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Samstag, 2. März 2024

Fearing the Black Body


Hallo meine Lesehasen,

wir gehen heute vom Black History Month in den Women's History Month, also lasst uns doch über ein Buch sprechen, dass die Themen race, gender und Körpergewicht miteinander verbindet. Das Buch hat mich schon seit Jahren interessiert, aber jetzt bin ich endlich dazu gekommen es zu lesen.

Die Fakten:

  • Autor: Sabrina Strings
  • Titel: Fearing the Black Body - The Racial Origins of Fat Phobia
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: New York University Press
  • Seiten: 212 + Anhang
  • Preis: 32,55 Euro / kostenlos im Audible Abo
  • Klappentext: "Sabrina Strings weaves together an eye-opening historical narrative ranging from the Renaissance to the current moment, analyzing important works of art, newspaper and magazine articles, and scientific literature and medical journals-where fat bodies were once praised-showing that fat phobia, as it relates to black women, did not originate with medical findings, but with the Enlightenment era belief that fatness was evidence of "savagery" and racial inferiority. Fearing the Black Body argues that the contemporary ideal of slenderness is, at its very core, racializied and racist. An important and original work, it reveals that fat phobia isn't about health at all, but rather a means of using the body to validate race, class, and gender prejudice."

Zum Inhalt: In diesem Buch wendet die Aurotin Analysen von historischen Material an, um aufzuzeigen, wie das Narrativ von Körperfett als etwas Schlechtem und moralisch Verwerflichem entstanden ist. Dabei beginnt sie im 16. Jahrhundert, einer Zeit, in der die ersten afrikanisch-stämmigen Sklaven in den wichtigen Häfenstädten Europas sichtbar werden. Dabei geht es einerseits um die Inszenierung von Körpergewicht, andererseits um die Inszenierung von race, und wie beides mehr und mehr miteinander verwoben wird.

Dabei belässt die Aurotin es nicht bei einer Analyse der Unterschiede von schwarz und weiß, sondern greift verschiedene "Rassentheorien" auf und beleuchtet dahingehend auch unterschiedliche Gruppen von Menschen, vor allem auch irische Menschen oder Menschen aus Osteuropa (meist jüdisch), die zu verschiedenen Zeiten große Migrationsgruppen für die USA darstellten und als "andere" markiert wurden. Immer wieder wird dabei die Größe und Schlankheit der anglo-sächsischen bzw. später arischen "Rasse" betont, wohingegen andere Gruppen mit hohem Körpergewicht und damit körperlicher und moralischer Inferiorität verknüpft werden.

Das Buch ist grob in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil geht es um das 16. und 17. Jahrhundert und fokussiert vor allem auf Europa, da hier das kulturelle Zentrum der weißen Welt liegt. Zunächst sind nicht-weiße Personen in dieser Zeit einer Neuheit und werden so in der Kunst dargestellt, und es gibt Diskussionen, ob diese genauso als schön gelten können wie weiße (meist Frauen). Dabei gilt zu dieser Zeit ein runder, wohlgenährter und kräftiger (Frauen-)Körper als ideal, das sowohl in weißen als auch in nicht-weißen Körpern gesehen wird. Diese Narrative ändern sich mit der Zeit, wenn Schwarze Körper zunehmend als klein, dürr und schwach beschrieben und damit nicht mehr mit Schönheit verbunden werden.

Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Zeit, in der die "Rassentheorien" aufkommen. Wir betrachten dann auch mehr als nur Europa, auch wenn hier alles beginnt. Wir gehen dann allerdings auch nach Nordamerika über, wie der schlanke (Frauen-)Körper immer mehr zum Trend wird. Hier wandelt sich nun also das race-Gewichts-Narrativ. Nun sind die abgemagerten, großen weißen Frauen elegant und schön, und hohes Körpergewicht wird immer mehr mit den inferioren "Rassen" verbunden. Dabei kann es sich um Schwarze Körper handeln, aber auch um irische oder südeuropäische, denn diese wurden als "Rassen" mit afrikanischem oder asiatischem Erbe interpretiert. Interessant ist auch immer der mentale Spagat, dass das vermeintlich zu hohe Gewicht bei den weißen, anglo-sächsischen/arischen und damit superioren Körpern nur einer vorübergehenden Verirrung zu verschulden ist, die sich mit viel Bildung und Reform wieder richten lässt, während es bei den anders-gemachten "Rassen" als intrinsischer Fehler des Bluts gesehen wird, der eben beweist, dass sie inferior sind. 

Das Buch endet dann im dritten Teil mit einem Blick auf die Rolle der Medizin in dem Ganzen, die dann doch erschreckend gering ist. Zwar gab es einige Ärzte, die schon früh hohes Körpergewicht als ein gesundheitliches Risiko benannten und wilde Diäten (quasi nur Kuhmilchtrinken) vorschlugen, allerdings was das gesundheitliche Argument nie durchsetzungsfähig. Erst mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der vermeintlichen Abkehr von Ideen der "Rassentheorien" und Eugenik wird die Bedeutung der Medizin für die Kontrolle von (weiblichen und nicht-weißen) Körpern bedeutender. Besonders spannend war dann auch ein Hinweis auf zwei Studien im Epilog, die ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht wurden. Während eine zeigte, dass die Mortalität mit Übergewicht geringer ist als bei Normalgewicht, betonte die andere, dass (hohes) Körpergewicht noch tödlicher sei als bisher angenommen - vor allem für Schwarze Frauen. Dass letztere Studie breit durch alle Medien geschleift wurde, während erstere einen intellektuellen Shitstorm auslöste, bestimmte das Narrativ der "Adipositasepidemie" für die nächsten Jahre.

Alles in allem war dieses Buch für mich absolut gelungen. Es ist sehr gut lesbar, auch für Nichtakademiker sehr verständlich geschrieben. Ich mochte die vielen Beispiele aus Kunst, Literatur, Wissenschaft und Quasi-Wissenschaft, Religion und Medien, die hier herangezogen werden um zu zeigen, wie sich über die Jahrhunderte ein Narrativ gefestigt hat: Fett ist schlecht. Dieses Narrativ bestimmt bis heute das Leben von vielen Menschen, vor allem Frauen. Wer sich schon immer gefragt hat, wo diese Idee eigentlich herkommt, der muss dieses Buch lesen.

Ich hoffe, ich konnte euch dafür ein bisschen interessieren. Für mich ist das eines der spannendsten Themen unserer Zeit

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 22. September 2021

300 Fragen zur Katze

Hallo an alle Tierfreunde,

meine Leseflaute hatte auch etwas mit einem kleinen Wesen zu tun, welches uns zugelaufen ist.

Fakten:
  • Autor: Gerd Ludwig
  • Sachbuch
  • 2006 erschienen
  • 256 Seiten
  • Gräfe und Unzer Verlag GmbH
  • Preis: nur gebraucht erhältlich 3-4€
Klappentext:
"Kann man als berufstätiger Single eine Katze halten? Braucht eine alte Katze eine andere Ernährung als eine junge? Muss ich mit meiner Katze sofort zum Tierarzt, wenn sie hinkt? Warum soll man Katzen keine Milch geben? Diese und viele andere Fragen, die sich im täglichen Umgang mit der Katze stellen, beantwortet der große GU Kompass "300 Fragen zur Katze". Ob Pflegen, Ernähren, Erziehen oder Beschäftigen: Das kompakte Nachschlagewerk bietet eine Fülle praktischer Tipps, die helfen, die eigene Samtpfote zu verstehen und rundum gesund und fit zu halten. Sortiert nach Themenbereichen wie Ernährung oder Gesundheit werden die Fragen innerhalb der Bereiche alphabetisch nach Schlagworten geordnet. Ein Glossar erklärt die wichtigsten Fachbegriffe. Und als Extra: Pflegeplan für Kurzhaar-, Langhaar- und Halblanghaar-Katzen."

Ihr habt es sicher erraten uns ist eine kleine Katze zugelaufen. Die Tierärztin schätzte sie auf 5-6 Wochen. Sie weinte 1,5 Tage auf unserem Hof und wir verbrachten gut 5 Stunden damit sie einzufangen. Wir sind eigentlich keine Katzenmenschen. Ich lebe seid meinem zweiten Lebensjahr mit Hunden zusammen und Katzen war immer so ein Thema bei meinen Freunden. 

Dieses kleine Wesen hat im Sturm unsere Herzen erobert und weil niemand im Dorf wusste wo sie hin gehört haben wir uns entschlossen zu testen ob unsere alten Hunde (13 und 11 Jahre alt) mit so einem Kitten zurecht kommen. Nun ist es mittlerweile 9 Wochen her und wir waren kurz vor der Verzweiflung aber die Geduld hat sich sehr gelohnt. 

Wenn man plötzlich eine Katze hat erfährt man schnell von anderen wer sich so auskennt und Katzen scheinen geheime Haustiere zu sein. Verrückt wer alles eine hat. Mein Arbeitskollege brachte mir dann mehrere Bücher mit, für all das wissen was uns so fehlte und diesen Kompass fand ich so so gut, dass ich ihn unbedingt teilen wollte.

In diesem Buch werden schlicht alle Fragen beantwortet die man so haben kann - naja zumindest die ich habe und hatte.
Alles wird knapp und informativ behandelt und auch super verständlich beschrieben. Jede also wirklich jede Fragen die wir in den Wochen hatten wurde mit Hilfe des Buches beantwortet.

Es kann natürlich sein das wir durch unser Unwissen einfach super affin für jedes Wissen sind, doch ich glaube in diesem Kompass wird wirklich viel Wissen geliefert. Egal ob es um Erziehung, Pflege, Medizinisches oder ganz Alltägliches geht, dieses Buch liefert die Antwort und noch mehr.

Ich möchte es daher allen Unwissenden empfehlen und glaube so ein Tierratgeber ist gar nicht schlecht, immer dann wenn man einfach völlig ahnungslos ist,

eure Blue Diamond.

Sonntag, 29. August 2021

Wie du erfolgreich wirst, ohne die Gefühle von Männern zu verletzen

Hallo zusammen,

ich habe über einen Monat nichts gepostet und noch länger nichts gelesen. Derweil hat die liebe Kitty euch mit reichlich Inhalten versorgt. Auch ich habe mir dennoch neue Bücher angeschafft und eines hat mir besonders gut aus dieser Phase heraus geholfen.

Fakten:

  • Autorin: Sarah Cooper
  • Übersetzerin: Anna Dushime
  • Sachbuch
  • 2021 erschienen 
  • 216 Seiten
  • Mentor Verlag
  • Preis: 24,00€ (gebundenes Buch)
Klappentext:
"Wieder mal »klar, schiebe ich ein« statt »NEIN!« gesagt? Im Meeting von einem Kollegen unterbrochen worden? Vergeblich auf eine Gehaltserhöhung oder gar Beförderung gehofft? 
Dann ist dieses schmerzhaft-witzige Sachbuch genau das Richtige für dich! Sarah Cooper hat genug von doppelten Standards für Männer und Frauen. Jetzt mischt die US-Komikerin die Rollenerwartungen, die unser Berufsleben nach wie vor bestimmen, gehörig auf. 
Ob Tipps für das Vorstellungsgespräch, Kommunikation zwischen Mann und Frau oder sexuelle Belästigung Arbeitsplatz: Sarah Cooper klopft alle Bereiche des Arbeitslebens auf Klischees ab und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund."

Ja der Klappentext und sicher auch viel Werbung die ihr auf social Media Plattformen findet haben euch schon einiges über das Buch erzählt. Inhaltlich muss man auch gar nicht wirklich was erzählen, denn der Titel des Buches sagt genau worum es geht. Das teilt sich in ein paar Kapitel, wird einleitend immer mit einem Zitat eröffnet und endet je mit einer Art Übung für jeden Leser. An dieser Stelle würde selbst dieses Buch darauf verweisen dass man eigentlich gendern müsse oder solle. Und ja das lass ich so im Raum stehen ;)

Viel Text haben wir auf den doch vielen Seiten nicht aber einige Grafiken und Illustrationen die mich wirklich häufig zum Lachen gebracht haben. Gerade die Grafiken musste ich auch unbedingt mit einigen Menschen teilen. Sie sind einfach zu gut und so so wahr.

Klar das Buch ist super und schön aufgemacht, so richtig viel Neues hat es mir jetzt nicht gebracht, ich zähle aber vermutlich auch schon zu erfolgreichen Frauen, da ich einen festen Job mit Verantwortung und eigenständiger Arbeit habe. Ja das war sarkastisch und ja dieses Buch ist voll davon und auch ich habe es nicht immer gleich verstanden.

Nicht immer geht das Buch um das klassische Männer und Frauen Problem in der Arbeitswelt. Häufig kann ich für die Beispiele ganz allgemeine Gültigkeit erheben und daher ist das Buch ein eindeutiges Must Read für mich. Hier kann wirklich jeder dazulernen und daher wäre ich dafür das Buch nochmal mit neutralem Titel und Optik zu verlegen, damit nicht eine spezifische Zielgruppe dazu greift, sondern jeder.

Es ist ein sehr empfehlenswertes Buch und auch wenn es zu den Teureren gehört, hier ist für die Wahrnehmung und hoffentlich für alle Alltage einiges dabei, was man sich ruhig häufiger vor Augen führen sollte.

Daher lest es bitte, es dauert nicht lang und ist teilweise richtig witzig,

eure Blue Diamond.

Freitag, 13. August 2021

Die Mythen des alten Japan


Hallo meine Reiseleser,

vor einigen Jahren habe ich dieses Buch in einem kleinen Buchladen in Berlin gekauft, der sich auf Japan spezialisiert hatte. Ich finde Mythen und Mythologie immer sehr spannend, und von Japan hatte ich da noch gar keine Ahnung. Dann habe ich dieses Buch endlich für den diesjährigen Asian Readathon gelesen und kann euch nun berichten.

Die Fakten:

  • Autor: Nelly Naumann
  • Titel: Die Mythen des alten Japan
  • Erschienen: 1996
  • Verlag: Anaconda
  • Seiten: 291 + Anhang
  • Preis: 7,95 Euro
  • Klappentext: "In den altjapanischen Mythen spiegeln sich die Facetten einer faszinierenden ostasiatischen Kultur, die Mentalität und Weltsicht des modenen Japan bis heute prägt. Die "Aufzeichnung alter Geschehnisse" und die "Annalen Japans", bei im 8. Jahrhundert n. Chr. entstanden, erzählen in kraftvoller, bildreicher Sprache von den Schöpfergottheiten, vom Anfang der Welt und den zahllosen Abenteuern, die zu bestehen waren, ehe die Macht von den Göttern auf die Menschen übergehen konnte."

Das Buch ist vor allem eine Übersetzung und Interpretation von alten japanischen Texten, die eine Systematisierung der zahlreichen Mythen der Region vornehmen sollten. In dem Sinne handelt es sich hier nur um eine sehr eingeschränkte und bearbeitete Sicht auf die usprünglichen Mythen, die erst im 8. Jahrhundert festgeschrieben wurde. Dies wird auch von der Autorin gut in Kontext gesetzt und erläutert, sodas man ein grobes Verständnis hat, was auch politisch hinter diesen Sammlungen stand.

Der Beginn des Buches ist gar nicht so leicht zu lesen. Da es in dieser Mythologie eine Vielzahl an Gottheiten gibt, und gleichzeitig auch noch auf heilige Zahlen geachtet wurde, wird man zunächst eigentlich nur mit Namen erschlagen, sobald die ersten Götter erschienen sind. Dabei wird Japan mythisch zum Zentrum der Welt erklärt. Es geht dabei dann auch viel um Körperteile und -flüssigkeiten, die dann immer wieder neue Götter enstehen ließen. Das ist sehr unübersichtlich, wird von der Autorin aber gut kontextualisiert und erklärt.

Im späteren Verlauf des Buches lassen sich dann auch eher Handlungsstränge herauslesen. Für mich blieb es aber bis zum Ende sehr unübersichtlich, weil es einfach so viele Namen gibt (wäre ja auch langweilig, wenn eine Gottheit oder wichtige Figur nur einen Namen hätte...). Deswegen würde ich mich jetzt nicht dazu in der Lage sehen, irgendeine der Mythen nachzuerzählen. Und ich glaube auch nicht, dass ich beim Lesen alle Verknüpfungen und Verbindungen zwischen den Mythenteilen erfasst habe. Aber die Interpretationen der Autorin helfen trotzdem ungemein dabei, die wichtigsten Eckpunkte zu erfassen. 

Der Aufbau des Buches ist dabei schon ein wenig akademischer als pure Unterhaltungsliteratur. Man bekommt meist eine Übersetzung der Originaltexte in mindestens zwei verschiedenen Versionen, darauf folgen dann die jeweiligen Anmerkungen und Erklärungen der Autorin. Dabei analysiert sie auch die Themen und zeigt auf, was man auf jeden Fall aus den Abschnitten mitnehmen sollte. Wie gesagt, dabei hat es schon eher einen akademischeren Stil, was vielleicht auch an der Zeit lag, als es veröffentlich wurde. Nelly Naumann war auch Professorin auf diesem Gebiet.

Insgesamt kann ich das Buch schon empfehlen, wenn ihr euch sehr für Mythen interessiert und mal etwas anderes lesen wollt als die Klassiker. Japan ist schon ein spannendes Land, und da mal hinter die mythologischen Kulissen zu schauen, war interessant. Das Buch ist zwar nicht super interessant geschrieben, aber es ist auch nicht sehr lang, sodass es für mich absolut wert war es zu lesen. Auch wenn ich jetzt kein Detailwissen gewonnen habe, habe ich trotzdem das Gefühl etwas über Japan gelernt zu haben. Gerade auch der letzte Teil des Buches, der dann Parallelen zum Japan während des zweiten Weltkrieges aufzeigt, bleibt im Kopf. 

Interessieren euch denn solche Bücher auch? Oder lest ihr lieber nur Romane und Nacherzählungen?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 9. Dezember 2020

Im Grunde gut - Eine neue Geschichte der Menschheit

Hallo an alle die an das Gute im Menschen glauben,

dieses Buch ist genau das Richtige für euch.

Fakten:

  • Autor: Rutger Bregman
  • Übersetzer: Ulrich Faure & Gerd Busse
  • Sachbuch
  • 2020 erschienen
  • 480 Seiten
  • Rowohlt Buchverlag
  • Preis: 24,00€ (gebundene Ausgabe)
Klappentext:
"Der Historiker und Journalist Rutger Bregman setzt sich in seinem neuen Buch mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders als in der westlichen Denktradition angenommen ist der Mensch seinen Thesen nach nicht böse, sondern im Gegenteil: von Grund auf gut. Und geht man von dieser Prämisse aus, ist es möglich, die Welt und den Menschen in ihr komplett neu und grundoptimistisch zu denken. In seinem mitreißend geschriebenen, überzeugenden Buch präsentiert Bregman Ideen für die Verbesserung der Welt. Sie sind innovativ und mutig und stimmen vor allem hoffnungsfroh."

Also zunächst, ich kann nicht einschätzen wie wahrheitsgetreu die Inhalte dieses Buches sind und habe es auch nicht geprüft. Doch alles ist mit Autoren und co. beschrieben und daher bin ich zuversichtlich. Und wenn alles so belegt werden kann und damit auf eine Interpretation hin richtig ist, dann gibt es wohl nichts Wunderbareres. 

Von diesem Autor habe ich euch ja bereits vor kurzem ein Buch vorgestellt. Dieses betrachtet eine allgemeinere Sicht der Gesellschaft. Es geht im Grunde um das alltägliche Leben und wie der Mensch sich verhält. Dabei haben wir wohl alle in unserer Schulzeit, von unseren Eltern, Freunden und unserer Umwelt gelernt, dass man skeptisch sein muss, ein Funken Misstrauen nie schadet, ein bisschen Egoismus gesund ist, andere einem sowieso nur Schlechtes wollen und eben all diese schlechten Dinge die im Leben eben so mitschwingen. Die uns damit ja auch automatisch beeinflussen und unser Verhalten entsprechend lenken. 

Wenn ihr euch für Verhaltenspsychologie und diese Bereiche interessiert, kennt ihr sicher einige Studien die der Autor anführt. Einiges war für mich noch völlig neu und ich war sehr schockiert wie verdreht durch wenige kleine andere Darstellungen ganze Ereignisse und Rückschlüsse falsch getroffen, argumentiert und einfach auch nicht richtig gestellt werden. Wenn es so öfter zugeht ja dann kann man deswegen schon wieder den Glauben an die Menschheit verlieren. Da ich aber ein Optimist bin achte ich auf ganz andere Aussagen des Buches.

So zerlegt der Autor jede Schlechtigkeit der angeführten Studien und zeigt ihre Manipulation auf. Wie gesagt muss man ja dann auch hier den Autor glauben, wie vorher denen der Studien. Ja eine Zwickmühle aber damit wird man sich im Leben wohl wirklich arrangieren müssen. 

Dabei folgt das Buch jetzt keinem tiefgründigen roten Faden, es erzählt mehr so vor sich hin. Wie wenn man sich mit einem schlauen Menschen unterhält und der einem erklärt wie die Welt funktioniert.

Ziel ist es aufzuzeigen dass die Menschheit und damit die Welt auch ganz anders und viel besser funktionieren und harmonieren könnte. Wir lernen dabei so viel und ich hatte tausende aha-Momente. Das wünsche ich jedem anderen auch, daher ist es für mich auch ein must read. 

Kennt ihr dieses Buch? Was glaubt ihr? Ich bin und bleibe Optimist,

eure Blue Diamond.



Mittwoch, 4. November 2020

Utopien für Realisten

Hallo zusammen,

heute habe ich einen echten Knüller, zumindest ich war super positiv überrascht, für euch und hoffe ihr könnt euch auch begeistern.

Fakten:
  • Autor: Rutger Bregman
  • Übersetzer: Stephan Gebauer
  • Sachbuch
  • 2019 erschienen
  • 304 Seiten
  • Rowohlt Verlag
  • Preis: 10€ (Taschenbuch)
Klappentext:
"Was sind heute die großen Ideen? Historischer Fortschritt basierte fast immer auf utopischen Ideen: Noch vor 100 Jahren hätte niemand für möglich gehalten, dass die Sklaverei abgeschafft oder die Demokratie wirklich existieren würde. Doch wie begegnen wir den Herausforderungen der modernen Arbeitswelt, des Familienlebens, des gesamten globalen Gefüges? Der niederländische Vordenker Rutger Bregman sagt: «Das wahre Problem unserer Zeit ist nicht, dass es uns nicht gut ginge oder dass es uns in Zukunft schlechter gehen könnte. Das wahre Problem ist, dass wir uns nichts Besseres vorstellen können.» Wir müssen es wagen, das Unmögliche zu denken, denn nur so finden wir Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Bregman macht deutlich, warum das bedingungslose Grundeinkommen eine echte Option ist und inwiefern die 15-Stunden-Woche eine Antwort auf die Digitalisierung der Arbeit sein kann. «Alternativlos» ist für Bregman keine Option, sogar die Armut kann abgeschafft werden, wie er am Beispiel einer kanadischen Stadt zeigt. Bregmans Visionen sind inspirierend, seine Energie ist mitreißend; er zeigt: Utopien können schneller Realität werden, als wir denken."

Dieser Klappentext ist eher eine Zusammenfassung dieses Buches und dennoch verdeutlicht es aus meiner Sicht nicht ausreichend, wie horizonterweiternd es ist. 

Zunächst beginnt der Autor mit einer Situationsbeschreibung die recht reißerisch ist. Hier baut er Spannung auf die schon übertrieben ist und ja das könnte man ihm vorwerfen. Doch dieses offene und gleichsam aktive Denken gibt dem Leser auch Schwung und es fällt sehr leicht sich auf das Thema einzulassen. 

Will man das Thema des Buches auf drei Worte herunterbrechen dann ist es wohl Armut, Arbeit und Arbeitszeit. Also ein Buch mit soziologischen und wirtschaftlichen Fokus. 

Die Beschreibung von Armut und wie an manchen Orten der Welt eben diese beendet wurde, hat mich völlig fasziniert. Sicherlich ist es auch ein Bereich mit dem ich mich nie tiefgehend beschäftigt habe, doch das man Armut mit Geld wirklich bekämpfen kann scheint logisch, mit wie wenig es doch möglich ist nicht. Da hatte ich nicht übel Lust dies in der Praxis zu erleben. Warum macht das keiner? Warum scheint es Armut immer geben zu müssen wenn anderen Orts Erfolg herrschen soll? Ja dieses Buch regt somit definitiv zum Nachdenken und Umdenken an. 

Weiter spricht der Autor dann über Arbeit und Arbeitszeit und wie sich diese in der Geschichte verändert hat. Hier lernen wir erst einmal nichts Neues, zumindest nicht wenn man eine relativ gute Allgemeinbildung hat. Im Gegenteil hier weiß der Leser sicher tendenziell mehr. Genau hier ist das Kuriosum. Wenn wir eigentlich mehr Wissen warum sind uns die dann aufgeworfenen Entwicklungen die es hätte geben können so fremd. Oder sind sie nur mir fremd? Der Autor des Buches berichtet wie die Entwicklung hätte im Tempo der Industrialisierung weitergehen müssen. Er führt auch Stimmen hinzu die ihre Vorstellung der jetzigen Welt beschreiben, was aber nun wirklich nicht erreicht wurde. Manches davon fände ich selbst irgendwie unschön. Ich persönlich möchte gern zum Beispiel mehr wie 15h Arbeiten aber klar muss es keinesfalls so viel sein wie jetzt. Das Thema bedingungsloses Grundeinkommen wird kurz diskutiert und dann eben die Utopie des Autoren aufgeführt. 

Diese ist natürlich fiktiv aber nicht fantastisch. Wenn wenige Aspekte des alltäglichen Lebens geändert würden, käme man dieser schon sehr nah. 

Dieses Buch ist sicher kein weltveränderndes Werk und vieles was aufgeführt wird ist bekannt. Entscheidend ist jedoch wie der Autor darüber spricht und was er wie darstellt. Dabei gibt er natürlich seine persönliche Meinung kundt. Ich persönlich fühle mich mit diesem Buch und seiner Art zu denken viel eher dazu angeregt, dass selbst auch zu tun. Noch nie habe ich so viel über die Art und Weise meiner Arbeitswelt nachgedacht wie jetzt. Das ist es auch was mich so gepackt und überrascht hat. 

Daher möchte ich dieses Buch jedem empfehlen der gern selber denkt und auch einfach mal Umdenken möchte,

eure Blue Diamond.




Mittwoch, 9. September 2020

How not to diet: gesund abnehmen und dauerhaft schlank bleiben dank neuester wissenschaftlich bewiesener Erkenntnisse


Hallo an alle Essensliebhaber,

das Buch "How not to die" kennen sicher einige von euch. Ich muss gestehen, ich habe es noch nicht gelesen, da ich ja immer mal solche Bücher lese und gefühlt wiederholt sich dann doch das ein oder andere. Doch bei diesem geht es ja nicht um eine potentiell beste Ernährungsweise, sondern darum was man eben nicht tun sollte. Frei nach dem Ausschlussverfahren ermittelt man so sicher auch, was für einen denn gut wäre.

Fakten:
  • Autor: Michael Greger
  • Übersetzerin: Julia Augustin und weitere
  • Sachbuch
  • 2020 erschienen
  • 752 Seiten
  • Lübbe Life
  • Preis: 26,00€ (gebundene Ausgabe)
Klappentext:
"Eine Mode-Diät jagt die nächste. Doch unterm Strich bringt keine den gewünschten, dauerhaften Gewichtsverlust. Wer eine Zeitlang auf einzelne Nahrungsmittel verzichtet, nimmt vielleicht kurzfristig ab, produziert auf Dauer jedoch Mangel - und Hunger. Michael Greger geht es ganzheitlich an: Er schlüsselt das komplexe Thema Ernährung bis ins kleinste Detail auf. Und zieht seine Erkenntnisse aus schließlich aus evidenzbasierten Fakten. Vom Aufbau eines gesunden Mikrobioms, über einen verbesserten Stoffwechsel mittels Chronobiologie, bis hin zum Einfluss von Gewürzen liefert Greger Tipps und wissenschaftlich belegte Techniken wie jeder mühelos sein Idealgewicht halten kann. Verabschieden Sie sich endgültig von Kalorienzählen und Verzicht."

Dieses Buch strotzt nur so vor Wissen, wie ihr schon am Klappentext erkennen könnt. Den Aufbau mag ich sehr. Es beginnt damit zu erläutern was die Probleme bei Diäten sind. Dann geht es im Hauptteil auf einzelne Nahrungsmittel und -bestandteile ein. Hier geht der Autor bis ins kleinste Detail auf alles ein was man sich nur denken kann. Am Ende beleuchtet er nochmal was wirklich wichtig ist, um erfolgreich abzunehmen und fast nochmal die Highlights aus dem ganzen Wissen davor zusammen. Das hat mir am besten von allem gefallen, denn es wäre verrückt sich alles im einzelnen zu merken. Aber am Ende mit Beispiel hinterlegt ist es ganz wunderbar.

Trotz der Komplexität des Wissens, welches vermittelt wird, ist leicht verständlich und flüssig zu lesen. Da hat der Autor sehr gute Arbeit geleistet. 

Mit so vielen Seiten und so vielen Informationen sollte man sich viel Zeit nehmen dies durchzuarbeiten. Ich bin viel zu schnell dadurch gejagt und habe deswegen schon wieder die Hälfte vergessen. 

Aber auch ich habe einige Punkte in meinen Speiseplan integriert und fühle mich damit sehr wohl, es scheint also zu funktionieren.

Was haltet ihr von solchen Ratgebern?

Eure Blue Diamond.
 
 
 
Edit von Kitty: Der Titel des Buches macht mich als Wissenschaftlerin stutzig. Beweise gibt es nur in der Mathematik und im Recht. Wissenschaftler beweisen nichts. Aber das nur am Rande - immer kritisch bleiben!

Mittwoch, 29. Juli 2020

The New Jim Crow

Hallo meine Lesefreunde,

der Reading Rush ist vorüber und dieses Buch war mein Projekt für die Woche. Ich habe jeden Tag circa ein Kapitel gelesen, um es in der Woche zu beenden. Ich mache das gern mit Non-Fiction Büchern, damit ich alle Informationen auch verarbeite und nicht einfach nur durch das Buch durchmaschiere, ohne irgendetwas dabei zu lernen. In diesem Buch geht es außerdem um etwas, von dem ich wirklich keine Ahnung habe: das amerikanische Gefängnissystem.

Die Fakten:
  • Autor: Michelle Alexander
  • Übersetzung: Gabriele Gockel, Thomas Wollermann, Kollektiv Druckreif
  • Titel: The New Jim Crow
  • Erschienen: 2016 (erstmals 2010)
  • Verlag: Antje Kunstmann GmbH
  • Seiten: 354 (+ Literaturverzeichnis)
  • Preis: 24,00 Euro
  • Klappentext: "Als Jim-Crow-Ära gilt in den USA die Zeit vom Ende des amerikanischen Bürgerkriegs bis zum Erfolg der Bürgerrechtsbewegung, in der die Rassenhierarchie in den USA durch zahlreiche Gesetze und Maßnahmen zementiert war. Michelle Alexander argumentiert, dass das rassistische System in den 1960er Jahren nicht abgeschafft wurde, sondern unter dem Deckmantel des Kriegs gegen die Drogen eine neue Form gefunden hat: The New Jim Crow."

Der Krieg gegen die Drogen tobt in den USA inzwischen seit der Ära Nixon. Wir alle kennen die Bilder aus den Medien, die schwarzen Drogendealer, die in heruntergekommenen Parks in den ärmsten Vierteln Amerikas Gift an die Menschen verkaufen. Doch viele von uns wissen aus Erfahrung, dass Drogenkonsum kein Phänomen ist, das sich auf eine bestimmte Ethnie oder eine bestimmte Bevölkerungsgruppe beschränken lässt. Vielleicht sind die "Geschmäcker" verschieden, aber auch in meinem landläch-idyllischen Gymnasium kann man inzwischen problemlos Drogen auf dem Schulhof kaufen und im Studium wusste ich schon, wer mir sagen könnte, wo ich was kaufen kann.

Wie kommt es also, dass der Krieg gegen die Drogen in uns solche Bilder herruft, die definitiv rassisch gerpägt sind? Laut Michelle Alexander ist dies das Resultat einer großangelegten Medienkampagne, die mit dem Aufkommen von Crack als einer Variante von Kokain den Blick der Bevölkerung auf die schwarzen Viertel lenkte. Und all dies geschah, um den Krieg gegen die Drogen als Deckmantel für ein neuen System rassistischer Unterdrückung in den USA zu nutzen.

Das Buch ist unterteilt in 6 Kapitel und eine ausführliche Einleitung. Kapitel 1 gibt einen historischen Abriss von der Sklaverei bis heute und zeigt Parallelen auf, zum Beispiel wie Schwarze immer wieder zu Sündenböcken gemacht wurden, auf die die armen Weißen ihre Wut lenken konnten, damit sie nicht erkennen, wer sie wirklich ausbeutet (kommt das wem bekannt vor?). Kapitel 2 beschäftigt sich damit, wie man in den USA überhaupt ins Gefängnis kommt. Kapitel 3 zeigt dann auf, an welchen Stellen das Justizsystem in den USA rassistisch agiert und warum es rechtlich unmöglich ist, dagegen vorzugehen. Kapitel 4 beschäftigt sich mit den Spätfolgen einer Verhaftung - dem gesellschaftlichen Ausschluss nach der Haft. Kapitel 5 bringt all diese Elemente zusammen und zeigt auf, wie dadurch ein System entsteht, in dem Schwarze (Männer) immer noch macht- und rechtelos sind. Kapitel 6 zeigt schließlich auf, wie eine soziale Bewegung sich dieses Themas annehmen könnte und sollte - was leider bisher in meinen Augen bei Black Lives Matter nicht geschehen ist. Das Buch hat damit eine sehr klare Gliederung, was es für den Leser sehr leicht macht, es zu verstehen.

Besonders gut gefallen haben mir Kapitel 2 und 3. Da habe ich besonders viel Neues gelernt, meinem Partner auch viele Ausschnitte vorgelesen und so richtig Wut im Bauch bekommen. Diese Kapitel bestechen besonders durch eine Vielzahl von Gerichtsurteilen und Statistiken, die zeigen, dass sich die Autorin das nicht alles ausdenkt. Das ganze Buch ist sehr gut recherchiert und man merkt, dass die Autorin Ahnung hat von dem, was sie da präsentiert.

Das Buch schafft es, viele Mythen über den Krieg gegen die Drogen zu widerlegen. So zum Beispiel der Mythos, die höheren Anteile an POC Personen in Gefängnissen gehe auf ihre höhere Verbrechensrate zurück. Außerdem gibt es wundervolle Denkanstöße á la: Sag mal zu einem guten Freund oder Verwandten, "es muss wirklich mal mehr gegen das Weiße Verbrechen in Amerika getan werden" - alle werden die Augenbrauen hochziehen. Dagegen bezeichnet sie dann "Schwarzes Verbrechen" als redundant, denn alle sehen Verbrechen als eine "schwarze" Sache. Vor allem aber gelingt es ihr, die Ungerechtigkeit hinter dieser Ungleichheit aufzuzeigen. Während weiße College-Studenten für Gewaltverbrechen wie Vergewaltigungen als "boys will be boys" abgetan werden, gehen schwarze Jugendliche für den Besitz von wenigen Gramm Drogen für 5 bis 10 Jahre ins Gefängnis. Dabei weist sie auch darauf hin, dass dieses System der Masseninhaftierung nie so viele Jahrzehnte funktioniert hätte, würde weiße Jugendliche mit derselben Häufigkeit für Drogendelikte verhaftet wie schwarze oder braune.

Besonders beeindruckend fand ich einige Zitate, die die Autorin anbringt, vor allem von Richtern auf wirklich hohen Ebenen, die keine Drogenfälle mehr verhandeln wollen, weil ihnen die Ungerechtigkeit darin zu groß ist und sie es nicht mehr ertragen, oder ganz aus dem Richterberuf aussteigen deswegen. Aber gruselig ist dann auch der letzte Teil des Buches, in dem die Autorin deutlich macht, wer alles finanziell von der Masseninhaftierung in diesem privatisierten System in den USA profitiert, wie viele Menschen in diesem System arbeiten, und wie schwierig daher jedes Vorgehen gegen dieses System sein wird.

Mir hat das Buch also deutlich die Augen geöffnet. Ich finde es schade, dass ich bisher noch so wenig darüber höre. Ich glaube, dass wir uns alle immer noch darüber freuen, dass Verbrecher in unserer Gesellschaft so schön systematisch aus unserem Blick verbannt werden. Ich bin als Kind jeden Tag mit dem Schulbus an einem Gefängnis vorbeigefahren. Ich habe mich oft gefragt, was diese Bauten uns als Gesellschaft bringen sollten. Dieses Buch zeigt, wie leicht man solch ein System für politische Zwecke und Unterdrückung missbrauchen kann. Wenn es nach mir gänge, gäbe es keine Gefängnisse mehr.

Zwei Dinge, die ich nicht so gern mochte: in der deutschen Ausgabe sind gelegentlich Fehler enthalten, grammatisch und in der Rechtschreibung. Und am Anfang gibt es sehr häufige Wiederholungen, wo die Autorin uns innerhalb weniger Seiten immer wieder denselben Satz um die Ohren haut. Das wird aber dann ab Kapitel 2 besser.

Habt ihr von dem Buch schon gehört? Für mich war es ein sehr glücklicher Bibliotheksfund.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Montag, 23. März 2020

Flüchtige Moderne

Hallo meine isolierten Lesemäuse,

in Zeiten der Krise wird es Zeit für Krisenwissenschaften wie die Soziologie eine ist. Im Moment promoviere ich in diesem Gebiet und habe daher mal ein Buch zwischengeschoben, das nicht für den traditionellen Unterhaltungsleser gedacht ist. Dennoch finde ich, dass jeder etwas aus diesem Buch ziehen kann, wenn er will, und darum stelle ich es hier ausnahmsweise vor.

Die Fakten:
  • Autor: Zygmunt Bauman
  • Titel: Flüchtige Moderne (Original: Liquid Modernity)
  • Übersetzung: Reinhard Kreissl
  • Erschienen: 2003 (Original: 2000)
  • Verlag: suhrkamp
  • Seiten: 252
  • Preis: 15,00 Euro
  • Klappentext: "Die in der französischen Revolution erhobene Forderung nach "Verdampfung aller Stände" sollte dazu führen, dass neue Stabilitätengeschaffen werden. Nach über zweihundert Jahres des Kampfes um Freiheit und Emanzipation müssen wir einsehen, dass eine Kluft zwischen dem befreiten Individuum de jure und seinen Einflussmöglichkeiten de facto entstanden ist. Zygmunt Bauman entwirft mit provozierender Souveränität das Bild einer Moderne, die sich durch exterritorial und mobil gewordene Machtstrukturen auszeichnet. Das Individuum ist zwar in die Freiheit entlassen, muss das soziale Gewebe jedoch in Heimarbeit selbst herstellen. Es gibt kein Schaltzentrum der Macht mehr, die Strukturen sind flüchtig, die Freiheit beliebig. Ist der Kritischen Theorie damit das Subjekt abhanden gekommen?"

Zum Inhalt: Zygmunt Bauman diagnostiziert die Spätmoderne als eine flüssige Moderne. Der entscheidende Umbruch geschieht, als die schwere Moderne abgelöst wird von hypermobilen Eliten, deren globalen Geldflüssen und Kommunikationstechnologien, die den Ort unwichtig machen. Wir können überall mit jedem kommunizieren, wir können immer größere Distanzen immer schneller überbrücken. Damit gerät laut Bauman alles ins Fließen.

Doch erreichen wir damit tatsächlich die Freiheit, die wir uns immer erhofft haben? Oder ist es nur eine Freiheit auf Papier, die uns neue Zwänge auferlegt? Schnell wird klar, es gibt keine Freiheit nicht zu entscheiden, nicht zu wählen. In dieser flüchtigen Moderne gewinnt der Schnellste, der Leichteste. Und die Verlierer sind die Menschen, die ortsgebunden bleiben, die stark im Netz der Familie oder der Community verankert bleiben.

Das spannende an Modernisierungstheorien - vor allem denjenigen, die sich mit der Spät- oder Postmoderne beschäftigen - ist, dass sie häufig Antworten auf Fragen liefern, die zu jener Zeit noch keiner gefragt hatte. So ist dieses Buch erstmals 2000 erschienen, vor 9/11. Dennoch beantwortet es Fragen, die uns heute so dringend erscheinen. Vor allem geht das Buch sehr ausführlich darauf ein, warum rechte und fremdenfeindliche Ideologien in dieser flüssigen Moderne wieder beliebt werden.

Das Buch ist aufgeteilt in fünf Unterkapitel. Das erste beschäftigt sich mit "Emanzipation", allerdings geht es hier nicht um die Frauenbewegung. Emanzipation bedeutet hier vielmehr die Befreiung der Menschheit, die schon in der französischen Revolution zum Ziel erhoben wurde. Bauman fragt sich, ob wir heute tatsächlich so frei sind, wie wir scheinen, oder ob wir nicht einfach anderen Regeln folgen müssen, aber immer noch so unfrei sind wie eh und je.

Darauf folgt ein Kapitel zu "Individualität" und dabei vor allem Individualisierung. Ich denke, dass sich hier viele junge Menschen wiederfinden werden, wenn es darum geht, ob wir wirklich alle glückliche kleine Schneeflocken sind oder ob auch wir gesellschaftlichen Zwängen unterliegen, ihre Ursache aber nicht mehr sehen können. Das hat mich an Soziologie immer besonders fasziniert.

Anschließend geht es um das Verhältnis von Zeit und Raum, was ich persönlich immer sehr interessant finde, was einigen aber vielleicht auch zu Abstrakt wird. Die Idee, dass zunächst Raum das Ausschlaggebende in der Moderne war und nun Zeit den Raum entwertet, beziehungsweise sich von diesem entkoppelt und daher das Entscheidende wird, finde ich sehr spannend.

Im Kapitel "Arbeit" geht es auch nicht nur um die Industrie- oder Erwerbsarbeit, die wir vielleicht damit assoziieren, sondern auch um Themen wie Familie und Partnerschaft. Es geht hier darum, was die Gesellschaft erst schafft und wie diese wichtigen Grundlagen sich in der flüssigen Moderne verändern. Gerade die Ideen zu Familie finde ich immer wieder interessant.

Im letzten Kapitel "Gemeinschaft" geht es dann um den neuen Reiz, den Träume von "ursprünglichen Gemeinschaften" in der flüssigen Moderne entwickeln. Sie locken mit einem Versprechen, dass so alles wieder zum Stillstand und in geordnete Bahnen kommt. Auch wenn dieser Teil für mich persönlich nicht sehr interessant war, da meine Forschung in anderen Bereichen liegt, ist es doch von unglaublicher Relevanz für die heutigen Gesellschaften.

Besonders hervorheben möchte ich schließlich das Nachwort, in dem Bauman auf die Aufgabe der Soziologie verweist. Es geht darum, menschliches Leid zu beenden oder zumindest einzudämmen. Baumans Reflektionen dazu fand ich sehr ansprechend und inspirierend.

Wer also mal wissen möchte, was Soziologie -unter anderem- so ist und macht, der sollte sich dieses Büchlein anschauen. Es ist nicht besonders lang und auch nicht besonders schwer geschrieben, sondern zugänglich auch für fachfremde Personen. Es geht auf wichtige Fragen ein, die wir heute -20 Jahre später- an die Gesellschaft haben. Ich denke, jeder kann ein bisschen seines eigenen Lebens darin wiederfinden. Und schließlich geht es der Soziologie darum, dass Menschen erkennen, dass sie nicht immer selbst schuld sind, dass sie nie hätten alles erreichen können und dass niemand in einem Vakuum lebt. Wie könnte man das besser erreichen, als Leute dazu zu kriegen, solche Bücher zu lesen?

Interessieren euch ab und an auch solche Reviews? Oder sollen wir lieber bei Romanen, etc. bleiben?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Mittwoch, 4. März 2020

The Rise and Fall of the Dinosaurs

Hallo meine Dinosaurierfreunde,

in der Grundschule habe ich in jedes Poesie-Album geschrieben, dass ich später mal Paläontologe werden wollte: Dinoforscher. Allerdings hat sich das dann nie ergeben. Geblieben ist aber meine Faszination für diese Ur-Giganten und für Wissenschaft. Als ich von diesem Buch hörte, konnte ich mich demnach kaum zurückhalten.

Die Fakten:
  • Autor: Steve Brusatte
  • Titel: The Rise and Fall of the Dinosaurs
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: William Morrow
  • Seiten: 349 + Quellen
  • Preis: 25,99 Euro
  • Klappentext: "The Dinosaurs. Sixty-six million years ago, the Earth's most fearsome creatures vanished. Today they still remain one of our planet's great mysteries. Now The Rise and Fall of the Dinosaurs reveals their extra-ordinary, 200-million-year-long story as never before. In this captivating narrative, Steve Brusatte, a young American paleontologist who has emerged as one of the foremost stars of the field - naming fifteen new species and leading groundbreaking fieldwork - masterfully tells the complete, surprising, and new history of the dinosaurs, drawing on cutting-edge science to dramatically bring to life their lost world and illuminate their enigmatic origins, spectacular flourishing, astonishing diversity, caraclysmic extinction, and startling living legacy."

Zur Handlung: Die Geschichte der Dinosaurier beginnt mit den Übergang ins Zeitalter des Trias etwa 250 Millionen Jahre in der Vergangenheit. Damals waren sie noch nicht die großen furchteinflößenden oder bewunderswerten Monster, die wir aus Jurassic Park kennen, sondern sie kämpften mit anderen Arten und Lebewesen um Nischen und Lebensraum. Doch durch die meisten Krisen der jüngeren Erde schafften es die Dinosaurier gut und konnten so immer mehr Herrschaft erlangen.

Im Jura und der Kreidezeit schließlich wurden die Dinosaurier schließlich zu den Königen aller Lebewesen, die wir kennen. Sie waren riesig, und sie waren hungrig. Viele Arten waren extrem spezialisiert auf ihren Lebensraum. Vor allem in der Kreisezeit begannen sich die Kontinente endgültig voneinander zu lösen, sodass in verschiedenen Weltregionen ganz unterschiedliche Ökosysteme entstanden. Und dann war eines Tages alles vorbei.

Diese Geschichte erzählt uns Steve Brusatte in seinem Buch über Dinosaurier, natürlich deutlich detaillierter. In neun Kapiteln erfahren wir alles wirklich wissenswerte über diese Ur-Giganten, was uns nicht einfach nur völlig verwirren würde. So beginnen wir mit der Zeit vor den Dinosauriern und ihrem recht spontanen Auftauchen am Beginn des Trias. Wir erfahren, wer ihre größten Konkurrenten waren, wie Dinosaurier so groß werden konnten wie Diplodocus, wie die Welt schließlich auseinanderbrach und welche Folgen das hatte, wie T-Rex Nordamerika beherrschte und in Europa Miniaturdinosaurier auf wenigen Inseln lebten, wie Dinosaurier Federn bekamen und letztlich Flügel, wie Dinosaurier verschwanden und wie ihre Nachkommen uns immer noch auf der ganzen Welt begegnen.

Ich fand das Buch sehr gut geschrieben. Steve Brusatte versteht es, wissenschaftliche Erkenntnisse in verständliche Beispiele und kleine Anekdoten zu verpacken, sodass man viel lernt, aber auch gut unterhalten wird. Während wir von den Dinosauriern hören, erfahren wir gleichzeitig viel über das Leben als Paläontologe. Wir sehen, wie Wissenschaft funktioniert, wie zum Erfolg neben einem leistungsfähigen Gehirn und unermüdlichen Schweiß auch Glück und gute Kontakte gehören.

Wir verfolgen Steve Brusatte über die ganze Welt. Was mir daran gut gefallen hat, war einerseits, dass man sehen kann, wie enorm sich die Welt inzwischen verändert hat - ich sage nur schottische Lagune - und andererseits, dass wir auch von Funden und Befunden hören, die nicht aus Amerika stammen. Wir sehen, wie international diese Forschung inzwischen ist, mit den wichtigsten Fundorten in Ländern wie China. Aber auch nah Zuhause gibt es einiges zu entdecken, wie in einer polnischen Region mit sehr frühen Dinosauriern.

Das führt dazu, dass wir vor allem am Ende vom Buch auch von Dinosauriern hören, die uns nicht so geläufig sind wie T-Rex, Triceratops und Diplodocus. Mit dem Auseinanderdriften der Kontinente entwickeln sich Dino-Cousins in ganz unterschiedliche Richtungen. Und auch wenn Nordamerika vielleicht schon am längsten beforscht wird - wichtige Erkenntnisse kommen inzwischen von Südamerika, Afrika, Europa und Asien. Gerade auch über die Anfänge der Dinosaurier wusste ich bis zu diesem Buch nicht viel.

Was mir an diesem Buch als einziges gefehlt hat, sind mehr Illustrationen. Ich habe Dinos links und rechts gegoogelt beim Lesen, damit ich mir besser vorstellen kann, worum es geht. Die Kapitelstartseiten zeigen immer einen Dinosaurier illustriert, aber ich hätte davon noch deutlich mehr vertragen. Das Buch hat einge sehr interessante Fotos, aber ich denke, gerade von den unbekannteren Dinos hätten noch ein paar Illustrationen dem Verständnis sehr geholfen.

Ansonsten habe ich absolut keinen Kritikpunkt am Buch. Es gab ein Kapitel in der Mitte, das ein bisschen inhaltlich konfus war, aber bei allen anderen Kapiteln war absolut klar, was ich daraus an Wissen mitnehmen sollte. Ich habe wirklich viel dazugelernt und es hat immer Spaß gemacht weiterzulesen. Ich habe jeden Tag ein Kapitel gelesen, während ich Urlaub habe. Die Kapitel sind schon auch etwas lang, aber nie langweilig, und sie vermitteln auch einiges an Wissen auf dann doch recht wenig Seiten.

Alles in allem empfehle ich dieses Buch jedem Dino-Fan. Es ist sehr gut geschrieben und während es wissenschaftlich bleibt, ist es doch auch unterhaltsam geworden. Ab der ersten Seite gibt es viel zu lernen und das Buch folgt einem roten Faden und kommt so auch zu einem guten Abschluss am Ende. Wenn ich -selber Wissenschaftlerin- je ein Populärwissenschaftliches Buch schreiben würde, dann würde ich versuchen, es so zu tun wie Steve Brusatte. 

Habt ihr jetzt Lust auf die neusten Erkenntnisse von Paläontologen bekommen? Oder bleibt ihr bei Romanen und Hollywoodfilmen über die Giganten?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Sonntag, 25. August 2019

Plantation Memories


Hallo meine kritischen Leser,

heute wenden wir uns noch einem Buch zu, dass nicht fiktiv ist. Es handelt auch wie Why I No Longer Talk To White People About Race von Rassismus und Rassismus-Erfahrungen. Dabei fokussiert dieses Buch stärker schwarze Personen in Deutschland und thematisiert die koloniale Vergangenheit als Trauma-Erfahrung aus einer psychologischen (freudianischen?) Perspektive. Ich habe auch dieses Buch für den Harry Potter-Readathon gelesen.

Die Fakten:
  • Autor: Grada Kilomba
  • Titel: Plantation Memories - Episodes of Everyday Racism
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Unrast
  • Seiten: 154
  • Preis: 16,00 Euro
  • Klappentext: "Plantation Memories is a compilation of episodes exploring everyday racism as a psychological reality. The combination of these two words, `plantation´ and `memories´, describing racism as not only the restaging of a colonial past, but also as a traumatic reality. Everyday racism, argues Grada Kilomba, is experienced as a violent shock that suddenly places the Black subject within a colonial scence where, as in a plantation scenario, one is imprisoned as the subordinate and exotic `Other´. "What a beautiful N.! Look how nice the N. looks. I want to be one too" says a girl to Kathleen. Kathleen is shocked, for she did not expect to be perceived as the inferier `Other´. This moment of surprise and pain describes everyday racism as a mise-en-scéne where whites suddenly become symbolic masters and Blacks, through insult and humiliation, become figurative slaves. Unexpectedly, the past comes to coincide with the present and the present is experienced as if one were in that agonizing past, as the title Plantation Memories conveys."

Zum Inhalt: In den ersten Kapiteln beschreibt die Autorin verschiedene Aspekte von Kolonialismus und verbindet diese mit dem Begriff des Traumas. Sie schreibt darüber, wer wann wie sprechen darf und dabei auch gehört wird. Alles wird durch eine starke Machtperspektive gesehen. Danach beginnt sie im vierten Kapitel bestimmte Themen, die in den Interviews besprochen wurde, wie beispielsweise "Haar" oder "Sexualität" zu erläutern und mit Trauma in Verbindung zu setzen. Zum Schluss beschreibt sie auch Aspekte des Heilens und der "Dekolonialisierung".

Zunächst ist wichtig, dass es sich bei diesem Buch durchaus um einen eher wissenschaftlichen Text handelt. Wer erwartet, dass er hier Allgemeinplätze zum Thema Rassismus in Deutschland erfährt, ist an der falschen Adresse (wie ich es war). Es geht tatsächlich eher um die Perspektive auf Rassismus durch die Trauma-Theorie. Dabei wird viel auf Freud Bezug genommen.

Es gibt nur eine sehr geringe Einordnung des Themas - historisch oder sozial - die über ein paar Grundfakten hinausgehen. Dabei wird das Unwissen über das Thema Schwarze in Deutschland aber durchaus als ein Anzeichen für Rassismus genannt. Leider weiß ich - trotz Geschichte-Leistungskurs - auch nicht sehr viel darüber, was ihre These stützt aber mich als Leser natürlich nicht abholt.

Als Wissenschaftlerin tue ich mich tatsächlich immer ein bisschen schwer mit psychologischen Sichtweisen. Leider klicken diese mit mir nicht so richtig, da ich das Leben und die Welt eben eher durch meine eigene (sozialwissenschaftliche) Brille sehe. Darum fand ich ganz persönlich die Art der Auswertung des Materials hier auch nicht besonders interessant und kann auch nicht beurteilen, inwieweit das Beschriebene neue Erkenntnisse sind.

In einem Kapitel schreibt die Autorin auch, dass sie von Abstraktionen absehen wird, sondern mehr die Daten und damit die interviewten Schwarzen Frauen für sich sprechen lassen wird. Dann wird aber jedes Kapitel sehr stark abstrahiert in meinen Augen, denn alles wird immer wieder auf Trauma und Freud und ähnliches hochgehoben. Das hat mich etwas irritiert. 

Vor allem bin ich aber davon verwirrt, dass nur zwei von sechs Interviews in diesem Buch ausgewertet werden. Ich bin nicht so firm in dieser Forschungsrichtung, darum weiß ich nicht, ob das Usus ist. Es wird behauptet, die anderen Interviews sehen in gleiche Richtungen gegangen aber nicht so schön ausformuliert. Trotzdem muss ich das der Autorin einfach glauben und hoffen, dass sie mir nicht nur die Ergebnisse präsentiert, die zu ihrer eigenen Erfahrung und ihren Annahmen passen. 

Insgesamt habe ich aus dem Buch leider nicht wirklich etwas gelernt. Die Ausschnitte aus den Interviews waren sehr interessant, davon hätte ich gern mehr gelesen (eben auch von den anderen Interviewten). Ich hatte mir vom Buch einen Fokus auf Deutschland gewünscht, den ich allerdings auch nur bedingt bekommen habe, da deutsche Besonderheiten fast keine Rolle spielen und eine der beiden Interviewten eigentlich Amerikanerin ist, die scheinbar eine Weile in Deutschland wohnte. Wissenschaftlich hat mir das Buch leider nicht gut geschmeckt. Ich hatte stattdessen das Gefühl, dass das Buch dezidiert für andere Schwarze Frauen (und Psychologen?) geschrieben ist, was ich an sich ok finde, es dann aber im Marketing ein bisschen stärker machen würde.

Leider kann ich das Buch aber einer breiten Masse nicht empfehlen, habe zum Lesen echt lange Zeit gebraucht und war sehr froh, als es endlich geschafft war. Wirklich etwas gelernt habe ich nicht.

Kennt ihr das Buch? Wie steht ihr dazu und hättet ihr an einem Buch, das stärker auf die Historie und Lebenswelt von Schwarzen (Frauen) in Deutschland eingeht? Mich würde das brennend interessieren.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:

Mittwoch, 21. August 2019

Why I'm No Longer Talking To White People About Race

Hallo meine Non-Fiction-Freunde,

im Zuge des Harry-Potter-Readathon musste ich ein Buch lesen, das unter der Schutzhülle schwarz ist. Dieses Buch passte dafür perfekt und war schon lange auf meiner Liste, seit die liebe Sabrina von Look at my Books (Youtube) es mir für wenig Geld verkauft hatte. Dabei lese ich sehr wenig non-fiction und war sehr gespannt.

Die Fakten:
  • Autor: Reni Eddo-Lodge
  • Titel: Why I'm No Longer Talking To White People About Race
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Bloomsbury Circus
  • Seiten: 224 + Anhang und Literaturverzeichnis
  • Preis: 8,69 Euro
  • Klappentext: "In 2014, award-winning journalist Reni Eddo-Lodge wrote about her frustration with the way that discussions of race and racism in Britain were being led by those who weren't affected by it. She posted a piece on her blog and gave it the title "Why I'm No Longer Talking To White People About Race" Her words hit a nerve. The post went viral and comments flooded in from others desparate to speak up about their own experiences. Galvanised by this clear hunger for an open discussion, she decided to dig into the source of these feelings. The result is a searing, illuminating, absolutely necessary examination of what it is to be a person of colour in Britain today."

Zum Inhalt: Zunächst widmet die Autorin nach einem Vorwort ein längeres Kapitel des Geschichte von Großbritannien und damit verknüpft dem Rassismus in diesem Land. Danach beschreibt sie, wie durch das System institutionelle Formen des Rassismus wirken. Sie erläutert den Begriff "White Privilege" und beschreibt, dass vor allem Populisten heute viel mit der Angst vor einem "Black Planet" arbeiten.

Danach geht sie auf Fragen des Feminismus und seiner Beziehung zu Rassismus ein, spricht über das Verhältnis von ethnischer Herkunft und Klasse und beendet das Buch dann mit einem Plädoyer, was in Zukunft besser gemacht werden könnte, und vor allem, von wem die ausgehen sollte. Am Ende werden Notizen und das Literaturverzeichnis angefügt.

Das Buch ist für mich ein guter Einstieg für Personen, die sich noch nicht viel mit Rassismus beschäftigt haben. Vor allem die Geschichte von Rassismus in Großbritannien fand ich sehr aufschlussreich, denn davon wusste ich sehr wenig. Aber auch die anderen Themen sind größtenteils gut aufgearbeitet und verständlich wiedergegeben.

Probleme hatte ich ein bisschen mit den Schilderungen im Feminismus-Teil, da ich da ihrer Argumentation teilweise nicht folgen konnte. Sie beschreibt ein Radio-Interview und dessen Folgen, aber ich habe einfach die Zusammenhänge nicht richtig verstanden. Das war aber die einzige Stelle, mit der ich Schwierigkeiten hatte.

Der Schreibstil ist flüssig und durch eher annekdotische Erzählungen wird es auch nicht langweilig. Zwischendrin werden auch Forschungsergebnisse präsentiert, allerdings immer auf eine journalistische und damit massentaugliche Weise. Ich bin durch das Buch folglich hindurchgeflogen.

Als Sozialwissenschaftlerin, die sich viel mit Stigmatisierung und Diskriminierung beschäftigt, waren die meisten Punkte in diesem Buch nicht wirklich neu für mich. Sie sind aber sehr gut zusammengefasst und schlüssig argumentiert sowie mit guten Beispielen untermauert. Das Buch erscheint mir damit auch wenig ideologisch aufgeladen und eher nüchtern, denn es legt viele Fakten dar. Viele Konzepte werden sehr klar erläutert.

Alles in allem finde ich das Buch sehr gut gelungen und möchte es gern weiterempfehlen. Wer sich schon vermehrt mit dem Thema auseinander gesetzt hat, wird vielleicht nicht alles als neu und mind-blowing wahrnehmen, aber ich schätze das Buch für die prägnante und massentaugliche Darstellung komplexer Inhalte. Einige Anekdoten und Berichte in diesem Buch schaffen es aber auch, zu schockieren und zu überraschen. Es wird auf jeden Fall nicht langweilig und es gibt eines zu lernen.

Kennt ihr das Buch? Wie steht ihr zu dem Titel, der ja schon etwas reißerisch wirkt?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:

Mittwoch, 27. Februar 2019

Secrets of Stylists

Hallo meine Schönheiten,

lange Zeit wusste ich nicht, ob ich dieses Buch hier vorstellen möchte, aber ich werde nun für drei Wochen verreisen, und möchte die liebe Blue nicht ganz allein lassen. Also bekommt ihr heute einen kurzen Post zu diesem Buch, das ich vergangenes Jahr gelesen habe. Ich lese sehr selten Bücher, die nicht Fiktion sind, da ich da genug in meinem Job lese. Dieses Buch aber hatte ich so lange im Schrank und wollte es dann doch mal genauer ansehen.

Die Fakten:
  • Autor: Sasha Charnin Morrison
  • Titel: Secrets of Stylists
  • Erschienen: 2011
  • Verlag: Chronicle Books
  • Seiten: 176
  • Preis: ab 3,56 Euro gebraucht
  • Klappentext: "Secrets of Stylists is your key to styling like a pro. In this unprecedented insider's guide, Sasha Charnin Morrison, Fashion Director at US Weekly, opens her little black book of stylists and reveals her top secrets. You'll find out how to create unforgettable loos, style for the red carpet, reference iconic fashion moments and eras, land a choice job, work with the pros. Hundreds of glossy photos illustrate looks (both good and bad) and over twenty-five interviews with elite stylists provide real-life advice on how to make it in the biz."

Der erste Satz des Klappentexts ist hier Programm, denn wer hofft hier umfangreichen Styling-Advice zu bekommen, der ist an der falschen Adresse. Stattdessen ist dieses Buch eher ein Einstiegswerk für angehende Stylisten. Es wird darüber berichtet, wie man am besten einsteigt und aufsteigt und sich ein Portfolio zulegt. Damit war ich natürlich Meilen an der Zielgruppe vorbei.

Allerdings ist das Marketing des Buches auch nicht gut, denn es verspricht schließlich, dass ich lerne zu stylen. Das passiert aber nicht. Man bekommt im letzten Teil des Buches dann einige Worst Case-Szenarien in Fotos präsentiert und einige besondere Schmankerl sowie besondere Ikonen werden präsentiert. Was nun aber konkret ein Outfit gut oder schlecht macht, handfeste Tips, das gibt es nicht.

Interessant war es dennoch irgendwie, denn es ist spannend, wie der Job eines Stylisten konkret aussieht. Vor allem wird vermehrt darauf hingewiesen, dass es ein Job ist und dass es manchmal richtig kacke sein kann. Und nicht glamorös. Viele haben sicher eine Sex and the City-Vorstellung davon, wie ein Leben als Stylist ist, und dieses Buch räumt damit auf.

Auch werden viele kleine und große Tricks des Roten Teppich beschrieben. So können wir alle aussehen wie Nicole Kidman, wenn wir nur die richtige Unterwäsche anziehen, die alles genau dahin schiebt, wo wir es haben wollen. Dennoch war das nicht die Art Fashion Advice, die ich gesucht habe.

Das Buch war letztlich unterhaltsam aber nicht hilfreich. Die Aufmachung ist nett und die Bilder kann man immer mal wieder durchblättern. Wer sich hier aber erhofft, dass er sich danach gezielter, schicker oder einfach bewusster kleiden kann, der wird enttäuscht. Vielleicht kaufe ich irgendwann mal ein Buch, das mit diesen Wunsch tatsächlich erfüllt.

Kennt ihr das Buch? Oder habt ihr Empfehlungen für richtige Styling-Hilfen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung: