Diesen Blog durchsuchen

Freitag, 5. August 2016

Der Windsänger

Hallo meine Fantasyfreunde,

wie lange möchte ich euch schon diese Bücher vorstellen? Vermutlich seit wir den Blog betreiben... Ich weiß gar nicht, warum ich es bisher noch nie geschafft habe, doch nun wir ich wirklich in Stimmung für die wunderbaren Geschichten über das Manth-Volk. Für mich handelt es sich um Re-Reads und das zeicht ja schon, dass ich die Bücher sehr mag. :D

Die Fakten:
  • Autor: William Nicholson
  • Übersetzung: Stefanie Mierswa
  • Titel: Der Windsänger (Original: The Windsinger)
  • Erschienen: 2001
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
  • Seiten: 333
  • Preis: Boxset für 2,29 Euro
  • Klappentext: "Aus dem Stadtstaat Aramanth ist eine Diktatur geworden, seit die Stimme des geheimnisvollen Windsängers an den bösen Gott Morah ausgeliefert werden musste. Als das Mädchen Kestrel offen gegen dieses System der Unterdrückung rebelliert, bringt sie sich und ihre Familie in große Gefahr..."

Zur Handlung: Die Familie Hath aus Aramanth ist eine besondere. Ira Hath, die Mutter, stammt vom berühmten Propheten Ira Manth ab. Dieser hat sein Volk einst mit seinen Visionen angeführt. Doch inzwischen ist davon kaum etwas übrig. Die Familie versucht, ihr Überleben in einer extremen Leistungsgesellschaft zu sichern, wo alle Menschen nach den gleichen Maßstäben bewertet werden. Dabei fallen individuelle Fähigkeiten nicht ins Gewicht.

Kestrel und Bowman Hath haben das System gründlich satt. Es macht sie traurig, dass nun die Zeit gekommen ist, zu der ihre zweijährige Schwester Pinpin das erste Mal einer Prüfung unterzogen wird. Von nun an wird sie eine Prüfung um die andere erleben, davon wird ihr Leben bestimmt sein. Kess ist darüber verbittert und will rebellieren, während ihr ruhiger Bruder immer wieder versucht, sie zu besänftigen. Doch durch seine spezielle Gabe weiß er, wie unglücklich die Bewohner von Aramanth geworden sind.

Ich liebe liebe liebe diese Bücher. In Aramanth stellen wir uns dem Versprechen unserer Gesellschaft, einer absoluten Leistungsgesellschaft, in der nichts zählt als deine Prüfungsergebnisse. Dabei sehen wir sehr schnell die Fehler im System. Während die Gewinner, die Oberen, die im weißen oder roten Bereich leben dürfen, fest an ihr Recht auf die Spitze glauben, sind die Bewohner im grauen Bereich verzweifelt. Für sie ist es kaum möglich, überzeugende Arbeit zu liefern und aufzusteigen. 

Kess und Bo stammen beide aus dem orangenen Bereich, welcher die breite Mittelschicht widerspiegelt. Dennoch sind sie unzufrieden und erleben täglich die Unzufriedenheit ihrer Mitmenschen. In der Schule gibt es von Anfang an Ranglisten. Es gibt kein Mitleid mit denen, die nicht mithalten können oder wollen, da eine Leistungsgesellschaft immer suggeriert, dass die Verlierer ihren letzten Platz verdient haben. So ärgern auch Kess und Bo manchmal den armen Mumpo, der keine Eltern hat und deswegen in der Schule und dem Leben in Aramanth versagt.

Doch Hals über Kopf stürzt Kess in ein Abenteuer hinein, und mehr durch Zufall wird sie dabei nicht nur von ihrem Bruder, sondern auch von Mumpo begleitet. Und dieser ist von unschätzbarem Wert für die Mission. Sie sollen losziehen und die Stimme des Windsängers zurückholen, die der böse Gott Morah bewacht, welcher nun die Stadt Aramanth im Griff hält.

Ich liebe die Charaktere. Kess ist stur und eigensinnig, aufbrausend, aber von einem ungeheuren Wunsch nach Gerechtigkeit getrieben. Bo ist unglaublich liebenswert. Er kann die Gefühle von anderen spüren und in ihre Herzen sehen. Dabei ist er ein bescheidener und ruhiger Junge, den man einfach lieben muss. Mumpo erscheint als einfältig, doch er ist unglaublich loyal und körperlich sehr fähig. In ihm erleben wir eine starke Verwandlung. Die Eltern von Kess und Bo sind tolle Menschen, so wie man sich Eltern nur wünschen kann. Sie nehmen für ihre Familie Unglaubliches in Kauf.

Aber vor allem liebe ich die Welt. Die Geschichte und die Beschreibungen dieser Stadt sind so augenöffnend. Uns fällt es oft schwer, eine Welt ohne Kapitalismus zu denken. In dieser Reihe werden uns gleich mehrere Welten präsentiert, die nicht kapitalistisch und dennoch nicht rückschrittlich sind. Und die Geschichte zeigt uns, wie wir alle verwundet sind vom ständigen Leistungsdruck und Konkurrenzkampf, wie wir teilweise blind sind, wenn es um Mitgefühl und Verständnis mit "Schwächeren" geht. 

Ich habe die Bücher zur Jugendweihe geschenkt bekommen, allerdings erst kurz vorm Abitur gelesen. Dieses erste Buch erscheint als Kinderbuch, da Kess und Bo etwa 10 Jahre alt sind. Dennoch kann man das Buch erst richtig schätzen, wenn man alle Zusammenhänge der Welt versteht. Es ist also eine sehr zeitlose Geschichte, die durch ihren Abenteueraspekt vermutlich Jüngere begeistern kann, aber erst für Teenager und ältere richtig bedeutsam wird.

Ich kann die Reihe nur jedem empfehlen, der sich gern mit Staaten, Gesellschaften und Herrschaftssystemen auseinandersetzt. Erwähnen möchte ich noch, dass dieser Band geschlossen ist und man danach nicht zwingend weiterlesen muss. Morgen berichte ich euch dann von Band 2.

Bis dahin,
Eure Kitty Retro



Meine Bewertung:

Kommentare:

  1. Leider lese ich keine Fantasy, aber dies scheint eine interessante Trilogie zu sein.
    LG Martina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Buch ist viel mehr als nur Fantasy. :)

      Löschen