Diesen Blog durchsuchen

Sonntag, 18. April 2021

Imagine Me


Hallo meine Dystopienleser,

vor einem Jahr ist dieses Buch erschienen, der letzte Band in der Shatter Me-Reihe, die ja eigenlich schon mal beendet war. Ich habe das zum Anlass genommen, die Reihe nochmal komplett von Anfang an zu lesen, damit ich diesem Band wirklich die fairste Chance geben kann. Die Reihe ist ja vor allem vom Drama geprägt, dass einerseits mit der dystopischen zerstörten Welt und andererseits mit den Beziehungen der Charaktere zu tun hat. Wie kann dieses Buch nun einen Abschluss finden?

Die Fakten:

  • Autor: Tahereh Mafi
  • Titel: Imagine Me
  • Reihe: Shatter Me 6
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Electric Monkey
  • Seiten: 450
  • Preis: 8,59 Euro
  • Klappentext: "Juliette Ferrars. Ella Sommers. Which is the truth and which is the lie? Now that Ella knows who Juliette is and what she was created for, things have only become more complicated. As she struggles to understand the past that haunts her and looks to a future more uncertain than ever, the lines between right and wrong - between Ella and Juliette - blur. And with old enemies looming, her destiny may not be her own to control. The day of reckoning for the Reestablishment is coming. But she may not get to choose what side she fights on.

Zur Handlung: Der Weg von Juliette Ferrars war lang und schmerzhaft, aber war er auch eine Lüge? Als Ella ihre Erinnerungen an ein anderes Leben zurückerhält, beginnt sie ihre Welt und ihr Leben ganz neu zu verstehen. Die größte Erkenntnis: sie hat eine Schwester, die von Reestablishment ausgenutzt wird. Diese Schwester ist der Grund, warum es Ella überhaupt noch gibt. Doch kann sie sie retten?

Kaum sind Ella und Aaron vereint, werden sie schon wieder getrennt. Während Ella zurück in die Hände ihrer Familie fällt, kann Aaron sich und den Stützpunkt zwar retten, aber fortan ist er nur noch eine leere Hülle, denn er weiß, dass er Ella nie wieder sehen wird - nicht seine Ella. Kenji bleibt nun die Aufgabe, in all der Verwirrung einen Weg zu finden, wie das Reestablishment am Ende doch noch besiegt werden kann.

Nach sechs Bücher geht diese Reihe zu Ende, und ich möchte nochmal die Frage aufmachen, warum sie so erfolgreich ist. Ich glaube, das liegt vor allem an der sehr dramatischen Beziehung von Warner und Juliette, die sich zunächst hassten und dann lieben lernten, nur um immer wieder getrennt zu werden. Und während es durchaus das Drama anheizen kann, wenn die Charaktere nicht in lokaler Nähe zu einander sind, so sollte man das nicht überstrapazieren. Das allerdings ist hier geschehen, denn nachdem schon im 5. Band Juliette und Warner getrennt werden, sind sie nach einer kurzen Pause auch in diesem Buch wieder auf getrennten Wegen. Und das lässt dann eben Raum für andere Elemente, die die Reihe weitertragen müssen.

Als ein solches Element wurde offensichtlich Kenji gewählt. Nachdem wir zunächst nur Juliettes Perspektive in den Büchern hatten, dann Warners dazukam und schließlich Kenjis, verlieren wir im letzten Band Warners Perspektive und fast die komplette Handlung ruht plötzlich auf Kenji. Das hat auf mich ein wenig verzweifelt gewirkt, denn offensichtlich fand die Autorin, dass sie die Geschichte nicht aus den beiden Hauptperspektiven zu Ende erzählen kann.

Das wird dadurch verstärkt, dass mit Juliette etwas geschieht, das an Peeta in Mockingjay erinnert. Dadurch verlieren wir in ihrer Perspektive das, was uns über mehrere Bücher mit Juliette verbunden hat. Das hält zwar nicht an, bringt aber noch mehr Gewicht auf Kenjis Kapitel, um uns etwas zu geben, an dem wir uns festhalten können. Auch wenn es inhaltlich schon Sinn macht, dass so etwas passiert, war es nicht die schlauste Lösung, wenn es um die Erzählperspektive im Buch geht.

Da uns also unsere beiden Hauptfiguren irgendwie abhanden kommen und ihre Beziehung nicht mehr im Vordergrund steht, muss nun die Handlung uns irgendwie durchs Buch kriegen. Diese fand ich aber leider nicht ausreichend. Während wir im 5. Band unglaublich viel über Ella erfahren haben, sind eigentlich keine Rätsel mehr offen. Es geht jetzt eigentlich nur noch darum, wie das Reestablishment fällt, aber das beruht mehr auf Actionszenen als auf guten Twists oder tiefen Handlungsebenen. 

Neu ist auch die Beziehung von Kenji und Nazeera, die bereits im vorherigen Buch angefangen hat. Leider mag ich beide Charaktere zwar als einzelne Charaktere, aber ihre Chemie hat mit mir nicht geklickt. Daher fand ich auch diesen Teil des Buches nicht als guten Ersatz für die Dynamik von Warner und Juliette. Dagegen wird Warner wieder so verschlossen, wie wir ihn schon kannten, und anstatt das zu nutzen und in seinem Kopf zu verweilen, verschwindet er irgendwie an den Rand der Handlung.

Das Ende fand ich dann leider auch nicht zufriedenstellend. Während Band 3, das ursprüngliche Ende der Reihe, mit einer großen Schlacht und einem ausgeklügelten Plan zu Ende ging, und wir dann die Erleichterung bekamen, dass Warner und Juliette beide irgendwie überlebt haben, ist dieses Ende nun eher chaotisch und bietet keinen wirklichen Höhepunkt. Auch in Bezug auf Ellas Schwester hatte ich mir da einfach mehr erhofft. Und anstelle eines Endes, dass in der Größe und im Schmerz passend für die Handlung von Buch 4 und 5 gewesen wäre, bekommen wir einen kitschigen Epilog, der dann auf einem aus Warners Sicht ist. Das hat mir dann den letzten Beigeschmack noch verdorben.

Alles in allem ist dieses Finale daher leider eine Enttäuschung. Ich werde zwar weiter die Bücher von Tahereh Mafi lesen, aber ich überlege nun, zumindest die Bücher 4-6 wieder zu verkaufen und die Shatter Me-Reihe in Zukunft wieder als Trilogie zu behandeln. Obwohl es ein paar Sachen gibt, die ich an diesem Band gut fand (vor allem dass es mehr Diversity im Cast gibt verglichen mit den frühen Büchern), ist es nicht genug, um mich wirklich zu begeistern. Ich habe dieses Buch zwar sehr schnell gelesen, aber richtig mitgefiebert habe ich nicht. Einfach schade.

Habt ihr die Reihe denn beendet? Und wie habt ihr das empfunden?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 16. April 2021

Find Me


Hallo meine Dystopien-Freunde,

bei der Welt, in der wir im Moment leben, will man ja kaum Dystopien lesen. Deswegen hat es vermutlich auch ein ganzes Jahr gedauert, bis ich mein Vorhaben die Shatter Me-Reihe zu beenden, endlich in die Tat umgesetzt habe. Es gab dabei zwei Bücher, die ich bisher nicht gelesen hatte: diese Sammlung von zwei Novellen und den letzten Roman. Beides werde ich diese Woche hier auf dem Blog vorstellen.

Die Fakten:

  • Autor: Tahereh Mafi
  • Titel: Find Me
  • Reihe: Shatter Me 4.5 und 5.5
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: HarperCollins
  • Seiten: 158 (+ Anfang Restore Me + Anfang A Very Large Expanse of Sea)
  • Preis: 7,89 Euro
  • Klappentext: "Kenji will do anything to protect the people he loves. In Shadow Me, he must continue to help lead the resistance while supporting Juliette as she reels from Warner's betrayal. In Reveal Me, he will be forced to stand up to the people he trusts the most in order to save those he cares about."

Die erste Geschichte Shadow Me spielt am Ende von Buch 4, die zweite Geschichte Reveal Me spielt zwischen Buch 5 und 6. Die Geschichten sind beide aus der Sicht von Kenji, der schnell zu einem meiner Lieblingscharaktere der Reihe geworden war. Von daher war ich gespannt auf die Geschichten, gleichzeitig bin ich aber nicht der größte Fan von solchen Novellen in längeren Reihen von Romanen.

Beim ersten Sammelband für Novellen zu dieser Reihe war es noch besonders, dass wir aus einer anderen Sicht lesen als der von Juliette. Dieses Novum haben wir hier nicht mehr, denn in der zweiten Hälfte dieser Reihe bekommen wir auch in den Romanen mehrere Perspektiven. Tahereh Mafi ist dabei gut darin, ganz verschieden zu schreiben, sodass man immer weiß, wem man gerade folgt. Das merkt man auch hier in den Geschichten, die definitiv in Kenjis Kopf verankert sind.

Es wird jetzt ein bisschen spoilerisch, wenn ihr die Reihe noch nicht groß (weiter)gelesen habt. Kenji ist für seine Umgebung immer ein bisschen der Pausenclown, er hat immer einen dummen Spruch auf Lager und will alle bei Laune halten. Außerdem ist er gut darin zu sehen, wenn andere mit Problemen kämpfen. Ein Thema in den Kurzgeschichten ist daher, wie ihn das aber selbst runterziehen kann, denn bei ihm schaut außer Juliette kaum mal jemand hinter die Fassade und fragt, wie es ihm wirklich geht. Das fand ich ganz interessant.

Außerdem ist Kenji ja ziemlich stark in Nazeera verliebt. Auch das spielt eine große Rolle in den Geschichten. Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht so ganz, wie ich das fand. Für mich hatten die beiden nicht so viel Chemie. Ich liebe Kenji zwar als Charakter, aber dass Nazeera ihn auf diese Weise mag, hab ich nicht ganz nachvollzogen. Aber das kann dann jeder für sich entscheiden.

Was mich an dieser Sammlung gestört hat ist Folgendes: die erste Geschichte ist relativ sinnlos. Wir wissen schon alles über die Dinge, die in der Geschichte geschehen, denn es ist das Ende von Buch 4. Allerdings sehen wir es durch Kenjis Augen. Aber jeder mit ein bisschen Verstand kann sich schon gut denken, wie Kenji sich bei dem allen fühlt und braucht dann nicht diese Geschichte, um die Fantasie anzuregen. Darum ist sie eigentlich ziemlich überflüssig. Das sieht man auch daran, dass Buch 5 ungelogen mit dem letzten Teil der Geschichte als erstes Kapitel startet.

Die zweite Geschichte dagegen ist für mich eigentlich unerlässlich für Buch 6. Da die Handlung zwischen den beiden Büchern spielt, verpassen wir sonst wichtige Dinge, die in Buch 6 zwar angedeutet werden, aber schon wichtig zu wissen sind irgendwie... Das ist vor allem seltsam, weil wir in Buch 5 und 6 plötzlich so viele Kapitel aus Kenjis Sicht haben, die es vorher nicht gab. Da frage ich mich: wieso eine extra Novelle? Auf jeden Fall passt das recht positive Ende von Band 5 überhaupt nicht zum dramatischen Anfang von Band 6, wenn man diese Kurzgeschichte dazwischen weglässt.

Alles in allem finde ich solche Novellen einfach ein bisschen blöd. Ich finde, wenn darin wichtige Dinge bekannt werden, gehören sie in die Romane, und wenn sie unwichtig sind, braucht sie keiner. Aber das ist meine persönliche Meinung. Es würde mich freuen zu hören, ob ihr das anders seht. Ich würde also sagen, man sollte zumindest Reveal Me lesen, bevor man ins letzte Buch einsteigt, aber gut finde ich es deswegen nicht.

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 14. April 2021

Sommer in Edenbrooke

Hallo zusammen,

endlich habe ich meine kleine Flaute überwunden und das liegt an diesem kleinen Schmuckstück.

Fakten:
  • Autorin: Julianne Donaldson
  • Übersetzerin: Heidi Lichtblau
  • 2017 erschienen
  • 352 Seiten
  • Pendo Verlag
  • Preis: nur noch gebraucht in der gebundenen Ausgabe z.B.: 1,88€
Klappentext:
"Marianne Daventry würde alles dafür geben, der Langweile in Bath zu entkommen, wo ein lästiger Verehrer immer wieder versucht, sie für sich zu gewinnen. Deswegen zögert sie nicht, als sie eines Tages eine Einladung von ihrer Zwillingsschwester Cecily erhält, sie auf dem großen Landsitz Edenbrooke zu besuchen. Marianne hofft, dort in aller Ruhe entspannen und die schöne Landschaft erkunden zu können, während ihre Schwester damit beschäftigt ist, den attraktiven Erben von Edenbrooke zu umwerben – doch spätestens, als sie dem sehr unfreundlichen, aber sehr gut aussehenden Sir Philip in die Arme läuft, wird Marianne allmählich klar, dass man manche Dinge einfach nicht planen kann. Denn der geheimnisvolle Mann wird nicht nur ihr Herz in Aufruhr versetzen, sondern auch ihr ganzes Leben durcheinanderwirbeln ..."

Wie ihr schon mitbekommen habt, bin ich ein bisschen verliebt in diese Geschichte. Das liegt nicht daran, dass sie so besonders ist, das ist sie eigentlich gar nicht, aber sie ist einfach zuckersüß und so so schön altmodisch romantisch. 

Marianne ist 17 und lebt nach dem Tod ihrer Mutter getrennt vom Rest ihrer Familie bei ihrer Großmutter. Ein solches Leben ist für eine so junge Frau auch im 19. Jahrhundert eher sehr langweilig. Daher hat sie Glück mit ihrer Zofe einen anderen Ort zu besuchen. Doch auf dem Weg dahin werden sie überfallen und hier zeigt sich schnell wie untypisch Marianne ist. Nach dem Überfall nimmt sie das Geschehen in die Hand. Das ist hier nicht nur ein Stilmittel, sondern definitiv nicht normal für die damalige gesellschaftliche Ordnung. 

Sie trifft so fernab vom Landgut auf Philip, der sich ihr nicht vorstellt, aber sie vollends unterstützt und wir merken sofort, wie hin und weg er von der ungewöhnlichen Marianne ist. In Edenbrooke lernen die beiden sich dann ungestört kennen und mögen. Doch Marianne hat ein riesen Selbstwertproblem, denn sie steckt immer hinter ihrer Zwillingsschwester zurück. Sie will ihr Philip überlassen, wie auch sonst alles in ihrem Leben. Alles versteht sie plötzlich völlig falsch. Gleichzeitig verliert sie ihre Aufmüpfigkeit nicht. Sie ist einfach unglaublich selbstlos und auch unschuldig.

Zwischendurch habe ich Cecily abgrundtief gehasst. Sie ist aus meiner Sicht ein ganz schrecklicher Mensch und das macht auch das Ende für mich nicht wieder wett. Ich mag viele Charaktere im Buch nicht oder finde sie überflüssig, da ich so verliebt in Marianne und Philip bin. Schließlich gerät Marianne in eine unmögliche Situation und Philip darf und kann ihr Held sein. Ja ich weiß, ich verrate viel zu viel, aber machen wir uns nichts vor, es ist eine berechenbare Geschichte ab der ersten Seite. Es geht nicht um die Geschichte selbst, sondern um die Art und Weise wie diese erzählt wird.

Der Schreibstil der Autorin ist ganz reizend und sehr gut an die damalige Zeit angepasst. Ich mag diesen unterschwelligen Witz und wie viel Charme in jeder Aussage von Marianne ist. Sie ist einerseits so unschuldig und gleichzeitig so frech und direkt. Sie ist überhaupt kein Püppchen und liebt es in der Natur zu sein. Dies drückt sie auch durch Malerei aus.

Die Beschreibungen einzelner Szenen sind gerade so detailliert, dass man sich alles gut vorstellen kann, aber völlig in den Emotionen hängen bleibt. Ich war einfach durchgehen berührt und entzückt. So wünsche ich mir leichte Schnullis. Zu gern würde ich mich auch so verspielt vornehm ausdrücken können. Ja ich weiß, man könnte meinen ich überbewerte dieses Buch, aber für mich war es eben genauso toll, kennt ihr das?

Eure Blue Diamond