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Freitag, 15. Mai 2020

Maus

Hallo meine Historienleser,

heute möchte ich euch den sehr bekannten Graphic Novel Maus vorstellen. Der erste Teil davon ist schon in den 70er und 80er Jahren erschienen. In meiner Bibliothek gab es allerdings gleich Die vollständige Maus, da sind alle Teile zusammengefasst. Es handelt sich dabei um ein biografisches Werk, dass sich mit dem Leben des Vaters des Künstlers beschäftigt, der als polnischer Jude den Holokaust überlebte.

Die Fakten:
  • Autor: Art Spiegelman
  • Übersetzung: Christine Brinck & Josef Joffe
  • Titel: Die vollständige Maus (Original: The Complete Maus)
  • Erschienen: 2013
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Seiten: 294
  • Preis: 16,00 Euro
  • Klappentext: ""Maus" änderte über Nacht die Geschichte des Comic Strips - aus Kult wurde Kunst. Berichtet wird die authentische Lebensgeschichte des polnischen Juden Wladek Spiegelman. In Queens, New York, schildert er seinem Sohn die Stationen seines Lebens: Polen und Auschwitz, Stockholm und New York, er erzählt von der Rettung und vom Fluch des Überlebens. Art Spiegelman hat diese Geschichte aufgezeichnet, indem er das Unaussprechliche Tieren in den Mund legt: Die Juden sind Mäuse, die Deutschen Katzen."

Zur Handlung: Als junger Mann ist Wladek Spiegelman sehr gutaussehend und viele Frauen sind an ihm interessiert. Allerdings verliebt er sich in ein eher unscheinbares Mädchen vom Lande - Anja - und heiratet damit in eine wohlhabende Familie ein. Er wird von den Polen an die Front gegen Deutschland geschickt, doch Polen wird schnell überrannt. Wladek findet jedoch den Weg immer wieder zu seiner geliebten Anja zurück.

Zeitgleich erleben wir Wladek in der Jetzt-Zeit, während sein Sohn Art diese Geschichte von ihm erfährt und aufzeichnet. Nun sehen wir einen sehr störrischen alten Mann mit Macken, der inzwischen in Amerika lebt. Damit sehen wir auch, was so viele Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs immer noch an Trauma übrig ist in diesen Familien.

Ich wollte diesen Comic schon so lange lesen, habe ihn sogar schon mal begonnen gehabt, aber es dann irgendwie nicht geschafft, eh er in die Bibliothek zurückmusste. Diesmal hat mir die Krise aber ausreichend Zeit verschafft und der Magical Readathon den perfekten Grund. Ich bin sehr froh darüber, denn dieser Comic ist wirklich gut.

Natürlich sind wir mit Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg alle gut gesättigt. Aber ich finde es doch immer wieder spannend, mich mit Holokaust-Überlebenden zu beschäftigen. Und hier erfahren wir die Geschichte von gleich zwei solchen Menschen, denn beide Eltern von Art überlebten Auschwitz und alles, was davor kam. Als junger Mann ist Wladek in dieser Geschichte sehr patent, sehr rational und ein guter Problemlöser. Er will aber auch den Menschen um sich herum helfen. Er ist in vielen Dingen pragmatisch und kann gut abschätzen, wie die weiteren Entwicklungen verlaufen werden. Nicht nur deswegen hat er vermutlich diesen Krieg überhaupt überstanden.

Dabei werden vor allem am Anfang Dinge beleuchtet, von denen ich noch nicht so viel wusste. Gerade das Thema Front zwischen Polen und Deutschland wurde bei uns in Geschichte immer sehr schnell abgetan. Auch fand ich es sehr interessant, dass die Kriegsgefangenen in dieser frühen Phase nach einer Weile einfach wieder nach Hause geschickt wurden. Später im Krieg war das sicherlich ganz anders. 

Es ist auch immer spannend die individuellen Wege zu sehen, denn wirklich jede dieser Geschichten ist ganz anders. Und es passieren natürlich so viele schreckliche Dinge auf dem Weg. Die vielen Wendungen immer wieder sind faszinierend, und man bekommt ein Gespür dafür, was für das Überleben in dieser Situation alles notwendig war.

Was mir aber besonders gut gefallen hat, war die Einbettung der Geschichte. So zeichnete Art Spiegelman immer wieder auch Teile der Interviewsituation, in die er die einzelnen Kapitel rahmt. Dabei sehen wir die schwierige Familiensituation, die sich nun Jahre später ergeben hat. So hat sich Anja, Arts Mutter, inzwischen selbst getötet. Wladek ist ein alter Mann, der sturr ist und kein gutes Verhältnis zu seinem Sohn Art oder seiner neuen Ehefrau hat, die selbst auch eine Holokaust-Überlebende ist.

Man sieht dabei, dass es sich um einen ganz normalen und fehlerbehafteten Menschen handelt. Gerade am Ende des Buches werden auch rassistische Züge bei ihm deutlich. Und dennoch weiß man die ganze Zeit beim Lesen, dass trotzdem niemand jemals so etwas verdient, wie Wladek und Anja erlebt haben. Und diesen Kontrast und auch das konfliktreiche Gefühl, dass Art mit seinem Vater verbindet, ist so ehrlich portraittiert. Das hat es nochmal viel besser gemacht.

Als Kritikpunkt kann ich nur anbringen, dass ich bei Comics und Graphic Novels dann doch nie das Gleiche fühle wie bei klassischen Romanen. Ich fühle mich doch irgendwie immer mehr auf Distanz. Und für alle die, die sehr gern solche Formate lesen: der Comic ist sehr stark textfokussiert. Obwohl es viele Bilder gibt, gibt es doch auch sehr viel Text im Vergleich mit anderen Comics. Das mag einigen nicht so gut gefallen.

Alles in allem kann ich dieses Buch also nur empfehlen, wenn ihr euch für das Thema interessiert. Wenn ihr es allerdings bereits ausgelutscht findet, ist es eher nicht das Richtige. Ich habe das Gefühl, ich habe nochmal einiges über Geschichte und einiges über Menschen generell gelernt. Und es ist außerdem auch ganz ungewöhnlich anzusehen mit den Tiermetaphern.

Kennt ihr das Buch und wie steht ihr so dazu?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





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