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Mittwoch, 8. Januar 2020

The Goldfinch

Hallo meine Bücherwürmer,

heute gibt es ein ganz schön dickes Fressi für euch. Dieses Buch ist eher eine Mordwaffe, es ist riesig und schwer. Ich habe anderthalb Monate daran gelesen, kein Spaß. Ich hatte mir allerdings geschworen, dass ich es 2019 beende, und das habe ich dann am letzten Tag des Jahres auch getan. Heute möchte ich euch davon berichten.

Die Fakten:
  • Autor: Donna Tartt
  • Titel: The Goldfinch
  • Erschienen: 2013
  • Verlag: Little, Brown
  • Seiten: 771
  • Preis: 9,89 Euro
  • Klappentext: "Aged thirteen, Theo Decker, son of a devoted mother and a reckless, largely absent father, miraculously survives an accident that otherwise tears his life apart. Alone and rudderless in New York, he is taken in by the family of a wealthy friend. He is bewildered by his new home on Park Avenue, disturbed by schoolmates who don't know how to talk to him, tormented by an unbearable longing for his mother, and down the years he clings to the thing that most reminds him of her: a small, strangely captivating painting that ultimately draws Theo into the criminal underworld. As he grows up, Theo learns to glide between the drawing rooms of the rich and the dusty labyrinth of an antiques store where he works. He is alienated and in love - and his talisman, the painting, places him at the centre of a narrowing, ever more dangerous circle."

Zur Handlung: Theo ist von der Schule suspendiert. Dabei war es eigentlich gar nicht seine Schuld, sein Freund hat ihn in diese Situation gebracht. Aber es bringt nichts, darüber zu grübeln. Theo erwartet Ärger. Deswegen ist er nicht gerade bester Laune, als er sich mit seiner Mutter auf den Weg zur Schule macht, wo in ein Gespräch über seinen Fehltritt erwartet.

Doch auf der Taxifahrt wird der Mutter schlecht, das Taxi hält, die beiden steigen aus. Doch beim Durchatmen in einem Park werden sie vom Regen erwischt, flüchten sich in ein Museum. Theos Mutter liebt Kunst. Während er sich auf den Weg zum Gift Shop macht, bleibt sie zurück um die Kunstwerke zu bestaunen. Das ist, als es passiert. In diesem Moment ändert sich alles.

Was kann ich zu diesem Buch schreiben? Vielleicht zu allererst: Haben sich die anderhalb Monate gelohnt? Nicht so richtig für mich. Den Anfang des Buches habe ich geliebt. Ich war sicher, ich würde ihm fünf Sterne geben. Theos Schicksal ist hart, der Schreibstil wunderschön. Theo als Charakter ist anfangs sympathisch, wir fühlen mit ihm. Denn jedoch das nächste einschneidende Erlebnis: Sein Vater taucht auf und nimmt ihn mit nach Vegas. Mein erster Gedanke: oh oh. Ich sollte recht behalten. Ab da bekommt die Handlung einen realistischen aber anstrengenden Turn.

In Vegas verwahrlost Theo zusehends. Der einzige Mensch, der sich um ihn kümmert, ist ein alkoholabhängiger Teenager mit russischer oder ukrainischer Abstammung, ich bin nicht mehr sicher. Die beiden reißen sich gegenseitig in den Abgrund. Und der Fall dauert... und dauert... und dauert... Die folgenden 700 Seiten werden echt lang.

Nach wie vor war ich verliebt in den Schreibstil. Aber Theo hat sich immer mehr von sich selbst und mit entfremdet. Es wird schwerer mit ihm zu fühlen, zumal er selbst nicht mehr viel fühlt. Drogen werden ein wichtiger Teil der Geschichte. Dann der nächste Schicksalsschlag, der Weg zurück nach New York. Ich dachte, nun findet sich die Geschichte wieder, aber das nur für kurz.

Als nächstes folgt ein Zeitsprung über mehrere Jahre. Mein erster Gedanke: wenn wir den Teil überspringen können, warum mussten wir dann so lange das repetitive Zeug in Vegas lesen? Ich werde langsam ein bisschen genervt. Aber der Schreibstil ist immer noch toll, und nun habe ich ja auch schon so viel Zeit in das Buch gesteckt. Theo ist nun erwachsen, der für mich spannende Teil der Antiquitäten nimmt wieder etwas mehr Raum ein. Dann taucht auch seine alte Ziehfamilie wieder auf, ihr Schicksal ist etwas unglaubwürdig, aber ok. Die Charakterveränderungen haben wir verpasst. Wir tauchen neu in die Familie ein, erkennen sie aber eigentlich nicht wieder.

Dann kommt Kitsey und der nächste Zeitsprung. Inzwischen ist es mir ziemlich egal. Theo tut mir zwar irgendwie immer noch leid, aber er schaufelt sich inzwischen selbst erfolgreich sein Grab. Boris taucht wieder auf - ok, da war ja schon das foreshadowing - und klar ist, dass es ab hier nicht besser werden wird. Im Gegensatz zur Familie von Theos Kindheit hat sich Boris nämlich nicht wirklich verändert, was auf nichts Gutes hindeutet.

Die letzte Etappe beginnt mit der Verlobungsfeier. Endlich wird klar, wie der Anfang zum Ende passt. Allerdings habe ich den Anfang irgendwo auf den letzten 700 Seiten vergessen. Irgendwas mit Niederländern? Man sollte meinen, ab da geht jetzt alles schnell, aber nein, seitenlang sitzen wir mit einem fiebernden Theo in einem Hotelzimmer fest. Der Schreibstil immer noch toll. Boris taucht wieder auf, ist eben Boris, hat alles gelöst. Halleluja. The End.

Ich glaube, dieser Text ist jetzt etwas zynischer als angedacht. Aber die Frage, die sich mir am Ende stellte, war: warum das alles? Was ist die Message? Warum habe ich anderthalb Monate an diesem Buch geknabbert, um zu diesem Ende(?) zu kommen. So richtig eine Antwort habe ich nicht gefunden. Es ist nicht so, dass das Buch mir nicht gefallen hat, aber es wurde zum Ende hin sehr unbefriedigend. Und ich habe nun keine große Lust mehr den Film zu sehen.

Kann ich euch das Buch also empfehlen? Ich weiß es nicht. Ich denke, viele Leute mochten das Buch, es hat immerhin ja auch Preise gewonnen, aber viele werden damit nichts anzufangen wissen. Ich sitze irgendwo in der Mitte. Ich werde auf jeden Fall The Secret History von Donna Tartt probieren. Die Handlung sagt mir etwas mehr zu. Aber nicht allzu bald. Jetzt brauche ich erstmal etwas leichtere Kost.

Habt ihr das Buch gelesen oder den Film gesehen? Ich würde sehr gern eure Meinung hören!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





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