Diesen Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Tragödie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tragödie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 22. September 2023

The Handsworth Times


Hallo meine Lesefreunde,

gestern habe ich euch von einem Buch berichtet, dass mir sehr gut gefallen hat und das super in die kommende Jahreszeit passt, und vielleicht wäre es sinnvoll da auch mit den Leseempfehlungen weiterzumachen. Aber heute zum Freitagabend will ich mich einfach ein bisschen aufregen, also kommen wir zum schlechtesten Buch, das ich bisher dieses Jahr gelesen habe.

Die Fakten:

  • Autor: Sharon Duggal
  • Titel: The Handsworth Times
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Bluemoose Books
  • Seiten: 238
  • Preis: 11,50 Euro
  • Klappentext: "Mukesh Agarwal sits alone in the Black Eagle pub, unaware that a riot is brewing or that Billy, his youngest son, is still out on his bike... A mile away, at home in Church Street, Anila, one of the three Agarwal girls, is reading Smash Hits and listening to Radio One as she sprawls across the bottom bunk, oblivious to the monumental tragedy that is about to hit her family. It is 1981 and Handsworth is teetering on the brink of collapse. Factories are closing, unemployment is high, the National Front are marching and the neglected inner cities are ablaze as riots breakout across Thatcher's fractured Britain. The Agarwals are facing their own nightmares but family, pop music, protests, unexpected friendships and a community that refuses to disappear all contribute to easing their personal pain, and that of Handsworth itself."

Zur Handlung: Am Tag als Billy während eines großen Protestes von einem Krankenwagen überfahren wird, zerbricht etwas in der Familie Agarwal. Kein Familienmitglied ist auf diesen Trauerfall vorbereitet. Der Vater versinkt in Alkoholismus, die Mutter in einem Putzwahn. Die älteste Schwester verschwindet so schnell sie kann an die Uni. Die anderen beiden Schwestern stürzen sich in Liebesaffären und kommunistische Jugendverbände. Der Bruder schwänzt die Schule und versteckt sich vor der Welt.

Aber die Welt hält nicht still, und so begleiten wir diese Familie über ein Jahr, während einige Familienmitglieder noch tiefer und tiefer im Morast versinken, während andere sich langsam wieder ans Licht arbeiten. Das alles spielt vor dem Hintergrund der 80er in Großbritannien, eine Zeit, in der es den meisten Briten in der Arbeiterschicht mehr als schlecht ging. Die gute Laune dürft ihr also direkt an der Tür abgeben.

In diesem Buch folgen wir einer indischen Familie in Großbritannien, womit wir nicht nur das Thema Klasse sondern auch ethnische Herkunft vertreten sehen. Es geht viel um die verschiedenen ethnischen Gruppen und inwieweit diese sich zusammenschließen können, wollen und sollen, um ihr Leben zu verbessern und sich Macht von der Regierung zurückzuholen. An sich sind das Themen, die mich generell interessieren.

Ich muss aber auch gleich dazu sagen, dass ich aufgrund des Klappentextes das Buch nie gekauft hätte. Da spricht mich nicht viel an. Auch die 80er mag ich eigentlich nur in der nostalgischen Stranger Things-Richtung. Hier kriegt man aber die 80er, wie sie eben waren: ziemlich scheiße. Ich habe das Buch tatsächlich in einer Buchbox erhalten, vermutlich im Jahr, als es rauskam. Seitdem hat es mich nie wirklich interessiert und so staubte es im Regal herum.

Entsprechend war ich dann auch nicht super enttäuscht, dass das Buch mir nicht gefallen hat. Vor allem mag ich nicht, wie alles so im Elend versinkt. Es gibt eigentlich keinen Lichtblick im ganzen Buch. Aber auch die schwierigen Themen, die hier aufgemacht werden, zum Beispiel Trauer, Alkoholismus, Zwangsgedanken, Vergewaltigung, Homophobie, und so weiter, werden nicht in einer Art und Weise diskutiert, dass ich daraus irgendetwas gewonnen hätte. Stattdessen wird das Buch irgendwie so zum Tragedy Porn, dass ich nur noch mit den Augen gerollt habe, wenn dieser Familie die nächste schlimme Tragödie passiert ist. Auf den wenigen Seiten ist kein Platz sich mit so vielen Themen sinnvoll auseinander zu setzen.

Die Charaktere wirkten für mich dann auch wie austauschbare Figuren, die eben irgendwie diesen ganzen Mist erleben sollten. Am meisten habe ich noch mit der Mutter gefühlt, die durch ihre Erziehung und die Ansichten ihres Ehemanns ja eigentlich eher passiv für alle sorgen soll, aber auch merkt, dass sie damit in dieser Welt und dem Elend nicht weiterkommen wird. Sie hat eine weiße Freundin, die sie immer wieder dazu motiviert, aktiver in ihre Familie und ihre Community einzugreifen. Die restlichen Figuren.... keine Ahnung. Der Vater ging mir so auf den Keks. Ich weiß, das ist eine schlimme Krankheit, aber so wie es hier dargestellt war, habe ich kein Mitgefühl gefunden.

Alles in allem bin ich froh, wenn ich dieses Buch langsam aber sicher vergesse. Trotz der wenigen Seiten hat es mich in eine absolute Leseflaute gebracht, und ich habe über eine Woche an diesem Buch gelesen. Jetzt darf es bald ohne schlechtes Gewissen in den Bücherschrank wandern, und vielleicht findet es so ja jemandem, der diesem Buch etwas abgewinnen kann.

Was war euer entäuschendstes Buch bisher dieses Jahr?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 22. April 2022

Das Buch der Königin

Wie begrüßt man denn historisch richtig? 

Gerade bei einem historischen Roman wäre das ja ganz schön. Auch wenn ich die Geschichte erst gestern beendet habe, fallen mir nur noch so Sätze ein wie "Ihr habt nach mir gerufen?" und das ist hier nicht so richtig sinnvoll. Wir könnten starten mit - ihr wollt etwas erfahren? Nein, lieber nicht.

Fakten:

  • Autorin: Sabine Weigand
  • Historischer Roman
  • 2015 erschienen
  • 464 Seiten
  •  Fischer Taschenbuch
  • Preis: 9,99€

Klappentext:

"Es ist die berühmteste Geburtsszene des Mittelalters: Konstanze, Frau des deutschen Kaisers Heinrich VI., vierzigjährig, als unfruchtbar verschrieen, hochschwanger. Um jeden Preis muß sie die Legitimität ihres Kindes sicherstellen. Und so bringt sie ihren Sohn öffentlich, auf dem Marktplatz von Jesi, zur Welt. Die Nachwelt kennt sie als Mutter des Stauferkaisers Friedrich II. Aber welcher Weg liegt wirklich hinter Konstanze von Sizilien? Wem gehört ihre Treue: ihrer Heimat Sizilien oder ihrem Mann, dessen Grausamkeit sie entsetzt?"

Kurzer Einwurf, als die liebe Kitty mir zu Weihnachten den dritten Band der Nevermoor-Reihe geschenkt hat und wir dann in meinem Bücherregal festgestellt haben, dass der wieder eine andere Größe hat, haben wir uns kurz darüber aufgeregt und als ich gerade die Fakten aus dem Internet abschrieb, habe ich gesehen, dass die Maße bei manchen Verkaufsportalen stehen - ist das schon immer so? Und hat schon mal jemand von euch ein Buch abgemessen? Das einzige Mal wo ich das mal gemacht und da dann eben auch gebraucht hatte oder besser wissen wollte - war bei der durchschnittlichen Tiefe von Büchern um ein passendes Bücherregal zu kaufen, da ist es mir ganz persönlich zum Beispiel sehr wichtig, das nicht so viel vertaner Raum bleibt und Buch hinter Buch ist jetzt auch nicht so mein präferiertes Mittel. Aber das nur mal so nebenbei.

Dieses Buch ist für mich tatsächlich eher untypisch, denn es handelt sich um so ein richtiges historisches Buch, nicht nur so ein bisschen und dann mit Liebesgeschichte verbaut oder mit Fantasy gespickt, nein nein, so ein richtiger klassischer historischer Roman, wie sie manche lieben - ich eher weniger. Warum ich dieses Buch dann gewählt habe? Ja wegen des Titels. Der klingt nämlich voll nach mir =D Ihr wisst schon wie ich es meine.

Dafür, dass dieses Buch eine durchschnittliche Länge hat, hat es sich bei mir schon etwas gezogen und ist voll gepackt mit Handlung. Grundsätzlich ja ein super Zeichen, denn dann ist es ja auch fesselnd.

Was ich irgendwie gar nicht so toll fand, war der Prolog, denn ja, der ist was er sagt - das Ergebnis der Geschichte und ich mag schon selbst auf Enden von Geschichten hin arbeiten und auch wenn es total berechenbar ist, das auch als Ende erleben und mich freuen und das nicht gleich zu Beginn so serviert bekommen. Klar wollte ich wissen, wie es weitergeht bzw. wie die Geschichte überhaupt geht und bin deswegen am Ball geblieben, aber liebe Autorinnen und Autoren, macht sowas doch nicht, das ist doch doof - oder seh nur ich das so? Meine Mama hat mir erzählt, dass sie schon oft die letzten Seiten eines Buches liest, aber das ist ja dann eine ganz bewusste Entscheidung.

Ich glaube wir spielen im 19. Jahrhundert. Wir befinden uns im heutigen Italien und den Gebieten drumherum. Die Kirche spielt hier eine Schlüsselrolle, denn sie krönt und legt damit den Machthaber fest. Dieser wird eigentlich vererbt, doch es kommt zu dem Moment wo es keinen "alten" Herrscher mehr gibt, sondern nur dessen Nachkommen, der noch ein Kleinkind ist, also nicht in die Fußstapfen treten kann. Dieser Machtkonflikt ist auch der zentrale Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Wir wechseln immer mal die Perspektiven, verfolgen das Geschehen aber hauptsächlich durch die Königin. Also zumindest die Frau die im Titel gemeint ist.

Geschichtlich erfährt man einiges über Kriegsstrategie der damaligen Zeit, Erziehungsmethoden oder besser wie familiäres Leben in solchen hohen Positionen abläuft und auch den Buchdruck bzw. die Entstehung von Büchern zu dieser Zeit. Letzteres war ja genau mein Ding und ich war einfach nur fasziniert von dieser Detailliertheit. Wie Texte und Bilder entstehen, welche Farben genutzt wurden und wer überhaupt schreiben und lesen konnte. Auch der Rang und auch das Ansehen dieser Personen und hach. Natürlich gibt es da drumrum auch Intrigen und böswillige Aktionen. Während der ganzen Geschichte entsteht auch ein Buch. 

Der Hauptcharakter ist die besagte irgendwie Königin. Sie ist für die Zeit ziemlich emanzipiert zumindest in ihrem Denken, wenn auch nicht im Handeln, denn da bestimmt ihr Mann schon hauptsächlich. Doch mit ihrem Wissen, den Erfahrungen und auch der Art wie sie auf diejenigen zugeht, mit denen sie hofft, zusammen arbeiten zu können, schlägt sie sich sehr gut und schafft es ihre Ziele zu erreichen. Auch ihre Liebelei scheint mir für die Zeit eher ungewöhnlich.

Die männlichen Figuren im Buch sind bis auf den Buchschreiber alle irgendwie seltsam. Ist im Kontext des Buches vielleicht auch Absicht um die Frau eben herauszustellen. Sowas finde ich aber immer sehr schade, denn doofe Charaktere zu bauen, nur um eine besonders und sympathisch werden zu lassen.

Empfehlen möchte ich das Buch vor allem Liebhabern von historischen Romanen, aber auch denen, die an solchen Details wie der Buchentstehung interessiert sind. Es ist jetzt weder ein besonders romantisches, noch ein sonderlich dynamisches Buch, es ist aber definitiv sehr solide und nicht langweilig. 

Was vielleicht noch ungewöhnlich ist, ich dachte immer historische Romane sind eher Reihen, das hier ist ein Einzelband. Kennt ihr da noch mehr? Vielleicht ist das ja ein neu entdecktes Genre für mich,

eure Blue Diamond.



Montag, 14. Februar 2022

Luck of the Titanic


Hallo meine Historienfreunde,

man kann wohl sagen, dass Bücher über die Titanic insofern langweilig sind, als dass man ja weiß, was am Ende passiert. Auf der anderen Seiten kann dies eine ganz besondere Spannung erzeugen, denn während die Charaktere ihr Leben leben und ihre Ziele verfolgen, wissen wir, dass die Uhr tickt. Konnte dieses Buch mich also überzeugen, oder habe ich nur darauf gewartet, dass das Schiff sinkt?

Die Fakten:

  • Autor: Stacey Lee
  • Titel: Luck of the Titanic
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: G. P. Putnam's Sons
  • Seiten: 361
  • Preis: 11,99 Euro
  • Klappentext: "Valora Luck has two things: a ticket for the biggest and most luxurious ocean liner in the world, and a dream of leaving England behind and making a life for herself as a circus performer in New York. Much to her surprise, though, she's turned away at the gangway: apparently, Chinese people aren't allowed into America. But Val has to get on that ship. Her twin brother, Jamie, who has spent two long years at sea, is on board, as is an influential circus owner. Thankfully, there's not much a trained acrobat like Val can't overcome when she puts her mind to it. As a stowaway, Val should keep her head down and stay out of sight. But the clock is ticking and she has just seven days as the ship makes its way across the Atlantic to find Jamie, audition for the circus owner, and convince him to help get them both into America. Then one night, the unthinkable happens, and suddenly Val's dreams of a new life are crushed under the weight of the only thing that matters: survival." 

Zur Handlung: Valora ist ein junges chinesisch-britisches Mädchen mit großen Träumen. Nachdem ihr Vater verstorben ist, will sie unbedingt ihren Zwillingsbruder Jamie wiederfinden und mit ihm ein neues Leben beginnen. Er ist die einzige Familie, die sie noch hat. Sie sieht ihre Chance, als ihre Chefin, eine ältere Dame, beschließt Tickets für die Titanic zu kaufen. Valora weiß, dass ihr Bruder auch an Board des Schiffes ist.

Es gibt nur ein Problem: ihre Chefin verstirbt, bevor die Titanic in See sticht. Trotz ihrer Maskerade gelingt es Valora nicht, auf legitimen Weg auf das Schiff zu kommen. Also muss sie den Weg nehmen, den sie seit ihrer Kindheit perfekt beherrscht: den akrobatischen Weg. Ihr gelingt das Unmögliche - sie ist auf dem Schiff und muss nun irgendwie ihren Bruder finden und ihren Traum wahr machen.

Der Anfang des Buches ist recht spektakulär und hat mich direkt auch ein bisschen an den Film Titanic erinnert, denn wir folgen einer Figur auf das Schiff, die da gar nichts verloren hat. Valora jedoch wählt einen etwas aufregenderen Weg. Mithilfe einer unbekannten jungen Frau kann sie sich schließlich sogar in das teure Zimmer ihrer verstorbenen Chefin schleichen - und wird schließlich auf Umwegen zur Stilikone.

Ihr könnt also erahnen, es ist viel los in dem Buch, und ich habe mich von Anfang an gut unterhalten gefühlt. Valora als Hauptfigur ist abenteuerlustig, draufgängerig und manchmal auch ein bisschen unmenschlich. So sind ihre Verkleidungen dann doch ein bisschen zu gut um wahr zu sein. Aber wenn man darüber hinwegschauen kann, dann hat man viel Spaß mit ihr. Sie weiß, was sie will, und sie kämpft dafür mit allem was sie hat. 

Ihr Zwillingsbruder Jamie dagegen ist eher der bodenständige, durchdachte und auch ruhige. Ich mochte, wie die beiden sich ergänzt haben. Im Buch wird das auch mit Yin und Yang verglichen. Besonders gut fand ich, dass zwar darauf verwiesen, dass Yin eher als weiblich und Yang als männlich gesehen wird, dass die beiden aber genau anders herum sind - Jamie ist das Yin und Val das Yang. 

Zusammen mit Jamie lernen wir eine ganze Crew von chinesischen Arbeitern kennen. Diese reicht von kleinen Kindern bis hin zu älteren Männern. Besonders ist dabei Jamies bester Freund, mit dem auch Valora sofort eine Bindung spürt. Hier ergeben sich auch ein paar romantische Gefühle, die ich gut dargestellt fand für die Situation. Aber auch die anderen schließen wir mit Valora ins Herz - was natürlich nicht gut gehen kann, da wir wissen, wie alles enden muss.

Valora freundet sich außerdem mit zwei jungen Frauen aus der ersten Klasse an. Einerseits ist da ein Mädchen, das ein Auge auf Jamie geworfen hat und zur Mitwisserin wird. Andererseits haben wir die Unbekannte, die Valora aufs Schiff hilft und sie dann überredet, als geheimnisvolle Witwe die Kleider zu tragen, die sie designt. Das war vielleicht ein bisschen ein unnötiger Sub-Plot, aber ich mochte die junge Frau sehr. Nicht zuletzt, weil sie lesbisch ist und dies auch mehr oder weniger offen lebt.

Natürlich gibt es dann viel Rumgeschleiche auf dem Schiff, Wechsel von erster zu dritter Klasse und zurück, Verstecken und Verkleiden. Hier muss man dann einfach ein bisschen mitgehen und nicht alles hinterfragen. Dann kann man auch Spaß damit haben. Ein bisschen Länge hatte das Buch in der Mitte für mich dann schon, da es dann einen Teil gibt, wo eher geredet wird und wenig passiert. Aber dafür ging es dann am Ende hoch her.

Was das Buch gut aufgreift, sind die Themen Migration und Familie. Da die Zwillinge einen chinesischen Vater haben, haben sie Ausgrenzung erlebt und tun dies immer noch. Sie wissen, dass sie die USA nicht betreten dürfen, wenn das Schiff landet. Dort gibt es nämlich ein Einreiseverbot für Chinesen. Aber auch ihre Familiengeschichte ist dadurch geprägt. Die Mutter wurde von ihrer Familie quasi verstoßen, als sie ich für einen chinesischen Mann entschieden hat. Diese Wahl hat aber für sie noch viel mehr Einschränkungen bedeutet, denn nicht nur die Ethnie ihres Mannes, auch seine Wesenart haben das Leben der Familie stark beeinflusst.

Das wird vor allem zwischen Jamie und Valora diskutiert, denn während Valora ihren Vater immer bewundert und geliebt hat, hegt Jamie ganz andere Gefühle. Er macht seinen Vater vielmehr für den Tod der Mutter verantwortlich, und auch dafür, dass die Zwillinge schon als Kinder dauernd in Parks für Trinkgeld als Akrobaten auftreten mussten, um die Familie irgendwie über Wasser zu halten. Valora sieht ihren Vater als Visionär, Jamie sieht ihn als Träumer. Das fand ich eine spannende Diskussion.

Darüber hinaus wissen wir natürlich, irgendwann kommt der Moment, wo das Schiff sinkt. Der kommt auch. Ab da wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn natürlich wollte ich keinen der liebgewonnenen Charaktere im eisigen Wasser sterben sehen. Wie es dann genau ausgeht, das müsst ihr selbst herausfinden. Ich fand das Ende durchaus mutig von der Autorin, aber es hat dann doch nicht die Gefühle ausgelöst, die ich erwartet hatte. Ob das daran lag, dass dann doch irgendwie alles so chaotisch und schnell und zugleich zäh war am Ende - vermutlich so wie der Untergang wirklich war - oder ob ich einfach dann doch zu viele Lesepausen einschieben musste, weil mein Leben zu stressig war, keine Ahnung. Aber vielleicht geht es euch da auch anders.

Alles in allem empfehle ich das Buch, wenn ihr gern abenteuergeladene Bücher über interessante Charaktere lest. Ihr solltet darüber hinwegsehen können, wie gut sich Valora verkleiden und hin und her switchen kann. Und natürlich solltet ihr für das Ende vorsichtshalber Taschentücher bereitstellen. Aber mir hat das Lesen Freude bereitet und am Ende war es auch einfach super spannend.

Habt ihr denn schon Bücher über die Titanic gelesen?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 15. September 2021

Die Saga vom Eisvolk

Hallo zusammen,

die heutige Reihe ist schon etwas älter und ich bin auch noch nicht durch und werde es auch nie sein, finde sie aber super toll.

Fakten:

  • Autorin: Margit Sandemo
  • Übersetzerin: Dagmar Mißfeldt
  • Sprecher: Demet Fey
  • Roman
  • 1982 erstmals erschienen, 2020 auf Bookbeat
  • 47 Bände
  • ca. 250 Seiten je Band
  • ca. 8h

Klappentext:

"Silje ist erst siebzehn Jahre alt, als ihre gesamte Familie der Pest zum Opfer fällt. Ausgehungert, halb erfroren und mit zwei Waisenkindern auf dem Arm, sucht sie Hilfe nahe der Stadt Trondheim. Doch nur einer nimmt sich ihrer an, ein geheimnisvoller Mann aus der Sippe des Eisvolkes, der von einem mystischen Geheimnis umgeben ist – und auf Silje beängstigend, aber zugleich seltsam anziehend wirkt…"

Ich habe hier symbolisch Klappentext und Cover des Hörbuch vom ersten Band eingestellt und ja das ist ein Klappentext wie ich ihn mir vorstelle, denn er macht Lust auf mehr und verrät trotzdem so ziemlich nichts. 

Bei einer Reihe mit so vielen Bänden erscheint es ja nur logisch, das diese aufeinander aufbauen und vielleicht manchmal eher füllend oder erklärend und langweilig, aber das sind die die ich gelesen habe überhaupt nicht. Alle haben ihren eigenen Fokus und sind keineswegs langweilig. Jeder Band baut auf dem anderen auf, es gibt aber wenig Cliffhanger. Es handelt sich eher um eine fantastische, historische, norwegische Familiensaga. 

Ich vermute mal das Eisvolk ist in Norwegen ähnlich unseren Nibelungen. Sie erscheinen uralt und traditionell, aber auch mystisch und gleichzeitig ohne Probleme ins reale Geschehen einzubetten. Der fantastische Teil der Reihe ist an teuflisches Handeln und das von Hexen und Hexern angelehnt. Das Böse soll im Eisvolk durch Tengel verkörpert sein. Wer diese Gabe erbt, gehört oft gleichsam zu den besten Heilern. Auf diese sind alle Gruppen angewiesen und wollen sich das oft einfach nicht eingestehen.

Die Szenerie wird so lala beschrieben, mich hat es nicht gestört da für mich die Figuren im Mittelpunkt standen, es wäre aber auch sicher spannend. Doch viel wichtiger sind die Charaktere. 

Hachja ich habe überlegt alle aufzulisten und zu beschreiben, allerdings sind es so viele dass wir da niemals fertig werden und ihr sollt ja auch selbst entdecken. Nur so viel; wir erleben die unterschiedlichsten Figuren, von bitter böse bis liebreizend nett ist alles dabei. Natürlich gibt es neben klassischen Familiendramen auch echte, unheimliche Zusammenhänge oder Ereignisse. Ich hab tatsächlich keine Lieblingsfigur, aber viele musste ich erst kennen lernen um sie zu mögen.

Die Reihe hat außerdem eine ganz tolle Mischung aus Abenteuer, Spannung, Liebesgeschichten und Faszination. Empfehlen möchte ich die Reihe daher unbedingt auch wenn man sie nur auf norwegisch vollständig erleben kann,

eure Blue Diamond.



Freitag, 28. Mai 2021

Zugvögel

Hallo an alle die mehr in einem Buch suchen als "nur" Unterhaltung,

dieses hier ist ein echter Zufallsgriff und ich bin versucht es weiteren Menschen zu schenken, aber irgendwas hält mich ab.

Fakten:
  • Autorin: Charlotte McConaghy
  • Übersetzerin: Tanja Handels
  • Roman
  • 2020 erschienen 
  • 400 Seiten
  • S. Fischer Verlag 
  • Preis: 22,00€ (gebundenes Buch)
Klappentext:
Auf der Suche nach Erlösung folgt eine junge Frau den letzten Küstenseeschwalben in die Antarktis Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.

Dies ist ein ganz außergewöhnliches Buch. Franny ist unsere Protagonistin und ebenso ein besonderer Charakter. Sie ist eine Frau die die Welt am Abgrund sieht. Ihr ist es wohl bewusster als anderen da sie selbst ihre ganz eigene Welt nicht einordnen kann. Auf der einen Seite ist sie tief unglücklich und rastlos, dann wieder verfolgt sie einen tiefen Wunsch und würde alles tun, um ihn sich zu erfüllen. Es ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle die sie durchlebt und umtreibt. 

Mit ihr erleben wir eine Art Zukunft. Diese ist völlig dem Klimawandel unterlegen. Es gibt kaum noch Tiere und die Gesellschaft hat sich mehr oder weniger entzweit. So genau wird dieses Thema nicht beleuchtet, sondern nur Ausschnitte von Auswirkungen behandelt. Diese sind aber so einschneidend, dass mir auch gleich ganz anders wurde. Die Autorin schafft es dabei total realistisch zu bleiben. Als Leser nehme ich die besprochenen Effekte nun besonders stark in meinem Alltag wahr. 

Ein weiteres Thema an dem unsere Protagonistin nicht vorbeikommt obwohl sie sich so bemüht ist die Liebe. Wir haben hier keine Schnulze, es handelt sich um eine ganz direkte und tiefe Verbundenheit. Die Familie wächst auch, doch all das scheint an Franny kaum Spuren zu hinterlassen. Sie liebt ihre Familie, doch ein viel stärkerer Drang erfüllt sie. Sie will weg, nicht lang an einem Ort sein, mit den Vögeln reisen, raus aus allen Zwängen und Engen der Gesellschaft oder doch des Lebens? 

Die Kapitel springen in den unterschiedlichsten Zeitetappen in Frannys Leben hin und her. Am Anfang führt das zu einigen - versteh ich jetzt nicht - Momenten, doch später fügt sich alles zusammen. 

Mit den Nebencharakteren erleben wir auch die unterschiedlichen Themen und Situationen mit Franny. Mit niemandem wird der Leser aber so richtig warm, sie sind auch eher Figuren die zwar da sind aber nicht in den Fokus genommen werden. Normalerweise mag ich das ja nicht so, aber diesmal hat es mich nicht gestört. Franny nimmt einen komplett ein. 

Ein Glück ist der Schreibstil der Autorin ebenso ungewöhnlich und damit wunderbar passend zum Inhalt. Das ist kein klassischer Unterhaltungsroman. Er ist vielmehr erschreckend und düster. Es schwingt eine beschwerliche Atmosphäre mit. Dieses Buch ist sehr besonders und sollte unbedingt von vielen gelesen werden. Empfehlen kann ich es jedem, der einen Blick raus aus der Komfortzone wagen möchte,

eure Blue Diamond.

Freitag, 1. Januar 2021

Barfuß durch Hiroshima 2-4


Hallo meine Lieblingsleser,

wir wünschen euch einen guten Start ins Jahr 2021. Wir hoffen, ihr hattet gestern einen ruhigen Abend und wenigstens etwas Besonderes, um dieses echt seltsame Jahr zu verabschieden. Schauen wir mal, ob 2021 uns nun etwas Besseres bringen kann.

Damit wir nicht zu optimistisch werden, habe ich heute Bücher für euch, die euch daran erinnern, wie scheiße Menschen zueinander sein können. Den ersten Band dieser Graphic Novel-Reihe hatte ich euch zum 75. Jahrestag des Abwurfs der Atombombe bereits vorgestellt: hier. Heute möchte ich euch von den Folgebänden berichten. 

Die Fakten:

  • Autor: Keiji Nakazawa
  • Titel: Barfuß durch Hiroshima (2 Der Tag danach; 3 Kampf ums Überleben; 4 Hoffnung)
  • Übersetzung: Nina Olligschläger
  • Verlag: Carlsen Comics


Zur Handlung: Nachdem die Bombe auf Hiroshima gefallen ist und die Stadt komplett zerstört hat, hat Gen sein Haus, einen Großteil seiner Familie und alles, was er kannte, verloren. Gemeinsam mit der Mutter und der gerade geborenen kleinen Schwester muss er sich auf den Weg machen, um Hilfe zu finden. Doch es gibt in der Gegend nichts mehr, was ihnen das Leben retten kann - nur Gefahren.

Gen sieht sich nun als denjenigen, der seine Familie retten muss. Er besorgt mit seiner charmanten und schelmischen Art Essen und Geld für seine Mutter, damit die kleine Schwester nicht verhungern muss. Doch in so einer lebensfeindlichen Gegend, in der sich alle Bekannten von ihnen abwenden, wird das, was Gen als kleines Kind leisten kann, nicht ausreichen.

Der erste Band dieser Reihe war für mich der beste Graphic Novel, den ich je gelesen habe. In diesem Buch folgten wir Gens Familie durch das Japan der Weltkriegzeit. Wir sahen, wie die Menschen lebten und welche Stimmung herrschte. Mit dem Abwurf der Bombe wird dies alles zerstört, das Ende war absolut zerstörerisch und ich dachte mir, wenn ich die Reihe weiterlese, kann ich mich emotional vielleicht ein bisschen davon erholen.


Aber weit gefehlt: für Gen und seine Mutter geht es immer nur noch schlimmer weiter. Niemand will oder kann ihnen helfen. Die Hilfskräfte, die nach Hiroshima entsendet werden, haben keine Ausrüstung und sind selbst nicht gegen die Strahlen geschützt. Sie sind vor allem damit beschäftigt die Leichen zu verbrennen. Humanitär ist da gar nichts.

Gens Charakter ist das, was der Reihe trotzdem ein bisschen Leichtigkeit gibt, denn obwohl er ein kleiner Junge ist, gibt er einfach nicht auf. Es gelingt ihm auch, Menschen auf seine Seite zu ziehen, die auf keinen Fall mit den Überlebenden zu tun haben will. Der Aberglaube der Menschen in Japan zu der Zeit ist wirklich krass. So kümmert sich Gen dann auch um einen Mann, der ein begabter Maler war, aber auch Strahlung von der Bombe abbekommen hatte. Seine Familie ekelt sich vor ihm und lässt ihn in einem Zimmer liegen, weil sie Angst haben, die Auswirkungen der Bombe seien ansteckend.

Genauso gibt es Charaktere, die der Meinung sind, die Flüchtlinge aus Hiroshima wöllten sich jetzt auf ihre Kosten ein schönes Leben machen und verlangen große Gegenleistungen für etwas Reis oder eine Übernachtung im Haus. Wie es Menschen immer wieder gelingt, Gewinn aus dem Elend anderer zu ziehen, das werde ich in meinem Leben nie verstehen.

Ihr seht also, dass ihr von den Folgebänden keine emotionale Erleichterung erwarten könnt. Stattdessen geht das Ende mit der Bombe erst los. Ich finde es trotzdem wichtig, die Bände zu lesen, denn häufig denken wir bei Unglücken und solchen Attacken nur an die Toten und nicht an das große Elend der Überlebenden. Dabei ist das vielleicht noch schlimmer - ein völlig zerstörtes Leben, nichts mehr übrig, außer der eigene mehr oder weniger intakte Körper.

Ich habe entschieden jetzt mit der Reihe aufzuhören. Es war schon auch ein bisschen Masochismus dabei, das so zu lesen. Außerdem gab es dann in Band 4 vermehrt Zeitsprünge, die nicht angezeigt wurden, sodass ich beim Lesen zusehends verwirrt war. Aber ich bin froh, dass ich die Reihe bis dahin weiter verfolgt habe. Es ist auf jeden Fall eine Reihe, die die Schrecken des Krieges aufzeigen soll. Es wird nicht mit dem Finger auf irgendwen gezeigt, es wird vielmehr daran erinnert, dass im Krieg niemand gewinnt. Vor allem nicht die normalen Menschen.

So, wer also 2021 mal ein bisschen schlechte Laune bekommen möchte, der kann sich diese Reihe gern zu Gemüte führen. Für mich sollte sie viel bekannter sein und auch mehr gelesen und diskutiert werden! Kennt ihr die Reihe denn schon?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 5. Januar 2020

Salz für die See

Hallo meine Historienfreunde,

ich habe dieses Jahr mit einem recht kurzen Buch begonnen, damit ich gleich etwas für meine Lesestatistik tue. Dieses Buch hatte vor einigen Jahren ordentlich Hype bekommen und ich habe es beim letzten Gang durch die Bibliothek entdeckt. Da habe ich es gleich eingepackt und kann euch heute davon berichten.

Die Fakten:
  • Autor: Ruta Sepetys
  • Übersetzung: Henning Ahrens
  • Titel: Salz für die See (Original: Salt to the Sea)
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Königskinder Verlag
  • Seiten: 393 + Anhang
  • Preis: 8,95 Euro
  • Klappentext: "Die letzten Kriegstage des Jahres 1945: Tausende Menschen flüchten aus Angst vor der Roten Armee nach Westen. Darunter Florian, ein deutscher Deserteur, Emilia, eine junge Polin, und Joana, eine litauische Krankenschwester. Eine Notgemeinschaft, in der jeder ein Geheimnis hat, das er nicht preisgeben will. Denn der Krieg hat sie Misstrauen gelehrt. Im eiskalten Winter wählt der kleine Flüchtlingstreck den lebensgefährlichen Weg über das zugefrorene Frische Haff. In Gotenhafen, so heißt es, warte die Wilhelm Gustloff, um sie nach Kiel zu bringen. Doch auch auf dem Schiss sind sie noch lange nicht in Sicherheit."

Zur Handlung: Joana hat nur noch ein Ziel in diesem Krieg, sie will ihre Mutter wiederfinden, die vermutlich einzig Überlebende ihrer Familie, und dabei möglichst vielen Menschen helfen zu überleben. Deswegen hat sie eine kleine Gruppe Menschen um sich versammelt. Als Krankenschwester ist sie für viele überlebenswichtig.

Alles ändert sich an dem Tag, als ein junger Deutscher und eine Polin zu ihnen stoßen. Die beiden sind ein ungleiches Paar, doch sie bringen beide ihre Geheimnisse mit. Schnell wird klar, dass ihr Überleben sicherer ist, wenn sie zusammen bleiben. Und so machen sie sich mit vielen anderen Menschen auf den Weg zu den letzten ostpreußischen Häfen, der letzte Weg in die Sicherheit.

Wir folgen in diesem Buch insgesamt vier Charakteren, die sich immer mit sehr sehr kurzen Kapiteln abwechseln. Die Kapitel sind meist nur etwa 2-3 Seiten lang. Einige mochten das nicht gern, aber mich hat das sofort in die Geschichte hineingezogen. Sie wirkt dadurch noch schneller und hektischer, was für mich zum Thema passt. Es ergeben sich an manchen Stellen dann Wiederholungen, weil man dieselbe Sache aus unterschiedlichen Blickwinkel erfährt, aber da es immer nur so kurze Abschnitte waren, hat mich das nicht gestört.

Für mich war die führende Person der Geschichte Joana. Sie ist auch die Anführerin des Trecks, ob sie will oder nicht. Mit ihr kann man sich gut identifizieren, denn sie ist relativ rational, will anderen Menschen unbedingt helfen und trägt ihre eigenen Schuldgefühle gut verborgen. Durch Florians Brille sehen wir sie außerdem als sehr hübsch und begehrenswert, liebevoll und fürsorglich. Florian bleibt eine Weile ein Geheimnis, aber ich mochte das Element, das Thema, das durch ihn eingeführt wird. Emilia hat auch ihr Geheimnis, obwohl es für mich schon nach wenigen Seiten offensichtlich war. Sie wirkt ein bisschen anstrengend, da sie sich fast vergeblich an andere klammert, um zu überleben, aber ihre Figur macht dennoch Sinn für mich. Alfred ist der, über den sich immer alle beklagen, aber natürlich braucht man in so einer Geschichte nun mal auch einen Nazi. Er ist ziemlich eklig und schleimig und tut seinen Zweck. Da die Kapitel so kurz sind, fand ich es nicht schlimm, aus seiner Perspektive zu lesen.

Insgesamt nimmt das Buch zwei sehr spannende Themen des Zweiten Weltkriegs auf. Einerseits geht es offensichtlich und sehr ausführlich um die Wilhelm Gustloff und das damit verbundene Unglück, von dem bis heute nicht sehr viele Menschen wissen. Es wird auf jeden Fall in seiner Schrecklichkeit dargestellt, auch wenn man noch etwas mehr hätte betonen können, dass die Russen hier trotz allem nicht unbedingt die Bösen waren. Aber das war für mich alles gut gemacht. 

Andererseits geht es aber auch ein bisschen um den Kunstraub durch Hitler und die Verschleppung wichtiger Kunstwerke aus Polen und Russland nach Ostpreußen. Das vielleicht sagenumwobenste Kunstwerk davon war das Bernsteinzimmer. Als Kind habe ich immer liebendgern Dokumentationen darüber geschaut. Allerdings habe ich dann seit Jahren nicht mehr daran gedacht. Nach dem Beenden des Buches habe ich mir dann erstmal eine schöne Doku dazu gesucht.

Vor allem geht es aber natürlich um die Schrecken des Krieges. Wir folgen hier vier Kindern, die sich durch Schnee und Kälte schleppen, viele Verluste mit ansehen und erleben, um zu einem Hafen zu kommen, ohne zu wissen, ob dort noch ein Schiff ist um sie zu retten. Links und rechts davon sind Gewalt, Zerstörung und Tod. Wie Ruta Sepetys dies für jugendliche Leser umsetzt, fand ich sehr gelungen. Denn hier wird nichts beschönigt, aber trotzdem nichts unnötig in seiner Blutrünstigkeit dargestellt. Das Buch ist dadurch sicherlich keine leichte Kost, aber für die richtigen Leser sicherlich informativ.

Alles in allem hat mir das Buch also gut gefallen. Es ist recht kurz und kurzweilig, wir folgen Charakteren, mit denen man sich irgendwie identifizieren kann, und schauen dabei zu, wie sie in den Wirren des Krieges ums Überleben kämpfen. Jeder, der die Geschichte der Gustloff kennt, ahnt schon das Ende. Trotzdem ist es nicht völlig hoffnungslos, es ist auch nicht zu grausam oder zu heroisch geschrieben. Für mich bildet es die Zeit sehr gut ab. Ich kann es nur weiterempfehlen, wenn euch das Thema interessiert.

Kennt ihr das Buch? Habt ihr auch gern Dokus über verschwundene Schätze und gesunkene Schiffe geschaut als Kind?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Mittwoch, 31. Januar 2018

Warten auf Bojangles

Hallo meine Lieben,

ich möchte euch heute das erste Buch vorstellen, dass ich von einer lieben Freundin zum Geburtstag bekommen habe. Es war recht kurz und ich hatte noch nie davon gehört. Bisher hat besagte Freundin mir aber immer wunderbare Geschichten geschenkt, die ich sonst verpasst hätte. Daher habe ich mich sehr auf dieses Abenteuer mit Georges gefreut.

Die Fakten:
  • Autor: Olivier Bourdeaut
  • Übersetzung: Norma Cassau
  • Titel: Warten auf Bonjangles (Original: En attendant Bojangles)
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Piper
  • Seiten: 158
  • Preis: 18 Euro gebunden, 10 Euro Taschenbuch
  • Klappentext: "Wann immer sie könne, tanzen Georges und seine Frau zu Nina Simones "Mr. Bojangles". Ihre Liebe ist schwindelerregend, ein nie endendes Fest. Georges' Frau gibt den Takt vor, sie ist schillernd und extravagant, sie erfindet die schönsten Dinge und hat die verrücktesten Ideen. In ihrem Leben soll es nichts geben außer Freude und Fantasie. Doch eines Tages überspannt sie den Bogen. Und alles, wofür das Paar bislang gelebt hat, steht auf dem Spiel."



Zur Handlung: George und seine Frau haben eine ganz besondere Ehe. Es war fast, als hätten die Sterne gewollt, dass sie sich begegnen. George gibt seiner Frau jeden Tag einen neuen Namen, da sie jeden Tag eine Überraschung für ihn ist. Beide lieben Lügengeschichten und langweiligen sich im tristen Alltag. So wächst auch ihr Sohn in einer Welt auf, die so weit weg ist vom Leben seiner Klassenkameraden, dass er eines Tages gar nicht mehr zur Schule geht.

Alles eskaliert allerdings, als ein Steuerbeamter vor der Tür steht und horrende Summen fordert, die George seit Jahren unterschlagen hat. Daraufhin brennt seine Frau ohne Namen die Wohnung kurzerhand an und mit ihrer mentalen Gesundheit geht es rapide bergab. Doch George und sein Sohn wollen nicht akzeptieren, dass sie krank ist und planen einen letzten Coup.

Es ist sehr schwer zusammenzufassen, worum es in diesem Buch geht, ohne zu spoilern. Auf jeden Fall finde ich den Klappentext absolut verfehlt. Hier geht es nicht wirklich um eine Liebesgeschichte per se. Stattdessen ist der größte Teil des Buches aus Sicht eines Kindes erzählt, dass kaum begreifen kann, wie Kinder ohne solche Eltern aufwachsen. Wir bekommen nur einige wenige Kapitel aus Sicht von George, diese sind in einer anderen Schrift gedruckt.

Das Kind ist dabei ein Erzähler, dem man nicht recht vertrauen kann, denn wie bei nahezu jedem Kind hat er seine Mutter verehrt und liebt sie. Wir bekommen also nur ihre extravagante Seite gezeigt, von den Problemen und Dämonen erfahren wir nur in Nebensätzen. Auch ist bei einigen Figuren nicht klar, ob sie tatsächlich existieren oder nur kollektive Fantasiegestalten sind. So hält die Familie angeblich einen Vogel namens Taugenichts, ein Kranich oder ähnliches, wenn ich mich recht erinner. Angeblich hat die Mutter diesen nach einem Abenteuerurlaub importiert.

Die Umgebung, die geschildert wird, ist auch kein Stück kindgerecht. So ist der beste Freund der Familie namens Schuft angeblich ein wichtiger Regierungsbeamter. Auf den seltsamen Partys im Familienheim reißt er mithilfe des Jungen hübsche Damen auf und nimmt sie mit aufs Zimmer. Das ahmt ihm der Junge dann auch nach, was eine sehr skurrile Szene zur Folge hat.

Ich hatte durchaus erwartet, dass sowohl die Liebe als auch das Tanzen und die Leidenschaft eine deutlich größere Rolle spielen. Allerdings geht es vor allem um die Extravaganz des Mutter, die dann nach einigen Seiten als Schizophrenie diagnostiziert wird. Es geht dann vor allem um die Therapie und die mentale Gesundheit der Mutter. Hier habe ich mich leider gefragt, ob psychische Krankheit nicht zu sehr romantisiert und verherrlicht wird. Immerhin ist das Moment des Nichtmehrmanselbstsein durch die Medikation eindeutig beschrieben.

Die Klinik symbolisiert hier eine Institution, in der psychisch labile Menschen aufbewahrt und medikalisiert werden, bis sie den Verstand völlig verlieren. Auch die stabilisierende Wirkung der Medikamente wird in einem Nebensatz beiseite gefegt. Das Ende kann man dann wiederum in die Gegenrichtung interpretieren, oder als noch mehr Romantisierung, denn schließlich wird dies als die ultimative Liebe dargestellt. Ich hatte also große Probleme mit diesem Teil.

Insgesamt spricht für die Geschichte der schöne Schreibstil und das exzentrische Setting, in dem ein Kind hier aufwächst. Mit den Themen, die in der zweiten Hälfte der Geschichte angeschnitten werden, hatte ich dann aber Probleme. Es bleibt zur Interpretation offen, was die Geschichte letztlich beleuchten sollte, aber der Nachgeschmack war etwas sauer für mich.

Kennt ihr das Buch? Habt ihr eine Meinung zum Ende?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: