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Sonntag, 7. April 2024

Acceptance


Hallo meine Sci-Fi-Hasen,

heute kommen wir zum vorerst letzten Band in der Southern Reach-Reihe. Vorerst, weil gerade ein vierter Band angekündigt wurde. Mal schauen, ob ich den dann noch irgendwann lese. Aber erstmal reden wir heute über Band 3, der mir wirklich wahnsinnig gut gefallen hat. Es wird aber schwierig, komplett spoilerfrei zu erklären, warum. Ich versuche mein Bestes.

Die Fakten:

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Acceptance (dts.)
  • Reihe: Southern Reach 3
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 232 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "It is winter in Area X, the mysterious wilderness that has defied explanation for thirty years, rebuffing expedition after expedition, refusing to reveal its secrets. As Area X expands, the agency tasked with investigating and overseeing it—the Southern Reach—has collapsed on itself in confusion. Now one last, desperate team crosses the border, determined to reach a remote island that may hold the answers they've been seeking. If they fail, the outer world is in peril."


Zur Handlung: Nach dem Fall der Southern Reach finden sich verschiedene Charaktere in der Area X wieder. Sie beschließen, sich zusammen zu tun und Antworten zu suchen. Doch jeder von ihnen hat seine eigenen Pläne, und nicht alle von ihnen sind wirklich menschlich. Aber vielleicht sind sie die letzte Hoffnung der Menschheit wie wir sie kennen.

Über allem schwebt das Bewusstsein der Psychologin. Sie erinnert sich zurück an den Weg, der zu ihrer Auflösung geführt hat, von einer Kindheit an einem Leuchtturm zu einem Job, der ihr Leben vereinnahmt hat. Und wir lernen Saul kennen, der sich nur ein neues ruhiges Leben mit seinem Liebhaber aufbauen will, aber gegen unsichtbare Windmühlen kämpft, und vielleicht auch gegen sein eigenes Bewusstsein.

Wie gesagt, es ist so schwer, über dieses Buch zu sprechen, denn allein zu sagen, wer noch lebt, ist ja schon ein Spoiler. Dennoch versuche ich euch jetzt rüberzubringen, dass dies mein Lieblingsbuch in der Reihe war. Das lag vor allem auch daran, dass wir hier das erste Mal mehrere Perspektiven bekommen, und ein davon hat mir ganz besonders gut gefallen.

In einer ersten Perspektive folgen wir zwei Charakteren direkt nach Buch 2 auf ihrem Weg, der sie in Area X geführt hat. Dazu kann ich nicht viel mehr sagen, außer dass sie versuchen herauszufinden, ob sie Area X noch aufhalten können, und ob sie das wollen. Die zweite Perspektive gehört zur Psychologin und ist in der zweiten Person geschrieben, was ich absolut liebe. Hier bekommen wir einige Antworten, die wir schon in Band 1, spätestens in Band 2 haben wollten.

Die dritte Perspektive ist aber die, die mich absolut begeistert hat. Wir folgen einem Charakter namens Saul vor dem Entstehen der Area X. Dieser Blick auf einen Mann, der einfach nur sein Leben leben will, seinen Freund lieben will, aber davon abgehalten wird von seltsamen Leuten, die immer wieder in seinen Alltag einbrechen.... und dann wissen wir, was kommen wird. Boah, das hat mir Gänsehaut gemacht. Spannend fand ich daran auch, dass wir mit dieser Perspektive mitten drin sind in der Entstehung von Area X, aber trotzdem immer noch nicht alles verstehen, weil es selbst für diese Figur alles rätselhaft bleibt.

Durch die verschiedenen Perspektiven erhalten wir nochmal ein deutlich umfassenderes Bild von Area X, ohne dass dadurch wirklich alle Fragen beantwortet werden können. Wir sehen eigentlich nur, wie viel größer alles ist, als wir bisher vielleicht dachten. Dennoch gibt es genug Antworten, dass ich befriedigt aus diesem vorerst letzten Band herausgegangen bin. Es hat für mich alles einfach gut abgerundet und gleichzeitig die Faszination und den Grusel dieser Welt aufrecht erhalten.

Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass dadurch die Reihe hier zu einem guten Ende findet. Während das erste Buch vor allem Horror und Grusel auslöst, wenn wir diese Welt sehen, in der alles möglich scheint und nix ist, wie es soll, sehen wir im zweiten Band die Frustration, mit der man hier nach Antworten suchen muss. Band 3 gibt uns jetzt eine seltsame Traurigkeit und Melancholie, wenn wir auf Saul und seine Träume sehen, wenn wir den inneren Kampf in Ghost Bird sehen, wenn wir das lebenslange Streben nach einer verlorenen Heimat der Psychologin sehen. Mir hat das so gut gefallen.

Ich hoffe, ihr seid jetzt begeistert für diese Reihe.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 6. April 2024

Authority


Hallo meine Sci-Fi-Freunde,

wir kommen heute zum zweiten Band der Southern Reach-Reihe, in dem wir einem neuen Protagonisten folgen, der aus einer anderen Perspektive auf Area X schaut. Für viele scheint das der schlechteste Band der Reihe zu sein, ich habe viele enttäuschte Rezensionen gesehen, und auch wenn ich diesen Band nicht so gut fand wie den ersten, blieb bei mir eine große Enttäuschung aus. Aber dazu gleich mehr.

Die Fakten:

  • Titel: Authority (dts. Autorität)
  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Reihe: Southern Reach 2
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 226 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "After thirty years, the only human engagement with Area X—a seemingly malevolent landscape surrounded by an invisible border and mysteriously wiped clean of all signs of civilization—has been a series of expeditions overseen by a government agency so secret it has almost been forgotten: the Southern Reach. Following the tumultuous twelfth expedition chronicled in Annihilation, the agency is in complete disarray. John Rodríguez (aka "Control") is the Southern Reach's newly appointed head. Working with a distrustful but desperate team, a series of frustrating interrogations, a cache of hidden notes, and hours of profoundly troubling video footage, Control begins to penetrate the secrets of Area X. But with each discovery he must confront disturbing truths about himself and the agency he's pledged to serve."


Zur Handlung: Control hat wenig Glück mit seiner Karriere. Nachdem ihm ein tödlicher Fehler während einer Mission unterlaufen ist, wird er von einer Position auf die nächste geschoben, meist mit suboptimalen Folgen. Nun erhält er seine letzte Chance - weil seine Mutter ein hohes Tier in der Organisation ist: er soll der neue Direktor der Southern Reach werden und die Area X überwachen.

Kaum in seiner neuen Position angekommen, bekommt Control schnell einen Eindruck des chaotischen Treibens in Southern Reach. Von der feindlichen Vizedirektorin zu den verwirrten Wissenschaftlern scheint niemand wirklich mehr einen klaren Kopf für seine Stelle zu haben. Control will diesen Dingen auf den Grund gehen - und kann sich dabei nicht sicher sein, wie klar sein Kopf eigentlich noch ist.

Der Sprung in eine neue Perspektive auf die Area X kann im ersten Moment etwas desorientierend sein, macht aber im weiteren Verlauf der Geschichte Sinn. Ich kann nicht zu viel dazu sagen, weil es das erste Buch spoilern würde, aber ich fand, dass wir dadurch auf eine bestimmte Figur eine notwendige Perpektive bekommen. Wir schauen eben nochmal aus einer ganz anderen Richtung auf die Ereignisse und können neue Fragen stellen.

Control als Hauptfigur scheinen viele Leute nicht zu mögen. Ich hatte mit ihm kein Problem. Klar, er ist irgendwie nicht ganz richtig im Kopf, aber wer kann das von sich behaupten, wenn er auf so eine Stelle unter solche Kollegen bzw. eigentlich Angestellte kommt. Ich konnte zumindest die tiefe Frustration mitfühlen, die Control in seiner Rolle empfindet, weil es ihm eben nicht gelingt, Southern Reach in seine Kontrolle zu bringen. Außerdem hat er eine Katze...

Neben Control sind noch ein paar andere Charaktere relevant. Wir lernen einiges über seine Familie. Entgegen der üblichen Klischees ist seine Mutter ein hohes Tier in der Organisation hinter Southern Reach, die Tochter eines sehr berümten Agenten, die es selber weit gebracht hat. Control ist da das schwarze Schaf. Der Vater war ein eher erfolgloser Künstler mit hispanischen Wurzeln. In Southern Reach ist dann Carol wichtig, die sofort mit Control auf Kriegsfuß zu sein scheint. Ich habe mich das ganze Buch gefragt, was eigentlich ihr Problem ist - und es ist vor allem ihre Verbindung zur vorherigen Direktorin, dessen Job Control einnimmt. Schließlich haben wir noch zwei Mitarbeiter aus dem wissenschaftlichen Bereich, die relevant sind. Beide erscheinen ein bisschen verrückt, und man fragt sich, ob das zum Wissenschaftlersein gehört, oder ob mehr dahinter steckt. Dann gibt es noch eine Figur, die aus Area X zurückkehrt, zu der Control eine große Faszination hinzieht, und von der er sich Antworten verspricht.

Während wir also im ersten Band in Area X sind und diese wahnwitzige Welt erleben, schauen wir nun von außen darauf. Und es gibt so viele offene Fragen, dass man gar nicht weiß, an welcher Ecke man ziehen soll in der Hoffnung, dass sich der Knäul dann auflöst. Control versucht es in verschiedene Richtungen, aber dieses Buch steht ganz im Zeichen von Frustration. Er scheint immer einen Schritt hinterher zu sein, und jede Antwort stellt gleichzeitig zwanzig neue Fragen. Die größte Frustration besteht allerdings darin, dass niemand zu wollen scheint, dass er Antworten findet - und dies aktiv verhindert wird. 

Diese Frustration führt vielleicht dazu, dass viele Leute das Buch so schlecht finden. Für mich war es aber absolut nachvollziehbar. Wir schauen hier auf eine Organisation, die seit mindestens 30 Jahren Geheimnisse hat. Noch dazu hat die letzte Direktorin ganz offensichtlich ihre eigene Agenda verfolgt und Southern Reach teilweise dazu benutzt. Und auch andere Player in dem Gefüge scheinen ihre Pläne und Ziele mit Southern Reach zu verfolgen. Control ist dabei nur ein kleiner Spielstein, und vielleicht ein Bauernopfer. Trotzdem gibt er nicht auf, bis die Situation völlig eskaliert.

Alles in allem hat mir deswegen auch der zweite Band der Reihe gut gefallen. Auch wenn ich ihn etwas schwächer finde als Band 1, erhalten wir hier wichtige Einsichten in Southern Reach, ohne die die Geschichte nicht erzählt werden kann. Control als Charakter hat mir eigentlich immer eher Leid getan, bzw. habe ich mit ihm gefühlt, denn in seiner Haut wollte ich nicht stecken. Das Ende ist dann auch sehr ereignisreich und etwas verwirrend, aber danach wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 5. April 2024

Annihilation


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte euch mit euch über einen Sci-Fi-Horror sprechen, den ich schon recht lange lesen wollte. Eigentlich schon, seit der Film auf Netflix erschienen ist, und wer weiß, wie viele Jahre das inzwischen schon wieder her ist. Es ist außerdem das erste Buch in einer Trilogie, und ich werde euch dieses Wochenende alle drei Bände vorstellen.

Die Fakten: 

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Annihilation (dts. Auslöschung)
  • Reihe: Southern Reach 1
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 128 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "Area X-a remote and lush terrain-has been cut off from the rest of the continent for decades. Nature has reclaimed the last vestiges of human civilization. The first expedition returned with reports of a pristine, Edenic landscape; all the members of the second expedition committed suicide; the third expedition died in a hail of gunfire as its members turned on one another; the members of the eleventh expedition returned as shadows of their former selves, and within months of their return, all had died of aggressive cancer. This is the twelfth expedition. Their group is made up of four women: an anthropologist; a surveyor; a psychologist, the de facto leader; and our narrator, a biologist. Their mission is to map the terrain and collect specimens; to record all their observations, scientific and otherwise, of their surroundings and of one another; and, above all, to avoid being contaminated by Area X itself.  They arrive expecting the unexpected, and Area X delivers-they discover a massive topographic anomaly and life forms that surpass understanding-but it's the surprises that came across the border with them, and the secrets the expedition members are keeping from one another, that change everything."


Zur Handlung: Wir folgen einer namenlosen Biologin in die Area X, eine Zone der Welt, in der etwas Schreckliches geschehen ist. Verschiedene Expeditionen haben bereits versucht Antworten zu finden, doch wenn die Teilnehmenden zurückgekehrt sind, dann waren sie stets verändert und haben meist nicht mehr lange gelebt; wenn sie zurückgekehrt sind. Diese Mission besteht nun nur aus Frauen, neben unserer Biologin gibt es eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Ex-Soldatin. Die Linguistin hat es sich angeblich kurz vor Beginn der Mission anders überlegt.

Doch kaum sind die vier Frauen in der Area X gelandet, geht schon einiges schief. Bei einer Erkundungstour finden sie eine Art Tunnel, in dem Treppen tief unter die Erde führen, doch unsere Biologin kann sich den Tunnel nur als Turm vorstellen, der anstatt nach oben nach unten geht. Als die vier beschließen, diesen Turm zu erkunden, beginnt ihre unwiderrufliche Veränderung.

Dieses Buch ist extrem seltsam. Wir lesen die Geschichte in Form von Tagebucheinträgen der Biologin. So sehen wir einerseits, was in der Area X passiert, aber sie erinnert sich auch zurück an Dinge aus ihrem Leben. Wir erfahren, warum sie Biologin geworden ist und warum sie sich für diese hoffnungslose Mission freiwillig gemeldet hat. Dadurch kommen wir nah an sie heran, und gleichzeitig bleibt sie uns auch fern. 

Ich persönlich liebe diese Art von Horror, wo die Protagonisten durch eine Art Portal in eine Welt neben unserer Welt kommen, in der aber unsere Gesetze und Regeln nicht gelten. In dieser Welt kann dann jeden Moment alles geschehen. Ich finde es so faszinierend, weil ich mich dann auch immer frage, wie mein Gehirn wohl auf sie eine grundsätzlich fremde Welt reagieren würde, vor allem wenn sie ihm Kern dann doch vertraut aussieht. Es ist eben nur alles ein kleines bisschen falsch.

Wir haben es in diesem Buch vor allem mit Pflanzen-, Natur- und Bodyhorror zu tun. Es ist alles sehr organisch, weswegen eine Biologin als Hauptfigur auch Sinn macht. Irgendetwas hat die normale Welt in Area X korrumpiert, und nun ist nix so, wie es sein sollte. Trotzdem macht alles irgendwie seltsam Sinn. Ihr solltet aber nicht zu viele Antworten erwarten, auch das gehört zu dieser seltsamen Art von Horror dazu.

Neben der Biologin haben wir noch drei andere Charaktere, die in der Area X sind. Recht früh sagt uns unsere Protagonistin allerdings, dass sie nicht lange an ihrer Seite sein werden. Die Frauen kennen sich kaum, haben nur etwas gemeinsames Training erlebt. Ein tiefes Misstrauen liegt zwischen ihnen, sodass wir den anderen auch nicht vertrauen können. Außerdem spielt dann noch der Ehemann der Biologin eine Rolle, denn wir sehen ihn in Rückblenden. Ich fand ihre Dynamik interessant, aber das müsst ihr selbst ergründen.

Was kann ich noch über dieses Buch sagen, dass keine Spoiler enthält und nicht einfach völlig wirr klingt? Ihr werdet am Ende vermutlich so schlau sein wie am Anfang, aber der Weg lohnt sich, wenn ihr diese Art von Horror liebt. Ich liebe sie. Ich fand es schaurig, aufregend, mitreißend. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, auch wenn ich da nicht so viel Positives gehört habe. Nach dem Ende dieses ersten Bandes will ich aber unbedingt mehr Antworten - und ich habe meine Zweifel, ob ich sie kriege.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 15. März 2023

All Systems Red


Hallo meine Sci-Fi-Leser,

ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich bisher schwer damit tue, kurze Bücher zu lesen. Irgendwie sehe ich es nicht ein, dass ich genauso viel für 120 Seiten bezahlen soll wie für 350 Seiten. Aber letztes Jahr habe ich dann zum Magical Readathon einfach ein paar kurze Sachen gebraucht und endlich dieses Buch gelesen, das mich schon viele Jahre interessiert hat.

Die Fakten:

  • Autor: Martha Wells
  • Titel: All Systems Red
  • Reihe: The Murderbot Diaries 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Tor.com
  • Seiten: 144
  • Preis: 13,99 Euro
  • Klappentext: "In a corporate-dominated space-faring future, planetary missions must be approved and supplied by the Company. For their own safety, exploratory teams are accompanied by Company-supplied security androids. But in a society where contracts are awarded to the lowest bidder, safety isn’t a primary concern. On a distant planet, a team of scientists is conducting surface tests, shadowed by their Company-supplied ‘droid--a self-aware SecUnit that has hacked its own governor module and refers to itself (though never out loud) as “Murderbot.” Scornful of humans, Murderbot wants is to be left alone long enough to figure out who it is, but when a neighboring mission goes dark, it's up to the scientists and Murderbot to get to the truth."

Zur Handlung: Murderbot ist ein humanoider Security Roboter, der eine Gruppe von Wissenschaftlern auf einem bisher unbekannten Planeten begleitet. Eigentlich hat er nur ein Interesse: in Ruhe seine Soaps schauen. Denn Murderbot hat sein eigenes System gehackt und kann nun eigenständig Entscheidungen treffen. Das Problem ist, dass er sich trotzdem verhalten muss, als sei er voll funktionstüchtig, damit niemand den Hack bemerkt.

Das führt dazu, dass Murderbot die Wissenschaftler zum Schutz begleitet, als es unerwartet Angriff stattfindet. Schnell wird dann klar, dass dieser Planet gefährlicher ist, als bisher erwartet wurde. Als die Crew dann herausfindet, dass eine benachbarte Station auf dem Planeten per Funk nicht mehr antwortet, beginnt eine waghalsige Rettungsaktion und das Aufdecken einer Verschwörung, bei der Murderbot nun wirklich nicht den Helden spielen will.

Diese Novelle folgt also einem eher ungewöhnlichen Charakter, einem Roboter, der gern allein gelassen gewerden will, Menschen furchtbar anstrengend findet, und kein Interesse an Heldentaten hat. Gerade das macht die Geschichte dann vielleicht doch nahbar, denn der etwas schrullige Roboter mit seiner Liebe zu schlechtem Fernsehen, wer kann damit nicht irgendwie eine Verbindung aufbauen? Gleichzeitig fand ich die Handlung aber auch überraschend spannend.

Murderbot als Hauptfigur fand ich direkt spannend. Ich hatte schon viel über diesen Charakter gehört und war somit auf seine Art und vor allem die Liebe zu Soaps eingestellt. Als Roboter sieht sich Murderbot keinem Geschlecht zugehörig und hat auch keine sexuellen Interessen. Alle Interaktionen mit Menschen findet Murderbot ziemlich unangenehm, vor allem wenn die Menschen anfangen ihn als menschlich wahrzunehmen. Ich fand, dass die Autorin es gut schafft, uns diesen nicht-menschlichen Hauptcharakter zu erzählen.

Auf der anderen Seite haben wir dann die Gruppe der Wissenschaftler, wobei die Anführerin eine besondere Rolle spielt. Dennoch bleiben sie für Murderbot auch ein Stück weit diese Gruppe von Menschen, die eben negative Gedanken und Gefühle auslösen. Eigentlich will Murderbot mit ihnen nichts zu tun haben und kann mit ihrer Menschlichkeit und Zuneigung gar nichts anfangen. Als Leser kann man aber die Wissenschaftler schon auch verstehen, die lernen, diesem Roboter ihr Leben anzuvertrauen.

Die Handlung fand ich dann auch überraschend spannend. Irgendwie hatte ich nie wen darüber reden hören, was in dem Buch eigentlich passiert, und deswegen nicht viel erwartet. Aber wir starten ziemlich direkt mit einer Action-Szene und die Gefahr für die Menschen, die Murderbot beschützen soll, wird schnell deutlich. Ein bisschen schade fand ich dann an diesem Kurzformat, dass am Ende auf eines meiner am wenigsten geliebten Tropes zurückgegriffen wird: im Finale wird Murderbot irgendwann ohnmächtig und wir machen einen Zeitsprung ins Happy End.

Das Ende des Buches nach dem Finale fand ich dann aber wieder sehr gelungen, und es hat mir direkt Lust auf den nächsten Band gemacht. Im Moment sind die Hörbücher übrigens kostenlos im Audible-Abo enthalten, wenn ihr mal reinhören mögt. Vielleicht werde ich dem zweiten Band diesen Monat noch mein Ohr widmen, mal schauen. Ich habe auf jeden Fall nach dem Ende des ersten Bandes wieder keine Ahnung, was mich erwarten wird.

Alles in allem kann ich das Buch empfehlen. Auch wenn ich mich mit diesen kurzen Geschichten immer noch schwer tue, und ich beispielsweise für das Finale auf dem Planeten gern mehr Seiten oder weniger Koma gehabt hätte, habe ich mich hier gut unterhalten gefühlt. Mit einem Roboter als Hauptfigur hatte es für mich etwas Neues und Aufregendes zu bieten, und auch die Handlung hat mich gut abgeholt. Ich habe Lust auf mehr.

Wie steht ihr denn zu Novellen? Gerade im Sci-Fi und Horror-Bereich sind sie ja inzwischen sehr verbreitet.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Donnerstag, 29. Dezember 2022

Kindred


Hallo meine Lieblingsleser,

vorgestern habe ich euch von einem Buch berichtet, von dem ich dachte, dass es ein neues Lieblingsbuch wird, aber dann war es leider nicht so. Heute allerdings kommen wir zu einem Buch, das das geschafft hat. Denn hier hatte ich sehr hohe Erwartungen und sie wurden erfüllt. Von den fünf Autoren, die ich dieses Jahr ausprobieren wollte, hat mich Octavia E Butler am meisten überzeugt, und ich werde definitiv mehr von ihr lesen.

Die Fakten:

  • Autor: Octavia E Butler
  • Titel: Kindred (dts. Kindred - Verbunden)
  • Erschienen: 2018 (zuerst 1979)
  • Verlag: Headline
  • Seiten: 295
  • Preis: 9,19 Euro
  • Klappentext: "When Dana first meets Rufus on a Maryland plantation, he's drowning. She saves his life - and it will happen again and again. Neither of them understands his power to summon her whenever his life is threatened, nor the significance of the ties that bind them. And each time Dana saves him, the more aware she is that her own life might be over before it's even begun."

Zur Handlung: Dana ist eine junge Frau in den 70er Jahren, die gerade mit ihrem Partner zusammengezogen ist. Auch wenn sie schwarz und er weiß ist, haben sie eine moderne, respektvolle Beziehung, in der Hautfarbe keine Rolle spielt. Doch dann beginnt Dana seltsame Anfälle zu bekommen, die sie Jahrzehnte zurück in der Zeit transportieren. In dieser Welt wird sie als Sklavin gesehen.

Ihre Aufgabe scheint dabei zu sein, den jungen Rufus zu retten, denn immer wenn sie zurückgerufen wird, befindet er sich in Lebensgefahr. Zurückkehren kann sie allerdings erst, wenn sie selbst in Lebensgefahr gerät, und ihre Aufenthalte in der Vergangenheit werden immer länger. Dana hat Angst, dass ihr wahres Leben ihr entgleitet, und sie weiß nicht, ob es richtig ist, dass sie einen weißen Sklavenbesitzer immer wieder rettet...

Dieses Buch wird als Sci-Fi-Klassiker gehandelt, da es hier um Zeitreisen geht, allerdings werden diese nicht wirklich erklärt oder haben irgendetwas mit Science zu tun. Ich wäre hier mit den Erwartungen also vorsichtig. Vielmehr ist es eine ganz eigene Art von historischem Roman, denn wir sehen hier aus der Perspektive der 70er Jahre auf die Zeit der Sklaverei in Amerika zurück. Dabei gelingt es der Autorin durch die moderne Hauptfigur bisher ungestellte Fragen aufzuwerfen und uns diese Welt durch einen vertrauten Blick zu zeigen.

Dana als Hauptfigur hat mir außerordentlich gut gefallen. Sie ist eine moderne junge Frau, die ihren Selbstwert weiß und schlau und ehrgeizig ist. Sie befindet sich in einer liebevollen Beziehung mit einem weißen Mann und hat einen guten Job. Doch die Reisen zurück in der Zeit stellen sie vor große Aufgaben, denn mit ihren modernen Werten riskiert sie hier ihr Leben. Sie wird in einevöllig andere Rolle gesteckt, die sie auch immer mehr annehmen muss, je länger sie in der Vergangenheit verbleibt. Trotzdem sind wir als Leser ja in ihrem Kopf und sehen, dass Dana dadurch nicht schwächer oder dümmer wird, sondern es geht ums Überleben.

Als Gegenstück zu Dana erleben wir Rufus. Auch dieser ist eine interessante Figur. Wir lernen ihn als kleinen Jungen kennen, der eher schwächlich ist und eigentlich eine gute Beziehung zu den Sklavinnen seines Vaters hat, denn diese haben ihn aufgezogen. Auch zu Dana entwickelt er eine Art Freundschaft, denn sie ist seine Retterin. Doch wir sehen, wie die toxische Umwelt diesen Jungen zu einem Ekel werden lässt. Wir sehen die schrecklichen Dinge, die dieser Junge tun kann, wenn er derjenige mit Macht ist. Und lange glaubt Dana, dass sie hier einen Einfluss hat, aber am Ende müssen wir mit ihr feststellen, dass ein Mann mit solcher Macht über andere kein guter Mensch sein kann. Diese Komplexität der Entwicklung fand ich wahnsinnig gut nachgezeichnet, sodass einem manchmal wirklich schlecht wird.

Wenn sich ein Buch mit Sklaverei beschäftigt, dann wissen wir, dass es sehr schwierige Szenen geben wird. Das bleibt auch in diesem Buch nicht aus, und gemeinsam mit Dana erleben wir schlimme Dinge. Manche davon beobachtet sie nur, andere passieren ihr selbst. Hier solltet ihr also bei Bedarf auch Content Warnings anschauen, vor allem mit Bezug zu körperlicher und sexueller Gewalt.

Die Handlung dreht sich dann um Danas Zeitreisen. Während sie in der Vergangenheit viele Jahre zubringt, vergehen in der Gegenwart nur wenige Tage. Tatsächlich beginnen wir das Buch mit dem Ende: wir erfahren, dass Dana schwer verletzt wurde und im Krankenhaus ist. Ihr Partner wird verdächtig ihr etwas angetan zu haben. Dann bekommen wir die Geschichte von Beginn erzählt. Ich mochte auch die Darstellung der Gegenwart, wie Dana versucht ihr Leben irgendwie unter Kontrolle zu halten, während sie absolut keinen Einfluss auf die Zeitreisen hat. Interessant fand ich auch, dass ihr Partner sie auf einer dieser Reisen begleitet, und wie das im Roman aufgearbeitet wird. 

Das Ende ist dann der Anfang. Wir erfahren, wie Dana tatsächlich verletzt wurde und wie sie das Problem der Zeitreisen schließlich beenden kann. Wir sehen, wie Dana sich durch diese Erfahrung verändert hat. Besonders gefallen hat mir auch der Umgang mit ihrer Beziehung am Ende. Ich hatte sehr Angst, wie eine Beziehung mit einem weißen Mann in so einem Buch behandelt werden könnte, aber das war unberechtigt. Insgesamt schafft es das Buch einfach, dass wir Danas Ringen mit sich absolut verstehen können. Die Komplexität des Themas wird so gut aufgearbeitet. Man kann es meiner Meinung nach nicht besser machen.

Alles in allem bekommt dieses Buch von mir eine absolute Leseempfehlung. Es hat mich wirklich begeistert, auch wenn das Thema natürlich kein schönes war. Die Komplexität des Themas, wie es hier dargestellt wird, geht so weit über schwarz und weiß hinaus. Dennoch zeigt es, wie toxisch diese Welt für alle Beteiligten war, wie es die Menschen vergiftet hat und heute viele noch von Gedanken der White Supremacy vergiftet sind. Es zeigt, dass alle Menschen unter einer solchen Gesellschaft der Unterdrückung und Versklavung leiden. Und es beleuchtet auch, wie viele Schattierungen Mut in einer solchen Welt haben kann. Das hat mir am besten gefallen.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Es ist ja nicht umsonst ein moderner Klassiker.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 10. April 2022

The Stone Sky


Hallo meine Fantasyfreunde,

so schnell geht es Wochenende zu Ende, denn wir sind nun schon beim letzten Band dieser tollen Reihe. Ich hatte wirklich ein bisschen Angst davor, dass das Buch die Reihe nicht zu einem grandiosen Abschluss bringen kann, aber gleichzeitig habe ich so viel für diese Charaktere gefühlt, dass ich einfach wissen musste, wie es ausgeht.

Die Fakten:

  • Autor: N K Jemisin
  • Titel: The Stone Sky (dts. Steinerner Himmel)
  • Reihe: Broken Earth Trilogy 3
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Orbit
  • Seiten: 398
  • Preis: 9,99 Euro
  • Klappentext: "The final season falls. Essun has mastered the Obelisk Gate. But halfway across the Stillness a pretender rises: Nassun. As the icy white eye of the Moon opens above the world, ancient battle lines are redrawn between mother and daughter, stone eater and orogene, slave and rebel. The destruction of humankind - or something worse - looms nigh."

Zur Handlung: Nachdem Essun das Obelisk Gate geöffnet hat und Castrima dabei zerstört wurde, sind die Überlebenden auf der Flucht. Ihr Ziel ist eine verlassene Stadt im Zentrum des Kontinenten. Als Essen wieder zu sich kommt, muss sie feststellen, dass ihre Verwandlung begonnen hat, denn kein menschliche Körper kann die Kraft verarbeiten, die durch sie geflossen ist. In den folgenden Tagen muss Essun sich die Frage stellen, ob sie weiter nach ihrer Tochter suchen soll, oder ihre Aufgabe beenden soll, die die Welt vielleicht retten kann.

Nassun musste eine der schwersten Entscheidungen treffen und nun mit den Folgen klarkommen. Doch Schaffa ist nach wie vor an ihrer Seite, und das macht es leichter für sie. Die Geschehnisse bestärken sie nur noch weiter darin, dass diese Welt nicht mehr zu retten ist. Zum Glück weiß sie, wie sie all das Leid beenden kann, und nun macht sie sich auf den Weg.

In diesem letzten Band bekommen wir noch einmal eine neue Perspektive. Wir folgen Hoa, als er noch Houwha war, in der Welt von Syl Anagist. Damit bekommen wir nun Einblicke in die weite Vergangenheit dieser Welt und was dazu geführt hat, dass die Seasons überhaupt begonnen haben. Ich habe diesen Teil geliebt, denn es war wirklich noch mal eine ganz andere Geschichte, viel mehr Scifi als Fantasy, wenn man es so will, aber natürlich nicht in unserer Welt. Auch Hoa als Charakter war mir schon im ersten Buch so ans Herz gewachsen, dass ich einfach sehen wollte, wer er ist.

Mit Essun steht uns ein schwerer Weg bevor in diesem dritten Band, der viel Verlust aber auch einige alte Bekannte mit sich bringen wird. Natürlich ist inzwischen ziemlich klar, was ihre Mission ist, aber auch, was sie das am Ende kosten wird. Die ganze Erzählstruktur der Reihe deutet dabei auch darauf hin, was wohl geschehen wird. Es gab sehr viele sehr emotionale Momente in ihrer Story, bei denen ich auch teilweise weinen musste. 

Nassun dagegen bleibt für mich ein schwieriger Charakter, denn sie ist nach wie vor ein Kind, und mir fällt es oft schwer, mich da einzufühlen. Gleichzeitig habe ich aber so oft gedacht, dass ich als Kind vielleicht gar nicht so anders war - nur leider ohne diese magische Macht. Und die Mutter-Tochter-Dynamik kommt in diesem Band nochmal richtig stark hervor und beeinflusst so Vieles. Nassuns Liebe für Schaffa ist für den Leser ein schwieriges Moment, denn wir kennen Schaffa aus einer ganz anderen Perspektive, aber wir sehen auch, wie sie in ihm sieht. Das hat bei mir sehr komplexe Gefühle zu ihrer Storyline ausgelöst.

Ich hatte sehr große Bedenken, wie diese Reihe wohl ausgehen wird. Ob mir das Finale wirklich das geben kann, was ich brauche. Aber ich hätte mir keine Sorgen machen sollen. Ich fand das Ende perfekt, auch wenn es dann doch noch einige Überraschungen bereit hatte. Ich habe das Gefühl, dass dieser letzte Band mit Hoas Storyline viele Fragen beantwortet, aber nicht alles mit einer hübschen Schleife abgeschlossen wird, was diesem komplexen Epos nicht gut getan hätte. Auch die Verarbeitung des Mutter-Tochter-Konflikts am Ende war für mich perfekt und die einzig gute Lösung, die es hätte geben können. In dieser Story lag dann auch nochmal so viel Emotionalität, die durch das Nachwort der Autorin noch einmal unterstrichen wurde.

Die Welt von Syl Anagist, die wir jetzt hier das erste Mal richtig zu sehen bekommen, fand ich so interessant. Ich muss zugeben, dass ich nicht alles davon verstanden habe. Dafür bin ich vermutlich auch nicht Scifi-Leser genug. Aber man konnte sich Vieles bildlich vorstellen, und diese generelle Idee, dass Menschen auf der Suche nach Energie die Welt um sich herum zerstören - nun, die kam mir irgendwie bekannt und äußerst relevant vor. Damit zusammen hing dann auch diese Idee, dass Leben heilig ist und nicht zerstört werden darf - und wie diese Gesellschaft es geschafft hat, selbst diese eigentlich reine Idee zu perversieren und für ihre eigenen Zwecke und Ambitionen zu verdrehen. Darin sind wir Menschen einfach spitze. 

Alles in allem war es für mich der perfekte Abschluss dieser Reihe. Ich habe viel gestaunt, viel gefühlt, viel mitgefiebert. Ich kann euch die ganze Reihe nur ans Herz legen, denn sie ist sehr einzigartig in der Welt, die wir betrachten, in den Charakteren und ihren Beziehungen, in der Handlung und all der Spannung, die aufgebaut wird, und auch im Schreibstil. Für alle Fantasy-Fans ein Muss.

Habt ihr die Reihe gelesen? Oder habt ihr jetzt Lust darauf?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 9. April 2022

The Obelisk Gate


Hallo meine Fantasyleser,

und weiter geht es heute mit Band 2 der Broken Earth Trilogy, wie versprochen. Dieser zweite wird häufig als schwächer als der erste Band dargestellt, deswegen habe ich versucht meine Erwartungen anzupassen. Das erste Buch hat mich am Ende ja völlig umgehauen, und klar dauert es dann einen Moment, bis der Folgeband in Schwung kommt.

Die Fakten:

  • Autor: N K Jemisin
  • Titel: The Obelisk Gate
  • Reihe: Broken Earth Trilogy 2 (dts. Brennender Fels)
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Orbit
  • Seiten: 391
  • Preis: 9,09 Euro
  • Klappentext: "The Season of Ending grows darker as civilization fades into the long, cold night. Essun has found shelter, but not her missing daughter. Instead there is Alabaster Tenring, destroyer of the world, with a request that would seal the fate of the Stillness forever."

Zur Handlung: Nach allem, was wir am Ende von Band 1 erfahren haben, gönnen wir Essun und ihren Mitreisenden eine Pause in Castrima, einer unterirdischen Stadt, die durch geheimnisvolle Magie am Leben erhalten wird, die nur in Anwesenheit von Orogenes funktioniert. Doch Essun ist rastlos, denn noch immer weiß sie nicht, wo ihre Tochter ist und ob sie überhaupt noch lebt. Essun weiß, dass sie im Moment keine andere Wahl hat, als zu bleiben, doch damit muss sie nicht glücklich sein.

Seit Nassun ihren Heimatort verlassen hat, hat sie Zeit gehabt darüber nachzudenken, was geschehen ist. Doch noch immer kann sie nicht verarbeiten, wie ihr Bruder auf dem Boden lag, ihr Vater darüber. Dann brachen sie auf und nun sind sie auf der Straße unterwegs, wie viele andere Flüchtlinge aus dem Norden. Ihr Ziel ist ein Ort, der angeblich Orogenes heilen und menschlich machen kann.

Im Vergleich zum ersten Teil ändern sich hier einige Dinge. Zunächst folgen wir neuen Perspektiven neben Essun, nämlich Nassun und Schaffa. Das war im ersten Moment sehr unerwartet für mich, vor allem letzterer. Aber ich habe mich dann schnell in die Geschichte eingefunden und mochte, dass wir mehr über Nassuns Weg lernen. Damit wird auch die Grundlage für das Ende gelegt und der Konflikt zwischen den beiden Figuren stärker betont.

Außerdem ist Essuns Geschichte nun deutlich mehr fest verortet, weil sie in Castrima ist. Die Reise ist also erstmal vorbei. Das kann natürlich dazu führen, dass sich Personen eventuell langweilen, weil sie das Herumreisen und die Welt genossen haben. Aber ich mochte es, nun diese Community kennen zu lernen, die Essun auch vor Herausforderungen stellt. Die Charaktere, die hier mehr beleuchtet werden, wie Tonkee und Ykka, habe ich sehr gemocht. Und wir lernen mehr über die Magie in der Welt.

Durch die neuen Perspektiven erhalten wir nun auch mehr Fokus auf die aktuelle Handlung. Relativ schnell sind auch Nassuns und Schaffas Storylines im Hier und Jetzt angekommen und wir können das Problem, den anstehenden Konflikt, von verschiedenen Seiten betrachten. Und damit kommt nun auch der Mond stärker ins Spiel, aber da will ich nicht zu viel verraten.

Ich mochte an diesem Buch, dass ich mehr und mehr interessiert an der Geschichte dieser Welt war. Nachdem wir im ersten Teil vor allem Essun kennen lernen und die aktuelle Welt und warum sie untergehen sollte, kommen wir nun immer näher an den Punkt zu fragen, wie die Welt so geworden ist, und was sie eventuell noch werden kann - falls sie nicht komplett untergeht. Auch die Technologie von Castrima zum Beispiel ist da sehr spannend. Und natürlich sind da die Stoneeater, die ihre eigenen Pläne zu haben scheinen und an immer mehr Ecken auftauchen.

Alles in allem war das zweite Buch für mich genauso genial wie das erste. Es ändert war etwas den Ton und den Fokus, aber für mich in eine sinnvolle Richtung. Es hat sich für mich auch nicht wie ein Zwischenbuch angefühlt, sondern hatte seine eigenen dramatischen Wendungen, neue und alte Charaktere wachsen und entwickeln sich zusammen und auseinander, und Essun und Nassun lernen beide ihre Kraft besser kennen. Der zweite Teil macht viele Fragen auf, aber ohne dass es sich unvollständig anfühlt. Für auch hier ein voller Erfolg.

Morgen kommen wir dann zum Finale. Ich hoffe, ihr freut euch schon darauf.

Bis dahin,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 8. April 2022

The Fifth Season


Hallo meine Fantasyfreunde,

dieses Wochenende möchte ich nutzen, um euch eine meiner neuen Lieblingsreihen vorzustellen. Ich habe ihr schon lange hinterhergehechelt, aber weil ich die Bücher nicht hatte, konnte ich sie auch nicht lesen. Dann habe ich mir aber endlich zu Weihnachten das Boxset gewünscht - und ich könnte glücklicher nicht sein.

Die Fakten:

  • Autor: N K Jemisin
  • Titel: The Fifth Season (dts. Zerrissene Erde)
  • Reihe: Broken Earth Trilogy 1
  • Erschienen: 2015
  • Verlag: Orbit
  • Seiten: 449
  • Preis: 8,19 Euro
  • Klappentext: "This is the way the world ends for the last time. It starts with the great red rift across the heart of the world's sole continent, spewing ash that blots out the sund. It starts with death, with a murdered son and a missing daughter. It starts with betrayal and long-dormant wounds rising up to fester. This is the stillness, a land familiar with catastrophe, where the power of the earth is wielded as a weapon. And where there is no mercy."

Zur Handlung: Essun ist eine "orogene", sie gehört einer Rasse an, die Erdbeben auslösen und Vulkane ausbrechen lassen kann. Und deswegen ist sie nicht frei. Denn Orogenes werden getötet, wenn sie entdeckt werden. Essun lebt in einem kleinen Ort mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Doch plötzlich beginnt das Ende der Welt, als ein geheimnisvoller Mann einen riesigen Riss in den Kontinent reißt. Als Essun in ihr Zuhause zurückkehrt, findet sie ihren ermordeten Sohn - und von ihrem Mann und ihrer Tochter fehlt jede Spur. So begibt sie sich am Ende der Welt auf die Suche nach ihrer Familie.

Damaya war ein normales Mädchen, bis sie als Orogene enttarnt wurde. Bei einem Wutanfall aufgrund eines Jungen hat sie die Erde bewegt. Daraufhin hat ihre Familie sie in der Scheune eingesperrt. Doch dann kommt ein Mann namens Schaffa, der verspricht, sie mitzunehmen und zu beschützen. Syenite ist eine junge Orogene, die für das Fulcrum arbeitet. Diese Institution erlaubt es Orogenes zu leben und nützlich zu sein. In dem strengen Regelwerk ist Syen aufgewachsen, und sie will unbedingt aufsteigen, sodass sie manche der Regeln selbst machen kann. Doch dann bekommt sie einen Auftrag, der ihr Leben für immer verändert.

In diesem Buch folgen wir also drei Charakteren, die dadurch verbunden sind, dass sie einer unterdrückten Rasse angehören, die zwar sehr mächtig, aber deswegen sehr gefürchtet und sehr stark reguliert sind. Außerdem spielen die drei Geschichten auf unterschiedlichen Zeitebenen, nur Essun begleiten wir am Ende der Welt. Essuns Kapitel sind in der zweiten Person geschrieben, was ich liebe und was auch einen tieferen Sinn hat. Syen und Damaya sehen wir in der dritten Person.

Hervorsticht natürlich erstmal die Welt. Diese Erde wird durch schreckliche Naturkatastrophen immer wieder zerstört - das sind die fünften Jahreszeiten. Alle paar Jahrzehnte oder Jahrhunderte bricht so eine Jahreszeit aus. Daher gibt es auch überlieferte Anweisungen, wie sich Gemeinden auf diese vorbereiten und wie sie während einer Jahreszeit handeln sollen. Doch was wir hier am Anfang des Buches sehen, ist keine Naturkatastrophe, sondern menschengemacht. Ein mysteriöser Mann löst diesen Bruch im Land aus und stürzt damit alles ins Unglück.

Ihr solltet also besser keine Angst vor Erdbeben und Vulkanen haben, wenn ihr das Buch lest. Tiefer beschäftigt sich das Buch und die ganze Reihe dann aber mit der Frage, wie eine Gruppe eine andere unterdrücken und quasi versklaven kann. Durch die drei Charaktere haben wir ganz unterschiedliche Perspektiven. Damaya ist ein Kind und wird langsam in diese Unterdrückung hineinsozialisiert - mit nicht gerade Samtpfoten. Syen ist bereits in dem Unterdrückungssystem aufgegangen und will nun für sich persönlich in dem System das meiste herausholen. Essun versteckt sich vor der Unterdrückung, in der sie leugnet, was sie ist. Aber dadurch ist sie nicht mehr frei als die anderen beiden. Das ist eine sehr spannende Auseinandersetzung mit dem Thema und erlaubt einen sehr vielfältigen Blick auf Praktiken und dahinterstehende Ideologien.

Als ich das Buch begonnen habe, wusste ich so gut wie nichts über die Handlung, und so soll es für euch auch bleiben. Daher werde ich nicht noch tiefer auf die Charaktere eingehen. Ich habe sie alle auf ihre Art geliebt. Es gibt ganz viele Charaktere, die relevant sind. Einer meiner Lieblingscharaktere ist dabei Alabaster, denn er hat schon sehr viel von dieser Welt gesehen und würde glaube ich gern innerlich aufgeben, schafft es aber nicht nichts zu fühlen. Ihn fand ich am interessantesten.

Dieses erste Buch hat in Essuns Story ein ganz klares Weltuntergangsgefühl. Alle sind auf der Flucht, die Zustände verschlechtern sich von Tag zu Tag immer mehr. Wer solche apokalyptischen Settings mag, kommt in diesem ersten Band voll auf seine Kosten. Dagegen ist es interessant in den anderen beiden Handlungssträngen diese Gesellschaft vor ihrem Zusammenbruch zu sehen - und vielleicht zu dem Schluss zu kommen, dass es gut ist, dass die Welt endet. Das fand ich grandios gemacht.

Das Buch hat dabei verschiedene Schichten, die man durchsteigen kann. Nichts ist einfach oder offensichtlich. Das hat mir sehr gut gefallen, da es einen sehr gut durchdachten Eindruck macht. Dabei gibt es viele kleine und große Rätsel, zum Beispiel den Charakter Hoa, den ich lieben gelernt habe. Und es tauchen manchmal Figuren in unterschiedlichen Handlungssträngen auf und man kann Verknüpfungen finden. 

Das Ende war für mich wirklich phänomenal. Ich habe die zweite Hälfte dieses Buches auf einer Zugfahrt gelesen. Ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen - zum Glück musste ich nicht aussteigen, bevor ich fertig war. Einige Mitfahrende haben sich sicher auch gewundert, warum ich so rumschnüffele, aber es gibt definitiv auch Tränen zu vergießen. Alles in allem war ich völlig hin und weg. 

Eine Kritik, die man immer mal hört, ist, dass das Buch verwirrend ist. Ich fand das nicht. Man muss nicht von der ersten Seite gleich alles verstehen. Außerdem hat meine Ausgabe hinten ein Glossar, dass die Begriffe aus dieser Welt erklärt. Aufgrund des Erklärstils würde es keinen Sinn machen, dass die Begriffe in der Geschichte erklärt werden. Daher habe ich das gar nicht als negativen Punkt empfunden. Aber da gehen Geschmäcker auch einfach auseinander.

Wenn ihr auf der Suche nach einer richtig tollen, sehr diversen und wahnsinnig gut durchdachten Fantasyreihe seid, dann sucht nicht weiter. Dieser erste Band war für mich absolut perfekt, ich habe nichts daran auszusetzen, und ich will, dass ihr diese Reihe lest, wenn ihr es noch nicht getan hat. Der Schreibstil ist dabei auch teilweise so poetisch, aber an das Szenario angepasst. Ich kann einfach nichts Schlechtes sagen - und will ich auch nicht.

Habt ihr die Reihe schon gelesen?

Bis morgen - dann gibt es Band 2,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 9. Januar 2022

Klara and the Sun


Hallo meine Sci-Fi-Leser,

Klara and the Sun war dieses Jahr eins der gehypten Bücher, die mich wirklich interessiert haben. Bisher habe ich von Kazuo Ishiguro nur Never Let Me Go gelesen, fand es aber überaus spannend und mitreißend. Daher war ich gespannt, wie der Autor nun KIs für uns zum Leben erweckt und welche Geschichte er sie erzählen lässt. Außerdem war das ein Buddyread mit meinem Partner, was viel Spaß gemacht hat, da man das Buch sehr gut diskutieren kann.

Die Fakten:

  • Autor: Kazuo Ishiguro
  • Titel: Klara and the Sun
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Faber & Faber Limited
  • Seiten: 307
  • Preis: 17,99 Euro
  • Klappentext: "From her place in the store, Klara, an Artificial Friend with outstanding observational qualities, watches carefully the behavior of those who come in to browse, and of those who pass in the street outside. She remains hopeful a customer will soon choose her, but when the possibility emerges that her circumstances may change for ever, Klara is warned not to invest too much in the promises of humans."

Zur Handlung: Klara ist ein Artificial Friend und wartet darauf, von einer Familie gekauft zu werden. Ihre Aufgabe ist es, die Begleiterin eines Kindes oder Teenagers zu sein, damit dieses nicht einsam ist. Eines Tages, während sie einen Platz im Schaufenster inne hat, lernt sie dabei ein junges Mädchen kennen, das ihr verspricht, dass sie ihre Mutter dazu bekommen wird sie zu kaufen.

Die Händlerin im Laden erklärt Klara zwar, dass sie sich auf solche Versprechen nicht verlassen darf, doch Klara kann die Hoffnung nicht aufgeben, dass sie bald ein neues Leben an der Seite dieses Mädchens führen wird. Als das Mädchen schließlich mit seiner Mutter im Laden erscheint und Klara aufs Schärfste gemustert wird von dieser, ist klar, dass sich Klaras Leben nun ändern wird.

Das Thema dieses Buches war für mich total interessant. Die Idee aus Sicht einer KI die Welt zu erleben, sie durch ihre Augen zu erfahren, da wusste ich, dass Kazuo Ishiguro der richtige Autor für ist. Und so war es auch wirklich spannend, wie Klara als Charakter geschrieben ist und was sie wie wahrnimmt und uns berichten kann über ihre Welt.

Ich fand es vor allem gut, wie schnell man trotz allem mit ihr mitfühlt. Schon im Laden kann man verstehen, was sie bewegt und warum das so ist. Dabei wird mein ein gewisses düsteres Gefühl nie los, was Klara aber in ihrer Unschuld nicht empfindet. Gerade weil sie so ein unschuldiger Charakter ist - was sonst würde man sich als Begleiterin für ein Kind wünschen - ist ihre Perspektive sehr besonders und man sorgt sich um sie. Dabei liest sie sich aber nicht selbst wie ein Kind, denn ihre Rechenleistung ist schon beachtlich. 

Klara ist vor allem ein beobachtender Charakter, sie nimmt sehr viel von der Welt um sie herum war, ordnet dies auch ein, aber sie ist in dem Sinne nicht neugierig. Damit wird sie auch zu einer Erzählerin, die einen frustrieren kann, denn wenn wir endlich mehr über die Welt erfahren wollen, stellt Klara keine Nachfragen und erlangt für uns keine Erklärungen, weswegen die Welt dann doch sehr vage bleibt.

Gerade die Welt, in der Klara existiert, hat mich an einigen Ecken noch deutlich mehr interessiert. So erfahren wir, dass es sogenannte geliftete Kinder gibt, allerdings nimmt Klara dies einfach hin und findet nie heraus, was das nun genau bedeutet. Auch erfahren wir, dass dies für Kinder ein großes Risiko birgt und nicht jedes Kind es schafft, aber auch das bleibt vage am Rande. Wir sehen in manchen Interaktionen den Struggle der Menschen, die (aufgrund ihres Alters oder aufgrund ihrer Wahl) nicht geliftet sind, aber auch das bleibt sehr vage und wir erfahren kaum Details. Das fand ich so schade, weil es so ein interessantes Konzept war, das neben den KIs spannend zu erkunden gewesen wäre.

Auch zu den KIs in dieser Welt selbst erfahren wir wenig. So ist unklar, ob es nur die Artificial Friends gibt oder auch noch andere Arten von KIs. Es ist nicht sicher, wie diese funktionieren und wie sie programmiert sind. Das war gerade im letzten Teil dann auch nochmal schwer einzuordnen, denn es schien, als sei das, was da mit Klara passiert, etwas Normales, aber ich konnte nicht herauslesen, ob es von Anfang an so gedacht war oder ob sich in der Gesellschaft etwas geändert hatte, was dies ausgelöst hat. 

Klara and the Sun hat dabei auf jeden Fall krasse Twists, die man nicht kommen sieht. Gerade in der Mitte des Buches erfahren wir dann Dinge, die mich überrascht haben, die aber irgendwie auch Sinn machen. Es wird also definitiv nicht langweilig, Klara durch diese Welt zu folgen und zu sehen, wie die Menschen mit ihr umgehen. Auch ihre Beziehungen zu den Menschen sind dabei sehr interessant, weil sie eben keine menschlichen Gefühle beinhalten und so doch irgendwie befremdlich wirken, aber gleichzeitig zu einem KI-Charakter passen. Ich fand die Handlung selbst auf jeden Fall total spannend.

Das Ende ist dann auf eine Art wirklich verrückt und man kann es wunderbar diskutieren. Hat Klaras Plan funktioniert, hat der Plan der Mutter funktioniert, oder ist am Ende doch etwas ganz anderes geschehen? Nun, das Buch gibt darauf nicht wirklich Antwort, aber spätestens bei einem Reread kann man da sicherlich Hinweise sammeln. So ist das definitiv ein Ende, von dem man sich dann "Explained"-Videos anschauen kann, wenn man möchte. Das kann man mögen (ich tue es), aber für einige gibt das Buch dann vielleicht auch doch zu wenig vor.

Alles in allem war dieses Buch in sich gut geschlossen. Was geschieht, was wir sehen und verstehen, passt zu dem Fakt, dass es eine KI ist, die uns das erzählt. Man muss nicht alles verstehen, um der Geschichte zu folgen. Und es ist Raum für Diskussion und Spekulation am Ende. Klara ist dabei ein sehr besonderer Charakter, der viel beobachtet und analysiert, aber wenig erkundet und nachfragt. Daher bleibt die Welt, in der wir uns mit ihr bewegen, sehr vage, aber nichts desto trotz sehr spannend, mit vielen Ideen, die man weiter diskutieren kann. Und am Ende ist wie so oft die Frage, ob unsere Welt sich irgendwann in so eine Richtung entwickeln wird.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Welche Interpretation des Endes sagt euch zu?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 24. März 2021

The Midnight Library - Die Mitternachtsbibliothek

Hallo liebe Lesehasen,

diesen Post bekommt ihr heute in Teamwork, denn dieses Buch haben Blue und Kitty zusammen gelesen. Das Buch ist zeitgleich auf Englisch und Deutsch erschienen, Kitty hat auf Englisch und Blue auf Deutsch gelesen. Es ist auf jeden Fall ein interessantes Buch, das man auch gut diskutieren kann.

Die Fakten:

  • Autor: Matt Haig
  • Titel: The Midnight Library/Die Mitternachtsbibliothek
  • Übersetzung: Sabine Hübner
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Canongate Books/Droemer
  • Seiten: 288/320
  • Preis: 8,09 Euro/20,00 Euro
  • Klappentext: "Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können. Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?"

Zur Handlung: Nora Seed hat im Leben viel bereut: dass sie mit dem Schwimmen aufgehört hat, dass sie mit ihrem Bruder den Band-Deal nicht angenommen hat, dass sie ihren Verlobten dann doch nicht geheiratet hat, dass sie mit der besten Freundin nicht nach Australien gegangen ist. All ihr Zögern und ihre schlechten Entscheidungen haben sie an einen Punkt gebracht, an dem sie eines fühlt: Verlorensein.

Doch also Nora auch noch ihren Aushilfsjob verliert, ihre Katze stirbt, ihr Nachbar ihre Hilfe nicht mehr braucht und ihre einziger Klavierschüler abspringt, ist es für Nora genug. Sie beschließt, dass wirklich niemand sie mehr braucht und sie dieses Leben endlich hinter sich lassen kann. Doch anstatt zu sterben, landet Nora in einer riesigen Bibliothek mit der Bibliothekarin aus ihrer Schulzeit, die ihr plötzlich alle Möglichkeiten des Lebens eröffnet.

Blues Meinung: So viele Aspekte auf so wenig Seiten, ich war überfordert. Es beginnt mit einer eher düsteren Stimmung. Wir werden mit Nora in eine tiefe Depression gezogen, bis sie sich schließlich umbringen möchte. Das sowas oft schwieriger ist als gedacht, kennt man aus anderen Geschichten. 

Völlig fasziniert hat mich die Zwischenwelt also in Noras Fall die Bibo und ich frage mich immer noch was das wohl bei mir wäre. Es ist auf jeden Fall ein schöner Gedanke wenn Sterben manchmal so ist, eine neue Chance.

In den ersten Kapiteln, die sehr unterschiedlich aufgebaut sind, lernen wir einige Figuren kennen, die später immer wiederkehren. Ich hatte da sehr bald eine Ahnung wie alles enden könnte und naja es war fast richtig, einen kleinen Zusatz gab es noch. Allerdings ist das auch einer meiner größten Kritikpunkte - diese Vorhersehbarkeit. Vielleicht ist es auch gut wenn man weiß wie es wird, da dann die Vorstellungen von dem Sinn im Leben wohl ähnlich sind.

Es gibt auch einen Charakter der als Contrapart zu Nora eingebaut. Im ersten Moment scheint er ein ganz toller und begeisternder Mensch zu sein, ist er aber nicht, er ist eigentlich eher leer. 

Wen ich absolut mochte war Mrs Elms. Sie ist eigentlich undefinierbar. Doch wenn sie reagiert, könnten das auch Antworten von mir sein, daher habe ich mich sehr in ihr wiedergefunden.

Sehr sympathisch war der Facettenreichtum Noras. Ihre philosophischen Züge haben es mir dabei am meisten angetan und diese schwere Kost war wunderbar leicht in die Zeilen eingebunden.

Der Schreibstil der Autorin macht Spaß. Mit dem Aufbau des Buches fliegt man geradezu durch die Seiten. Die Stimmung des Buches ist zu Beginn eher düster und entwickelt sich so ab der Hälfte endlich positiver. Das hat mir zu schaffen gemacht. Klar passt das super zum Inhalt und der Moral, aber es hat bei mir eben etwas bedrückend ausgelöst.

Grundsätzlich möchte ich das Buch aber jedem empfehlen der schon immer mal am eigenen Leben viel zu viel gezweifelt hat. Ganz unbedingt würde ich auch sagen, dass es für Kinder ab 12 total lesenswert ist. 

Kittys Meinung: Mir hat das Buch gut gefallen. Ich mochte vor allem Nora als Hauptfigur. Sie leidet unter Depressionen und lebt ein sehr einsames Leben. Dabei haben sich nach und nach alle ihre Kontakte aufgelöst, was Nora auf verschiedene Entscheidungen in ihrem Leben schiebt. Allerdings sehen wir im Laufe des Buches, dass diese Entscheidungen nicht einfach so gefallen sind, sondern Nora teilweise gute Gründe hatte.

Das Buch greift dabei natürlich schwere Themen auf: da ist der Tod des geliebten Haustiers noch recht harmlos. Aber es geht auch viel um Erwartungen an uns selbst und an andere. In manchen Leben, die Nora besucht, sind Personen, die ihr sehr wichtig sind, nicht mehr am Leben. Aber es geht auch um Glück - und dass das nicht immer da zu finden ist, wo man vielleicht vermutet.

Nach und nach macht Nora so eine große Verwandlung durch, womit sich auch der Ton des Buches ändert. Während Nora zu Beginn sehr stark von dem getrieben ist, was sie bereut, und dann sieht, dass die Reue eigentlich unnütz ist, will sie gegen Ende wirklich lieber ein Leben finden, dass "es wert ist zu leben" - was immer das sein mag. Und damit wird auch der Ton etwas leichter.

Das Buch zeigt auch sehr schön, dass man sich nicht für das Glück der anderen verantwortlich machen sollte. So gibt es zwei Figuren im Buch, die Nora in ihrem tatsächlichen Leben immer dafür verantwortlich gemacht haben, dass sie nicht glücklich sind. Und Nora hat diese Verantwortung angenommen und verinnerlicht. In der Bibliothek erkennt sie dann aber ihren Fehler - denn in den Leben, in denen sie sich so verhalten hat, wie es erwartet wurde, sind die beiden Figuren auch nicht glücklich.

Alles in allem hat das Buch für mich also viele gute Messages, die sich damit beschäftigen, was ein gutes Leben ist, was man bereuen sollte und was nicht, und dass Vieles immer eine Frage der Perspektive bleiben wird. Trotzdem ist das Buch bei den Messages nicht gerade zögerlich, sondern schmiert sie einem dick aufs Brot - ich glaube, das mögen nicht unbedingt alle. Mir hat es gut gefallen, ganz zum Lieblingsbuch reicht es aber nicht.

Welches Leben würdet ihr ausprobieren, wenn ihr euch in der Mitternachtsbibliothek wiederfinden würdet?

Bis bald,

Eure Blue und Kitty


Blues Bewertung:

Kittys Bewertung:

Sonntag, 22. November 2020

Stories of Your Life and Others


Hallo meine SciFi-Freunde,

diese Kurzgeschichtensammlung hat mich sehr gespannt gemacht. Soweit ich es sehen kann, ist diese Ausgabe gerade neu erschienen, aber an sich sind die Kurzgeschichten alle schon älter. Aufgeregt war ich vor allem, weil hier die Kurzgeschichte enthalten ist, die einen meiner absoluten Lieblingsfilme inspirierte: Arrival. Und ich dachte mir, wenn die anderen Geschichten so gut sind wie diese, was für eine geniale Sammlung wird das sein?!

Die Fakten:
  • Autor: Ted Chiang 
  • Titel: Stories of Your Life and Others
  • Erschienen: 2020 (erstmals 2014)
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 338
  • Preis: 9,29 Euro
  • Klappentext: "With Stories of Your Life and Others, his masterful first collection, multiple-award-winning author Ted Chiang deftly blends human emotion and scientific rationalism in eight remarkably diverse stories, all told in his trademark precise and evocative prose. From a soaring Babylonian tower that connects a flat Earth with the firmament above, to a world where angelic visitations are a wondrous and terrifying part of everyday life; from a neutral modification that eliminates the appeal of physical beauty, to an alien language that challenges our very perception of time and reality, Chiang's rigorously imagined fantasias invite us to question our understanding of the universe and our place in it."

Zunächst sage ich etwas zu jeder Geschichte und dann gebe ich euch meine abschließende Bewertung:
  • Tower of Babylon
In dieser Geschichte über etwa 30 Seiten folgen wir Hillalum, einem Minenarbeiter, der mit seinen Kollegen nach Babylon kommt. Seit Jahrhunderten wird dort an einem Turm gebaut, der ein Tor zum Himmel werden soll. Inzwischen hat dieser Turm das Ende des Himmels erreicht, wo eine Granitdecke den Zugang zum Himmel verbirgt. Die Minenarbeiter sollen nun gemeinsam mit Baumeistern aus Ägypten einen Weg durch den Granit bahnen. Hillalum macht sich an die monatelange Reise den Turm hinauf und beginnt seine Arbeit. Was er am Ende findet, ist nicht das, was er gesucht hat. Ich liebe ja ein gutes Wüstensetting und ich mag diese Art die Geschichte vom Turm von Babel neu zu interpretieren. Außerdem entsteht in dieser Version ein ganz anderes Bild von Gott, der nämlich genau wusste, was für Menschen er da schuf. Und ich mochte die Darstellung der alten Techniken des Steinbearbeitens. Ich gebe der Geschichte 4 von 5 Sterne.
  • Understand
Diese Geschichte mit knapp 50 Seiten folgt einem ähnlichen Konzept wie der Film Lucy (2014). Allerdings würde der Autor das vielleicht nicht als Kompliment auffassen. Wir folgen einer Person, die eine Art Unfall hat und dadurch große Verletzungen im Gehirn erleidet. Mit einem neuen Medikament kann sie jedoch geheilt werden, denn dieses Medikament sorgt dafür, dass sich Neuronen neu bilden und neu verzweigen. Schnell zeigt sich jedoch, dass es Nebeneffekt der Behandlung ein rasanter Anstieg der Intelligenz ist. Ich fand es faszinierend, wie man der Geschichte mit der Zeit immer schlechter folgen kann, da der Protagonist so stark an Intelligenz gewonnen hat. Am Ende kann man kaum mehr greifen, was eigentlich geschieht. Am Ende geht es aber um die Frage, was könnte ein Mensch alles tun, wenn er seinen Verstand auf so eine erhöhte Ebene brächte... Ich gebe auch dieser Geschichte 4 Sterne. Im Anhang schreibt der Autor, dass dies die älteste Geschichte in der Sammlung ist.
  • Division by Zero
In dieser eher kurzen Geschichte von etwa 25 Seiten geht es um eine Mathematikprofessorin, der es gelingt zu beweisen, dass Mathematik inkonsistent ist, und die mit diesem Wissen nicht mehr weiterleben kann. Ich muss sagen, diese Geschichte hat mir nur noch mehr gezeigt, dass ich Mathe einfach nicht mag - für mich ist das abgehobener Kram, der an den wahren Problemen der Welt vorbeigeht. Ich weiß, viele werden das anders sehen. Aber es ist einfach nicht für mich. Die Geschichte war trotzdem sehr interessant, aber ich fühle mich ein bisschen dumm für sie. Daher gebe ich sehr hohe 3 von 5 Sternen.
  • Story of Your Life
Ohne zu übertreiben kann ich sagen, dass dies die beste Kurzgeschichte ist, die ich je gelesen habe. Auf 70 Seiten entspinnt Ted Chiang eine Geschichte über "Aliens", die angelehnt vermutlich an den Klassiker War of the Worlds Heptapods genannt werden und zur Erde kommen. Aufgrund ihrer anderen Wahrnehmung der Welt gibt es für sie keine Unterscheidung zwischen Vergangenheit und Zukunft, und damit im klassischen Sinne auch keinen freien Willen. Wer Arrival gesehen hat, hat eine gute Vorstellung davon, worum es geht. Ich liebe alles an der Geschichte. Sprachlich ist sie spannend, da häufig Formulierungen verwendet werden wie "I remember [...], you will do [...]", was im Rahmen der Geschichte so viel Sinn macht. Inhaltlich finde ich die Diskussion total spannend, ob das Konzept von freiem Willen Sinn macht. Und es sind einfach so interessante Verknüpfungen mit Physik und Philosophie und Kognition und Sprache darin. Ich würde dieser Geschichte 100 von 5 Sternen geben.
  • Seventy-Two Letters
 In dieser ziemlich langen Geschichte werden Sprache, Mathematik und Magie miteinander verwoben. Der Hauptcharakter lebt in einer Welt, in der mit Sprache magische Dinge vollbracht werden können, allerdings nicht mit Sprache wie wir sie kennen, sondern mit einer hochanalytischen Sicht auf Sprache, die eher an Mathe erinnert. Dabei fühlt sich das Setting eher historisch an, was ich in Sci-Fi irgendwie cool finde. In dieser Welt nun gerät der Protagonist in eine Art Geheimgesellschaft, die die Menschheit mit dieser Technik retten möchte, denn ihr Aussterben steht kurz bevor. Ich fand die Geschichte total spannend und es wurden so viele wichtige Themen darin aufgeworfen. Ich gebe ihr 5 Sterne.
  • The Evolution of Human Science
 Diese sehr kurze Geschichte wurde für das Magazin Science geschrieben. Hierin beschäftigt sich Chiang mit der Frage, wie Wissenschaft in der Zukunft aussehen könnte, und welche Rolle der Mensch darin eigentlich noch spielen kann. Da ich selbst in der Wissenschaft arbeite, war seine Vision schon angsteinflößend, aber da die Geschichte so kurz ist, ist die Idee nicht sehr weit ausdifferenziert und als Leser kann man dann selbst weiterdenken. Ich gebe der Geschichte 4 Sterne.
  • Hell is the Absense of God
Diese Geschichte war schon namensgebend für eine Kollektion von Geschichten des Autors. Hier geht es um eine Welt, in der Engel tatsächlich zur Erde kommen und Segen verteilen. Allerdings sind diese Erscheinungen immer von Naturkatastrophen verbunden, sodass vielleicht 4 Personen geheilt werden durch den Engel, 10 aber verletzt und weitere 5 getötet werden. Wir folgen drei Protagonisten durch diese Welt und ich fand die Idee total spannend. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.
  • Liking What You See: A Documentary
 Diese letzte Geschichte ist wie ein Transkript einer Dokumentation gestaltet. Wir befinden uns in einer Welt, in der eine Technik es erlaubt, dass Menschen Gesichter zwar erkennen, aber nicht in ihrer Attraktivität bewerten können. Diese Technik heißt Calli umgangssprachlich. Wir folgen hauptsächlich einem Mädchen, dass in einer Schule aufgewachsen ist, in der alle Calli aktiviert hatten. Jetzt kommt sie ans College und denkt daran, Calli deaktivieren zu lassen, um zu sehen, wie die Welt "wirklich" aussieht. Gleichzeitig gibt es an dem College eine Initiative Studierender, um Calli für alle zur Norm zu machen. Das wollen aber bestimmte Industrien nicht zulassen. Ich fand diese Geschichte auch so interessant, vor allem weil sie bereits 2001 veröffentlicht wurde. Es geht um den Einfluss von Werbung und der Beauty-Welt auf unsere Vorstellungen von Attraktivität - ein Thema, dass mich auch aus wissenschaftlicher Sicht sehr interessiert. Es gibt aber von mir ganz persönlich Punktabzug, weil die Soziologie-Professorin in dieser Geschichte so blöd dargestellt wurde. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Daher 4 Sterne für diese Geschichte.

Zusammengefasst war dies ein unglaubliches Werk. Ich bin sehr froh, dass ich mir für die einzelnen Geschichten immer viel Zeit genommen habe und das Buch nicht hintereinander weg gelesen habe. Dadurch konnten die einzelnen Ideen wirklich wirken. Außerdem sind die Geschichten auch mit großen Time-Gaps geschrieben worden, sodass es Sinn macht, sie ein bisschen zu trennen. 

Die Geschichten sind alle völlig individuell, keine gleicht der nächsten, und alle Konzepte sind genial. Es gab nicht eine Geschichte, die mir nicht wenigstens ein bisschen gefallen hat, obwohl es natürlich ganz klare Favoriten gab. Besonders schön fand ich, dass am Ende des Buches zu jeder Geschichte ein kurzer Kommentar des Autors steht, wie die Geschichte entstanden ist und ähnliches. Ich kann nur sagen, dass Ted Chiang ein Meister des Sci-Fi-Genres ist, und ihr solltet diese Geschichten unbedingt lesen, wenn ihr das Genre interessant findet.

Kennt ihr den Autoren schon? Oder wusstet ihr gar nicht, dass Arrival auf einer Kurzgeschichte basiert? 

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: