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Sonntag, 30. April 2017

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

Hallo meine Spione,

heute soll es um ein weiteres Hörbuch aus der Bibliothek gehen, das ich vorrangig im Auto gehört habe. Das Buch kannte ich vorher überhaupt nicht, aber irgendwie hat es mich angesprochen, vor allem der Titel. Allerdings kann ich gleich sagen, dass das Buch ganz anders war, als ich erwartet hatte.

Die Fakten:
  • Autor: Alex Capus
  • Titel: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer
  • Leser: Ulrich Noethen
  • Erschienen: 2013
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Länge: 7 Stunden 40 Minuten (ungekürzt)
  • Preis: 4,95 Euro
  • Klappentext: "Der pazifistische Jüngling Felix Bloch studiert Atomphysik bei Heisenberg in Leipzig, flüchtet 1933 in die USA und gerät nach Los Alamos, wo er Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen soll. Die rebellische Musikantentochter Laura D'Oriano versucht sich als Sängerin und muss erkennen, dass ihr das Talent für die große Karriere fehlt. Bei Kriegsausbruch geht sie als Spionin für die Alliierten von Marseille nach Italien, ohne zu bemerken, dass Mussolinis Leute ihr auf Schritt und Tritt folgen.Der Kunststudent Emile Gilliéron reist mit Schliemann nach Troja, zeichnet Vasen und restauriert Fresken, fertigt auf Wunsch auch Reproduktionen an - und stellt bald fest, dass es von der Kopie zur nicht deklarierten Fälschung nur ein kleiner Schritt ist. Nur einmal können die drei einander begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof Zürich, wo die Geschichte einsetzt. Danach führen ihre Wege auseinander und bleiben doch auf eigentümliche Weise miteinander verbunden."
Zur Handlung: 1924. Ein Mädchen, das auf dem Treppchen eines Zuges mitfährt. Ein Junge, der am Rande des Bahnhofs steht und mit der Zukunft hadert. Ein Mann, der die Asche seines Vaters bei sich trägt. Sie verbindet nichts und doch nehmen sie sich für eine Sekunde wahr. So will es der Autor. Danach trennen sich die Wege.

Laura D'Oriano will eine richtige Sängerin werden, nicht wie ihre Mutter, die dazu ihr Strumpfband herzeigen muss. Doch als sie einen Schweizer heiratet, ändert sich alles. Felix Bloch will auf keinen Fall Maschinenbau studieren, sondern etwas ganz und gar unnützes, das nicht für Kriegszwecke missbraucht werden kann. Daher wird er Atomphysiker. Emile Gilliéron und sein Vater sind geborene Künstler, denen aber die Lust auf eigene Werke fehlt. Dennoch werden sie ganz und gar berühmt.

Zunächst muss zum Buch gesagt werden, dass die Figuren real sind. Es gab tatsächlich alle drei Charaktere in der Geschichte. Dennoch handelt es sich um ein fiktionales Werk, welches unterstellt, dass die drei sich einmal hätten begegnen können. Auch sind die Leben und vor allem Lücken im Geschichtswissen ausgeschmückt und kreativ gefüllt.

Dennoch kann man aus diesem Hörbuch einiges lernen. Ich kannte ehrlich gesagt keine der Figuren bisher. Am spannendsten war für mich der Handlungsstrang rund um Schliemann und Knossos, denn da bin ich selbst schon gewesen. Als Lateinlehrer und Fan von Archäologie war es super spannend, von den Verfahren jener Zeit zu hören. Und so sehr uns das heute alles verwerflich vorkommen muss, ohne diese Stümper und die Euphorie, die sie mit Fäschlungen und Fehlinterpretationen auslösen konnten, gäbe es die heutige Archäologie vermutlich nicht.

Auch die Geschichte um Felix Bloch hat mir gut gefallen, denn da sind wirklich einprägsame Sätze gefallen und ich mochte, wie sich sein Schicksal völlig gegen seine Ideale und Pläne dreht und er aus der Sache einfach nicht mehr herauskommt. Aber auch vor dem bitteren Ende schon konnte ich mit der Geschichte eines ambitionierten Studenten, der für sein Fach brennt, viel anfangen. Am wenigsten hat mir die Geschichte von Laura gegeben. Ihr Schicksal ist zwar schlimm gewesen, der Weg dahin aber voller seltsamer Entscheidungen und komischer Zufälle. Von Spionin sollte man hier nicht zu viel erwarten.

Neben der Recherche besticht das Buch vor allem durch seinen Schreibstil, der sicherlich nicht für jeden gemacht ist, mir aber ausgesprochen gut gefallen hat. Das Buch hat auch eine eigene Art von Humor, die mich zum Schmunzeln brachte. Aber es sind mir auch viele Aussagen im Kopf geblieben, weil sie wahr sind und erschreckend, vor allem im Kontext mit den Bomben. Aber es liefert auch eine interessante Analyse der Gesellschaft von damals.

Der Sprecher des Hörbuchs war ebenfalls gut. Ich mag generell zwar lieber "jüngere" Stimmen, aber hier hat es definitiv gepasst. Es gibt hier wenig Stimmen-verstellen, da selten Dialoge vorkommen. Das Hörbuch war durchweg sehr gut verständlich. Dennoch habe ich manchmal gewünscht, ich hätte das Buch richtig gelesen, um einige Sätze noch besser verdauen zu können. Dann bleibt das Buch auch länger im Gedächtnis.

Insgesamt war dies ein gutes Hörvergnügen aber letztlich hat sich mir doch die Frage gestellt, was das Buch im Innersten zusammenhält, um mal Faust zu zitieren. Abgesehen von dem vermeintlichen Treffen am Bahnhof gehen alle Geschichten völlig auseinander und spielen teilweise auch auf völlig unterschiedlichen Zeitebenen. Ein letztes Aha! am Ende hat es leider auch nicht gegeben, sodass ich irgendwie drei Geschichten in einer bekomme und den Zusammenhang nicht sehe.

Das Buch ist sicher nicht für jeden, aber durchaus für die richtigen Leser auch die richtige Wahl. Wenn ihr euch für literarische Werke mit biografischem Hintegrund und gut durchdachten Sätzen und interessanten Gesellschaftsdiagnosen interessiert, dann könnte es eine gute Wahl sein. Wenn ihr aber eine in sich geschlossene actionreiche Handlung erwartet, kann ich leider nur abraten.

Kennt jemand das Buch oder andere Werke von Capus? Für mich war es das erste, vielleicht aber nicht das letzte...

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:
 

Kommentare:

  1. Ich habe nur sein "Léon und Louise" gelesen, habe das aber als eher wenig bemerkenswert in erinnerung behalten.

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    1. Ich denke, würde dieses Buch nicht auf "wahren" Menschen beruhen, hätte ich es auch nicht so gemocht.

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