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Donnerstag, 7. Oktober 2021

Wicked Little Deeds


Hallo meine Gruselfreunde,

wie jedes Jahr bin ich natürlich total happy über eine Ausrede, gruselige Bücher zu lesen. Da ich vor wenigen Wochen Harrow Lake von Kat Ellis gelesen und geliebt hatte, habe ich mir direkt ihr neues Buch gegönnt. Es hat ein eher winterliches Setting, vielleicht einen Geist, der auf Revenge aus ist, und einige Tote... perfekt für die Jahreszeit also!

Die Fakten:

  • Autor: Kat Ellis
  • Sprecher: Narissa Bradley
  • Titel: Wicked Little Deeds
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Penguin Audio
  • Dauer: 8 Std 59min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext:

    "From its creepy town mascot to the story of its cursed waterfall, Burden Falls is a small town dripping with superstition. Ava Thorn knows this well - since the horrific accident she witnessed a year ago, she's been plagued by nightmares. But when her school nemesis is brutally murdered and Ava is the primary suspect, she starts to wonder if the legends surrounding the town are more fact than fiction. Whatever secrets Burden Falls is hiding, there's a killer on the loose and they have a vendetta against the Thorns..."

Zur Handlung: Ava Thorn ist die Tochter einer einst reichen und angesehenen Familie in Burden Falls. Sie hat ihr ganzes Leben in dem großen Haus verbracht, das ihrer Familie seit Generationen gehört, mit dem großen Apfelgarten und direkt neben dem Wasserfall. Doch als ihre Eltern bei einem schrecklichen Unfall getötet werden, schaffen es ihr Onkel, der Kunstlehrer ist, und ihre Tante nicht, das Anwesen weiter zu finanzieren, und sie müssen es schließlich verkaufen.

Der Tod von Avas Eltern ist nun fast ein ganzes Jahr her, sie muss ihr Elternhaus verlassen und mit Onkel und Tante in ein kleineres Haus ziehen, und dann erfährt sie noch, dass ihr Onkel das Haus an den größten Feind der Thorn-Familie verkauft hat. Die beiden "Zwillinge" der Familie Miller, die Ava hasst, leben jetzt in ihrem alten Zimmer. Manchmal glaubt Ava tatsächlich an den Fluch, der auf ihrer Familie liegt... denn langsam wird er etwas zu real.

Was bei diesem Buch als erstes hervorsticht, ist die Atmosphäre. Wir haben diese kleine Stadt irgendwo in den USA, das große Haus der Familie Thorn, mit einem dunklen Keller und einer geheimnisvollen Grube, der große Garten voller Apfelbäume, der kalte Fluss mit seinem tödlichen Wasserfall und dazu noch die Geschichte von Sadie, die die Familie Thorn verflucht haben soll und den Mitgliedern der Familie vor ihrem Tod als Geist erscheinen soll. Es ist Winter, überall Schnee und Glätte. Einfach perfekt für die Jahreszeit. Das Hörbuch hat hier den Effekt noch einmal verstärkt für mich.

Ava ist eine sehr sympathische Hauptfigur. Vor etwa einem Jahr hat sie ihre Eltern verloren, worunter sie immer noch leidet. Sie hat Alpträume davon und wirkt manchmal psychisch nicht ganz stabil. Die neuen Veränderungen mit dem Umzug werfen sie etwas aus der Bahn, was man aber verstehen kann. Sie hat zwei beste Freundinnen, ein lesbisches Pärchen, die sie unterstützen, so gut sie können. Außerdem hat sie noch einen besten Freund, allerdings scheint dieser sich immer weiter von ihr zu entfernen, und Ava muss sich fragen, was sie ihm überhaupt bedeutet.

Evas Familie besteht vor allem aus ihrem Onkel und dessen Ehefrau. Alle anderen sind verschoben, in Rückblicken sehen wir aber auch ihren Großvater und ihre Eltern. Der Onkel ist außerdem der Kunstlehrer an der Schule, die Ava besucht. Er war eigentlich immer das schwarze Schaf der Familie, ist nun aber als einziger übrig. Seine Frau wird zum Mutterersatz und zur Freundin von Ava. Sie ist eigentlich gut gebildet, findet aber in Burden Falls keine Arbeitsstelle, bei der sie ihre Ausbildung einsetzen kann. Beide versuchen Ava zu unterstützen, scheinen aber selber auch ihre Problemchen zu haben.

Die Familie der Millers, die das Haus der Thorns kaufen, sind seit Generationen die Feinde der Thorns. Für Ava wurde das besiegelt, als ihre Eltern starben. Die beiden Kinder der Familie, die die Zwillinge genannt werden, obwohl sie nur Geschwister sind, kann Ava in der Schule nicht leiden. Doch nun leben sie in ihrem alten Haus und es kommt zu neuen Auseinandersetzungen, aber auch neuen Verwicklungen. Ich mochte Nick als Charakter sehr, und haben die Szenen von Ava und ihm genossen. Ich mochte auch, was das Buch am Ende über so einen Feindschaft aussagt.

Kommen wir zum eigentlichen Mystery-Teil des Buches. Dieser war für mich tatsächlich das Schwächste. Ich hatte schon relativ früh eine Ahnung, wer hinter allem stecken könnte, und auch wenn ich nicht alles habe kommen sehen, war es dann doch teilweise sehr offensichtlich. Ich mochte das Ende dann leider nicht so ganz, weil ich nicht wollte, dass das die Auflösung ist. Aber ein paar Dinge lässt das Buch auch eher offen am Ende, was mir wiederum gut gefallen hat.

Insgesamt besticht das Buch durch eine düstere und gruselige Atmosphäre, einer Hauptfigur, der man zwar nicht ganz trauen kann, der man aber trotzdem nur Gutes wünscht, einer für mich stimmigen Romanze, und vielleicht einer Geistergeschichte, die einem dann doch ab und an Gänsehaut macht. Ob es den Geist nun wirklich gibt, könnt ihr selbst herausfinden. Der Mystery-Teil konnte mich dann nicht ganz überzeugen, aber da ich den Rest des Buches mochte, kann ich das Buch dennoch guten Gewissens empfehlen. Wenn ihr gruselige Jugendbücher mögt, dann greift hier ruhig zu. 

Das Hörbuch war auch gut gesprochen und konnte den Gruselfaktor noch gut unterstreichen.

Zu welchen Büchern greift ihr in diesem Oktober?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 13. Januar 2021

Die Juliusspital - Reihe

Hallo an alle die noch nicht genug von den medizinisch-angehauchten Geschichten habe,

heute möchte ich euch eine Reihe vorstellen, die von gleich zwei Autorinnen mit viel Liebe, Recherche und Interesse geschrieben wurde.

Fakten:
  • Autorinnen: Nadja und Claudia Beinert
  • Roman
  • 2 Bände
  • seid 2020
  • 510-580 Seiten
  • Knaur TB Verlag
  • Preis: 10,99€ (Taschenbuch)
Klappentext:
"Als die Frauen operieren lernten: die große Familiensaga um eine Frau, die im 19. Jahrhundert Ärztin werden will.
Würzburg im 19. Jahrhundert: Bankierstochter Viviana Winkelmann träumt davon, Ärztin zu werden – obwohl Frauen seit 1800 nicht mehr studieren dürfen. Als die junge Frau sich unstandesgemäß verliebt und schwanger wird, wirft ihre Familie sie aus dem Stadtpalais. Um sich und ihre kleine Tochter Ella über Wasser zu halten, verdingt sich die einst vornehme Viviana als Gehilfin in der Apotheke des renommierten Würzburger Juliusspitals. Doch soll das wirklich alles sein, was sie als Frau im Leben erreichen kann? Sie belauscht Vorlesungen berühmter Ärzte am Spital und lernt Professor Virchow kennen, der einer Weltsensation auf der Spur ist. Ihre Zukunft, das spürt sie, liegt als Ärztin im Spital – auch wenn ihr dadurch nicht nur der eigene Bruder zum erbitterten Feind wird. 

Die Zwillingsschwestern Claudia und Nadja Beinert haben gemeinsam bereits fünf historische Romane geschrieben; Geschichte lebendig werden zu lassen, ist ihre große Leidenschaft. Mit der Familiensaga »Das Juliusspital« um mehrere Generationen von Ärztinnen und das Juliusspital in Würzburg wenden sie sich dem spannenden Thema »Frauen in der Medizin« zu. Der zweite Band der Familiensaga, »Das Juliusspital. Ärztin in stürmischen Zeiten«, erzählt die Geschichte von Viviana Winkelmanns Enkelin Henrike, die darum kämpft, Psychologie studieren und im Juliusspital als Irren-Ärztin arbeiten zu dürfen."

Inhaltlich geht es im ersten Band um Viviana und im zweiten um Henrike Winkelmann, die sich als Ärztinnen beweisen wollen. Diese Grundgeschichte haben wir schon in anderen historischen Romanen kennengelernt und wissen um die Umstände.
Auch ein paar der Arztnamen werden dem ein oder anderen bekannt vor kommen. 

Ein großer Punkt dreht sich um die historische und entwicklungstechnische Geschichte der Medizin vor allem zwischen dem Juliusspital und der Charite in Berlin. Hier gibt es einen Machtkampf der spannende Züge nimmt.

Hier haben mir die Charaktere von all den Romanen am besten gefallen. Sie sind eher ruhig und zurückhaltend, aber sie entwickeln sich auch ganz wundervoll. Die Winkelmann Frauen sind keine typischen Emanzen und sie hatten keine Vorteile. Doch sie sind sehr selbstbewusst und kennen ihren Weg bzw. den den sie gehen wollen. 
Die Männer die keine Ärzte sind, scheinen wieder ganz schöne Waschlappen zu sein. Keine Ahnung ob das was mit der Thematik an sich zu tun hat oder mit Absicht so geschrieben ist oder in der Zeit echt so war?

Der Schreibstil ist total flüssig und die Seiten fliegen nur so dahin. Die Sprache ist leicht verständlich und hat trotzdem diese Erhabenheit für diese Zeit. 

Wir bekommen auch viel zu den medizinischen Themen mit und da hier stark das Psychatrische behandelt wird, ist das ehrlich etwas unangenehm. Die Maßnahmen früher zum Beispiel bei Depressionen, Epilepsie und ähnlichem ergriffen wurden, sind einfach grausam. Da bin ich wirklich sehr sehr froh, dass wir da heute viel weiter sind. Das könnte ein Grund sein, warum dieses Buch auch mit seinen sehr sensiblen Charakteren überhaupt nichts für sensible Leser ist. Empfehlen möchte ich es dennoch sehr. Man kann sich nur in die Charaktere verlieben.

Sicherlich lesen die meisten nur eine historische Reihe über Medizin außer man ist interessiert. Wenn es nur eine ist, würde ich definitiv diese hier empfehlen, denn es ist nicht zu viel und nicht zu wenig, aber auf einem sehr angenehmen Level,

eure Blue Diamond.

Mittwoch, 20. Februar 2019

The Bookseller of Kabul

Hallo liebe Lesehasen,

dieses Buch habe ich schon vergangenes Jahr gelesen, und erschreckenderweise stelle ich gerade fest, dass es noch länger gedauert hat diesen Post zu schreiben als das Buch zu lesen. Und das hatte schon voll lange gedauert. Einerseits war es voll meine Umzugsphase und andererseits hatte ich mir einfach etwas gänzlich Anderes vorgestellt. Davor will ich euch nun bewahren.

Die Fakten:
  • Autor: Asne Seierstad
  • Titel: The Bookseller of Kabul (Original: Bokhandleren i Kabul)
  • Übersetzung: Ingrid Christophersen
  • Erschienen: 2004
  • Verlag: Virago Press
  • Seiten: 276
  • Preis: 11,00 Euro
  • Klappentext: "For more than twenty years, Sultan Khan defied the authorities to supply books to the people of Kabul. He was arrested, interrogated and imprisoned, and watched illiterate soldiers burn piles of his books on the street."

Zur Handlung: Asne Seierstad erhält es Journalistin 2002 die Chance bei einer Familie in Kabul zu leben. Sie beobachtet die einzelnen Familienmitglieder, hält sich eher im Hintergrund und hat eine einmalige Chance, da sie als Außenstehende sowohl von Männern als auch von Frauen als gleichrangig gesehen wird.

Seierstad beschreibt das Leben der Menschen, die so viele politische Umbrüche mitmachen mussten. Sie schreibt von Alltag, von Geschäft, von Glaube, von Liebe und Ehe. Dennoch wirft sie einen uns bekannten westlichen Blick in diese doch so fremde Welt.

Beim Kauf dieses Buches war ich mir leider nicht bewusst, dass es sich nicht wirklich um ein fiktionales Werk handelt. Seierstad gibt Charakteren zwar andere Namen, lässt aber doch durchscheinen, dass nicht viel Fiktion auf die Wirklichkeit projiziert wurde. An sich tut das einem Buch keinen Abbruch, aber vermutlich hätte ich nicht bewusst ein Buch einer weisen Frau über Menschen in Afghanistan gelesen, dass lediglich ihren Blick auf das Leben da schildert.

Die meisten Kapitel beziehen sich auf eine neue Figur in der Familie oder dem näheren Umfeld von Sultan Khan. Dadurch fiel es mir schwer, die genauen Familienverknüpfungen zu durchschauen. Es gibt Söhne, Schwestern, zweite Ehefrauen und Diebe. Ich denke, das hätte man allein durch einen Stammbaum am Ende schon entzerren können. Aber man kommt auch nie ganz in der Handlung an, da man immer gleich wieder in ein anderes Szenario mit einer anderen Hauptfigur fällt.

Ein wichtiger Punkt ist, dass dieses Buch schon einiges an Wissen über die historischen Entwicklungen in Kabul voraussetzt. Das Buch eignet sich wenig, wenn man sich damit noch nie auseinandergesetzt hat, da man dann schlecht Zusammenhänge und Verweise auf früher versteht. Gesondert erläutert wird historisch nichts im Buch.

Am traurigsten fand ich an diesem Buch, dass es mich einfach nicht interessiert hat. Es gab einzelne Kapitel, die mich mehr angesprochen haben als andere, aber insgesamt kann ich mich kaum an etwas Stichhaltiges erinnern, das im Buch passiert. Die Familie von Sultan Khan ist in vielerlei Hinsicht sicherlich privilegiert und zeigt so kaum ein typisches, geschweigedenn aktuelles, Bild auf.

Alles in allem hat das Buch mich leider gelangweilt. Ich habe nicht wirklich Neues daraus gelernt und ich fand es schwer nachzuvollziehen, was fiktional und was ein reiner Bericht ist. Dazu kommt schließlich die Kontroverse um das Buch, da die Autorin von der Familie später verklagt wurde. Insgesamt bleibt es ein Buch einer weisen Europäerin über Afghanistan und damit ein sehr spezifischer Blick, der manchmal interessant und manchmal sehr banal ist.

Kennt ihr das Buch? Habt ihr andere Bücher der Autorin gelesen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:

Sonntag, 15. Oktober 2017

Abgründe: Wenn aus Menschen Mörder werden - Der legendäre Mordermittler deckt auf - #Scaralong


Hallo zusammen,

ich muss ehrlich sagen, der Scaralong läuft ganz gut für mich und ich habe schon wieder ein Buch dafür beendet, obwohl ich dieses eigentlich über die ganze Zeit verteilen wollte. Es war dann wohl doch zu spannend.

Fakten
  • Autor: Josef Wilfling
  • Thriller
  • 2011 erschienen
  • 320 Seiten
  • Heyne Verlag
  • Preis: 8,99€ (Taschenbuch)
Klappentext:
"Eine junge Frau tötet ihren ehemaligen Liebhaber auf grausame Weise mit einem Besenstiel. Ein Mann ermordet zwei Frauen, um die Aufdeckung seiner kriminellen Machenschaften zu verhindern. Ein Jugendlicher ersticht einen ihm völlig Unbekannten. Aus reiner Mordlust. Das Unfassbare war bei ihm der Normalfall: Der legendäre Mordermittler Josef Wilfling hatte es tagtäglich mit Menschen zu tun, die Ungeheuerliches getan oder erlebt haben. Jetzt erzählt er seine spektakulärsten Fälle, schildert Tathintergründe, gibt den Blick in seelische Abgründe frei und zeigt: Die Wirklichkeit ist packender als jeder Krimi."

Am Klappentext erkennt ihr es schon, es handelt sich beim Autor um einen echten Mordermittler, der, wenn er Lesungen gibt, tatsächlich schüchtern ist, aber in seinem Beruf unglaublich aufgeht und hervorsticht. Trotz der Grausamkeit mit der er immer zu tun hat, ist er ein sympathischer Mann. Dieses Buch ist nur eines von vielen, die er geschrieben hat und zeigt, wie wahnsinnig die Welt sein kann.

Es werden mehrere grausame und auch irgendwie fanatische Ermittlungen beschrieben, die jede auf ihre Weise anschaulich dargestellt wird. Wir sehen alles aus Ermittlersicht. Es wird ganz offen dargelegt wie verstrickt und kompliziert es ist einen Täter zu fassen. Hindernisse bei Ermittlungen, durch Zeugen und Opfer oder auch durch Bürokratie sind nur einige. Über genaue Inhalte möchte ich gar nichts erzählen, da wäre jede kurze Beschreibung haltlos.

Ich muss ehrlich sagen, wenn ihr ein bisschen zart beseitet seid und euch wirklich reale Dinge zu sehr mitnehmen, dann solltet ihr hier keinen Blick hinein werfen. Es hat mich geekelt, entsetzt und auch sprachlos werden lassen. Zu was Menschen fähig sind und wie sie manchmal denken, ist einfach nur obskur.

Definitiv ein empfehlenswertes Buch und auf eine Art auch wichtig die Inhalte zu kennen um die Welt einfach zu durchschauen, nicht unbedingt zu verstehen,

eure Blue Diamond.


Sonntag, 7. Mai 2017

Die Girls von Riad

Hallo meine Wüstenprinzesinnen,

heute kommen wir zu einem Buch, das ich gelegentlich auf dem Schirm hatte, aber dann wieder vergessen habe. Das Pink hat mich ehrlich immer ein bisschen abgeschreckt und auch der deutsche Titel ist ein bisschen seltsam und überzeugt mich nicht. In der Bibo bin ich diesmal aber nicht daran vorbeigekommen und der Frühling hat mir Lust gemacht.

Die Fakten:
  • Autor: Rajaa Alsanea
  • Titel: Die Girls von Riad (Original: Banat al-Riyad)
  • Übersetzung: Doris Kilias
  • Erschienen: 2007
  • Verlag: Pendo Verlag
  • Seiten: 328
  • Preis: für wenige Cent gebraucht
  • Klappentext: "Was heißt es für eine junge Frau in Saudi-Arabien, sich zu verlieben? Am Vorabend ihrer Hochzeit glaubt Kamra sich am Ziel ihrer Träume. Aufgewachsen mit Handy, Laptop und der neuesten westlichen Mode, bekommt sie schon bald die strengen Gesetze der Scharia zu spüren..."

Zur Handlung: 4 Freundinnen, die unterschiedlicher nicht sein können. Eine heiratet, zieht ins Ausland und entdeckt, dass ihr Mann sie nicht liebt. Eine verliebt sich unsterblich in einen jungen aus guten Hause, der sie jedoch nicht heiraten darf und für seine Familie verlässt. Eine ist verlobt und eigentlich schon verheiratet, wird dann aber von ihrem treulosen Mann verlassen. Und die letzte missbilligt die saudische Gesellschaft, weil sie ihr zu strenge Grenzen aufzwingt.

Alle 4 gehen in diesem Buch durch schlimme Zeiten, aber es gibt immer wieder Lichtblicke und die beste Unterstützung sind sie sich meist gegenseitig. Sie sind verbunden in ihren Hoffnungen, Ängsten und ihrem Schmerz. Als saudische Frauen ist ihr Leben nicht so wie unseres, in vielerlei Hinsicht.

Der Aufbau des Buches ist sehr besonders, denn anstatt Kapitel erhalten wir Emails. Diese Emails werden von einer anonymen Frau in Saudiarabien verschickt und sie erzählen von ihren Freundinnen. In jeder Email wird eine andere in den Mittelpunkt gestellt und ihre Geschichte weitererzählt. Dabei werden mehrere Jahre von Geschehnissen abgedeckt. 

Die Geschichte wird dadurch sehr episodisch, da zwischen den Kapiteln immer Zeitsprünge sind. Es erinnert also schon an eine Art Sex and the City. Da man nicht weiß, wer diese Emails schreibt, hat man auch einen Touch Gossip Girl mit drin. Dennoch ist dies ein Buch und keine TV-Sendung. Und leider kann ich den Enthusiasmus für dieses Buch nur bedingt teilen.

Zunächst haben wir 4 Freundinnen, von denen sich je 2 irgendwie sehr ähneln. Da die Charaktere nicht klar abgegrenzt sich, war es für mich immer schwierig mich zu orientieren. Wer hatte jetzt den Freund, wer war gerade verlassen wurden und wer machte in welchem Land gerade ein Praktikum? Da begann schnell alles zu verschwimmen. Natürlich hilft es da nicht, dass die Namen eher ungewöhnlich für westliche Leser sind, aber das ist natürlich nicht zu ändern.

Leider hat mich aber auch verwirrt, dass ich zu wenig über die saudische Kultur weiß. Dieses Buch ist nicht für westliche Leser geschrieben, und das merkt man leider total. Ein paar Fußnoten hätten hier wirklich aus einem Unterhaltungsroman etwas gemacht, aus dem man lernen kann. Zum Beispiel ist es mir schleierhaft - pun intended - wann Frauen in Saudiarabien wie verschleiert sind. Ich danke, das ist immer, wenn Männer in der Nähe sind, aber dann spielt der Verlobte mit ihrem Haar und ich bin raus. Aber auch andere Traditionen und Regeln waren für mich sehr schwer aus dem Text nachzuvollziehen - dabei wollte ich doch unbedingt Neues lernen!

Die Geschichten an sich sind für Chick-Lit-Freunde bestimmt unterhaltsam, und das Buch lässt sich auch gut und schnell lesen. Leider ist das einfach nicht mein Genre, sodass mir das für ein Buch einfach nicht reicht. Durch die Zeitsprünge und die Erzählung von außerhalb ist man den Hauptfiguren auch nie nahe gekommen, und meist war mir ihr Schicksal leider doch recht egal. Man fühlte auch, wann die Autorin die Freundinnen verurteilte und sah sie dann selber als "schuld" an. 

Jede Email wird darüber hinaus eingeleitet mit Reaktionen auf Antwortemails und aktuelle Geschehnisse in Saudiarabien. Ich muss sagen, dass mir das meistens nichts gegeben hat. Auf der anderen Seite ist es so eben authentisch, denn wenn ich es letztlich richtig verstanden habe, ist das Buch wirklich aus Emails entstanden?! Wer weiß...

Ich denke, mehr kann ich über das Buch nicht sagen. Mich hat es leider nicht berührt, es hat mir nichts Neues beigebracht, aber mich teilweise gründlich verwirrt. Der Schreibstil war ansprechend und ich mochte den Stil, der an Sex and the City erinnert hat. Dennoch kann ich das Buch westlichen Lesern eher nicht empfehlen. Hier gibt es sicher bessere Einführungen in das Leben saudischer Frauen.

Habt ihr das Buch gelesen? Seid ihr vielleicht ganz anderer Meinung?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:
 

Sonntag, 30. April 2017

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer

Hallo meine Spione,

heute soll es um ein weiteres Hörbuch aus der Bibliothek gehen, das ich vorrangig im Auto gehört habe. Das Buch kannte ich vorher überhaupt nicht, aber irgendwie hat es mich angesprochen, vor allem der Titel. Allerdings kann ich gleich sagen, dass das Buch ganz anders war, als ich erwartet hatte.

Die Fakten:
  • Autor: Alex Capus
  • Titel: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer
  • Leser: Ulrich Noethen
  • Erschienen: 2013
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Länge: 7 Stunden 40 Minuten (ungekürzt)
  • Preis: 4,95 Euro
  • Klappentext: "Der pazifistische Jüngling Felix Bloch studiert Atomphysik bei Heisenberg in Leipzig, flüchtet 1933 in die USA und gerät nach Los Alamos, wo er Robert Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen soll. Die rebellische Musikantentochter Laura D'Oriano versucht sich als Sängerin und muss erkennen, dass ihr das Talent für die große Karriere fehlt. Bei Kriegsausbruch geht sie als Spionin für die Alliierten von Marseille nach Italien, ohne zu bemerken, dass Mussolinis Leute ihr auf Schritt und Tritt folgen.Der Kunststudent Emile Gilliéron reist mit Schliemann nach Troja, zeichnet Vasen und restauriert Fresken, fertigt auf Wunsch auch Reproduktionen an - und stellt bald fest, dass es von der Kopie zur nicht deklarierten Fälschung nur ein kleiner Schritt ist. Nur einmal können die drei einander begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof Zürich, wo die Geschichte einsetzt. Danach führen ihre Wege auseinander und bleiben doch auf eigentümliche Weise miteinander verbunden."
Zur Handlung: 1924. Ein Mädchen, das auf dem Treppchen eines Zuges mitfährt. Ein Junge, der am Rande des Bahnhofs steht und mit der Zukunft hadert. Ein Mann, der die Asche seines Vaters bei sich trägt. Sie verbindet nichts und doch nehmen sie sich für eine Sekunde wahr. So will es der Autor. Danach trennen sich die Wege.

Laura D'Oriano will eine richtige Sängerin werden, nicht wie ihre Mutter, die dazu ihr Strumpfband herzeigen muss. Doch als sie einen Schweizer heiratet, ändert sich alles. Felix Bloch will auf keinen Fall Maschinenbau studieren, sondern etwas ganz und gar unnützes, das nicht für Kriegszwecke missbraucht werden kann. Daher wird er Atomphysiker. Emile Gilliéron und sein Vater sind geborene Künstler, denen aber die Lust auf eigene Werke fehlt. Dennoch werden sie ganz und gar berühmt.

Zunächst muss zum Buch gesagt werden, dass die Figuren real sind. Es gab tatsächlich alle drei Charaktere in der Geschichte. Dennoch handelt es sich um ein fiktionales Werk, welches unterstellt, dass die drei sich einmal hätten begegnen können. Auch sind die Leben und vor allem Lücken im Geschichtswissen ausgeschmückt und kreativ gefüllt.

Dennoch kann man aus diesem Hörbuch einiges lernen. Ich kannte ehrlich gesagt keine der Figuren bisher. Am spannendsten war für mich der Handlungsstrang rund um Schliemann und Knossos, denn da bin ich selbst schon gewesen. Als Lateinlehrer und Fan von Archäologie war es super spannend, von den Verfahren jener Zeit zu hören. Und so sehr uns das heute alles verwerflich vorkommen muss, ohne diese Stümper und die Euphorie, die sie mit Fäschlungen und Fehlinterpretationen auslösen konnten, gäbe es die heutige Archäologie vermutlich nicht.

Auch die Geschichte um Felix Bloch hat mir gut gefallen, denn da sind wirklich einprägsame Sätze gefallen und ich mochte, wie sich sein Schicksal völlig gegen seine Ideale und Pläne dreht und er aus der Sache einfach nicht mehr herauskommt. Aber auch vor dem bitteren Ende schon konnte ich mit der Geschichte eines ambitionierten Studenten, der für sein Fach brennt, viel anfangen. Am wenigsten hat mir die Geschichte von Laura gegeben. Ihr Schicksal ist zwar schlimm gewesen, der Weg dahin aber voller seltsamer Entscheidungen und komischer Zufälle. Von Spionin sollte man hier nicht zu viel erwarten.

Neben der Recherche besticht das Buch vor allem durch seinen Schreibstil, der sicherlich nicht für jeden gemacht ist, mir aber ausgesprochen gut gefallen hat. Das Buch hat auch eine eigene Art von Humor, die mich zum Schmunzeln brachte. Aber es sind mir auch viele Aussagen im Kopf geblieben, weil sie wahr sind und erschreckend, vor allem im Kontext mit den Bomben. Aber es liefert auch eine interessante Analyse der Gesellschaft von damals.

Der Sprecher des Hörbuchs war ebenfalls gut. Ich mag generell zwar lieber "jüngere" Stimmen, aber hier hat es definitiv gepasst. Es gibt hier wenig Stimmen-verstellen, da selten Dialoge vorkommen. Das Hörbuch war durchweg sehr gut verständlich. Dennoch habe ich manchmal gewünscht, ich hätte das Buch richtig gelesen, um einige Sätze noch besser verdauen zu können. Dann bleibt das Buch auch länger im Gedächtnis.

Insgesamt war dies ein gutes Hörvergnügen aber letztlich hat sich mir doch die Frage gestellt, was das Buch im Innersten zusammenhält, um mal Faust zu zitieren. Abgesehen von dem vermeintlichen Treffen am Bahnhof gehen alle Geschichten völlig auseinander und spielen teilweise auch auf völlig unterschiedlichen Zeitebenen. Ein letztes Aha! am Ende hat es leider auch nicht gegeben, sodass ich irgendwie drei Geschichten in einer bekomme und den Zusammenhang nicht sehe.

Das Buch ist sicher nicht für jeden, aber durchaus für die richtigen Leser auch die richtige Wahl. Wenn ihr euch für literarische Werke mit biografischem Hintegrund und gut durchdachten Sätzen und interessanten Gesellschaftsdiagnosen interessiert, dann könnte es eine gute Wahl sein. Wenn ihr aber eine in sich geschlossene actionreiche Handlung erwartet, kann ich leider nur abraten.

Kennt jemand das Buch oder andere Werke von Capus? Für mich war es das erste, vielleicht aber nicht das letzte...

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:
 

Mittwoch, 22. Februar 2017

Die Frau des Zoodirektors

Hallo meine Historienfreunde,

wieder einmal begeben wir uns in die Zeit des zweiten Weltkrieges, denn ich finde Bücher über diese Zeit einfach wahnsinnig interessant. Dieses Buch ist erst relativ frisch auf Deutsch erschienen, bald wird es aber auch einen Kinofilm dazu geben. Der Trailer hat mich direkt berührt, und in meiner Bibliothek gab es dann Buch dann auch direkt.

Die Fakten:
  • Autor: Diane Ackerman
  • Titel: Die Frau des Zoodirektors (Original: The Zookeeper's Wife)
  • Übersetzung: Christine Naegele
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Wilhelm Heyne Verlag
  • Seiten: 357
  • Preis: 19,99 Euro
  • Klappentext: "Geschichten aus dem Krieg gibt es viele. Die meisten sind traurig und erschütternd. Doch es gibt auch Geschichten, die einem den Glauben an das Gute im Menschen zurückgeben. Wie die Geschichte der Zabinskis, die ihr Leben für das Überleben anderer riskierten. Während der Zweite Weltkrieg tobt, wird der Warschauer Zoo Schauplatz einer dramatischen Rettungsaktion, die über 300 Juden vor dem sicheren Tod bewahrt."

Zur Handlung: Anonina lebt zu Beginn der 30er Jahre ein erstaunliches Leben, wie es nur wenigen Frauen in Polen und auf der Welt vergönnt gewesen ist. Als Frau des Zoodirektors des Warschauer Zoos lebt sie mit vielen zwei- und vierbeinigen Wesen zusammen, die ihre Hilfe und Unterstützung brauchen. Da sind Luchse, Wolfswelpen und ein Dachs, der sogar an der Leine spazieren ging.

Sie liebt dieses Leben sehr und ist glücklich, es mit ihrem Mann Jan und ihrem Sohn Rys zu teilen, als der zweite Weltkrieg ausbricht. Polen und Warschau werden von den Deutschen angegriffen, erobert und besetzt. Dabei wird der größte Teil des Zoos zerstört. Doch Antonina gibt nicht auf, sondern stellt sich den Dingen, die ihr wunderbares Leben und das ihres Sohnes bedrohen.

Wie schon gesagt, der Trailer zum Film hat mich unglaublich berührt, vor allem weil ich es mir so schrecklich vorstelle, wie die armen Tiere während der Bombardierung eingeschlossen und eingesperrt waren, und keinerlei Ausweg hatten. Auch Antonina ist eine wahnsinnig empathische Person, die das Schicksal ihrer Lieben zutiefst bedrückt, doch sie kann sich nicht wehren.

Im Buch tauchen ganz unterschiedliche Figuren auf, aber der Fokus ist immer auf Antonina, die während der Besatzungszeit Tagebuch führte. Ihr Mann Jan ist mutig und abenteuerlustig, aber über die Zeit des Krieges hinweg wird er auch verzweifelt, harsch, und weiß seine unglaubliche Frau nicht immer zu schätzen. Die negative Einstellung gegenüber den Fähigkeiten einer Frau gibt er so auch an seinen Sohn weiter, was mich einige Male wütend gemacht hat.

Das Buch ist weniger ein Roman, was ich erwartet hatte, als eine Erzählung darüber, wie es für Antonina gewesen sein muss. Dabei wird auf unzählige Quellen und Zeitzeugenberichte verwiesen, wodurch man total viel lernt, aber immer eine sichere Distanz zu Ereignissen behält. So weiß man beispielsweise, dass Jan nichts Schlimmeres passieren kann, weil aus Interviews von nach dem Krieg von ihm zitiert wird. Das sollte man wissen, wenn man dieses Buch beginnt.

Dennoch gewinnt man so sehr viele gut belegte Einsichten in die polnische Besatzungszeit, die gerade uns deutschen viel zu wenig nahe gebracht wird. Auch der polnische Untergrund ist ein wahnsinnig spannendes Feld, in dem auch die Zabinskis unterwegs waren. Ich hatte davon erstmal in Honigtot gelesen. Ich finde es erstaunlich, wie bei den Anti-Nazi-Widerständen vor allem auf die Franzosen verwiesen wird, wo die Polen doch ein so ausgeklügeltes Netz an Widerständlern aufgebaut haben. 

Jan und Antonina denken aber auch viel über Psychologie nach - der Tiere und der Menschen, und suchen nach Ähnlichkeiten und Unterschieden. So ist es für sie leichter, mit den Raubtieren der SS oder Wehrmacht umzugehen, aber auch die Beutetiere jüdischer Herkunft zu verstecken, zu verstehen und ihnen Unterstützung zu gewähren. Es war interessant, so viel Einsicht in die Rettungsaktionen zu bekommen, die durch den Zoo durchgeführt wurden, obwohl ich dachte, dass dies noch mehr im Fokus steht.

Letztlich geht es in dem Buch um eine Frau, die ihre Familie (auch tierischer Natur) wie eine Löwenmutter beschützen will, aber immer wieder an die Grenze des Machbaren stößt. Sie kämpft und bekommt dafür nie den Respekt, den sie verdiente. Dennoch gibt sie nie auf, ihre Familie zu lieben und verteidigen. Sie trifft viele aufreibende, aber wichtige und richtige Entscheidungen, und rettet damit nicht nur sich, sondern eine Vielzahl von unschuldigen Leben. Vom Schreibstil hatte ich mir einfach mehr erwartet, mehr Gefühl vor allem, obwohl es mich trotzdem am Anfang gelegentlich zum Weinen gebracht hat.

Wer kennt das Buch? Was sagt ihr zum Trailer? Und würde euch so ein eher faktengebundenes Buch interessieren?

Bis bald,
Eure Kitty Retro 











Meine Bewertung:


* Dieses Buch habe ich im Rahmen des Frauenpower Februar gelesen. *

Sonntag, 10. April 2016

Gewalt ist eine Lösung: Morgens Polizist, abends Hooligan - mein geheimes Doppelleben

Hallo zusammen,

es ist wieder soweit, die Sonne kommt raus, ich habe ein bisschen Zeit und schwubs wird viel weggelesen. Dieses mal jedoch ein ganz anderes Buch, welches ich auch gar nicht so richtig einordnen kann.

Fakten:
  • Autor: Stefan Schubert
  • Tatsachenroman
  • 2010 erschienen
  • 336 Seiten
  • Riva Verlag
  • Preis (gebundene Ausgabe): 19,90€

Klappentext: 
"Polizist als Hooligan entlarvt - diese Schockmeldung erschütterte 1996 die ganze Nation. Nach einem Fußballspiel hatten Hooligans in der Bielefelder Innenstadt eine Straßenschlacht mit 55 Verletzten angezettelt – an vorderster Front dabei Stefan S., Polizist. Acht Jahre lang hatte der Polizeiobermeister in zwei Welten gelebt: Während er unter der Woche in Uniform auf Streife ging, zog er am Wochenende deutschland- und europaweit durch die Stadien. Hart und ehrlich berichtet Stefan Schubert von dem süchtig machenden Rausch der Gewalt und deckt zugleich das Versagen der Polizei auf, die ihn unbehelligt ließ, obwohl sie von seinem blutigen Hobby wusste. Nach einem geheimen Deal zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Polizeiführung schied er aus dem Polizeidienst aus – jetzt packt er aus."

Vom Inhalt her ist denke ich alles gesagt. Viel wichtiger ist, dass diese Geschichte wirklich Schlag auf Schlag geht, im wahrsten Wortspiel begriffen. Wir beginnen in der Jugend von Stefan, der von Ausländern gefobbt wird und sich schließlich wehren will. Dies scheint der Beginn einer unaufhaltsamen gewalttätigen Laufbahn.

Er war schon immer Fußballfan und beobachtet eine Weile den Zusammenhalt im Fanblock seiner Mannschaft. Eines Tages wird er aufgenommen und erlebt viel Zuspruch. Diesen bekommt er auch im Job. In der damaligen BRD wird er als Polizist ausgebildet. Eine Karriere in beiden Welten beginnt und endet schließlich da, wo der Klappentext beginnt.

All die Geschehnisse bis dahin werden völlig unkompliziert und direkt von Stefan selbst erzählt. Er verzichtet dabei gänzlich auf große Umschreibungen, nur bei den Verletzungen und den Gefühlen die er im Gewaltrausch hat, wird er sehr genau. Diese Stellen und der Weg zum Rausch haben mir auf eine absurde Art und Weise Angst eingejagt. Auf der anderen Seite überträgt sich auch das Adrenalin sofort. Es ist ein hin und her zwischen Euphorie und Schrecken. So fühlte Stefan sich wahrscheinlich auch wirklich, denn wir haben es hier mit einem Tatsachenroman zu tun.

Nicht nur er ist von seiner nicht vorhandenen Skrupel entsetzt, sondern er steckt einen auch sofort damit an. Der Titel selbst stellt genau dieses Problem in den Vordergrund. Es ist unglaublich wichtig, dass Stefan im Buch und wohl auch in seinem Leben, reift und sich seiner Handlungen bewusster wird. Ich will nicht sagen, er wird zu einem besseren Menschen, denn er war kein Schlechter, dennoch wird er auf eine gute Art ruhiger und standfest. Ich habe keine Ahnung wie solche Kämpfe, die von beiden Seiten offensichtlich gewollt sind, geregelt sind, jedoch sollte doch jeder logische Menschenverstand einen dazu bringen, nicht nachzutreten, wenn der andere am Boden liegt. Dies wird hier aus den Angel gehoben und Gewalt pur präsentiert.

Das Klischee Mann und wie dieser sich messen muss um sich wirklich als Mann zu fühlen, kommt ebenso zum Ausdruck. Instinktiv würde ich dem bei dieser Geschichte sogar Bedeutung zu messen, aber mal im Ernst, klar wünschen sich Frauen im Notfall einen Beschützer, aber gewiss niemanden, der sich gern schlägt, und sich dann auch noch gut fühlt. Da kann irgendetwas auch nicht ganz richtig laufen. Oder?

Als ich mich mit Stefan ein wenig näher beschäftigt habe, habe ich auch Bilder von ihm gefunden und es ist wie immer, man sieht einfach nicht, zu was Menschen fähig sein können, sieht man nicht auch was sie tatsächlich tun.

Die Geschichte hat viele kleine Nebenschauplätze, so kommen wir auf das Thema Ausländer zu sprechen, es geht dabei nicht wirklich um Feindlichkeit. Wir haben es mit Polizisten zu tun die irgendwie anders handeln als man es von ihnen erwarten würde. Es scheint eine Balance aus - dies und jenes muss zu gelassen werden, dafür passiert da und da dann nichts. Was ich damit genau meine, möchte ich gar nicht weiter ausführen, das würde nur zu fehl leitenden Aussagen führen.

Fest steht, dieses Buch war mitreißend und hat mich unglaublich aufgewühlt. Es hat eine Ausdrucksstärke die ich selten vorgefunden habe, mag das jetzt gut oder schlecht sein. Empfehlen möchte ich es vor allem unseren männlichen Lesern und denen, die sich mit Gewalt auseinander setzen können, ohne dabei die Fassung zu verlieren oder sich auf eine Seite zu schlagen,

eure Blue Diamond.



Mittwoch, 30. März 2016

Die dunklen Mauern von Willard State

Hallo meine Historie-Freunde,

ich habe vor einer Weile ein Rezensionsexemplar dieses Buches auf Wasliestdu gewonnen. Ich war sehr gespannt darauf, denn es spielt teilweise in den 20er Jahren und diese Zeit fasziniert mich sehr. Beispielsweise liebe ich die Geschichte von Gatsby. Aber auch Bücher über psychiatrische Anstalten finde ich spannend. Konnte es mich nun beglücken?

Die Fakten:
  • Autor: Ellen Marie Wiseman
  • Titel: Die dunklen Mauern von Willard State (Original: What She Left Behind)
  • Übersetzung: Sina Hoffmann
  • Erschienen: 2015
  • Verlag: Piper Verlag
  • Seiten: 444
  • Preis: 9,99 Euro
  • Klappentext: "Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte: Ihre Mutter erschoss ihren Vater während er schlief. Seitdem lebt die nun 17-Jährige bei Pflegefamilien. Als sie für ein Museum Gegenstände ehemaliger Insassen der alten und berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum katalogisiert, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright. Je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens …"

Zur Handlung: Izzy, eigentlich Isabelle, ist bei einer neuen Pflegefamilie angekommen, nachdem ihre Mutter ihren Vater erschossen hat. Seitdem hat sie ihre Mutter nicht mehr gesehen, denn sie hat Angst, dass der Wahnsinn ihrer Mutter sich irgendwie auf sie selbst übertragen könnte. In ihrer neuen Pflegefamilie fühlt sie sich tatsächlich wohl. Deswegen stimmt sie auch zu, bei der Museumsarbeit ihrer Pflegemutter zu helfen, obwohl es dabei um eine alte Psychiatrie geht.

So fällt ihr schnell das Tagebuch einer jungen Frau in den 20er Jahren in die Hände, welche irgendwie in der Psychiatrie gelandet sein muss. Leider gibt das Tagebuch darüber keinen Aufschluss, denn es endet mit ihrer Einweisung in Willard. Doch sie hat ein schreckliches Geheimnis - sie ist überhaupt nicht verrückt und wurde gegen ihren Willen in das Heim eingeweisen.

Zunächst war dieses Buch vielleicht doch nicht das Richtige für mich. Ich fand die Situation, in der Clara sich befand, viel zu aussichtslos. Es hat mich einfach nur genervt, dass es nie irgendeine Hoffnung gab. Daher hatte ich bei ihren Kapiteln schon von vorn herein keine Lust. Leider war es thematisch einfach nichts meins. Darauf möchte ich noch ein bisschen ausführlicher eingehen.

Das Buch kann man gut beschreiben als Mischung aus Twilight und American Horror Story Staffel 2. Die Geschichte von Izzy ist sehr teenagerlastig und sie hat die typischen Probleme mit ihrer neuen Schule. Außerdem hat sie Stress mit einer Mitschülerin und ist ein bisschen verknallt in deren Freund. Claras Geschichte dagegen ist eben die klassische Gegen-den-Willen-eingesperrt-Story, die mich einfach viel zu sehr belastet hat. So ganz ohne Hoffnung auf Veränderung macht mir das Lesen keinen Spaß.

Stilistisch finde ich aber nun doch auch eine Kritik, die mit dem Inhalt nichts zu tun hat. Die Autorin schreibt in einem kleinen Q&A am Ende, dass es für die schwierig war, beide Geschichten gleichzeitig zu erzählen. Und das merkt man. Die Kapitel sind völlig voneinander gelöst. Die Geschichten haben keinen inneren Zusammenhang. Man durchschaut, vor allem am Ende, nicht, wie Izzy die Dinge über Clara herausfindet. Es sind einfach zwei Geschichten, in denen viel zu viel abgehandelt wird.

Vor allem auf Izzys Seite lösen sich die Probleme am Ende einfach alle auf, ohne dass sie sinnvoll behandelt werden. Das wünsche ich mir für mein Leben doch bitte auch. :D Daher ist das Ende zwar nett, aber irgendwie versteht man den Weg dahin so gar nicht. Es ist am Ende auch einfach alles viel zu praktisch. Mit Clara ist es anders, denn ihre Probleme lösen sich einfach gar nicht. Wir können immer wieder all die schlimmen Dinge lesen, die ihr geschehen, und wissen, daran wird sich nichts ändern. Daher wird lediglich beschrieben, was es für Probleme auf der Welt gibt, und dann zieht das Buch einfach weiter, ohne Lösungsvorschläge oder Reflexionen.

Alles in allem war dieses Buch dann leider enttäuschend für mich. Die Kapitel unterscheiden sich im Schreibstil gar nicht, sodass sich die 20er-Jahre Geschichte einer jungen Frau genauso liest wie die aktuelle Geschichte einer Teenagerin. Die Wechsel zwischen den Erzählerinnen ist willkürlich und die beiden Sichtweisen fügen sich nie zu einem Ganzen zusammen. Anstelle der anstrengenden Kapitel von Clara hätte ich mir Tagebucheinträge oder einfach Forschungsfortschritte von Izzys Seite gewünscht. Außerdem hätten ihre privaten Probleme einfach mehr im Hintergrund sein können. Das Buch war thematisch überladen und hat dadurch das Thema irgendwie verfehlt.

Das ist wirklich schade, denn das Buch hat gute Kritiken bekommen. Am Ende war es wohl einfach nicht für mich. Dabei dachte ich, ich hätte das historische Genre gerade neu für mich entdeckt. Ich interessiere mich jetzt aber für die Bücher, die die wahren Begebenheiten in Willard thematisieren, denn die Psychiatrie gab es wirklich.

Kennt ihr das Buch und wie findet ihr es?

Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:

Mittwoch, 17. Februar 2016

Versteckt wie Anne Frank

Hallo meine Lesefreunde,

zum Geburtstag habe ich mir dieses etwas andere Buch gewünscht. Der zweite Weltkrieg und die schreckliche Behandlung von Juden während dieser Zeit haben mich immer sehr bewegt. Als ich neulich auf einem anderen Blog, an den ich mich leider nicht mehr erinnere, dieses Buch gesehen habe, war ich sofort neugierig. Denn dieses Buch beschreibt 14 Geschichten, die ähnlich der von Anne Frank sind. Unterschied: Die entsprechenden Kinder haben überlebt und können uns heute ihre Geschichten erzählen. Diese Geschichten sind zwar hochdramatisch und etwas, das keinem Menschen auf der Welt angetan werden sollte, aber dennoch sind es auch Geschichten von Hoffnung, denn sie hatten Hilfe, Familie und Freunde, die alles riskiert haben für sie. Und deswegen finde ich dieses Buch bewundernswert.  Jeder sollte es lesen. Ich kann auch die dazugehörige Homepage sehr empfehlen.
  • Zuerst erzählt uns Rita Degen von verschwundenen Sternen auf 16 Seiten. Sie war sehr jung, als der Krieg begann. Die Eltern schafften sie zu anderen Familien und tauchten für sich unter. Dadurch ist ihre Geschichte ganz anders als die von Anne Frank. Außerdem war sie blond, wodurch sie von den Deutschen als deutsches Kind wahrgenommen wurde. Da sie noch so jung war, sind Schreibstil und Handlung eher unbedarft und für junges Publikum gut geeignet. Ich hätte mir die eine oder andere weitere Ausführung gewünscht. Dieser Geschichte würde ich 3 von 5 Sternen geben.
  • Auf 20 Seiten erzählt uns Jaap Sitters die Geschichte seiner Familie. Auch er wurde zunächst getrennt von den Eltern untergebracht, musste dann aber zu ihnen zurück. Er hatte ebenfalls vor allem Glück. Ich fand diese Geschichte wesentlich ergreifender, denn man bekommt an so vielen Stellen mit, wie viele den Nazis zum Opfer gefallen sind. Jaap hatte unglaubliches Glück und einen cleveren Vater. Auch diese Geschichte ist dennoch für junges Publikum gut geeignet, denn es wird nichts grafisch beschrieben, nur angedeutet. Dennoch hat er wesentlich schrecklichere Dinge zu berichten. Diese Geschichte verdient 5 von 5 Sternen, denn einem wird beim Lesen doch ganz anders.
  • Bloeme Emden war zum Ende des Krieges etwa 19 Jahre alt und erzählt auf ca. 15 Seiten von ihrer Odyssee. Da sie kein Kind mehr war, hat sie viele Vorgänge anders wahrgenommen und dadurch sind ihre Schilderungen auch anderer Natur. Ich hätte mir noch mehr Details gewünscht, denn ihr Schicksal ist wirklich ergreifend. Viele Menschen in ihrer Umgebung sind Opfer des Holocaust geworden und nur durch viel Glück hat sie es geschafft. Von ihrer Zeit in Auschwitz schreibt sie nichts. Wäre dies kein Kinder- und Jugendbuch, hätte ich darauf unbedingt bestanden. So gibt es von mir ebenfalls 5 von 5 Sternen, denn dieses Schicksal hat mich zu Tränen gerührt. Ich finde auch den kurzen Ausblick auf ihr restliches Leben schön.
  • Die nächste Geschichte ist auch etwa 15 Seiten lang und berichtet von Jack Eljon, der 3 Jahre alt war, als der Krieg ausbrach. Diese Geschichte geht einfach unter die Haut. Sie ist so entsetzlich traurig und vollkommen nachvollziehbar. Man kann kaum glauben, wie hier einige Menschen reagieren - gut und schlecht. Sicher ist, dass kein Kind so aufwachsen müssen sollte - 5 von 5 Sternen.
  • Die Geschichte von Rose-Mary Kahn ist im Vergleich zu den Vorgängern fast schon harmlos, aber das darf nicht täuschen. Dies belegt der letzte Satz, der mir eine Gänsehaut verursacht hat. Auf knapp 10 Seiten berichtet sie, wie viel Glück im Unglück ihre Familie hatte, vor allem auch ihr Vater. Dennoch hat dieses vergleichbar leichte Schicksal sie sehr geprägt, und das sieht man in diesem Bericht. Auch dieser bekommt 5 von 5 Sternen von mir.
  • Lies Elion war etwa 15, als der Krieg über sie hereinbrach. Auf fast 20 Seiten erzählt sie von ihren Erlebnissen und ihrer mutigen Schwester, die allerdings für ihren Mut teuer bezahlen musste. Wieder einmal sehen wir ein Schicksal, das vom Trauma der eignen Eltern geprägt ist. Anders als andere Kinder in diesem Buch wurde Lies nicht sehr lang von ihren Eltern getrennt untergebracht. Dennoch hat der Krieg ihr Leben schrecklich verändert. Dieser Geschichte gebe ich 4 von 5 Sternen, und ich würde zu gern das beschriebene Poesiealbum lesen.
  • Auf 10 Seiten erzählt uns Maurice Meijer dann von einer Zeit, an die er sich selbst kaum erinnern kann, denn er war erst 3 Jahre alt. Allerdings ist auch seine Kindheit traumatisiert von den Erlebnissen, von denen vielen Versteckwechseln. Ich finde es schön, dass er uns daran teilhaben lässt, wie es nach dem Krieg für ihn, seine Familie und seine Pflegefamilie weiterging. Diese Geschichte zeigt die unglaubliche Bindung, die durch die Unmenschlichkeit der Nazis zwischen den Verfolgten und ihren Helfern entstehen konnte. Darum gebe ich noch einmal 5 von 5 Punkten für diese Geschichte.
  • Anschließend berichtet Sieny Kattenburg, die um die 20 war während des Krieges, auf knapp 20 Seiten von den Strapazen während und nach des Krieges. Hier sehen wir die Sicht von einem Mädchen, welches aktiv daran beteiligt war, hunderte Kinder zu verstecken, bevor sie selbst mit ihrem Ehemann untertauchen musste. Spannend finde ich vor allem auch, dass sie an einigen Stellen andeutet, wie schlimm es erst nach der Befreiung war. Indem die Todesangst wegfiel, realisierte sie erst, was sie alles verloren hatte. Dafür gibt es 5 von 5 Punkten, die ihre Geschichte bietet eine neue Perspektive auf die bisherigen Berichte.
  • Die nächsten 10 Seiten gehören Leni de Vries, die während des Krieges noch sehr klein war, sich allerdings an erstaunlich viele Dinge erinnert. Sie wurde beim Untertauchen sowohl von ihren Geschwistern als auch ihren Eltern getrennt. Als Älteste hatte sie als einziges Kind nach dem Krieg eine Art Beziehung zu ihren Eltern. Und auch sie spricht davon, wie der Krieg etwas in ihr zerbrochen hat, obwohl von ihrer Familie, von den Großeltern abgesehen, alle überlebt haben. Ich gebe der Geschichte 5 von 5 Punkten, denn so betont nochmal bereits gehörtes aus einer etwas anderen Perspektive, ohne zu repetitiv zu sein.
  • Die Geschichte von Benjamin Krosses bringt noch einen völlig neuen Blickwinkel, denn endlich erfahren wir von einem jungen Mann, während des Krieges Anfang 20, der den Krieg überstanden hat und uns davon erzählen kann. Ich kann mir gut vorstellen, dass junge Männer es, wie auch auf der Titanic, am schwersten hatten. Denn mit Kindern und jungen Mädchen hat man Mitleid, aber mit jungen Burschen? Das sieht man ja auch in der Flüchtlingsdebatte, die will keiner. Daher hat mir diese Geschichte sehr gut gefallen, und es gibt sogar ein Happy End. Daher nochmal 5 von 5 Punkten.
  • Michel Goldsteen wiederum war erst um die 10 Jahre während des Krieges. Das Ende seiner Geschichte hat mich definitiv zum Weinen gebracht. Er drückt etwas aus, was man sich als normaler Mensch gar nicht vorstellen kann. Allein dafür gibt es 5 von 5 Sternen, dass er es so sagen und schreiben kann. 
  • Neben ihrer Leidensgeschichte hat Lowina de Levie auch eine tragische Liebesgeschichte zu erzählen. Sie war ein Teenager während des Krieges. Ihre erste Liebe hat den Krieg nicht überstanden. Ich finde diese Geschichte so berührend, denn wir können uns sicher alle daran erinnern, wie es war, das erste Mal verliebt und dann auch getrennt zu sein. Auch das Leben als Quasi-Scheidungskind kann ich mehr als nachvollziehen. Daher kann ich diese etwa 15seitige Geschichte im Besonderen nachempfinden. Von mir gibt es 4 von 5 Punkten, denn hier hätte noch deutlich mehr erzählt werden können. 
  • Auf etwa 10 Seiten erzählt uns Johan Sanders von seltsamen Situationen, die durchs Untertauchen entstehen. Auch hier begegnen uns wieder Dinge, die wir bereits aus anderen Geschichten kennen. Dabei hat es Johan noch vergleichsweise gut getroffen. Dennoch beschreibt auch er, wie traumatisiert und verwirrt ein Kind in und nach einer solchen Situation ist. Einzigartig ist auch die Geschichte seines Vaters, die jedoch nur am Rande erzählt wird. Daher gibt es von mir nur 4 von 5 Sternen.
  • Die letzten etwa 10 Seiten gehören Donald de Marcas und seiner Geschichte. Auch er war während des Krieges noch sehr jung. Einerseits hatte er das Glück, bei vernünftigen Menschen untertauchen zu können, andererseits hat aber auch er die Beziehung zu seiner eigenen Familie verloren, als es noch sehr wichtig für seine Entwicklung war. Man kann sich einfach nicht vorstellen, wie das sein muss. Zum Glück für uns. Ich gebe nochmal 4 von 5 Sternen.
Wir ihr seht, finde ich dieses Buch durchgängig lesenswert. Keine Geschichte hat mich enttäuscht. Natürlich ist dies eine Thematik, die eine Bewertung äußerst schwierig macht. Dennoch sind alle Geschichten relevant, ansprechend geschrieben und aufbereitet. Die meisten Geschichten bringen einen einzigartigen Aspekt in das Gesamtwerk ein. Prinzipiell ist jedoch jede Geschichte in dieser Richtung erzählwürdig. Die ganze Menschheit darf niemals vergessen, was damals passiert ist.

Ich finde es gut, dass die Thematik in diesem Buch (auch) für junges Publikum aufbereitet wurde. Dadurch kann man hier sein Kind bilden, ohne dass der Inhalt zu grafisch oder dramatisch wird. Alles wird eher sachlich beschrieben, doch man kann an vielen Stellen wesentlich mehr hineindeuten. Einige Geschichten überragen die anderen mit besonders rührenden Gedanken. Dennoch denke ich, dass Kinder ab 12 Jahren (so die Empfehlung am Buch) mit dem Inhalt gut umgehen können. Ich habe selbst Anne Franks Tagebuch gelesen, als ich etwa in dem Alter war.

Alles in allem würde ich dieses Buch jedem empfehlen, denn ich denke, jeder Mensch sollte sich damit auseinander setzen. Und jeder, der Hass gegen andere in dieser Welt streut, der sollte sich erst recht damit beschäftigen. Wir müssen unseren Kindern zeigen, dass der Hass kein Weg ist, diese Welt zu beschreiten.

Wie seht ihr das? Ich bin wirklich gespannt, eure Meinung dazu zu hören. Kann man zu jung sein, um diese Geschichten zu hören? Wo die Erzähler damals teilweise kaum selbst 12 Jahre alt waren? Und habt ihr ähnliche Empfehlungen?

Bis bald,
Eure Kitty


Meine Bewertung:

Sonntag, 8. März 2015

Crank

Hallo ihr Bücherwürmer,

heute wenden wir uns mal einer anderen Sucht zu. Normalerweise reden wir ja nur über die Sucht nach Büchern, doch in Crank geht es vor allem um Crystal. Ich weiß nicht, inwieweit ihr euch mit dieser Thematik beschäftigt, aber meine Mutter arbeitet viel mit Drogenkonsumenten. Vorher dachte ich immer, das gibt es hier gar nicht. Heute weiß ich, dass ich wahnsinniges Glück hatte und nie die falschen Leute getroffen habe. Auch meine Jugendjahre waren wild und aufregend, und ich bin nicht sicher, wie viel Willenskraft man mit 14 oder 15 schon hat. Wie dünn die Linie zwischen meinem Leben und dem Leben einer Drogenabhängigen sein kann, das hat mir Crank gezeigt.

Die Fakten:
  • Autor: Ellen Hopkins
  • Titel: Crank
  • Erschienen: 2004
  • Verlag: McElderry Books
  • Seiten: 537
  • Preis: 10,39 Euro
Zur Handlung: Im Sommer kurz vor ihrem 17. Geburtstag trifft Kristina Bree. Bree ist abenteuerlustig, voller Lust, flirtet gern und lebt mitten in Kristina. Jetzt endlich will sie das Steuer übernehmen und Kristinas Leben für immer verwandeln. 

Kristina lebt mit ihren Geschwistern bei ihrer Mutter. In diesem Sommer hat sich jedoch erstmals ihr Vater wieder gemeldet und will sie sehen. Ein Gericht stimmt seinem Anspruch zu und so begibt Kristina sich auf dieses Abenteuer. Völlig verändert soll sie von diesem Urlaub zurückkehren, high und verliebt, und Bree wird in ihr immer stärker.

Ich habe noch nie ein Buch über Drogen gelesen, und auch nur wenige Filme zu dieser Thematik gesehen. Aus irgendeinem Grund hat mich das alles nicht berührt und interessiert. Mit Kristina habe ich also eine neue Welt betreten, für sie und für mich. Außerdem ist dieser Roman in Versen geschrieben, was ebenfalls etwas ganz Neues für mich ist. Und ich freue mich, euch davon erzählen zu können.

Crank beruht zumindest zum Teil auf der wahren Geschichte von Ellen Hopkins, denn sie hat eine Tochter, die dem Monster verfallen ist. Angehangen an das Buch ist auch ein kurzer Text über die wahre Geschichte in Crank, was ich sehr spannend fand. Aber es ist auch sehr sehr traurig und ein bisschen arg amerikanisch. Die Tochter von Ellen Hopkins hat inzwischen demnach 6 Kinder. Wenn man sich das Buch so durchliest, wird sehr schnell klar, dass sicherlich keines davon in der Schwangerschaft nicht ein bisschen Meth abgekommen hat, und fraglich ist ja doch, was für eine Welt wir mal haben werden, wenn dann die Hälfte Meth-Kinder sind. Aber das nur am Rande und nur so ein Gedanke, der mir da kam. Zurück zum Buch.

Zunächst konnte ich mit Kristina nicht mitfühlen. Ich hatte einen ziemlichen Bookhangover und ihr Charakter sagte mir einfach nicht zu. Aber je mehr sie sich ihrer Sucht ergab, desto weniger spielte das eine Rolle, denn sie mochte sich selbst kaum mehr. Was mir dagegen dann Sorgen machte, war die unglaubliche Faszination, die aus dem Bericht hervorgeht. Natürlich macht es Sinn, wenn man die Perspektive betrachtet, aber die guten Seiten des Monsters stehen einfach immer im Vordergrund. Natürlich merkt man, dass Kristina sich zunehmend schlecht benimmt, aber ihr ist es egal, und mir dann irgendwie auch.

Nach einigen Passagen hatte ich tatsächlich richtig Lust, mal wieder eine ordentliche Party zu feiern. So eine, wo man morgens nicht mehr weiß, was passiert ist. Klingt seltsam, aber diesen Effekt hatte das Buch auf mich. Ich meine, als Teenager habe ich mich kaum anders verhalten als sie (oh ja, ich war wirklich kein guter Weggefährte ;)) aber mit den Drogen scheint das ja noch viel mehr Spaß zu machen. Das Buch finde ich also ein bisschen kontrovers. Einerseits ist es gut, das Bild von dieser Seite zu betrachten, um die Drogenabhängigen zu verstehen. Andererseits ist es nichts, was man einem Teenager zeigen kann um zu sagen: Schau wie schlimm das ist. Zumindest meine Meinung.

Die Versform, nun ja, also mich hat sie nicht begeistert. An einigen Stellen ergibt es ein bisschen Sinn, dann sind die Verse auch sehr clever. An anderen gibt es mir einfach das Gefühl, dass es eben sein muss, weil es dann besonders ist. Manchmal war ich regelrecht verwirrt, weil ich bei all den Tabs und Zeilensprüngen nicht wusste, wo ich nun weiterlesen soll. Tatsächlich ist dieses Buch nichts für Anfänger der englischen Sprache. 

Was mir völlig gefehlt hat in diesem Buch, ist der zunehmende Verfall, den diese Droge bewirkt. Ok, Kristina hat abgenommen, das stellt eine Freundin mal anerkennend fest. Ich bin aber der Meinung, dass da noch mehr passieren muss. Auch geistig passiert da nicht viel, sie kann ja immer noch hübsch in Versen schreiben. Ich weiß auch nicht, da fehlt einfach etwas. Natürlich ist das Ende dann dramatisch und schlimm, aber irgendwie auch nicht. 

Alles in allem sehe ich den Unterschied zwischen der letztendlich schwer abhängigen Kristina und meiner eigenen Jugend nicht. Ist Pubertät=Drogenmissbrauch? Macht es uns gar nicht schlimmer, sind wir pubertär nicht mehr steigerbar? Und tut die Droge uns eigentlich gar nicht weh? Das Buch war interessant, hat mich aber nicht vom Hocker gehauen. Ich habe auch nichts gelesen, was ich nicht schon wusste. Und das ohne sämtliche Drogenerfahrung.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Buch gemacht? Lohnt sich das Weiterlesen?
Es gibt noch zwei weitere Bände zu diesem. Ich habe das nicht gewusst, als ich das Buch kaufte. Ich überlege nun, ob sich ein weiterlesen lohnt. Das Buch ist an sich schon abgeschlossen. Andererseits erhoffe ich mir von den folgenden Bänden, was mir bisher gefählt hat. Na wir werden sehen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro


Meine Bewertung:

- Dieses Buch ist Teil meiner ABC-Challenge. -

Sonntag, 19. Januar 2014

Mein geteiltes Herz

Hallo meine Lieblingsleser,

vielleicht habt ihr ja bereits mitbekommen, dass ich eine olle Heulsuse bin. Ich kann bei Büchern genauso gut weinen wie bei Filmen. Wenn das passiert, spricht das meist für ein außerordentlich gutes Buch, und von so einem möchte ich euch heute berichten.

Die Fakten:
  • Autor: Claire Hake
  • Titel: Mein Geteiltes Herz - Eine große Liebe zwischen Sumatra, Shanghai und Deutschland
  • Erschienen: 2011
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • Seiten: 460
  • Preis: 8,59 Euro

Zur Handlung: Die junge Claire wächst in der Schweiz auf. Sie hat eine Schwester und relativ strenge Eltern. Nachdem die Schwester verheiratet ist, möchte Claire arbeiten, um sich ein wenig Freiheit zu beschaffen. Allerdings drängt der Vater sie, für ihn zu arbeiten. Sie ist damit nicht ganz glücklich und nutzt schließlich die Gelegenheit, Urlaub bei ihrer Schwester in Sumatra machen zu können. Dort arbeitet sie als Kindermädchen und Köchin im Haushalt ihrer Schwester. Ihr Schwager ist ein Schweizer Pflanzer, der sich im die Plantagen in der Niederländischen Kolonie kümmert. Nach einer Weile bekommt er Heimaturlaub, doch Claire beschließt, nicht mit zurück in die enge Schweiz zu fahren.

Stattdessen bleibt sie bei Bekannten und lernt den Mann ihres Lebens kennen, einen deutschen Pflanzer. Sie will ihn nicht wiedersehen, denn niemals würde ihr Vater die Hochzeit mit einem Deutschen erlauben. Schließlich erliegt sie ihm aber doch, denn er gibt einfach nicht auf. Die beiden heiraten, bekommen zwei Kinder und durchleben alle Schwierigkeiten, die es Anfang des 20. Jahrhunderts in Sumatra gab. Schließlich jedoch bricht der Krieg über die Welt herein, und als die deutsche Wehrmacht die Niederlande überrennt, üben die Niederländer in den Kolonien Rache...

Wie bereits erwähnt spielt dieses Buch in der Zeit der Weltkriege. In Zeiten der Kolonialisierung hatten die Niederlande Sumatra für sich beansprucht, doch auch viele andere Europäer suchten dort nach einer Lebensgrundlage. Ich persönlich habe mich mit dieser Thematik nie beschäftigt, habe nichts darüber gewusst, doch dieses Buch macht definitiv Lust auf mehr. Die Beschreibungen von Claire sind sehr klar und bildlich, sodass man einiges lernen kann.

Dies ist also kein Roman, sondern eine wahre Lebensgeschichte einer Frau, die für ihren Mann die Hölle durchlebt hat, ohne zu wissen, ob es für etwas gut ist. Und am Ende kamen mir die Tränen dann wirklich. Im Allgemeinen war es schon erstaunlich, was sich Menschen antun. Das stelle ich immer wieder fest, wenn ich solche Bücher lese, doch da dies auch noch Informationen aus erster Hand sind, finde ich es noch wesentlich berührender und vielleicht auch beschämender.

Den Aufbau des Buches fand ich auch sehr ansprechend. Die Erzählungen sind vor allem am Anfang und am Ende eher fragmentarisch. Ein Jahr lang hat die Enkelin von Claire, Nicoline, daran gearbeitet, eine druckfertige Variante herzustellen. Ihre Anmerkungen zur Geschichte und den weltpolitischen Geschehnissen, aber auch zu späteren oder parallelen Geschehnissen, die Claire nicht reflektiert, sind in einer anderen Schriftart gekennzeichnet und ergänzen den Erfahrungsbericht wundervoll, sodass man am Ende wirklich mehr weiß über die ganze Thematik.

Man merkt in diesem Buch, dass viel dahinter steckt. Natürlich ist es eine wahre Geschichte, und in dieser steckt allgemein schon immer mehr Herzblut als in Fiktion, wie ich finde. Dennoch ist vieles auch noch sehr aufwendig recherchiert, sodass eine Runde Geschichte entsteht, die man durchaus gut lesen kann, auch wenn man nicht einmal weiß, wo Sumatra eigentlich ist und wer dort Kolonialherr war. Auch in Shanghai und Japan verbringt Claire viel Zeit und man erfährt auch darüber einiges.

Alles in allem ist dieses Buch wunderbar für alle geschichtlich Interessierten, die sich für das Leben von besonderen Menschen begeistern können, die etwas darüber erfahren wollen, wie grausam, liebevoll und unmenschlich Menschen sein können. Es geht sehr wohl um Liebe, aber eben nicht nur. Mich hat dieses Buch so positiv überrascht, das hatte ich nicht erwartet. Bitte bitte nehmt euch die Zeit und lest es. Es lehrt uns etwas darüber, was wir in unserem Leben besser machen können als andere vor uns. Und vielleicht schützt es uns auch vor der einen oder anderen Enttäuschung. Und wenn ich auch nur einwas aus Claires Geschichte mitnehme, dann ist es, dass man einen Menschen bedingungslos und durch alle Schwierigkeiten hinweg lieben kann, wenn man es wirklich will. Ich hoffe wirklich, dass ich diese Liebe auch finde, auch wenn ich natürlich ebenfalls hoffe, dass sie nie so geprüft wird wie die von Claire.

Ein tolles Buch auch für Jugendliche, die sich momentan im Unterricht mit der Zeit von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts beschäftigen. Es zeigt eben auch die andere Perspektive, denn meist kennt man ja eher die der "Guten". Es waren aber eben auch nicht alle Deutschen "schlecht". Egal, ich hör jetzt auf. LEST dieses Buch! :D

Bis bald,

Eure Kitty Retro


Meine Bewertung:


- Dieses Buch ist Teil meiner Um-die-Welt-Challenge. -