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Freitag, 28. Mai 2021

Zugvögel

Hallo an alle die mehr in einem Buch suchen als "nur" Unterhaltung,

dieses hier ist ein echter Zufallsgriff und ich bin versucht es weiteren Menschen zu schenken, aber irgendwas hält mich ab.

Fakten:
  • Autorin: Charlotte McConaghy
  • Übersetzerin: Tanja Handels
  • Roman
  • 2020 erschienen 
  • 400 Seiten
  • S. Fischer Verlag 
  • Preis: 22,00€ (gebundenes Buch)
Klappentext:
Auf der Suche nach Erlösung folgt eine junge Frau den letzten Küstenseeschwalben in die Antarktis Franny hat ihr ganzes Leben am Meer verbracht, die wilden Strömungen und gefiederten Gefährten den Menschen vorgezogen. Als die Vögel zu verschwinden beginnen, beschließt die Ornithologin den letzten Küstenseeschwalben zu folgen. Inmitten der exzentrischen Crew eines der letzten Fischerboote macht sie sich auf den Weg in die Antarktis. Schutzlos ist die junge Frau den Naturgewalten des Atlantiks ausgeliefert, allein die Vögel sind ihr Kompass. Doch wohin die Tiere sie auch führen, vor ihrer Vergangenheit kann Franny nicht fliehen. Ihr folgt das Geheimnis eines Verbrechens, die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Und schon bald entwickelt sich die Reise zu einem lebensbedrohlichen Abenteuer.

Dies ist ein ganz außergewöhnliches Buch. Franny ist unsere Protagonistin und ebenso ein besonderer Charakter. Sie ist eine Frau die die Welt am Abgrund sieht. Ihr ist es wohl bewusster als anderen da sie selbst ihre ganz eigene Welt nicht einordnen kann. Auf der einen Seite ist sie tief unglücklich und rastlos, dann wieder verfolgt sie einen tiefen Wunsch und würde alles tun, um ihn sich zu erfüllen. Es ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle die sie durchlebt und umtreibt. 

Mit ihr erleben wir eine Art Zukunft. Diese ist völlig dem Klimawandel unterlegen. Es gibt kaum noch Tiere und die Gesellschaft hat sich mehr oder weniger entzweit. So genau wird dieses Thema nicht beleuchtet, sondern nur Ausschnitte von Auswirkungen behandelt. Diese sind aber so einschneidend, dass mir auch gleich ganz anders wurde. Die Autorin schafft es dabei total realistisch zu bleiben. Als Leser nehme ich die besprochenen Effekte nun besonders stark in meinem Alltag wahr. 

Ein weiteres Thema an dem unsere Protagonistin nicht vorbeikommt obwohl sie sich so bemüht ist die Liebe. Wir haben hier keine Schnulze, es handelt sich um eine ganz direkte und tiefe Verbundenheit. Die Familie wächst auch, doch all das scheint an Franny kaum Spuren zu hinterlassen. Sie liebt ihre Familie, doch ein viel stärkerer Drang erfüllt sie. Sie will weg, nicht lang an einem Ort sein, mit den Vögeln reisen, raus aus allen Zwängen und Engen der Gesellschaft oder doch des Lebens? 

Die Kapitel springen in den unterschiedlichsten Zeitetappen in Frannys Leben hin und her. Am Anfang führt das zu einigen - versteh ich jetzt nicht - Momenten, doch später fügt sich alles zusammen. 

Mit den Nebencharakteren erleben wir auch die unterschiedlichen Themen und Situationen mit Franny. Mit niemandem wird der Leser aber so richtig warm, sie sind auch eher Figuren die zwar da sind aber nicht in den Fokus genommen werden. Normalerweise mag ich das ja nicht so, aber diesmal hat es mich nicht gestört. Franny nimmt einen komplett ein. 

Ein Glück ist der Schreibstil der Autorin ebenso ungewöhnlich und damit wunderbar passend zum Inhalt. Das ist kein klassischer Unterhaltungsroman. Er ist vielmehr erschreckend und düster. Es schwingt eine beschwerliche Atmosphäre mit. Dieses Buch ist sehr besonders und sollte unbedingt von vielen gelesen werden. Empfehlen kann ich es jedem, der einen Blick raus aus der Komfortzone wagen möchte,

eure Blue Diamond.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Kleine Katze Chi 4


Hallo meine Lesefreunde,

ich habe gerade eine stressige Woche, daher gibt es heute von mir nur einen kurzen Post. Dies ist, abgesehen von zwei Weihnachtsbüchern, das letzte Buch aus dem letzten Jahr, von dem ich euch noch nicht berichtet hatte. Wie immer habe ich es zum Reading Rush gelesen, denn davor ist dieser kleine Manga perfekt.

Die Fakten:

  • Autor: Konami Kanata
  • Übersetzung: Nadja Stutterheim
  • Titel: Kleine Katze Chi
  • Reihe: Kleine Katze Chi 4
  • Verlag: Carlsen Manga
  • Erschienen: 2015
  • Seiten: 146
  • Preis: 9,95 Euro
  • Klappentext: "So ein Umzug ist ohne Frage anstrengend! Das finden auch die Yamadas und ganz besonders Chi. Aber nachdem es seine Angst überwunden hat, macht sich das neugierige Kätzchen sofort daran, die fremde Umgebung zu erforschen. Wer sind die neuen Nachbarn? Und was verbirgt sich eigentlich hinterm Gartenzaun? Aufregende Abenteuer und neue Freunde warten auf die kleine Katze!"

Zur Handlung: In dieser Manga-Reihe folgen wir dem Kätzchen Chi. Von der Mutter getrennt wurde Chi von Familie Yamada adoptiert, damit es überleben kann. Allerdings durfte die dreiköpfige Familie keine Haustiere in ihrer Wohnung haben, und da Chi mit der Zeit sehr neugierig und abenteuerhungrig wurde, sind sie schließlich aufgeflogen.

Nun hat die Familie beschlossen sich eine Wohnung zu suchen, in der Chi ganz offiziell wohnen darf. Das bedeutet natürlich ganz neue Abenteuer in einer ganz neuen Umgebung. Aber auch Stress für das kleine Kätzchen, denn Umziehen ist nie nur Spaß.

Wie auch schon die Vorgängerbände war dieser Manga einfach zuckersüß. Er richtet sich vor allem an Kinder, aber auch alle anderen Katzenliebhaber werden hier etwas finden, das ihnen gefällt. Chi muss man einfach lieben, sie hat so viel chaotische Energie. Aber auch Chis Familie ist sehr niedlich. Vor allem finde ich es toll, dass sie nun extra umgezogen sind, um Chi behalten zu können, nachdem dies im Vorband noch auf der Kippe stand.

Am Anfang geht es vor allem darum, wie Chi mit dem Umzug klarkommt. Dabei zeigt der Manga seh schön, warum umziehen für Tiere so anstrengend ist und warum sie einfach Zeit zur Eingewöhnung brauchen. Chi ist natürlich ganz schön verwirrt, als sie plötzlich Treppen steigen und in den Garten gehen kann, gewinnt das neue Zuhause aber schnell lieb, weil ihre Familie da ist.

Die Nachbarn in diesem Gebäude haben alle möglichen Haustiere, von Rassekatzen bis Kaninchen. Suspekt ist Chi dabei vor allem der Hund in der Nachbarschaft. Dieser freut sich zwar sehr, Chi kennen zu lernen, aber man sieht sehr schön, warum diese beiden Arten sich irgendwie missverstehen.

Am Ende geht es dann noch ums Versteckspielen, worin Katzen klare Meister sind. Wer hat seine Katze nicht schon schlafend im Kleiderschrank oder unter einer Bettdecke gefunden? Allen diesen Geschichten ist gemein, dass sie sich am Alltag orientieren, lustig gemacht sind, und wichtige Informationen über das Leben mit einer Katze unterbringen. Daher mag ich die Reihe sehr gern und freue mich schon, Band 5 dieses Jahr zu lesen. Den hat mir die liebe Blue nämlich wie jedes Jahr zum Geburtstag geschenkt.

Kennt ihr die Reihe? Und würde sie euch theoretisch interessieren?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 22. November 2020

Stories of Your Life and Others


Hallo meine SciFi-Freunde,

diese Kurzgeschichtensammlung hat mich sehr gespannt gemacht. Soweit ich es sehen kann, ist diese Ausgabe gerade neu erschienen, aber an sich sind die Kurzgeschichten alle schon älter. Aufgeregt war ich vor allem, weil hier die Kurzgeschichte enthalten ist, die einen meiner absoluten Lieblingsfilme inspirierte: Arrival. Und ich dachte mir, wenn die anderen Geschichten so gut sind wie diese, was für eine geniale Sammlung wird das sein?!

Die Fakten:
  • Autor: Ted Chiang 
  • Titel: Stories of Your Life and Others
  • Erschienen: 2020 (erstmals 2014)
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 338
  • Preis: 9,29 Euro
  • Klappentext: "With Stories of Your Life and Others, his masterful first collection, multiple-award-winning author Ted Chiang deftly blends human emotion and scientific rationalism in eight remarkably diverse stories, all told in his trademark precise and evocative prose. From a soaring Babylonian tower that connects a flat Earth with the firmament above, to a world where angelic visitations are a wondrous and terrifying part of everyday life; from a neutral modification that eliminates the appeal of physical beauty, to an alien language that challenges our very perception of time and reality, Chiang's rigorously imagined fantasias invite us to question our understanding of the universe and our place in it."

Zunächst sage ich etwas zu jeder Geschichte und dann gebe ich euch meine abschließende Bewertung:
  • Tower of Babylon
In dieser Geschichte über etwa 30 Seiten folgen wir Hillalum, einem Minenarbeiter, der mit seinen Kollegen nach Babylon kommt. Seit Jahrhunderten wird dort an einem Turm gebaut, der ein Tor zum Himmel werden soll. Inzwischen hat dieser Turm das Ende des Himmels erreicht, wo eine Granitdecke den Zugang zum Himmel verbirgt. Die Minenarbeiter sollen nun gemeinsam mit Baumeistern aus Ägypten einen Weg durch den Granit bahnen. Hillalum macht sich an die monatelange Reise den Turm hinauf und beginnt seine Arbeit. Was er am Ende findet, ist nicht das, was er gesucht hat. Ich liebe ja ein gutes Wüstensetting und ich mag diese Art die Geschichte vom Turm von Babel neu zu interpretieren. Außerdem entsteht in dieser Version ein ganz anderes Bild von Gott, der nämlich genau wusste, was für Menschen er da schuf. Und ich mochte die Darstellung der alten Techniken des Steinbearbeitens. Ich gebe der Geschichte 4 von 5 Sterne.
  • Understand
Diese Geschichte mit knapp 50 Seiten folgt einem ähnlichen Konzept wie der Film Lucy (2014). Allerdings würde der Autor das vielleicht nicht als Kompliment auffassen. Wir folgen einer Person, die eine Art Unfall hat und dadurch große Verletzungen im Gehirn erleidet. Mit einem neuen Medikament kann sie jedoch geheilt werden, denn dieses Medikament sorgt dafür, dass sich Neuronen neu bilden und neu verzweigen. Schnell zeigt sich jedoch, dass es Nebeneffekt der Behandlung ein rasanter Anstieg der Intelligenz ist. Ich fand es faszinierend, wie man der Geschichte mit der Zeit immer schlechter folgen kann, da der Protagonist so stark an Intelligenz gewonnen hat. Am Ende kann man kaum mehr greifen, was eigentlich geschieht. Am Ende geht es aber um die Frage, was könnte ein Mensch alles tun, wenn er seinen Verstand auf so eine erhöhte Ebene brächte... Ich gebe auch dieser Geschichte 4 Sterne. Im Anhang schreibt der Autor, dass dies die älteste Geschichte in der Sammlung ist.
  • Division by Zero
In dieser eher kurzen Geschichte von etwa 25 Seiten geht es um eine Mathematikprofessorin, der es gelingt zu beweisen, dass Mathematik inkonsistent ist, und die mit diesem Wissen nicht mehr weiterleben kann. Ich muss sagen, diese Geschichte hat mir nur noch mehr gezeigt, dass ich Mathe einfach nicht mag - für mich ist das abgehobener Kram, der an den wahren Problemen der Welt vorbeigeht. Ich weiß, viele werden das anders sehen. Aber es ist einfach nicht für mich. Die Geschichte war trotzdem sehr interessant, aber ich fühle mich ein bisschen dumm für sie. Daher gebe ich sehr hohe 3 von 5 Sternen.
  • Story of Your Life
Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass dies die beste Kurzgeschichte ist, die ich je gelesen habe. Auf 70 Seiten entspinnt Ted Chiang eine Geschichte über "Aliens", die angelehnt vermutlich an den Klassiker War of the Worlds Heptapods genannt werden und zur Erde kommen. Aufgrund ihrer anderen Wahrnehmung der Welt gibt es für sie keine Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft, und damit im klassischen Sinne auch keinen freien Willen. Wer Arrival gesehen hat, hat eine gute Vorstellung davon, worum es geht. Ich liebe alles an der Geschichte. Sprachlich ist sie spannend, da häufig Formulierungen verwendet werden wie "I remember [...], you will do [...]", was im Rahmen der Geschichte so viel Sinn macht. Inhaltlich finde ich die Diskussion total spannend, ob das Konzept von freiem Willen Sinn macht. Und es sind einfach so interessante Verknüpfungen mit Physik und Philosophie und Kognition und Sprache darin. Ich würde dieser Geschichte 100 von 5 Sternen geben.
  • Seventy-Two Letters
 In dieser ziemlich langen Geschichte werden Sprache, Mathematik und Magie miteinander verwoben. Der Hauptcharakter lebt in einer Welt, in der mit Sprache magische Dinge vollbracht werden können, allerdings nicht mit Sprache wie wir sie kennen, sondern mit einer hochanalytischen Sicht auf Sprache, die eher an Mathe erinnert. Dabei fühlt sich das Setting eher historisch an, was ich in Sci-Fi irgendwie cool finde. In dieser Welt nun gerät der Protagonist in eine Art Geheimgesellschaft, die die Menschheit mit dieser Technik retten möchte, denn ihr Aussterben steht kurz bevor. Ich fand die Geschichte total spannend und es wurden so viele wichtige Themen darin aufgeworfen. Ich gebe ihr 5 Sterne.
  • The Evolution of Human Science
 Diese sehr kurze Geschichte wurde für das Magazin Science geschrieben. Hierin beschäftigt sich Chiang mit der Frage, wie Wissenschaft in der Zukunft aussehen könnte, und welche Rolle der Mensch darin eigentlich noch spielen kann. Da ich selbst in der Wissenschaft arbeite, war seine Vision schon angsteinflößend, aber da die Geschichte so kurz ist, ist die Idee nicht sehr weit ausdifferenziert und als Leser kann man dann selbst weiterdenken. Ich gebe der Geschichte 4 Sterne.
  • Hell is the Absense of God
Diese Geschichte war schon namensgebend für eine Kollektion von Geschichten des Autors. Hier geht es um eine Welt, in der Engel tatsächlich zur Erde kommen und Segen verteilen. Allerdings sind diese Erscheinungen immer von Naturkatastrophen verbunden, sodass vielleicht 4 Personen geheilt werden durch den Engel, 10 aber verletzt und weitere 5 getötet werden. Wir folgen drei Protagonisten durch diese Welt und ich fand die Idee total spannend. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.
  • Liking What You See: A Documentary
 Diese letzte Geschichte ist wie ein Transkript einer Dokumentation gestaltet. Wir befinden uns in einer Welt, in der eine Technik es erlaubt, dass Menschen Gesichter zwar erkennen, aber nicht in ihrer Attraktivität bewerten können. Diese Technik heißt Calli umgangssprachlich. Wir folgen hauptsächlich einem Mädchen, dass in einer Schule aufgewachsen ist, in der alle Calli aktiviert hatten. Jetzt kommt sie ans College und denkt daran, Calli deaktivieren zu lassen, um zu sehen, wie die Welt "wirklich" aussieht. Gleichzeitig gibt es an dem College eine Initiative Studierender, um Calli für alle zur Norm zu machen. Das wollen aber bestimmte Industrien nicht zulassen. Ich fand diese Geschichte auch so interessant, vor allem weil sie bereits 2001 veröffentlicht wurde. Es geht um den Einfluss von Werbung und der Beauty-Welt auf unsere Vorstellungen von Attraktivität - ein Thema, dass mich auch aus wissenschaftlicher Sicht sehr interessiert. Es gibt aber von mir ganz persönlich Punktabzug, weil die Soziologie-Professorin in dieser Geschichte so blöd dargestellt wurde. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Daher 4 Sterne für diese Geschichte.

Zusammengefasst war dies ein unglaubliches Werk. Ich bin sehr froh, dass ich mir für die einzelnen Geschichten immer viel Zeit genommen habe und das Buch nicht hintereinander weg gelesen habe. Dadurch konnten die einzelnen Ideen wirklich wirken. Außerdem sind die Geschichten auch mit großen Time-Gaps geschrieben worden, sodass es Sinn macht, sie ein bisschen zu trennen. 

Die Geschichten sind alle völlig individuell, keine gleicht der nächsten, und alle Konzepte sind genial. Es gab nicht eine Geschichte, die mir nicht wenigstens ein bisschen gefallen hat, obwohl es natürlich ganz klare Favoriten gab. Besonders schön fand ich, dass am Ende des Buches zu jeder Geschichte ein kurzer Kommentar des Autors steht, wie die Geschichte entstanden ist und ähnliches. Ich kann nur sagen, dass Ted Chiang ein Meister des Sci-Fi-Genres ist, und ihr solltet diese Geschichten unbedingt lesen, wenn ihr das Genre interessant findet.

Kennt ihr den Autoren schon? Oder wusstet ihr gar nicht, dass Arrival auf einer Kurzgeschichte basiert? 

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:


Mittwoch, 12. August 2020

Smith of Wooton Major

Hallo meine Tolkienfreunde,

ich möchte euch heute das letzte Buch aus der Tolkien Treasury Box vorstellen, welches ich bisher noch nicht gelesen hatte. Smith of Wooton Major ist das letzte fiktionale Werk, dass zu Tolkiens Lebzeiten veröffentlicht wurde, und in gewisser Weise sein Abschiedbrief. Es ist eine Kurzgeschichte, eine Fairy Tale, aber keine Kindergeschichte - sagt er. Es ist das Werk eines alten Mannes, und am Ende sieht man auch, warum er das sagt.

Die Fakten:
  • Autor: J. R. R. Tolkien
  • Titel: Smith of Wooton Major
  • Erschienen: 2015 (erstmals: 1967)
  • Verlag: Harper Collins
  • Seiten: 209 (davon 57 die Geschichte selbst)
  • Preis: 11,58 Euro
  • Klappentext: "Every 24 years in the village of Wooton Major, the Feast of the Good Children was held. To celebrate it a Great Cake was prepared, to feed the 24 children who were invited. The cake was very sweet and rich and entirely covered in sugar icing. But inside there were some very strange ingredients and whoever swallowed one of them would gain the gift of entry into the Land of Faery..."

Diese Kurzgeschichte von Tolkien begann, als er eine Einleitung für das Buch The Golden Key schreiben sollte. In dieser Einleitung war es Tolkien wichtig zu verdeutlichen, dass Fairy Tales nicht Kindergeschichten sind, sondern Geschichten von Magie für alle Leser. Ihm war es zuwider, dass Fairies immer mehr mit kleinen grazilen Wesen gleichgesetzt wurden, die durch die Luft fliegen. Für Tolkien war Faery ein magisches, aber auch gefährliches Land, und jeder Sterbliche, der darin wandelte, musste auf sich aufpassen.

So entstand diese Geschichte über ein Dorf mit einem besonderen Fest und einem besonderen Kuchen und schließlich einem besonderen Kind, das ein besonderer Mann wurde. Ein Mann mit einer Eintrittskarte nach Faery, einem Land voller Magie und Gefahr und Schönheit und vielen seltsamen Dingen. Die Geschichte selbst mag nicht so sehr besonders wirken, aber das Buch gibt einem so viel Zusatzmaterial dazu, dass man sie umso mehr zu schätzen lernt.

Enthalten ist zum Glück auch Tolkiens Entwurf für die Einleitung, die leider am Ende nie gedruckt wurde. Darin beschreibt er, was für ein Unding Einleitungen sind. Für Tolkien sollte der Leser immer möglichst unvoreingenommen auf eine Geschichte treffen und dann hinterher nach Bedarf diskutieren. Eine Einleitung jedoch nimmt dem Leser diese Chance und sendet ihn mit bestimmten Gedanken und Ideen in die Geschichte hinein. Jeder, der bei einem Klassiker schon mal durch die Einleitung gespoilt wurde, weiß, warum ich dieses Statement von Tolkien liebe!

In seiner Geschichte will Tolkien einerseits zeigen, was Faery für ihn wirklich ist. Daher sehen wir unseren Protagonisten Smith of Wooton Major in einigen gefährlichen und einigen seltsamen Momenten. Das Cover ist vielleicht eine der gefährlichsten davon. Smith ist allerdings geschützt durch einen Stern an der Stirn (übrigens in den ersten Entwürfen noch ein Ring... Tolkien konnte nicht anders). Dennoch kann er in dieser fremden Welt nicht einfach tun, was er will. Er muss sich an die Gesetze halten - die er zumeist gar nicht kennt.

Darüber hinaus erschafft er uns eine Figur, die in Fairies nur noch Kinderspielzeug und Glitzer sieht. Diese Figur erkennt ihren Fehler selbst dann nicht, als der König der Faery-Welt sich ihm zu erkennen gibt. Der König jedoch lässt ihn am Ende gewähren. Es hat den Anschein, als könne man eben nicht jeden Menschen von der Magie der Welt überzeugen. Da Tolkien großer Naturfreund war, ist sein Faery-Zugang auch über einen Wald. Diesen Wald betreten entsprechend nur Menschen, die sich auf die Magie einlassen können.

Insgesamt habe ich diese Geschichte als schön empfunden. Der Anfang ist etwas verwirrend, da wird zunächst keinen klaren Protagonisten haben. Aber die Geschichte hat die Tolkienmagie, sie kann einen bezaubern und tolle Dinge vor Augen erscheinen lassen. Ich mochte die Idee, die hinter der Geschichte steckte. Und das viele Zusatzmaterial in dieser Ausgabe war sehr hilreich, um das alles besser einordnen zu können. Mir hat das Lesen viel Spaß gemacht.

Empfehlen würde ich das Buch allerdings nur Tolkien-Fans. Ich weiß nicht, ob andere Leute viel damit anfangen könnten.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Donnerstag, 6. August 2020

Barfuß durch Hiroshima - Kinder des Krieges

Zum 75. Jahrestag dieser Katastrophe!

Hallo meine Manga-Freunde,

heute möchte ich euch von einem Buch berichten, dass mich zutiefst erschüttert hat. Es ist der besten Graphic Novel, den ich in meinem Leben je gelesen habe. Dazu hat mich dieser Manga wirklich sehr überrascht, denn häufig gelingt es solchen graphischen Geschichten nicht, mich im gleichen Maße wie Romane emotional zu erreichen. Das kann man hier aber nicht behaupten...

Die Fakten:
  • Autor: Keiji Nakazawa
  • Titel: Barfuß durch Hiroshima - Kinder des Krieges (Original: Hadashi No Gen)
  • Reihe: Barfuß durch Hiroshima 1
  • Übersetzung: Nina Olligschläger
  • Erschienen: 2004 (erstmals 1975)
  • Verlag: Carlsen Comics
  • Seiten: 293
  • Preis: 14,00 Euro
  • Klappentext: "Der Morgen des 6. August beginnt sonnig. Niemand ahnt, was Augenblicke später über die Bewohner der Stadt Hiroshima hereinbrechen wird... Keiji Nakazawa ist sechs Jahre alt, als die Atombombe über seiner Heimatstadt gezündet wird. Im ersten Teil seiner vierbändigen Autobiografie dokumentiert der Autor die letzten Monate des Zweiten Weltkriegs im militärisch geprägten Japan: die eiserne Kriegstreiberei eines unbelehrbaren Regimes, der blinde Opportunismus der Mitläufer, die Unterdrückung von politisch Andersdenkenden und schließlich die Katastrophe."

Zur Handlung: In diesem Manga folgen wir einem kleinen Jungen namens Gen und seiner Familie. Es ist das Jahr 1945, der Krieg ist noch in vollem Gange, doch langsam zeichnet sich ab, dass die Achsenmächte nicht siegen werden. Davon ist in der Stadt Hiroshima aber noch nicht viel zu spüren. Während die Familien hungern, werden Personen, die sich gegen den Krieg aussprechen, misshandelt und als Verräter stigmatisiert. Eine solche Person ist Gens Vater. Damit stürzt er die ganze Familie in Gefahr.

Wir folgen aber vor allem Gen und seinem kleinen Bruder, die versuchen, eine Kindheit in dieser Welt zu haben. Während ihrem andauernden Hunger haben sie auch häufig Streit mit anderen Kindern, die die Familie als Verräter beschimpfen. Sie träumen von Spielzeugen, die sie sich nicht leisten können. Und sie versuchen die erschöpfte, hochschwangere Mutter zu ernähren. Sie wissen nicht, was kommen wird, aber wir Leser haben diesen Luxus nicht...

Zunächst möchte ich sagen, dass dies kein Buch für Kinder ist. Ich denke, die meisten kommen schon bei dem Titel darauf. Aber der Zeichenstil erinnert uns natürlich schnell an die Anime-Serien auf RTLII und Gen selbst ist ja ein Kind und der Hauptcharakter. Dennoch geht es hier um das schauerlichste, was Menschen je anderen Menschen angetan haben - die Atombombe. Und damit werden hier Bilder gezeigt, die laut dem Autor zwar kaum die Hälfte des wahren Grauens zeigen, aber dennoch nachhaltig im Kopf bleiben. Ich hatte eine so physische Reaktion auf das Ende dieses ersten Bandes, dass ich mir nicht vorstellen möchte, was das mit einem Kind machen kann - einem Kind wie Gen, der mittendrin ist.

Aber fangen wir von vorn an: wir folgen hier Gens Familie, dabei hauptsächlich dem Vater, der sehr stark gegen den Krieg ist, die hochschwangere Mutter, Gens große Schwester Eiko und der kleine Bruder Shinji und Gen selbst. Gen hat auch noch größere Brüder, die aber nicht in Hiroshima sind. Dabei sehen wir sehr viel von der Familiendynamik. Da die größeren Brüder nicht mehr da sind, spielt sich Gen schnell zum großen Bruder von Shinji auf und wirkt dadurch häufig erwachsener als er ist. Er will seine Familie unterstützen und schützen. Das macht ihn zu einem Hauptcharakter, mit dem man sich identifizieren kann.

Im Vorwort wird darauf verwiesen, wie ungewohnt die alltägliche Gewalt in solchen Manga für westliche Leser ist. Sie verprügelt der Vater seine Söhne recht häufig und Gen beißt sogar Leuten die Finger blutig. Allerdings glaube ich, dass das für Leute, die viel Anime geschaut haben - wie ich - nicht sehr ungewöhnlich ist. Zumindest hat es für mich zu dem gepasst, was ich von diesen japanischen Medien kenne. Ich wollte es aber dennoch erwähnen, wenn das jemanden triggert oder ähnliches.

Der Zeichenstil ist sehr klassisch für Manga. Er hat mich beispielsweise an die Kickers erinnert. Allerdings ist es noch nicht ganz so übertrieben, zum Beispiel bei der Zeichnung der Augen. Mir hat der Zeichenstil damit außerordentlich gut gefallen, denn er war mir bekannt genug, dass ich schnell in die Geschichte gefunden habe, aber dezent genug, dass ich nicht das Gefühl hatte, ein Kinderbuch zu lesen, sondern eine sehr ernstzunehmende Geschichte.

Das Ende dieses ersten Bandes ist nichts für schwache Nerven. Auch wenn sich Nakazawa laut eigenen Worten zurückgehalten hat mit dem Horror - ich will es mir ehrlich gar nicht vorstellen - hinterlässt das Ende doch immer noch genug Horror für den Leser - vor allem mit dem Wissen, dass Nakazawa sich das nicht ausgedacht, sondern wirklich gesehen hat. Am Ende wird Gen vor eine unmögliche Entscheidung gestellt, die mir so nah ging, dass nur bei dem Gedanken daran mein Herz schon wieder schneller schlägt und ich kaum Luft bekomme. Es war wirklich grauenhaft - wie man es bei dem Titel erwarten würde.

Alles in allem kann ich diesen Manga also empfehlen, wenn ihr euch zutraut ihn zu lesen. Mein Partner fragt mich oft, wie ich das mache, und ich habe keine richtige Antwort darauf. Zumindest habe ich die Bilder des Endes abgedeckt, als er ins Zimmer kam, da das niemand ohne Kontext und emotionale Vorbereitung je sehen sollte. Aber man ist darauf meiner Meinung nach auch nie vorbereitet. Der Manga ist kein antiamerikanisches Werk, sondern ein Antikriegswerk. Es zeigt den Schrecken des Krieges vor der Bombe, und den ultimativen Schrecken der Bombe. Wer so etwas liest, und Krieg weiterhin verherrlichen kann, der braucht vielleicht eine Therapie oder so... Lest es, wenn ihr könnt.

Ich werde mir heute die anderen 3 Bände aus der Bibliothek holen, wenn ich sie finde. Mal sehen, wie es mit Gen weitergeht.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:

Mittwoch, 29. Juli 2020

The New Jim Crow

Hallo meine Lesefreunde,

der Reading Rush ist vorüber und dieses Buch war mein Projekt für die Woche. Ich habe jeden Tag circa ein Kapitel gelesen, um es in der Woche zu beenden. Ich mache das gern mit Non-Fiction Büchern, damit ich alle Informationen auch verarbeite und nicht einfach nur durch das Buch durchmaschiere, ohne irgendetwas dabei zu lernen. In diesem Buch geht es außerdem um etwas, von dem ich wirklich keine Ahnung habe: das amerikanische Gefängnissystem.

Die Fakten:
  • Autor: Michelle Alexander
  • Übersetzung: Gabriele Gockel, Thomas Wollermann, Kollektiv Druckreif
  • Titel: The New Jim Crow
  • Erschienen: 2016 (erstmals 2010)
  • Verlag: Antje Kunstmann GmbH
  • Seiten: 354 (+ Literaturverzeichnis)
  • Preis: 24,00 Euro
  • Klappentext: "Als Jim-Crow-Ära gilt in den USA die Zeit vom Ende des amerikanischen Bürgerkriegs bis zum Erfolg der Bürgerrechtsbewegung, in der die Rassenhierarchie in den USA durch zahlreiche Gesetze und Maßnahmen zementiert war. Michelle Alexander argumentiert, dass das rassistische System in den 1960er Jahren nicht abgeschafft wurde, sondern unter dem Deckmantel des Kriegs gegen die Drogen eine neue Form gefunden hat: The New Jim Crow."

Der Krieg gegen die Drogen tobt in den USA inzwischen seit der Ära Nixon. Wir alle kennen die Bilder aus den Medien, die schwarzen Drogendealer, die in heruntergekommenen Parks in den ärmsten Vierteln Amerikas Gift an die Menschen verkaufen. Doch viele von uns wissen aus Erfahrung, dass Drogenkonsum kein Phänomen ist, das sich auf eine bestimmte Ethnie oder eine bestimmte Bevölkerungsgruppe beschränken lässt. Vielleicht sind die "Geschmäcker" verschieden, aber auch in meinem landläch-idyllischen Gymnasium kann man inzwischen problemlos Drogen auf dem Schulhof kaufen und im Studium wusste ich schon, wer mir sagen könnte, wo ich was kaufen kann.

Wie kommt es also, dass der Krieg gegen die Drogen in uns solche Bilder herruft, die definitiv rassisch gerpägt sind? Laut Michelle Alexander ist dies das Resultat einer großangelegten Medienkampagne, die mit dem Aufkommen von Crack als einer Variante von Kokain den Blick der Bevölkerung auf die schwarzen Viertel lenkte. Und all dies geschah, um den Krieg gegen die Drogen als Deckmantel für ein neuen System rassistischer Unterdrückung in den USA zu nutzen.

Das Buch ist unterteilt in 6 Kapitel und eine ausführliche Einleitung. Kapitel 1 gibt einen historischen Abriss von der Sklaverei bis heute und zeigt Parallelen auf, zum Beispiel wie Schwarze immer wieder zu Sündenböcken gemacht wurden, auf die die armen Weißen ihre Wut lenken konnten, damit sie nicht erkennen, wer sie wirklich ausbeutet (kommt das wem bekannt vor?). Kapitel 2 beschäftigt sich damit, wie man in den USA überhaupt ins Gefängnis kommt. Kapitel 3 zeigt dann auf, an welchen Stellen das Justizsystem in den USA rassistisch agiert und warum es rechtlich unmöglich ist, dagegen vorzugehen. Kapitel 4 beschäftigt sich mit den Spätfolgen einer Verhaftung - dem gesellschaftlichen Ausschluss nach der Haft. Kapitel 5 bringt all diese Elemente zusammen und zeigt auf, wie dadurch ein System entsteht, in dem Schwarze (Männer) immer noch macht- und rechtelos sind. Kapitel 6 zeigt schließlich auf, wie eine soziale Bewegung sich dieses Themas annehmen könnte und sollte - was leider bisher in meinen Augen bei Black Lives Matter nicht geschehen ist. Das Buch hat damit eine sehr klare Gliederung, was es für den Leser sehr leicht macht, es zu verstehen.

Besonders gut gefallen haben mir Kapitel 2 und 3. Da habe ich besonders viel Neues gelernt, meinem Partner auch viele Ausschnitte vorgelesen und so richtig Wut im Bauch bekommen. Diese Kapitel bestechen besonders durch eine Vielzahl von Gerichtsurteilen und Statistiken, die zeigen, dass sich die Autorin das nicht alles ausdenkt. Das ganze Buch ist sehr gut recherchiert und man merkt, dass die Autorin Ahnung hat von dem, was sie da präsentiert.

Das Buch schafft es, viele Mythen über den Krieg gegen die Drogen zu widerlegen. So zum Beispiel der Mythos, die höheren Anteile an POC Personen in Gefängnissen gehe auf ihre höhere Verbrechensrate zurück. Außerdem gibt es wundervolle Denkanstöße á la: Sag mal zu einem guten Freund oder Verwandten, "es muss wirklich mal mehr gegen das Weiße Verbrechen in Amerika getan werden" - alle werden die Augenbrauen hochziehen. Dagegen bezeichnet sie dann "Schwarzes Verbrechen" als redundant, denn alle sehen Verbrechen als eine "schwarze" Sache. Vor allem aber gelingt es ihr, die Ungerechtigkeit hinter dieser Ungleichheit aufzuzeigen. Während weiße College-Studenten für Gewaltverbrechen wie Vergewaltigungen als "boys will be boys" abgetan werden, gehen schwarze Jugendliche für den Besitz von wenigen Gramm Drogen für 5 bis 10 Jahre ins Gefängnis. Dabei weist sie auch darauf hin, dass dieses System der Masseninhaftierung nie so viele Jahrzehnte funktioniert hätte, würde weiße Jugendliche mit derselben Häufigkeit für Drogendelikte verhaftet wie schwarze oder braune.

Besonders beeindruckend fand ich einige Zitate, die die Autorin anbringt, vor allem von Richtern auf wirklich hohen Ebenen, die keine Drogenfälle mehr verhandeln wollen, weil ihnen die Ungerechtigkeit darin zu groß ist und sie es nicht mehr ertragen, oder ganz aus dem Richterberuf aussteigen deswegen. Aber gruselig ist dann auch der letzte Teil des Buches, in dem die Autorin deutlich macht, wer alles finanziell von der Masseninhaftierung in diesem privatisierten System in den USA profitiert, wie viele Menschen in diesem System arbeiten, und wie schwierig daher jedes Vorgehen gegen dieses System sein wird.

Mir hat das Buch also deutlich die Augen geöffnet. Ich finde es schade, dass ich bisher noch so wenig darüber höre. Ich glaube, dass wir uns alle immer noch darüber freuen, dass Verbrecher in unserer Gesellschaft so schön systematisch aus unserem Blick verbannt werden. Ich bin als Kind jeden Tag mit dem Schulbus an einem Gefängnis vorbeigefahren. Ich habe mich oft gefragt, was diese Bauten uns als Gesellschaft bringen sollten. Dieses Buch zeigt, wie leicht man solch ein System für politische Zwecke und Unterdrückung missbrauchen kann. Wenn es nach mir gänge, gäbe es keine Gefängnisse mehr.

Zwei Dinge, die ich nicht so gern mochte: in der deutschen Ausgabe sind gelegentlich Fehler enthalten, grammatisch und in der Rechtschreibung. Und am Anfang gibt es sehr häufige Wiederholungen, wo die Autorin uns innerhalb weniger Seiten immer wieder denselben Satz um die Ohren haut. Das wird aber dann ab Kapitel 2 besser.

Habt ihr von dem Buch schon gehört? Für mich war es ein sehr glücklicher Bibliotheksfund.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Montag, 27. Juli 2020

The War of the Worlds

Hallo meine Sci-Fi-Horror-Freunde,

der Reading Rush ist vorbei und ich habe nun eine Menge Bücher hier, die ich euch unbedingt vorstellen möchte. Dabei starte ich heute mit einer absoluten Überraschung. In der Bibliothek hatte ich vor einer Weile nach passenden Büchern für die Challenges gesucht und dabei recht unerwartet The War of the Worlds eingepackt. Vom Autor H. G. Wells hatte ich bereits vor Jahren The Island of Dr. Moreau gelesen, war aber eher unterwältigt. Deswegen konnte mich The War of the Worlds nun besonders überraschen.

Die Fakten:
  • Autor: H. G. Wells
  • Titel: The War of the Worlds
  • Erschienen: 2005 (erstmals 1898)
  • Verlag: Penguin Classics
  • Seiten: 180 + Anhang
  • Preis: 4,60 Euro
  • Klappentext: "The night after the shooting star is seen streaking across the sky, a cylinder is discovered on Horsell Common. Fascinated and exhilarated, the local people approach the mysterious object armed with nothing more than a white flag. But when gruesome alien creatures emerge armed with all-destroying heat-rays, their rashness turns rapidly to fear. As the rays blaze towards them, it soon becomes clear they have no choice but to flee - or die. Soon, the Martians begin a sinister invasion of the world. Destroying all in their path with black gas and burning rays, they brutally make their advance, feasting on the warm blood of still-living human prey. The forces of the Earth, however, may prove harder to beat than they at first appear..."

Zur Handlung: Unser Protagonist ist ein angesehener Philosoph und Schriftsteller, der eines Abends einem Kollegen in der Sternwarte Gesellschaft leistet. Dabei sehen sie eine komische Explosion auf dem Planeten Mars. Dies wiederholt sich über 10 Tage. Einige Tage später landet der erste Zylinder auf der Erde, ganz nah am Haus unseres Protagonisten. Angezogen von diesem fremden Gegenstand gehen die Menschen immer näher. Sie wissen nicht, ob es etwas Lebendiges im Zylinder ist.

Als jedoch klar wird, dass darin Marsianer zur Erde gekommen sind, die es ganz und gar nicht friedlich mit der Menschheit meinen, kommt das Militär zum Einsatz. Doch bei dem Versuch die Marsianer zu zerstören, werden diese nur noch wütender und tödlicher. Die Sicherheit, in der sich die Menschheit in England zu lange wiegte, ist Geschichte. Es beginnt der Kampf ums Überleben.

Zunächst muss man bei diesem Buch im Hinterkopf behalten, dass es noch im 19. Jahrhundert veröffentlicht wurde. Beim Lesen hatte ich es deutlich später eingeordnet, vielleicht in den 30er oder 40er Jahren. Das zeigt, mit welcher ungeheuren Phantasie H. G. Wells in dieser Geschichte aufwartet, in der es noch keinen Weltkrieg gab. In der Tat sollte man meinen, dass die Mächte in den Weltkriegen eher von seinen Ideen inspiriert waren als anders herum. 

Besonders ist das Buch für mich vor allem, weil es sehr viel über die damalige - und die jetzige - Zeit aussagt. Der Horror in dieser Geschichte, lag für die Menschen zu Wells' Lebzeit in der Idee, dass nicht sie die Kolonialisten sind, sondern diejenigen, die kolonialisiert werden. Und das macht Wells auch sehr explizit, indem er die Leser immer wieder veranlasst, nicht zu hart mit den Marsianern zu urteilen, denn schließlich habe sich die (weiße) Menschheit ja in vielen Moment fast noch schlimmer verhalten.

Wells bringt so den Krieg, die Machtlosigkeit und die Ungerechtigkeit der Kolonialisierung ins friedliche England, wo die Menschen ihren kleinen Leben nachgehen, Intellektuelle sind oder Bauern oder Hausfrauen. Diese ruhige Idylle, die sich am Beginn des Buches abzeichnet, wird in das absolute Chaos verwandelt, ohne dass die Bewohner etwas dafür können. Plötzlich erscheint da eine Macht, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Ich fand das so interessant - und dass wir uns heute immer noch mit so einer Geschichte identifizieren können, sagt doch viel aus über uns als (weiße) Menschen.

Der Hauptcharakter im Buch ist ein Intellektueller. Deswegen kann er auch im Chaos gelegentlich einen Schritt zurücktreten, und uns die Geschehnisse einordnen. Dennoch ist auch er einfach nur noch auf der Flucht. Er ist verstört von den Marsianern und von seinen Mitmenschen gleichermaßen. Immer wieder gerät er in Situationen, wo er mit Fremden zusammengepfercht ist, die er nicht ertragen kann. Ich fand es spannend, diesem Charakter zu folgen, der uns hier ganz bewusst seine Geschichte erzählt (und ein paar Kapitel die seines Bruders).

Ich war von der Geschichte vom ersten Augenblick an in den Bann gezogen. Man ist mehr oder weniger direkt im Geschehen und verfolgt mit Staunen und immer mehr Grauen, was geschieht. Das Buch hatte für mich eine gute Geschwindigkeit, auch wenn ich in anderen Rezensionen genau das Gegenteil gelesen habe. Es ist also Geschmackssache. Für mich waren die Vorgänge aber alle total nachvollziehbar und sie erschienen mir realistisch. Interessant ist es vor allem, diese Geschichte im 19. Jahrhundert verortet zu sehen. Zu Beginn des Buches sehen wir so zum Beispiel immer wieder Charaktere, die so ins Chaos gezerrt wurden, dass sie ihren Hut verloren haben - oh schreck... 

Wenn ihr also den Film kennt, dann wisst ihr eigentlich nichts über dieses Buch. Klar, die Tripods könnt ihr euch dann vielleicht ein bisschen besser vorstellen - H. G. Wells brauchte zur Beschreibung in seiner Zeit noch einen Melkhocker - aber das Buch ist nochmal ganz anders, und meiner Meinung nach viel besser.

Alles in allem hat mich dieses Buch total positiv überrascht. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen, ich mochte all die schlauen Dinge, die Wells darin verpackt hatte, und trotzdem war es einfach spannend. Wenn man das Buch in der Zeit verortet, in der es geschrieben wurde, ist es einfach unglaublich, wie viel Weitsicht und Phantasie Wells mit diesem Buch bewiesen hat. Und das Buch hat sicherlich auch Probleme, zum Beispiel kommt quasi keine Frau richtig vor, aber mir hat es trotzdem sehr gut gefallen. Außerdem waren die Kommentare und Verweise in dieser Penguin-Edition total interessant und hilfreich - Wells zitiert sich zum Beispiel gern selbst.

Sicherlich kennt ihr den Film, aber habt ihr je erwogen das Buch zu lesen? Ich hoffe, jetzt schon!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Donnerstag, 23. Juli 2020

Fairest of All

Hallo meine Disneyfreunde,

heute möchte ich euch das erste Buch vorstellen, dass ich für den diesjährigen Reading Rush beendet habe. Es gab da eine Challenge, das man das erste Buch, das man berührt, lesen soll. Wie man das genau gestaltet, blieb einem selbst überlassen. Daher bin ich in die Bibliothek gegangen, habe mich dort in die Jugendbuchabteilung gestellt und habe geschaut, welches Buch nur vom Buchrücken her interessant aussieht. Das erste, was ich dann herausgezogen habe, habe ich für diese Challenge benutzt.

Die Fakten:
  • Autor: Serena Valentino
  • Titel: Fairest of All
  • Reihe: Disney Villain Stories
  • Erschienen: 2009
  • Verlag: Disney Press
  • Seiten: 250
  • Preis: 12,66 Euro
  • Klappentext: "The tale of the young princess Snow White and her evil stepmother the Wicked Queen is widely known. Despite a few variations from telling to telling, the story remains the same - the Queen was jealous of the girl's beauty, and this jealousy culminated in the Queen's attempt on the sweet, naive girl's life. Another tale far less often spoken off is the one that explains what caused the Queen to become so contemptously vile. Still, some have attempted to guess at the reason. Perhaps the Queen's true nature was that of a wicked hag and her beautiful, regal appearance a disguise used to fool the King. Others claim that the Queen might have hated the girl for her resemblance to the King's first wife. Mostly, the Queen is painted as a morally abhorrend woman who never loved another being during the course of her miserable life. In fact the theories about exactly what cause the Queen's obessive vanity and jealous rage are too numerous to catalog. This book recounts a version of the story that has remained untold until now. It is a tragic tale of love and loss, and it contains a bit of magic. It is a tale of the Wicked Queen..."

Zur Handlung: Jeder weiß, dass die böse Königin Scheewittchen töten (lassen) wollte. Ihr Hass und ihre Eifersucht auf das schöne junge Mädchen sind weltberühmt. Aber warum hat sich diese Familientragödie so weit hochgeschaukelt, dass am Ende Menschen sterben mussten? War die Königin immer schon böse, oder hat irgendwas sie auf die Seite des Bösen verführt?

The Queen ist in diesem Buch eine junge Frau, die von ihrem Vater, einem Spiegelmacher, sehr schlecht behandelt wird. Sie selbst wuchs ohne ihre Mutter auf, die bei der Geburt verstarb. Sie kann sich nicht vorstellen, wie ihre Mutter ihren Vater je lieben konnte. Dieser sagt ihr immer wieder, dass sie hässlich ist und es nie zu irgendetwas bringen wird. An ihrer Hochzeitsnacht erhält die Königin als Geschenk einen magischen Spiegel, in dem sie schließlich das drohende Gesicht ihres totes Vaters wiedererblickt. Doch diesmal ist er durch Magie gezwungen, ihr die Wahrheit zu sagen: dass sie die schönste im ganzen Land ist!

In diesem Buch wenden wir uns also auf 250 Seiten der Origin Geschichte der bösen Königin aus Schneewittchen zu. Dabei erkennen wir sie zu Beginn des Buches kaum wieder. Sie ist jung, verliebt und glücklich. Sie glaubt, den Klauen ihres Vaters für immer entkommen zu sein und nun die Chance auf eine eigene Familie zu haben, wo sie alles besser machen will.

Mit dem jungen Schneewittchen, die hier noch ein Kleinkind ist, fühlt sie sofort mit, denn sie weiß, wie es ist, ohne Mutter aufzuwachsen. Schneewittchen ihrerseits liebt ihre neue Mama sofort und will viel Zeit mit ihr verbringen. Die Familie erlebt eine kurze Phase des Glücks, doch dann bricht Krieg an den Grenzen des Königreichs aus und der Vater muss fort.

Sobald die Königin allein ist, wird sie der Magie des Spiegels gewahr. Sie versucht mehrfach, diesen zu zerstören oder fortbringen zu lassen, aber er findet den Weg immer wieder zurück zu ihr. Nach einem schrecklichen Schicksalsschlag wird der Spiegel dann zu ihrem Leben. Da er ihr immer wieder sagt, wie schön sie ist, kann sie sich der Welt stellen. Bis er eines Tages etwas anderes sagt und ihre Welt aus den Fugen gerät. Der Spiegel wird damit zu einer Art Droge für die Königin und man kann da sehr viele Parallelen ziehen, wenn man möchte.

Ich fand den Umschwung dann aber doch ein bisschen zu krass. Auf 250 Seiten wird die Königin von einer verliebten, glücklichen jungen Frau genau die Hexe, die wir aus dem Film kennen. Dabei findet die Veränderung dann nur über wenige kurze Kapitel statt und man muss doch viel interpretieren und selbst überlegen, was da wohl jetzt los ist. Dazu trägt auch bei, dass wir in der Narration nicht direkt im Kopf der Königin sind und die Perspektive doch eine gewisse Distanz nicht überbrücken kann.

Neben den üblichen verdächtigen Charakteren, die wir aus dem Disneyfilm kennen, gibt es noch eine Dienerin namens Verona, die eine Freundin und Vertraute der Königin ist. Hier tut sich dann die erste Konfliktlinie für die Königin auf. Ich fand allerdings, dass auch hier der Umschwung viel zu rasch war und damit schwer nachvollziehbar. Wenn ich den Spiegel als eine Art Droge interpretiere, verstehe ich schon, wie das Ganze abgelaufen ist, aber es war einfach ein bisschen zu übereilt. Die Motive und Gefühle der Königin wirkten sehr eindimensional im ganzen Buch und schlugen dann nur plötzlich um.

Das Ende des Buches ist dann das, was wir aus dem Film kennen - soweit ich mich an den Film erinnere, denn es ist echt lange her. Es geht in diesem Buch also eher um das wie als das was. Allerdings hätte man hier meiner Meinung nach noch mehr herausholen können. Besonders seltsam fand ich es, dass am Ende für die "Geburt einer Hexe" einfach drei andere "Hexen" verantwortlich gemacht wurden. Und dann taucht an einer Stelle auf, die Mutter der Königin sei auch eine Hexe gewesen? Da hat dann einiges auch nicht mehr zusammengepasst und man hat gemerkt, dass die Autorin auf den 250 Seiten einfach nicht genug Platz für ihre Ideen hatte.

Alles in allem fand ich das Buch unterhaltsam. Die Geschichte mit dem Vater und den Spiegeln fand ich gut gedacht, aber in den Details wird es dann schnell chaotisch und man findet Lücken in der Erzähllogik. Wer aber einfach gern ein kurzes und kurzweiliges Buch lesen möchte, dass ihn in die Disneywelt zurückversetzt, der kann hier nicht viel falsch machen. Für Kinder würde ich das Buch aber aufgrund der grausamen Themen nicht unbedingt empfehlen.

Kennt ihr diese Bücherreihe schon? Inzwischen sind wohl auch einige davon auf Deutsch erschienen. In meiner Bibliothek habe ich noch Ursula und das Biest gesehen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:


Hier geht es zu meinem Vlog für die ersten Tage des Reading Rush:

Freitag, 8. Mai 2020

Brooklyn

Hallo meine Historienfreunde,

zu meinem Geburtstag hat mir Sabrina von Lookatmybooks dieses Buch geschenkt und es passte recht gut in den Magical Readathon und das Reading Rush Stay at Home Special im April. Heute möchte ich euch davon berichten. Zuerst möchte ich sagen, dass ich den Film gesehen habe, kurz nachdem er veröffentlicht wurde, und den Film schon nicht besonders mochte. Daher hätte ich das Buch nicht selbst gekauft. Da es aber einmal da war, musste es auch gelesen werden.

Die Fakten:
  • Autor: Colm Tóibín
  • Titel: Brooklyn
  • Erschienen: 2009
  • Verlag: Penguin Books
  • Seiten: 252
  • Preis: 8,49 Euro
  • Klappentext: "It is Ireland in the early 1950s and for Eilis Lacey, as for so many young Irish girls, opportunities are scarce. So when her sister arranges for her to emigrate to New York, Eilis knows she must go, leaving behind her family and her home for the first time. Arriving in a crowded lodging house in Brooklyn, Eilis can only be reminded of what she has sacrificed. She is far from home - and homesick. And just as she takes tentative steps towards friendship, and perhaps something more, Eilis receives news that sends her back to Ireland. There she will be confronted by a terrible dilemma - and a devestating choice between two worlds."

Zur Handlung: Eilis hat immer im Schatten ihrer großen Schwester gestanden. Während diese eine moderne junge Frau ist, die ihren eigenen Weg geht und großes Ansehen genießt, beschäftigt sich nie jemand lange mit Eilis. Die Jungen aus dem Ort sind nicht an ihr interessiert - und sie auch nicht an ihnen. Sie arbeitet in einem kleinen Laden immer nur am Sonntag.

Alles ändert sich aber an dem Tag, als ihre Schwester einen Pastor mit nach Hause bringt. Schnell wird klar, dass der Plan der Schwester ist, dass Eilis nach Amerika gehen soll, um dort ein neues Leben zu beginnen. Die Mutter ist nicht begeistert, sieht aber, dass Eilis keine Zukunft in ihrem Heimatort hat. So wird Eilis in die große Welt hinausgeschickt.

Dieses Buch weiß nicht recht, was es sein will. Man könnte sagen, es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, aber Eilis wird kein Stück erwachsen und schafft es auch im letzten Moment nicht, mal eine eigene Entscheidung für ihr Leben zu treffen. Man könnte sagen, es ist eine Romanze, aber dafür, dass Eilis gleich mit zwei Typen anbandelt, wird es nicht wirklich romantisch, und Eilis ist sich ziemlich sicher, dass sie keinen der beiden Typen wirklich liebt. Man könnte meinen, es ist eine Geschichte über Migration, und das trifft wohl noch am ehesten zu, ist gleichzeitig aber nur ein winziger Teil der Geschichte. Alles in allem ist es einfach kein gutes Buch.

Ok, ab hier Spoiler-Alert: Eilis als unser Hauptcharakter ist so, wie ein weißer Mann eine Frau in den 50ern sieht: willenlos. Ihr Familie schiebt sie nach Amerika ab, ihre Mitbewohnerinnen und die Vermieterin schieben sie hin und her, der erste Typ, der sich irgendwie interessiert zeigt, kriegt sie ins Bett, dann schickt der Pastor sie zurück nach Irland, dort wollen verschiedene Personen sie verkuppeln, was auch super klappt - obwohl sie ja gar kein Single mehr ist - und schließlich will jemand am Ende alles auffliegen lassen und sie verschwindet zurück nach Amerika...

Das, was ich an diesem Buch am besten fand, war die Auseinandersetzung mit der Migrationserfahrung. Eilis stürzt in eine Welt, die sie sich gar nicht vorstellen kann, plötzlich ist sie mitten drin. Und dann kommt das Heimweh und sogar eine Art Depression. (Die wird dann natürlich mit ein bisschen Aufmerksamkeit von einem Mann geheilt und so, achja, und von Bildung.) Das haben auch andere Personen positiv gesehen. Dennoch interessieren mich Bücher in diese Richtung eigentlich mehr, wenn es nicht um weiße Frauen in den 50ern geht.

Der romantische Part war mehr als fragwürdig. Das fängt natürlich an dem Moment an, wo sie gesteht, dass sie ihren Liebhaber ja gar nicht liebt - zumindest sich selbst. Aber sie will ihn natürlich nicht verletzen - weswegen sie ihn heiratet. It was the 50s... Und davor gibt es noch eine sehr fragwürdige Sexszene, die sich wohl so liest, wie Männer sich das erste Mal einer naiven Frau vorstellen: sie will es nicht, hat aber eben irgendwie das rummachen angefangen, es ist ziemlich schmerzhaft, aber gerade dadurch ja irgendwie schön?! Also lieber gleich noch ein zweites Mal... also, will sie auch nicht, aber er halt. Und am Ende war es ja offensichtlich doch so schön, dass das ganze Haus was davon hatte.

Noch seltsamer wird es, als Eilis nach Hause zurückkehrt. Denn hier ist sie plötzlich ein Star, mit ihren schicken amerikanischen Kleidern. Und siehe da, der beste Fang im ganzen Ort, der sie vor ihrem Amerikatrip hat kalt abblitzen lassen (natürlich nur, weil er ja nicht wusste, wie man mit Frauen redet - it was the 50s!), findet sie jetzt richtig hot. Und gleich mehrere Leute finden, dass Eilis doch mit ihm zusammenkommen sollte. Und Eilis wäre nicht Eilis, wenn sie das einfach fröhlich mitspielt. Nicht dass der Typ inzwischen viel besser mit Frauen reden könnte. Blöd nur, dass sie keinem gesagt hat, dass sie verheiratet ist. Romaaaantisch.

Ich glaube, damit habe ich eigentlich alles gesagt. Ich mochte den Blick in das amerikanische Kaufhaus der 50er Jahre - da arbeitet Eilis schließlich. Ich mochte auch, dass Eilis die Abendschule besucht, um sich weiterzubilden - warum ist sie nicht einfach dabei geblieben? Ich mochte auch ein bisschen dieses Setting in einem Lodging Haus. Das hatte ich schon in ein paar Mal in historischen Romanen und finde das irgendwie spannend. Aber das meiste war einfach Mist.

Ich kann euch das Buch also nicht empfehlen. Und wenn ihr immer noch wollt, schaut den Film. Auf den 250 doch sehr klein bedruckten Seiten passiert nichts, was nicht auch irgendwie im Film war. 

Mich würde interessieren, ob irgendwer ein besseres Leseerlebnis hatte? Ich meine, irgendwer dachte ja auch, das wäre verfilmungswürdig...

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:

Freitag, 30. August 2019

Herz Dame sticht

Hallo meine Krimikatzen,

für den Reading Rush habe ich endlich mal wieder zu einem Buch über Mrs Murphy und ihre Freunde gegriffen. Es handelt sich dabei um eine detektivische Katze, die Verbrechen in einer amerikanischen Kleinstadt aufklärt. Letztes Jahr hatte ich versehentlich ein Buch gelesen, das viel später in der Reihe erschien, aber nun bin ich wieder auf Kurs.

Die Fakten:
  • Titel: Herz Dame sticht (Original: Murder, she meowed)
  • Reihe: Mrs Murphys Mysteries 5
  • Autor: Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown
  • Übersetzung: Margarete Längsfeld
  • Illustration: Wendy Wray
  • Erschienen: 1998
  • Verlag: Rowohlt Verlag
  • Seiten: 314
  • Preis: ab wenigen Cent gebraucht
  • Klappentext: "Ein Jockey wird ermordet aufgefunden - durchbohrt nicht nur das Herz, sondern auch eine Spielkarte. Da hilft nur noch tierischer Spürsinn: Tigerkatze Mrs Murphy und Corgihündin Tee Tucker schnüffeln diesmal hinter den Kulissen des feinen Pferderennsports und stoßen auf ausgesprochen unfeine Sitten."

Zur Handlung: Es ist mal wieder etwas los rund um Crozet. Das verschlafene Städtchen in Amerika wird zum Mittelpunkt einer Mordserie, die mit Pferderennen in Verbindung zu stehen scheint. Es war eigentlich ein schönes Anlass, wegen dem Harry zum Pferderennen kam, doch schnell wird sie in mysteriöse Machenschaften hineingezogen.

Wie immer mit von der Partie sind ihre beste Freundin Susan, ihre Kollegin und Backfee Mrs Hogendobber, Exmann Fair und die Polizisten Rick Shaw und Cynthia Cooper. Alle gemeinsam versuchen herauszufinden, wer Jockeys ermordet und was dies alles mit dem Verschwinden einer jungen Mutter vor einigen Jahren zu tun haben könnte.

Inzwischen befinden wir uns im fünften Teil der Reihe. Zu Beginn mochte ich die Darstellung des kleinstädtischen Lebens in Amerika, die Charaktere waren zwar teilweise sehr klischeehaft, aber dennoch mochte man die meisten einfach. Und ich bin natürlich großer Katzenfan und mochte daher vor allem die Gespräche, in denen sich die Haustiere auch ein bisschen sozialkritisch und lustig über die Menschen äußern.

In diesem Band hatte all das irgendwie nachgelassen. Das Pferderennen steht im Fokus und wir beschäftigen uns kaum mit Crozet und den Menschen, die da leben. Wir erfahren zwar immer noch einiges über Mirandas Backkünste und Mims Größenwahn, aber es scheint alles nur noch da zu sein, um den Plot weiter voranzutreiben. Das warme, gemütliche Gefühl der ersten Bücher hat sich irgendwie verloren.

Auch fehlten mir die Kommentare von Mrs Murphy, Tee Tucker und Pewter, die oft nicht verstehen, warum Menschen so schwer von Begriff sind. Irgendwie hat vor allem dieses Department stark abgebaut im Roman. Stattdessen werden immer mal neue Tiere einbezogen - hier Pferde und Mäuse - aber irgendwie hat das für mich wenig Reiz gehabt.

Der Fall selbst ist ganz spannend aufgebaut. Man kann miträtseln wie immer, es wird auch ein Verbrechen aus der Vergangenheit eingebaut, um alles zu plausibilisieren, und dennoch sieht man nicht schon viel zu früh kommen, wer nun der Täter ist und warum er tut, was er tut. Am Ende haben wir dann einen für die Reihe typischen Show-Down, indem sich Harry mal wieder etwas dumm benimmt und die Tiere sie retten müssen. Das gehört eben irgendwie dazu.

Charakterlich hatte ich das Gefühl, dass sich in diesem Band niemand weiterentwickelt. Alle Charaktere stehen irgendwie still. Mim ist Mim, Harry bleibt Harry - stur wie immer - und Fair will sie immer noch zurück. Susan steht mir viel zu viel am Rand, Miranda sorgt für einige Schmunzelmomente. Und wo ist eigentlich Blair abgeblieben? Wenn der nicht bald wiederkommt, werde ich die Reihe vielleicht ganz aufgeben.

Alles in allem konnte mich dieser fünfte Band also nicht überzeugen. Ich hoffe wirklich, dass die Bücher wieder besser werden. Ich will mehr gemütliches amerikanisches Kleinstadtfeeling, ich will mehr Charakterentwicklung und mehr Haustiergetuschel, das auch mal kritisch ist und uns Menschen zeigt, wie seltsam wird sind. Den nächsten Band habe ich mir nun gebraucht bestellt und werde euch dann in einiger Zeit berichten.

Kennt ihr die Reihe? Wie steht ihr zu mordermittelnden Haustieren?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:

Freitag, 16. August 2019

Farmer Giles of Ham

Hallo meine Fantasy-Freunde,

heute kommen wir zu einem kleinen Büchlein von J. R. R. Tolkien. Wenn ihr etwas über mich wisst, dann hoffentlich, dass ich riesiger Tolkien-Fan bin. Ich habe mir damals dieses kleine Boxset gewünscht mit vier Büchlein von Tolkien, die mehr oder weniger mit Herr der Ringe und Mittelerde zu tun haben. Davon habe ich euch bereits Roverandom und Die Abenteuer des Tom Bombadil vorgestellt. Heute geht es mit einer Geschichte weiter, die zwar etwas an den Hobbit erinnert, aber gar nix mit Mittelerde zu tun hat.

Die Fakten:
  • Autor: J. R. R. Tolkien
  • Herausgeber: Christina Scull und Wayne G. Hammond
  • Illustrator: Pauline Baynes
  • Titel: Farmer Giles of Ham
  • Erschienen: 2014 (erstmals 1949)
  • Verlag: Harper Collins
  • Seiten: 225
  • Preis: 14,95 Euro oder im Boxset
  • Klappentext: "Farmer Giles of Ham did not look like a hero. He was fat and red-bearded and enjoyed a slow comfortable life. But after inadvertently scaring away a rather deaf and short-sighted giant, Farmer Giles' heroic reputation spread far and wide. Unfortunately for him, when the wily dragon Chrysophylax visited the kingdom, it was Farmer Giles who was called upon to battle with it."

Zur Handlung: In einem friedlichen Örtchen in England vor sehr sehr langer Zeit lebte ein Bauer mit einem Hund. Eines Nachts schlägt dieser Hund plötzlich an, denn auf einem geheimen Spaziergang hat er einen Riesen gesehen, der auf den Hof zukommt. Der Bauer nimmt daraufhin seine Waffe und schießt dem Riesen ins Gesicht. Als dieser flieht, weil er denkt, er sei in eine Gegend mit Stechmücken geraten, wird der Bauer zum Held. Blöd nur, dass kurz darauf ein Drache sein Unwesen treibt und der Bauer wie der perfekte Kandidat zu dessen Tötung wirkt.

Neben der veröffentlichten Erzählung enthält dieses Buch ein ausführliches Vorwort, die ursprüngliche Fassung der Geschichte, den Anfang der Fortsetzung, die nie fertig gestellt wurde, und viele hilfreiche Hinweise zum Text. Außerdem sind Illustrationen zur Geschichte abgedruckt, die auch im Original enthalten waren.

Diese Geschichte hat den gleichen Charme wie der Hobbit, allerdings ist sie nicht so aufgefeilt und es gibt deutlich weniger Charaktere. Allerdings ist der Hauptcharakter Giles Bilbo doch teilweise sehr ähnlich, denn obwohl er kein Hobbit ist, liebt er das ruhige Leben, in dem nichts Ungewöhnliches passiert. Als er dann in seinem Ruhm baden kann, ist er aber sofort zur Stelle. Auch gibt es wieder einen Mann im Dorf, der ihm seinen Ruhm nicht gönnt.

Der Drache Chrysophylax ist ähnlich wie Smaug ein wortgewandter und cleverer Feind, der es schafft, das Dorf mit seinen Worten zu betrügen. Aber er ist auch ein bisschen ein Feigling, wenn es zu tatsächlichen Kämpfen kommt. Das macht auch ihn zu einem besonderen Charakter, der so in anderen Drachengeschichten vielleicht eher nicht vorkommt. Ein Verweis auf das alte Drachengeschlecht, aus dem er entstammt, könnte auch eine Verwandschaft mit den Drachen aus anderen Tolkiengeschichten bedeuten.

Ansonsten sind die meisten Charaktere nur Nebensache und beleben die Geschichte etwas und sind auch irgendwie besonders und witzig, aber werden nicht ausgeleuchtet. So wäre da der ängstliche aber ungehorsame Hund von Farmer Giles oder sein Pferd, die wahre Heldin der Geschichte, oder auch der Schmied der Stadt, der immer pessimistisch ist und sich dann freut, wenn er recht hatte.

Die Geschichte ist auch eher unvorhersehbar. Obwohl man meint, solche Geschichten hätte man schon hundert Mal gehört, schafft Tolkien immer, dass es etwas Besonderes ist, dass die Charaktere anders sind als gedacht, dass auch die Bösewichte ganz anders sind als gedacht. Daher hat man beim Lesen viel Spaß. Die Geschichte ist auch nicht unbedingt für Kinder geschrieben, obwohl diese an der Handlung selbst sicher Spaß hätten.

Alles in allem finde ich diese Büchlein einfach toll für Fans von Tolkien. Die Geschichte ist eher kurz, aber dafür passiert relativ viel. Die Charaktere machen Spaß und allgemein ist die Geschichte einfach lustig und ungewöhnlich. Sie passt im Stil zu den anderen Werken Tolkiens. Ich kann sie daher nur empfehlen, wenn ihr euch dafür interessiert. Besonders schön finde ich auch alles Trivia-Wissen, was man durch die Einleitung und Kommentare in diesen Büchern noch gewinnen kann.

Wie steht ihr zu diesen Büchlein? Interessieren sie euch, oder wollt ihr nur Mittelerde von Tolkien lesen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung: