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Sonntag, 7. April 2024

Acceptance


Hallo meine Sci-Fi-Hasen,

heute kommen wir zum vorerst letzten Band in der Southern Reach-Reihe. Vorerst, weil gerade ein vierter Band angekündigt wurde. Mal schauen, ob ich den dann noch irgendwann lese. Aber erstmal reden wir heute über Band 3, der mir wirklich wahnsinnig gut gefallen hat. Es wird aber schwierig, komplett spoilerfrei zu erklären, warum. Ich versuche mein Bestes.

Die Fakten:

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Acceptance (dts.)
  • Reihe: Southern Reach 3
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 232 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "It is winter in Area X, the mysterious wilderness that has defied explanation for thirty years, rebuffing expedition after expedition, refusing to reveal its secrets. As Area X expands, the agency tasked with investigating and overseeing it—the Southern Reach—has collapsed on itself in confusion. Now one last, desperate team crosses the border, determined to reach a remote island that may hold the answers they've been seeking. If they fail, the outer world is in peril."


Zur Handlung: Nach dem Fall der Southern Reach finden sich verschiedene Charaktere in der Area X wieder. Sie beschließen, sich zusammen zu tun und Antworten zu suchen. Doch jeder von ihnen hat seine eigenen Pläne, und nicht alle von ihnen sind wirklich menschlich. Aber vielleicht sind sie die letzte Hoffnung der Menschheit wie wir sie kennen.

Über allem schwebt das Bewusstsein der Psychologin. Sie erinnert sich zurück an den Weg, der zu ihrer Auflösung geführt hat, von einer Kindheit an einem Leuchtturm zu einem Job, der ihr Leben vereinnahmt hat. Und wir lernen Saul kennen, der sich nur ein neues ruhiges Leben mit seinem Liebhaber aufbauen will, aber gegen unsichtbare Windmühlen kämpft, und vielleicht auch gegen sein eigenes Bewusstsein.

Wie gesagt, es ist so schwer, über dieses Buch zu sprechen, denn allein zu sagen, wer noch lebt, ist ja schon ein Spoiler. Dennoch versuche ich euch jetzt rüberzubringen, dass dies mein Lieblingsbuch in der Reihe war. Das lag vor allem auch daran, dass wir hier das erste Mal mehrere Perspektiven bekommen, und ein davon hat mir ganz besonders gut gefallen.

In einer ersten Perspektive folgen wir zwei Charakteren direkt nach Buch 2 auf ihrem Weg, der sie in Area X geführt hat. Dazu kann ich nicht viel mehr sagen, außer dass sie versuchen herauszufinden, ob sie Area X noch aufhalten können, und ob sie das wollen. Die zweite Perspektive gehört zur Psychologin und ist in der zweiten Person geschrieben, was ich absolut liebe. Hier bekommen wir einige Antworten, die wir schon in Band 1, spätestens in Band 2 haben wollten.

Die dritte Perspektive ist aber die, die mich absolut begeistert hat. Wir folgen einem Charakter namens Saul vor dem Entstehen der Area X. Dieser Blick auf einen Mann, der einfach nur sein Leben leben will, seinen Freund lieben will, aber davon abgehalten wird von seltsamen Leuten, die immer wieder in seinen Alltag einbrechen.... und dann wissen wir, was kommen wird. Boah, das hat mir Gänsehaut gemacht. Spannend fand ich daran auch, dass wir mit dieser Perspektive mitten drin sind in der Entstehung von Area X, aber trotzdem immer noch nicht alles verstehen, weil es selbst für diese Figur alles rätselhaft bleibt.

Durch die verschiedenen Perspektiven erhalten wir nochmal ein deutlich umfassenderes Bild von Area X, ohne dass dadurch wirklich alle Fragen beantwortet werden können. Wir sehen eigentlich nur, wie viel größer alles ist, als wir bisher vielleicht dachten. Dennoch gibt es genug Antworten, dass ich befriedigt aus diesem vorerst letzten Band herausgegangen bin. Es hat für mich alles einfach gut abgerundet und gleichzeitig die Faszination und den Grusel dieser Welt aufrecht erhalten.

Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass dadurch die Reihe hier zu einem guten Ende findet. Während das erste Buch vor allem Horror und Grusel auslöst, wenn wir diese Welt sehen, in der alles möglich scheint und nix ist, wie es soll, sehen wir im zweiten Band die Frustration, mit der man hier nach Antworten suchen muss. Band 3 gibt uns jetzt eine seltsame Traurigkeit und Melancholie, wenn wir auf Saul und seine Träume sehen, wenn wir den inneren Kampf in Ghost Bird sehen, wenn wir das lebenslange Streben nach einer verlorenen Heimat der Psychologin sehen. Mir hat das so gut gefallen.

Ich hoffe, ihr seid jetzt begeistert für diese Reihe.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 6. April 2024

Authority


Hallo meine Sci-Fi-Freunde,

wir kommen heute zum zweiten Band der Southern Reach-Reihe, in dem wir einem neuen Protagonisten folgen, der aus einer anderen Perspektive auf Area X schaut. Für viele scheint das der schlechteste Band der Reihe zu sein, ich habe viele enttäuschte Rezensionen gesehen, und auch wenn ich diesen Band nicht so gut fand wie den ersten, blieb bei mir eine große Enttäuschung aus. Aber dazu gleich mehr.

Die Fakten:

  • Titel: Authority (dts. Autorität)
  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Reihe: Southern Reach 2
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 226 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "After thirty years, the only human engagement with Area X—a seemingly malevolent landscape surrounded by an invisible border and mysteriously wiped clean of all signs of civilization—has been a series of expeditions overseen by a government agency so secret it has almost been forgotten: the Southern Reach. Following the tumultuous twelfth expedition chronicled in Annihilation, the agency is in complete disarray. John Rodríguez (aka "Control") is the Southern Reach's newly appointed head. Working with a distrustful but desperate team, a series of frustrating interrogations, a cache of hidden notes, and hours of profoundly troubling video footage, Control begins to penetrate the secrets of Area X. But with each discovery he must confront disturbing truths about himself and the agency he's pledged to serve."


Zur Handlung: Control hat wenig Glück mit seiner Karriere. Nachdem ihm ein tödlicher Fehler während einer Mission unterlaufen ist, wird er von einer Position auf die nächste geschoben, meist mit suboptimalen Folgen. Nun erhält er seine letzte Chance - weil seine Mutter ein hohes Tier in der Organisation ist: er soll der neue Direktor der Southern Reach werden und die Area X überwachen.

Kaum in seiner neuen Position angekommen, bekommt Control schnell einen Eindruck des chaotischen Treibens in Southern Reach. Von der feindlichen Vizedirektorin zu den verwirrten Wissenschaftlern scheint niemand wirklich mehr einen klaren Kopf für seine Stelle zu haben. Control will diesen Dingen auf den Grund gehen - und kann sich dabei nicht sicher sein, wie klar sein Kopf eigentlich noch ist.

Der Sprung in eine neue Perspektive auf die Area X kann im ersten Moment etwas desorientierend sein, macht aber im weiteren Verlauf der Geschichte Sinn. Ich kann nicht zu viel dazu sagen, weil es das erste Buch spoilern würde, aber ich fand, dass wir dadurch auf eine bestimmte Figur eine notwendige Perpektive bekommen. Wir schauen eben nochmal aus einer ganz anderen Richtung auf die Ereignisse und können neue Fragen stellen.

Control als Hauptfigur scheinen viele Leute nicht zu mögen. Ich hatte mit ihm kein Problem. Klar, er ist irgendwie nicht ganz richtig im Kopf, aber wer kann das von sich behaupten, wenn er auf so eine Stelle unter solche Kollegen bzw. eigentlich Angestellte kommt. Ich konnte zumindest die tiefe Frustration mitfühlen, die Control in seiner Rolle empfindet, weil es ihm eben nicht gelingt, Southern Reach in seine Kontrolle zu bringen. Außerdem hat er eine Katze...

Neben Control sind noch ein paar andere Charaktere relevant. Wir lernen einiges über seine Familie. Entgegen der üblichen Klischees ist seine Mutter ein hohes Tier in der Organisation hinter Southern Reach, die Tochter eines sehr berümten Agenten, die es selber weit gebracht hat. Control ist da das schwarze Schaf. Der Vater war ein eher erfolgloser Künstler mit hispanischen Wurzeln. In Southern Reach ist dann Carol wichtig, die sofort mit Control auf Kriegsfuß zu sein scheint. Ich habe mich das ganze Buch gefragt, was eigentlich ihr Problem ist - und es ist vor allem ihre Verbindung zur vorherigen Direktorin, dessen Job Control einnimmt. Schließlich haben wir noch zwei Mitarbeiter aus dem wissenschaftlichen Bereich, die relevant sind. Beide erscheinen ein bisschen verrückt, und man fragt sich, ob das zum Wissenschaftlersein gehört, oder ob mehr dahinter steckt. Dann gibt es noch eine Figur, die aus Area X zurückkehrt, zu der Control eine große Faszination hinzieht, und von der er sich Antworten verspricht.

Während wir also im ersten Band in Area X sind und diese wahnwitzige Welt erleben, schauen wir nun von außen darauf. Und es gibt so viele offene Fragen, dass man gar nicht weiß, an welcher Ecke man ziehen soll in der Hoffnung, dass sich der Knäul dann auflöst. Control versucht es in verschiedene Richtungen, aber dieses Buch steht ganz im Zeichen von Frustration. Er scheint immer einen Schritt hinterher zu sein, und jede Antwort stellt gleichzeitig zwanzig neue Fragen. Die größte Frustration besteht allerdings darin, dass niemand zu wollen scheint, dass er Antworten findet - und dies aktiv verhindert wird. 

Diese Frustration führt vielleicht dazu, dass viele Leute das Buch so schlecht finden. Für mich war es aber absolut nachvollziehbar. Wir schauen hier auf eine Organisation, die seit mindestens 30 Jahren Geheimnisse hat. Noch dazu hat die letzte Direktorin ganz offensichtlich ihre eigene Agenda verfolgt und Southern Reach teilweise dazu benutzt. Und auch andere Player in dem Gefüge scheinen ihre Pläne und Ziele mit Southern Reach zu verfolgen. Control ist dabei nur ein kleiner Spielstein, und vielleicht ein Bauernopfer. Trotzdem gibt er nicht auf, bis die Situation völlig eskaliert.

Alles in allem hat mir deswegen auch der zweite Band der Reihe gut gefallen. Auch wenn ich ihn etwas schwächer finde als Band 1, erhalten wir hier wichtige Einsichten in Southern Reach, ohne die die Geschichte nicht erzählt werden kann. Control als Charakter hat mir eigentlich immer eher Leid getan, bzw. habe ich mit ihm gefühlt, denn in seiner Haut wollte ich nicht stecken. Das Ende ist dann auch sehr ereignisreich und etwas verwirrend, aber danach wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 5. April 2024

Annihilation


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte euch mit euch über einen Sci-Fi-Horror sprechen, den ich schon recht lange lesen wollte. Eigentlich schon, seit der Film auf Netflix erschienen ist, und wer weiß, wie viele Jahre das inzwischen schon wieder her ist. Es ist außerdem das erste Buch in einer Trilogie, und ich werde euch dieses Wochenende alle drei Bände vorstellen.

Die Fakten: 

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Annihilation (dts. Auslöschung)
  • Reihe: Southern Reach 1
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 128 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "Area X-a remote and lush terrain-has been cut off from the rest of the continent for decades. Nature has reclaimed the last vestiges of human civilization. The first expedition returned with reports of a pristine, Edenic landscape; all the members of the second expedition committed suicide; the third expedition died in a hail of gunfire as its members turned on one another; the members of the eleventh expedition returned as shadows of their former selves, and within months of their return, all had died of aggressive cancer. This is the twelfth expedition. Their group is made up of four women: an anthropologist; a surveyor; a psychologist, the de facto leader; and our narrator, a biologist. Their mission is to map the terrain and collect specimens; to record all their observations, scientific and otherwise, of their surroundings and of one another; and, above all, to avoid being contaminated by Area X itself.  They arrive expecting the unexpected, and Area X delivers-they discover a massive topographic anomaly and life forms that surpass understanding-but it's the surprises that came across the border with them, and the secrets the expedition members are keeping from one another, that change everything."


Zur Handlung: Wir folgen einer namenlosen Biologin in die Area X, eine Zone der Welt, in der etwas Schreckliches geschehen ist. Verschiedene Expeditionen haben bereits versucht Antworten zu finden, doch wenn die Teilnehmenden zurückgekehrt sind, dann waren sie stets verändert und haben meist nicht mehr lange gelebt; wenn sie zurückgekehrt sind. Diese Mission besteht nun nur aus Frauen, neben unserer Biologin gibt es eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Ex-Soldatin. Die Linguistin hat es sich angeblich kurz vor Beginn der Mission anders überlegt.

Doch kaum sind die vier Frauen in der Area X gelandet, geht schon einiges schief. Bei einer Erkundungstour finden sie eine Art Tunnel, in dem Treppen tief unter die Erde führen, doch unsere Biologin kann sich den Tunnel nur als Turm vorstellen, der anstatt nach oben nach unten geht. Als die vier beschließen, diesen Turm zu erkunden, beginnt ihre unwiderrufliche Veränderung.

Dieses Buch ist extrem seltsam. Wir lesen die Geschichte in Form von Tagebucheinträgen der Biologin. So sehen wir einerseits, was in der Area X passiert, aber sie erinnert sich auch zurück an Dinge aus ihrem Leben. Wir erfahren, warum sie Biologin geworden ist und warum sie sich für diese hoffnungslose Mission freiwillig gemeldet hat. Dadurch kommen wir nah an sie heran, und gleichzeitig bleibt sie uns auch fern. 

Ich persönlich liebe diese Art von Horror, wo die Protagonisten durch eine Art Portal in eine Welt neben unserer Welt kommen, in der aber unsere Gesetze und Regeln nicht gelten. In dieser Welt kann dann jeden Moment alles geschehen. Ich finde es so faszinierend, weil ich mich dann auch immer frage, wie mein Gehirn wohl auf sie eine grundsätzlich fremde Welt reagieren würde, vor allem wenn sie ihm Kern dann doch vertraut aussieht. Es ist eben nur alles ein kleines bisschen falsch.

Wir haben es in diesem Buch vor allem mit Pflanzen-, Natur- und Bodyhorror zu tun. Es ist alles sehr organisch, weswegen eine Biologin als Hauptfigur auch Sinn macht. Irgendetwas hat die normale Welt in Area X korrumpiert, und nun ist nix so, wie es sein sollte. Trotzdem macht alles irgendwie seltsam Sinn. Ihr solltet aber nicht zu viele Antworten erwarten, auch das gehört zu dieser seltsamen Art von Horror dazu.

Neben der Biologin haben wir noch drei andere Charaktere, die in der Area X sind. Recht früh sagt uns unsere Protagonistin allerdings, dass sie nicht lange an ihrer Seite sein werden. Die Frauen kennen sich kaum, haben nur etwas gemeinsames Training erlebt. Ein tiefes Misstrauen liegt zwischen ihnen, sodass wir den anderen auch nicht vertrauen können. Außerdem spielt dann noch der Ehemann der Biologin eine Rolle, denn wir sehen ihn in Rückblenden. Ich fand ihre Dynamik interessant, aber das müsst ihr selbst ergründen.

Was kann ich noch über dieses Buch sagen, dass keine Spoiler enthält und nicht einfach völlig wirr klingt? Ihr werdet am Ende vermutlich so schlau sein wie am Anfang, aber der Weg lohnt sich, wenn ihr diese Art von Horror liebt. Ich liebe sie. Ich fand es schaurig, aufregend, mitreißend. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, auch wenn ich da nicht so viel Positives gehört habe. Nach dem Ende dieses ersten Bandes will ich aber unbedingt mehr Antworten - und ich habe meine Zweifel, ob ich sie kriege.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 26. März 2024

Warrior Girl Unearthed


Hallo meine Lieblingsleser,

jetzt habe ich doch etwas unfreiwillig wieder eine längere Pause gemacht, aber ich musste auf Arbeit zu viel schreiben, als dass ich dann abends auch noch tippen wollte. Jetzt ist aber Osterurlaub, und hoffentlich kann ich hier auch ein bisschen was abarbeiten. Heute kommen wir zu einem Buch, das ich heiß ersehnt habe. Das erste Buch der Autorin, Firekeeper's Daughter, war für mich ein Überraschungshit, und manchmal macht mir das dann etwas Angst, wenn ein nächstes Buch erscheint. Die beiden sind lose miteinander verbunden, aber ihr könnt sie auch unabhängig voneinander lesen. 

Die Fakten: 

  • Autor: Angeline Boulley
  • Sprecher: Isabella Star LaBlanc
  • Titel: Warrior Girl Unearthed
  • Erschienen: 2023
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 11 Std 32min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Perry Firekeeper-Birch was ready for her Summer of Slack but instead, after a fender bender that was entirely not her fault, she’s stuck working to pay back her Auntie Daunis for repairs to the Jeep. Thankfully she has the other outcasts of the summer program, Team Misfit Toys, and even her twin sister Pauline. Together they ace obstacle courses, plan vigils for missing women in the community, and make sure summer doesn’t feel so lost after all. But when she attends a meeting at a local university, Perry learns about the “Warrior Girl”, an ancestor whose bones and knife are stored in the museum archives, and everything changes. Perry has to return Warrior Girl to her tribe. Determined to help, she learns all she can about NAGPRA, the federal law that allows tribes to request the return of ancestral remains and sacred items. The university has been using legal loopholes to hold onto Warrior Girl and twelve other Anishinaabe ancestors’ remains, and Perry and the Misfits won’t let it go on any longer. Using all of their skills and resources, the Misfits realize a heist is the only way to bring back the stolen artifacts and remains for good. But there is more to this repatriation than meets the eye as more women disappear and Pauline’s perfectionism takes a turn for the worse. As secrets and mysteries unfurl, Perry and the Misfits must fight to find a way to make things right–for the ancestors and for their community."

Zur Handlung: Alles, was Perry will, ist, ihren freien Sommer mit Fischen zu verbringen. Sie liebt die Natur, und sie liebt das Angeln, und ihr liegt nichts an einer akademischen Karriere, an der Schule oder einem Abschluss von der Uni. Doch als Perry aus Versehen in einen Unfall gerät, bei dem ihr Auto beschädigt wird, muss sie zusammen mit ihrer perfekten Zwillingsschwester ein Sommerpraktikum absolvieren, um für die Reparatur zahlen zu können.

So landet Perry im Museum, um ihr Praktikum zu verrichten - und das bei dem Betreuer, den die meisten in ihrem Umfeld für ziemlich verrückt halten. Doch Perry stellt schnell fest, dass man manche Vorurteile besser ignorieren sollte, und lebt sich gut in ihren Job ein. Dann wird sie auf ein Treffen mitgenommen, bei dem es um die Rückgabe von kulturellen Gegenständen und Überresten an indigene Völker geht, und sie muss feststellen, dass das System dieser Repratiierung in den USA unzulänglich ist, und sie etwas tun muss...

Gleich zu Beginn möchte ich sagen: dieses Buch wird teilweise als Heist-Geschichte beworben, also eine Geschichte, in der ein Verbrechen geplant und durchgeführt wird, und wir für die Verbrecher sind. Hier möchte ich direkt warnen, dass die Frage, ob ein Rückdiebstahl von Gebeinen und kulturellen Gegenständen nötig ist und wie dieser aussehen könnte, nur einen kleinen Teil des Buches darstellt. Wenn ihr das Buch nur dafür lest, werdet ihr sehr lange darauf warten.

Perry Firekeeper ist die Nichte unserer Hauptfigur aus dem ersten Buch der Autorin. Dadurch sind die Bücher theoretisch verbunden, inhaltlich macht es wenig Unterschied. Manche Anspielungen werdet ihr dann vielleicht nicht verstehen, aber das ist nie etwas Wichtiges, sondern eher so Cameo-Auftritte. Perry ist ähnlich wie Daunis eine Kämpernatur, aber am Anfang der Geschichte weiß sie es vielleicht noch nicht. Während Daunis sich sehr für ihre Familie aufopfern wollte, aber auch wirklich gern ans College, ist Perry zufrieden mit ihrem Leben, und sie liebt die Nähe zur Natur, das Angeln, und die Wertschätzung, die ihre Vorfahren der Natur schon so lange entgegengebracht haben. Ich mochte Perrys Entwicklung in diesem Buch sehr, wie sie etwas findet, dass sie bewegt und antreibt, und wie sie trotzdem sie selbst bleibt. Eine sehr spannende Hauptfigur für mich.

Neben Perry gibt es noch weitere wichtige Figuren. Pauline ist ihre Zwillingsschwester und eher die akademisch Begabte, das goldene Kind. Aber sie kämpft auch mit Angststörungen und nervösen Ticks. Ich mochte, wie nah sich die beiden Schwestern sind, obwohl sie so unterschiedlich sind. Ich liebe es, wenn Geschwister sehr verschieden, aber tief verbunden in Geschichten dargestellt werden. Daneben haben wir die anderen Teenager, die mit Perry für das Praktikum zusammenarbeiten, eine Teenager-Mutter, die sich nicht auf Klischees reduzieren lässt, Perrys besten Freund aus Kindheitstagen, und einen neuen Jungen, der Interesse an Perry hat. Ich mochte diese Charaktere alle, und sie ergeben eine tolle Gruppe von Misfits. 

Dann haben wir noch Perry Chef vom Praktikum. Diesen Charakter mochte ich auch so sehr. Die Leute halten ihn für verrückt, aber das ist er eigentlich gar nicht. Er gibt nur wenig darauf, was andere von ihm denken. Ihm ist die Bewahrung der Kultur seiner Vorfahren enorm wichtig, und damit auch die Repatriierung. Er geht mit Perry wie mit einer erwachsenen Person um, kümmert sich sehr gut um sie, aber zeigt ihr auch Grenzen. Eine ganz tolle Mentorenfigur. 

Inhaltlich lernen wir viel darüber, warum die Rückgabe von kulturellen Gegenständen und Überresten aus Museen und Universitäten an indigene Völker so enorm wichtig ist. Dabei werden auch die Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen Institutionen den Prozess über Jahrzehnte hinauszögern können. Besonders eklig ist auch die Darstellung, wie manche Wissenschaftler die Gebeine als ihr Eigentum ansehen, weil sie diese schon längere Zeit beforschen. Leider bestimmt gar zu realistisch. Ich habe hier auf jeden Fall viel gelernt, und finde das Thema auch unglaublich relevant. Auch in Deutschland gibt es einiges zurückzugeben, und auch hier geht es nur schleppend voran, auch wenn es hier eher mit der Kolonialgeschichte verbunden ist.

Im Kern ist dieses Buch aber schon auch eine Mystery-Geschichte, denn während das alles vor sich geht, verschwinden junge Frauen aus der Community. Immer mehr wird klar, dass hier ein Muster vorliegt, und an einem bestimmten Punkt wird Perry mit ihren Freunden in diesen Fall hineingezogen. Hier wird es am Ende dann auch nochmal spannend und gefährlich für unsere Charaktere. Ich habe auf jeden Fall mitgefiebert, aber auch gut mitgeraten. 

Alles in allem war das Buch für mich wieder ein voller Erfolg. Ich bin gespannt und freue mich darauf, was die Autorin als nächstes schreibt. Sie ist eine begnadete Geschichtenerzählerin. Es gibt nichts, was mit an dem Buch nicht gefallen hat. Einzig und allein habe ich ein bisschen bereut, dass ich Firekeeper's Daughter nicht nochmal gelesen hatte vor diesem Buch, weil ich dadurch sicherlich von den Cameo-Sachen auch nicht alles mitbekommen habe. Aber irgendwann lese ich beide Bücher nochmal, vielleicht wenn es ein weiteres Buch aus dieser Welt geben sollte.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 14. März 2024

Death at Wentwater Court


Hallo meine Mysteryfreunde,

heute kommen wir zu einem Buch, das leider eine Enttäuschung von mir war. Nachdem ich Miss Fisher in Buchform ausprobiert hatte, wollte ich gern ähnliche Bücher dazu testen. Und grundsätzlich klang dieses Buch wirklich sehr ähnlich: eine hochwohlgeborene Hobbydetektivin in den 1920er Jahren löst einen Mordfall. Kann ja nix schiefgehen - oder?

Die Fakten:

  • Autor: Carola Dunn
  • Sprecher: Bernadette Dunne
  • Titel: Death at Wentwater Court (dts: Miss Daisy und der Tote auf dem Eis)
  • Reihe: Daisy Dalrymple 1
  • Erschienen: 1994
  • Verlag: Blackstone Audio
  • Dauer: 6 Std 38min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "No stranger to sprawling country estates, wealthy Daisy Dalrymple is breaking new ground in having scandalously traded silver spoon for pen and camera to cover a story for Town and Country magazine. But her planned interviews with the inhabitants of Wentwater Court give way to interrogation after suave Lord Stephen Astwick meets a dire fate on the tranquil skating pond. Armed with evidence that his fate was anything but accidental, Daisy joins forces with Scotland Yard to examine an esteemed collection of suspects and to see that the unlikely culprit doesn't slip through their fingers just as the unfortunate Astwick slipped through the ice."

Zur Handlung: Daisy Dalrymple ist eine junge Frau aus gutem Hause, die sich nun ein eigenes Leben aufbauen möchte. Von dem Wohlstand der Familie abgeschnitten, arbeitet sie für ein Magazin und soll ihre guten Kontakte nutzen, um englische Landhäuser vorzustellen. Das erste dieser Landhäuser ist Wentwater Court im Familienbesetz einer angesehenen englischen Familie. Es ist kurz nach den Weihnachtsfeiertagen, und die Familie ist mit wenigen Gästen versammelt.

Zur diesen Gästen zählt auch Lord Stephen Astwick, den niemand leiden kann und wo auch irgendwie unklar ist, wie dieser zu einer Einladung gekommen ist. Fest steht allerdings, dass er ein Schwindler ist, der Männer gern um ihr Geld und ihre Ehefrauen bringt. Doch kurz nach Daisys Ankunft, wird Lord Stephen plötzlich tot aufgefunden, und aus ihrem idyllischen Aufenthalt um ihren Artikel zu schreiben wird eine Mordermittlung.

Das Buch geht ganz seicht und entspannt los mit Daiysy Zugreise und Ankunft im ländlichen England. Sofort ist sie besorgt, dass sie zu Fuß mit ihren schicken Schuhen nach Wentwater Court laufen muss, aber dann wird sie natürlich mit dem Auto abgeholt. Es plätschert schön dahin, leichte Unterhaltung. Das erste Mal sauer aufgestoßen ist es mir, als Daisy dann im Haus einen Mann trifft, den sie sehr für seinen Geschäftssinn bewundert - und der Plantagenbesitzer in Südamerika ist. Klar kann man in Kolonialisten große Wirtschaftshelden sehen... aber muss man vielleicht nicht.

Dann geht es aber mit dem Mordfall weiter. Hier erwartet uns ein recht klassischer Aufbau - Daisy kennt alle wichtigen Player bereits vor dem Mord. Nachdem der Tote gefunden wird (mit dem deutschen Titel völlig überraschend auf dem Eis), kommt ein Detektive der Scotland Yard zum Anwesen, um zu ermitteln. Dieser arbeitet gerade auch an einem hochkarätigen Diebstahl. Und er bittet Daisy um Hilfe, weil seine Untergebenen noch mit dem Diebstahlfall beschäftigt sind.

Es folgt dann eine ganze Reihe von Interviews und einige Durchsuchungen von Zimmern, wo die beiden gemeinsam Hinweise suchen. Anders als mit Miss Fisher geht es mit Daisy also ganz klassisch und ruhig zu. Wir befragen alle Familienmitglieder, wir decken kleine und große Geheimnisse auf, die vor allem mit der neuen Frau des Lords zu tun haben, dem Wentwater Court gehört. Und Daisy ist irgendwie immer mittendrin - sie hat eben auch ein Gesicht, bei dem ihr immer alle ihre Geheimnisse erzählen.

Daisy als Charakter ist dabei ziemlich unaufregend. Sie ist eine progressive Frau für die Zeit, die einer eigenen Arbeit nachgehen und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen will. Dennoch ist sie immer erleichtert, wenn Leute sie retten, wenn sie am Bahnhof steht und so weiter. Im Vergleich mit Miss Fisher ist sie klassisch und blass, aber ich fand sie trotzdem eine gute Hauptfigur. Ein bisschen archaisch sind dann ihre Gedanken zu dem Detektive, den sie zwar sehr hot findet, aber der gesellschaftlich eigentlich so weit unter ihr steht, dass das nicht denkbar ist.

Über die anderen Charaktere möchte ich nicht zu viel sagen. Es geht im Großen und Ganzen hier etwas inzestiös zu. Das Familienoberhaupt hat eine junge Frau geheiratet, die ein dunkles Geheimnis hat. Es scheint, dass der Ermoderte dieses Geheimnis gekannt hat und sie damit sogar erpressen wollte. Gleichzeitig haben die erwachsenen Söhne des Familienoberhaupts sehr gegensätzliche Gefühle in Bezug auf ihre neue Stiefmutter. Den Rest erspare ich euch.

Bis dahin war alles gut und auch recht unterhaltsam. Und dann kommt die Auflösung des Falls, und hier war es dann für mich leider vorbei. Wenn ihr das Buch noch lesen möchtet, dann klickt jetzt bitte weg, denn ich werde ein paar Dinge spoilern müssen. Es stellt sich am Ende heraus, dass der Mord eigentlich doch eher ein Unfall war - und dass der Ermordete ein Vergewaltiger ist. Daraufhin beschließt Daisy, dass niemand für den Tod verantwortlich ist und denkt sich einen Plan aus, der den Totschläger (ist ja kein Mörder mehr) außer Landes bringt. Natürlich ist der hotte Detektive damit nicht happy, aber Daisy sagt dann, und hier wird es wirklich eklig: ein Exil in Brasilien als Verwandter des Plantagenbesitzers zwischen (und hier verwende ich nettere Ausdrücke als sie) Schlangen und den Ureinwohnern Südamerikas sei doch eigentlich ein schlimmeres Schicksal als das Gefängnis und der ruinierte Ruf. Deswegen soll Mr Detektive nochmal ein Auge zudrücken und sie trotzdem mögen.

Ich habe wirklich lange nichts mehr gelesen, das so offensichtlich rassistische Stereotype und Vorurteile in eine Geschichte einbaut. Aber da wusste ich dann direkt wieder, warum ich eigentlich keine Bücher aus den 90er lese, wenn ich es vermeiden kann. Mir hat es das Buch auf jeden Fall richtig versaut. Was man vielleicht positiv noch erwähnen kann: das Hörbuch hatte eine deutlich bessere Qualität als Miss Fisher. Trotzdem werde ich Daisy Dalrymple nicht weiterhören. 

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 12. März 2024

Cocaine Blues


Hallo meine Mysteryfreunde,

zum Beginn des Jahres ging es mir sehr schlecht, und deswegen habe ich entschieden, dieses Buch zu hören. Ich liebe die Miss Fisher-Serie über Phryne Fisher, die in den 1920er Jahren in Australien Mordfälle aufklärt. Als ich gehört habe, dass die Serie auf Büchern beruht, wollte ich die Bücher unbedingt ausprobieren. Dieses erste Buch ist die erste Folge der Serie, sodass ich mit der Handlung vertraut war, und auch die Charaktere kannte ich quasi schon. Das hat es für mich leicht gemacht zuzuhören, während es mir gesundheitlich nicht gut ging.

Die Fakten:

  • Autor: Kerry Greenwood
  • Sprecher: Stephanie Daniel
  • Titel: Cocaine Blues (dts. Miss Fisher und der Schneekönig)
  • Reihe: Phryne Fisher 1
  • Erschienen: 1989
  • Verlag: Bolinda Publishing
  • Dauer: 5 Std 48min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext: "It's the end of the roaring twenties, and the exuberant and Honourable Phryne Fisher is dancing and gaming with gay abandon. But she becomes bored with London and the endless round of parties. In search of excitement, she sets her sights on a spot of detective work in Melbourne, Australia. And so mystery and the beautiful Russian dancer, Sasha de Lisse, appear in her life. From then on it's all cocaine and communism until her adventure reaches its steamy end in the Turkish baths of Little Lonsdale Street."

Zur Handlung: Phryne Fisher ist eine junge Frau, die in Australien geboren ist, deren Vater dann aber ein unerwartetes Erbe in England antreten konnte. Sie begibt sich zurück in ihre Heimat, um einem Freund des Vaters mit seiner Tochter zu helfen, die eine mysteriöse Krankheit zu haben scheint. Gleichzeitig will sie auch mehr Freiheit für sich selbst und ihr Hobby des Aufklärens von Verbrechen gewinnen.

In Melbourne angekommen, muss sie feststellen, dass es immer noch Gläubiger gibt, denen ihr Vater Geld schuldet. Dennoch kommt sie gut in der High Society an, und sorgt auch schnell für Aufsehen mit ihrem frechen Modegeschmack und ihrer aufwühlenden Sexualität. Doch während sie die feine Gesellschaft der Stadt auf den Kopf stellt, gewinnt sie auch Freundschaften, die ihr nicht nur helfen werden, die Krankheit ihrer Bekannten aufzudecken, sondern auch den größten Vertreiber von Kokain aufzudecken.

Von der Handlung her sind die erste Folge der Serie und dieser erste Band nahezu deckungsgleich. Tatsächlich würde ich sagen, dass die Serie die woke große Schwester des Buches ist. Denn natürlich muss man bei einem Buch, das Ende der 80er Jahre erschienen ist, mit einigen eher problematischen Aspekten rechnen. Im Großen und Ganzen wurde ich hier aber in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

Phryne Fisher als Hauptfigur mag ich einfach sehr. Sie ist schlau, sie ist stark, sie kann sowohl mit einem Revolver als auch mit einem schicken Sportwagen umgehen, sie liebt schöne Kleider und schöne Männer. Für die Zeit des Erscheinens des Buches, war sie vermutlich schon fortschrittlich, und für die 1920er Jahre erst recht. Ich liebe auch ihren Pragmatismus, und ihre leichte Art, die sicher in einer direkten Interaktion mit ihr auch schnell anstrengend sein könnte. 

Neben ihr lernen wir einige Nebenfiguren kennen, die es auch in der Serie gibt. So ist da beispielsweise Dot, eine junge Frau, die Phryne von einem Mordversuch abbringt und als ihre Assisstentin engagiert. Ich liebe Dot wegen der Serie, aber im ersten Buch bleibt sie vielleicht noch ein bisschen blass. Ich musste aber so lachen, als es um ihre Angst vor dem Telefon ging. Dann haben wir den Inspektor, der aber in diesem ersten Band kaum vorkommt, da war ich etwas überrascht. Wir haben den russischen Tänzer Sasha, mit dem es auch ein bisschen heiß hergeht. Und dann sind da noch die beiden Taxifahrer, und die irische Ärztin, mit der Phryne nach Melbourne gereist ist. Man sollte in diesem kurzen ersten Band hier einfach nicht zu viel von den Charakteren erwarten, auch wenn ich einige Entwicklungen wirklich sehr mochte.

Im Kern geht es um Phrynes Ermittlungen, die sich gleich auf mehreren Ebenen ereignen. Denn über ihre Taxifahrer und die Ärztin erfährt sie von Fällen von illegalen Abtreibungen, die so unprofessionell durchgeführt werden, dass die Patientinnen oft mit dem Leben bezahlen. Wenn das kein Thema ist, über das ihr lesen möchtet, dann seid ihr gewarnt. Ich finde den Umgang mit dem Thema hier aber gelungen. Es wird darauf verwiesen, dass Abtreibung kein Verbrechen sind und manchmal auch medizinisch notwendig, aber dass illegal durchgeführte Abtreibungen ein enorm großes Gesundheitsrisiko darstellen, vor allem wenn es Männern nur darum geht, die hilflosen Frauen auszubeuten.

Gleichzeitig wird sie auf das große Problem des Kokainhandelns aufmerksam, dass in den verschiedensten Gesellschaftsschichten zur Mode wird. Hier wird sie vor allem über den russischen Tänzer und seine Familie hineingezogen, die sich an der Person rächen wollen, die einst für den Drogentod der Mutter des Tänzers und seiner Schwester verantwortlich war. Und schließlich ist Phryne ja eigentlich nach Melbourne gekommen, um sich nach der seltsamen Krankheit ihrer Bekanntenzu erkundigen. Dabei muss sie schnell feststellen, wie unangenehm ihr diese Frau ist, aber dennoch will sie herausfinden, wie schwer deren Probleme sind.

Ihr solltet hier also auf viele Handlungsstränge gefasst sein. Das passt aber auch die Phryne, die eben nicht gelangweilt in einer Bibliothek auf einem Anwesen die Verdächtigen interviewt und aus den Beweisen deduktiert. Ihr geht es um das Abenteuer, um den Spaß, und auch um die Gefahr. Und so steckt sie ihre Nase ohne großen Sorgen in alles hinein, was sie nur bedingt etwas angeht. Mir hat das beim Schauen und auch beim Hören immer Spaß gemacht. Und trotzdem kann man schon ein bisschen mitraten, wie alles am Ende zusammenpasst.

Das Ende war dann etwas unerwartet, und hat auch ein paar problematische Aspekte in den Aussagen, die getroffen werden, was mir so aus der Serie nicht in Erinnerung war und was sie glaube ich geändert haben. Hier wird dann die sexuelle Aufgeschlossenheit von Phryne ein bisschen zu stark glorifiziert, und die sexuelle Zurückhalten (die man als Asexualität lesen kann) eines anderen Charakters genutzt um zu zeigen, dass mit dieser Person etwas nicht stimmt und sie deswegen Verbrechen begeht. Das hat mir nicht gut gefallen. Aber davon abgesehen wird es schon brenzlig für Phryne, und man kann mitfiebern, wie sie da wieder rauskommt.

Alles in allem hat mir der erste Band gut gefallen. Das Buch hat einige problematische Aspekte, die man heute vermutlich anders schreiben würde, aber es hat auch einige Jahre auf dem Buckel. Ich habe mich dennoch gut unterhalten gefühlt, und es hat in mir die Nostalgie der Serie ausgelöst. In einer sehr schwierigen Zeit hat es mir positive Momente verschafft, und dafür bin ich dankbar. Ich kann mir vorstellen, die Reihe irgendwann weiterzuhören.

Das Hörbuch würde ich aber nicht empfehlen. Es wurde 2010 aufgenommen, ist aber technisch nicht gut umgesetzt, hat komische Pausen und Hintergrundgeräusche. Dann lieber das Ebook oder so.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 10. März 2024

The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl


Hallo meine Historienhasen,

und schon kommen wir zum Ende dieser Trilogie und auch zum Ende dieser Woche. Nachdem die ersten beiden Bände meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnten, hatte ich jetzt noch einmal Hoffnung für das große Finale. Zumindest gab es Anzeichen, dass hier noch einmal Abenteuer und Mystery aufkommen könnten. Aber konnte das letzte Buch die Reihe retten?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl (dts. Das unheilvolle Geheimnis des faszinierenden Mädchens)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 3
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 434
  • Preis: 12,50 Euro
  • Klappentext: "Life's always an adventure for the Athena Club ... especially when one of their own has been kidnapped! After their thrilling European escapades rescuing Lucinda van Helsing, Mary Jekyll and her friends return home to discover that their friend and kitchen maid Alice has vanished - and so had Mary's employer Sherlock Holmes! As they race to find Alice and bring her home safely, they discover that Alice's and Sherlock's kidnappings are only one small part of a plot that threatens Queen Victoria and the very future of the British Empire. Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine save their friends - and save England?"

Zur Handlung: Während Mary und ihre Gefährtinnen noch in Budapest auf der Suche nach Antworten auf die Fragen ihrer Entstehung sind und sich um einen ethischeren Umgang mit Experimenten in der Alchemistischen Gesellschaft bemühen, bekommen sie ein Telegramm, dass Alice entführt wurde. Sofort machen sie sich auf den Weg zurück nach England.

Inzwischen ist klar, dass Alice nicht einfach nur zufällig in die Hände von Verbrechern gefallen ist, sondern dass sie die Enkelin eines weiteren Alchemisten ist und besondere Fähigkeiten hat. Diese Fähigkeiten sollen nun missbraucht werden, um die Queen zu stürzen. Alice gelingt es, das Vertrauen der Verbrecher zu erlangen, um so möglichst den anderen zu helfen, diese Pläne zu vereiteln.

Wenn man den Klappentext liest, sieht man genau die Probleme, die ich schon beim ersten Buch hervorgehoben habe: die Autorin versucht eine feministische oder zumindest progressive Geschichte zu erzählen mit Charakteren, die das britische Empire und damit ein Kolonialland mit einem Monarchen an der Spitze retten sollen. So richtig haut das natürlich nicht hin, sodass unsere progressiven Heldinnen weiter altbacken und fehl am Platz wirken.

Für die Charaktere kann man hier nicht viel ergänzen, denn wie gesagt machen diese keine nennenswerte persönliche Entwicklung durch. Hervorzuheben ist hier nur Alice, die nun auch Kapitel aus ihrer Sichtweise bekommt. Sie ist dabei deutlich jünger als die anderen und als Waise aufgewachsen. Auch hier wird die Klassengesellschaft als solche wieder nicht in Frage gestellt, denn Alice will auch dann weiter Küchenmagd bleiben, als klar wird, dass sie eigentlich aus einem wohlhabenden Hause stammt. Klar, für andere arbeiten macht halt einfach Spaß. Trotzdem mochte ich Alice als Charakter, sind ich schlau und wird schnell unterschätzt. Sie hat mich auch ein wenig an einen Hobbit erinnert, so Abenteuer sind nix für sie, aber sie schlägt sich dann erschreckend gut darin. Und ihre Fähigkeiten sind auch echt cool.

Durch die vielfältigen Perspektiven, die in diesem Buch zusammenkommen, geht aber leider der Mysteryaspekt völlig unter. Schon zu Beginn wissen wir, wo Alice ist, wer sie warum entführt hat, wo Sherlock ist, und was der Plan des ganzen Verbrechens ist. Jetzt warten wir also wieder darauf, dass die anderen Athena Club-Mädels das auch alles herausfinden und was dagegen tun können.

Gleichzeitig spielt in diesem Buch dann auch die Bösewichtin (quasi) aus dem vorherigen Band noch eine Rolle und wir erfahren noch mehr über ihren Hintergrund. Wie super toll dabei der Blick auf das antike Ägypten gelungen ist, und dann auch auf die Kolonialgeschichte der Welt, darüber kann man dann vielleicht streiten. Ich denke, mit allem, was ich bisher gesagt habe, könnt ihr euch ein Bild machen.

Was hier noch mehr zum Thema gemacht wird, ist Fremdenhass und white supremacy. An sich finde ich das wichtige Themen, die ich auch gern in Büchern aufgegriffen sehe. Allerdings dient es hier eher dazu die Bösen als die Bösen zu markieren. Eine richtige Auseinandersetzung geschieht nicht. Alles bleibt ähnlich wie im Rahmen des zweiten Buchs, als eine Frau of Color unseren Heldinnen vorwirft, dass sie aus rassistischen Gründen verdächtigt wird. Und was mir dann hier noch etwas seltsam aufgestoßen ist, ist, dass diese white supremacy-Gruppe eine Familie als Bedienstete hat, die polnische Juden sind...

Am Ende geht es dann noch einmal hoch her, Mary und ihre Freunde müssen schließlich die Queen retten. Ich muss aber gestehen, dass mir dieser letzte Band am allerwenigsten im Kopf geblieben ist. Dabei hatte ich, als ich den gelesen habe, soweit ich mich erinnere am wenigsten Corona, und somit eigentlich die besten Chancen mich zu erinnern (ja, ich habe einen Teil der Reihe in der Zeit gelesen, als ich mit Corona flach lag - immerhin war es dann nicht allzu schwere Kost für meinen Kopf). Es ist halt dann einfach so weitergeplätschert, wie die Reihe generell war.

Alles in allem war die Reihe für mich eher eine Enttäuschung, nicht weil sie grundsätzlich schlecht war, aber weil ich einfach etwas total Tolles erwartet habe und dann nur eher etwas Mittelmäßiges bekommen habe. Das Buch hat für mich auch einfach zu viele Charaktere und Perspektiven, sodass man keinen Charakter so richtig gut kennen lernen und auch analysieren kann. Auch die Fälle, die hier gelöst waren, sind immer viel zu offensichtlich - oder eben wie hier im letzten Band, wir wissen die Lösung durch die vielen Perspektiven. Also auch die Handlung hält mich nicht richtig bei Laune. Der Schreibstil ist niedlich, so mit den Kommentaren der Charaktere im Manuskript, aber da hätte auch ein Buch gereicht für. Deswegen ist mein Fazit: lest lieber erstmal Band 1 und überlegt dann, ob ihr noch weitere ~1200 Seiten davon lesen wollt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 9. März 2024

European Travel for the Monstrous Gentlewoman


Hallo meine Historienhasen,

gestern hatte ich euch von Band 1 dieser Reihe berichtet, der mir an sich gut gefallen hat, auch wenn er mit meinen Erwartungen nicht mithalten konnte. Heute kommen wir zu Band 2, der aus bis heute ungeklärten Gründen fast doppelt so lang ist wie Band 1. Und die Frage drängt sich auf: ist es das wert?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: European Travel for the Monstrous Gentlewoman (dts. Die wilde Jagd nach der monströsen Dame)
  • Reihe:  The Extraordinary Adventures of the Athena Club 2
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 706
  • Preis: 12,79 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll's life has been peaceful since she helped Sherlock Holmes and Dr Watson solve the Whitechapel Murders. Beatrice Rappaccini, Catherine Moreau, Justine Frankenstein, and Mary's sister, Diana Hyde, have settled into the Jekyll household in London, and although the sometimes quarrel, the members of the Athena Club get along as well as any five young women with very different personalities. As least they can always rely on Mrs Poole. But when Mary receives a telegram that Lucinda Van Helsing has been kidnapped, the Athena Club must travel to the Austro-Hungarian Empire to rescue yet another you woman who has been subjected to horrific experimentation. Where is Lucinda, and what has Professor Van Helsing been doing to his daughter? Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine reach her in time? Racing against the clock to save Lucinda from certain doom, the Athena Club embarks on a madcap journey across Europe. From Paris to Vienna to Budapest, Mary and her friends must make new allies, face old enemies, and finally confront the fearsome, secretive Alchemical Society. It's time for these monstrous gentlewomen to overcome the past and create their own destinies."

Zur Handlung: Um sich weiter ein gutes Leben leisten zu können, müssen im Athena Club-Haushalt alle mit anpacken. Beatrice stellt aus ihren Pflanzen Medizin her, Catherine schreibt Bücher und Mary arbeitet bei Sherlock Holmes als Schreibkraft. Doch als sie ein Telegramm erhalten, dass ihre detektivischen Fähigkeiten erbittet, begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise.

Zwischen Zugfahrt, deutschen Spionen, Zirkuskünstlern, psychiatrischen Anstalten, wissenschaftlichen Konferenzen und viiiielen Törtchen und Dinnern müssen sie versuchen, Lucinda von Helsing zu finden. Dabei treffen sie auch auf neue Verbündete, wie Laura und Carmilla, und machen sich neue quasi-prähistorische Feinde. Und es gibt viele Törtchen und Dinner.

Nach dem ersten Band war ich echt gespannt, was nun hier auf 700 Seiten auf mich wartet. Ich fand den ersten Teil zwar interessant, aber auch enttäuschend. Darum hatte ich Hoffnung, dass es in Band 2 nun richtig losgeht, und die Reihe meine Erwartungen mehr erfüllt, vor allem wenn es um den Punkt Frauenpower geht. In zwei Aspekten passiert das auch: erstens können wir recht früh Holmes abschütteln, und das Buch versucht sogar selbstironisch damit umzugehen, dass er sich so sehr in das erste Buch hineingedrängt hatte; zweitens haben wir jetzt hier bei all den Frauen auch mal ein gleichgeschlechtliches Paar - wenig überraschend inspiriert von dem Klassiker Carmilla.

Trotzdem war dieser Band noch mehr Enttäuschung als Band 1. Das hat viele Gründe. Wir haben als Hauptfigur wieder Mary, die nach wie vor so unnahbar ist wie in Band 1. Wir bekommen aber etwas mehr Einblicke in Justine, was ich sehr mochte, und für Beatrice gibt es eine Liebesgeschichte, die ich an sich auch mochte, die aber so plump geschrieben war und wo ich Catherine so richtig ätzend fand. Ansonsten bleibt Diana weiter laut und nervig. Mrs Poole lassen wir in England zurück, aber die würde es woanders eh nie aushalten. Zum Glück gilt das gleiche für Holmes und Watson. Dazu kommen dann neue Charaktere, wie Lucinda, Carmilla, Laura und Holmes' Ex Irene Adler.

In diesem Buch wartet sehr viel Herumgereise auf uns. Natürlich war reisen zu dieser Zeit nicht unbedingt komfortabel, und hat auch echt eine Weile gedautert. Aber abgesehen davon passiert hier dann auch nicht viel. Was mich allerdings besonders angestrengt hat, war das viele Essen. Ich liebe eigentlich Essen in Geschichten, denn ich bin auch so ein großer Foodie. Hier nimmt es aber so viel Überhand, und in den seltsamsten Momenten wird ein Picknick gemacht oder ein Dinner gegessen. Unser Feind hat uns in eine gruslige Ruine entführt, lasst uns erstmal was essen? Ok. 

Die Länge des Buches ist dabei völlig übertrieben. Die Geschichte gibt letztlich kaum mehr her als in Band 1. Noch dazu ist hier alles noch viel offensichtlicher. Und ich muss ehrlich zugeben, dass die kreativen Entscheidungen in diesem Band für mich keinen Sinn gemacht haben. In Band 1 hat sich die Autorin entschieden eine heutzutage kontrovers diskutierte Figur klar zum Bösen zu machen, was ich so nicht hatte erwartet. In Band 2 jedoch wird jetzt eine eigentlich recht klar böse Figur der Literatur plötzlich zum Guten gemacht und dafür die gute Figur böse? Und sobald ihr ein bisschen Wissen über Klassiker habt und dann van Helsing und Carmilla hört, da wisst ihr ja, was der Mystery-Aspekt ist. Aber unsere Damen nicht, und wir dürfen da dann irgendwie hinterherstümpern.

Wenn das dann endlich soweit abgehakt ist, geht es dann noch weiter nach Budapest, wo der Entgegner der alchemischen Gesellschaft auf sie wartet. Auch hier wird dann viel gesessen, viel beraten, viel gegessen. Dann nochmal kurz Action, aber nicht zu viel. Das hat mir für 700 Seiten einfach nicht gereicht. Das Ende ist dann zwar etwas überraschender als die Hintergründe von Lucindas Entführung, aber konnte das Buch nicht mehr retten für mich.

Genervt hat mich auch, dass so viele kleine Fehler in dem Buch waren. So ist Justine angeblich ein absolutes Sprachgenie und stammt auch aus der Schweiz. Trotzdem sind dann grammatische Fehler in den Sachen, die sie auf Deutsch sagt. Für die anderen Sprachen bin ich dann kein Experte, aber es kommt auch einiges an Französisch, Italienisch und Ungarisch vor. Seltsam ist vor dem Hintergrund, dass das Buch ja von Catherine geschrieben wird, auch, dass sie die ungarischen Namen perfekt buchstabieren kann und dann hinterher schreibt, wie es ausgesprochen wird. Da hätte man glaube ich mehr im Konzept bleiben können. Und neben sprachlichen Sachen waren auch so ein paar Dinge inkonsistent, zum Beispiel wenn über Stockwerke gesprochen wird, die im Englischen anders gezählt werden als im Deutschen. Eine Frau, die seit Jahren als Spionin in Österreich lebt, sollte das wissen, zählt aber weiter britisch. In der deutschen Übersetzung ist das dann vielleicht alles glattgebügelt - man sollte es hoffen.

Alles in allem war das Buch auch wieder eine Enttäuschung, und das nachdem ich meine Erwartungen nach Band 1 schon deutlich gesenkt hatte. Ich habe hier dann auch gemerkt, dass ich mit den Charakteren einfach nicht warm werde, war vor allem daran liegt, dass sie dann doch recht flach bleiben und sich eigentlich auch null entwickeln. Das gilt vor allem für Mary, aber auch Diana und Catherine sind einfach absolut gleich durch alle Bücher hinweg. Etwas mehr Justine fand ich gut, von Beatrice hätte ich etwas mehr erhofft. Aber wenn einem die Charaktere egal sind, kann halt auch in der Handlung passieren, was da will.

Ich würde es also nicht empfehlen, diese Reihe weiterzulesen, außer ihr seid absolut verliebt in Band 1 und wollt unbedingt weiter und lange diesen Charakteren folgen. Band 3 habe ich dann trotzdem auch noch gelesen, dazu morgen mehr.

Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:



Freitag, 8. März 2024

The Strange Case of the Alchemist's Daughter


Hallo meine Historienhasen,

ich liebe es ja, Reihen hintereinander weg zu lesen. Das habe ich letztes Jahr auch wieder mit fünf Reihen gemacht, und ich glaube, ich habe euch keine einzige vorgestellt. Dieses Wochenende werden wir das hoffentlich ändern, und beginnen heute mit dem ersten Band dieser Trilogie. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, weil ich so viel Gutes gehört hatte, und leider ist das manchmal ja gefährlich.

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Strange Case of the Alchemist's Daughter (dts. Der seltsame Fall der Alchimisten-Tochter)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 400
  • Preis: 12,45 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll, alone and penniless, following her parents' death, quickly finds herself drawn into the secrets of her father's mysterious past. A clue leads her to believe that Edward Hyde, her father's former friend and a murderer, may be nearby, and there is still a reward for information resulting in his capture - a reward that would solve all her immediate financial woes. But her hunt brings her not to Edward Hyde but to Diana, his daughter, a near-feral child left to be raised by nuns. With the assistance of Sherlock Holmes and Dr Watson, Mary continues her search for the elusive Hyde, and soon gathers around her more women, all of whom have been created through terrifying experimentation: Beatrice Rappaccini, Catherin Moreau, and Justine Frankenstein. When their investigations lead to the discovery of a secret society of immoral and power-crazed scientists, the horrors of their past soon arrive on their doorsteps as well, and now it is up to the five women to stop the malicious machinations of the Société des Alchimistes. Quite simply, it is time for the monsters to triumph over the monstrous."

Zur Handlung: Als Marys Mutter stirbt, ist sie zunächst am Boden zerstört, doch sehr schnell muss sie sich zusammennehmen, denn mit dem Lebensende ihrer Mutter geht nun auch das Geld aus. Schweren Herzens muss sie das Personal der Familie entlassen, doch die eigenwillige Haushälterin Mrs Poole beschließt vorerst zu bleiben und Mary zu unterstützen. Als Mary die Finanzen ihrer Mutter durchgeht, findet sie allerdings etwas Seltsames.

Sie findet, dass Zahlung mit dem Betreff Hyde an ein Kloster in einem armen Stadtteil von London gemacht werden. Mary erinnert sich an Mr Hyde, der für ihren Vater gearbeitet hat, bevor dieser umgekommen ist, nur sehr vage. Aber sie weiß, dass es ein Kopfgeld für ihn gibt. Doch Mary will sich nicht allein auf die Suche nach so einem gefährlichen Mann machen, und bittet daher um die Hilfe des berühmten Sherlock Holmes.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich immer davon gehört habe, wie hier diese jungen Frauen aus verschiedensten Schauerromanen zusammenkommen und sich das Spotlight holen, das sie schon immer verdienen. Entsprechend war ich auf volle Frauenpower eingestellt - und habe sie ehrlich nicht bekommen. Das hat viele Gründe, die ich jetzt hier versuche darzulegen.

Mary als Hauptfigur ist recht steif und rigide. Das hat auch seine Gründe, aber trotzdem wirkt mit ihr alles immer etwas distanziert. Sie ist sehr rational und kalkuliert, und sie ist wirklich keine Feministin. Allgemein kämpft das Buch damit, dass es im 19. Jahrhundert spielt, und für damalige Verhältnisse progressive Dinge heute irgendwie verstaubt und öde sind. Dagegen sind die damaligen moderaten Vorstellung der Welt heute einfach veraltet. Mary mochte ich trotzdem an sich gern, aber sie reißt einen nicht wirklich mit.

Neben Mary haben wir noch die anderen jungen Frauen. Als erste treffen wir davon Diana, die eigentlich eher noch ein Kind ist, rotzfrech und sehr laut. Dann haben wir Beatrice, die ich eigentlich am liebsten mochte, die aber eher zurückhaltend und leise ist und daher im Buch wenig zu Wort kommt. Dazu kommt noch Catherine, die das Buch schreibt, die ich aber sehr anstrengend fand. Und schließlich Justine, ebenfalls so ein interessanter Charakter, der aber durch seine zurückhaltende Art leider untergeht. Mrs Poole steht für die bürgerliche Sitte und ist für die Versorgung mit Essen zuständig - hier könnte man ja auch mal kritisch über die Klassen der damaligen Zeit werden, oder eben nicht.

Ein zentrales Problem, was ich mit diesem Buch hatte, trägt einen Namen: Sherlock Holmes. Nie, wenn jemand über dieses Buch gesprochen hat, habe ich vernommen, dass Holmes hier eine zentrale Rolle einnimmt. Und ist er einmal da, wird man ihn nicht mehr los. Jede Szene, in der er ist, dreht sich eigentlich nur noch um ihn. Und dass Mary dann zarte Gefühle für ihn entwickelt, macht alles irgendwie noch anstrengender. Hier waren meine Erwartungen einfach völlig anders. Dass in dieser Reihe ein Mann so die Schau stiehlt, das hatte ich einfach nicht gedacht.

Geschrieben ist das Buch übrigens in einem sehr interessanten Stil, denn Catherine, eine Figur aus dem Buch, schreibt das Buch über die Erlebnisse ihrer Freundinnen um Geld für ihr gemeinsames Leben zu verdienen. Die anderen Charaktere bekommen Gelegenheit, das Manuskript mit Kommentaren zu versehen, was sie auch eifrig machen - und das alles bekommen wir dann zu lesen.

Ich denke, der Mystery-Fall war hier noch ganz interessant. Im Stile von Jack the Ripper geht es um Morde an Frauen, die zur Unterschicht in London gehört haben. Die Morde sind blutig und verstörend, aber keiner kann sich erklären, warum sie geschehen. Als Leser hatte ich zumindest recht schnell eine Ahnung, was da dahintersteckt, aber die Erklärung war dann doch noch etwas komplexer als meine ersten Gedanken.

Es kommt am Ende dann auch zu einem Showdown, wo unsere Charaktere ziemlich in Gefahr geraten. Trotzdem ist das Buch im Grundton eher cosy, würde ich sagen. Es hat dieses historische Flair, wir folgen den Charakteren auf ihren Wegen durch London, wobei sie langsam Hinweise sammeln. Und es darf natürlich auch nicht an Schnittchen und Tee fehlen, sonst bräuchten wir Mrs Poole ja nicht.

Alles in allem hat mir das erste Buch ganz gut gefallen. Aber leider waren meine Erwartungen so hoch, dass es sich trotzdem enttäuschend angefühlt hat. Vor allem die unglaublich hohe Aufmerksamkeit auf Holmes hat mich genervt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass ich von den Charakteren, die ich am spannendsten fand, am wenigsten gesehen habe. Aber es ist ein schönes Abenteuer für einen verregneten Tag. Es hat irgendwie was herzerwärmendes.

Morgen erzähle ich dann, wie es mir mit Band zwei ergangen ist, der dann einfach mal fast doppelt so lang ist wie Band 1!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 6. März 2024

We Deserve Monuments


Hallo meine Lieblingsleser,

wir machen heute weiter mit meinen guten Vorsätzen, und ich berichte euch direkt von einem Buch, das ich ganz frisch fertig gelesen habe. Und oh boy, war das ein Buch. Ich hatte schon ein bisschen was darüber gehört, tatsächlich nur Gutes, und dann war es auf Audible mit dem Abo kostenlos verfügbar. Da konnte ich nicht nein sagen.

Die Fakten:

  • Autor: Jas Hammonds
  • Titel: We Deserve Monuments
  • Sprecher: Tamika Katon-Donegal
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 10 Std 22min
  • Preis: kostenlos im Abo
  • Klappentext:

    "What’s more important? Knowing the truth or keeping the peace? Seventeen-year-old Avery Anderson is convinced her senior year is ruined when she's uprooted from her life in DC and forced into the hostile home of her terminally ill grandmother, Mama Letty. The tension between Avery’s mom and Mama Letty makes for a frosty arrival and unearths past drama they refuse to talk about. Every time Avery tries to look deeper, she’s turned away, leaving her desperate to learn the secrets that split her family in two. While tempers flare in her avoidant family, Avery finds friendship in unexpected places: in Simone Cole, her captivating next-door neighbor, and Jade Oliver, daughter of the town’s most prominent family—whose mother’s murder remains unsolved. As the three girls grow closer—Avery and Simone’s friendship blossoming into romance—the sharp-edged opinions of their small southern town begin to hint at something insidious underneath. The racist history of Bardell, Georgia is rooted in Avery’s family in ways she can’t even imagine. With Mama Letty's health dwindling every day, Avery must decide if digging for the truth is worth toppling the delicate relationships she's built in Bardell—or if some things are better left buried."

Zur Handlung: Avery kann sich Schöneres vorstellen, als aus DC weg nach Georgia zu ziehen, wo ihre Großmutter, an die sie sich nicht erinnern kann, an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. Aber nach ihrer Trennung von ihrer Freundin kann es Neuanfang vielleicht auch gut sein. Zumindest kann sie sich an ihrer neuen Nachbarin Simone kaum satt sehen.

Doch je länger Avery und ihre Familie im Haus ihrer Großmutter Mama Letty verbringen, desto deutlicher wird, wie unwahrscheinlich eine Versöhnung von Großmutter und Mutter ist. Und Avery fühlt sich zwischen den Stühlen, denn sie versucht nun verspätet eine Beziehung zu ihrer Großmutter herzustellen, während sie weiß, dass ihr wichtiges Wissen fehlt, um ihre eigene Familie wirklich zu verstehen.

Wenn man diese Geschichte beginnt, weiß man schon, dass hier kein Happy End wartet. Die Frage ist daher, kann es wenigstens bitter-süß werden. Mich hat es auf jeden Fall durch einen ganzen Haufen von Gefühlen geführt, mit Wut und Freude und Trauer und allem dazwischen. Es hat mich auch an ein paar Dinge erinnert, die in meiner Familie so angefallen sind, und die Mauern, die wir manchmal aufbauen müssen, um uns selbst zu schützen - aber manchmal auch einreißen müssen, um uns selbst vergeben zu können.

Avery als Hauptfigur hat mir größtenteils gut gefallen. Bisher war sie das absolute Vorzeigekind. Sie war gut in der Schule, immer zusammen mit ihren Streberfreundinnen, die schon seit Jahren planen auf welche Top-Colleges sie gehen wollen. Doch angeregt durch ihre neue Situation fokussiert sie sich nun zunehmend auf die Geschichte ihrer Familie und die Geheimnisse, die dort lauern, werden ihr sehr viel abgewinnen. Das führt dann auch zu einigen Wutausbrüchen, die einerseits verständlich sind für eine Teenagerin, andererseits dann schon manchmal schwer zu lesen waren. 

Rund um Avery haben wir verschiedene zentrale Charaktere. Als wichtigstes sind da Mama Letty und Averys Mutter, die eine Astrophysikerin ist. Mama Letty ist eine verbitterte alte Frau, der in ihren jüngeren Jahren etwas geschehen ist, was sie nie verarbeiten konnte. Averys Mutter ist eine zielstrebige Frau, die sich den Weg nach oben erkämpft hat, um ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Doch nun wird sie in diese Erinnerungen hineingesaugt und verliert dadurch auch die Kontrolle, die sie sich so hart erkämpft hat. Dann haben wir noch Simone, zu der Avery romantische Gefühle entwickelt. Ich mochte Simone sehr und habe sehr mit ihr mitgefühlt. Und darüber hinaus haben wir Jade, Simones beste Freundin, die selber wenig Glück mit ihrer Familie hat und mit der ich deswegen auch teilweise mitgefühlt habe, Averys Vater, der sich für einen Mann sehr gekonnt aus dem Mittelpunkt heraushalten kann, wenn es nicht um ihn geht, und Simones Mutter, die über einen steinigen Weg zu Gott gefunden hat und es nun damit vielleicht ein bisschen übertreibt.

Ich würde sagen im Kern ist dieses Buch ein Familiendrama, in dem es vor allem um die langfristigen Auswirkungen von Rassismus und Gewalterfahren über die Generationen hinweg geht. Daneben haben wir ein bisschen Romanze, weil wir sehen, wie sich Avery und Simone annähern, und welche Hindernisse sie als gleichgeschlechtliches Paar im Süden Amerikas überwinden müssen. Und wir haben zwei zentrale Mysterys: was ist das Geheimnis von Averys Familie, was die Großmutter so kaputt gemacht hat, und was ist mit Jades Mutter geschehen, die vor ungefähr 15 Jahren ermordet wurde. Allerdings würde ich hier nicht zu viel Mystery erwarten, wir erfahren die Antworten eher nebenher, während wir das Familiendrama verfolgen.

Von den genannten zentralen Figuren sind nur Jade und Averys Vater weiß, Avery ist damit mixed-race. Dieser Fokus auf das Leben und die Geschichte von Schwarzen Personen in den USA hat mir gut gefallen. Vor allem weil wir manchmal denken, dass bestimmte Geschehnisse so lange her seien, aber dann eben doch nur ein oder zwei Generationen zwischen uns und diesen Verbrechen liegen. Mir gefällt aber auch, dass das Buch es schafft diese grausame Geschichte und die heutigen Schwierigkeiten, die durch Diskriminierung immer noch bestehen, mit Momenten der Freude auszubalancieren, sodass kein pures Trauerspiel daraus wird, sondern ein komplexes Wirken des echten Lebens.

Für das Ende solltet ihr euch dann ein paar Taschentücher bereitlegen. Es gibt Grund für traurige und freudige Tränen - eben bittersüß. Mich hat das Buch auf jeden Fall mitgenommen und auch viel in mir ausgelöst beim Hören. Ich hoffe, dass es mir noch etwas im Kopf bleiben wird, weil mein größtes Bedenken ist, dass dies ein Buch ist, das ich zu schnell wieder vergesse.

Alles in allem will ich es euch aber unbedingt ans Herz legen. Auch wenn ihr vielleicht keine Jugendbücher mehr lest oder hört, würde ich sagen, dass hier für alle Altersgruppen etwas dabei ist. Auch wenn wir uns vielleicht nicht mehr mit Avery identifizieren können, sie sehen wir auch das Innenleben von Averys Mutter zum Beispiel, das ich sehr bewegend fand. Und manche Wahrheiten müssen wir alle immer wieder hören, um sie nicht zu vergessen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 4. März 2024

The Undertakers


Hallo meine Mysteryfreunde,

ich bin heute etwas traurig, denn eigentlich wäre ich morgen ein paar Tage weggefahren, zwar für die Arbeit, aber etwas Schönes. Dank Bahnstreik konnte ich das heute alles absagen und es wird stattdessen ein Onlinemeeting. Aber was soll's. Dafür habe ich statt Kofferpacken Zeit euch von einem Buch zu erzählen, das ich kürzlich beendet habe.

Die Fakten:

  • Autor: Nicole Glover
  • Sprecher: Bahni Turpin
  • Titel: The Undertakers
  • Reihe: Murder & Magic 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 14 Std 35min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Nothing bothers Hetty and Benjy Rhodes more than a case where the answers, motives, and the murder itself feel a bit too neat. Raimond Duval, a victim of one of the many fires that have erupted recently in Philadelphia, is officially declared dead after the accident, but Hetty and Benjy’s investigation points to a powerful Fire Company known to let homes in the Black community burn to the ground. Before long, another death breathes new life into the Duval investigation: Raimond’s son, Valentine, is also found dead. Finding themselves with the dubious honor of taking on Valentine Duval as their first major funeral, it becomes clear that his passing was intentional. Valentine and his father’s deaths are connected, and the recent fires plaguing the city might be more linked to recent community events than Hetty and Benji originally thought."

Zur Handlung: Hetty and Benjy versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Dazu klären sie einerseits weiter Verbrechen gegen Schwarze Personen auf, andererseits will Hetty auch ein erfolgreiches Bestattungsgeschäft aufbauen. Allerdings scheint letzterem etwas im Wege zu stehen, denn obwohl Menschen nun einmal sterben, haben sie keinerlei Kunden. Deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mitten in einen neuen Fall zu stürzen.

Hettys Ziehvater hat die beiden gebeten den Tod eines seiner Freunde aufzuklären. Doch die Erklärung, die sie finden, erscheint zu simpel und zu perfekt. Kaum haben die beiden den Fall zu den Akten gelegt, deuten neue Hinweise darauf hin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben. Und das könnte zum Tod von weiteren Personen führen...

Dies ist der zweite Band, der diesen beiden Figuren folgt. Über The Conductors hatte ich euch schon vor einiger Zeit mal berichtet. Ich mochte den ersten Band, war aber nicht völlig verliebt. Daher hatte ich es auch nicht zu eilig, die Fortsetzung zu lesen. Davon abgesehen behandelt jedes Buch seinen eigenen Fall, nur die zentralen Charaktere bleiben gleich. Irgendwie wollte ich nun aber wissen, wie es mit Hetty, Benjy, Penelope und den anderen weitergeht.

Das zweite Buch steht dabei fest in den Fußstapfen des ersten Bandes. Ich mochte die Charaktere, ich finde das Magiesystem spannend aber nicht super gut erklärt, und manchmal ist es einfach viel zu praktisch, und der Fall ist etwas unnötig kompliziert, weil verschiedene Zeitebenen und Geheimnisse miteinander verwoben werden. Daher ist auch meine Gesamteinschätzung ziemlich die gleiche wie nach Band 1: ich mochte das Buch, aber ich bin nicht absolut verliebt.

Im ersten Band lernten wir Hetty und Benjy kennen, die verheiratet sind, aber das eher weil es praktisch ist und nicht aus Liebe. Inzwischen hat sich das allerdings geändert, und die beiden führen eine liebevolle, partnerschaftliche Ehe. Sie wohnen außerdem in einem größeren Haus, zu dem auch die Bestattungsfirma gehört, die Hetty in Schwung bringen will. Ich habe diese beiden Charaktere einfach lieb gewonnen, Hetty die etwas aufmüpfigere, und Benjy mit seiner inneren Ruhe. Ich habe gern gelesen, wie es ihnen weiterhin ergeht. 

Auch die meisten Nebenfiguren kennen wir bereits, da der erste Fall sich in ihrem Freundeskreis abgespielt hatte. Zu diesem Freundeskreis gehören neben Ersatzschwester Penelope, die wundervolle Tränke braut, auch ein schwules Pärchen und ein Transmann. Ich finde es schön, dass die Autorin hier auch Diversität in ein historisches Setting einbaut, denn diese Menschen hat es immer schon gegeben. Außerdem sind alle zentralen Charaktere Schwarz. Zeitlich befinden wir uns hier wieder nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika, allerdings bekommen wir Zeitsprünge zurück in die Zeit, in der es Sklaverei noch gab, und sehen, wie Hetty und Benjy gemeinsam als Teil der Underground Railroad versklavte Menschen befreien.

Das magische System dieser Welt hat verschiedene Teile. Das meiste lernen wir über Celestial Magic, die die Schwarze Bevölkerung praktiziert. Diese Magie hat mit den Sternenbildern zu tun, aber mir bleibt sie auch im zweiten Band zu vage und zu praktisch - für jeden Situation können die Charaktere gefühlt ein beliebiges Sternenbild malen, und das macht dann etwas. Wenn diese sich dann in helfende Figuren verwandeln, muss ich manchmal unfreiwillig an Yu-Gi-Oh denken. Im ersten Band hatte wir außerdem gelernt, dass die Weißen Zauberstäbe für ihre Magie nutzen, das taucht hier am Rande auch auf. Außerdem war die Celestial Magic lange verboten, ein Zeichen der Unterdrückung.

Auch dieser Fall fängt zunächst etwas vage an, und es gibt sogar eine Zeit lang vermeintlich mehrere Fälle, die aber dann doch vielleicht alle auf den gleichen Täter zurückdeuten. Mit dem Verlauf der Geschichte sehen wir, dass er vielleicht auch viel näher an Hetty und Benjy herankommt, als die beiden ursprünglich dachten. Der Fall hat dabei auch mit der Vergangenheit zu tun, die wir in Rückblenden erzählt bekommen. Mir was das schon teilweise zu viel, es ist dann schwer genau zu verfolgen. Ich finde das aber nicht so schlimm, ich gehe einfach mit der Geschichte mit und schaue, wohin sie mich führt. Richtig zum Mitraten ist der Fall aber nicht unbedingt.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es gibt dann noch ein recht explosives Ende, bei dem auch viel auf dem Spiel steht. Die Auflösung des Falls war für mich dann gar nicht unbedingt so interessant, aber ich wollte sehen, dass unsere liebgewonnenen Charaktere in Sicherheit sind. Für mich hat es damit seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt empfehle ich dieses Buch, wenn ihr die Verbindung von Magie und Mystery mögt. Es lebt vor allem von den Hauptfiguren, der realistischen Diversität und dem Funkeln der Sternmagie. Wenn ihr allerdings selber mitraten und Theorien aufstellen wollt, wer der Täter war und warum, dann ist es vielleicht zu unübersichtlich und überfüllt. Außerdem solltet ihr keine zu schnell erzählte Geschichte erwarten, hier baut sich alles langsam auf, auch wenn es am Ende brenzlig wird und man mitfiebern kann. Ich denke, es ist nicht für jeden, aber mir hat es gefallen.

Zukünftige Bücher in dieser Welt scheinen anderen Charakteren zu folgen, aber ein weiterer Band soll dann Ende dieses Jahres erscheinen. Ich werde mir den sicherlich mal anschauen, denn ich mag diese Welt, aber ich werde Benjy und Hetty vermissen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




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