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Dienstag, 26. März 2024

Warrior Girl Unearthed


Hallo meine Lieblingsleser,

jetzt habe ich doch etwas unfreiwillig wieder eine längere Pause gemacht, aber ich musste auf Arbeit zu viel schreiben, als dass ich dann abends auch noch tippen wollte. Jetzt ist aber Osterurlaub, und hoffentlich kann ich hier auch ein bisschen was abarbeiten. Heute kommen wir zu einem Buch, das ich heiß ersehnt habe. Das erste Buch der Autorin, Firekeeper's Daughter, war für mich ein Überraschungshit, und manchmal macht mir das dann etwas Angst, wenn ein nächstes Buch erscheint. Die beiden sind lose miteinander verbunden, aber ihr könnt sie auch unabhängig voneinander lesen. 

Die Fakten: 

  • Autor: Angeline Boulley
  • Sprecher: Isabella Star LaBlanc
  • Titel: Warrior Girl Unearthed
  • Erschienen: 2023
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 11 Std 32min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Perry Firekeeper-Birch was ready for her Summer of Slack but instead, after a fender bender that was entirely not her fault, she’s stuck working to pay back her Auntie Daunis for repairs to the Jeep. Thankfully she has the other outcasts of the summer program, Team Misfit Toys, and even her twin sister Pauline. Together they ace obstacle courses, plan vigils for missing women in the community, and make sure summer doesn’t feel so lost after all. But when she attends a meeting at a local university, Perry learns about the “Warrior Girl”, an ancestor whose bones and knife are stored in the museum archives, and everything changes. Perry has to return Warrior Girl to her tribe. Determined to help, she learns all she can about NAGPRA, the federal law that allows tribes to request the return of ancestral remains and sacred items. The university has been using legal loopholes to hold onto Warrior Girl and twelve other Anishinaabe ancestors’ remains, and Perry and the Misfits won’t let it go on any longer. Using all of their skills and resources, the Misfits realize a heist is the only way to bring back the stolen artifacts and remains for good. But there is more to this repatriation than meets the eye as more women disappear and Pauline’s perfectionism takes a turn for the worse. As secrets and mysteries unfurl, Perry and the Misfits must fight to find a way to make things right–for the ancestors and for their community."

Zur Handlung: Alles, was Perry will, ist, ihren freien Sommer mit Fischen zu verbringen. Sie liebt die Natur, und sie liebt das Angeln, und ihr liegt nichts an einer akademischen Karriere, an der Schule oder einem Abschluss von der Uni. Doch als Perry aus Versehen in einen Unfall gerät, bei dem ihr Auto beschädigt wird, muss sie zusammen mit ihrer perfekten Zwillingsschwester ein Sommerpraktikum absolvieren, um für die Reparatur zahlen zu können.

So landet Perry im Museum, um ihr Praktikum zu verrichten - und das bei dem Betreuer, den die meisten in ihrem Umfeld für ziemlich verrückt halten. Doch Perry stellt schnell fest, dass man manche Vorurteile besser ignorieren sollte, und lebt sich gut in ihren Job ein. Dann wird sie auf ein Treffen mitgenommen, bei dem es um die Rückgabe von kulturellen Gegenständen und Überresten an indigene Völker geht, und sie muss feststellen, dass das System dieser Repratiierung in den USA unzulänglich ist, und sie etwas tun muss...

Gleich zu Beginn möchte ich sagen: dieses Buch wird teilweise als Heist-Geschichte beworben, also eine Geschichte, in der ein Verbrechen geplant und durchgeführt wird, und wir für die Verbrecher sind. Hier möchte ich direkt warnen, dass die Frage, ob ein Rückdiebstahl von Gebeinen und kulturellen Gegenständen nötig ist und wie dieser aussehen könnte, nur einen kleinen Teil des Buches darstellt. Wenn ihr das Buch nur dafür lest, werdet ihr sehr lange darauf warten.

Perry Firekeeper ist die Nichte unserer Hauptfigur aus dem ersten Buch der Autorin. Dadurch sind die Bücher theoretisch verbunden, inhaltlich macht es wenig Unterschied. Manche Anspielungen werdet ihr dann vielleicht nicht verstehen, aber das ist nie etwas Wichtiges, sondern eher so Cameo-Auftritte. Perry ist ähnlich wie Daunis eine Kämpernatur, aber am Anfang der Geschichte weiß sie es vielleicht noch nicht. Während Daunis sich sehr für ihre Familie aufopfern wollte, aber auch wirklich gern ans College, ist Perry zufrieden mit ihrem Leben, und sie liebt die Nähe zur Natur, das Angeln, und die Wertschätzung, die ihre Vorfahren der Natur schon so lange entgegengebracht haben. Ich mochte Perrys Entwicklung in diesem Buch sehr, wie sie etwas findet, dass sie bewegt und antreibt, und wie sie trotzdem sie selbst bleibt. Eine sehr spannende Hauptfigur für mich.

Neben Perry gibt es noch weitere wichtige Figuren. Pauline ist ihre Zwillingsschwester und eher die akademisch Begabte, das goldene Kind. Aber sie kämpft auch mit Angststörungen und nervösen Ticks. Ich mochte, wie nah sich die beiden Schwestern sind, obwohl sie so unterschiedlich sind. Ich liebe es, wenn Geschwister sehr verschieden, aber tief verbunden in Geschichten dargestellt werden. Daneben haben wir die anderen Teenager, die mit Perry für das Praktikum zusammenarbeiten, eine Teenager-Mutter, die sich nicht auf Klischees reduzieren lässt, Perrys besten Freund aus Kindheitstagen, und einen neuen Jungen, der Interesse an Perry hat. Ich mochte diese Charaktere alle, und sie ergeben eine tolle Gruppe von Misfits. 

Dann haben wir noch Perry Chef vom Praktikum. Diesen Charakter mochte ich auch so sehr. Die Leute halten ihn für verrückt, aber das ist er eigentlich gar nicht. Er gibt nur wenig darauf, was andere von ihm denken. Ihm ist die Bewahrung der Kultur seiner Vorfahren enorm wichtig, und damit auch die Repatriierung. Er geht mit Perry wie mit einer erwachsenen Person um, kümmert sich sehr gut um sie, aber zeigt ihr auch Grenzen. Eine ganz tolle Mentorenfigur. 

Inhaltlich lernen wir viel darüber, warum die Rückgabe von kulturellen Gegenständen und Überresten aus Museen und Universitäten an indigene Völker so enorm wichtig ist. Dabei werden auch die Möglichkeiten aufgezeigt, mit denen Institutionen den Prozess über Jahrzehnte hinauszögern können. Besonders eklig ist auch die Darstellung, wie manche Wissenschaftler die Gebeine als ihr Eigentum ansehen, weil sie diese schon längere Zeit beforschen. Leider bestimmt gar zu realistisch. Ich habe hier auf jeden Fall viel gelernt, und finde das Thema auch unglaublich relevant. Auch in Deutschland gibt es einiges zurückzugeben, und auch hier geht es nur schleppend voran, auch wenn es hier eher mit der Kolonialgeschichte verbunden ist.

Im Kern ist dieses Buch aber schon auch eine Mystery-Geschichte, denn während das alles vor sich geht, verschwinden junge Frauen aus der Community. Immer mehr wird klar, dass hier ein Muster vorliegt, und an einem bestimmten Punkt wird Perry mit ihren Freunden in diesen Fall hineingezogen. Hier wird es am Ende dann auch nochmal spannend und gefährlich für unsere Charaktere. Ich habe auf jeden Fall mitgefiebert, aber auch gut mitgeraten. 

Alles in allem war das Buch für mich wieder ein voller Erfolg. Ich bin gespannt und freue mich darauf, was die Autorin als nächstes schreibt. Sie ist eine begnadete Geschichtenerzählerin. Es gibt nichts, was mit an dem Buch nicht gefallen hat. Einzig und allein habe ich ein bisschen bereut, dass ich Firekeeper's Daughter nicht nochmal gelesen hatte vor diesem Buch, weil ich dadurch sicherlich von den Cameo-Sachen auch nicht alles mitbekommen habe. Aber irgendwann lese ich beide Bücher nochmal, vielleicht wenn es ein weiteres Buch aus dieser Welt geben sollte.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 22. Februar 2024

The Changeling


Hallo meine Horrorhasen,

machen wir direkt weiter mit einem Buch, das ich gerade erst beendet habe. Victor LaValle habe ich schon lange auf meiner Wunschliste gehabt, und letztes Jahr war er mit seinem neuen Buch sehr erfolgreich. Ich wollte trotzdem gern mit diesem beginnen, weil es viele Preise gewonnen und viel gelobt worden ist. Und ich bereue diese Entscheidung nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Victor LaValle
  • Sprecher: Victor LaValle
  • Titel: The Changeling
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Random House Audio
  • Dauer: 14 Std 2min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "When Apollo Kagwa's father disappeared, he left his son a box of books and strange recurring dreams. Now, Apollo is a father himself - and as he and his wife, Emma, settle into their new lives as parents, exhaustion and anxiety start to take their toll. Apollo's old dreams return, and Emma begins acting odd. At first, Emma seems to be exhibiting signs of postpartum depression. But before Apollo can do anything to help, Emma commits a horrific act and vanishes. Thus begins Apollo’s quest to find a wife and child who are nothing like he'd imagined. His odyssey takes him to a forgotten island, a graveyard full of secrets, a forest where immigrant legends still live, and finally back to a place he thought he had lost forever."

Zur Handlung: Alles beginnt mit einer jungen Frau, die aus Afrika in die USA flieht, und dort einen weißen Mann kennen lernt. Alles beginnt mit seinem Durchhaltevermögen, wenn sie nicht einwilligen will mit ihm auf ein Date zu gehen. Alles beginnt mit der Geburt ihres Sohnes Apollo, der zu einem Jungen heranwächst, der Alpträume zum Verschwinden seines Vaters hat, und Bücher liebt. Alles beginnt mit einem Bibliotheksverkauf, bei dem dieser Junge, nun selbst erwachsen, die Liebe seines Lebens trifft, und ein Jahr darauf wartet, dass sie von einem Abenteuer zurückkehrt. Alles beginnt mit der Geburt seines Sohnes.

In dieser Geschichte folgen wir den komplizierten Familiendynamiken der Kagwas und den Geheimnissen, die die Familienmitglieder voreinander bewahren. Vermischt wird das ganze mit mythischen Sagen, die vielleicht wahr sind, aber vielleicht auch nur dazu dienen, das Schrecklichste irgendwie verständlich zu machen. Und die Frage, die sich Apollo Kagwa stellen muss: ist er ein guter Vater?

Wenn man dieses Buch zu lesen beginnt, dann ist zunächst nichts davon Horror. Es ist eher eine Familiengeschichte, die auch noch sehr romantisch und mit viel Feingefühl erzählt wird. Das bleibt so für das erste Viertel des Buches. Der Autor nimmt sich Zeit die Charaktere vorzustellen und ein kleines realistisches Idyll einer Familie aufzubauen, sodass dann die Fallhöhe noch größer ist. Und oh mein Gott, war die Fallhöhe große.

Apollo als Hauptcharakter ist an sich gut gewählt, aber war für mich persönlich manchmal anstrengend. Er versucht so sehr ein guter Vater zu sein. Dabei gibt es einige Kommentare zu den "New Dads", und auch einige Fehler, die er begeht, die man im Jahr 2024 meilenweit sehen sollte. Aber natürlich ist das bis heute nicht bei allen angekommen, und 2017 sah das noch ganz anders aus. Was ich hier so kryptisch umschreibe, ist zum Beispiel die Tatsache, dass man keine 100 Fotos seines Kindes einfach ins Internet stellt, egal wie sehr man sich nach Likes sehnt.

Neben Apollo haben wir zwei wichtige Frauen. Einerseits ist da seine Mutter, die ihn zum Großteil allein aufgezogen hat, und wo definitiv Geheimnisse ans Licht komment werden. Ich mochte diese Frau, die so viel auf sich genommen hat, um ein Leben in den USA zu starten. Doch wie das immer so ist mit Eltern und Kindern, weiß Apollo nicht alle ihre Opfer zu schätzen. Und dann haben wir Emma, die ich am Anfang sehr mochte. Sie ist Bibliothekarin und für Apollo nicht leicht herumzukriegen. Doch nach und nach entfremden sich Apollo und Emma, und dadurch wird Emma auch eine Fremde für uns Leser.

In diesem Buch steckt sehr viel drin und es passiert auch sehr viel. Wie gesagt, der Anfang liest sich nicht wie ein Horror. Im zweiten Viertel passieren dann sehr grausame und schreckliche Dinge, sodass da eher Horrorgefühle aufkommen. Dann wandelt es sich aber eher Richtung Thriller, denn Apollo versucht herauszufinden, warum diese schrecklichen Dinge geschehen sind, und begibt sich auf eine Art Jagd. Am Ende erfahren wir dann, was das Übel ist, was hinter allem steht, und dann kommen Horrorelemente zurück. Alles in allem ist das für mich aber kein klassischer Horrorroman, auch wenn viel Schreckliches darin geschieht.

Ich würde auf jeden Fall allen Personen abraten dieses Buch zu lesen, die gerade frisch Eltern geworden sind oder in nächster Zeit (nochmal) Eltern werden. Das Buch beschäftigt sich viel mit dem Verlust von Kindern und mit deren Verschwinden. Gleichzeitig kommen auch Themen wie Post Partum Depressionen vor. Allerdings ist es auch nicht unbedingt das perfekte Buch, wenn ihr nicht gern über Kinder lest, denn vor allem in dem ersten Viertel werden dann doch ziemlich viele Windeln gewechselt. Ich habe mich durch den Teil etwas durchgebissen, ging schon.

Ich fand die Auflösung am Ende nicht perfekt gelungen. Es gibt dann doch noch viele lose Fäden, zu denen ich nicht genug Antworten bekommen habe, um das Buch zu einem neuen Favoriten zu machen. Es ist schwer das ohne spoilern zu erklären, aber für mich hat es gar keinen Sinn gemacht, dass Apollo und Emma die ersten sind, die etwas gegen das Übel unternehmen. Dass sie vielleicht als erste erfolgreich sind, ok, aber niemand hat sich da mal aufgelehnt? Mit allem, was die so wissen?

Trotzdem hat das Buch viele wundervolle Momente, viele schaurige Momente, und es nimmt einen wirklich mit auf eine Reise. Ich bin sehr froh, dass ich das Buch endlich gelesen habe, auch wenn das Grundkonzept von einem Changeling, also einem Kind, das einem von magischen Wesen untergejubelt wird, für mich eher abschreckend war. Aber es hat sich gelohnt und ich werde mehr Victor LaValle lesen.

Wenn ihr Apple TV+ habt, könnt ihr euch zum Buch auch eine Serie anschauen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 13. November 2023

Grave Secrets


Hallo meine Lieblingsleser,

ich habe gerade mein erstes Mal Corona hinter mir und bin noch arg am Rumhusten. Meinen Leseplänen hat es zum Glück nicht zu viel geschadet, auch wenn ich eine Woche lang alte Filme geschaut habe. Heute möchte ich euch jetzt frisch genesen von einem Buch berichten, dass ich schon vor einigen Wochen gelesen habe. Es gehört zu einer Reihe, die ich sehr liebgewonnen habe.

Die Fakten:

  • Autor: Kathy Reichs
  • Titel: Grave Secrets (dts. Knochenlese)
  • Reihe: Temperance Brennan 5
  • Erschienen: 2002
  • Verlag: Arrow Books
  • Seiten: 420
  • Preis:
  • Klappentext: "In the searing heat of Guatemala, Dr Temperance Brennan must harden herself against the horrors she excavates. And the four young girls go missing from Guatemala City. When a skeleton is found at the back of a rundown hotel, only someone with Tempe's expertise can deduce the identity and cause of death. But as she searches for answers, her path is blocked at every turn. It is clear that some people will stop at nothing to keep Guatemala's secrets burried."

Zur Handlung: Temperance Brennan ist diesmal an Ausgrabungen von Massengräbern in Guatemala beteiligt, als das Verbrechen sie wieder einmal einholt. Dabei stellen schon die vielen Morde, die in diesem Land vor nicht allzu langer Zeit vor allem an indigenen Menschen begangen wurden, eine emotionale Herausforderung für die Forscher dar. Doch nun soll Tempe auch in einem Vermisstenfall helfen.

Eine Leiche wurde in einer Jauchengrube hinter einem Hotel gefunden. Da Tempe vor Kurzem einen wissenschaftlichen Artikel dazu verfasst hat, wie solche Überreste geborgen werden können, ohne zu viele Spuren zu zerstören, wird sie von der lokalen Polizei - einem äußerst attraktiven Ermittler - hinzugezogen. Doch der zuständige Staatsanwalt scheint nicht begeistert über die ausländische Hilft zu sein, und versucht Tempe Zugriff auf den Fall zu verwehren.

Dieses Buch stellt nun schon den 5. Band der Reihe dar, die die Serie Bones inspiriert haben. Dabei verweise ich immer darauf, dass sowohl Charaktere als auch Handlung komplett anders sind als in der Serie. Dennoch habe ich die Buchreihe sehr lieb gewonnen, sie sind schöne Kriminalgeschichten, bei denen die wissenschaftliche Seite der Ermittlungen nicht zu kurz kommt, was mir sehr gut gefällt.

Tempe als Hauptfigur gefällt mir immer richtig gut. Sie ist schon im fortgeschrittenen Alter und auch in einer fortgeschrittenen Phase ihrer Karriere, weswegen sie hier eben auch für den Fall herangezogen wird. Ich mag ihre Bindung zu ihrer Katze Birdie, und natürlich mag ich, dass sie Wissenschaftlerin ist, denn das bin ich auch, und gerade das akademische an den Büchern mag ich so gern. Irgendwie motivieren mich diese Bücher immer, auch wenn ich keine Mordfälle aufklären möchte.

Schon seit einigen Bänden erhalten wir ja auch Einblick in das Liebesleben von Tempe, und neben Detective Ryan habe ich ja auch ein bisschen einen ungesunden Ship mit dem Herrn Claudel. Hier bekommen wir jetzt eine neue Möglichkeit geliefert mit einem guatemalischen Detective, der allerdings Ryan noch aus einer Zeit in Kanada kennt. Es wird also nicht langweilig in Tempe's Privatleben.

Neben den Teilen der Geschichte, die hier aus den Vorgängern also fortgesetzt werden, haben wir natürlich den Fall, wobei hier wieder zwei verschiedene Jobs ineinander greifen. Wir lernen einerseits von den Genoziden in Guatemala, aufgrund derer in verschiedenen ländlichen Gegenden viele Menschen in Massengräbern liegen. Diese gilt es zu finden und zu identifizieren, damit sie den Familien übergeben und ordenlich bestattet werden können. Dabei wurden vor allem indigene Menschen getötet. Von der guatemalischen Geschichte habe ich absolut keine Ahnung und fand daher diesen Einflick sehr interessant. Dennoch möchte ich hier auch erwähnen, dass das Buch inzwischen 20 Jahre alt ist, und manche Formulierungen und Beschreibungen in dem Zusammenhang vermutlich anders gemacht würden. Ich will der Autorin hier keinen bösen Willen unterstellen, sondern eher, dass sich unsere Wahrnehmung von rassistischen Grundtönen sensibilisiert hat.

Der andere Fall betrifft die vermissten Mädchen und erscheint damit auf den ersten Blick etwas klassischer für das Genre. Doch die Auflösung hier wird dann auch mit einer politischen Ebene verstrickt und geht nicht in eine Richtung, wie man es zunächst vielleicht annimmt. Dafür muss Tempe dann auch mal ganz schön durch die Welt reisen und einigen Gefahren entgehen, allerdings ohne dass es zu unglaubwürdig zugeht. Ich fand auch diesen Fall interessant.

Am Ende wird es dann natürlich wieder gefährlich für unsere Heldin und es gibt ordentlich mitzufiebern, aber der Täter kann gefasst werden und wir gönnen Tempe eine Pause, bevor wir sie ins nächste Ermittlungsverfahren stürzen. Ich bin nie so ein riesiger Fan vom Showdown dieser Bücher, ich mag lieber die Beschreibung von Tempes alltäglicher Arbeit und ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit. Trotzdem fand ich das Ende befriedigend.

Alles in allem hat mir auch dieser Band wieder gut gefallen und ich werde die Reihe weiterlesen. Ich glaube nicht, dass es mein neuer Lieblingsband ist, aber ich mochte, dass hier romantisch mal wieder einiges vorangeht, und den Blick auf die Geschichte Guatemalas, die mir absolut unbekannt war. Wenn ihr also schon so weit in der Reihe gekommen seid, dann kann ich das weiterlesen hier empfehlen.

Habt ihr Tempe schon mal eine Chance gegeben?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 30. September 2023

Die Nacht der Könige


Hallo meine Lieblingsleser,

heute kommen wir zu einem etwas mysteriösen Buch, und deswegen müsst ihr meine Meinung auch mit etwas Augezudrücken lesen. Ich habe dieses Buch ohne Schutzumschlag in einem Bücherschrank gefunden, vor vielen Jahren. Jetzt habe ich es gelesen, und wie ich auf der letzten Seite bin, sehe ich, dass das Buch beschädigt ist und potentiell auch Seiten fehlen. Es kann also sein, dass ich nicht das richtige Ende gelesen habe, aber wenn, dann fehlen höchstens 1-2 Seiten. Ich denke, ich kann daher trotzdem meinen Eindruck berichten.

Die Fakten:

  • Autor: Stefan Beuse
  • Titel: Die Nacht der Könige
  • Erschienen: 2002
  • Verlag: Piper
  • Seiten: 212
  • Preis: 18,oo Euro
  • Klappentext: "Eine, höchstens zwei Wochen hofft Jakob Winter für diesen Auftrag zu brauchen. Dann will er seiner Familie in den Sommerurlaub folgen. Doch die Begegnung mit der rätselhaften Lilly führt ihn an die Abgründe seiner Existenz. Wer ist sie? Und warum versucht Jakob Winter verzweifelt, ihr näherzukommen?"

Zur Handlung: Unser Protagonist ist Werbetexter und während seine Familie in den Ferien ist, muss er noch einen wichtigen Auftrag für seine Firma an Land ziehen. Doch als er mit seiner attraktiven Kollegin bei dem Auftraggeber ankommt, ist er verwundert über die Assistentin des Mannes. Sie scheint völlig fehl am Platz, starrt aus dem Fenster und trotzdem zieht sie ihn wie magisch an.

Am Abend beim Essen in einem Restaurant sieht unser Protagonist sie wieder, und sie gibt ihm ein geheimes Zeichen. Daraufhin findet es eine Videokassette versteckt im Herrenklo, und damit beginnt für ihn eine Reise in die Vergangenheit zu einem Seminar für Führungspersonen, an das er sich nicht mehr erinnern kann. Was kann die Assistentin damit zu tun haben?

Dieses Buch beginnt erstmal sehr seltsam, irgendwie mit diesem komischen Mann und komischen Szenen mit toten Tauben, die vermutlich Stimmung erzeugen sollen. Aber alles braucht echt eine Weile, bis Spannung aufkommt. Die besteht dann mit der Videokassette auch kurz, bis dann plötzlich sehr viel semi-konsentioneller Sex dazukommt und irgendwie alles.... einfach endet? Es wirkte alles sehr zusammengestückelt, und unser Protagonist als Erzähler, dem wir offensichtlich nicht vertrauen können, weil sein Gedächtnis große Lücken hat, das hat auch nicht richtig funktioniert oder für Spannung gesorgt.

Jakob Winter, der im Buch die meiste Zeit nur Winter genannt wird, was mich unwillkürlich an Mr Winter in Rebecca erinnert hat, ist irgendwie halt ein Mann. So mittelmäßig, aber denkt sich größer als er ist. Er hat komische, sexuell aufgeladene Beziehungen zu den Frauen auf seiner Arbeit. Aber irgendwie auch nicht? Er hat auf jeden Fall eine Schraube locker. Er wirkt neurotisch. Sein charakteristischstes Merkmal ist sein Asthma. Könnte sonst jeder sein.

Drumherum haben wir dann seine Kollegin Tatjana, die irgendwie was Besseres verdient hat als Teil dieses Romans zu sein, die Assistentin Lilly, die die seltsamste Art von Manic Pixie Dreamgirl ist, was auch irgendwie Sinn macht, aber vielleicht auch nicht, und Dr Korff, der Auftragsgeber, der vielleicht auch mehr ist. Keiner der Charaktere bleibt einem im Kopf. Morgen werde ich sie alle vergessen haben.

Eigentlich entscheidend für das Buch ist dann ja eher der Thrill, oder die Handlung, die zumindest irgendwie spannend sein will. Aber wie gesagt, die Spannung kann es nicht lange halten. Am Ende wird auch eigentlich nichts aufgeklärt - sofern nicht ein substanzieller Teil in meiner Ausgabe gefehlt hat. Aber es scheint mir eher, als solle beim Leser ein ominöses Gefühl zurückbleiben, dass man am Ende eben einfach nicht schlauer ist als vorher. 

Und so verfolgt man in diesem Buch einfach den seelischen Abstieg von Jakob, ohne so richtig zu verstehen warum, oder was es nun eigentlich ausgemacht hat. Gibt es Konsequenzen für ihn? Wer weiß das schon. Eigentlich bleibt es für mich dann zum Großteil eher eklig, wie seine Gefühle zu der Assistentin und die verschiedenen sexuellen Handlungen beschrieben werden. Mädels, wenn euch jemand mal so behandelt, nehmt die Beine in die Hand. 

Alles in allem empfehle ich euch, von diesem Buch einen möglichst großen Abstand zu halten. Es ist es wirklich nicht wert, auch wenn man es an einem verregneten Nachmittag weglesen kann. Ich gehe mir nachher auf jeden Fall mal die Augen auswaschen. Das war es dann glaube ich für dieses Jahr auch mit meinem Ausflug zu den deutschen Autoren, irgendwie komme ich da (zumindest bei Fiktion) einfach nicht klar.

Habt ihr das Buch gelesen? Hat es mehr als 30 Kapitel? Würde mich interessieren.

Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:



Samstag, 23. September 2023

In My Dreams I Hold A Knife


Hallo meine Thrillerfreunde,

heute mache ich etwas, das ich schon ewig nicht mehr gemacht habe: ich schreibe eine Review, direkt nachdem ich ein Buch beendet habe. Das ist völlig verrückt, aber gerade bei meinem schlechten Gedächtnis eigentlich die beste Art und Weise euch von meinen Leseerlebnissen zu berichten. Dieses Buch habe ich für den Jahres-Readathon im Rahmen von Orilium gelesen, denn ich brauchte ein Dark Academia-Buch. Das Genre und ich verstehen uns nicht immer sehr gut, aber dieses Buch hat mich schon länger interessiert und es war kostenlos auf Audible.

Die Fakten:

  • Autor: Ashley Winstead
  • Sprecher: Vanessa Johansson
  • Titel: In My Dreams I Hold A Knife
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Tantor Audio
  • Dauer: 10 Std 22min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext:

    "Ten years after graduation, Jessica Miller has planned her triumphant return to her Southern, elite Duquette University, down to the envious whispers that are sure to follow in her wake. Everyone is going to see the girl she wants them to see - confident, beautiful, indifferent. Not the girl she was when she left campus, back when Heather Shelby's murder fractured everything, including the tight bond linking the six friends she'd been closest to since freshman year. But not everyone is ready to move on. Not everyone left Duquette 10 years ago, and not everyone can let Heather's murder go unsolved. Someone is determined to trap the real killer, to make the guilty pay. When the six friends are reunited, they will be forced to confront what happened that night - and the years' worth of secrets each of them would do anything to keep hidden."

Zur Handlung: Jessica Miller hat einen der gewöhnlichsten Namen in den USA, aber mit Gewöhnlichsein will sie sich nicht abfinden. Als Kind hat ihr Vater immer von einer großen Karriere nach seinem Harvard-Studium geträumt, und diesen Traum hat Jessica übernommen. Nach Harvard hat sie es zwar nicht geschafft, aber dafür an ein anderes Elite-College. Und nun 10 Jahre nach ihrem Abschluss dort ist sie auch etwas geworden, beruflich erfolgreich, fit und schön. 

Als sie die Einladung zu ihrem 10jährigen Klassentreffen bekommt, kommen bei ihr aber auch andere Erinnerungen wieder hoch - an Heather, ihre Freundin und Mitbewohnerin, die im letzten Studienjahr ermordet wurde. Der Täter wurde nie gefasst, auch wenn alle denken, es muss Heathers damaliger Freundin Jack gewesen sein. Doch Jessica glaubt an Jacks Unschuld und hat zu ihm Kontakt gehalten. Er sagt, sie soll auf jeden Fall zum Treffen gehen, und dann bittet er sie, dass sie Eric, Heathers kleinen Bruder grüßt...

In diesem Buch folgen wir fast ausschließlich Jessicas Perspektive sowohl in der Jetzt-Zeit als auch in Rückblicken während des Studium. Wir sehen ihre enge Freundesgruppe, die campusweit bekannt war, und wie sich in diesem engen Gefüge aus Freundschaften und Liebe viele Geheimnisse verspinnen. Dabei geht es um die ungleiche Behandlung von männlichen und weiblichen Studierenden, aber auch im Fragen nach der Herkunftsklasse und vor allem dem Geld der Familie, neben den vielen persönlichen Belangen und Intrigen.

Jessica selbst kommt eher aus schwierigen Familienverhältnissen, die wir nach und nach mehr zu sehen bekommen. Daher stammt ihr ausgeprägter Wille es mit ihren guten Noten nach ganz ganz oben zu schaffen. Sie will damit nicht nur ihren eigenen Traum, sondern vor allem den ihres Vaters erfüllen. Gleichzeitig hat sie es nicht geschafft ein Stipendium für das Elite-College zu ergattern, sodass sie sich und ihre Familie damit in finanzielle Nöte bringt. 

Neben Jessica lernen wir die sechs Freunde kennen: ihre beste Freundin Caro, die aus einer extrem religiösen Familie stammt und das erste Mal Freunde findet, die charismatische Heather, der alles zuzufliegen scheint, worum Jessica mit Zähnen kämpft, der zurückhaltende Jack, dessen Eltern ebenfalls sehr religiös sind und vor denen er verbirgt, dass er nicht heterosexuell ist, dann Franky, der Football-Star, der ebenfalls den Traum seiner Vaters zu leben hat, der geheimnisvolle Coop, der Drogen verkauft um sich das Studium leisten zu können, und schließlich Mint, der Erbe eines Immobilienunternehmens, der Golden Boy. Und dann ist da noch Courtney, die im entscheidenden Moment die Gruppe verlassen hat und dann nie mehr richtig dazugehörte.

Nach und nach werden dann innerhalb von einem Abend und dem darauffolgenden Tag die Geheimnisse der Gruppe enthült. Dabei wird immer deutlicher, dass Jessica etwas vor sich selbst verdrängt hat, was den Fall am Ende vermutlich lösen können wird. Aber es wird auch deutlich, wie viele Personen ein Motiv gehabt hätten, Heather zu töten. Dabei fand ich es spannend, das wir den Fall nicht aus Perspektive von Eric, dem außenstehenden Hobby-Ermittler, sehen, sondern aus Perspektive einer Verdächtigen.

Das führt aber auch dazu, dass unsere Hauptfigur nicht immer super sympathisch ist, und wir im Verlaufe der Geschichte vielleicht auch schwere Vermutungen ihr gegenüber aufbauen. Mir hat das an sich gut gefallen, aber ich denke, das ist nicht für jeden. Da geht es einfach um den eigenen Geschmack. Auch wenn ich mit Jessica nicht unbedingt befreundet sein will, und sie für ihre über 30 Jahre manchmal noch wie ein Teenager wirkt, ich fand es passend für die Geschichte und ihren Hintergrund.

Alles in allem hat das Buch mich gut unterhalten. Ich fand es schön, dass ich die Reveals immer kurz bevor sie geschehen sind habe kommen sehen, sodass ich nicht das Gefühl hatte, die Charaktere stochern nur im Dunkeln, aber auch nicht, dass es so an den Haaren herbeigezogen war, dass man es nie kommen sieht. Es ist jetzt kein neues Lieblingsbuch, aber doch deutlich besser als ich bei dem Genre oft befürchte. Daher würde ich es empfehlen, wenn es euch interessiert.

Was ist denn euer liebstes Dark Academia-Buch?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 26. Oktober 2022

Burn Our Bodies Down


Hallo meine Thrillerhasen,

ich möchte euch heute diesen Jugendthriller mit Horrorelementen vorstellen, den ich in der Bibliothek gefunden habe. Von der Autorin hatte ich schon Wilder Girls gelesen, das mir sehr gut gefallen hatte. Dieses Buch hatte allerdings eher gemischte Rezensionen bekommen, weswegen ich froh war, dass ich es aus der Bibliothek ohne großes Risiko testen konnte.

Die Fakten:

  • Autor: Rory Power
  • Titel: Burn Our Bodies Down 
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Macmillan Children's Books
  • Seiten: 340
  • Preis: 7,99 Euro
  • Klappentext: "Ever since Margot was born, it's been just her and her mother. No answers to Margot's questions. No history to hold on to. Just the two of them, stuck in their rundown apartment, struggling to get along. But that's not enough for Margot. She wants family. She wants a past. And when she finally finds a photograph pointing her to a town called Phalene, she leaves. But when Margot gets there, it's not what she bargained for. Margot's mother left for a reason. But was it to hide her past? Or was it to protect Margot from what's still there?"

Zur Handlung: Margot ist allein mit ihrer Mutter aufgewachsen, und mit all ihren seltsamen Regeln. Zum Beispiel muss immer eine Kerze brennen, und manchmal muss Margot ihre Haut nah an die Flamme halten. Doch diese Einsamkeit schweißt die beiden auch zusammen, und so kann Margot doch nie den Willen aufbringen ihre Mutter zu verlassen.

Doch in den Sommerferien, kurz bevor Margot 18 Jahre alt wird, findet sie zufällig ein altes Foto in der Bibel ihrer Mutter. Dieses Foto verbindet sie endlich mit einer Familie und einem Ort. Nun gilt es herauszufinden, ob es noch überlebende Verwandte gibt. Und tatsächlich findet Margot unter der angegebenen Telefonnummer ihre Großmutter. Doch ihre Mutter ist nicht bereit, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, sodass sich Margot selbst auf den Weg macht, um herauszufinden, woher sie kommt.

Diese Geschichte liest sich völlig anders als Wilder Girls, weswegen sicherlich einige von diesem Buch enttäuscht waren. Ich hatte mich darauf allerdings eingestellt. Im Gegensatz zu einer Schule voller seltsamer Kinder begegnen wir Margot als einer isolierten Person ohne Freunde, ohne Familie und ohne Vergangenheit. In den Sommerferien weiß sie kaum etwas mit sich anzufangen, bis sie die Telefonnummer ihrer Großmutter findet. Sie sehnt sich nach einem normalen Leben, das sie bisher nicht kannte.

Margot als Hauptfigur war gut gelungen. Ich habe ihre Einsamkeit und Wurzellosigkeit nachvollziehen können. Ich finde auch, dass die familiäre Geschichte einen wichtigen Teil der eigenen Identität ausmachen kann. In der neuen Umgebung ist sie dann teils hin- und hergerissen, da sie zu ihrer neu gefundenen Familie stehen will, aber natürlich eigentlich gar nichts über sie weiß. Margot hat außerdem Gefühle für ein anderes Mädchen in dem Ort.

Besonders gefallen hat mir an dem Buch das klaustophobische Gefühl der amerikanischen Kleinstadt. Man hat sofort das Gefühl, dass hier jeder jeden kennt, was dadurch auf die Spitze getrieben wird, dass alle sofort erkennen, zu welcher Familie Margot gehören muss. Diese Unmöglichkeit von Anonymität kann etwas sehr Bedrückendes sein, vor allem wenn die eigene Familie von vielen als schlecht angesehen wird.

Doch es kommt noch schlimmer als von allen erkannt werden: an ihrem ersten Tag in der Stadt erlebt Margot wie die Felder der Farm ihrer Großmutter brennen. Sie versucht dabei ein Mädchen zu retten, was ihr jedoch nicht gelingt. Sie muss allerdings feststellen, dass das Mädchen exakt wie sie selbst aussieht. Im weiteren Verlauf der Geschichte geht es dann vor allem darum herauszufinden, warum Margot diese Doppelgängerin hatte, die sonst niemand zu kennen scheint und von der ihre Großmutter angeblich nichts weiß.

Das Mystery-Element ist damit im Zentrum der Erzählung, aber es gibt auch einige Aspekte drum herum. Ein zentrales Thema ist das von Familie und Zugehörigkeit, aber auch Loyalität und intergenerationale Beziehungen. Außerdem haben wir am Rande die romantischen Gefühle von Margot in Bezug auf ein anderes Mädchen in der Stadt. Und wir sehen auch einige andere Figuren in der Stadt, vor allem auch einen Polizisten, der den Tod des unbekannten Mädchens untersucht.

Die Auflösung des Ganzen fand ich ganz interessant, aber auch nicht völlig herausragend. Es geht gegen Ende dann schon auch in der Horrorrichtung, sodass das Buch eher für ältere Teenager geeignet ist. Es werden nicht alle Figuren bis zum Ende überleben, und die Auflösung enthüllt dann auch einige verstörende, nicht ganz natürliche Vorgänge. Man hätte das Ganze sicherlich noch ein bisschen stärker in Hinsicht auf eine gesellschaftliche Kritik ziehen können, um es noch besser zu machen. So sind da leider nur leise Ansätze.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Es war schön kurz für Zwischendurch und ließ sich schnell weglesen. Für alle, die Jugendthriller mögen und es auch ein bisschen blutig werden darf, ist hier sicherlich was dabei. Ich mochte auch die Hauptfigur und diese Frage nach ihrer intergenerationalen Vergangenheit. Auch einige Kommentare zum Thema Erziehung fand ich sehr treffend. Und das Buch hat definitiv eine bedrückende und düstere Stimmung vom Anfang bis zum Ende. Die deutsche Ausgabe erscheint übrigens im nächsten Frühjahr.

Was habt ihr denn diesen Monat bisher gelesen? Irgendwas Grusliges dabei?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 19. Oktober 2022

Just Like Home


Hallo meine Horrorhasen,

kommen wir zu meinem Lieblingshorrorbuch, das ich bisher dieses Jahr gelesen habe. Als ich das Cover das erste Mal gesehen habe, wollte ich es unbedingt lesen. Dann waren die ersten Kritiken aber gar nicht gut, und ich habe es erstmal wieder verworfen. Doch dann war es das Buchclubbuch von einer Booktuberin, der ich auf Patreon folge, und ich habe es doch gekauft - zum Glück.

Die Fakten:

  • Autor: Sarah Gailey
  • Titel: Just Like Home
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Tor Books
  • Seiten: 344
  • Preis: 26,80 Euro (gebunden)
  • Klappentext: "“Come home.” Vera’s mother called and Vera obeyed. In spite of their long estrangement, in spite of the memories -- she's come back to the home of a serial killer. Back to face the love she had for her father and the bodies he buried there. Coming home is hard enough for Vera, and to make things worse, she and her mother aren’t alone. A parasitic artist has moved into the guest house out back, and is slowly stripping Vera’s childhood for spare parts. He insists that he isn’t the one leaving notes around the house in her father’s handwriting… but who else could it possibly be? There are secrets yet undiscovered in the foundations of the notorious Crowder House. Vera must face them, and find out for herself just how deep the rot goes."

Zur Handlung: Sobald Vera volljährig war, hat ihre Mutter sie vor die Tür gesetzt, und seitdem haben beide nie zurückgeschaut. Doch alles ändert sich, als Vera einen Anruf von ihrer Mutter erhält, die im Sterben liegt, und die sie bittet ein letztes Mal nach Hause zu kommen. Vera sagt zu, auch wenn sie sich damit nicht wohl fühlt. Sie beschließt das alte Haus auszuräumen und zum Verkauf vorzubereiten.

Doch als Vera das Haus erreicht, trifft sie ihre kranke Mutter nicht allein an. Der Sohn eines Autoren, der sich vor Jahren an der Geschichte von Veras Familie erreichert hat, lebt nun im Gartenhaus. Er will Kunst machen, die von dieser schaurigen Geschichte inspiriert ist. Doch Vera muss bald herausfinden, dass hinter all dem so viel mehr steckt, als das, worauf sie sich vorbereitet hat.

Diese Geschichte beginnt eher langsam, baut aber eine enorme Atmosphäre auf. Dabei werden viele Elemente, die ich mag, miteinander verbunden. Das Ende war dann sehr überraschend für mich und hat mich sprachlos hinterlassen. Insgesamt hat mich das Leseerlebnis an We Have Always Lived in the Castle erinnert. Man muss etwas Geduld mitbringen, und sich auf Übernatürliches einstellen.

Vera als Hauptfigur fand ich sehr spannend. Zunächst begegnen wir ihr mit Sympathie, denn wer will schon mit 18 vor die Tür gesetzt werden. Wir sehen ihr angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, wissen aber die Hintergründe nicht. Gleichzeitig versetzt das langsame Sterben der Mutter Vera auch in eine neue Rolle, mit der sie nicht so viel anfangen kann. Wir lernen dann auch immer mehr über Veras Kindheit, in der sie ihren Vater sehr geliebt hat. Das Problem ist, dass ihr Vater ein Serienmörder war. 

Bei diesem letzten Punkt hätte ich mir gewünscht, dass er nicht ganz so spät im Buch erwähnt wird, da er ja direkt im Klappentext steht. Dadurch fühlt sich der Anfang ein bisschen langatmig an. Trotzdem ist es ein ganz entscheidender Punkt für Veras Entwicklung als Charakter. Wir sehen, was sie als Kind von ihrem Vater gelernt hat - vor allem, indem sie ihn heimlich beobachtet hat. Und nach und nach wird uns auch klar, dass Vera selbst kein wirklich guter Mensch ist.

Neben Vera haben wir den Mann, der im Gartenhaus lebt. Zunächst können wir ihn nicht wirklich einschätzen. Er ist Künstler und redet viel über das Haus und die Atmosphäre darin. Vera sieht ihn eher als Schmarotzer, der ihre Mutter ausbeuten wollte. Sie sieht ihn als Eindringling. Anfangs versucht er aber sie davon zu überzeugen, dass er ein guter Typ ist. Gegen Ende wird es zwischen den beiden aber immer ekliger. Wie gesagt, die Dynamik hat mich an We Have Always Lived in the Castle erinnert - und das Buch habe ich geliebt.

Die angespannte Stimmung zwischen Vera und ihrer Mutter ist teilweise hart zu lesen, aber auch gut umgesetzt. Es gibt immer wieder Momente, wo wir die Mutter nicht wirklich verstehen: hat ihre Krankheit sie so verändert? Aber wir sehen diese Mutter auch aus der Perspektive von Vera als Kind, die eben ein inniges Verhältnis zu ihrem Serienmörder-Vater hatte und ein völlig unterkühltes Verhältnis zu ihrer augenscheinlich normalen Mutter. Dieser Gegensatz war spannend in die Geschichte geflochten.

Ein wichtiger Aspekt der Geschichte ist das Haus/Zuhause von Vera. Hier mochte, wie am Anfang immer wieder betont wird, dass das Haus von ihrem Vater gebaut wurde, durch seine Hände und für seine Familie - für Vera. Es wird eine ganz besondere Energie erzeugt, die dann das Buch bedeutend prägt. Doch das Haus hat auch viele schlimme Dinge gesehen, und das geht an keinem Haus spurlos vorbei. Wenn ihr Häuser mögt, die sich selber Gedanken machen können, dann solltet ihr das Buch lesen.

In diesem Buch geht es auch ein Stück weit um Nostalgie. Es geht um das Gefühl eines Zuhauses, vor allem eines, das zerbrochen ist, von dem man verstoßen wurde. Veras Rückkehr ist kein Zufall, und auch wenn sie das Haus eigentlich für den Verkauf vorbereiten will, ist sie doch nicht sicher vor den Gefühlen, die einen überkommen können, wenn man nach Hause kommt. Und wer schafft es schon, sein Zuhause nicht zu lieben, egal mit wem man es teilt?

Das Ende war dann wirklich sehr wild. Ihr müsst euch auf ein seltsames Buch einstellen, wenn es euch gefallen soll. Es passieren dann einige Dinge, die zum Übernatürlichen gehören. Für mich war es auf einer Ebene aber nachvollziehbar, denn auch ich habe ein Zuhause, aus dem ich verstoßen wurde. Und dieses Haus bedeutet mir immer noch etwas, gerade weil es immer da war, egal wie schlimm Dinge wurden. Darum geht es am Ende im Just Like Home - was ein Zuhause mit uns macht. Wenn euch das thematisch interessiert, lest das Buch.

Alles in allem kann ich das Buch nur schwer empfehlen, denn einige werden es lieben und viele werden es total blöd finden. Ich gehöre zu der Minderheit, die sich hier irgendwie gesehen gefühlt haben. Natürlich hilft es, dass ich Haunted House-Geschichte und gruslige Kleinstädte liebe, aber das Buch bietet dann doch noch mehr. Wer aber in seinen Mystery-Thriller-Geschichten nichts Übernatürliches haben will, sollte weit weg von diesem Buch bleiben. Dann kann das Ende nur enttäuschen.

Habt ihr schon von dem Buch gehört und zieht euch dieses Cover auch so an?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 3. August 2022

The Girls I've Been


Hallo meine Thrillerleser,

in der Bibliothek hatte ich dieses Buch entdeckt, das mich vor allem aufgrund des Covers angesprochen hat. Ich wusste, dass es darin um die Tochter einer Betrügerin geht, sodass das Buch sich mit Täuschung und Verbrechen beschäftigen wird. Aber viel mehr wusste ich nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Tess Sharpe
  • Titel: The Girls I've Been
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Hodder Children's Books
  • Seiten: 356
  • Preis: 8,99 Euro
  • Klappentext: "To understand my story, you first have to know about the girls I've been. And that starts with my delightful con artist mother - because I didn't choose a life of deception, I was born into it. Five years ago, I escaped and became Nora who has a nice, normal life in a nice, normal neighborhood... Until this morning when I found myself at gunpoint in the middle of a bank heist with my ex-boyfriend and my new girlfriend (talk about awkward). The first thing I thought was get down! The second thing - we're all gonna die because I stopped to buy donuts on the way to the bank. And the third thing? I'm the only one who can get us out of here alive. Because the gunmen have no idea who I really am - that girl has been in hiding for far too long."

Zur Handlung: Der Morgen ging schon gut los, wenn um die Stimmung ein wenig aufzuheitern, besorgte sie Kaffee und Donuts. Mit dem Ex und der neuen Freundin zur Bank gehen um Geld einzuzahlen klingt einfach nicht nach Spaß. Doch dann ist Nora durch den Umweg auch noch zu spät. Die Begeisterung bei den beiden anderen hält sich in Grenzen.

Doch sobald die drei die Bank betreten, wird sie überfallen. Zwei Bankräuber träumen vom großen Glück - doch der Leiter der Bank, der als einziger Zutritt zu den wichtigen Bereichen geben kann, ist heute morgen leider verhindert gewesen und noch nicht da. Schnell entsteht eine Geißelsituation, und nur Nora kann ihre Freunde retten. Denn Nora ist nicht das, was alle anderen in ihr sehen.

Dieses Buch ist von der ersten Sekunde spannend. Von den Donuts über die angespannte Situation der drei Freunde bis hin zum Beginn der Geißelnahme konnte ich das Buch schon nicht mehr aus der Hand legen. Dabei ist es besonders einnehmend, weil es in der ersten Person geschrieben ist und wir somit mitten in Noras Kopf landen. Die Handlung geht sehr flott voran, ohne dass jedoch auf eine Charakterisierung der drei Hauptfiguren verzichtet wird.

Nora steht dadurch natürlich im Mittelpunkt. Als Tochter einer Schwindlerin ist sie mit Alter Egos aufgewachsen. Schon von klein auf musste sie ihrer Mutter bei den Betrügereien helfen. Nach und nach erzählt sie uns von diesen verschiedenen Leben, die sie geführt hat, und welche Gefahren dabei jeweils lauerten. Denn eins ist klar: wenn man als Frau die Grenze des Gesetzes übertritt, so sind die Gefahren nur umso größer. Was ich an Nora mochte, ist, dass sie dieses Leben eigentlich hinter sich lassen will. Die letzten Jahre halt sie als Nora mehr oder weniger das erste Mal ihr eigenes Leben geführt. Auch wenn der Schatten ihres bisherigen Daseins lang ist, so will sie doch ein normales Leben mit bedeutungsvollen Bindungen, und keine Betrügereien. Damit schafft es das Buch neben dem Thrill-Faktor dieser Identitätsbetrüge doch aufzuzeigen, dass diese nicht glamorös sind.

Neben Nora haben wir ihren besten Freund und Ex, der hinter ihr Geheimnis gekommen war und ihr dann nicht mehr vertrauen konnte. Die beiden sind aber immer noch beste Freunde, weil sie neben komplexer Gefühle auch ein gemeinsames Geheimnis verbindet. Ich mochte diesen Charakter sehr und ich fand die Darstellung seiner Vergangenheit auch passend. Noras neue Freundin bekommt dagegen am wenigsten Hintergrundgeschichte, denn sie und Nora sind noch nicht ganz so lang zusammen und Nora weiß auch nicht alles. Dennoch mochte ich auch sie, vor allem ihren ausgefallenen Vintage-Klamotten-Stil und die Darstellung ihrer Endometriose, die sehr organisch in die Geschichte eingebunden wurde. Da die Autorin selbst an dieser Krankheit leidet, vertraue ich hier auf eine adäquate Darstellung.

Ich hatte bei dem Buch ein bisschen Bedenken, dass die ständigen Rückblicke in die bisherigen Leben von Nora irgendwie langweilig oder unnötig sein könnten, habe das aber nicht so empfunden. Ich hatte das Gefühl, dass beide Handlungsstränge gleichermaßen spannend und unterhaltend waren, und die Rückblicke auch für den momentanen Kontext Bedeutung hatten. Das Buch kann das Tempo auf jeden Fall bis zur letzten Seite durchhalten, was es zu einem echten Pageturner macht.

Das Ende hat mir auch gut gefallen. Es gibt schon einen dramatischen Showdown, wo unsere Hauptfigur nochmal alles geben wird, und am Ende vielleicht gerettet wird. Aber es war auch nicht zu übertrieben, dass ich die Augen gerollt habe. Genau das richtige Maß. Und dann erfahren wir noch, wie sich die Enthüllung von Noras wahrer Identität letztlich auf das Leben auswirkt, dass sie führen will. Hier kommt dann auch nochmal der Teenage Genius-Moment durch, den ich so ein bisschen mit Artemis Fowl verbinde. Fand ich alles total stimmig.

Allerdings möchte ich euch noch warnen, dass es in dem Buch um sehr schwierige Themen geht, beispielsweise (sexueller) Missbrauch, Gewalt in der Familie, und generell der Banküberfall mit Geißelnahme und auch da Gewalt. Einiges davon wird nur angedeutet, bei den meisten Sachen sieht man zumindest das Resultat recht ausführlich. Trotzdem ist der Grundton des Buches eher auf Abenteuer und die Cleverness der Charaktere ausgerichtet. Gerade junge Teenager, die das Buch lesen, sollten aber auf die Themen vorbereitet werden.

Alles in allem kann ich das Buch wirklich empfehlen. Wenn ihr etwas lesen wollt, was ihr nicht aus der Hand legen könnt, dann ist das Buch genau richtig. Perfekt ist es auch für Readathons. Es ist unterhaltsam, clever, spricht aber auch wichtige und schwierige Themen an. Obwohl es den Verbrecher-Lifestyle darstellt, glorifiziert es diesen nicht, weil Nora eben nicht mehr so leben will. Die Charaktere fand ich auch sehr gut gewählt und habe gern über sie gelesen. Und natürlich die große Frage, ob alle unsere Charaktere den Überfall überleben werden - und wenn ja, wie.

Habt ihr das Buch schon gelesen oder ähnlich gute Jugendthriller zu empfehlen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 4. März 2022

Cherish Farrah


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass gerade ganz frisch im letzten Monat erschienen ist. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, denn letztes Jahr war A Chorus Rises von der gleichen Autorin eines meiner Lieblingsbücher des Jahres. Deswegen war ich sicher, wenn das Buch jetzt Horror ist, werde ich es lieben. Oder?

Die Fakten:

  • Autor: Bethany C Morrow
  • Sprecher: Angel Pean
  • Titel: Cherish Farrah
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Penguin Audio
  • Dauer: 11 Std 8 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "

    Seventeen-year-old Farrah Turner is one of two Black girls in her country club community, and the only one with Black parents. Her best friend, Cherish Whitman, adopted by a White, wealthy family, is something Farrah likes to call WGS - White Girl Spoiled. With Brianne and Jerry Whitman as parents, Cherish is given the kind of adoration and coddling that even upper-class Black parents can’t seem to afford - and it creates a dissonance in her best friend that Farrah can exploit. When her own family is unexpectedly confronted with foreclosure, the calculating Farrah is determined to reassert the control she’s convinced she’s always had over her life by staying with Cherish, the only person she loves - even when she hates her. As troubled Farrah manipulates her way further into the Whitman family, the longer she stays, the more her own parents suggest that something is wrong in the Whitman house. She might trust them - if they didn’t think something was wrong with Farrah, too. When strange things start happening at the Whitman household - debilitating illnesses, upsetting fever dreams, an inexplicable tension with Cherish’s hotheaded boyfriend, and a mysterious journal that seems to keep track of what is happening to Farrah - it’s nothing she can’t handle. But soon everything begins to unravel when the Whitmans invite Farrah closer, and it’s anyone’s guess who is really in control."

Zur Handlung: Cherish und Farrah sind beste Freundinnen, seit sie sich kennen. Nichts kann zwischen die beiden kommen. Am liebsten erzählen Cherishs Eltern von einem Vorfall, bei dem sich Cherish beim Spielen verletzt hatte, und Farrah sich die gleiche Verletzung zugezogen hat, damit sie ihr Leid teilen können. Doch ein großer Unterschied trennt die beiden: Cherish hat reiche weiße Adoptiveltern, und Farrahs Eltern haben gerade ihr Haus verloren.

Farrah darf daraufhin bei Cherish für die Sommerferien einziehen. Doch was der beste Sommer ihres Lebens werden könnte, wird immer mehr zum Alptraum. Zunächst fühlt sich Farrah nicht mehr in Kontrolle, denn ihre Eltern entscheiden plötzlich, wie ihr Leben weitergehen kann. Und dann kommt es zu immer seltsameren Begegnungen und Begebenheiten, die am Ende nur einen Schluss zulassen...

Wie gesagt, ich habe mich wahnsinnig auf das Buch gefreut. In A Chorus Rises hat die Autorin gezeigt, dass sie zielstrebige und nicht immer nette Schwarze Teenager-Mädchen-Figuren schreiben kann, die wir trotz ihrer Fehler lieben können. Das hatte ich mir auch für Farrah erhofft, die hier als gewiefte beste Freundin auftritt und sich immer mehr in der Familie von Cherish einnisten will.

Leider ist das aber hier nicht gelungen. Farrah ist ein sehr obsessiver Charakter, vermutlich schon krankhaft. Sie ist überzeugt davon, dass sie mit ihrer Mutter in einem psychologischen Krieg steckt, obwohl die Mutter davon nichts zu wissen scheint. Außerdem ist sie fixiert auf die Idee von Kontrolle, und dass etwas Böses in ihr schlummert, dass sie hinter einer Maske verbergen muss. Dabei wirkt sie für mich wie eine Soziopathin, gerade wenn sie auch betont, dass Cherish ihr gezeigt hat, wie "normale" Teenager-Mädchen sind. Ich konnte leider mit diesem Charakter nicht viel anfangen, und da wir die ganze Zeit in ihrem Gehirn sind, überträgt sich ihre Obsession auch in einen sehr repetitiven Schreibstil, bei den sich dauernd alles wiederholt, vor allem - control!

Cherish wird dagegen als die Naive inszeniert. Sie ist White Girl Spoiled, also verwöhnt wie es sonst nur weiße Teenager-Mädchen sind. Ihre Eltern wollen sie vor allem und jedem beschützen und dadurch weiß sie quasi nichts von der Welt. Doch andererseits wird sie dann auch beschrieben, als hätte sie ein Loch in sich, eine Leere, die nur eine Schwarze beste Freundin wie Farrah schließen kann. Hier muss ich ehrlich sagen, dass ich den Teil einfach nicht verstanden habe und das bei anderen Lesern vielleich anders ankommt. Die beiden haben auf jeden Fall eine sehr toxische Freundschaft, die Farrah immer wieder passend beschreibt damit, dass sie Cherish auch liebt, wenn sie sie hasst. Ich denke, der Teil ist für viele, die mal beste Freundinnen in der Schule hatten, die ein wenig toxisch waren, nachvollziehbar.

Das Buch kommt dann sehr langsam in die Gänge. Alles beginnt mitten während Cherishs Geburtstagswochenende, und als Leser müssen wir uns zunächst mühsam alle Infos zusammensuchen. Wer sind eigentlich die beiden? Was verbindet sie? Wo sind Farrahs Eltern? Warum sind sie nicht auf der Feier? Wer sind die Jungs, mit denen die beiden abhängen? Warum ist das wichtig? Es tröpfelt so langsam vor sich hin, während wir Farrahs kreisenden Gedanken lauschen. Ich fand schon, dass man irgendwie wissen will, was passiert und was los ist, aber es dauert einfach viel zu lange, bis das Buch mal zu einem Punkt kommt.

Das zieht sich dann auch bis zum Ende durch. In der Mitte gab es dann eine Szene, wo ich dachte: ist das jetzt der Hinweis? Ist das, was hier passiert? Und ich habe gehofft und gebetet, dass es nicht so ist, dass es vor allem nicht so offensichtlich ist. Leider war es dann aber genau so. Und für mich hat das Ende keinen Sinn gemacht (so wie das meiste an diesem Buch). Es wird zwar dann von einem Charakter die ganze Motivation erklärt, aber ich habe es nicht verstanden. Das ganze Konzept, was hier verwendet wird, geht in der Konstellation des Buches null auf. Es ist vielleicht hier irgendwie ein sozialer Kommentar zum Verhältnis von weißen und Schwarzen Amerikanern enthalten, aber es ging für mich völlig unter in den vielen Wiederholungen und dem Unsinn der ganzen Handlung.

Das Hörbuch ist ganz gut gesprochen. Die Sprecherin schafft es, Farrah eine Stimme zu geben, die zu ihr passt. Es ändert leider nichts daran, dass ich es einfach nur anstrengend fand. Ich habe ganz selten das Verlangen, ein Hörbuch vorzuspulen oder schneller abzuspielen, aber hier war ich echt häufig dazu versucht. Ich denke, in gedruckter Form wäre es für mich noch viel schlimmer gewesen.

Alles in allem kann ich das Buch leider gar nicht empfehlen. Ich fand es absolut langweilig. Farrah ist so ein seltsamer Charakter, dass mir die ganze Zeit total egal war, was mit ihr passiert. Die Handlung hat für mich keinen Sinn ergeben. Das Ende war total überstürzt und dann auch so ein bisschen offen gehalten, wie es ja bei Horror mode ist. Die Motivation aller Charaktere war mir total unklar. Und ich bin leider einfach froh, dass es vorbei ist.

Habt ihr denn schon mal reingehört? Das Buch bekommt ja sonst auch gute Kritiken, also vielleicht liegt es einfach an mir.

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 5. Januar 2022

Firekeeper's Daughter


Hallo meine Hörbuchfreunde,

ich wünsche euch erstmal allen ein wundervolles 2022. Dezember 2021 war für mich ein ziemlich schwieriger Monat mit einigen Hürden in meinem Privatleben. Darum habe ich auch nicht viel gepostet und darum bin ich froh nun ein neues Jahr zu starten, dass hoffentlich besser wird. Um es mit einem Hoch einzuläuten, möchte ich euch heute eines der besten Bücher vorstellen, dass ich letztes Jahr gelesen habe. Es hat mich positiv überrascht und ich war beim Hören sehr schnell verliebt.

Die Fakten:

  • Autor: Angeline Boulley
  • Sprecher: Isabella Star LaBlanc
  • Titel: Firekeeper's Daughter
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 14 Std. 13min
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext:

    "Eighteen-year-old Daunis Fontaine has never quite fit in, both in her hometown and on the nearby Ojibwe reservation. She dreams of a fresh start at college, but when family tragedy strikes, Daunis puts her future on hold to look after her fragile mother. The only bright spot is meeting Jamie, the charming new recruit on her brother Levi’s hockey team. Yet even as Daunis falls for Jamie, she senses the dashing hockey star is hiding something. Everything comes to light when Daunis witnesses a shocking murder, thrusting her into an FBI investigation of a lethal new drug. Reluctantly, Daunis agrees to go undercover, drawing on her knowledge of chemistry and Ojibwe traditional medicine to track down the source. But the search for truth is more complicated than Daunis imagined, exposing secrets and old scars. At the same time, she grows concerned with an investigation that seems more focused on punishing the offenders than protecting the victims. Now, as the deceptions - and deaths - keep growing, Daunis must learn what it means to be a strong Anishinaabe kwe (Ojibwe woman) and how far she’ll go for her community, even if it tears apart the only world she’s ever known."

Zur Handlung: Daunis Fontaine lebt zwischen zwei Welten, als Tochter einer weißen Mutter und eines Vaters, der zu den Ojibwe/Anishinaabe gehört. Aufgewachsen in ihrer weißen Familie verspürt sie eine große Zugehörigkeit zu ihrer indigenen Herkunftsgruppe. Als ihr Onkel stirbt und ihre Großmutter in Pflege muss, bleibt Daunis noch ein weiteres Jahr in ihrer Heimatstadt, um ihre Mutter zu unterstützen. Sie ahnt noch nicht, dass ihr ganzes Leben bald auf den Kopf gestellt wird.

Eine große Rolle hat im Leben von Daunis und ihren Freunden immer das Hockey gespielt. Daunis hat ihre Laufbahn allerdings aufgegeben und feuert nun von den Seitenlinien an. Als ein neuer Spieler im Team ihres Bruders auftaucht, entsteht zwischen den beiden ein seltsames Band, das Daunis nicht genau deuten kann. Klar ist, dass sie diesem Jungen, der selbst nicht genau weiß, wer er ist, nicht vertrauen kann - es aber will.

Bei dem Cover dachte ich zunächst immer, es handle sich um einen Fantasy-Roman. Als ich dann hörte, dass es ein Thriller ist, war mein Interesse noch mehr geweckt. Zu Beginn des Hörens fühlt es sich aber eher nach einer alltäglichen Geschichte über das Leben zwischen zwei Welten, am Übergang von Highschool zu College und die indigene Abstammung an. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Zwischenfall, der mich so mitgerissen hat, dass ich einen Tag lang während der Arbeit fast nur an dieses Buch denken konnte - das kommt davon, wenn man auf dem Arbeitsweg Hörbuch hört.

Daunis als Hauptcharakter war mir sofort sympathisch. Sie gibt sehr viel auf für ihre Familie, auch wenn ihre Liebe zu ihnen nicht fehlerfrei und einfach ist. Eigentlich will sie zum Studium mal raus aus dieser kleinen Stadt an der kanadischen Grenze, in der sie aufgewachsen ist. Aber hier hat sie auch ihre beste Freundin und ihren Halbbruder, den sie aber als vollwertigen Bruder ansieht. Hier ist sie auch für alle die Tochter des Firekeepers und eine Legende im Hockey.

Neben Daunis ist vor allem der Neue im Hockeyteam wichtig. Über ihn kann ich allerdings nicht viel sagen, da ich nichts spoilern will. Er ist auf den ersten Blick sympathisch, aber wir lernen im Laufe des Buches viele Seiten von ihm kennen. Daunis und ihn verbindet eine Art Love-Hate-Beziehung, die man wirklich zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen kann. Ich fand es total beeindruckend, wie die Autorin es schafft, dass ich die beiden zu einem Moment komplett shippe und im nächsten von ihm einfach angeekelt bin oder ihm eine reinhauen möchte. Wirklich grandios geschrieben.

Vor allem geht es dann um ein Drogenproblem, denn es ist eine neue Art von Crystal Meth aufgetaucht, die mit einem anderen Stoff versetzt zu sein scheint. Das FBI vermutet, dass dieses neue Meth aus Daunis' Community stammt und will herausfinden, wer der Hersteller ist. Daunis ist sehr naturwissenschaftsbegeistert und kennt sich gut mit den lokalen Pflanzen aus, was für die Ermittlungen hilfreich ist. So gerät sie ihn das Ganze hinein.

Ich lese immer ungern Bücher über Drogen, das interessiert mich einfach nicht sehr. Hier allerdings bleibt das irgendwie stark am Rand. Es ist zwar das, was untersucht wird, aber es war mir auf jeden Fall nicht zu viel. Der Fall ist dabei schon auch knifflig, und ich hatte Spaß dabei meine Theorien zu entwickeln und habe auch zumindest in Teilen Recht behalten mit meinem Verdacht. Dennoch konnte das Buch mich bei der Lösung auch überraschen, denn es ist alles nicht so einfach, wie es scheint.

Besonders gut gefallen hat mir an der Geschichte aber der Community-Aspekt. Daunis ist sehr engagiert in der Ojibwe Community. Sie beschäftigt sich viel mit den älteren Mitgliedern, hilft diesen in verschiedenen Situationen und schätzt deren Wissen und Erfahrungen. Dafür bekommt sie im Gegenzug sehr viel Hilfe und Unterstützung aus ihrer Community. Ich fand es wundervoll, wie das in diesen Thriller mit hineingewoben wurde, und eine ganz zentrale Rolle gespielt hat. Denn Daunis hilft dem FBI überhaupt nur, damit sie ihre Community vor diesem fremden Eingriff schützen kann. Und dieses Hin- und Hergerissensein zwischen einer Institution, der sie nicht trauen kann und deren Hilfe sie dennoch braucht, das war sehr gut dargestellt.

Das Ende war für mich absolut perfekt. Es gab einfach gar nichts daran auszusetzen. Ich war zufrieden mit der Auflösung des Falls und dem Umgang der Community damit, ich war sehr zufrieden damit, wie die romantische Situation bei Daunis abgeschlossen wurde, und ich war einfach sehr glücklich. Natürlich passieren in der Geschichte schlimme Dinge - und das fand ich auch am tollsten daran, dass hier für ein Jugendbuch wirklich mal etwas auf dem Spiel steht in einem Thriller - aber trotzdem ist das Ende einfach befriedigend und hoffnungsvoll. Rundum gelungen.

Ich habe einfach nichts auszusetzen an diesem Thriller: der Fall ist gut, der Hauptcharakter ist wundervoll, die romantischen Gefühle sind auch spannend gemacht, und vor allem der Community-Aspekt und die vielen Informationen, die man so nebenbei über die Ojibwe/Anishinaabe-Lebensweise bekommt, sind toll. Ich habe viel gelernt, viel mitgefühlt und mitgerätselt, und ich fand das Buch wirklich perfekt. Ich hoffe, dass viele Leute es lesen, und ich habe auch gehört, dass es wohl als Film oder TV-Serie geplant ist.

Habt ihr schon davon gehört?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Donnerstag, 9. Dezember 2021

Die Nanny

Hallo zusammen,

irgendwie gerate ich an seltsame Bücher in letzter Zeit. Auch dieses entpuppte sich etwas verrückt.

Fakten:

  • Autorin: Gilly Macmillan
  • Übersetzerin: Sabine Schilasky
  • Roman
  • 2020 erschienen
  • 448 Seiten
  • Blanvalet Verlag
  • Preis: 13,00€ (Paperback)
Klappentext:
"Die siebenjährige Jo wächst im Luxus auf, doch Wärme und Zuneigung erfährt sie nur von ihrer geliebten Nanny Hannah. Als die eines Nachts ohne jede Erklärung verschwindet, bricht für das Mädchen eine Welt zusammen. Dreißig Jahre später kehrt Jo nach England in das Anwesen ihrer Kindheit am See zurück. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist noch immer geprägt von Vorwürfen und Ablehnung, und so ist Jo überglücklich, als eine ältere Dame auftaucht und sich als Hannah, Jos ehemalige Nanny, vorstellt. Doch Jos Mutter ist misstrauisch. Denn sie weiß – Hannah ist tot, seit der Nacht vor über dreißig Jahren. Wem soll Jo glauben? Ihrer Mutter oder der Frau, die damals das einzig Guten in ihrem Leben war? Und will Jo die Wahrheit überhaupt wissen? Denn die tut manchmal so weh, dass man lieber mit einer Lüge leben würde …"

Schon dieser Klappentext ist irgendwie seltsam oder? Hätte ich ihn mal gelesen hätte ich das gewusst und auf die Geschichte verzichtet.

Doch fangen wir erst einmal mit der Basis an. Die Geschichte ist nicht besonders lang, doch nimmt sich die Autorin die Zeit und führt Kapitel aus der Sichtweise verschiedener Charaktere ein. Das ist an sich ziemlich toll und bringt meist mehr Schwung und auch Spannung. Wenn ihr mich fragt ist einer der beteiligten Einzelperspektiven ziemlich überflüssig und erzeugt eher einen unangenehmen Ton als das er bereichert. Ansonsten ist der Wechsel schon ganz gut.

Das Setting der Erzählung ist so halb kriminalistisch aber irgendwie mehr ein Familiendrama. Wir haben ein altes herrschaftliches Haus mit Angestellten und Jos Mutter. Wie bereits in dem Klappentext beschrieben sind die beiden sich nicht so grün. Jo glaubt fest an ihre vermurkste Kindheit und ihre Mutter versucht einfach nur eine gute Oma zu sein und glaubt ebenso dass sie bei ihrer Tochter verloren hat. Die beiden schenken sich nichts - im übertragenen Sinne. 

Die Figur der Mutter tat mir ehrlich manchmal etwas leid. Man will ihr glauben doch ja wieso nicht auch der Tochter. Diese hat zwar klare Vorstellungen wie eine Mutter zu sein hat. 

Trotz das ich mich mit keiner Tür identifizieren kann, mochte ich heute mal völlig gegen den Strom diese am meisten. Bei ihr hab ich mich auch mal gegruselt und nicht gelangweilt. 

Empfehlen kann ich die Geschichte auch nicht so wirklich, Familiendramen mit reichlich Vorwürfen und der berühmten Leiche im Keller sind die Geschichten die man auf jeden Fall mögen sollte um hier auf seine Kosten zu kommen.
Hoffentlich wird das nächste Buch besser,

eure Blue Diamond.



Freitag, 12. November 2021

Sharing – Willst du wirklich alles teilen?

Hallo meine lieben Psychothriller-Freunde,

ihr wisst, dass ist eher ein schwieriges Genre für mich, aber mit Arno Strobel kann ich ganz gut umgehen. 

Fakten:
  • Autor: Arno Strobel
  • Psychothriller
  • 2021 erschienen 
  • 368 Seiten
  • Fischer Taschenbuchverlag 
  • Preis: 15,99€ 
Klappentext:
"Du glaubst an die Idee der gemeinsamen Nutzung. Aber was, wenn du gezwungen wirst, den Menschen zu »teilen«, der dir am nächsten steht? 
Der neue Psycho-Thriller von Nr.1-Bestseller-Autor Arno Strobel 
Markus und seine Frau Bettina fanden den Gedanken, dass man nicht alles besitzen muss, um es zu nutzen, schon immer gut. Diese Philosophie liegt auch ihrem Sharing-Unternehmen zugrunde. Möglichst viele sollen Autos und Wohnungen teilen und so für mehr Nachhaltigkeit sorgen. 
Bis Bettina in die Hand eines Unbekannten gerät, im Darknet öffentlich misshandelt wird und das Teilen plötzlich eine andere Dimension annimmt. Wenn Markus seine Frau lebend wiedersehen will, muss er tun, was Bettinas Peiniger sagt. Ausnahmslos, bedingungslos. Und ein Spiel mitspielen, das er nicht gewinnen kann. Auch wenn er bereit ist, alles auf eine Karte zu setzen."

Das ist im Vergleich zur Geschichte ein sehr harmloser Klappentext. 

Markus ist unser Protagonist und eigentlich ein selbstsicherer Mann der mit beiden Beinen im Leben steht und eine tolle kleine Familie und Karriere hat. Wenn es aber eben gut läuft, kann es ja nicht so weitergehen. Seine Frau wird entführt und ihm wird via Darknet zugespielt, was mit ihr geschieht. Schließlich findet er seine Frau tot auf. 
Es beginnen nicht nur die Ermittlungen der Polizei sondern die Entführer schnappen sich auch seine Tochter. Nun beginnt ein abartiges Spiel der Entführer die Markus oft an den Wahnsinn treiben. 

Leider habe ich schon viel über das Darknet gelesen und glaube daher dass das gar nicht so unrealistische Situationen sind und das macht es noch viel schlimmer. 

Auf seinem Weg begegnet Markus sowohl Freund als auch Feind und er weiß oft nicht wer gehört wohin. Auch der Leser weiß irgendwann nicht mehr was stimmt und was konstruiert wurde. Das bringt natürlich eine super Dynamik mit sich. Ich habe mich fast schon gehetzt gefühlt. Es war einfach nur krank zwischendurch selbst noch zu wissen was nun stimmt. Verwirrung ist etwas was Arno Strobel sehr gut stiften kann.

Die dazu kreierten Charaktere sind ebenfalls auf den Punkt abgestimmt und das am Ende so eine derbe Enttäuschung rauskommt war meiner Meinung nach überhaupt nicht absehbar. 

Alle Szenenbilder der Geschichte sind authentisch gruselig beschrieben und haben genau so viele Details, dass meine Fantasie alles noch schlimmer daraus gemacht hat. 

Ganz ehrlich die Ursprungsangelegenheit der Geschichte finde ich ziemlich krank und nicht gut. Das Ergebnis war irgendwie gar nicht sinnvoll und im Vergleich zur gesamten Geschichte langweilig und dumm. Klar die Moral dahinter versteh ich, aber auch nur diese. Warum gerade das aufs Korn genommen wird liegt sicher an der Aktualität und natürlich gibt es auch da kontra-Argumente. 

Doch ich konnte dieses Sharingthema schnell ausblenden denn man leidet einfach nur schrecklich mit Markus mit. Das Ende ist völlig erschreckend und ich habe das gar nicht vorhergesehen. 

Irgendwie ist es auch verrückt das Autoren immer so eine kranke Scheiße einfällt. 

Empfehlen möchte ich es am keine frisch gebackenen Eltern. Nur so viel - übertragt bitte nicht eure Unsicherheit auf Kinder. Es ist außerdem ein sehr guter Psychothriller,

eure Blue Diamond.