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Mittwoch, 16. Juni 2021

The Other Black Girl


Hallo meine Grusel-Hasen,

zum 1.6. sind einige Bücher erschienen, die ich richtig interessant finde. Eins davon möchte ich euch heute vorstellen. Dieses Buch hat mein Interesse geweckt, weil es mit dem Film Get Out verglichen wurde, den ich liebe, und weil der Hauptcharakter bei einem Publishing House in den USA arbeitet. Diese Kombination klingt ja schon mal sehr spannend.

Die Fakten:

  • Autor: Zakiya Dalila Harris
  • Titel: The Other Black Girl
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Atria Books
  • Seiten: 368
  • Preis:
  • Klappentext: "Twenty-six-year-old editorial assistant Nella Rogers is tired of being the only Black employee at Wagner Books. Fed up with the isolation and microaggressions, she’s thrilled when Harlem-born and bred Hazel starts working in the cubicle beside hers. They’ve only just started comparing natural hair care regimens, though, when a string of uncomfortable events elevates Hazel to Office Darling, and Nella is left in the dust. Then the notes begin to appear on Nella’s desk: LEAVE WAGNER. NOW. It’s hard to believe Hazel is behind these hostile messages. But as Nella starts to spiral and obsess over the sinister forces at play, she soon realizes that there’s a lot more at stake than just her career."

Zur Handlung: Seit zwei Jahren arbeitet Nella bereits bei Wagner Books. Als sie ihre Chefin um eine Lohnerhöhung bat, hat diese abgelehnt. Nella ist die einzige Schwarze, die in ihrem Büro arbeitet, und ist den Alltagsrassismus ihrer Kollegen bereits gewöhnt. Dennoch geht das schlechte Gefühl nie ganz weg. Doch dann hat sie eine neue Kollegin: Hazel - und plötzlich ist sie nicht mehr allein. 

Hazel wendet sich zunächst vertrauensvoll an Nella, um sich Tipps für die Arbeit bei ihr zu holen und mehr über die Kollegen zu erfahren. Doch nachdem sie Nella dazu animiert hat, ihrer Chefin zu sagen, dass ein Manuskript für ein zukünftiges Buch voller rassistischer Klischees ist, wird Hazel schnell zur allseits beliebten Ansprechpartnerin für alle Rassismus-Fragen. Und Nella sieht ihre berufliche Zukunft zu Staub zerfallen...

Dieses Buch ist in mehrere Teile geteilt. Während wir im ersten Teil nur Nella als Charakter folgen, haben die andere Teile dann auch Kapitel, die anderen Figuren folgen. Mir hat der erste Teil eigentlich am besten gefallen. Wir lernen Nella an dem Tag kennen, an dem plötzlich eine zweite Schwarze Frau anfängt, in ihrem Büro zu arbeiten. Nella kann ihr Glück kaum fassen, dass sie den Alltagsrassismus der Firma bald nicht mehr allein ertragen muss.

Allerdings wird schnell klar, dass Hazel etwas anders ist. Wenn die höher angesehenen Kollegen rassistische Sachen von sich geben oder bestimmte Nuancen nicht verstehen, lächelt Hazel nur, während sich Nella innerlich das Fell sträubt. Man merkt schnell, dass die beiden nicht unbedingt auf einer Wellenlänge sind, aber Nella möchte unbedingt diese Solidarität mit Hazel aufbauen.

Nella ist ein interessanter Charakter, denn obwohl sie Schwarz ist, hat sie nur eine einzige Schwarze beste Freundin, ihr Partner ist weiß und sie ist in einer hauptsäschlich weißen Mittelstandsgegend aufgewachsen. Für Nella hat es beispielsweise lange gedauert, bis sie sich entschieden hat ihre Haare natürlich zu tragen und nicht mehr zu glätten. Auch mit ihrer Berufswahl hat sich Nella ein sehr weißes Gebiet ausgesucht. Hazel dagegen scheint die perfekte Schwarze Frau zu sein, stolz auf sich, selbstsicher und stark, mit tollen Frisuren und einer Coolness, die Nella total fehlt. 

Wie bereits gesagt, führt das Buch dann ab dem zweiten Teil noch andere Perspektiven ein. Das war der Teil, den es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Ich fand diese anderen Perspektiven eher verwirrend, und am Beginn von Teil 4 glaube ich wird dann in einem solchen Kapitel das ganze Ende vorweggenommen. Das fand ich sehr unglücklich gelöst und habe nicht verstanden, warum beim Editieren nicht jemand dieses Kapitel gestrichen hat.

Was das Buch aber gut schafft, ist eine angespannte Atmosphäre aufzubauen. Schon im Teil 1 habe ich total mitgefiebert, was da passieren muss. Als dann die erste Notiz auftauchte, die Nella sagte, sie solle Wagner Books verlassen, das hat mir eine Gänsehaut versetzt. Ich fand das Setting so eines "Bürojobs" für einen Thriller total interessant und passend. Wir kennen es ja alle, wenn man sich mit Kollegen auseinandersetzt, die plakativ gesagt so künstlich wie ihre Fingernägel sind, und ähnliches. Aber beim Job muss man ja trotzdem irgendwie immer höflich und produktiv bleiben, egal was geschieht. Das fängt das Buch sehr gut ein.

Ich bin immer noch ein bisschen unsicher, wie ich die Auflösung des Ganzen fand. Einerseits denke ich mir, dass es schon passend ist, weil es an ein Thema ansetzt, das in Bezug auf Schwarzsein auch häufig thematisiert wird. Andererseits sehe ich auch, dass es inzwischen fast schon klischeehaft wirkt. Da könnt ihr euch ein eigenes Bild machen und mir Bescheidsagen, wenn ihr das Buch gelesen habt.

Das Ende haben dann einige andere Reviewer nicht besonders gemocht - und ich mag eigentlich auch solche Enden nicht. Hier aber hat es für mich gepasst und Sinn gemacht. Ich fand, dass die Entwicklung der Charaktere gut nachgezeichnet war, sodass ich das Ende geglaubt habe. Ist es schön? Nein, nicht wirklich. Aber macht es Sinn? Meiner Meinung nach ja. Aber auch hier sagt mir gern, wie ihr das empfunden habt, wenn ihr das Buch gelesen habt.

Kann das Buch nun mit Get Out mithalten? Nein, ich glaube, da gibt es doch noch einige Qualitätsunterschiede. Aber mir hat das Lesen von The Other Black Girl wirklich Spaß gemacht, ich habe vor allem im ersten Teil und am Ende wirklich mitgefiebert und wollte unbedingt wissen, was da los ist. Und ich werde auch zukünftige Bücher der Autorin im Auge behalten, denn ich denke, für ein Erstwerk war das schon wirklich ansprechend.

Lasst mich wissen, was ihr zum Buch denkt!

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 13. Juni 2021

Elesztrah Reihe

Hallo zusammen,

ja also diese Reihen lassen mich nicht los und so gibt es heute schon wieder eine. Nur damit wir das mal klären, ja ich liebe es Reihen am Stück zu erleben, einfach weil ich sonst schlecht darin bin, mir alle wichtigen Details zu merken.

Fakten:
  • Autorin: Fanny Bechert
  • High Fantasy
  • 4 Bände
  • seit 2016
  • 400-460 Seiten
  • Sternensand Verlag
  • Preis: 14,90€ (Taschenbuch)
Klappentext:
"Eine verbannte Jägerin auf der Suche nach ihrem Gefährten … Ein Krieger aus den Reihen der königlichen Garde … Eine Macht, die beide untrennbar miteinander verbindet … Als die Elfe Lysanna herausfindet, dass ihr Gefährte von dem gefürchteten Flammenden Lord gefangen gehalten wird, verspürt sie nur einen Wunsch: ihn zu befreien. Dabei zählt sie auf die Hilfe ihres Clans ›Angelus Mortis‹. Mitten in den Vorbereitungen auf den bevorstehenden Kampf taucht jedoch der Elfenkrieger Aerthas in ihrem Dorf auf, mit dem sich Lysanna auf unerklärliche Weise verbunden fühlt. Liegt es daran, dass sie beide geheimnisvolle Kräfte in sich tragen, die sie gemeinsam lernen müssen, zu beherrschen? Denn ihre vereinte Macht könnte die einzige Möglichkeit sein, den Flammenden Lord endgültig zu vernichten. Doch selbst wenn ihnen das gelingen sollte, steht die wachsende Zuneigung, die zwischen Aerthas und Lysanna entsteht, unter einem ungünstigen Stern."

Erst einmal ein paar allgemeine Worte. Diese Reihe ist eine echte Erlebnisreise. Von Band zu Band entwickelt sich die Geschichte auf hohem Niveau weiter und rückt immer andere Charaktere in den Mittelpunkt. Auch wenn vielleicht für den ein oder anderen ein Grund gar nicht erst mit dem Lesen zu beginnen - doch das Ende des vierten Bandes verlangt geradezu nach einer weiteren Reihe oder meinetwegen auch weiteren Bänden. Es gibt keinen klassischen Cliffhanger, aber eben irgendwie den Beginn neuer Erzählstränge.

Aufgrund der Komplexität dieser Welt(en) lässt sich nicht so wirklich gut ausdrücken, in was für einer Umgebung wir uns befinden. Ich würde sagen, es ist schon eine klassische Welt wie wir sie kennen und gleichsam ist sie altertümlich angehaucht. Die Handlungen widerum sind aber hoch modern und mit magischen Elementen versetzt, aber auch mit jahrhunderte alten Kenntnissen. Es gibt verschiedene Länder und Völker und Wesen. So richtig "sortiert" nach Wesen ist es nicht, im Prinzip können alle mit allen zusammenleben. Unsere Hauptfiguren sind Elfen, die ich mir ja immer eher klein, wenn nicht gar winzig vorstelle. Hier haben sie Menschengröße. Für mich ist diese Welt mit Elfen, Orks und Zwergen nicht so bekannt und ich bin meist auch nicht so verrückt danach, aber hier habe ich das gar nicht so wahrgenommen. Keine Ahnung ob das für Liebhaber eher blöd ist, für mich war es gut und vor allem gut für die Geschichte. Daran merk ich auch immer, dass es mir so null auf die Art der Geschöpfe ankommt, die vorkommen, sondern um die Charaktere selbst.

Elesztrah ist übrigens das Land in dem alles so passiert oder um das sich alles dreht. Die Untertitel der Bände beschreiben dann ganz gut den Fokus des jeweiligen. Die Cover sind ja nicht so meins. Sie sind mir zu dunkel und verwaschen und nee, einfach nicht so meins. Ein Glück hat mich Coverkäuferin das nicht abgehalten =D

Die Autorin liest im Hörbuch ihre Bücher übrigens selbst vor, was toll ist, denn sie kann natürlich am besten das rüberbringen, was ihr Ziel war und ist.

Man kann sagen, dass es 4 Hauptfiguren gibt. Band 1 und 2 sind vor allem durch Lysanna und Aerthas geprägt. In Band 3 kommen Fayori und Sedan immer mehr in den Vordergrund und Band 4 ist ihnen im Prinzip ganz gewidmet.

In dieser Reihe erleben wir einige Schlachten, aber ganz intrigenreiche Verhandlungen. Wir lernen Magie kennen, die sich um Supermagier dreht, die ihre Kräfte verteilen um Vorteile zu gewinnen. Es gibt mehr oder weniger drei Ebenen in denen wir uns in dieser Welt bewegen. Von mir aus hätten Schicksalgeber und co. ruhig stärker vorkommen können. Ich mochte sehr wie auch die Tierwelt eingebunden wird. 
Manche Situationen waren zwar ein bisschen doll konstruiert, doch die Dynamik in der Geschichte ist unverkennbar und bringt einen dazu, immer weiter lesen zu wollen. Immer wieder streut sich dann auch die ein oder andere Romanze ein. Generell sind die Emotionen der Geschichte immer unglaublich hoch geladen und wirklich fesselnd. Doch ich möchte nun nochmal kurz auf die 4 Hauptfiguren eingehen.

Lysanna: Mit ihr haben wir einen echten Raufbold als Elfe. Sie ist weder besonders feinsinnig noch zauberhaft, sondern viel mehr eine Amazone, wenn man das in dem Zusammenhang so ausdrücken darf. Sie ist ein bisschen hin und her gerissen, wo ihr Weg hinführen soll und muss dabei auch eine Rückschläge einstecken. Zum Ende der Reihe wird sie aber immer ruhiger und in sich ruhend. Was sie definitiv ist - immer mit dem Herzen dabei.

Aerthas: Für mich ist er irgendwie ein bisschen formlos. Er scheint eher ein Mitläufer zu sein und versteckt sich hinter seinem Soldatsein. Neben Lysanna ist er ein schwacher Charakter, aber vielleicht passt er gerade deshalb so gut zu ihr. Seine Kraft mag ich ja sehr und ja irgendwie stellt sie sehr gut ihn selbst dar, aber das wiederum find ich schade, weil das wieder so negativ klingt.

Fayori: Sie ist Lysannas Tochter - auf Umwegen. Dieses Konstrukt der familiären Verbandelungen ist schon sehr verrückt und eindeutig nicht von dieser Welt, aber das sind dann eben auch die High Fantasy Elemente. Am Anfang fand ich sie total nervig und komisch und hab auch nicht verstanden, warum der Fokus später auf sie gelegt wird. Doch dann entwickelt sich dieser Charakter immens und am Ende hat sie eine so wunderbare Gabe, dass ich sie ins Herz geschlossen habe.

Sedan: Ja ich würde sagen er ist von allen der komplexeste Charakter. Am Anfang ist er eher unscheinbar und ein Nebencharakter über den nur erzählt wird. Doch er wird zum Ende zu einer Schlüsselfigur. Man bekommt ihn nicht so richtig zu fassen und irgendwie wird er auch nicht so nett von der Autorin behandelt, wie die anderen. Vermutlich gerade deswegen wöllte ich ihn auf keinen Fall missen. 

Empfehlen möchte ich diese Reihe eher denen, die gerade High Fantasy für sich entdecken und einen weiteren sanften Einstieg suchen. Habt einen schönen Sonntag,

eure Blue Diamond.

Freitag, 11. Juni 2021

Know My Name


Hallo meine Lieblingsleser,

heute möchte ich euch von einem neuen Lieblingsbuch berichten. Als ich das erste Mal davon hörte, war ich fest davon überzeugt, dass dies ein 5-Sterne-Buch für mich wird, da gab es keinen Zweifel. Und so ist es auch gekommen. Umso mehr freue ich mich, dass ich jetzt hier auch davon erzählen kann.

Die Fakten:

  • Autor: Chanel Miller
  • Sprecher: Chanel Miller
  • Titel: Know My Name
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Penguin Audio
  • Dauer: 15 Std. 24 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "She was known to the world as Emily Doe when she stunned millions with a letter. Brock Turner had been sentenced to just six months in county jail after he was found sexually assaulting her on Stanford's campus. Her victim impact statement was posted on BuzzFeed, where it instantly went viral - viewed by 11 million people within four days, it was translated globally and read on the floor of Congress; it inspired changes in California law and the recall of the judge in the case. Thousands wrote to say that she had given them the courage to share their own experiences of assault for the first time. Now, she reclaims her identity to tell her story of trauma, transcendence, and the power of words. It was the perfect case, in many ways - there were eyewitnesses, Turner ran away, physical evidence was immediately secured. But her struggles with isolation and shame during the aftermath and the trial reveal the oppression victims face in even the best-case scenarios. Her story illuminates a culture biased to protect perpetrators, indicts a criminal justice system designed to fail the most vulnerable, and, ultimately, shines with the courage required to move through suffering and live a full and beautiful life."

Zur Handlung: Chanel Miller war bereits keine Studentin mehr, als sie beschloss, noch einmal mit ihrer kleinen Schwester auf eine College-Party zu gehen. Die Nacht war wild, sie hatte viel Spaß mit ihrer Schwester, doch irgendwann wacht Chanel auf und kann sich nicht mehr erinnern, wo sie ist und was passierte. Sie erfährt, das "etwas" mit ihr passiert ist, doch die Polizei kann noch nichts Genaueres sagen.

Chanel übersteht alle Tests und Beweisaufnahmen im Krankenhaus, darf nach Hause fahren und erfährt ein paar Tage später aus der Zeitung, was geschah: zwei Radfahrer hatten entdeckt, wie ein männlicher Student versuchte sie hinter einem Müllcontainer zu vergewaltigen. Sie konnten ihn stoppen, festhalten und der Polizei übergeben - all das hat Chanel nicht mitbekommen. Als die Staatsanwaltschaft fragt, ob Chanel als Zeugin bei dem Fall helfen wird, stimmt sie zu, doch sie ahnt nicht, wie das ihr Leben verändern wird.

Einige von euch erinnern sich vielleicht noch an den viralen Beitrag, der damals große Wellen schlug. Chanel Miller hat Jahre, nachdem sie sexuell angegriffen wurde, während sie stark alkoholisiert war, Jahre, die sie mit Gerichtsterminen, Gas Lighting durch die Verteidigung und Versuchen eines Neuanfangs verbracht hat, zu Papier gebracht, was diese Nacht - was Brock Turner - mit ihr gemacht hat, aus ihr gemacht hat.

Dass dieses Buch keine leichte Kost ist, wusste ich. Darum hatte ich es nun bestimmt ein Jahr lang auf meiner Wunschliste und konnte mich doch nie ganz zu bringen. Und es war auch wirklich hart, zunächst die Schilderungen, was Chanel physisch wiederfahren ist, dann was ihr psychisch wiederfahren ist. Dabei ist es fast schlimmer, sich die Ausführungen zum Trial, vor allem zum Auftreten des Verteidigungsanwalts, anzuhören, als zum ursprünglichen Angriff.

Chanel Miller ist dabei eine begnadete Autorin. Ihr gelingt es, die richtigen Worte zu finden, die perfekten Beispiele zu beschreiben und dabei auch immer wieder den perfekten Ausblick, die perfekte Reflexion einzubauen. Sie gibt einem nicht vor, was man denken soll, aber dennoch beschreibt sie alles so artikuliert, dass man am Ende nur zu einem Schluss kommen kann.

Besonders gut hat mir auch gefallen, dass zwischen den schrecklichen Kapiteln immer auch hoffnungsvolle waren, in denen wir Chanel als Menschen sehen, ihre Kreativität und ihren Hang zu Kunst und zum Kreieren. Dadurch gelingt es ihr zu zeigen, dass der sexuelle Angriff nicht alles ist, was sie ausmacht und bestimmt - da ist so viel mehr. Und trotzdem sehen wir ihr Leben auf gewaltsame Weise zum Stillstand verdammt, während der Prozess sich immer länger hinzieht, immer wieder verschoben wird.

Chanel Miller macht in ihrem Buch auch deutlich, welche Ungleichheitsdimensionen dieses Thema zeichnen. Sie betont, dass ein lateinamerikanischer oder schwarzer Täter niemals nur 6 Monate im Gefängnis bekommen hätte, genauso jemand, der nicht Student einer Eliteuni wäre, sondern vielleicht nur die Küchenhilfe der Mensa. Sie zeigt auch, dass es viele Opfer gibt, die nicht die geringste Chance haben, überhaupt ein Schuldig von einer Jury zu erhalten, gerade Opfer von häuslicher Gewalt und Vergewaltigung in Ehe und Familie. 

Das Ende gibt Hoffnung, denn wir hören, wie sich durch die große Medienwirksamkeit dieses Falls tatsächlich kleine Veränderungen in Kalifornien ergeben haben. Gleichzeitig schreibt Chanel Miller von Donald Trump und seinen sexistischen Lockerroom-Gesprächen. Sie kritisiert, wie mit diesem Mann und seinen Kumpanen quasi die laufende Rape-Culture ins Weiße Haus eingezogen ist. Gleichzeitig spricht sie auch von einem Brief, den Joe Biden ihr geschrieben hatte, um ihr Bewunderung auszusprechen.

Alles in allem ist dies ein ganz wundervolles Buch, das dennoch schwer im Magen liegt, weil wir sehen, wie sexistisch und opferfeindlich das Justizsystem der USA und eigentlich die ganze Welt immer noch sind. Es verdeutlicht Rape Culture wie kein anderes Buch, das ich bisher gelesen habe, und ich habe auch meinen Partner gebeten, es zu lesen. Ich hoffe, jeder liest dieses Buch, vor allem auch die männlichen Leser unter euch.

Bis bald

Eure Kitty Retro



Meine Bewertung: