezogen. Wir treffen die Charaktere und ab der ersten Seite steht die Frage im Raum, wer wohl das Opfer sein wird. Dabei ist Oliver ein eher farbloser Charakter in dieser Gruppe, weswegen diese Konstellation mich sehr an Gatsby erinnert hat. Oliver ist irgendwie drinnen und draußen und kann uns so in dieser exklusiven Runde gut an die Hand nehmen. Wir treffen dann auf die stärkeren Charaktere: Richard, der König, Meredith, die Verführerin, James, der tragische Held, Alexander, der Süchtige, Wren, die Zerbrechliche, Philippa, die Wandelbare und oft die Stimme der Vernunft.

Besonders toll fand ich die Idee hinter Halloween. Schon in den Harry Potter-Büchern habe ich gelernt, Halloween-Szenen zu lieben, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Zum Halloween an dieser Schule gehört ein aufregendes Theaterstück, bei dem bis zur Premiere niemand wissen darf, wer wen spielt. Das war echt magisch. Nach diesem Stück läuft allerdings alles aus dem Ruder für die Charaktere und die Stimmung wird immer düsterer.

Sobald wir allerdings wissen, wer das Opfer ist, hat das Buch für mich völlig an Spannung verloren. Es gibt da einige wirklich eklige Momente, wo ich sagen muss, der Schock-Value war da, aber danach flaut das Buch einfach ab. Während man im ersten Teil in dieser ausweglosen Situation mit den Charakteren sitzt und fieberhaft überlegt, wie es weitergehen kann, tritt mit dem Mord eher so eine Stimmung ein, wo M. L. Rio nicht wusste, ob die anderen Charaktere nun trauern und ihr Innenleben im Fokus steht, oder ihre Kohäsion als Gruppe, oder doch nur, wer denn jetzt der Mörder war.

Alles ergibt sich dann in weirden Beziehungskonstellationen zwischen den Charakteren, Druck von außen und innen, komische Feriensequenzen (von der Familie des Hauptcharakters und den problematischen Sachen da will ich gar nicht anfangen, aber Triggerwarnung für Personen mit Essstörungen, damit wird nicht gut umgegangen...) und schließlich den Ermittlungen der Polizei, die ich ziemlich unrealistisch fand - der Fall wird zum Unfall erklärt, aber Detective Colbourne hat immer noch Zeit, weiter da rumzurennen und zu ermitteln? Vielleicht ist es in Amerika wirklich Zeit, die Polizei zu defunden, wenn die nix zu tun haben... (Ja, war kein guter Witz. Was soll's.)

Was leider am Ende im Unklaren bleibt und der Geschichte die Glaubwürdigkeit nimmt, ist die Motivation hinter den Handlungen der Charaktere. Leider hat das Buchclubtreffen noch nicht stattgefunden, denn ich freue mich auf diese Reaktion. Aber es macht leider nicht wirklich Sinn, wie sich die Charaktere am Ende verhalten. Und der letzte Twist, der am Ende eingebaut wird, hat für mich dann nur noch billig gewirkt.

Mein Lieblingscharakter am Ende war glaube ich Meredith. Ich fand, sie war sehr interessant angelegt, aber am Ende wurde sie im Buch nicht genug vertieft, sondern blieb in ihrer Rolle in dieser Mysterygeschichte stecken. Sehr schade.

Alles in allem hat das Buch mich am Anfang abgeholt, aber dann kurz vor der Hälfte verloren. Die Spannung und die Atmosphäre bauen sich am Anfang so gut auf, aber dann verpufft alles. Die Charaktere sind eher eindimensional und man lernt zu wenig über ihre Motivation, um sie zu verstehen. Am Anfang war das Einbauen von Shakespeare-Zitaten irgendwie cool, aber das hat sich schnell abgenutzt. Und das Ende war dann doch nicht so überraschend, wie es werden sollte. Daher hat mich das Buch dann mit einem mittelmäßigen Gefühl zurückgelassen.

Kennt ihr das Buch? Und wie steht ihr zu solchen Shakespeare-zentrierten Geschichten?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




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