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Dienstag, 9. April 2024

Die Unerzählte Geschichte


Hallo meine Geschichtshasen,

heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass ich zu Weihnachten bekommen habe. Es ist ein Buch über Geschichte - westliche Geschichte, mit Fokus auf Deutschland, Europa und etwas USA - aber anders erzählt, nämlich über die Errungenschaften von Frauen. Dabei wird auch darauf eingegangen, warum wir die Namen dieser Frauen vielleicht noch nie gehört haben, obwohl sie Unglaubliches geleistet haben.

Die Fakten:

  • Autor: Vera Weidenbach
  • Titel: Die Unerzählte Geschichte - Wie Frauen die moderne Welt erschufen - und warum wir sie nicht kennen
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • Seiten: 328 + Quellenverzeichnis
  • Preis:
  • Klappentext: "Frauen verändern schon immer die Welt: Sie waren nicht nur "die Ersten ihrer Art", sie waren die Ersten überhaupt. Sie forschten, schrieben Weltliteratur und läuteten neue Epochen in der Kunst ein. Vera Weidenbach macht endlich sichtbar, welchen Anteil Frauen an unserer modernen Welt haben. In Wahrheit schuf nicht Walt Disney den ersten Trickfilm, sondern Lotte Reiniger. Rosalind Franklin beschrieb die DNA, Ada Lovelace das erste Computerprogramm und Lise Meitner die Kernspaltung. Camille Claudel prägte die Bildhauerei der Moderne, und Margarete Steffin brachte die Stimmen der kleinen Leute in die weltberühmten Stücke von Berthold Brecht."

Zum Inhalt: In sechs Kapiteln gehen wir durch sechs Zeitabschnitte der Geschichte. Wir beginnen im 19. Jahrhundert, arbeiten uns durch den ersten Weltkrieg, die Phase zwischen den Weltkriegen und den zweiten Weltkrieg schließlich in die Nachkriegszeit bis fast zum Fall der Mauer und dem Ende des kalten Krieges. Dabei wird die Geschichte chronologisch erzählt und wir springen so von Frau zu Frau, besuchen einige nur einmal, andere immer wieder durch die Zeit hinweg.

Die Autorin beleuchtet dabei Frauen aus Wissenschaft, Kultur und Kunst, und zeigt deren Errungenschaften und ihre Unsichtbarmachung auf. Auch wenn sich die Möglichkeiten der Frauen durch die Zeit verändern, sind doch die Gründe, mit denen sie ins Abseits geschoben werden, erschreckend konstant. Hier geht es dann allerdings wenig in die Tiefe, sodass letztlich hier doch eine Reihe von Einzelschicksalen steht, die nur dürftig zu einem großen Ganzen verbunden werden.

Die Auswahl der Frauen, die konkret vorgestellt werden, ist nur eine Auswahl, das betont Vera Weidenbach in ihrem Buch. Es würden immer Frauen vergessen. Und ich finde auch, dass die Länge des Buches genau richtig ist, sodass ich nicht dafür plädieren würde, mehr Lebensläufe aufzunehmen. Dennoch hat sich mir so manche Auswahl nicht erschlossen. Zum Beispiel fand ich die Debatte um Coco Chanel zwar interessant (und würde hier auch Recherchen empfehlen, auch wenn ihr Mode nicht mögt), aber sie passt so gar nicht zu den unsichtbaren Frauen. Ihr Name steht auch heute noch auf luxuriösen Parfums und teuren Handtaschen. Kein Mann hat ihr den Rang abgelaufen oder den Erfolg streitig gemacht - auch wenn ein Mann für sie fast zum wirtschaftlichen Verhängnis geworden wäre. Was macht sie hier?

Auf der Kehrseite dieser Medaille fühle ich beim Lesen ein großes Loch von historisch unsichtbaren Frauen, die weiter unsichtbar bleiben, weil sie nicht die Wissenschaft oder Kunst revolutioniert haben. Weil sie so unterdrückt waren, dass ein Zugang zu potentiellem Ruhm in ihren kühnsten Träumen nicht vorkam. In einem frühen Kapitel finden wir zumindest einen kurzen Verweis auf die Rolle, die Klasse und Stand für diese Frauen gespielt haben. 

Aber daneben sind noch andere unsichtbare Frauen. Marginalisierte Frauen - Transfrauen, queere Frauen, Frauen mit Behinderung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich nicht zumindest eine solche Frau gefunden hätte, um den lustigen Reigen von weißen Mittelklasse-Frauen in diesem Buch unterbrochen hätte. Zugegeben, ein paar Schwarze Frauen und eine Frau chinesischer Herkunft werden erwähnt, doch alle in den USA. Gab es in Deutschland und Europa keine Frauen of Color, die Großes geleistet haben?

Abgesehen von dieser klaffenden Lücke hat mich das Buch durch den flüssigen Schreibstil überzeugt. Man kann es einfach super lesen. Ich hatte auch das Gefühl, dass sehr wenig Überflüssiges darin steckt. Ein bisschen seltsam fand ich die Geschichte von Silvia Plath aufgearbeitet - die ist auch nicht auf meiner Liste von unsichtbaren Frauen der Literatur, aber ok. Ein bisschen herausfordernd ist, dass wir chronologisch lesen und so manche Frauen in mehreren Abschnitten oder Kapiteln vorkommen, aber das hat mich nicht gestört.

Manche Frauen dagegen tauchen im Buch nur kurz auf - und das ist meistens, weil sie auch in der Geschichte nur kurz aufgetaucht sind. Es ist wirklich erschreckend, wie viele Frauen in diesem Buch bereits in jungen Jahren und sehr häufig an Krebs gestorben sind. Neben den vielen Aspekten, die Wut im Leser auslösen werden, hat mich das auch unglaublich traurig gemacht. Gerade für ihre teilweisen kurzen Leben, haben diese Frauen wirklich Großartiges geschafft. Diejenigen, die länger leben konnten, mussten oft um Anerkennung und Entlohnung für ihre Werke kämpfen. Also hier auf Wut vorbereiten.

Alles in allem fand ich das schon ein schönes Buch. Ich habe auf jeden Fall Dinge gelernt, die ich vorher nicht wusste. Auch der Fokus auf Deutschland, Europa und die USA fand ich ihn Ordnung, irgendwo muss man ja anfangen. Ich fand die Mischung aus Frauen aus Wissenschaft, Kultur und Kunst gut getroffen. Gegen Ende hin hatte ich aber das Gefühl, dass es irgendwie hektischer wird, da die kurzen Kapitel die komplexe Geschichte dann vielleicht nicht mehr so gut widergeben konnten. Aber vielleicht war das nur für mich so. Ich würde das Buch empfehlen, wenn ihr mal eine andere Geschichte über die Moderne lesen wollt. 

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 1. April 2024

Die Erben des Medicus


Hallo meine Historienhasen,

vielleicht erinnert ihr euch noch an den Medicus, von dem ich euch auch die Verfilmung vor vielen Jahren vorgestellt hatte. Und dann hatte ich auch vom Folgebuch Der Schamane berichtet. Heute kommen wir mit sehr viel Verzögerung zum letzten Band dieser Trilogie, die der Arztfamilie der Coles folgt. Ihr fragt euch vielleicht, was hat da so lange gedauert? Nun ja, das Cover des Buches in der Ausgabe, die meine Mama mir geliehen hat, ist wirklich kein Hingucker, und Ärzte in den 90ern in den USA hat jetzt auch nicht mein Interesse geweckt, sondern mich eher an die vielen TV-Sendungen aus der Zeit erinnert. Aber jetzt ist es endlich so weit, zu Ostern bekommt Mutti ihre Ausgabe zurück!

Die Fakten:

  • Autor: Noah Gordon
  • Übersetzung: Klaus Berr
  • Titel: Die Erben des Medicus (eng. Matters of Choice)
  • Reihe: Familie Cole 3
  • Erschienen: 1997 (Original: 1995)
  • Verlag: Knaur
  • Seiten: 402
  • Preis: 11,00 Euro
  • Klappentext: "Eine zerbröckelnde Ehe und die Fragwürdigkeit einer Karriere im Getriebe einer Großklinik sorgen für eine große Wende in Dr. Roberta Coles Leben. Sie beschließt, der Apparatemedizin und dem politischen Hickhack am Hospital in Boston den Rücken zu kehren und als Landärztin in den Berkshire Hills den direkten menschlichen Kontakt zu den Patienten zu suchen. Das bedeutet Verzicht auf Privilegien, Komfort und Sicherheit, bedeutet aber auch Zugang zu einer unverfälschten Natur, zum ewigen Kreislauf der Jahreszeiten, zu einfachen Menschen und ihren Nöten."

Zur Handlung: RJ Cole ist eine Ärztin Mitte 40, deren Ehe schon lange abgekühlt ist und deren Job ihr kein Vergnügen bringt. Als der Mann in einen beruflichen Fauxpas verstrickt wird und für RJ eine wichtige Beförderung im Raum steht, beschließen die beiden die Scheidung. Doch da RJ Schwangerschaftsabbrüche in einer Abtreibungsklinik vornimmt, gerät ihr Name in schlechte Presse. Dies gefährdet nicht nur ihre Beförderung, die an einen männlichen Kollegen geht, sondern auch ihre Sicherheit, sodass RJ Boston verlässt und aufs Land zieht.

Dort angekommen stellt sie sich den Herausforderungen, sich eine neue Praxis und ein neues Leben aufzubauen. Das wird erleichtert durch Menschen, die sie in dem Örtchen trifft, allen voran ihrer neuen Freundin Toby, die ihre Sprechstundenhilfe wird, und ihrem Nachbar David, mit dem nach und nach Gefühle entstehen. Auch Davids Tochter Sarah wird für RJ schnell ein emotionaler Anker. Doch dann geht alles schief.

Ok, ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber aus dem englischen Titel kann man das Thema dieses Buches eigentlich gut ablesen. Matters of Choice - hier wird auf die Abtreibungsdebatte in den USA verwiesen. Und uff, so ein Buch jetzt zu lesen, dass die Zustände in den 90ern kritisiert, wo wir doch wissen, wo wir im Jahr 2024 damit stehen, das war echt hart. Das hat auch nicht viel Spaß gemacht, sondern mich daran erinnert, wie leicht wir Frauen unsere Rechte wieder verlieren können, wenn genug Männer mit genug Geld das wollen. Damit war es zumindest ein gutes Buch, um es im Women's History Month zu lesen. Vielleicht nochmal ganz deutlich: ich bin für das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch für Frauen, und dieses Buch ist es auch. Wenn euch das nicht passt, braucht ihr weder diesen Post noch das Buch zu lesen - oder ihr wollt euch umstimmen lassen.

Als Hauptfigur folgen wir das erste Mal in dieser Reihe einer Frau. Damit will der Autor vermutlich auch zeigen, dass in den 80ern und 90ern Frauen entscheidende Rechte gewonnen haben. Allerdings stellt sich damit das ewige Problem ein: kann ein Mann gute Frauen schreiben? Nun ja, ich habe schon deutlich Schlimmeres gelesen, aber an einigen Stellen kam der Male Gaze definitiv durch. Also erwartet hier keine Wunder. Dennoch mochte ich RJ, denn sie ist eine intelligente Frau, die nicht viel Glück in der Liebe hat, dadurch aber auch mit sich selbst zufrieden sein kann. Sie hat einige wichtige Freundinnen, und eine angespannte, aber respektvolle Beziehung zu ihrem Vater. Sie hat ein bisschen damit zu kämpfen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, weil sie selbst Erfahrungen in ihrer Vergangenheit hat, die da kollidieren, aber sie sieht es als Recht jeder Frau an, diese Entscheidung treffen zu können. Außerdem findet sie es schrecklich, dass es in den USA so viele Menschen ohne Krankenversicherung gibt, und sie will diesen helfen. Sie ist damit eher progressiv eingestellt, und wählt auch Bill Clinton (Gott, ich musste da erstmal googlen, wann er Präsident war). Da der Roman an einigen Stellen recht politisch wird, war mir das nur recht, aber es gibt sicher Leser, die da Anstoß finden.

Neben RJ haben wir einige Charaktere, die aber meist eher an der Seitenlinie bleiben. Sonst erhalten wir nur noch mehr Einblick in David, ihren Nachbarn. Ihn fand ich leider eher anstrengend. Er hat auch eine traumatische Vergangenheit und hat diese stets mit Alkohol bewältigt. Er ist zwar trocken, aber kämpft damit. In entscheidenden Momenten war er mir dann aber zu schwach als Love Interest, zu sehr nur auf sich selber fokussiert. Spannend fand ich aber die Aspekte zum Judentum, die durch seinen Charakter in die Geschichte einfließen. Der Autor selbst war Jude, und diesen Aspekt fand ich auch schon im Medicus selbst spannend.

Durch RJs Umgebung haben wir zwei sehr unterschiedliche Welten. Der erste Teil spielt in Boston und wir sehen ihren stressigen Job, der kaum Belohnung für RJ abwirft, aber immer noch mehr fordert. Dann wendet sich das Setting dem Kleinstadtleben zu. Hier wird teilweise dann romantisiert, im nächsten Augenblick passieren aber Unfälle mit Jagdgewähren, und es wird auch mal betrunken auf RJ geschossen, als diese zu einer Patientin kommt. Dennoch überwiegt das romantische Gefühl, was ich teilweise ein bisschen viel fand. Ich bin aber auch Stadtmensch.

Politisch geht es viel um zwei Themen: Krankenversicherung und Abtreibungen. Es liest sich deutlich heraus, was der Autor und damit auch RJ darüber denken. Dabei liest es sich auch sehr gut recherchiert. Das schätze ich neben dem sehr flüssigen Schreibstil besonders an Noah Gordon. Seine Bücher waren bis jetzt alle sehr gut recherchiert, und bringen einem auch neue Dinge bei. Er versucht dabei, die Themen auch möglichst facettenreich zu betrachten, was für mich aber gerade beim Abtreibungsthema nicht gelungen ist. In der Mitte des Buches gibt es da einen Einschnitt, wenn ein Eingriff schief geht, und das hätte es so für mich nicht gebraucht. Aber es ist ein schwieriges Thema. Was mir dabei vor allem immer fehlt, ist mal die Darstellung von Schwangerschaftabbrüchen, die nicht bei Teenagermädchen oder Karrierefrauen durchgeführt werden. Es gibt ja so viele Gründe, die mitunter zahlenmäßig auch häufiger sind, aber ihren Weg so selten in fiktionale Werke finden. (In dem Zusammenhang finde ich es gut, dass die amerikanischen Medien gerade viele solcher Fälle vorstellen.)

Was wir vor allem aber auch sehen, ist die extreme Gefährdung, Belästigung und Verfolgung, die Ärzte, die diese Eingriffe vornehmen, erleben müssen. Es wird auch auf verschiedene Brandanschläge und Morde verwiesen, die in diesem Zeitraum in den USA geschehen sind, zum Beispiel an David Gunn. Diese Gefahr eines solchen politischen Klimas ist absolut spürbar - und seitdem ist alles ja nur noch schlimmer geworden. Die optimistischen Worte, dass durch medikamentöse Abbrüche bald keine Demonstrationen vor Kliniken passieren werden, die ein Charakter hier ausspricht, bleiben einem da echt im Halse stecken. Mich hat das Buch somit auch daran erinnert, wie nicht-sicher wir als Frauen nach wie vor sind, wie schnell uns jemand Gewalt antun kann, weil wir Frauen sind, dass unsere Rechte innerhalb von Sekunden wieder verschwinden können, und dass es vor allem Frauen of Color und Trans-Frauen sind, die meist den höchsten Preis bezahlen. Und da habe ich dann auch mal eine Nacht nicht gut geschlafen bei diesen Gedanken.

Der größte Schwachpunkt für mich ist letztlich die Handlung. Was dann so tagein tagaus mit RJ passiert, das hat mich teilweise absolut gelangweilt. Es gibt weite Strecken, da passiert eigentlich gar nichts, dann wieder ein paar Kapitel höchste Anspannung, wo sie bedroht und verfolgt wird. Auch das Ende war nicht wirklich meins, aber das ist Geschmackssache.

Alles in allem kann ich das Buch heute nicht wirklich empfehlen. Es gibt sicher bessere Werke - fiktional und non-fiktional - zu diesen Themen, die aktueller sind und mehr dem Zeitgeist entsprechen. Wenn euch aber die Situation in den 90ern interessiert, ist es vielleicht gut. Ich stimme mit den gesundheitspolitischen Ansichten in diesem Buch überein, deswegen bewerte ich es gut. Ich bin auch nicht böse, dass ich es gelesen habe. Aber umfassend mein Leben bereichert hat es auch nicht.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 14. März 2024

Death at Wentwater Court


Hallo meine Mysteryfreunde,

heute kommen wir zu einem Buch, das leider eine Enttäuschung von mir war. Nachdem ich Miss Fisher in Buchform ausprobiert hatte, wollte ich gern ähnliche Bücher dazu testen. Und grundsätzlich klang dieses Buch wirklich sehr ähnlich: eine hochwohlgeborene Hobbydetektivin in den 1920er Jahren löst einen Mordfall. Kann ja nix schiefgehen - oder?

Die Fakten:

  • Autor: Carola Dunn
  • Sprecher: Bernadette Dunne
  • Titel: Death at Wentwater Court (dts: Miss Daisy und der Tote auf dem Eis)
  • Reihe: Daisy Dalrymple 1
  • Erschienen: 1994
  • Verlag: Blackstone Audio
  • Dauer: 6 Std 38min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "No stranger to sprawling country estates, wealthy Daisy Dalrymple is breaking new ground in having scandalously traded silver spoon for pen and camera to cover a story for Town and Country magazine. But her planned interviews with the inhabitants of Wentwater Court give way to interrogation after suave Lord Stephen Astwick meets a dire fate on the tranquil skating pond. Armed with evidence that his fate was anything but accidental, Daisy joins forces with Scotland Yard to examine an esteemed collection of suspects and to see that the unlikely culprit doesn't slip through their fingers just as the unfortunate Astwick slipped through the ice."

Zur Handlung: Daisy Dalrymple ist eine junge Frau aus gutem Hause, die sich nun ein eigenes Leben aufbauen möchte. Von dem Wohlstand der Familie abgeschnitten, arbeitet sie für ein Magazin und soll ihre guten Kontakte nutzen, um englische Landhäuser vorzustellen. Das erste dieser Landhäuser ist Wentwater Court im Familienbesetz einer angesehenen englischen Familie. Es ist kurz nach den Weihnachtsfeiertagen, und die Familie ist mit wenigen Gästen versammelt.

Zur diesen Gästen zählt auch Lord Stephen Astwick, den niemand leiden kann und wo auch irgendwie unklar ist, wie dieser zu einer Einladung gekommen ist. Fest steht allerdings, dass er ein Schwindler ist, der Männer gern um ihr Geld und ihre Ehefrauen bringt. Doch kurz nach Daisys Ankunft, wird Lord Stephen plötzlich tot aufgefunden, und aus ihrem idyllischen Aufenthalt um ihren Artikel zu schreiben wird eine Mordermittlung.

Das Buch geht ganz seicht und entspannt los mit Daiysy Zugreise und Ankunft im ländlichen England. Sofort ist sie besorgt, dass sie zu Fuß mit ihren schicken Schuhen nach Wentwater Court laufen muss, aber dann wird sie natürlich mit dem Auto abgeholt. Es plätschert schön dahin, leichte Unterhaltung. Das erste Mal sauer aufgestoßen ist es mir, als Daisy dann im Haus einen Mann trifft, den sie sehr für seinen Geschäftssinn bewundert - und der Plantagenbesitzer in Südamerika ist. Klar kann man in Kolonialisten große Wirtschaftshelden sehen... aber muss man vielleicht nicht.

Dann geht es aber mit dem Mordfall weiter. Hier erwartet uns ein recht klassischer Aufbau - Daisy kennt alle wichtigen Player bereits vor dem Mord. Nachdem der Tote gefunden wird (mit dem deutschen Titel völlig überraschend auf dem Eis), kommt ein Detektive der Scotland Yard zum Anwesen, um zu ermitteln. Dieser arbeitet gerade auch an einem hochkarätigen Diebstahl. Und er bittet Daisy um Hilfe, weil seine Untergebenen noch mit dem Diebstahlfall beschäftigt sind.

Es folgt dann eine ganze Reihe von Interviews und einige Durchsuchungen von Zimmern, wo die beiden gemeinsam Hinweise suchen. Anders als mit Miss Fisher geht es mit Daisy also ganz klassisch und ruhig zu. Wir befragen alle Familienmitglieder, wir decken kleine und große Geheimnisse auf, die vor allem mit der neuen Frau des Lords zu tun haben, dem Wentwater Court gehört. Und Daisy ist irgendwie immer mittendrin - sie hat eben auch ein Gesicht, bei dem ihr immer alle ihre Geheimnisse erzählen.

Daisy als Charakter ist dabei ziemlich unaufregend. Sie ist eine progressive Frau für die Zeit, die einer eigenen Arbeit nachgehen und ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen will. Dennoch ist sie immer erleichtert, wenn Leute sie retten, wenn sie am Bahnhof steht und so weiter. Im Vergleich mit Miss Fisher ist sie klassisch und blass, aber ich fand sie trotzdem eine gute Hauptfigur. Ein bisschen archaisch sind dann ihre Gedanken zu dem Detektive, den sie zwar sehr hot findet, aber der gesellschaftlich eigentlich so weit unter ihr steht, dass das nicht denkbar ist.

Über die anderen Charaktere möchte ich nicht zu viel sagen. Es geht im Großen und Ganzen hier etwas inzestiös zu. Das Familienoberhaupt hat eine junge Frau geheiratet, die ein dunkles Geheimnis hat. Es scheint, dass der Ermoderte dieses Geheimnis gekannt hat und sie damit sogar erpressen wollte. Gleichzeitig haben die erwachsenen Söhne des Familienoberhaupts sehr gegensätzliche Gefühle in Bezug auf ihre neue Stiefmutter. Den Rest erspare ich euch.

Bis dahin war alles gut und auch recht unterhaltsam. Und dann kommt die Auflösung des Falls, und hier war es dann für mich leider vorbei. Wenn ihr das Buch noch lesen möchtet, dann klickt jetzt bitte weg, denn ich werde ein paar Dinge spoilern müssen. Es stellt sich am Ende heraus, dass der Mord eigentlich doch eher ein Unfall war - und dass der Ermordete ein Vergewaltiger ist. Daraufhin beschließt Daisy, dass niemand für den Tod verantwortlich ist und denkt sich einen Plan aus, der den Totschläger (ist ja kein Mörder mehr) außer Landes bringt. Natürlich ist der hotte Detektive damit nicht happy, aber Daisy sagt dann, und hier wird es wirklich eklig: ein Exil in Brasilien als Verwandter des Plantagenbesitzers zwischen (und hier verwende ich nettere Ausdrücke als sie) Schlangen und den Ureinwohnern Südamerikas sei doch eigentlich ein schlimmeres Schicksal als das Gefängnis und der ruinierte Ruf. Deswegen soll Mr Detektive nochmal ein Auge zudrücken und sie trotzdem mögen.

Ich habe wirklich lange nichts mehr gelesen, das so offensichtlich rassistische Stereotype und Vorurteile in eine Geschichte einbaut. Aber da wusste ich dann direkt wieder, warum ich eigentlich keine Bücher aus den 90er lese, wenn ich es vermeiden kann. Mir hat es das Buch auf jeden Fall richtig versaut. Was man vielleicht positiv noch erwähnen kann: das Hörbuch hatte eine deutlich bessere Qualität als Miss Fisher. Trotzdem werde ich Daisy Dalrymple nicht weiterhören. 

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 12. März 2024

Cocaine Blues


Hallo meine Mysteryfreunde,

zum Beginn des Jahres ging es mir sehr schlecht, und deswegen habe ich entschieden, dieses Buch zu hören. Ich liebe die Miss Fisher-Serie über Phryne Fisher, die in den 1920er Jahren in Australien Mordfälle aufklärt. Als ich gehört habe, dass die Serie auf Büchern beruht, wollte ich die Bücher unbedingt ausprobieren. Dieses erste Buch ist die erste Folge der Serie, sodass ich mit der Handlung vertraut war, und auch die Charaktere kannte ich quasi schon. Das hat es für mich leicht gemacht zuzuhören, während es mir gesundheitlich nicht gut ging.

Die Fakten:

  • Autor: Kerry Greenwood
  • Sprecher: Stephanie Daniel
  • Titel: Cocaine Blues (dts. Miss Fisher und der Schneekönig)
  • Reihe: Phryne Fisher 1
  • Erschienen: 1989
  • Verlag: Bolinda Publishing
  • Dauer: 5 Std 48min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext: "It's the end of the roaring twenties, and the exuberant and Honourable Phryne Fisher is dancing and gaming with gay abandon. But she becomes bored with London and the endless round of parties. In search of excitement, she sets her sights on a spot of detective work in Melbourne, Australia. And so mystery and the beautiful Russian dancer, Sasha de Lisse, appear in her life. From then on it's all cocaine and communism until her adventure reaches its steamy end in the Turkish baths of Little Lonsdale Street."

Zur Handlung: Phryne Fisher ist eine junge Frau, die in Australien geboren ist, deren Vater dann aber ein unerwartetes Erbe in England antreten konnte. Sie begibt sich zurück in ihre Heimat, um einem Freund des Vaters mit seiner Tochter zu helfen, die eine mysteriöse Krankheit zu haben scheint. Gleichzeitig will sie auch mehr Freiheit für sich selbst und ihr Hobby des Aufklärens von Verbrechen gewinnen.

In Melbourne angekommen, muss sie feststellen, dass es immer noch Gläubiger gibt, denen ihr Vater Geld schuldet. Dennoch kommt sie gut in der High Society an, und sorgt auch schnell für Aufsehen mit ihrem frechen Modegeschmack und ihrer aufwühlenden Sexualität. Doch während sie die feine Gesellschaft der Stadt auf den Kopf stellt, gewinnt sie auch Freundschaften, die ihr nicht nur helfen werden, die Krankheit ihrer Bekannten aufzudecken, sondern auch den größten Vertreiber von Kokain aufzudecken.

Von der Handlung her sind die erste Folge der Serie und dieser erste Band nahezu deckungsgleich. Tatsächlich würde ich sagen, dass die Serie die woke große Schwester des Buches ist. Denn natürlich muss man bei einem Buch, das Ende der 80er Jahre erschienen ist, mit einigen eher problematischen Aspekten rechnen. Im Großen und Ganzen wurde ich hier aber in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

Phryne Fisher als Hauptfigur mag ich einfach sehr. Sie ist schlau, sie ist stark, sie kann sowohl mit einem Revolver als auch mit einem schicken Sportwagen umgehen, sie liebt schöne Kleider und schöne Männer. Für die Zeit des Erscheinens des Buches, war sie vermutlich schon fortschrittlich, und für die 1920er Jahre erst recht. Ich liebe auch ihren Pragmatismus, und ihre leichte Art, die sicher in einer direkten Interaktion mit ihr auch schnell anstrengend sein könnte. 

Neben ihr lernen wir einige Nebenfiguren kennen, die es auch in der Serie gibt. So ist da beispielsweise Dot, eine junge Frau, die Phryne von einem Mordversuch abbringt und als ihre Assisstentin engagiert. Ich liebe Dot wegen der Serie, aber im ersten Buch bleibt sie vielleicht noch ein bisschen blass. Ich musste aber so lachen, als es um ihre Angst vor dem Telefon ging. Dann haben wir den Inspektor, der aber in diesem ersten Band kaum vorkommt, da war ich etwas überrascht. Wir haben den russischen Tänzer Sasha, mit dem es auch ein bisschen heiß hergeht. Und dann sind da noch die beiden Taxifahrer, und die irische Ärztin, mit der Phryne nach Melbourne gereist ist. Man sollte in diesem kurzen ersten Band hier einfach nicht zu viel von den Charakteren erwarten, auch wenn ich einige Entwicklungen wirklich sehr mochte.

Im Kern geht es um Phrynes Ermittlungen, die sich gleich auf mehreren Ebenen ereignen. Denn über ihre Taxifahrer und die Ärztin erfährt sie von Fällen von illegalen Abtreibungen, die so unprofessionell durchgeführt werden, dass die Patientinnen oft mit dem Leben bezahlen. Wenn das kein Thema ist, über das ihr lesen möchtet, dann seid ihr gewarnt. Ich finde den Umgang mit dem Thema hier aber gelungen. Es wird darauf verwiesen, dass Abtreibung kein Verbrechen sind und manchmal auch medizinisch notwendig, aber dass illegal durchgeführte Abtreibungen ein enorm großes Gesundheitsrisiko darstellen, vor allem wenn es Männern nur darum geht, die hilflosen Frauen auszubeuten.

Gleichzeitig wird sie auf das große Problem des Kokainhandelns aufmerksam, dass in den verschiedensten Gesellschaftsschichten zur Mode wird. Hier wird sie vor allem über den russischen Tänzer und seine Familie hineingezogen, die sich an der Person rächen wollen, die einst für den Drogentod der Mutter des Tänzers und seiner Schwester verantwortlich war. Und schließlich ist Phryne ja eigentlich nach Melbourne gekommen, um sich nach der seltsamen Krankheit ihrer Bekanntenzu erkundigen. Dabei muss sie schnell feststellen, wie unangenehm ihr diese Frau ist, aber dennoch will sie herausfinden, wie schwer deren Probleme sind.

Ihr solltet hier also auf viele Handlungsstränge gefasst sein. Das passt aber auch die Phryne, die eben nicht gelangweilt in einer Bibliothek auf einem Anwesen die Verdächtigen interviewt und aus den Beweisen deduktiert. Ihr geht es um das Abenteuer, um den Spaß, und auch um die Gefahr. Und so steckt sie ihre Nase ohne großen Sorgen in alles hinein, was sie nur bedingt etwas angeht. Mir hat das beim Schauen und auch beim Hören immer Spaß gemacht. Und trotzdem kann man schon ein bisschen mitraten, wie alles am Ende zusammenpasst.

Das Ende war dann etwas unerwartet, und hat auch ein paar problematische Aspekte in den Aussagen, die getroffen werden, was mir so aus der Serie nicht in Erinnerung war und was sie glaube ich geändert haben. Hier wird dann die sexuelle Aufgeschlossenheit von Phryne ein bisschen zu stark glorifiziert, und die sexuelle Zurückhalten (die man als Asexualität lesen kann) eines anderen Charakters genutzt um zu zeigen, dass mit dieser Person etwas nicht stimmt und sie deswegen Verbrechen begeht. Das hat mir nicht gut gefallen. Aber davon abgesehen wird es schon brenzlig für Phryne, und man kann mitfiebern, wie sie da wieder rauskommt.

Alles in allem hat mir der erste Band gut gefallen. Das Buch hat einige problematische Aspekte, die man heute vermutlich anders schreiben würde, aber es hat auch einige Jahre auf dem Buckel. Ich habe mich dennoch gut unterhalten gefühlt, und es hat in mir die Nostalgie der Serie ausgelöst. In einer sehr schwierigen Zeit hat es mir positive Momente verschafft, und dafür bin ich dankbar. Ich kann mir vorstellen, die Reihe irgendwann weiterzuhören.

Das Hörbuch würde ich aber nicht empfehlen. Es wurde 2010 aufgenommen, ist aber technisch nicht gut umgesetzt, hat komische Pausen und Hintergrundgeräusche. Dann lieber das Ebook oder so.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 10. März 2024

The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl


Hallo meine Historienhasen,

und schon kommen wir zum Ende dieser Trilogie und auch zum Ende dieser Woche. Nachdem die ersten beiden Bände meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnten, hatte ich jetzt noch einmal Hoffnung für das große Finale. Zumindest gab es Anzeichen, dass hier noch einmal Abenteuer und Mystery aufkommen könnten. Aber konnte das letzte Buch die Reihe retten?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl (dts. Das unheilvolle Geheimnis des faszinierenden Mädchens)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 3
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 434
  • Preis: 12,50 Euro
  • Klappentext: "Life's always an adventure for the Athena Club ... especially when one of their own has been kidnapped! After their thrilling European escapades rescuing Lucinda van Helsing, Mary Jekyll and her friends return home to discover that their friend and kitchen maid Alice has vanished - and so had Mary's employer Sherlock Holmes! As they race to find Alice and bring her home safely, they discover that Alice's and Sherlock's kidnappings are only one small part of a plot that threatens Queen Victoria and the very future of the British Empire. Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine save their friends - and save England?"

Zur Handlung: Während Mary und ihre Gefährtinnen noch in Budapest auf der Suche nach Antworten auf die Fragen ihrer Entstehung sind und sich um einen ethischeren Umgang mit Experimenten in der Alchemistischen Gesellschaft bemühen, bekommen sie ein Telegramm, dass Alice entführt wurde. Sofort machen sie sich auf den Weg zurück nach England.

Inzwischen ist klar, dass Alice nicht einfach nur zufällig in die Hände von Verbrechern gefallen ist, sondern dass sie die Enkelin eines weiteren Alchemisten ist und besondere Fähigkeiten hat. Diese Fähigkeiten sollen nun missbraucht werden, um die Queen zu stürzen. Alice gelingt es, das Vertrauen der Verbrecher zu erlangen, um so möglichst den anderen zu helfen, diese Pläne zu vereiteln.

Wenn man den Klappentext liest, sieht man genau die Probleme, die ich schon beim ersten Buch hervorgehoben habe: die Autorin versucht eine feministische oder zumindest progressive Geschichte zu erzählen mit Charakteren, die das britische Empire und damit ein Kolonialland mit einem Monarchen an der Spitze retten sollen. So richtig haut das natürlich nicht hin, sodass unsere progressiven Heldinnen weiter altbacken und fehl am Platz wirken.

Für die Charaktere kann man hier nicht viel ergänzen, denn wie gesagt machen diese keine nennenswerte persönliche Entwicklung durch. Hervorzuheben ist hier nur Alice, die nun auch Kapitel aus ihrer Sichtweise bekommt. Sie ist dabei deutlich jünger als die anderen und als Waise aufgewachsen. Auch hier wird die Klassengesellschaft als solche wieder nicht in Frage gestellt, denn Alice will auch dann weiter Küchenmagd bleiben, als klar wird, dass sie eigentlich aus einem wohlhabenden Hause stammt. Klar, für andere arbeiten macht halt einfach Spaß. Trotzdem mochte ich Alice als Charakter, sind ich schlau und wird schnell unterschätzt. Sie hat mich auch ein wenig an einen Hobbit erinnert, so Abenteuer sind nix für sie, aber sie schlägt sich dann erschreckend gut darin. Und ihre Fähigkeiten sind auch echt cool.

Durch die vielfältigen Perspektiven, die in diesem Buch zusammenkommen, geht aber leider der Mysteryaspekt völlig unter. Schon zu Beginn wissen wir, wo Alice ist, wer sie warum entführt hat, wo Sherlock ist, und was der Plan des ganzen Verbrechens ist. Jetzt warten wir also wieder darauf, dass die anderen Athena Club-Mädels das auch alles herausfinden und was dagegen tun können.

Gleichzeitig spielt in diesem Buch dann auch die Bösewichtin (quasi) aus dem vorherigen Band noch eine Rolle und wir erfahren noch mehr über ihren Hintergrund. Wie super toll dabei der Blick auf das antike Ägypten gelungen ist, und dann auch auf die Kolonialgeschichte der Welt, darüber kann man dann vielleicht streiten. Ich denke, mit allem, was ich bisher gesagt habe, könnt ihr euch ein Bild machen.

Was hier noch mehr zum Thema gemacht wird, ist Fremdenhass und white supremacy. An sich finde ich das wichtige Themen, die ich auch gern in Büchern aufgegriffen sehe. Allerdings dient es hier eher dazu die Bösen als die Bösen zu markieren. Eine richtige Auseinandersetzung geschieht nicht. Alles bleibt ähnlich wie im Rahmen des zweiten Buchs, als eine Frau of Color unseren Heldinnen vorwirft, dass sie aus rassistischen Gründen verdächtigt wird. Und was mir dann hier noch etwas seltsam aufgestoßen ist, ist, dass diese white supremacy-Gruppe eine Familie als Bedienstete hat, die polnische Juden sind...

Am Ende geht es dann noch einmal hoch her, Mary und ihre Freunde müssen schließlich die Queen retten. Ich muss aber gestehen, dass mir dieser letzte Band am allerwenigsten im Kopf geblieben ist. Dabei hatte ich, als ich den gelesen habe, soweit ich mich erinnere am wenigsten Corona, und somit eigentlich die besten Chancen mich zu erinnern (ja, ich habe einen Teil der Reihe in der Zeit gelesen, als ich mit Corona flach lag - immerhin war es dann nicht allzu schwere Kost für meinen Kopf). Es ist halt dann einfach so weitergeplätschert, wie die Reihe generell war.

Alles in allem war die Reihe für mich eher eine Enttäuschung, nicht weil sie grundsätzlich schlecht war, aber weil ich einfach etwas total Tolles erwartet habe und dann nur eher etwas Mittelmäßiges bekommen habe. Das Buch hat für mich auch einfach zu viele Charaktere und Perspektiven, sodass man keinen Charakter so richtig gut kennen lernen und auch analysieren kann. Auch die Fälle, die hier gelöst waren, sind immer viel zu offensichtlich - oder eben wie hier im letzten Band, wir wissen die Lösung durch die vielen Perspektiven. Also auch die Handlung hält mich nicht richtig bei Laune. Der Schreibstil ist niedlich, so mit den Kommentaren der Charaktere im Manuskript, aber da hätte auch ein Buch gereicht für. Deswegen ist mein Fazit: lest lieber erstmal Band 1 und überlegt dann, ob ihr noch weitere ~1200 Seiten davon lesen wollt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 9. März 2024

European Travel for the Monstrous Gentlewoman


Hallo meine Historienhasen,

gestern hatte ich euch von Band 1 dieser Reihe berichtet, der mir an sich gut gefallen hat, auch wenn er mit meinen Erwartungen nicht mithalten konnte. Heute kommen wir zu Band 2, der aus bis heute ungeklärten Gründen fast doppelt so lang ist wie Band 1. Und die Frage drängt sich auf: ist es das wert?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: European Travel for the Monstrous Gentlewoman (dts. Die wilde Jagd nach der monströsen Dame)
  • Reihe:  The Extraordinary Adventures of the Athena Club 2
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 706
  • Preis: 12,79 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll's life has been peaceful since she helped Sherlock Holmes and Dr Watson solve the Whitechapel Murders. Beatrice Rappaccini, Catherine Moreau, Justine Frankenstein, and Mary's sister, Diana Hyde, have settled into the Jekyll household in London, and although the sometimes quarrel, the members of the Athena Club get along as well as any five young women with very different personalities. As least they can always rely on Mrs Poole. But when Mary receives a telegram that Lucinda Van Helsing has been kidnapped, the Athena Club must travel to the Austro-Hungarian Empire to rescue yet another you woman who has been subjected to horrific experimentation. Where is Lucinda, and what has Professor Van Helsing been doing to his daughter? Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine reach her in time? Racing against the clock to save Lucinda from certain doom, the Athena Club embarks on a madcap journey across Europe. From Paris to Vienna to Budapest, Mary and her friends must make new allies, face old enemies, and finally confront the fearsome, secretive Alchemical Society. It's time for these monstrous gentlewomen to overcome the past and create their own destinies."

Zur Handlung: Um sich weiter ein gutes Leben leisten zu können, müssen im Athena Club-Haushalt alle mit anpacken. Beatrice stellt aus ihren Pflanzen Medizin her, Catherine schreibt Bücher und Mary arbeitet bei Sherlock Holmes als Schreibkraft. Doch als sie ein Telegramm erhalten, dass ihre detektivischen Fähigkeiten erbittet, begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise.

Zwischen Zugfahrt, deutschen Spionen, Zirkuskünstlern, psychiatrischen Anstalten, wissenschaftlichen Konferenzen und viiiielen Törtchen und Dinnern müssen sie versuchen, Lucinda von Helsing zu finden. Dabei treffen sie auch auf neue Verbündete, wie Laura und Carmilla, und machen sich neue quasi-prähistorische Feinde. Und es gibt viele Törtchen und Dinner.

Nach dem ersten Band war ich echt gespannt, was nun hier auf 700 Seiten auf mich wartet. Ich fand den ersten Teil zwar interessant, aber auch enttäuschend. Darum hatte ich Hoffnung, dass es in Band 2 nun richtig losgeht, und die Reihe meine Erwartungen mehr erfüllt, vor allem wenn es um den Punkt Frauenpower geht. In zwei Aspekten passiert das auch: erstens können wir recht früh Holmes abschütteln, und das Buch versucht sogar selbstironisch damit umzugehen, dass er sich so sehr in das erste Buch hineingedrängt hatte; zweitens haben wir jetzt hier bei all den Frauen auch mal ein gleichgeschlechtliches Paar - wenig überraschend inspiriert von dem Klassiker Carmilla.

Trotzdem war dieser Band noch mehr Enttäuschung als Band 1. Das hat viele Gründe. Wir haben als Hauptfigur wieder Mary, die nach wie vor so unnahbar ist wie in Band 1. Wir bekommen aber etwas mehr Einblicke in Justine, was ich sehr mochte, und für Beatrice gibt es eine Liebesgeschichte, die ich an sich auch mochte, die aber so plump geschrieben war und wo ich Catherine so richtig ätzend fand. Ansonsten bleibt Diana weiter laut und nervig. Mrs Poole lassen wir in England zurück, aber die würde es woanders eh nie aushalten. Zum Glück gilt das gleiche für Holmes und Watson. Dazu kommen dann neue Charaktere, wie Lucinda, Carmilla, Laura und Holmes' Ex Irene Adler.

In diesem Buch wartet sehr viel Herumgereise auf uns. Natürlich war reisen zu dieser Zeit nicht unbedingt komfortabel, und hat auch echt eine Weile gedautert. Aber abgesehen davon passiert hier dann auch nicht viel. Was mich allerdings besonders angestrengt hat, war das viele Essen. Ich liebe eigentlich Essen in Geschichten, denn ich bin auch so ein großer Foodie. Hier nimmt es aber so viel Überhand, und in den seltsamsten Momenten wird ein Picknick gemacht oder ein Dinner gegessen. Unser Feind hat uns in eine gruslige Ruine entführt, lasst uns erstmal was essen? Ok. 

Die Länge des Buches ist dabei völlig übertrieben. Die Geschichte gibt letztlich kaum mehr her als in Band 1. Noch dazu ist hier alles noch viel offensichtlicher. Und ich muss ehrlich zugeben, dass die kreativen Entscheidungen in diesem Band für mich keinen Sinn gemacht haben. In Band 1 hat sich die Autorin entschieden eine heutzutage kontrovers diskutierte Figur klar zum Bösen zu machen, was ich so nicht hatte erwartet. In Band 2 jedoch wird jetzt eine eigentlich recht klar böse Figur der Literatur plötzlich zum Guten gemacht und dafür die gute Figur böse? Und sobald ihr ein bisschen Wissen über Klassiker habt und dann van Helsing und Carmilla hört, da wisst ihr ja, was der Mystery-Aspekt ist. Aber unsere Damen nicht, und wir dürfen da dann irgendwie hinterherstümpern.

Wenn das dann endlich soweit abgehakt ist, geht es dann noch weiter nach Budapest, wo der Entgegner der alchemischen Gesellschaft auf sie wartet. Auch hier wird dann viel gesessen, viel beraten, viel gegessen. Dann nochmal kurz Action, aber nicht zu viel. Das hat mir für 700 Seiten einfach nicht gereicht. Das Ende ist dann zwar etwas überraschender als die Hintergründe von Lucindas Entführung, aber konnte das Buch nicht mehr retten für mich.

Genervt hat mich auch, dass so viele kleine Fehler in dem Buch waren. So ist Justine angeblich ein absolutes Sprachgenie und stammt auch aus der Schweiz. Trotzdem sind dann grammatische Fehler in den Sachen, die sie auf Deutsch sagt. Für die anderen Sprachen bin ich dann kein Experte, aber es kommt auch einiges an Französisch, Italienisch und Ungarisch vor. Seltsam ist vor dem Hintergrund, dass das Buch ja von Catherine geschrieben wird, auch, dass sie die ungarischen Namen perfekt buchstabieren kann und dann hinterher schreibt, wie es ausgesprochen wird. Da hätte man glaube ich mehr im Konzept bleiben können. Und neben sprachlichen Sachen waren auch so ein paar Dinge inkonsistent, zum Beispiel wenn über Stockwerke gesprochen wird, die im Englischen anders gezählt werden als im Deutschen. Eine Frau, die seit Jahren als Spionin in Österreich lebt, sollte das wissen, zählt aber weiter britisch. In der deutschen Übersetzung ist das dann vielleicht alles glattgebügelt - man sollte es hoffen.

Alles in allem war das Buch auch wieder eine Enttäuschung, und das nachdem ich meine Erwartungen nach Band 1 schon deutlich gesenkt hatte. Ich habe hier dann auch gemerkt, dass ich mit den Charakteren einfach nicht warm werde, war vor allem daran liegt, dass sie dann doch recht flach bleiben und sich eigentlich auch null entwickeln. Das gilt vor allem für Mary, aber auch Diana und Catherine sind einfach absolut gleich durch alle Bücher hinweg. Etwas mehr Justine fand ich gut, von Beatrice hätte ich etwas mehr erhofft. Aber wenn einem die Charaktere egal sind, kann halt auch in der Handlung passieren, was da will.

Ich würde es also nicht empfehlen, diese Reihe weiterzulesen, außer ihr seid absolut verliebt in Band 1 und wollt unbedingt weiter und lange diesen Charakteren folgen. Band 3 habe ich dann trotzdem auch noch gelesen, dazu morgen mehr.

Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:



Freitag, 8. März 2024

The Strange Case of the Alchemist's Daughter


Hallo meine Historienhasen,

ich liebe es ja, Reihen hintereinander weg zu lesen. Das habe ich letztes Jahr auch wieder mit fünf Reihen gemacht, und ich glaube, ich habe euch keine einzige vorgestellt. Dieses Wochenende werden wir das hoffentlich ändern, und beginnen heute mit dem ersten Band dieser Trilogie. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, weil ich so viel Gutes gehört hatte, und leider ist das manchmal ja gefährlich.

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Strange Case of the Alchemist's Daughter (dts. Der seltsame Fall der Alchimisten-Tochter)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 400
  • Preis: 12,45 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll, alone and penniless, following her parents' death, quickly finds herself drawn into the secrets of her father's mysterious past. A clue leads her to believe that Edward Hyde, her father's former friend and a murderer, may be nearby, and there is still a reward for information resulting in his capture - a reward that would solve all her immediate financial woes. But her hunt brings her not to Edward Hyde but to Diana, his daughter, a near-feral child left to be raised by nuns. With the assistance of Sherlock Holmes and Dr Watson, Mary continues her search for the elusive Hyde, and soon gathers around her more women, all of whom have been created through terrifying experimentation: Beatrice Rappaccini, Catherin Moreau, and Justine Frankenstein. When their investigations lead to the discovery of a secret society of immoral and power-crazed scientists, the horrors of their past soon arrive on their doorsteps as well, and now it is up to the five women to stop the malicious machinations of the Société des Alchimistes. Quite simply, it is time for the monsters to triumph over the monstrous."

Zur Handlung: Als Marys Mutter stirbt, ist sie zunächst am Boden zerstört, doch sehr schnell muss sie sich zusammennehmen, denn mit dem Lebensende ihrer Mutter geht nun auch das Geld aus. Schweren Herzens muss sie das Personal der Familie entlassen, doch die eigenwillige Haushälterin Mrs Poole beschließt vorerst zu bleiben und Mary zu unterstützen. Als Mary die Finanzen ihrer Mutter durchgeht, findet sie allerdings etwas Seltsames.

Sie findet, dass Zahlung mit dem Betreff Hyde an ein Kloster in einem armen Stadtteil von London gemacht werden. Mary erinnert sich an Mr Hyde, der für ihren Vater gearbeitet hat, bevor dieser umgekommen ist, nur sehr vage. Aber sie weiß, dass es ein Kopfgeld für ihn gibt. Doch Mary will sich nicht allein auf die Suche nach so einem gefährlichen Mann machen, und bittet daher um die Hilfe des berühmten Sherlock Holmes.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich immer davon gehört habe, wie hier diese jungen Frauen aus verschiedensten Schauerromanen zusammenkommen und sich das Spotlight holen, das sie schon immer verdienen. Entsprechend war ich auf volle Frauenpower eingestellt - und habe sie ehrlich nicht bekommen. Das hat viele Gründe, die ich jetzt hier versuche darzulegen.

Mary als Hauptfigur ist recht steif und rigide. Das hat auch seine Gründe, aber trotzdem wirkt mit ihr alles immer etwas distanziert. Sie ist sehr rational und kalkuliert, und sie ist wirklich keine Feministin. Allgemein kämpft das Buch damit, dass es im 19. Jahrhundert spielt, und für damalige Verhältnisse progressive Dinge heute irgendwie verstaubt und öde sind. Dagegen sind die damaligen moderaten Vorstellung der Welt heute einfach veraltet. Mary mochte ich trotzdem an sich gern, aber sie reißt einen nicht wirklich mit.

Neben Mary haben wir noch die anderen jungen Frauen. Als erste treffen wir davon Diana, die eigentlich eher noch ein Kind ist, rotzfrech und sehr laut. Dann haben wir Beatrice, die ich eigentlich am liebsten mochte, die aber eher zurückhaltend und leise ist und daher im Buch wenig zu Wort kommt. Dazu kommt noch Catherine, die das Buch schreibt, die ich aber sehr anstrengend fand. Und schließlich Justine, ebenfalls so ein interessanter Charakter, der aber durch seine zurückhaltende Art leider untergeht. Mrs Poole steht für die bürgerliche Sitte und ist für die Versorgung mit Essen zuständig - hier könnte man ja auch mal kritisch über die Klassen der damaligen Zeit werden, oder eben nicht.

Ein zentrales Problem, was ich mit diesem Buch hatte, trägt einen Namen: Sherlock Holmes. Nie, wenn jemand über dieses Buch gesprochen hat, habe ich vernommen, dass Holmes hier eine zentrale Rolle einnimmt. Und ist er einmal da, wird man ihn nicht mehr los. Jede Szene, in der er ist, dreht sich eigentlich nur noch um ihn. Und dass Mary dann zarte Gefühle für ihn entwickelt, macht alles irgendwie noch anstrengender. Hier waren meine Erwartungen einfach völlig anders. Dass in dieser Reihe ein Mann so die Schau stiehlt, das hatte ich einfach nicht gedacht.

Geschrieben ist das Buch übrigens in einem sehr interessanten Stil, denn Catherine, eine Figur aus dem Buch, schreibt das Buch über die Erlebnisse ihrer Freundinnen um Geld für ihr gemeinsames Leben zu verdienen. Die anderen Charaktere bekommen Gelegenheit, das Manuskript mit Kommentaren zu versehen, was sie auch eifrig machen - und das alles bekommen wir dann zu lesen.

Ich denke, der Mystery-Fall war hier noch ganz interessant. Im Stile von Jack the Ripper geht es um Morde an Frauen, die zur Unterschicht in London gehört haben. Die Morde sind blutig und verstörend, aber keiner kann sich erklären, warum sie geschehen. Als Leser hatte ich zumindest recht schnell eine Ahnung, was da dahintersteckt, aber die Erklärung war dann doch noch etwas komplexer als meine ersten Gedanken.

Es kommt am Ende dann auch zu einem Showdown, wo unsere Charaktere ziemlich in Gefahr geraten. Trotzdem ist das Buch im Grundton eher cosy, würde ich sagen. Es hat dieses historische Flair, wir folgen den Charakteren auf ihren Wegen durch London, wobei sie langsam Hinweise sammeln. Und es darf natürlich auch nicht an Schnittchen und Tee fehlen, sonst bräuchten wir Mrs Poole ja nicht.

Alles in allem hat mir das erste Buch ganz gut gefallen. Aber leider waren meine Erwartungen so hoch, dass es sich trotzdem enttäuschend angefühlt hat. Vor allem die unglaublich hohe Aufmerksamkeit auf Holmes hat mich genervt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass ich von den Charakteren, die ich am spannendsten fand, am wenigsten gesehen habe. Aber es ist ein schönes Abenteuer für einen verregneten Tag. Es hat irgendwie was herzerwärmendes.

Morgen erzähle ich dann, wie es mir mit Band zwei ergangen ist, der dann einfach mal fast doppelt so lang ist wie Band 1!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 4. März 2024

The Undertakers


Hallo meine Mysteryfreunde,

ich bin heute etwas traurig, denn eigentlich wäre ich morgen ein paar Tage weggefahren, zwar für die Arbeit, aber etwas Schönes. Dank Bahnstreik konnte ich das heute alles absagen und es wird stattdessen ein Onlinemeeting. Aber was soll's. Dafür habe ich statt Kofferpacken Zeit euch von einem Buch zu erzählen, das ich kürzlich beendet habe.

Die Fakten:

  • Autor: Nicole Glover
  • Sprecher: Bahni Turpin
  • Titel: The Undertakers
  • Reihe: Murder & Magic 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 14 Std 35min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Nothing bothers Hetty and Benjy Rhodes more than a case where the answers, motives, and the murder itself feel a bit too neat. Raimond Duval, a victim of one of the many fires that have erupted recently in Philadelphia, is officially declared dead after the accident, but Hetty and Benjy’s investigation points to a powerful Fire Company known to let homes in the Black community burn to the ground. Before long, another death breathes new life into the Duval investigation: Raimond’s son, Valentine, is also found dead. Finding themselves with the dubious honor of taking on Valentine Duval as their first major funeral, it becomes clear that his passing was intentional. Valentine and his father’s deaths are connected, and the recent fires plaguing the city might be more linked to recent community events than Hetty and Benji originally thought."

Zur Handlung: Hetty and Benjy versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Dazu klären sie einerseits weiter Verbrechen gegen Schwarze Personen auf, andererseits will Hetty auch ein erfolgreiches Bestattungsgeschäft aufbauen. Allerdings scheint letzterem etwas im Wege zu stehen, denn obwohl Menschen nun einmal sterben, haben sie keinerlei Kunden. Deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mitten in einen neuen Fall zu stürzen.

Hettys Ziehvater hat die beiden gebeten den Tod eines seiner Freunde aufzuklären. Doch die Erklärung, die sie finden, erscheint zu simpel und zu perfekt. Kaum haben die beiden den Fall zu den Akten gelegt, deuten neue Hinweise darauf hin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben. Und das könnte zum Tod von weiteren Personen führen...

Dies ist der zweite Band, der diesen beiden Figuren folgt. Über The Conductors hatte ich euch schon vor einiger Zeit mal berichtet. Ich mochte den ersten Band, war aber nicht völlig verliebt. Daher hatte ich es auch nicht zu eilig, die Fortsetzung zu lesen. Davon abgesehen behandelt jedes Buch seinen eigenen Fall, nur die zentralen Charaktere bleiben gleich. Irgendwie wollte ich nun aber wissen, wie es mit Hetty, Benjy, Penelope und den anderen weitergeht.

Das zweite Buch steht dabei fest in den Fußstapfen des ersten Bandes. Ich mochte die Charaktere, ich finde das Magiesystem spannend aber nicht super gut erklärt, und manchmal ist es einfach viel zu praktisch, und der Fall ist etwas unnötig kompliziert, weil verschiedene Zeitebenen und Geheimnisse miteinander verwoben werden. Daher ist auch meine Gesamteinschätzung ziemlich die gleiche wie nach Band 1: ich mochte das Buch, aber ich bin nicht absolut verliebt.

Im ersten Band lernten wir Hetty und Benjy kennen, die verheiratet sind, aber das eher weil es praktisch ist und nicht aus Liebe. Inzwischen hat sich das allerdings geändert, und die beiden führen eine liebevolle, partnerschaftliche Ehe. Sie wohnen außerdem in einem größeren Haus, zu dem auch die Bestattungsfirma gehört, die Hetty in Schwung bringen will. Ich habe diese beiden Charaktere einfach lieb gewonnen, Hetty die etwas aufmüpfigere, und Benjy mit seiner inneren Ruhe. Ich habe gern gelesen, wie es ihnen weiterhin ergeht. 

Auch die meisten Nebenfiguren kennen wir bereits, da der erste Fall sich in ihrem Freundeskreis abgespielt hatte. Zu diesem Freundeskreis gehören neben Ersatzschwester Penelope, die wundervolle Tränke braut, auch ein schwules Pärchen und ein Transmann. Ich finde es schön, dass die Autorin hier auch Diversität in ein historisches Setting einbaut, denn diese Menschen hat es immer schon gegeben. Außerdem sind alle zentralen Charaktere Schwarz. Zeitlich befinden wir uns hier wieder nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika, allerdings bekommen wir Zeitsprünge zurück in die Zeit, in der es Sklaverei noch gab, und sehen, wie Hetty und Benjy gemeinsam als Teil der Underground Railroad versklavte Menschen befreien.

Das magische System dieser Welt hat verschiedene Teile. Das meiste lernen wir über Celestial Magic, die die Schwarze Bevölkerung praktiziert. Diese Magie hat mit den Sternenbildern zu tun, aber mir bleibt sie auch im zweiten Band zu vage und zu praktisch - für jeden Situation können die Charaktere gefühlt ein beliebiges Sternenbild malen, und das macht dann etwas. Wenn diese sich dann in helfende Figuren verwandeln, muss ich manchmal unfreiwillig an Yu-Gi-Oh denken. Im ersten Band hatte wir außerdem gelernt, dass die Weißen Zauberstäbe für ihre Magie nutzen, das taucht hier am Rande auch auf. Außerdem war die Celestial Magic lange verboten, ein Zeichen der Unterdrückung.

Auch dieser Fall fängt zunächst etwas vage an, und es gibt sogar eine Zeit lang vermeintlich mehrere Fälle, die aber dann doch vielleicht alle auf den gleichen Täter zurückdeuten. Mit dem Verlauf der Geschichte sehen wir, dass er vielleicht auch viel näher an Hetty und Benjy herankommt, als die beiden ursprünglich dachten. Der Fall hat dabei auch mit der Vergangenheit zu tun, die wir in Rückblenden erzählt bekommen. Mir was das schon teilweise zu viel, es ist dann schwer genau zu verfolgen. Ich finde das aber nicht so schlimm, ich gehe einfach mit der Geschichte mit und schaue, wohin sie mich führt. Richtig zum Mitraten ist der Fall aber nicht unbedingt.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es gibt dann noch ein recht explosives Ende, bei dem auch viel auf dem Spiel steht. Die Auflösung des Falls war für mich dann gar nicht unbedingt so interessant, aber ich wollte sehen, dass unsere liebgewonnenen Charaktere in Sicherheit sind. Für mich hat es damit seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt empfehle ich dieses Buch, wenn ihr die Verbindung von Magie und Mystery mögt. Es lebt vor allem von den Hauptfiguren, der realistischen Diversität und dem Funkeln der Sternmagie. Wenn ihr allerdings selber mitraten und Theorien aufstellen wollt, wer der Täter war und warum, dann ist es vielleicht zu unübersichtlich und überfüllt. Außerdem solltet ihr keine zu schnell erzählte Geschichte erwarten, hier baut sich alles langsam auf, auch wenn es am Ende brenzlig wird und man mitfiebern kann. Ich denke, es ist nicht für jeden, aber mir hat es gefallen.

Zukünftige Bücher in dieser Welt scheinen anderen Charakteren zu folgen, aber ein weiterer Band soll dann Ende dieses Jahres erscheinen. Ich werde mir den sicherlich mal anschauen, denn ich mag diese Welt, aber ich werde Benjy und Hetty vermissen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Samstag, 2. März 2024

Fearing the Black Body


Hallo meine Lesehasen,

wir gehen heute vom Black History Month in den Women's History Month, also lasst uns doch über ein Buch sprechen, dass die Themen race, gender und Körpergewicht miteinander verbindet. Das Buch hat mich schon seit Jahren interessiert, aber jetzt bin ich endlich dazu gekommen es zu lesen.

Die Fakten:

  • Autor: Sabrina Strings
  • Titel: Fearing the Black Body - The Racial Origins of Fat Phobia
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: New York University Press
  • Seiten: 212 + Anhang
  • Preis: 32,55 Euro / kostenlos im Audible Abo
  • Klappentext: "Sabrina Strings weaves together an eye-opening historical narrative ranging from the Renaissance to the current moment, analyzing important works of art, newspaper and magazine articles, and scientific literature and medical journals-where fat bodies were once praised-showing that fat phobia, as it relates to black women, did not originate with medical findings, but with the Enlightenment era belief that fatness was evidence of "savagery" and racial inferiority. Fearing the Black Body argues that the contemporary ideal of slenderness is, at its very core, racializied and racist. An important and original work, it reveals that fat phobia isn't about health at all, but rather a means of using the body to validate race, class, and gender prejudice."

Zum Inhalt: In diesem Buch wendet die Aurotin Analysen von historischen Material an, um aufzuzeigen, wie das Narrativ von Körperfett als etwas Schlechtem und moralisch Verwerflichem entstanden ist. Dabei beginnt sie im 16. Jahrhundert, einer Zeit, in der die ersten afrikanisch-stämmigen Sklaven in den wichtigen Häfenstädten Europas sichtbar werden. Dabei geht es einerseits um die Inszenierung von Körpergewicht, andererseits um die Inszenierung von race, und wie beides mehr und mehr miteinander verwoben wird.

Dabei belässt die Aurotin es nicht bei einer Analyse der Unterschiede von schwarz und weiß, sondern greift verschiedene "Rassentheorien" auf und beleuchtet dahingehend auch unterschiedliche Gruppen von Menschen, vor allem auch irische Menschen oder Menschen aus Osteuropa (meist jüdisch), die zu verschiedenen Zeiten große Migrationsgruppen für die USA darstellten und als "andere" markiert wurden. Immer wieder wird dabei die Größe und Schlankheit der anglo-sächsischen bzw. später arischen "Rasse" betont, wohingegen andere Gruppen mit hohem Körpergewicht und damit körperlicher und moralischer Inferiorität verknüpft werden.

Das Buch ist grob in drei Teile unterteilt. Im ersten Teil geht es um das 16. und 17. Jahrhundert und fokussiert vor allem auf Europa, da hier das kulturelle Zentrum der weißen Welt liegt. Zunächst sind nicht-weiße Personen in dieser Zeit einer Neuheit und werden so in der Kunst dargestellt, und es gibt Diskussionen, ob diese genauso als schön gelten können wie weiße (meist Frauen). Dabei gilt zu dieser Zeit ein runder, wohlgenährter und kräftiger (Frauen-)Körper als ideal, das sowohl in weißen als auch in nicht-weißen Körpern gesehen wird. Diese Narrative ändern sich mit der Zeit, wenn Schwarze Körper zunehmend als klein, dürr und schwach beschrieben und damit nicht mehr mit Schönheit verbunden werden.

Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Zeit, in der die "Rassentheorien" aufkommen. Wir betrachten dann auch mehr als nur Europa, auch wenn hier alles beginnt. Wir gehen dann allerdings auch nach Nordamerika über, wie der schlanke (Frauen-)Körper immer mehr zum Trend wird. Hier wandelt sich nun also das race-Gewichts-Narrativ. Nun sind die abgemagerten, großen weißen Frauen elegant und schön, und hohes Körpergewicht wird immer mehr mit den inferioren "Rassen" verbunden. Dabei kann es sich um Schwarze Körper handeln, aber auch um irische oder südeuropäische, denn diese wurden als "Rassen" mit afrikanischem oder asiatischem Erbe interpretiert. Interessant ist auch immer der mentale Spagat, dass das vermeintlich zu hohe Gewicht bei den weißen, anglo-sächsischen/arischen und damit superioren Körpern nur einer vorübergehenden Verirrung zu verschulden ist, die sich mit viel Bildung und Reform wieder richten lässt, während es bei den anders-gemachten "Rassen" als intrinsischer Fehler des Bluts gesehen wird, der eben beweist, dass sie inferior sind. 

Das Buch endet dann im dritten Teil mit einem Blick auf die Rolle der Medizin in dem Ganzen, die dann doch erschreckend gering ist. Zwar gab es einige Ärzte, die schon früh hohes Körpergewicht als ein gesundheitliches Risiko benannten und wilde Diäten (quasi nur Kuhmilchtrinken) vorschlugen, allerdings was das gesundheitliche Argument nie durchsetzungsfähig. Erst mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und der vermeintlichen Abkehr von Ideen der "Rassentheorien" und Eugenik wird die Bedeutung der Medizin für die Kontrolle von (weiblichen und nicht-weißen) Körpern bedeutender. Besonders spannend war dann auch ein Hinweis auf zwei Studien im Epilog, die ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlicht wurden. Während eine zeigte, dass die Mortalität mit Übergewicht geringer ist als bei Normalgewicht, betonte die andere, dass (hohes) Körpergewicht noch tödlicher sei als bisher angenommen - vor allem für Schwarze Frauen. Dass letztere Studie breit durch alle Medien geschleift wurde, während erstere einen intellektuellen Shitstorm auslöste, bestimmte das Narrativ der "Adipositasepidemie" für die nächsten Jahre.

Alles in allem war dieses Buch für mich absolut gelungen. Es ist sehr gut lesbar, auch für Nichtakademiker sehr verständlich geschrieben. Ich mochte die vielen Beispiele aus Kunst, Literatur, Wissenschaft und Quasi-Wissenschaft, Religion und Medien, die hier herangezogen werden um zu zeigen, wie sich über die Jahrhunderte ein Narrativ gefestigt hat: Fett ist schlecht. Dieses Narrativ bestimmt bis heute das Leben von vielen Menschen, vor allem Frauen. Wer sich schon immer gefragt hat, wo diese Idee eigentlich herkommt, der muss dieses Buch lesen.

Ich hoffe, ich konnte euch dafür ein bisschen interessieren. Für mich ist das eines der spannendsten Themen unserer Zeit

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 20. Februar 2024

Go Tell It on the Mountain


Hallo meine Lesehasen,

wir versuchen es heute mal wieder mit einem Buch, das ich gerade erst gestern beendet habe. Vielleicht werde ich dieses Jahr ja wirklich wieder eine richtige Bloggerin. Na zumindest stand James Baldwin schon ganz lange auf meiner Liste von Autoren, die ich lesen will. Wie das aber oft so ist, wusste ich nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Also habe ich mich jetzt für seinen ersten Roman entschieden. Am Anfang anfangen mag ich immer am liebsten.

Die Fakten:

  • Autor: James Baldwin
  • Titel: Go Tell It on the Mountain (dts. Gehe hin und verkünde es vom Berg / Von dieser Welt)
  • Erschienen: 1954
  • Verlag: Peguin Modern Classics
  • Seiten: 256
  • Preis: 13,00 Euro
  • Klappentext: "Drawing on his boyhood in a religious community in 1930s Harlem, he tells the story of young Johnny Grimes. Johnny is destined to become a preacher like his father, Gabriel, at the Temple of the Fire Baptized, where the church swells with song and it is as if `the Holy Ghost were riding on the air´. But he feels only scalding hatred for Gabriel, whose fear and fanaticism make him cruelly abuse his family. Johnny vows that, for him, things will be different. This blazing tale is full of passion and guilt, of secret sinners and prayers singing on the wind."

Zur Handlung: John ist 14 Jahre alt, als er feststellt, dass er für seinen Vater nur Hass empfindet. Er lebt mit Vater, Mutter, jüngerem Bruder Roy und den beiden jüngeren Schwestern zusammen. Die Familie ist geprägt von den religiösen Ansichten und der Gewalt des Vaters. Die Mutter versucht ihre Familie zusammenzuhalten, doch Roy, der sich von niemandem etwas sagen lässt, stört den fragilen Frieden immer wieder.

So ist es auch an Johns Geburtstag, den er -sündigend- in einem Kino verbringt. Als er mit schlechtem Gewissen nach Hause kommt, hat sein jüngerer Bruder es geschafft von weißen Teenagern in Konflikt zu geraten - und diesen Konflikt hat er verloren. Die ganze Familie -inklusive der Tante Florence- ist in Aufruhr. Am eindrücklichsten ist jedoch, wie es in keiner Szene zu Beginn dieses Buches wirklich um John geht...

Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass das kein Gute-Laune-Buch wird, und das ist auch gut so. Viele Themen, die hier aufgegriffen werden, sind tieftraurig, und das meiste davon macht einen auch wütend auf die Menschheit, wie wir uns immer wieder gegenseitig so viel Mist antun können. Das ist hoffentlich nicht überraschend, sollte euch aber bei diesem Buch, das sich um Rassismus, Religion, Gewalt und Seximus dreht, bewusst sein.

John ist in einer Weise unsere Hauptfigur, und mit ihm fühlen wir als erstes mit, denn wir sehen seine Familie mit seinen Augen. Er ist ein ruhiger Junge, der eigentlich keinen Ärger macht. Alle erwarten, dass er in die Fußstapfen des Vaters treten und sein Leben der Kirche übergeben wird. Das hat John so lange gehört, dass er es nie in Frage gestellt hat - bis jetzt zu seinem Geburtstag. Was John an diesem Tag zu erlebt, hat mich sehr für ihn fühlen lassen, auch wenn ich am Ende dann etwas abgehängt wurde, weil ich mit Glauben nicht viel am Hut habe.

Das Buch hat aber eine interessante Erzählstruktur, wo wir nach dem ersten Teil John etwas hinter uns lassen und in Teil zwei jeweils die Perspektive der Tante Florence, des Vaters Gabriel und der Mutter Elizabeth bekommen. So erfahren wir, welcher Weg diese jeweils dahin geführt hat, wo wir sie durch Johns Augen gesehen haben. Dadurch wird unser Blick auf diese dysfunktionale Familie völlig abgerundet. Die Geschichte von Florence und Elizabeth sind dabei sehr traurig und geprägt von der Unterdrückung der Frauen in dieser Zeit. Beide sind starke und eigensinnige Frauen, die dennoch wissen, dass ihr Glück davon abhängt, einen guten Mann zu finden. Das gelingt allerdings beiden durch verschiedene Gründe nicht.

Am verstörendsten ist allerdings das Kernstück dieses Buches, die Auseinandersetzung die Baldwin mit seinem eigenen Vater hat, und das geschieht im Kapitel von Gabriel. Auf der Rückseite des Buches steht als Zitat von Baldwin "I had to deal with what hurt me most. I had to deal with my father". Gabriel ist ein Mann, der alle Menschen um sich herum verletzt, sei es die Mutter, die Schwester, die erste Ehefrau, die Geliebte oder jetzt seine Familie. Und das tut er in absoluter Ahnungslosigkeit, weil er sich als der Bestimmte von Gott empfindet. Es ist wirklich schwer zu lesen, und gleichzeitig muss ich Baldwin dafür applaudieren, wie er hier die Gefühlswelt so eines Charakters auf die Seiten bringen kann.

Wie gesagt, dieses Buch beschäftigt sich auch mit Rassismus, aber dieser ist etwas, was vor allem im Hintergrund dieser Lebensläufe der Charaktere permanent mitschwingt. Alle Charaktere in diesem Buch sind vom Rassismus in den USA geprägt, und hier allen Geschehnissen steht dieser wie ein Schatten. Aber viel zentraler geht es um Religion, ein Thema, das auch Baldwin lange in seinem Leben beschäftigt hat. Hier hätte ich mir aber noch etwas mehr gewünscht, denn wir bleiben innerhalb dieses einen Tages im Leben von John, und so sehen wir nicht, wie es mit ihm und der Religion schließlich weitergeht.

Was ich kurz noch erwähnen möchte, ist, dass wir zwischen John und einem anderen Jungen in der Kirche eine sehr starke Anziehung sehen. Diese wird nicht explizit als romantisch beschrieben, aber man kann auf jeden Fall homosexuelle Tendenzen in den Interaktionen herauslesen. Das wird hier nicht weiter aufgearbeitet, aber es hat mich gespannt darauf gemacht, Giovanni's Room als nächstes zu lesen.

Alles in allem würde ich euch dieses Buch empfehlen, wenn euch die Themen interessieren. Ich fand es sehr gut und verständlich geschrieben, die Charaktere waren wunderbar herausgearbeitet, und wir bekommen so einen tiefen Blick auf diese Menschen, ihre Fehler, ihre Schwächen, ihre Träume. Ich werde auf jeden Fall mehr Baldwin lesen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 18. Februar 2024

A Dead Djinn in Cairo


Hallo meine Fantasyleser,

heute kommen wir zum Start einer Reihe, auf die ich mich sehr freue. Ich hatte sie schon sehr lange im Auge und habe letztes Jahr endlich die erste Novelle gelesen. Zwar habe ich bisher nicht weitergelesen, aber ich kann es kaum erwarten. Die Geschichten in dieser Welt variieren dabei stark in ihrer Länge, von einer Kurzgeschichte bis zu einem Roman. Dieser erste Band ist eher eine kurze Novelle.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Titel: A Dead Djinn in Cairo
  • Reihe: Dead Djinn Universe 1
  • Sprecher: Suehyla El-Attar
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Erschienen: 2019
  • Dauer: 1 Std 41min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "Egypt, 1912. In an alternate Cairo infused with the otherworldly, the Ministry of Alchemy, Enchantments, and Supernatural Entities investigate disturbances between the mortal and the (possibly) divine. What starts off as an odd suicide case for Special Investigator Fatma el-Sha’arawi leads her through the city’s underbelly as she encounters rampaging ghouls, saucy assassins, clockwork angels, and plot that could unravel time itself."

Zur Handlung: Fatma ist eine Agentin für ein Ministerium für Magie in Kairo und wird zu einem Fall gerufen, bei dem jemand scheinbar Selbstmord begangen hat. Dabei muss sie mit einem Kollegen zusammen arbeiten, mit dem die Luft ziemlich dick ist. Doch die beiden werden schnell in Dinge verwickelt, die ihre persönlichen Gefühle in den Hintergrund treten lassen.

So kämpfen sie sich durch die magische Unterwelt von Kairo, auf der Suche nach einem Wesen, das die ganze Welt in Gefahr bringen könnte. Eine große Rolle spielen dabei Automaten, die Engel beherbergen können, sodass diese auf der Welt umgehen können. Der Fall ist am Ende vielleicht viel weniger verworren, als Fatma denkt.

Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, seit ich diese erste Novelle der Reihe gehört habe, aber ich erinnere mich daran, dass ich sehr viel Spaß damit hatte. Ich lese sehr gern Mystery-Geschichten, aber besonders, wenn sie mit Magie versehen sind. Das macht oft einfach alles noch etwas unvorhergesehener, und kann auch die Bedrohung für die Welt erhöhen, wie wir hier sehen können.

Fatma als Hauptfigur mochte ich sehr. Sie ist als Frau eine Rarität in ihrem Ministerium und deswegen auch einiges von ihren männlichen Kollegen gewohnt. Dennoch lässt sie sich davon wegen einschüchtern, noch in irgendeine Ecke stellen. Sie ist stark und schlau und bereit für ihren Job alles zu machen. Ich mochte, wie das auch mit gängigen Klischees zu arabischen oder muslimischen Frauen steht.

Neben ihr haben wir noch ihren Kollegen, wobei ich hier vor allem die Gespräche der beiden mochte, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Er ist natürlich skeptisch, dass er mit Fatma zusammen arbeiten soll, aber merkt dann doch schnell, dass das gar nicht so schlecht ist. Außerdem haben wir dann noch eine Figur, die erst in der zweiten Hälfte auftaucht, aber vielleicht im Laufe der Reihe noch wichtiger wird? Sie fand ich auf jeden Fall sehr spannend, vor allem auch als möglicher Love Interest.

Hauptsächlich geht es natürlich um den Fall des vermeintlichen Selbstmords. Hier werden verschiedene Personen interviewt, die vielleicht Täter sind, und es wird auch in ein paar Fallen und Hinterhalte getappt. Dabei wird es auf jeden Fall spannend, und ich hatte teilweise schon Angst um die Charaktere und habe sehr mitgefiebert. Also Nervenkitzel garantiert.

Die Auflösung des Falls war dann nicht super spektakulär für mich, was bei so einem sehr kurzen Buch vielleicht auch schwierig ist. Trotzdem mochte ich so viele der anderen Elemente der Geschichte, dass mich das gar nicht gestört hat. Wenn ihr Mystery aber gar nicht mögt, ist das vermutlich keine Reihe für euch.

Das Besondere an diesem Buch ist definitiv das magische System. Wir haben eine alternative Geschichte, in der sich Ägypten erfolgreich gegen die Kolonalisten wehren konnte, aber Europäer trotzdem weiter in Kairo präsent sind. Das liegt auch an der Magie und den magischen Wesen, die es in dieser Welt gibt. Die Welt hat außerdem ein starkes Steam Punk-Gefühl, wie gesagt zum Beispiel aufgrund der Automaten, in denen Engel leben können.

Ich kann es kaum erwarten mehr aus dieser Welt zu lesen. Soweit ich weiß, folgen wir nicht immer Fatma, was ich etwas schade finde, aber sie taucht auf jeden Fall in der Reihe wieder auf, und darauf freue ich mich. Dieser Band war ein guter Einstieg in diese Welt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





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