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Mittwoch, 29. August 2018

My Plain Jane



Hallo meine Klassikerliebhaber,

vor einiger Zeit habe ich in einem Sommerurlaub am Strand Jane Eyre zum ersten Mal gelesen und war nahezu erschrocken, wie gut mir das Buch gefallen hat. Ich hatte erwartet, dass es etwas zäh wird und man die Geschichte ja eigentlich auch schon kennt. Doch ich war schnell in die Welt von Jane eingetaucht und das Buch hielt auch Überraschungen für mich bereit. Nun also gibt es diese Homage – Parodie, wie immer ihr es nennen wollt, des Klassikers Jane Eyre. Kann die Geschichte mich so überzeugen?

Die Fakten:

  • Autor: Cynthia Hand, Jodi Meadows, Brodi Ashton
  • Titel: My Plain Jane
  • Sprecher: Fiona Hardingham
  • Reihe: Lady Janies 2 (man muss Teil 1 nicht vorher lesen)
  • Dauer: 10 Std 7 Min (ungekürzt)
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Harper Audio
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: „You may think you know the story. Penniless orphan Jane Eyre begins a new life as a governess at Thornfield Hall, where she meets one dark, brooding Mr. Rochester - and, listener, she marries him. Or does she?

Zur Handlung: Charlotte ist nicht gerade glücklich über ihr Leben in einem Mädcheninternat, in dem es kaum angemessene, wetterfeste Kleidung und nahrhaftes Essen gibt. Doch ihre Freundschaft zu Jane Eyre macht es für sie erträglich. Doch Charlotte träumt von größeren Dingen. Sie möchte Schriftstellerin werden und schreibt immer wieder kleine Geschichten inspiriert von ihrem Leben.

Als eines Tages Mitglieder der Society in die Stadt kommen, gerät Charlotte aus dem Häuschen. Diese Organisation ist dafür zuständig, störende Geister zu fangen und zu entfernen. Charlotte schafft es allerdings nicht, die Society in Aktion zu erleben – Jane Eyre schon. Und dem Agenten Alexander fällt sofort auf, dass Jane Geister nicht nur sehen, sondern auch beeinflussen kann. Er muss sie unbedingt für seine Organisation gewinnen. Jane jedoch träumt vom Leben einer Gouvernante und hat kein Interesse an der Geisterjagd.

Nach My Lady Jane war mir klar, dieses Buch muss ich haben, aber es wird mich vermutlich auch enttäuschen, weil meine Erwartungen zu hoch sein werden. Beides kann ich bestätigen. Dennoch kann ich euch dieses Buch ans Herz legen, denn ich habe mich durchweg gut unterhalten gefühlt.

Das Autorentrio harmoniert sehr gut. Man merkt nicht, dass die Kapitel von verschiedenen Personen geschrieben wurden, die Geschichte ist sehr kohärent und durchgängig unterhaltsam. Es ist nicht so, dass einem bestimmte Teile viel besser gefallen als andere, was ich zu schätzen weiß. Allgemein hat das Buch Charme und Witz und nimmt die Geschichte von Jane Eyre öfters auf die Schippe. Der Schreibstil ist eher ungezwungen.

Was mir dabei ein bisschen gefehlt hat, waren die bewussten Einschübe, die es in My Lady Jane gab, in welchen die Autoren gewisse Handlungselemente reflektierten und auf eine humorvolle Art selbst Kritik an ihrer Arbeit übten. In My Plain Jane ist mir dies nicht aufgefallen und es hätte an vielen Stellen sicherlich gut gepasst.

Wir folgen drei Charakteren, die sicherlich mit den drei Autorinnen kongruent sind. Zunächst wäre da Charlotte, die neugierig ist und immer verrückte Pläne austüftelt, die nur selten so funktionieren. Sie braucht eine Brille, um wirklich etwas von der Welt zu sehen, und will Abenteuer erleben. Jane ist das ganze Gegenteil. Sie möchte ruhig und zurückgezogen leben, malt gern Bilder und sieht Geister. Glücklicherweise sieht sie vor allem den Geist ihrer guten Freundin Helen. Und sie verliebt sich unglücklich in ihren Arbeitgeber. Alexander ist Staragent der Society und jagt für diese Geister durchs ganze Königreich. Sein Vater wurde getötet und Alexander will herausfinden, wer dies zu verantworten hat. Dabei ist ihm seine Karriere besonders wichtig und er erlebt wenig außerhalb seiner Arbeit.

Als Nebencharaktere kann man weiterhin Helen und Branwell verweisen. Helen ist ein Geist, den wir aus Jane Eyre bereits kennen. Als beste Freundin von Jane ist sie sich keines bissigen Kommentars zu schade, vor allem wenn es um Mr Rochester geht, den sie nicht nur als sehr gemein empfindet sondern auch als deutlich zu alt für Jane. Branwell ist Charlottes Bruder und für kurze Zeit Lehrling bei Alexander. Er ist allerdings nicht besonders begabt mit Geistern und sorgt so immer wieder für Chaos. Als Bösewicht haben wir dann einen machthungrigen Mann, der einen ausgeklügelten Plan hat, um an Englands Spitze zu kommen.

Hier zeigt sich schon, dass das Buch sich nicht zu nah an der Handlung von Jane Eyre hält und dadurch durchaus auch überraschende Situationen entstehen. Dennoch schaffen es die Autoren, teilweise auf ganz anderen Wegen, bestimmte Stationen aus Jane Eyre mitzunehmen, was man so gar nicht kommen sieht. Das Buch war auch nicht mehr ganz frisch in meinem Kopf, aber ich habe doch einiges wiedererkannt und mich gewundert, wie My Plain Jane es geschafft hat, alles doch so zu inkorporieren. Das Buch wirkte auf mich jedenfalls nie gezwungen.

Ich fand die Idee des Geisterjagens auf jeden Fall spannend. Gerade die erste Begegnung mit Alexander und einem Geist in einem Pub ist auch sehr humorvoll beschrieben. Dennoch hat es für mich nicht so viel Charme und Erfindungsreichtum gehabt wie die magischen Elemente in My Lady Jane. Während es in dem Buch eine clevere Metapher war für einen völlig anderen Zusammenhang, ist das Geisterjagen hier meines Wissens nur Unterhaltungswert. Und sorgt für etwas Action.

Die Sprecherin fand ich angenehm, aber auch hier war die Sprecherin von My Lady Jane leider deutlich besser. Sie hatte durch verschiedene Charaktere mit Akzenten aber auch mehr zu tun. Ich habe das Hörbuch zwar gern gehört, aber eben die Abwechslung ein bisschen vermisst.

Alles in allem war das Buch also eine kleine Enttäuschung im Vergleich zum Vorgänger, aber dennoch ein lustiges Hörerlebnis, das mich gut unterhalten hat. Helen war definitiv mein Lieblingscharakter, ihre Sprüche haben mich immer wieder zum Lachen gebracht. Auch bringt sie etwas Tiefe in das Ende. Ansonsten ist das Buch vor allem am Ende eher actionreich. Manchmal haben mir doch die cleveren und selbstreflexiven Anmerkungen gefehlt, die ich im Vorgänger so geliebt habe. Ich freue mich nun schon auf den nächsten Teil der Janies Reihe, auch wenn wir da noch eine ganze Weile warten dürfen.

Wie fandet ihr das Buch und die Reihe bisher? Ich kann sie wirklich empfehlen!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





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