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Freitag, 17. April 2015

[Filmkritik] Pünktchen und Anton (1953)

Hallo meine Filmfreunde,

ich versuche ja gerade, bei meiner Buchverfilmungschallenge etwas aufzuholen, weswegen nun heute der Film zu Pünktchen und Anton kommt. Leider konnte ich auf die Schnelle den neueren Film von 99 nicht auffinden und kann nur von der älteren Verfilmung erzählen. 

Zur Handlung: Pünktchen und Anton sind Freunde, denn Pünktchens Kinderfräulein geht immer in der Eisdiele tanzen, in der Anton arbeiten muss, seit seine Mutter krank ist. Inwieweit die beiden sich daher kennen oder sich vorher schon kannten, wird nicht geklärt. Auf jeden Fall verbringen sie so sehr viel Zeit miteinander. 

Pünktchen erfährt schließlich, dass Antons Mutter zur vollständigen Genesung einen Urlaub in den Bergen bräuchte. Allerdings kostet dieser 300 Mark und Anton hat nicht so viel Geld. Daher beschließt Pünktchen, deren Eltern sehr reich sind, dieses Geld irgendwie zu beschaffen. Als ihre Mutter ihre Bitte ablehnt, weil sie sie für einen Witz hält, erdenkt sie sich einen anderen Plan.

Prinzipiell wird hier eine andere Geschichte erzählt als im Buch. Während einige Textpassagen exakt übernommen sind, ist die Grunderzählung eine andere. Der Film ist wesentlich weniger belehrend und erziehend als das Buch. Allein deswegen würde ich meinem Kind zunächst das Buch zu lesen geben. Auch sieht man dem Film sein Alter deutlich an, beim Buch merkt man allerdings kaum, dass es noch 20 Jahre älter ist.

Anton ist im Film ganz gut getroffen, höflich und fleißig. Ihm fehlt allerdings ein bisschen der Biss, er wirkt viel zu brav. Allein in einer kleinen Schlägerei zeigt er, dass er auch seinen Mann stehen kann. Das finde ich schade, da vor allem der Charakter von Anton Erich Kästner am Herzen lag, wie man dem Nachwort des Buches entnehmen kann. Dadurch wirkt Anton fast ein bisschen langweilig.

Im Vordergrund steht hier vor allem Pünktchen, aber auch ihr fehlt etwas. Während sie im Buch frech, witzig und nicht auf den Mund gefallen ist, scheint sie im Film eher nervig. Sie bringt zwar auch den ein oder anderen Witz, aber ihre Art mit Erwachsenen zu sprechen ist eher belehrend und nervig als frech und witzig. Auch muss sie eher einem weiblichen Stereotyp entsprechen und wird so ein bisschen in eine Rolle gedrückt, die nicht zu ihr passt. Das Buch-Pünktchen ist schon eher Ausdruck einer ersten Feminismus-Welle, wenn man das denn so bezeichnen kann. Sie ist freier, aufgeschlossener und interessanter. Merkwürdig fand ich auch die Szene im Tierpark, in der sie traurig umherläuft. Zu dem Buch-Pünktchen passt das nicht, sie hätte einen Weg gefunden, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Interessant wiederum fand ich die Kulisse des Films, die wesentlich mehr die Zeichen ihrer Zeit trägt als das Buch. Vor allem der Tierpark und die Eisdiele haben mir sehr gefallen. Man bekommt ein bisschen ein Gefühl dafür, wie sehr sich die Welt doch gewandelt hat. Die Szene mit den Elefanten fand ich sehr gruselig. :D Vielleicht versteht ihr, was ich meine, wenn ihr den Film schaut.

Insgesamt ist der Film sehr stark in einer Zeit verankert, mit der wir heute nur noch wenig anfangen können. Ich bin deswegen nicht sicher, inwieweit Kinder heute noch Freude daran haben. Im Gegensatz zu klassischen Märchen ist hier eine Gesellschaft portraitiert, die selbst ich nur aus dem Geschichtsunterricht kenne. Wie soll das Kindern ergehen? Deswegen denke ich, dass das Buch auf jeden Fall das zeitlosere Medium ist. Für Erwachsene ist der Film doch auch interessant, denn man kann das Gesehene besser einordnen und über die eine oder andere Stelle schmunzeln.

Sicher ist, dass heute kein Film mehr in diesem Stil gedreht würde. Spannend ist es deswegen allemal.

Mal sehen, was ich euch noch so ein Filmen präsentieren kann die nächsten Wochen.

Bis dahin,
Eure Kitty Retro

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