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Sonntag, 17. März 2024

What Moves the Dead


Hallo meine Horrorhasen,

heute berichte ich wieder ganz frisch von einem Buch, das ich gerade beendet habe. Dieses war neu in meiner Bibliothek verfügbar, und das habe ich direkt zum Anlass genommen, es heute innerhalb von einem Tag zu lesen. Ich weiß gar nicht, wann ich das das letzte Mal mit einem Buch gemacht habe. Vielleicht Passing letzten Februar?

Die Fakten:

  • Autor: T Kingfisher
  • Titel: What Moves the Dead (dts. Was die Toten bewegt)
  • Reihe: Sworn Soldier 1
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Tor Nighfire
  • Seiten: 165
  • Preis: 7,99 Euro
  • Klappentext: "When Alex Easton, a retired soldier, receives word that their childhood friend Madeline Usher is dying, they race to the ancestral home of the Ushers in the remote countryside of Ruravia. What they find there is a nightmare of fungal growths and possessed wildlife, surrounding a dark, pulsing lake. Madeline sleepwalks and speaks in strange voices at night, and her brother Roderick is consumed with a mysterious malady of the nerves. Aided by a redoubtable British mycologist and a baffled American doctor, Alex must unravel the secret of the House of Usher before it consumes them all."

Zur Handlung: Alex Easton ist ehemaliger Soldat eines kleinen vergessenen europäischen Landes, das gern Krieg mit anderen Ländern führt, aber immer verliert. Aufgrund dessen hat das Militär eine sehr besondere Rolle, die auch mit eigenen Pronomen geehrt wird. Alex ist also weder sie noch er, sondern ka. Alex erhält einen Brief einer früheren Freundin, dass diese krank ist und vielleicht sterben wird. Daher macht sich Alex auf zu deren Villa.

Doch kaum dort angekommen, ist Alex entsetzt davon, wie zerfallen diese Villa ist. Überall wachsen Pilze und Pflanzen, ein Teil des Hauses ist eingestürzt, und es scheint nur zwei Bedienstete zu geben. In der Villa befinden sich Alex' alte Freunde, ein Geschwisterpaar, und deren Bekannter, ein amerikanischer Arzt. Doch Alex wird das Gefühl nicht los, dass noch mehr in diesem Haus lebt als diese paar Menschen.

In dieser Neuerzählung des Fall of the House of Usher, eine Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe, die ich letzten Herbst gelesen habe, bekommen wir eine etwas ausführlichere Ausgestaltung der Ereignisse mit etwas mehr Antworten als im Original. Auch Alex als Charakter ist neu erfunden. Trotzdem folgt die Geschichte recht nah den Geschehnissen aus dem Original.

Alex als Charakter fand ich sehr spannend. Die Idee, dass Soldaten eigene Pronomen erhalten und damit über der simplen Geschlechtertrennung stehen, fand ich sehr interessant. Wir haben auch Charaktere, die mit diesem Konzept ihre Problemchen haben, was für viele Leser vielleicht auch eine Hilfe ist. Alex spricht auch darüber, dass einige Personen daher den Militärdienst nutzen, um Geschlechterrollen zu entkommen. Alex dagegen hat sich dafür entschieden, damit Alex' Familie genug Geld hat.

Als weitere Charaktere lernen wir Madeline und Roderick kennen. Die beiden letzten Ushers haben die zerfallende Villa geerbt und aus finanziellen Gründen müssen sie dort wohnen. Madeline hat eine ominöse Krankheit, Roderick scheint aber auch nicht ganz fit zu sein. Außerdem ist ihr Freund Denton vor Ort, der Arzt ist, aber nicht wirklich qualifiziert, Madeline zu helfen. Das sind, wenn ich mich nicht völlig täusche, die Figuren aus der Originalgeschichte, die hier etwas mehr Charakter erhalten. Daneben haben wir Miss Potter, die Pilze studiert und immer wieder in der Umgebung des Hauses auftaucht. Sie fand ich auch besonders spannend. Allerdings bekommen sowohl die Briten als auch die Amerikaner hier ein bisschen ihr Fett weg.

Die Geschichte fand ich nicht sehr spannend, wenn man die Originalgeschichte kennt und das Cover anschaut, dann weiß man ja, was los ist. Dennoch fand ich es gut geschrieben und sehr atmosphärisch. Kingfisher hat sich auch bemüht, die Verbindungen zwischen dem Befall und dem Effekt - um mal nicht zu viel zu sagen - realistischer aufzuziehen als andere Geschichten in dieser Richtung. Es gibt auf jeden Fall eine schaurige Momente, und in einem davon wird auch ein Hase seziert, nur dass ihr gewarnt seid.

Ich denke, dass die Geschichte hier wirklich in der Kürze die Würze findet. Länger hätte sie nicht sein können, ohne dass es sich zu sehr zieht. Hier macht die Autorin für mich alles richtig. Mir hat ein bisschen der klassische Kingfisher-Schreibstil gefehlt. Ich habe jetzt schon recht viele ihrer Bücher gelesen, und ich liebe ihren Humor. Der hält sich hier aber sehr zurück. Es gibt schon Schmunzler, vor allem auch wenn es um Alex' Pferd Hob geht, aber kein Vergleich zu anderen Büchern. Mir hat dadurch was gefehlt, auch wenn es tonal hier vielleicht nicht gepasst hätte.

Alles in allem empfehle ich die Geschichte - und jetzt sage ich etwas schockierendes: ich mag sie lieber als Mexican Gothic. Was da der Vergleich ist, könnt ihr euch entweder denken, oder ihr müsst beide Bücher lesen und es herausfinden. Es ist nicht mein liebstes Kingfisher-Buch (das bleibt Nettle & Bone), und auch nicht mein liebster Horror von ihr (da fand ich sowohl Hollow Places als auch House with Good Bones besser). Aber es ist trotzdem eine solide Novelle mit Gruselfaktor. Ich werde bald auch Band 2 lesen und davon berichten.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Dienstag, 12. März 2024

Cocaine Blues


Hallo meine Mysteryfreunde,

zum Beginn des Jahres ging es mir sehr schlecht, und deswegen habe ich entschieden, dieses Buch zu hören. Ich liebe die Miss Fisher-Serie über Phryne Fisher, die in den 1920er Jahren in Australien Mordfälle aufklärt. Als ich gehört habe, dass die Serie auf Büchern beruht, wollte ich die Bücher unbedingt ausprobieren. Dieses erste Buch ist die erste Folge der Serie, sodass ich mit der Handlung vertraut war, und auch die Charaktere kannte ich quasi schon. Das hat es für mich leicht gemacht zuzuhören, während es mir gesundheitlich nicht gut ging.

Die Fakten:

  • Autor: Kerry Greenwood
  • Sprecher: Stephanie Daniel
  • Titel: Cocaine Blues (dts. Miss Fisher und der Schneekönig)
  • Reihe: Phryne Fisher 1
  • Erschienen: 1989
  • Verlag: Bolinda Publishing
  • Dauer: 5 Std 48min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext: "It's the end of the roaring twenties, and the exuberant and Honourable Phryne Fisher is dancing and gaming with gay abandon. But she becomes bored with London and the endless round of parties. In search of excitement, she sets her sights on a spot of detective work in Melbourne, Australia. And so mystery and the beautiful Russian dancer, Sasha de Lisse, appear in her life. From then on it's all cocaine and communism until her adventure reaches its steamy end in the Turkish baths of Little Lonsdale Street."

Zur Handlung: Phryne Fisher ist eine junge Frau, die in Australien geboren ist, deren Vater dann aber ein unerwartetes Erbe in England antreten konnte. Sie begibt sich zurück in ihre Heimat, um einem Freund des Vaters mit seiner Tochter zu helfen, die eine mysteriöse Krankheit zu haben scheint. Gleichzeitig will sie auch mehr Freiheit für sich selbst und ihr Hobby des Aufklärens von Verbrechen gewinnen.

In Melbourne angekommen, muss sie feststellen, dass es immer noch Gläubiger gibt, denen ihr Vater Geld schuldet. Dennoch kommt sie gut in der High Society an, und sorgt auch schnell für Aufsehen mit ihrem frechen Modegeschmack und ihrer aufwühlenden Sexualität. Doch während sie die feine Gesellschaft der Stadt auf den Kopf stellt, gewinnt sie auch Freundschaften, die ihr nicht nur helfen werden, die Krankheit ihrer Bekannten aufzudecken, sondern auch den größten Vertreiber von Kokain aufzudecken.

Von der Handlung her sind die erste Folge der Serie und dieser erste Band nahezu deckungsgleich. Tatsächlich würde ich sagen, dass die Serie die woke große Schwester des Buches ist. Denn natürlich muss man bei einem Buch, das Ende der 80er Jahre erschienen ist, mit einigen eher problematischen Aspekten rechnen. Im Großen und Ganzen wurde ich hier aber in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

Phryne Fisher als Hauptfigur mag ich einfach sehr. Sie ist schlau, sie ist stark, sie kann sowohl mit einem Revolver als auch mit einem schicken Sportwagen umgehen, sie liebt schöne Kleider und schöne Männer. Für die Zeit des Erscheinens des Buches, war sie vermutlich schon fortschrittlich, und für die 1920er Jahre erst recht. Ich liebe auch ihren Pragmatismus, und ihre leichte Art, die sicher in einer direkten Interaktion mit ihr auch schnell anstrengend sein könnte. 

Neben ihr lernen wir einige Nebenfiguren kennen, die es auch in der Serie gibt. So ist da beispielsweise Dot, eine junge Frau, die Phryne von einem Mordversuch abbringt und als ihre Assisstentin engagiert. Ich liebe Dot wegen der Serie, aber im ersten Buch bleibt sie vielleicht noch ein bisschen blass. Ich musste aber so lachen, als es um ihre Angst vor dem Telefon ging. Dann haben wir den Inspektor, der aber in diesem ersten Band kaum vorkommt, da war ich etwas überrascht. Wir haben den russischen Tänzer Sasha, mit dem es auch ein bisschen heiß hergeht. Und dann sind da noch die beiden Taxifahrer, und die irische Ärztin, mit der Phryne nach Melbourne gereist ist. Man sollte in diesem kurzen ersten Band hier einfach nicht zu viel von den Charakteren erwarten, auch wenn ich einige Entwicklungen wirklich sehr mochte.

Im Kern geht es um Phrynes Ermittlungen, die sich gleich auf mehreren Ebenen ereignen. Denn über ihre Taxifahrer und die Ärztin erfährt sie von Fällen von illegalen Abtreibungen, die so unprofessionell durchgeführt werden, dass die Patientinnen oft mit dem Leben bezahlen. Wenn das kein Thema ist, über das ihr lesen möchtet, dann seid ihr gewarnt. Ich finde den Umgang mit dem Thema hier aber gelungen. Es wird darauf verwiesen, dass Abtreibung kein Verbrechen sind und manchmal auch medizinisch notwendig, aber dass illegal durchgeführte Abtreibungen ein enorm großes Gesundheitsrisiko darstellen, vor allem wenn es Männern nur darum geht, die hilflosen Frauen auszubeuten.

Gleichzeitig wird sie auf das große Problem des Kokainhandelns aufmerksam, dass in den verschiedensten Gesellschaftsschichten zur Mode wird. Hier wird sie vor allem über den russischen Tänzer und seine Familie hineingezogen, die sich an der Person rächen wollen, die einst für den Drogentod der Mutter des Tänzers und seiner Schwester verantwortlich war. Und schließlich ist Phryne ja eigentlich nach Melbourne gekommen, um sich nach der seltsamen Krankheit ihrer Bekanntenzu erkundigen. Dabei muss sie schnell feststellen, wie unangenehm ihr diese Frau ist, aber dennoch will sie herausfinden, wie schwer deren Probleme sind.

Ihr solltet hier also auf viele Handlungsstränge gefasst sein. Das passt aber auch die Phryne, die eben nicht gelangweilt in einer Bibliothek auf einem Anwesen die Verdächtigen interviewt und aus den Beweisen deduktiert. Ihr geht es um das Abenteuer, um den Spaß, und auch um die Gefahr. Und so steckt sie ihre Nase ohne großen Sorgen in alles hinein, was sie nur bedingt etwas angeht. Mir hat das beim Schauen und auch beim Hören immer Spaß gemacht. Und trotzdem kann man schon ein bisschen mitraten, wie alles am Ende zusammenpasst.

Das Ende war dann etwas unerwartet, und hat auch ein paar problematische Aspekte in den Aussagen, die getroffen werden, was mir so aus der Serie nicht in Erinnerung war und was sie glaube ich geändert haben. Hier wird dann die sexuelle Aufgeschlossenheit von Phryne ein bisschen zu stark glorifiziert, und die sexuelle Zurückhalten (die man als Asexualität lesen kann) eines anderen Charakters genutzt um zu zeigen, dass mit dieser Person etwas nicht stimmt und sie deswegen Verbrechen begeht. Das hat mir nicht gut gefallen. Aber davon abgesehen wird es schon brenzlig für Phryne, und man kann mitfiebern, wie sie da wieder rauskommt.

Alles in allem hat mir der erste Band gut gefallen. Das Buch hat einige problematische Aspekte, die man heute vermutlich anders schreiben würde, aber es hat auch einige Jahre auf dem Buckel. Ich habe mich dennoch gut unterhalten gefühlt, und es hat in mir die Nostalgie der Serie ausgelöst. In einer sehr schwierigen Zeit hat es mir positive Momente verschafft, und dafür bin ich dankbar. Ich kann mir vorstellen, die Reihe irgendwann weiterzuhören.

Das Hörbuch würde ich aber nicht empfehlen. Es wurde 2010 aufgenommen, ist aber technisch nicht gut umgesetzt, hat komische Pausen und Hintergrundgeräusche. Dann lieber das Ebook oder so.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 18. Februar 2024

A Dead Djinn in Cairo


Hallo meine Fantasyleser,

heute kommen wir zum Start einer Reihe, auf die ich mich sehr freue. Ich hatte sie schon sehr lange im Auge und habe letztes Jahr endlich die erste Novelle gelesen. Zwar habe ich bisher nicht weitergelesen, aber ich kann es kaum erwarten. Die Geschichten in dieser Welt variieren dabei stark in ihrer Länge, von einer Kurzgeschichte bis zu einem Roman. Dieser erste Band ist eher eine kurze Novelle.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Titel: A Dead Djinn in Cairo
  • Reihe: Dead Djinn Universe 1
  • Sprecher: Suehyla El-Attar
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Erschienen: 2019
  • Dauer: 1 Std 41min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "Egypt, 1912. In an alternate Cairo infused with the otherworldly, the Ministry of Alchemy, Enchantments, and Supernatural Entities investigate disturbances between the mortal and the (possibly) divine. What starts off as an odd suicide case for Special Investigator Fatma el-Sha’arawi leads her through the city’s underbelly as she encounters rampaging ghouls, saucy assassins, clockwork angels, and plot that could unravel time itself."

Zur Handlung: Fatma ist eine Agentin für ein Ministerium für Magie in Kairo und wird zu einem Fall gerufen, bei dem jemand scheinbar Selbstmord begangen hat. Dabei muss sie mit einem Kollegen zusammen arbeiten, mit dem die Luft ziemlich dick ist. Doch die beiden werden schnell in Dinge verwickelt, die ihre persönlichen Gefühle in den Hintergrund treten lassen.

So kämpfen sie sich durch die magische Unterwelt von Kairo, auf der Suche nach einem Wesen, das die ganze Welt in Gefahr bringen könnte. Eine große Rolle spielen dabei Automaten, die Engel beherbergen können, sodass diese auf der Welt umgehen können. Der Fall ist am Ende vielleicht viel weniger verworren, als Fatma denkt.

Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, seit ich diese erste Novelle der Reihe gehört habe, aber ich erinnere mich daran, dass ich sehr viel Spaß damit hatte. Ich lese sehr gern Mystery-Geschichten, aber besonders, wenn sie mit Magie versehen sind. Das macht oft einfach alles noch etwas unvorhergesehener, und kann auch die Bedrohung für die Welt erhöhen, wie wir hier sehen können.

Fatma als Hauptfigur mochte ich sehr. Sie ist als Frau eine Rarität in ihrem Ministerium und deswegen auch einiges von ihren männlichen Kollegen gewohnt. Dennoch lässt sie sich davon wegen einschüchtern, noch in irgendeine Ecke stellen. Sie ist stark und schlau und bereit für ihren Job alles zu machen. Ich mochte, wie das auch mit gängigen Klischees zu arabischen oder muslimischen Frauen steht.

Neben ihr haben wir noch ihren Kollegen, wobei ich hier vor allem die Gespräche der beiden mochte, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Er ist natürlich skeptisch, dass er mit Fatma zusammen arbeiten soll, aber merkt dann doch schnell, dass das gar nicht so schlecht ist. Außerdem haben wir dann noch eine Figur, die erst in der zweiten Hälfte auftaucht, aber vielleicht im Laufe der Reihe noch wichtiger wird? Sie fand ich auf jeden Fall sehr spannend, vor allem auch als möglicher Love Interest.

Hauptsächlich geht es natürlich um den Fall des vermeintlichen Selbstmords. Hier werden verschiedene Personen interviewt, die vielleicht Täter sind, und es wird auch in ein paar Fallen und Hinterhalte getappt. Dabei wird es auf jeden Fall spannend, und ich hatte teilweise schon Angst um die Charaktere und habe sehr mitgefiebert. Also Nervenkitzel garantiert.

Die Auflösung des Falls war dann nicht super spektakulär für mich, was bei so einem sehr kurzen Buch vielleicht auch schwierig ist. Trotzdem mochte ich so viele der anderen Elemente der Geschichte, dass mich das gar nicht gestört hat. Wenn ihr Mystery aber gar nicht mögt, ist das vermutlich keine Reihe für euch.

Das Besondere an diesem Buch ist definitiv das magische System. Wir haben eine alternative Geschichte, in der sich Ägypten erfolgreich gegen die Kolonalisten wehren konnte, aber Europäer trotzdem weiter in Kairo präsent sind. Das liegt auch an der Magie und den magischen Wesen, die es in dieser Welt gibt. Die Welt hat außerdem ein starkes Steam Punk-Gefühl, wie gesagt zum Beispiel aufgrund der Automaten, in denen Engel leben können.

Ich kann es kaum erwarten mehr aus dieser Welt zu lesen. Soweit ich weiß, folgen wir nicht immer Fatma, was ich etwas schade finde, aber sie taucht auf jeden Fall in der Reihe wieder auf, und darauf freue ich mich. Dieser Band war ein guter Einstieg in diese Welt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 15. Februar 2024

Even Though I Knew the End


Hallo meine Lesefreunde,

heute möchte ich euch eine Noir-Krimi-Geschichte mit Fantasy-Elementen vorstellen. Ich hatte so viel Gutes über diese Novelle gehört und war interessiert, ob dieser Genre-Mix für mich funktionieren würde. Außerdem folgen wir auch einem lebischen Paar, die bereits in einer Beziehung sind. Das fand ich eine spannende Perspektive.

Die Fakten:

  • Autor: C L Polk
  • Sprecher: January LaVoy
  • Titel: Even Though I Knew the End
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 3 Std 52min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible Abo
  • Klappentext: "A magical detective dives into the affairs of Chicago's divine monsters to secure a future with the love of her life. This sapphic period piece will dazzle anyone looking for mystery, intrigue, romance, magic, or all of the above. An exiled augur who sold her soul to save her brother's life is offered one last job before serving an eternity in hell. When she turns it down, her client sweetens the pot by offering up the one payment she can't resist—the chance to have a future where she grows old with the woman she loves. To succeed, she is given three days to track down the White City Vampire, Chicago's most notorious serial killer. If she fails, only hell and heartbreak await."

Zur Handlung: In dieser Geschichte folgen wir Helen, die eine verbotene Art von Magie verwendet um Verbrechen aufzuklären. Vor vielen Jahren hat sie einen Deal gemacht, und sie weiß, dass der Tag, an dem sie ihre Rechnung begleichen muss, bald kommt. Doch sie erhält die Möglichkeit den Deal neu zu verhandeln, wenn sie einen berüchtigten Serientäter findet: den White City Vampire.

Allerdings führen ihre Recherchen sie bald zu der Annahme, dass dieser Serientäter vielleicht kein Mensch ist. Und vielleicht wird sie übernatürliche Hilfe brauchen, um ihre Zukunft mit ihrer Partnerin Edith zu sichern. Doch auch andere Mächte sind Helen auf der Spur. Wird sie den Fall lösen, eh ihre Zeit abläuft?

Wie gesagt war ich sehr gespannt auf diese Geschichte, von der alle so geschwärmt haben, und da ich kostenlos darauf Zugriff hatte, gab es keinen Grund mehr, es nicht zu probieren. Wir fallen in dieser Novelle ziemlich plötzlich in die Geschichte hinein, und es gibt relativ wenig Erklärungen z.B. zu der Magie, die in dieser Welt existiert. Mich stört sowas meist nicht, ich kann sehr gut erstmal mit der Geschichte mitgehen und schauen was passiert. Das hat sich hier bewährt.

Helen als Hauptfigur mochte ich direkt gern. Wir haben in dieser Welt dieses klassische Noir-Feeling. Alles ist irgendwie gemuted und dunkel und es regnet - oder so ähnlich. Aber Helen spielt nicht zu sehr in diese Klischees hinein, allein schon mal, weil sie kein Mann ist. Außerdem lebt sie in einer funktionalen Beziehung. Doch sie hat ein großes Geheimnis, nämlich das ihre Tage gezählt sind. Auch die Hintergrundgeschichte dazu mochte ich. Von daher war ich bereit Helen in diese Ermittlungen zu folgen.

Neben Helen haben wir noch einige andere wichtige Charaktere. Zum Beispiel eine Dämonin als Auftraggeberin, die ich absolut gefeiert habe. Die Art und Weise, wie sie beschrieben wurde, und was sie so tut, was einfach genial. Dann haben wir Edith, Helens Partnerin, die ihr eigenes Geheimnis vor Helen hat und vielleicht mehr weiß, als wir dachten. Und schließlich gibt es noch eine wichtige männliche Figur, dazu will ich aber aus Spoilergründen nix sagen. Aber diese Figur ist auch sehr zentral für die Handlung.

Woran ich mich nun nach fast einem Jahr dagegen fast nicht erinnern kann, ist die Auflösung des Falls im Detail. Grob weiß ich noch, dass es einen echten Showdown gibt, der durch die Fantasy-Elemente auch nicht so seltsam erzwungen wirkte, wie oft in anderen Krimis und Thrillern. Aber für mich war es eher der Weg als das Ziel, was dieses Buch für mich ausgemacht hat. Dennoch war das Ende explosiv und zufriedenstellend.

Eine Sache, die mir nicht so gut gefallen hat, kann ich ohne Spoiler nicht gut diskutieren. Sagen wir, im Buch geht es im weitesten Sinne um die Frage, ob man sein Leben gegen das einer anderen Person tauschen sollte, wenn man es kann. Und mir hat in der Ausarbeitung dieser Frage die kritische Perspektive gefehlt, denn ich finde, wenn man so etwas tut, dann ist das eine zutiefst egoistische Entscheidung. Und da hat es sich das Buch in der Kürze dann vielleicht einfach zu einfach gemacht.

Insgesamt würde ich die Novelle auf jeden Fall empfehlen, wenn ihr nix gegen das Lösen von Fällen in Fantasy-Settings habt. Ich mochte die Atmosphäre, die in diesem Buch aufgebaut wird, und die spannenden Charaktere, die diese Welt bevölkern. Vor allem mochte ich auch den Blick auf Helen und Edith als ein Paar, dass schon lange zusammen lebt und nicht erst beginnt sich zu verlieben. Auch wenn ich am Ende nicht die volle Message des Buches geliebt habe, war die Handlung auf jeden Fall spannend und mitreißend.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 13. Februar 2024

Ring Shout


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte ich euch von einer Novelle berichten, die ich letztes Jahr gehört habe, und die mir sehr viel Lesespaß gebracht hat, auch wenn es um ein ernstes und wichtiges Thema geht: Rassismus in den Vereinigten Staaten. Allerdings wird hier eine alternative Geschichte verfasst, in der Monster die Mitglieder des Kukluxklans unterwandern.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Sprecher: Channie Waites
  • Titel: Ring Shout
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 5 Std 36min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "In 1915, The Birth of a Nation casts a spell across America, swelling the Klan's ranks and drinking deep from the darkest thoughts of white folk. All across the nation they ride, spreading fear and violence among the vulnerable. They plan to bring hell to Earth. But even Ku Kluxes can die. Standing in their way are Maryse Boudreaux and her fellow resistance fighters, a foulmouthed sharpshooter and a Harlem Hellfighter. Armed with blade, bullet, and bomb, they hunt their hunters and send the Klan's demons straight to hell. But something awful's brewing in Macon, and the war on hell is about to heat up. Can Maryse stop the Klan before it ends the world?"

Zur Handlung: Maryse ist eine Monsterjägerin, doch die Monster, die sie jagt, sind mehr als außergewöhnlich. Verkleidet als Mitglieder des Kukluxklan sind die Kukluxe einer der Gründe, warum die Gewalt gegen Schwarze Personen in den USA immer mehr eskaliert. Doch diese Monster sind nicht leicht zu töten, sodass Maryse und ihre Kameradinnen sich ausgefallene Taktiken überlegen müssen, wie sie gegen diese Monster bestehen.

Doch als sie nach einem Einsatz zurückkehren zu ihren Kameradinnen, wird deutlich, dass es noch deutlich größere und bösere Monster gibt als die Kukluxe. Maryse muss sich fragen, wie sie diesen neuen Feind besiegen kann - bevor noch mehr weiße Menschen auf die Seite des Hasses wandern.

Ich glaube, wenn ihr bei dem Pitch "Bad-ass Schwarze Frauen gehen auf die Jagd nach Monstern im Kukluxklan" Lust bekommt, dann solltet ihr das Buch einfach lesen. Wenn nicht, dann kann ich euch auch nicht helfen. Dieses alternative Horror-Fantasy-Setting der Geschichte hat mir gut geholfen, denn die Monster sind eine Metapher für das, was so viel Schmerz in die Welt gebracht hat.

Maryse als Hauptfigur hat mir sehr gut gefallen. Sie ist eine starke, begabte Frau, die sich nicht auf einen Mann verlassen muss, sondern selbst gut durchs Leben kommt. Das heißt nicht, dass sie ohne Liebe lebt, sondern dass sie frei ist zu lieben, wie sie möchte. Außerdem ist sie ihren Kameradinnen gegenüber loyal und verlässlich, und würde alles tun sie zu schützen. Und sie hat absolut keine Angst, dem Bösen ins Auge zu blicken - oder in den Mund?

Neben Maryse gibt es noch einige andere Charaktere, die aber nicht so im Fokus stehen, weil es nur eine Novelle ist. Trotzdem habe ich gerade ihre Kampfgefährtinnen so lieb gewonnen. Wer aber dann noch heraussticht, ist der Bösewicht, den Maryse bekämpfen wird. Hier will ich aber nichts spoilern. Nur so viel: ich kann einen Fleischer nie wieder mit den gleichen Augen sehen.

Dieses Buch wird, was die Horror-Fantasy-Elemente angeht, sehr wild. Darauf sollte man sich einlassen können. Ich habe kein Problem damit, ein Buch einfach mal machen zu lassen und zu schauen, wo es mich hinbringt. Aber wenn man lieber schöne stringente Geschichte ohne die wildesten Fantasie-Auswüchse möchte, dann ist das hier vielleicht nicht die richtige Geschichte. Außerdem muss ich warnen: es wird schon auch echt gruslig und eklig. Zumindest war es so für mich.

Wir bekommen dann auch ein recht großes Finale, wo alles auf dem Spiel steht. Also P Djèli Clark hält in diesen wenigen Seiten/Minuten wirklich nichts zurück. Ich habe mit Maryse mitgefiebert und letztlich fand ich das Ende auch sehr befriedigend, wenn auch eben... echt wild und - kann man das kreativ nennen?

Alles in allem kann ich euch diese Novelle nur empfehlen. Wenn ihr eine ähnliche Geschichte möchtet, die nicht ganz so abgespacet und gruslig/eklig wird, dann empfehle ich stattdessen Dread Nation - da geht es ums Zombie-Jagen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Aber irgendwie merke ich, solche Monsterjäger-Geschichten sagen mir wirklich zu, da hab ich viel Spaß mit.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:




Mittwoch, 15. März 2023

All Systems Red


Hallo meine Sci-Fi-Leser,

ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich bisher schwer damit tue, kurze Bücher zu lesen. Irgendwie sehe ich es nicht ein, dass ich genauso viel für 120 Seiten bezahlen soll wie für 350 Seiten. Aber letztes Jahr habe ich dann zum Magical Readathon einfach ein paar kurze Sachen gebraucht und endlich dieses Buch gelesen, das mich schon viele Jahre interessiert hat.

Die Fakten:

  • Autor: Martha Wells
  • Titel: All Systems Red
  • Reihe: The Murderbot Diaries 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Tor.com
  • Seiten: 144
  • Preis: 13,99 Euro
  • Klappentext: "In a corporate-dominated space-faring future, planetary missions must be approved and supplied by the Company. For their own safety, exploratory teams are accompanied by Company-supplied security androids. But in a society where contracts are awarded to the lowest bidder, safety isn’t a primary concern. On a distant planet, a team of scientists is conducting surface tests, shadowed by their Company-supplied ‘droid--a self-aware SecUnit that has hacked its own governor module and refers to itself (though never out loud) as “Murderbot.” Scornful of humans, Murderbot wants is to be left alone long enough to figure out who it is, but when a neighboring mission goes dark, it's up to the scientists and Murderbot to get to the truth."

Zur Handlung: Murderbot ist ein humanoider Security Roboter, der eine Gruppe von Wissenschaftlern auf einem bisher unbekannten Planeten begleitet. Eigentlich hat er nur ein Interesse: in Ruhe seine Soaps schauen. Denn Murderbot hat sein eigenes System gehackt und kann nun eigenständig Entscheidungen treffen. Das Problem ist, dass er sich trotzdem verhalten muss, als sei er voll funktionstüchtig, damit niemand den Hack bemerkt.

Das führt dazu, dass Murderbot die Wissenschaftler zum Schutz begleitet, als es unerwartet Angriff stattfindet. Schnell wird dann klar, dass dieser Planet gefährlicher ist, als bisher erwartet wurde. Als die Crew dann herausfindet, dass eine benachbarte Station auf dem Planeten per Funk nicht mehr antwortet, beginnt eine waghalsige Rettungsaktion und das Aufdecken einer Verschwörung, bei der Murderbot nun wirklich nicht den Helden spielen will.

Diese Novelle folgt also einem eher ungewöhnlichen Charakter, einem Roboter, der gern allein gelassen gewerden will, Menschen furchtbar anstrengend findet, und kein Interesse an Heldentaten hat. Gerade das macht die Geschichte dann vielleicht doch nahbar, denn der etwas schrullige Roboter mit seiner Liebe zu schlechtem Fernsehen, wer kann damit nicht irgendwie eine Verbindung aufbauen? Gleichzeitig fand ich die Handlung aber auch überraschend spannend.

Murderbot als Hauptfigur fand ich direkt spannend. Ich hatte schon viel über diesen Charakter gehört und war somit auf seine Art und vor allem die Liebe zu Soaps eingestellt. Als Roboter sieht sich Murderbot keinem Geschlecht zugehörig und hat auch keine sexuellen Interessen. Alle Interaktionen mit Menschen findet Murderbot ziemlich unangenehm, vor allem wenn die Menschen anfangen ihn als menschlich wahrzunehmen. Ich fand, dass die Autorin es gut schafft, uns diesen nicht-menschlichen Hauptcharakter zu erzählen.

Auf der anderen Seite haben wir dann die Gruppe der Wissenschaftler, wobei die Anführerin eine besondere Rolle spielt. Dennoch bleiben sie für Murderbot auch ein Stück weit diese Gruppe von Menschen, die eben negative Gedanken und Gefühle auslösen. Eigentlich will Murderbot mit ihnen nichts zu tun haben und kann mit ihrer Menschlichkeit und Zuneigung gar nichts anfangen. Als Leser kann man aber die Wissenschaftler schon auch verstehen, die lernen, diesem Roboter ihr Leben anzuvertrauen.

Die Handlung fand ich dann auch überraschend spannend. Irgendwie hatte ich nie wen darüber reden hören, was in dem Buch eigentlich passiert, und deswegen nicht viel erwartet. Aber wir starten ziemlich direkt mit einer Action-Szene und die Gefahr für die Menschen, die Murderbot beschützen soll, wird schnell deutlich. Ein bisschen schade fand ich dann an diesem Kurzformat, dass am Ende auf eines meiner am wenigsten geliebten Tropes zurückgegriffen wird: im Finale wird Murderbot irgendwann ohnmächtig und wir machen einen Zeitsprung ins Happy End.

Das Ende des Buches nach dem Finale fand ich dann aber wieder sehr gelungen, und es hat mir direkt Lust auf den nächsten Band gemacht. Im Moment sind die Hörbücher übrigens kostenlos im Audible-Abo enthalten, wenn ihr mal reinhören mögt. Vielleicht werde ich dem zweiten Band diesen Monat noch mein Ohr widmen, mal schauen. Ich habe auf jeden Fall nach dem Ende des ersten Bandes wieder keine Ahnung, was mich erwarten wird.

Alles in allem kann ich das Buch empfehlen. Auch wenn ich mich mit diesen kurzen Geschichten immer noch schwer tue, und ich beispielsweise für das Finale auf dem Planeten gern mehr Seiten oder weniger Koma gehabt hätte, habe ich mich hier gut unterhalten gefühlt. Mit einem Roboter als Hauptfigur hatte es für mich etwas Neues und Aufregendes zu bieten, und auch die Handlung hat mich gut abgeholt. Ich habe Lust auf mehr.

Wie steht ihr denn zu Novellen? Gerade im Sci-Fi und Horror-Bereich sind sie ja inzwischen sehr verbreitet.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 25. März 2022

Open Water


Hallo meine Lieblingsleser,

die Zeit verfliegt und ich komme mit Lesen gar nicht hinterher, weil ich gerade am Ende meiner Doktorarbeit schreibe. Daher dachte ich, ich mache es mir leicht und lese mal etwas Kurzes. Dieses Buch hatte ich in der Bibliothek entdeckt, und ich hatte Gutes darüber gehört. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Fakten:

  • Autor: Caleb Azumah Nelson
  • Titel: Open Water (dts. Freischwimmen)
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Black Cat
  • Seiten: 164
  • Preis: 8,59 Euro
  • Klappentext: "In a crowded London pub, two young people meet. Both are Black British, both won scholarships to private schools where they struggled to belong, both are now artists - he a photographer, she a dancer - and both are trying to make their mark in a world that by turns celebrates and jects them. Tentatively, tenderly, they fall in love. But two people who seem destined to be together can still be torn apart by fear and violence, and over the course of a year they find their relationship tested by forces beyond their control."

Zur Handlung: Boy meets girl in eine Pub auf einer Party. Die beiden scheinen füreinander geschaffen zu sein, auch wenn sie eigentlich gerade in einer Partnerschaft ist. Er kann sie allerdings nicht vergessen und nach einiger Zeit treffen sie sich wieder und es bildet sich eine zaghafte Freundschaft, die dann irgendwann mehr wird. Doch das Leben hat andere Pläne.

Sie studiert in Dublin und er lebt in London. Einen traumhaften Sommer verbringen sie zusammen, doch die Distanz zwischen ihnen wächst, vor allem, wenn er mit dem Traumata und Ängsten seiner Existenz als Schwarzer junger Mann in Großbritannien konfrontiert wird und diese Gefühle nicht mir ihr teilen kann oder will.

In diesem Buch geht es ganz und gar nicht um das Was. Klar, wir bekommen hier irgendwie eine Liebesgeschichte ohne Garantie für ein Happy End. Aber ich glaube, wer hier für die Romanze kommt, wird vielleicht enttäuscht. Dieses Buch ist poetisch und wunderschön und rein und bitter und süß. Aber es ist nicht wirklich hier, um eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen legt es eine Gefühlswelt offen, die so tief geht, dass man direkt hinein versinkt.

Das Buch ist in der zweiten Person geschrieben, was ich persönlich liebe. Es zieht einen so in die Geschichte hinein, denn es hat etwas Suggestives. Es suggeriert, dass dir diese Dinge passieren, dass du dich verliebst, dass du leidest, dass du glücklich bist, dass du Angst hast. Auf dieser Ebene funktioniert das Buch für mich einfach. Dagegen ist von der Frau aus dem Pub immer von ihr die Rede. Und dann haben wir noch ein kollektives Sie, das am Ende des Buches immer mehr Raum gewinnt.

Wie gesagt, das Buch ist sehr poetisch. Während es am Anfang schon noch ein bisschen Plot dazu gibt, wie die beiden sich treffen, so ist die zweite Hälfte des Buches fast nur noch Gefühl. Und das sind keine positiven Gefühle. Allerdings habe ich bei so einem Schreibstil gerade im Englischen manchmal das Problem, dass ich nicht alles verstehe, was passiert, weil es so unklar formuliert wird. Mir macht das nichts aus, nicht jeden Satz zu verstehen, aber einige von euch mögen das vielleicht nicht.

Um welches Gefühl geht es denn jetzt neben dieser Liebe? Um das Gefühl ein Schwarzer junger Mann in London zu sein. Es geht darum, Angst zu haben, wenn die Blaulicht siehst. Es geht um Gewalt und um den Zufall und die Unberechenbarkeit von allem. Es werden einige Szenen von Rassismus sehr direkt beschrieben. Andere Momente versammeln das geballte Gefühl dieser Erfahrung, sodass man kaum mehr atmen kann. Sie zeigen, wie die rassistische Umgebung diese jungen Männer fast erdrückt. Ich fand diesen Aspekt des Buches perfekt. Es steckt so viel drin in diesem Buch, es macht so viel mit dem Leser. Wirklich grandios.

Nur leider hätte ich die Liebesgeschichte nicht dazu gebraucht. Man merkt deutlich, dass der Autor aus meiner Generation stammt, so wie er die Beziehung beschreibt. Ich habe da durchaus auch Anknüpfungspunkte gefunden, aber ich lese ja generell eher ungern über romantische Beziehungen. Letztlich ist für mich aber vor allem entscheidend, wie blass die Frau in diesem Buch bleibt. Wir bekommen so wenig von ihr zu sehen, dass ich wünschte, sie wäre gar nicht dagewesen. Denn so fühle ich einfach diese Leere, wo ihre Persönlichkeit sein sollte. Das fand ich schade. Auch am Ende wird das irgendwie eher so fallen gelassen. Die Bedeutung der Romanze ist mir nicht ganz klar geworden.

Das Cover finde ich übrigens wundervoll, es ist so schön und passt perfekt zum Buch. Allerdings hat meine Ausgabe so ungleich geschnittete Seiten und das hasse ich beim Lesen, weil ich einfach nicht ordentlich blättern kann.

Alles in allem kann ich das Buch aber nur empfehlen. Ich weiß nicht, wie gut die Übersetzung ist, aber es ist auf jeden Fall eine erschienen, wenn ihr das lieber mögt. Es gibt also keine Ausrede, diesem Buch nicht eine Chance zu geben. Es lässt sich sehr schnell lesen, weil man so hineinfallen kann in den wundervollen Schreibstil, und ich habe wirklich noch einmal viel gelernt bei dieser Lektüre. Vieles, was mit Unterdrückung zu hat, werde ich nie verstehen können, doch solch tief gefühlte Bücher wie dieses vermitteln zumindest einen Eindruck.

Ich hoffe, ihr gebt dem Buch eine Chance.

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 5. September 2021

Ghachar ghochar


  • Autor: Vivek Shanbhag
  • Übersetzer: Daniel Schreiber
  • Roman
  • 2018 erschienen
  • 152 Seiten
  • Aufbau Verlag
  • Preis: 16,99€ (gebundenes Buch)
Hallöchen zusammen,

vor kurzer Zeit habe ich mir 2 Überraschungsbuchpakete bestellt und dieses Büchlein war dabei.

Fakten:
Klappentext:
"Als der Onkel des jungen Erzählers in den Handel mit Gewürzen einsteigt, ändert er über Nacht das Schicksal der ganzen Familie. Der einst mittellose Clan zieht in ein großzügiges Haus in einer reichen Wohngegend, verschafft sich neue Möbel und einen neuen Bekanntenkreis. Doch mit dem plötzlichen Reichtum werden auch die Abhängigkeiten neu verteilt: An dem Erfolg des Onkels hängt nun das gesamte Wohl der Familie. Und dieses gilt es zu schützen, um jeden Preis. Notfalls auch vor den eigenen Familienmitgliedern. In einem feinen Wechselspiel von Auslassungen und Andeutungen erzählt Vivek Shanbhag vom moralischen Verfall einer indischen Familie. Ein großer Roman, der die Geschichte eines ganzen Landes in sich trägt."

Dies ist ein super dünnes Büchlein, welches eher unscheinbar wirkt. Wenn es nicht in dieser Überraschungsbox gewesen wäre, hätte ich es sicher nicht gelesen. Nun habe ich es der lieben Kitty mitgegeben und bin gespannt ob es was für sie ist.

Die Geschichte ist in der Ich Perspektive geschrieben und wir beginnen in einer Szene in der sich der oder die Erzählerin reflektiert. Erst später wird klar dass es sich um einen Erzähler handelt. Schon nachdem wenige Seiten vergangen sind, findet ein Zeitsprung in die Vergangenheit statt. 

Ab diesem Moment bekommen wir das Leben einer indischen Familie erzählt. Diese war sehr arm, bis sie im Gewürzhandel erfolgreich wurde. Dann gab es mehr oder weniger nur noch eine Person die das Geld für alle verdiente, den Onkel. Alle bedeutet in dem Fall drei Generationen mit teilweise 5 Familien. Diese leben auch alle unter einem Dach was natürlich zu zahlreichen Konflikten führt. Auch unser Erzähler fechtet solche Konflikte aus. 

Den Charakter von unserem Erzähler kann ich kaum beschreiben weil ich ihn nicht wirklich fassen kann. Er ist irgendwie schwach und still, aber das ist nicht alles. Er hat so eine seltsame psychisch fast schon auffällige Art an sich. Dann ist er aber auch ein gefühlsbetonter Charakter, der sicher ein guter Gesprächspartner sein kann. Seine Umgebung beobachtet er sehr aufmerksam. 

Doch so viel auch in dem Charakter steckt so wenig bekommen wir mit. Im Grunde wird ganz ganz rudimentär die Geschichte beschrieben. Dabei werden Zusammenhänge oder Details außen vor gelassen. Auch das Setting wird so gut wie gar nicht beschrieben. Ich hatte mir ehrlich viel viel mehr davon erhofft. Gerade die indische Kultur kenne ich so gut wie gar nicht und hätte gern mehr erfahren.

Natürlich besteht immer die Option das ich es einfach nicht begriffen habe. 

Das Buch lässt uns übrigens mit einem großen Fragezeichen allein, was zwar was für sich hat, aber auch blöd ist.

So richtig empfehlen kann ich es daher leider nicht,

eure Blue Diamond.



Sonntag, 6. Juni 2021

The Chosen and the Beautiful

Hallo meine Lieblingsleser,

vor fast 100 Jahren erschien The Great Gatsby, und damit ist das Buch inzwischen so alt, dass Retellings davon recht problemlos veröffentlicht werden können. Ein Buch, das mich dabei besonders angelacht hat, ist The Chosen and the Beautiful, denn nicht nur ist dieses Buch aus der Sicht meiner Lieblingsfigur, Jordan Baker, geschrieben, sondern es verbindet die Originalgeschichte mit Queerness, asiatischen Wurzeln und Magie.

Die Fakten:

  • Autor: Nghi Vo
  • Titel: The Chosen and the Beautiful
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Tor
  • Seiten: 272
  • Preis: 23,65 Euro (gebunden)
  • Klappentext: "Jordan Baker grows up in the most rarefied circles of 1920s American society—she has money, education, a killer golf handicap, and invitations to some of the most exclusive parties of the Jazz Age. She’s also queer, Asian, adopted, and treated as an exotic attraction by her peers, while the most important doors remain closed to her. But the world is full of wonders: infernal pacts and dazzling illusions, lost ghosts and elemental mysteries. In all paper is fire, and Jordan can burn the cut paper heart out of a man. She just has to learn how."

Zur Handlung: Jordan Baker kommt als kleines Kind nach Amerika und wird in einer reichen Familie großgezogen. Sie lässt ihre vietnamesische Herkunft hinter sich wie ein altes Kleid. Auch wenn manchmal Personen seltsam auf sie reagieren, hat sie es geschafft, ihr Anderssein als einen Partytrick zu verwenden. Dabei geholfen hat ihr auch die Freundschaft zu Daisy Fay, die sie nun unweigerlich in die Katastrophe reißen wird.

Es sind die goldenen 20er in New York, alle sind jung und frei, der Alkohol fließt, obwohl er nicht darf. In dieser Welt ist Jordan zuhause. Als sie eines Tages im Zuhause von Daisy ihren Cousin Nick trifft, kommt das Gespräch auch auf Jay Gatsby, einen sagenumwobenen Mann, der jede Nacht zu einer Party verwandelt, auf der nur die höchsten der Gesellschaft anzutreffen sind. Doch dieser Mann hat ein Geheimnis, und Jordan und Daisy sind Teil davon.

Dieses Buch ist perfekt für alle, die den Baz Luhrmann-Film zu Gatsby geliebt haben. Die ersten drei Kapitel waren für mich pure Nostalgie, da das Buch teilweise die markanten Zitate aus Original und Film direkt benutzt. Doch danach folgen wir eben Jordan und nicht Nick, und ihr Weg und ihre Herkunft sind gänzlich anders. Dadurch entsteht hier doch eine ganz eigene Geschichte, die aber an den wichtigen Eckpunkten immer zu Original zurückfindet.

Jordan war immer mein liebster Charakter in Gatsby, und sie bleibt es auch nach diesem Buch. Während sie hier asiatischer Herkunft ist und über eine bestimmte Magie verfügt, fühlt sie sich dennoch genau wie Jordan an. Das geschieht einerseits über die erwähnten Zitate, andererseits aber auch, indem das Buch einfach den richtigen Ton trifft. Ich mochte ihre Hintergrundgeschichte und ihre Magie sehr. Und auch ihre Blickweise auf ihre Beziehung mit Nick und ihre sexuelle Identität haben mir sehr gut gefallen.

Das Buch schafft es dabei, der Originalgeschichte ein bisschen mehr Aktuelles zu geben, ohne es dabei scheinen zu lassen, als würde es gar nicht in den 20ern spielen. So gibt es bestimmte versteckte Clubs, die speziell für LGBT+-Personen sind. Eigentlich alle Figuren außer Daisy und Tom sind außerdem auf die eine oder andere Weise queer, meist vermutlich bi- oder pansexuell. Die Begriffe werden nicht so benutzt, aber es ist doch naheliegend. Dabei gibt es auch eine recht explizite Sexszene zwischen Jordan und Nick. An vielen anderen Stellen wird eher angedeutet, was noch so passiert. 

Dadurch werden auch die Beziehungen zwischen den Charakteren nicht deutlich ungeordneter als im Original - und da geht es ja auch schon hoch her. Gerade bei Gatsby und Nick gibt es ja auch Gemunkel, ob da nicht auch Romantisches im Raum steht. Das wird in diesem Retelling sehr explizit gemacht. Gut hat mir dabei auch gefallen, dass Jordan als poly bezeichnet werden kann, da sie keine homogamen Beziehungen eingeht und auch gelegentlich etwas offener mit Nick darüber spricht. Dennoch kann hier nicht von einer sonderlich gesunden Beziehungsdynamik gesprochen werden, wir reden ja immer noch über den Plot von Great Gatsby.

Womit einige Personen sich wahrscheinlich wenig anfreunden können, ist die Magie in dieser Geschichte. Diese erscheint meist eher als magical realism, wird an manchen Stellen aber doch sehr explizit. So kann Jordan beispielsweise Dinge ausschneiden und diese werden dann real. Gatsby dagegen hat düstere Fähigkeiten, die nie ganz explizit gemacht werden. Darüber hinaus gibt es auch Untote und Seelenlos, und neben dem Verbot von Alkohol gibt es auch ein Verbot für eine Art Dämonentrunk. Diese Dinge werden nicht erklärt, sondern existieren einfach, und man muss das so hinnehmen. Am Ende geht es auch hier eher darum, die Stimmung zu erzeugen, als jetzt ein ausgeklügeltes magisches System zu erschaffen.

Am meisten verändert wirkt in diesem Buch Jay Gatsby selbst. Während wir im Original Nicks Sichtweise verfolgen, der Gatsby stark bewundert und in ihm (mehr als nur) einen Freund sieht, ist Jordan von Natur aus einer skeptisch, was Gatsby angeht. Sie sieht seine dunkle Seite, und vor allem dass etwas ihn treibt, und das ist nicht romantische Liebe, wie man meinen mag. Dabei mochte ich den Satz, dass sein Fehler nicht war, dass er Daisy zu sehr geliebt hat, sondern dass er nur Daisy geliebt hat. Das hat für mich eine interessante Dynamik auf die Figur und die Handlung geworfen.

Besonders überzeugt hat mich am Ende der Schreibstil. Dieses Buch lies sich so wundervoll lesen, es hat eine unglaubliche Atmosphäre aufgebaut, und in vielen Momenten konnte ich vor meinem inneren Auge einen Film abspielen sehen. Das Buch fängt für mich die Essenz des Originals ein und macht es zugänglich für neue Generationen, die sich nicht durch den alten Text quälen und dafür Charaktere sehen wollen, mit denen sie auch heutige Ideen und Werte verbinden können.

Alles in allem war dieses Buch für mich ein gefundenes Fressen. Ich habe jede Minute damit genossen und es hat mir diese Woche ganz besonders gemacht. Ich denke, ich werde dieses Buch in Zukunft auch nochmal lesen. Es hat mir einfach all das gegeben, was ich erwartet habe. Und vielleicht gibt es jetzt ein paar von euch, die das Buch auch lesen wollen.

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 19. Mai 2021

Ich diss dich

Hallo an alle Fans des Nervenkitzels,

diese kurze Geschichte stammt aus der Audio-to-go Reihe, die ich bisher nicht kannte, die aber scheinbar eben auf kurze Hörbücher spezialisiert ist.

Fakten:
  • Autor: Arno Strobel
  • Erzählerin: Lydia Herms
  • Krimi
  • 1h 13min
  • 2021 erschienen
  • Audio-To-Go Publishing Ltd.
  • Preis: 4,61€ (Download)
Klappentext:
"Eine Thriller-Kurzgeschichte von Bestsellerautor Arno Strobel: Lisa ist zutiefst erschüttert, als ihre beste Freundin Vanessa Selbstmord begeht. Sie ist sich sicher, dass die Fotos auf Facebook der Auslöser waren! Doch wer hat sie hochgeladen, etwa Vanessas Exfreund Phillip? Lisa versucht die Hintergründe für den Tod ihrer Freundin aufzudecken und tritt dabei eine Lawine los, die sie selbst zu überrollen droht..."

Arno Strobel habe ich ja schon oft fasziniert gelesen und gehört. Dennoch war mein erster Eindruck - das ist aber ein sehr jugendlicher Slang, ob er das kann, mal sehen - und ja ich war eher skeptisch. Tatsächlich hat es dann inhaltlich gar keinen Slang gegeben. Vielmehr wurde das Verhalten untereinander von vor allem Jugendlichen dargestellt. Ob das so der Wirklichkeit entspricht sei an dieser Stelle mal dahin gestellt, denn ich muss euch ehrlich sagen, dass war schon sehr krass.

Aber es geht ja auch um etwas sehr Schlimmes, nämlich um Suizid bei jungen Menschen. Vielleicht erinnert ihr euch an die Reihe mit den vielen Teilen wo nur Whatsapp-Nachrichten ausgetauscht wurden? Da wurde Mobbing und Druck und das Miteinander von Jugendlichen thematisiert. Hier ist es jetzt scheinbar so, dass das wieder zum Hauptthema wird, doch es wird sich etwas wesentlich Schlimmeres herausstellen. Nun, eigentlich stellt es sich gar nicht so direkt heraus, vielmehr lässt der Autor total viel Freiraum zur eigenen Interpretation. Doch sind wir mal ehrlich, wir gehen doch automatisch vom aller aller Schlimmsten aus oder?

Trotz das wir es hier mit einer so kurzen Geschichte zu tun haben, einer Geschichte ohne wirkliches Ende, hat sie mich total schnell gefesselt. Erst war es irgendwie verrückt, warum junge Menschen so naiv sind. Dann wiederum war es erschreckend wie schnell Verurteilungen getroffen werden. Und dann war es einfach nur absolut abstoßend, was herauskam und zwischen den Zeilen war so viel mehr zu lesen und ich hoffe so so so sehr, dass für den Thrill einfach stark übertrieben wurde. 

Ich finde dieses Buch sollten vor allem Eltern lesen oder besser hören, um besonders aufmerksam für Ihre Kinder zu sein. Außerdem sollten alle Menschen sich solchen Geschichten widmen, die Schutzbefohlene im Alltag haben. Passt auf euch auf,

eure Blue Diamond.

Mittwoch, 16. Dezember 2020

Lichternacht

Hallo liebe Weihnachtsfreunde,

diese Jahreszeit ist ja bekanntlich die der Gemütlichkeit, Heimelichkeit und Freude, Familie und Liebe. Ja auch ich liebe solche Geschichten, aber Weihnachten ist noch mehr, es ist auch eine Zeit in der man zur Ruhe kommt und sich mehr besinnt.

Fakten:
  • Autor: Patrick Roth
  • Roman
  • 2014 erschienen
  • 52 Seiten
  • Insel Verlag
  • Preis: 3,99€
Klappentext:
"Santa Monica am Abend des 24. Dezember 2002: In einem Apartment unweit vom Strand wollen sich Joe Travers und Rose Reed das Jawort geben. Eine kleine Gesellschaft von Freunden ist geladen, der Trauung beizuwohnen. Noch warten alle auf die Braut, die sich im ersten Stock in Schale wirft, da wartet der Bräutigam mit einer Geschichte auf: Am Weihnachtsabend vor 25 Jahren war er auf dem Weg zu einer Frau, den Ring in der Tasche … Als Rose wenig später im Brautkleid die Treppe hinabschreitet, ist nichts mehr wie zuvor."

Wie ihr schon gesehen habt, ist dieses Buch sehr kurz. Daher werde ich nichts zum Inhalt sagen. Auf dieses Buch muss man ganz ohne bestimmte Erwartungen treffen. 

Mit diesen Seiten entsteht etwas ganz Tiefes. Schon nach wenigen Sätzen taucht man in die Geschichte ein. Sehr schnell wird es sehr emotional.

Ich persönlich war zwischendurch irritiert, weil mir aufgefallen ist irgendwie wechselt hier die Sicht oder Perspektive aber ich wusste einfach nicht warum.

Wenn ihr euch mit sprachlichen Mitteln und all dem auskennt, fällt es euch sicher leichter die Geschichte als Ganzes zu verstehen.

Vermutlich ist es dennoch so, dass jeder die Geschichte anders wahrnimmt und vor allem auch Unterschiedliches für sich erkennt. 

Am Ende gibt es eine kleine Erklärung zum Inhalt. Diese hat mir total den Horizont erweitert in Bezug zur Geschichte. Danach habe ich sie nochmal gelesen und mit viel mehr Faszination. 

Für mich haben meine ersten Eindrücke aber auch emotional überwogen.

Es ist ein bisschen eine schaurige Geschichte, sie beschreibt viel Leid, aber sie zeigt auch wunderbare Entscheidungen im Leben. Für mich spiegelt es auch irgendwo Träume wieder die doch in jedem stecken.

Daher empfehle ich es jedem der einen gefestigten Charakter hat, jedem der für sich herausgefunden hat was er vom Leben will oder auch erwartet und jedem der schon Leseerfahrungen gesammelt hat.

Ja es ist mein neues Lieblings-winter-weihnachts-Buch,

eure Blue Diamond.



Sonntag, 6. September 2020

The Deep


Hallo meine Meeresfreunde,

heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass die perfekte Kombination aus verschiedenen Tropes ist. Es geht um Meerjungfrauen (check) in einer Gesellschaft, in der eine Person die intergenerationalen Erinnerungen der ganzen Gruppe hält, damit die anderen ein normales Leben führen können (check), und damit thematisiert das Buch unter anderem intergenerationales Trauma von Personen, deren Vorfahren als Sklaven aus ihrer Heimat verschleppt wurden (check).

Die Fakten:
  • Autor: Rivers Solomon
  • Inspiration von David Diggs, William Hutson, Jonathan Snipes
  • Titel: The Deep
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Hodder & Stoughton
  • Seiten: 155
  • Preis: 10,37 Euro
  • Klappentext: "Yetu holds the memories for her people - water-dwelling descendants of pregnant African slave women thrown overboard by slave owners - who live idyllic lives in the deep. Their past, too traumatic to be remembered regularly, is forgotten by everyone, save one - the historian. This demanding role has been bestowed on Yetu. Yetu remembers for everyone, and the memories, painful and wonderful, traumatic and terrible and miraculous, are destroying her. And so, she flees to the surface, escaping the memories, the expectations, and the responsibilities - and discovers a world her people left behind long ago."

Zur Handlung: Als Yetu noch sehr jung war, wurde ihr die wichtige Aufgabe übergeben, sich für ihr Volk an die traumatische Geschichte ihrer Herkunft und all der Dinge, die seitdem passiert sind, zu erinnern. Alle anderen Wajinru leben dafür ihr Leben mehr oder weniger ungestört. Nur einmal in ein paar Monaten erleben sie für wenige Tage die Erinnerungen, damit sie nicht völlig vergessen, wer sie sind.

Doch Yetu kann den Ballast der Erinnerungen nicht mehr tragen. Ihre Mutter musste sie gerade erst retten, weil Yetu völlig in den Erinnerungen versunken kaum mehr auf ihr eigenes Leben achten kann. Sie vergisst zu essen - irgendwann wird sie vergessen zu atmen. Yetu weiß, dass es ihr Tod sein wird, wenn sie die Erinnerungen wieder in sich zurückholt. Deswegen hat sie einen Plan um sich selbst zu retten, komme, was wolle.

Zunächst einmal liebe ich Geschichten, die sich mit Erinnerungen beschäftigen, vor allem mit intergenerationalen Erinnerungen. Die Idee, dass eine Gruppe von Menschen bestimmte Erinnerungen teilt und diese das Leben genauso beeinflussen wie die individuellen Erinnerungen, finde ich total spannend. Was passiert nun, wenn man das herausnimmt? Wenn man nicht mehr das Trauma seiner Vorfahren tragen muss? Wenn man von deren Schuld freigesprochen wird? Wenn man sich nicht mehr an die Dinge erinnern muss, die man nun vielleicht verloren hat? Ein sehr spannendes Konzept. Umso mehr habe ich mich auf dieses Buch gefreut.

Natürlich ist das Grundthema ein sehr wichtiges, aber auch traumatisches. In Amerika wird 2020 ja wieder viel über Rassismus debattiert. Das Buch nimmt allerdings einen anderen Weg, denn die Wajinru als Spezies leben als Könige unter dem Meer. Sie haben eigentlich keine realistischen Freunde, sind eher die Jäger als Gejagten. Dennoch ist die Herkunft der ersten Wajinru von Schmerz und Einsamkeit geprägt - und dies würde immer noch nachwirken, gäbe es Yetu nicht.

Yetu als Hauptcharakter hat mir einige Probleme bereitet. Zunächst sehen wir sie gefangen in ihrer sozialen Rolle, die sie schon ungewöhnlich früh übernehmen musste. Sie hatte nie Zeit, sich selbst als Individuum zu entwickeln. Sie wird erdrückt von den Erinnerungen und ist nur ein Schatten ihrerselbst. Ihre Mutter ist besorgt und gleichzeitig ratlos, denn sie kann nicht nachfühlen, was in Yetu los ist. Yetu jedoch setzt ihren Plan um und verlässt ihre Heimat, um den Erinnerungen zu entkommen. 

Wir folgen dann hauptsächlich ihrem Weg. Das war allerdings der Teil der Geschichte, dem ich nicht so richtig folgen konnte. Yetu ist von ihrem Weg zur Oberfläche sichtlich erschöpft - hier bekommen wir dann Meerjungfrau-Vibes. Sie rettet sich in einen kleinen Wasserpool, der durch Steine vom Meer abgegrenzt ist. Dort trifft sie dann auf Menschen, und vor allem auf einen besonderen Menschen. Ich möchte hier kurz erwähnen, dass Wajinru kein biologisches Geschlecht haben, sich aber für ein soziales entscheiden können - Yetu sieht sich als weiblich. Demnach haben wir in diesem Buch auch eine romantische Beziehung zwischen zwei Frauen. Desweiteren scheinen Wajinru nicht unbedingt monogam zu leben.

Außerdem erfahren wir aber auch noch von einigen Wanjinru, die vor Yetu die Erinnerungen gehütet haben, und was diese so erlebt und erfahren haben. Diesen Teil fand ich deutlich spannender und auch ausdrucksstärker, und hier wollte ich noch so viel mehr erfahren. Während Yetu weg ist, durchleben die anderen Wajinru nun all diese Erinnerungen zum ersten Mal ohne Führung auf sich allein gestellt. Es geht dann auch darum, wie dies dieses Volk beeinflusst. Aber auch hier wollte ich gern einfach noch ein bisschen mehr.

So hat das Ende für mich einiges leider ein wenig zu offen gelassen. Ich glaube, dass dieses Buch unglaublich spannende Themen aufmacht und sich wundervoll zum Diskutieren eignet. Ich liebe die Grundidee dahinter, aber ich wollte einfach mehr. Stattdessen fand ich den romantischen Teil ein wenig seltsam und der Teil vom Ende war für mich dann auch etwas... fragwürdig. Aber immerhin wurde so dieser Trope gut auf den Kopf gestellt. So richtig glücklich war ich damit nicht.

Alles in allem kann ich dieses kurze Buch also empfehlen, wenn euch das Thema anspricht. Ihr solltet es aber eher als Start einer Diskussion sehen und weniger als ein Buch, das euch alle Antworten geben wird. Die Geschichte hat viele spannende Themen und Momente, man kann auf jeden Fall einerseits darin versinken und andererseits viel interpretieren. Ich glaube, diese Geschichte ist vor allem für Personen spannend, die dieses intergenerationale Trauma nachempfinden können, aber auch für viele andere.

Kennt ihr das Buch bereits? Oder kennt ihr andere ähnliche Geschichten abgesehen von The Giver?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:


Freitag, 24. April 2020

The Iron Age

Hallo meine Lesefreunde,

für mich geht eine der stressigsten Wochen des Jahres zu Ende und ich bin sehr froh, dass die liebe Blue euch so lange allein bespaßt hat. Heute möchte ich euch aber von einem Buch berichten, dass ich als kleine Belohnung für das Überleben dieser Woche gelesen habe. Ich hatte es vor vielen Monden mal in einer Mothbox erhalten und dann nie gelesen.

Die Fakten:
  • Autor: Arja Kajermo
  • Illustrator: Susanna Kajermo Törner
  • Titel: The Iron Age
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Tramp Press
  • Seiten: 119
  • Preis: 8,99 Euro
  • Klappentext: "On her family's austere farm, the Girl learns stories and fables of the world around her - of Miina, their sleeping neighbour; how people get depressed if pine trees grow too close to the house; that you should never turn away a witch at the door; and why her father was unlucky not to die in the war. The family crosses from Finland to Sweden, from a familiar language to a strange one, from one unfriendly home to another. The Girl, mute but watchful, weaves a picture of her violent father, resilient mother and strangely resourceful brothers."

Zur Handlung: Im Buch folgen wir einem 5jährigen Mädchen, dass in einer armen Bauernfamilie in Finnland aufwächst. Wir befinden uns in den 50er Jahren und der Weltkrieg hängt noch allem an. Der Vater ist besonders in der Zeit stecken geblieben, da sich sein Traum von Glanz und Glorie im Militär nicht erfüllt hat. Er ist streitsüchtig und gewaltsam zu seiner Familie.

Dies führt schließlich dazu, dass die Großmutter den Vater und die ganze Familie verstößt. Diese müssen einen neuen Anfang wagen, haben auf ihren Wegen aber wenig Glück. Der Vater blickt auf einfache Arbeiter herab, kann nun aber selbst nichts Besseres mehr sein. Die Wut spült er zurück in seine Familie, wo sich die Tochter immer mehr verschließt.

Dieses Buch hat einige Bestandteile, die mir gut gefallen. Ich mag es Neues über mir fremde Länder zu lernen und Finnland hat mich immer schon interessiert. Gerade auch im ersten Weltkrieg hat es eine seltsame Rolle gespielt, über die ich nichts weiß. Ich mag auch gern Geschichten über Mädchen oder Frauen, die aufgrund der Dinge, die ihnen passieren, nicht mehr sprechen, und wie die Welt darauf reagiert. Und ich mag Geschichten über schwierige Familienkonstellationen. All dies hat mir auch gut gefallen im Buch.

Mein größtes Problem damit war aber die Länge. Der Klappentext lässt es scheinen, also wäre das Buch viel länger als es ist. Dieses Buch ist aus einer Kurzgeschichte entstanden, aber ist doch kaum eine Novelle geworden. Die 119 Seiten sind sehr groß bedruckt in einige Seiten sind auch Illustrationen. So kann man das Buch locker in 2 Stunden lesen, allerdings fällt es schwer eine bedeutungsvolle Beziehung zu den Charakteren aufzubauen. Für all die guten und wichtigen Themen ist einfach nicht genug Platz.

So habe ich kaum etwas über Finnland im Krieg und danach gelernt. An einer Stelle bekommt man sehr explizite Daten von Kriegen und wir hören ein bisschen vom Vater im Krieg, aber recht schnell kommt der Punkt, an dem sich der Hauptcharakter nicht mehr an die Geschichten erinnert, weil der Vater sie so oft erzählt und nie jemand zugehört hat. Und obwohl das den Vater gut charakterisiert, lässt es mich als ahnungslosen Leser zurück.

Genauso ist auch das Thema des Sprechens quasi nicht ausgebaut. Wir hören einmal, wie die Mutter darauf reagiert. Wir hören, dass der Hauptcharakter an einigen Stellen froh ist, nicht mehr zu sprechen. Auch die Hintergründe werden gut klar. Aber irgendwie verläuft es dann so ins Nichts, wenn keine Konsequenzen und keine Lösungen diskutiert werden.

Die Familienkonstellation ist wirklich seltsam. Als die Familie Finnland schließlich verlässt, wird der älteste Sohn, der da keine zehn sein dürfte, zurückgelassen um irgendwann das Land zurück zu beanspruchen. Der Vater ist offensichtlich gewalttätig, die Mutter versucht ihr Bestes zu geben, am Ende scheint sie dann aber auch einfach nur Flucht vor der Familie zu suchen. Das kleinste Kind wird immer nur als "Baby" bezeichnet. Aber es löst irgendwie nichts in mir aus, weil ich die Charaktere trotz allem kaum kennen lerne.

Schließlich spielt auch Migration eine wichtige Rolle in diesem Buch, und gerade auch aus der Perspektive von Kindern. Ich finde, da lässt das Buch so viel Potential liegen, ich weiß gar nicht warum. Einzelne, herausgerissene Zitate sind hier wirklich toll, aber es ergibt sich kein umfassendes Gesamtbild, dafür ist das Buch einfach zu kurz.

Sprachlich fand ich das Buch aber der toll, es hat mir gut gefallen. Auch wenn es stilistisch immer wieder ein bisschen mit sich bricht und nicht ganz weiß, welcher Schreibstil gerade adäquat ist. Am schönsten fand ich allerdings die Illustrationen, die vermutlich die Schwester der Autorin angefertigt hat. Sie sind sehr düster und teilweise bizarr. Mir hat das gut gefallen und das Buch stark aufgewertet. Und schließlich kann man das Buch auch als eine seltsame Version einer Neuerzählung der kleinen Meerjungfrau sehen, und dieser Aspekt hat mir gut gefallen im Buch.

Alles in allem fand ich das Buch also gut, aber ich wollte viel mehr davon. Das Buch ist stimmungsvoll, gerade auch durch die Illustrationen, aber auch durch die Themen, die es anschlägt. Man kann daraus sicherlich auch toll bestimmte Paragraphen zitieren zu bestimmten Themen. Aber im Ganzen tut die Geschichte nicht genug, wir kommen nicht nah genug ran und damit fällt es schwer, wirklich mitzufühlen. Das fand ich sehr schade.

Habt ihr denn schon mal von dem Buch gehört? Und wie steht ihr zu so sehr kurzen Geschichten?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung: