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Montag, 4. März 2024

The Undertakers


Hallo meine Mysteryfreunde,

ich bin heute etwas traurig, denn eigentlich wäre ich morgen ein paar Tage weggefahren, zwar für die Arbeit, aber etwas Schönes. Dank Bahnstreik konnte ich das heute alles absagen und es wird stattdessen ein Onlinemeeting. Aber was soll's. Dafür habe ich statt Kofferpacken Zeit euch von einem Buch zu erzählen, das ich kürzlich beendet habe.

Die Fakten:

  • Autor: Nicole Glover
  • Sprecher: Bahni Turpin
  • Titel: The Undertakers
  • Reihe: Murder & Magic 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 14 Std 35min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Nothing bothers Hetty and Benjy Rhodes more than a case where the answers, motives, and the murder itself feel a bit too neat. Raimond Duval, a victim of one of the many fires that have erupted recently in Philadelphia, is officially declared dead after the accident, but Hetty and Benjy’s investigation points to a powerful Fire Company known to let homes in the Black community burn to the ground. Before long, another death breathes new life into the Duval investigation: Raimond’s son, Valentine, is also found dead. Finding themselves with the dubious honor of taking on Valentine Duval as their first major funeral, it becomes clear that his passing was intentional. Valentine and his father’s deaths are connected, and the recent fires plaguing the city might be more linked to recent community events than Hetty and Benji originally thought."

Zur Handlung: Hetty and Benjy versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Dazu klären sie einerseits weiter Verbrechen gegen Schwarze Personen auf, andererseits will Hetty auch ein erfolgreiches Bestattungsgeschäft aufbauen. Allerdings scheint letzterem etwas im Wege zu stehen, denn obwohl Menschen nun einmal sterben, haben sie keinerlei Kunden. Deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mitten in einen neuen Fall zu stürzen.

Hettys Ziehvater hat die beiden gebeten den Tod eines seiner Freunde aufzuklären. Doch die Erklärung, die sie finden, erscheint zu simpel und zu perfekt. Kaum haben die beiden den Fall zu den Akten gelegt, deuten neue Hinweise darauf hin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben. Und das könnte zum Tod von weiteren Personen führen...

Dies ist der zweite Band, der diesen beiden Figuren folgt. Über The Conductors hatte ich euch schon vor einiger Zeit mal berichtet. Ich mochte den ersten Band, war aber nicht völlig verliebt. Daher hatte ich es auch nicht zu eilig, die Fortsetzung zu lesen. Davon abgesehen behandelt jedes Buch seinen eigenen Fall, nur die zentralen Charaktere bleiben gleich. Irgendwie wollte ich nun aber wissen, wie es mit Hetty, Benjy, Penelope und den anderen weitergeht.

Das zweite Buch steht dabei fest in den Fußstapfen des ersten Bandes. Ich mochte die Charaktere, ich finde das Magiesystem spannend aber nicht super gut erklärt, und manchmal ist es einfach viel zu praktisch, und der Fall ist etwas unnötig kompliziert, weil verschiedene Zeitebenen und Geheimnisse miteinander verwoben werden. Daher ist auch meine Gesamteinschätzung ziemlich die gleiche wie nach Band 1: ich mochte das Buch, aber ich bin nicht absolut verliebt.

Im ersten Band lernten wir Hetty und Benjy kennen, die verheiratet sind, aber das eher weil es praktisch ist und nicht aus Liebe. Inzwischen hat sich das allerdings geändert, und die beiden führen eine liebevolle, partnerschaftliche Ehe. Sie wohnen außerdem in einem größeren Haus, zu dem auch die Bestattungsfirma gehört, die Hetty in Schwung bringen will. Ich habe diese beiden Charaktere einfach lieb gewonnen, Hetty die etwas aufmüpfigere, und Benjy mit seiner inneren Ruhe. Ich habe gern gelesen, wie es ihnen weiterhin ergeht. 

Auch die meisten Nebenfiguren kennen wir bereits, da der erste Fall sich in ihrem Freundeskreis abgespielt hatte. Zu diesem Freundeskreis gehören neben Ersatzschwester Penelope, die wundervolle Tränke braut, auch ein schwules Pärchen und ein Transmann. Ich finde es schön, dass die Autorin hier auch Diversität in ein historisches Setting einbaut, denn diese Menschen hat es immer schon gegeben. Außerdem sind alle zentralen Charaktere Schwarz. Zeitlich befinden wir uns hier wieder nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika, allerdings bekommen wir Zeitsprünge zurück in die Zeit, in der es Sklaverei noch gab, und sehen, wie Hetty und Benjy gemeinsam als Teil der Underground Railroad versklavte Menschen befreien.

Das magische System dieser Welt hat verschiedene Teile. Das meiste lernen wir über Celestial Magic, die die Schwarze Bevölkerung praktiziert. Diese Magie hat mit den Sternenbildern zu tun, aber mir bleibt sie auch im zweiten Band zu vage und zu praktisch - für jeden Situation können die Charaktere gefühlt ein beliebiges Sternenbild malen, und das macht dann etwas. Wenn diese sich dann in helfende Figuren verwandeln, muss ich manchmal unfreiwillig an Yu-Gi-Oh denken. Im ersten Band hatte wir außerdem gelernt, dass die Weißen Zauberstäbe für ihre Magie nutzen, das taucht hier am Rande auch auf. Außerdem war die Celestial Magic lange verboten, ein Zeichen der Unterdrückung.

Auch dieser Fall fängt zunächst etwas vage an, und es gibt sogar eine Zeit lang vermeintlich mehrere Fälle, die aber dann doch vielleicht alle auf den gleichen Täter zurückdeuten. Mit dem Verlauf der Geschichte sehen wir, dass er vielleicht auch viel näher an Hetty und Benjy herankommt, als die beiden ursprünglich dachten. Der Fall hat dabei auch mit der Vergangenheit zu tun, die wir in Rückblenden erzählt bekommen. Mir was das schon teilweise zu viel, es ist dann schwer genau zu verfolgen. Ich finde das aber nicht so schlimm, ich gehe einfach mit der Geschichte mit und schaue, wohin sie mich führt. Richtig zum Mitraten ist der Fall aber nicht unbedingt.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es gibt dann noch ein recht explosives Ende, bei dem auch viel auf dem Spiel steht. Die Auflösung des Falls war für mich dann gar nicht unbedingt so interessant, aber ich wollte sehen, dass unsere liebgewonnenen Charaktere in Sicherheit sind. Für mich hat es damit seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt empfehle ich dieses Buch, wenn ihr die Verbindung von Magie und Mystery mögt. Es lebt vor allem von den Hauptfiguren, der realistischen Diversität und dem Funkeln der Sternmagie. Wenn ihr allerdings selber mitraten und Theorien aufstellen wollt, wer der Täter war und warum, dann ist es vielleicht zu unübersichtlich und überfüllt. Außerdem solltet ihr keine zu schnell erzählte Geschichte erwarten, hier baut sich alles langsam auf, auch wenn es am Ende brenzlig wird und man mitfiebern kann. Ich denke, es ist nicht für jeden, aber mir hat es gefallen.

Zukünftige Bücher in dieser Welt scheinen anderen Charakteren zu folgen, aber ein weiterer Band soll dann Ende dieses Jahres erscheinen. Ich werde mir den sicherlich mal anschauen, denn ich mag diese Welt, aber ich werde Benjy und Hetty vermissen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Samstag, 2. März 2024

Fearing the Black Body


Hallo meine Lesehasen,

wir gehen heute vom Black History Month in den Women's History Month, also lasst uns doch über ein Buch sprechen, dass die Themen race, gender und Körpergewicht miteinander verbindet. Das Buch hat mich schon seit Jahren interessiert, aber jetzt bin ich endlich dazu gekommen es zu lesen.

Die Fakten:

  • Autor: Sabrina Strings
  • Titel: Fearing the Black Body - The Racial Origins of Fat Phobia
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: New York University Press
  • Seiten: 212 + Anhang
  • Preis: 32,55 Euro / kostenlos im Audible Abo
  • Klappentext: "Sabrina Strings weaves together an eye-opening historical narrative ranging from the Renaissance to the current moment, analyzing important works of art, newspaper and magazine articles, and scientific literature and medical journals-where fat bodies were once praised-showing that fat phobia, as it relates to black women, did not originate with medical findings, but with the Enlightenment era belief that fatness was evidence of "savagery" and racial inferiority. Fearing the Black Body argues that the contemporary ideal of slenderness is, at its very core, racializied and racist. An important and original work, it reveals that fat phobia isn't about health at all, but rather a means of using the body to validate race, class, and gender prejudice."

Zum Inhalt: In diesem Buch wendet die Aurotin Analysen von historischen Material an, um aufzuzeigen, wie das Narrativ von Körperfett als etwas Schlechtem und moralisch Verwerflichem entstanden ist. Dabei beginnt sie im 16. Jahrhundert, einer Zeit, in der die ersten afrikanisch-stämmigen Sklaven in den wichtigen Häfenstädten Europas sichtbar werden. Dabei geht es einerseits um die Inszenierung von Körpergewicht, andererseits um die Inszenierung von race, und wie beides mehr und mehr miteinander verwoben wird.

Dabei belässt die Aurotin es nicht bei einer Analyse der Unterschiede von schwarz und weiß, sondern greift verschiedene "Rassentheorien" auf und beleuchtet dahingehend auch unterschiedliche Gruppen von Menschen, vor allem auch irische Menschen oder Menschen aus Osteuropa (meist jüdisch), die zu verschiedenen Zeiten große Migrationsgruppen für die USA darstellten und als "andere" markiert wurden. Immer wieder wird dabei die Größe und Schlankheit der anglo-sächsischen bzw. später arischen "Rasse" betont, wohingegen andere Gruppen mit hohem Körpergewicht und damit körperlicher und moralischer Inferiorität verknüpft werden.

Das Buch ist grob in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil geht es um das 16. und 17. Jahrhundert und fokussiert vor allem auf Europa, da hier das kulturelle Zentrum der weißen Welt liegt. Zunächst sind nicht-weiße Personen in dieser Zeit einer Neuheit und werden so in der Kunst dargestellt, und es gibt Diskussionen, ob diese genauso als schön gelten können wie weiße (meist Frauen). Dabei gilt zu dieser Zeit ein runder, wohlgenährter und kräftiger (Frauen-)Körper als ideal, das sowohl in weißen als auch in nicht-weißen Körpern gesehen wird. Diese Narrative ändern sich mit der Zeit, wenn Schwarze Körper zunehmend als klein, dürr und schwach beschrieben und damit nicht mehr mit Schönheit verbunden werden.

Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Zeit, in der die "Rassentheorien" aufkommen. Wir betrachten dann auch mehr als nur Europa, auch wenn hier alles beginnt. Wir gehen dann allerdings auch nach Nordamerika über, wie der schlanke (Frauen-)Körper immer mehr zum Trend wird. Hier wandelt sich nun also das race-Gewichts-Narrativ. Nun sind die abgemagerten, großen weißen Frauen elegant und schön, und hohes Körpergewicht wird immer mehr mit den inferioren "Rassen" verbunden. Dabei kann es sich um Schwarze Körper handeln, aber auch um irische oder südeuropäische, denn diese wurden als "Rassen" mit afrikanischem oder asiatischem Erbe interpretiert. Interessant ist auch immer der mentale Spagat, dass das vermeintlich zu hohe Gewicht bei den weißen, anglo-sächsischen/arischen und damit superioren Körpern nur einer vorübergehenden Verirrung zu verschulden ist, die sich mit viel Bildung und Reform wieder richten lässt, während es bei den anders-gemachten "Rassen" als intrinsischer Fehler des Bluts gesehen wird, der eben beweist, dass sie inferior sind. 

Das Buch endet dann im dritten Teil mit einem Blick auf die Rolle der Medizin in dem Ganzen, die dann doch erschreckend gering ist. Zwar gab es einige Ärzte, die schon früh hohes Körpergewicht als ein gesundheitliches Risiko benannten und wilde Diäten (quasi nur Kuhmilchtrinken) vorschlugen, allerdings was das gesundheitliche Argument nie durchsetzungsfähig. Erst mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der vermeintlichen Abkehr von Ideen der "Rassentheorien" und Eugenik wird die Bedeutung der Medizin für die Kontrolle von (weiblichen und nicht-weißen) Körpern bedeutender. Besonders spannend war dann auch ein Hinweis auf zwei Studien im Epilog, die ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht wurden. Während eine zeigte, dass die Mortalität mit Übergewicht geringer ist als bei Normalgewicht, betonte die andere, dass (hohes) Körpergewicht noch tödlicher sei als bisher angenommen - vor allem für Schwarze Frauen. Dass letztere Studie breit durch alle Medien geschleift wurde, während erstere einen intellektuellen Shitstorm auslöste, bestimmte das Narrativ der "Adipositasepidemie" für die nächsten Jahre.

Alles in allem war dieses Buch für mich absolut gelungen. Es ist sehr gut lesbar, auch für Nichtakademiker sehr verständlich geschrieben. Ich mochte die vielen Beispiele aus Kunst, Literatur, Wissenschaft und Quasi-Wissenschaft, Religion und Medien, die hier herangezogen werden um zu zeigen, wie sich über die Jahrhunderte ein Narrativ gefestigt hat: Fett ist schlecht. Dieses Narrativ bestimmt bis heute das Leben von vielen Menschen, vor allem Frauen. Wer sich schon immer gefragt hat, wo diese Idee eigentlich herkommt, der muss dieses Buch lesen.

Ich hoffe, ich konnte euch dafür ein bisschen interessieren. Für mich ist das eines der spannendsten Themen unserer Zeit

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 29. Februar 2024

Out There Screaming


Hallo meine Horrorleser,

heute möchte ich euch eine Geschichtensammlung vorstellen, die verschiedene Horrorgeschichten von Schwarzen Autoren zusammenträgt. Dabei waren viele Namen dabei, die mich direkt haben aufhorchen lassen. Und bei Horror bin ich ja sowieso gleich interessiert.

Die Fakten:

  • Editor: Jordan Peele
  • Titel: Out There Screaming
  • Erschienen: 2023
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 369
  • Preis: 23,82 Euro
  • Klappentext: "A cop begins seeing huge, blinking eyes in place of the headlights of cars that tell him who to pull over. Two freedom riders take a bus that leaves them stranded on a lonely road in Alabama, where several unsettling somethings await them. A young girl dives into the watery depths in search of the demon that killed her parents. Here you'll find monster-hunters fighting monsters, humanoid AIs fighting for their rights and an Igbo woman standing up to a powerful spirit."

Zu den einzelnen Geschichten:

  • Reckless Eyeballing von N K Jemisin

Diese erste Geschichte von einer meiner Lieblingsautorinnen ist knapp unter 20 Seiten lang und ziemlich eklig. Wir folgen einem Schwarzen Polizisten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Übeltäter zu bestrafen. Dabei handelt er nicht immer innerhalb der Linien des Gesetzes. Eines Tages beginnt er dann auffällige Augen zu sehen, und in seinem Versuch herauszufinden, was diese bedeuten, gerät sein Leben auf eine ganz neue Bahn. Ich gebe der Geschichte 4 Sterne, nicht so sehr gruslig, als einfach sehr abstoßend.

  • Eye & Tooth von Rebecca Roanhorse

Die Bücher von Rebecca Roanhorse will ich schon ewig lesen, wenn sie doch endlich mal eine Reihe zu Ende schreiben würde. Daher habe ich mich sehr auf ihre Geschichte gefreut. Sie ist auch knapp unter 20 Seiten lang und erzählt von zwei Geschwistern, die Monster jagen. Sie werden zu einer entlegenen Ranch in Texas gerufen, wo etwas im Kornfeld auf der Jagd ist. Es war eine schöne kleine Gruselgeschichte mit einem guten Twist am Ende, ich gebe auch hier 4 Sterne.

  • Wandering Devil von Cadwell Turnbull

Auch die Bücher von Cadwell Turnbull sind auf meiner Wunschliste, und ich war gespannt auf diese Geschichte. Wir folgen einem Mann, der einer Familie von rastlosen Wanderern entspannt. Aufgewachsen bei der Großmutter macht er sich eines Tages auf den Weg die USA zu erkunden. Inzwischen lebt er in einer Stadt, in der er sich in eine Frau verliebt hat, die bereit ist mit ihm ein Leben zu starten, aber er weiß nicht, ob er bleiben kann oder die Wanderlust ihn wieder packt. Leider war diese Geschichte ziemlich langweilig, wenn auch gut geschrieben. Horror war es für mich nicht. Ich gebe ihr 3 Sterne.

  • Invasion of the Baby Snatchers von Lesley Nneka Arimah

Von dieser Autorin hatte ich bisher nicht gehört und war gespannt auf die Geschichte. Sie ist etwa 20 Seiten lang und setzt an dem Klischee der Alienschwangerschaft an, die mich direkt erstmal an die Sims erinnert hat (denn da können auch männliche Sims nach einer Entführung durch Aliens schwanger werden). Wir folgen einer Protagonistin, die genau solche Alienbabys jagt. Ich fand die Geschichte an sich spannend und kreativ, die Art, wie sie mit diesem Klischee spielt, aber am Ende zu offen. Ich gebe ihr 4 Sterne. Auch hier war für mich etwas wenig Horror und mehr Sci-Fi.

  • The Other One von Violet Allen

Diese Geschichte ist etwa 15 Seiten lang und wieder von einer Autorin, die ich bisher nicht kannte. Wir folgen Angela, die in ihrer Familie das weiße Schaf ist. Allerdings hat ihr Partner sie verlassen, und sie kommt nicht gut damit klar. Plötzlich schreibt ihr allerdings eine andere Frau von seiner Nummer und verlangt, dass sie vorbeikommt. Für Angela beginnt eine seltsame Nacht. Diese Geschichte war nicht wirklich für mich. Eifersucht und Herzschmerz sind für mich einfach keine sehr relevanten Themen, mit denen ich etwas anfangen kann. Daher gebe ich der Geschichte 3 Sterne.

  • Lasirén von Erin E Adams

Von dieser Autorin hatte ich schon ein Buch im Auge, habe allerdings den Namen nicht gleich erkannt, sondern es erst beim Googlen gesehen. Diese Geschichte ist unter 10 Seiten lang und folgt drei Schwestern auf Haiti, die von ihrer Mutter vor dem Meer und seltsamen Frauen darin gewarnt werden. Ich liebe Geschichten über Meerjungfrauen und Sirenen immer, vor allem wenn sie dunkel und gruslig sind. Auch hier war ich sehr begeistert, wie viel die Autorin auf den wenigen Seiten rüberbringt. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.

  • The Rider von Tananarive Due

Auf diese Geschichte war ich so gespannt, denn ich habe ein Buch der Autorin schon so ewig auf meiner Wunschliste und konnte es kaum erwarten ihren Schreibstil zu testen. Wir folgen zwei Schwestern, die sich in den 60er Jahren, während der Jim Crow-Ära in den USA, für die Bürgerrechtsbewegung engagieren. Sie wollen zu einer Demonstration mit dem Bus fahren, allerdings bekommen sie schon bei der Abfahrt ein schlechtes Gefühl. Sie sind die einzigen Reisenden in dem Bus, und nachdem sie eine Zeit eingeschlafen waren, scheinen sie nicht mehr auf der richtigen Strecke zu sein. Ich mochte diese Geschichte sehr, vor allem auch durch die Verortung in der Geschichte und die Frage, wer in dieser Geschichte das Monster ist. Ich gebe ich auch 5 Sterne.

  • The Aesthete von Justin C Key

Diese Geschichte ist mit 28 Seiten ziemlich lang für diese Sammlung. Von dem Autor hatte ich noch nicht gehört. Es ist eine Sci-Fi-Geschichte über künstliche Intelligenz, doch in dieser Welt werden die Roboter Art (also Kunst) genannt. Wir folgen einem männlichen Art, der recht jung seinen Creator verloren hat. Doch dann trifft er eine weibliche Art, die ihn an seinen Creator erinnert. Leider war diese Geschichte nicht für mich. Sie versucht etwas zu machen, aber das ist einfach kein Thema, was mich sehr interessiert. Es hat mich etwas an die beiden Kazuo Ishiguro-Bücher erinnert, die ich bisher gelesen habe: eine Mischung aus Klara and the Sun und Never Let Me Go. Ich gebe dieser Geschichte 3 Sterne.

  • Pressure von Ezra Claytan Daniels

Diese Geschichte, die mit etwa 15 Seiten wieder eher kurz ausfällt, ist in der zweiten Person geschrieben, was ich persönlich liebe, viele andere aber gar nicht mögen. Ich werde nie verstehen warum, weil für mich zieht es einen dann direkt mehr in die Geschichte hinein. Wir folgen einer mixed-race Person, die in einer weißen Familie großgeworden ist und diese Familie besuchen fährt. Dabei befinden wir uns scheinbar in einer Zeit, in der extreme Wetterverhältnisse noch viel häufiger geworden sind, sodass zum Beispiel Flugzeuge nun dauernd abstürzen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich für die Geschichte einfach ein bisschen zu blöd war, ich habs nicht wirklich verstanden. Ich mochte aber den Schreibstil sehr, also gebe ich 4 Sterne.

  • Dark Home von Nnedi Okorafor

Mit etwa 25 Seiten ist dies eine der längeren Geschichten in diesem Buch. Ich war sehr darauf gespannt, weil ich schon oft von Nnedi Okorafors Büchern gehört hatte. Wir folgen einer Frau, die gerade ihren Vater verloren hat, damit allerdings nicht gut zurecht kommt. Bei seiner Bestattung beschließt sie sich gegen die nigerianischen Traditionen ihrer Familie zu wenden und muss dann mit den Konsequenzen leben. Ihr amerikanisches Leben ist voller technischer Überwachung, doch selbst die kann ihr nun kein Gefühl von Sicherheit mehr vermitteln. Die Szene, wo sie im Auto feststeckt und über die Kamera in ihrem Haus nach ihrem Hund schaut - für alle Haustierbesitzer ein Alptraum. Auch so fand ich die Geschichte sehr spannend und auch schaurig. Ich gebe 4 Sterne.

  • Flicker von L D Lewis

Diese ca 15 Seiten lange Geschichte ist wieder ein schnellerer Lesesnack. Die Autorin kannte ich vorher nicht, aber ich hatte gehört, dass einige Leute diese Geschichte sehr toll fanden. Wir folgen einer jungen Frau, die sehr schlechte Sicht hat und deren Bruder ein Augenarzt ist. An einem normal scheinenden Tag verschwindet für 21 Sekunden für alle Menschen die Sicht - die Welt wird einfach dunkel - und dann stürzt alles in Chaos. Mir war das Ende etwas so abrupt und offen in einer Art, aber es ist schon eine gruslige Vorstellung. Ich gebe 4 Sterne.

  • The Most Strongest Obeah Woman of the World von Nalo Hopkinson

Auch diese Geschichte ist wieder über 25 Seiten lang und damit eine der längeren in diesem Band. Die Autorin kannte ich bisher nicht, aber es fand es spannend, dass wir hier auf karibische Inspiration aufbauen. Die Sprache ist hier auch mit dem Akzent geschrieben, was für Nichtmuttersprachler vielleicht etwas herausfordernd ist, aber bestimmte gerade im Hörbuch toll funktioniert. Wir folgen einem jungen Mädchen, das sich an einer Meereskreatur rächen möchte, die ihre Eltern getötet hat, aber dann eine seltsame Verbindung mit dem Wesen eingeht. Es hat dadurch ein starkes Body-Horror-Element. Für mich war das eher eine traurige Geschichte, da das Wesen sehr wie ein Tintenfisch geschrieben ist, und ich mag es einfach nicht, wenn diese für Horror verwendet werden. Ich gebe der Geschichte trotzdem 4 Sterne, weil sie gut geschrieben war. 

  • The Norwood Trouble von Maurice Broaddus

 Diese Geschichte mit etwa 15 Seiten folgt einem Mädchen, dass in einer Schwarzen Community in Indianapolis lebt. Die Geschichte ist eher historisch und spielt kurz nach dem Bürgerkrieg in den USA. Der Horror hier liegt vor allem in der Geschichte des Kukluxklans und den schrecklichen Verbrechen, die diese begangen haben. Doch in dieser Geschichte schlägt ein kleines Mädchen vielleicht zurück. Ich fand den Schreibstil etwas verwirrend und gebe 4 Sterne.

  • A Grief of the Dead von Rion Amilcar Scott

Diese Geschichte war auch wieder über 25 Seiten lang und leider gar nicht für mich. Es gibt ja einfach unterschiedliche Arten von Horror, und ich bin nicht von allen davon überzeugt. Hier haben wir im Kern eine Zombie-Geschichte, auch wenn viel anderes drumherum passiert. Und es gibt sehr wenige Zombie-Geschichten, die ich mag. Diese Geschichte habe ich tatsächlich über mehrere Tage gelesen, weil es einfach nicht geklickt hat. Es kommen auch noch Riesenvögel vor, die mich an eine Szene in Es erinnert haben. Insgesamt gebe ich 3 Sterne.

  • A Bird Sings by the Etching Tree von Nicole D Sconiers

In dieser etwa 20 Seiten langen Geschichte geht es um Autounfälle. Wir folgen einer Protagonistin, die in den 1990er Jahren bei einem Unfall ums Leben kommt und nun den Straßenabschnitt, auf dem es passiert ist, bespukt. Als an der gleichen Stelle ein anderes Mädchen bei einem Unfall stirbt, finden sie beiden Geistern zusammen und beginnen ein tödliches Spiel. Die Geschichte war auch nicht so richtig für mich, vielleicht auch weil mir für das Thema Straßenverkehr dann doch einige Vokabeln fehlen. Ich gebe 4 Sterne.

  • An American Fable von Chesya Burke

Diese nicht ganz 20 Seiten lange Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Wir befinden uns in den USA nach dem Ersten Weltkrieg, wo Schwarze Soldaten für dieses Land gekämpft haben und nun zurückkehren und weiter wie Dreck behandelt werden. Das hat mich direkt an Mudbound erinnert, einer der besten Filme auf Netflix. In dieser Geschichte geht es allerdings um einen Mann in einem Zug, der von einem mysteriösen Kind vor einem weißen Mob gerettet wird. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.

  • Your Happy Place von Terence Taylor

Auch diese Geschichte ist unter 20 Seiten lang und wir folgen einem Mann, der das perfekte Leben hat. Doch die Firma, für die er arbeitet, ist dubios, und er entschließt sich der Sache auf den Grund zu gehen. Sie bieten ein neues Projekt an, bei dem Gefangene im Gefängnis ihre Strafe mindern können, wenn sie über ein Computerprogramm neue Fähigkeiten erlernen. Ich fand diese Geschichte super, sie ist eine Mischung aus Get Out und Matrix, und verweist auf die großen Probleme des amerikanischen Gefängnissystems. Ich gebe 5 Sterne.

  • Hide & Seek von P Djèlí Clark

Jetzt komme noch einmal eine Geschichte von einem Autor, den ich schon kenne und sehr mag. In dieser Geschichte treffen wir auf ca 20 Seiten zwei kleine Jungen und ihre Mutter. Sie spielen ein seltsames Versteck-Spiel, bei dem es um Magie, und vielleicht sogar um Leben und Tod, geht. Dabei geht es thematisch um Drogenabhängigkeit, und die Hilflosigkeit, die Kinder von abhängigen Eltern erfahren. Ich mochte die Geschichte, ich gebe ihr 4 Sterne.

  • Origin Story von Tochi Onyebuchi

Diesen Autor habe ich schon länger im Auge und war daher gespannt auf seine Geschichte, die das Buch zum Abschluss bringt. Mit etwa 30 Seiten scheint die Geschichte lang, sie ist aber nicht als Fließtext geschrieben, sondern als Theaterstück. Wir haben eine Szene mit vier weißen Jungen, die auf den Beginn eines Kurses warten. Hier merke ich wieder, dass ich für manche Dinge einfach nicht schlau genug bin, denn ich habe mit Sicherheit nicht alles verstanden, was in diesem Text steckt. Ich gebe 4 Sterne. 

Alles in allem hat mir diese Sammlung von Geschichten sehr gut gefallen. Es ist wirklich für jeden und jede etwas dabei. Ich hoffe, ihr seid nun inspiriert sie vielleicht auch irgendwann zu lesen. Für mich war es eine schöne Gelegenheit ein paar neue Autoren zu entdecken. Neben den Geschichten fand ich übrigens auch das Vorwort von Jordan Peele, der den Film Get Out gemacht hat, sehr interessant.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: