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Sonntag, 18. Juni 2017

Star-Shot

Hallo meine Fantasy-Küken,

heute möchte ich wieder über ein Buch aus der Mothbox sprechen. Ich habe inzwischen ja schon einige auf dem Blog vorgestellt, und war bisher auch nur von einem eher enttäuscht. Das war One Hundred Shadows. Das heutige Buch ist diesem in mancher Hinsicht ähnlich, aber es hat mich nicht enttäuscht.

Die Fakten:
  • Autor: Mary-Ann Constantine
  • Titel: Star-Shot
  • Erschienen: 2015
  • Verlag: Seren Books
  • Seiten: 212
  • Preis: 9, 99 Euro
  • Klappentext: "Part fable, part mystery, Star-Shot is a poignant debut novel set in Cardiff, in a time that is almost, but not quite, our own. As their paths cross in a circumscribed world of benches, parks and galleries, a handful of characters reveal stories of obsession, loss and recovery, creating a fragile network of relationships which will help to resist the inexorable channels of silence eating into the city."

Zur Handlung: Theo ist ein junger Mann, der die Welt der Seen und Frösche, Bäume und Vögel aufrecht erhalten möchte. Dan ist ein junger alleinerziehender Vater, der dringend Geld braucht, aber sich nicht von Teddy trennen kann. Luke ist ein alter Kollege, der eine bahnbrechende Idee für ein neues Forschungsprojekt hat. Myra liebt das Museum und war doch seit Jahren nicht darin. Nun kämpft sie mit Krebs.

Lina ist eine syrische Flüchtlingsfrau, die ihren Mann und ihre Familie verloren hat. Einst war sie selbst Wissenschaftlerin, Biologin, nun putzt sie im Krankenhaus und kann sich kaum durchschlagen. Sie alle verbindet eine Herzlichkeit, eine tiefe Einsamkeit in dieser Stadt, die nicht ganz Cardiff ist, aber doch zu großen Teilen. Bahnen von Stille ziehen durch diese Stadt, eisige Kälte breitet sich in ihnen aus und fordert Todesopfer.

Wir haben es in diesem Buch mit einer Vielzahl von Charakteren zu tun und die ersten 50 Seiten habe ich ein bisschen den Überblick verloren und nicht immer gewusst, wen ich gerade verfolge, denn die Kapitel wechseln immer zu einer anderen Figur, allerdings ist nicht immer gleich ersichtlich, zu welcher. Doch je tiefer man in die Geschichte eindringt, desto mehr bilden sich die einzelnen Figuren heraus und es fällt schnell leicht, sie zu unterscheiden.

Jede Figur hat ganz individuell Probleme. Theo beispielsweise sieht sich selbst als hässlich. Seine Mutter ist gestürzt und leidet an Demenz oder Alzheimer, und er muss sie versorgen. Seinen Bruder, der Kriegsreporter war, hat er in Syrien verloren. Dazu kommt dann Lina, die ihren Ehemann, einen Arzt, ebenfalls in Syrien verloren hat. Beide begegnen sich schließlich ohne Groll und helfen sich in ihrem Schmerz.

Dan hat seine Frau verloren, da sie einen Tumor hatte. Seitdem muss er sich allein im Teddy, seinen kleinen Sohn kümmern. Doch er kann nicht gleichzeitig arbeiten und sein Kind versorgen. Abgeben möchte er Teddy aber nur, wenn er der Person vertraut, die ihn übernimmt. Auch hier kommt Lina dazu, die ihre eignen Enkel nicht kennen gelernt hat. Lina ist es auch, die Myra Zitronen ins Krankenhaus bringt, damit es dieser endlich wieder besser geht.

Es entsteht ein sehr feines und charismatisches Beziehungsgeflecht, wobei sich alle zunächst gar nicht klar sind, dass sich überall zwischen ihnen Verbindungen ergeben. Theo und Myra wissen nicht, dass sie beide Kontakt zu Lina haben. Doch das Netz wird immer dichter, je näher die Stille sich drängt und klar wird, dass sie nicht nur unangenehm sondern tödlich sein kann.

Man sollte hier aber nicht zu sehr auf Mystery oder Thriller hoffen. Stattdessen geht es um diese unterschiedlichen Charaktere, die ein Ende der Einsamkeit gefunden haben. Sie versuchen so gut sie können gegen die Stille vorzugehen, doch jeder kämpft auch mit seinen individuellen Problemen und schließlich können sie nur alle zusammen zumindest einen Teil davon lösen.

Ich fand vor allem das Ende einfach herzerwärmend und habe schließlich mit jedem Charakter mitgefiebert. Allein der Professor ist für mich völlig unklar geblieben. Wir bekommen nur sehr kurze Stücke von seinem Weg, und für mich war nicht richtig klar, was nun mit ihm los ist. Scheinbar liebt er eine Frau, die aber von Auftritt zu Auftritt zieht. Hier bin ich einfach nicht mitgekommen. Warum wurde er dann krank?

Das Ende war dann leider nicht ganz schlüssig für mich. Wie schon bei One Hundred Shadows habe ich das Fantasy-Element der Stille nicht wirklich verstanden und auch nur bedingt die Lösung des Problems. Dennoch fand ich es ein gutes Ende. Man sollte da einfach nicht zu viel Aufklärung erwarten, alles bleibt recht vage. Es gibt aber einen guten Zirkelschluss zu den Anfangskapiteln.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Der Schreibstil war ansprechend, die Charaktere haben mein Herz doch sehr schnell erobert und die Beziehungen zwischen ihnen haben mich mitfiebern lassen. Das Fantasy-Element hätte ich vielleicht gar nicht gebraucht. Die Gesamtaussage ist mir auch nur vage bewusst geworden. Das Ende lässt Freiraum für Interpretationen. Aber ich finde das Buch empfehlenswert, wenn ihr gern außergewöhnliches lest.

Kennt ihr das Buch? Habt ihr die letzte Mothbox bekommen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




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