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Samstag, 29. Juni 2024

The Tangleroot Palace


Hallo meine Lieblingsleser,

ein Buch, das ich letztes Jahr beim Buchwichteln bekommen habe, möchte ich euch heute vorstellen. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von der Autorin der Monstress Comics, die ich liebe. Diese Geschichte sind in den letzten ca. 10 Jahren geschrieben wurden und nun hier gemeinsam veröffentlicht. Ich war sehr gespannt, wie die Autorin Geschichten nicht grafisch, sondern nur mit Text erzählt.

Die Fakten:

  • Autor: Marjorie Liu
  • Titel: The Tangleroot Palace
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Tachyon Publications
  • Seiten: 239
  • Preis: 11,40 Euro
  • Klappentext: "New York Times bestselling author Marjorie Liu (Monstress) leads you deep into the heart of the tangled woods. In her dark, romantic, and spellbinding short fiction you will find dangerous magic and even more dangerous women: a body-stealing sorceress, a bone-collecting apprentice-witch, a princess-turned-actress, and a warrior protecting China from her jealous ex. Concluding with a gorgeous full-length novella, Liu's short fiction collection is an unflinching sojourn into her thorny tales of love, revenge, and new beginnings."

Nun zunächst zu den einzelnen Geschichten, bevor mein Gesamtfazit kommt:

  • Sympathy for the Bones

In dieser etwa 20 Seiten langen Geschichte folgen wir einer jungen Frau, die für eine alte Frau arbeitet, die Woodoo-Puppen und -Zauber herstellt. Wir sehen, wie diese Puppen dazu dienen, Männer zu bestrafen und aus dem Weg zu räumen. Dabei scheint unsere Erzählerin aber Geheimnisse zu haben und ihre ganz eigenen Pläne zu verfolgen. Ich hatte am Anfang einige Probleme mit der Sprache, und ich weiß auch nicht ganz, wie ich die Verwendung von Woodoo hier finde, aber am Ende hatte die Geschichte eine faszinierende Atmosphäre. Ich gebe ihr 4 Sterne.

  • The Briar and the Rose

Diese Geschichte kenne ich tatsächlich schon aus einer anderen Geschichtensammlung, aber ich habe extra nicht geschaut, wie ich die Geschichte vor Jahren empfunden habe.  Die Geschichte ist etwa 30 Seiten lang und wir folgen eine Duellistin, die angeheuert wurde um eine wunderschöne Kurtisane zu beschützen. Allerdings hat letztere ein dunkles Geheimnis, und unsere Hauptfigur ist ihr auf die Schliche gekommen. Diese Geschichte ist inspiriert von Dornröschen und versucht diese Geschichte so neu zu erzählen, dass Frauen in ihr Macht haben. Tatsächlich spielen auch die Männer hier kaum eine Rolle. Ich finde die Geschichte großartig und gebe ihr 5 Sterne. Beim ersten Lesen hatte ich ihr nur 4 Sterne gegeben, aber so ändert sich der Geschmack eben.

  • The Light and the Fury

In dieser etwa 25 Seiten langen Geschichte geht es um eine Frau, die besondere Fähigkeiten hat. Mit diesen hat sie lange ihrem Land geholfen, bis die feindlichen Briten mit Experimenten begonnen haben, um ihre eigenen Super-Soldaten zu kreieren. Man wird hier ziemlich hineingeworfen, ohne dass man wirklich weiß, worum es eigentlich geht. Man muss einfach mitgehen und abwarten, ob es sich schließlich erklärt. Dabei steht im Zentrum eine Freundschaft von zwei Frauen, die an Eifersucht scheitert, und das in einer Welt mit viel Magie und Gewalt. Ich gebe ihr 4 Sterne.

  • The Last Dignity of Man

Diese etwa 30 lange Geschichte erzählt uns von Alexander Lutheran, der in seinem Kopf Lex Luther heißt. Er ist der Chef einer Gentechnik-Firma, die an geheimen Projekten für die US-Regierung arbeitet. Nachts sucht er jedoch nach seinem Clark Kent. Er trifft in einer Mittagspause einen wohnungslosen Mann, der sein Leben verändert. Ich mochte diese Geschichte, auch wenn sie ziemlich wild ist. Ich gebe ihr 4 Sterne. 

  • Where the Heart Lives 

In dieser Geschichte, die auch etwa 30 Seiten lang ist, hören wir die Geschichte von einem Mädchen, das von seiner Familie sehr lieblos weggeschickt wird und bei sonderbaren Menschen tief in einem unheimlichen Wald ein Zuhause findet. Die Geschichte fühlt sich definitiv wie ein Märchen an, und sie ist mit einer Buchreihe verknüpft, die die Autorin geschrieben hat. Allerdings funktioniert die Geschichte auch sehr gut, wenn man die Reihe nicht kennt. Ich gebe ihr für die wunderbar dunklen Märchenvibes 5 Sterne.

  • After the Blood 

Diese Geschichte ist etwa 45 Seiten lang und erzählt von einer dystopischen Welt, in der eine Pandemie den Großteil der Menschheit getötet hat. Nun sind die Amish diejenigen, die Communities anführen, weil sie noch wissen, wie man ohne Technologie überlebt. Wir treffen auf eine Frau, die ihren Hof und ihre Katzen nachts gegen seltsame Monster verteidigt, bis eines Nachts zwei Männer bei ihr auftauchen und Unterschlupf suchen. Ich fand leider, dass viel zu viel der Geschichte unklar war, und bis zum Ende keine wirklichen Erklärungen folgten. Daher gebe ich 3 Sterne.

  • Tangleroot Palace 

Diese titelgebende ist die längste in der Sammlung mit etwa 60 Seiten. Wir folgen Prinzessin Salinda, die von ihrem Vater an einen gefährlichen Warlord verheiratet werden soll. Doch diese Prinzessin wird nicht einfach ihr Schicksal still ertragen, sie flieht und sucht einen Weg zum verzauberten Wald, wo eine träumende Königin ihr vielleicht helfen kann. Auf dem Weg trifft sie einen mysteriösen Schausteller, der ihr nicht aus dem Kopf gehen wird. Ich mochte diese Geschichte sehr, in Teilen hat sie mich an den Stil von T Kingfisher erinnert, was ich liebe, und daher gebe ich ihr 5 Sterne.

Insgesamt kann ich diese Geschichtensammlung empfehlen, wenn ihr auch gern dunkle Märchen mit einem aufregenden Twist lest. Hier wird viel aus einer feministischen Perspektive geschrieben, was mir sehr zusagt. Außerdem gibt es auch Geschichten, die nicht so märchenhaft sind und die Sammlung dadurch abwechslungsreich machen. Wenn euch gefällt, was in Monstress gemacht wird, ihr den Comic aber etwas zu verwirrend findet, werdet ihr mit den meisten Geschichten hier garantiert Freude haben.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 7. April 2024

Acceptance


Hallo meine Sci-Fi-Hasen,

heute kommen wir zum vorerst letzten Band in der Southern Reach-Reihe. Vorerst, weil gerade ein vierter Band angekündigt wurde. Mal schauen, ob ich den dann noch irgendwann lese. Aber erstmal reden wir heute über Band 3, der mir wirklich wahnsinnig gut gefallen hat. Es wird aber schwierig, komplett spoilerfrei zu erklären, warum. Ich versuche mein Bestes.

Die Fakten:

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Acceptance (dts.)
  • Reihe: Southern Reach 3
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 232 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "It is winter in Area X, the mysterious wilderness that has defied explanation for thirty years, rebuffing expedition after expedition, refusing to reveal its secrets. As Area X expands, the agency tasked with investigating and overseeing it—the Southern Reach—has collapsed on itself in confusion. Now one last, desperate team crosses the border, determined to reach a remote island that may hold the answers they've been seeking. If they fail, the outer world is in peril."


Zur Handlung: Nach dem Fall der Southern Reach finden sich verschiedene Charaktere in der Area X wieder. Sie beschließen, sich zusammen zu tun und Antworten zu suchen. Doch jeder von ihnen hat seine eigenen Pläne, und nicht alle von ihnen sind wirklich menschlich. Aber vielleicht sind sie die letzte Hoffnung der Menschheit wie wir sie kennen.

Über allem schwebt das Bewusstsein der Psychologin. Sie erinnert sich zurück an den Weg, der zu ihrer Auflösung geführt hat, von einer Kindheit an einem Leuchtturm zu einem Job, der ihr Leben vereinnahmt hat. Und wir lernen Saul kennen, der sich nur ein neues ruhiges Leben mit seinem Liebhaber aufbauen will, aber gegen unsichtbare Windmühlen kämpft, und vielleicht auch gegen sein eigenes Bewusstsein.

Wie gesagt, es ist so schwer, über dieses Buch zu sprechen, denn allein zu sagen, wer noch lebt, ist ja schon ein Spoiler. Dennoch versuche ich euch jetzt rüberzubringen, dass dies mein Lieblingsbuch in der Reihe war. Das lag vor allem auch daran, dass wir hier das erste Mal mehrere Perspektiven bekommen, und ein davon hat mir ganz besonders gut gefallen.

In einer ersten Perspektive folgen wir zwei Charakteren direkt nach Buch 2 auf ihrem Weg, der sie in Area X geführt hat. Dazu kann ich nicht viel mehr sagen, außer dass sie versuchen herauszufinden, ob sie Area X noch aufhalten können, und ob sie das wollen. Die zweite Perspektive gehört zur Psychologin und ist in der zweiten Person geschrieben, was ich absolut liebe. Hier bekommen wir einige Antworten, die wir schon in Band 1, spätestens in Band 2 haben wollten.

Die dritte Perspektive ist aber die, die mich absolut begeistert hat. Wir folgen einem Charakter namens Saul vor dem Entstehen der Area X. Dieser Blick auf einen Mann, der einfach nur sein Leben leben will, seinen Freund lieben will, aber davon abgehalten wird von seltsamen Leuten, die immer wieder in seinen Alltag einbrechen.... und dann wissen wir, was kommen wird. Boah, das hat mir Gänsehaut gemacht. Spannend fand ich daran auch, dass wir mit dieser Perspektive mitten drin sind in der Entstehung von Area X, aber trotzdem immer noch nicht alles verstehen, weil es selbst für diese Figur alles rätselhaft bleibt.

Durch die verschiedenen Perspektiven erhalten wir nochmal ein deutlich umfassenderes Bild von Area X, ohne dass dadurch wirklich alle Fragen beantwortet werden können. Wir sehen eigentlich nur, wie viel größer alles ist, als wir bisher vielleicht dachten. Dennoch gibt es genug Antworten, dass ich befriedigt aus diesem vorerst letzten Band herausgegangen bin. Es hat für mich alles einfach gut abgerundet und gleichzeitig die Faszination und den Grusel dieser Welt aufrecht erhalten.

Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass dadurch die Reihe hier zu einem guten Ende findet. Während das erste Buch vor allem Horror und Grusel auslöst, wenn wir diese Welt sehen, in der alles möglich scheint und nix ist, wie es soll, sehen wir im zweiten Band die Frustration, mit der man hier nach Antworten suchen muss. Band 3 gibt uns jetzt eine seltsame Traurigkeit und Melancholie, wenn wir auf Saul und seine Träume sehen, wenn wir den inneren Kampf in Ghost Bird sehen, wenn wir das lebenslange Streben nach einer verlorenen Heimat der Psychologin sehen. Mir hat das so gut gefallen.

Ich hoffe, ihr seid jetzt begeistert für diese Reihe.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 5. April 2024

Annihilation


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte euch mit euch über einen Sci-Fi-Horror sprechen, den ich schon recht lange lesen wollte. Eigentlich schon, seit der Film auf Netflix erschienen ist, und wer weiß, wie viele Jahre das inzwischen schon wieder her ist. Es ist außerdem das erste Buch in einer Trilogie, und ich werde euch dieses Wochenende alle drei Bände vorstellen.

Die Fakten: 

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Annihilation (dts. Auslöschung)
  • Reihe: Southern Reach 1
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 128 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "Area X-a remote and lush terrain-has been cut off from the rest of the continent for decades. Nature has reclaimed the last vestiges of human civilization. The first expedition returned with reports of a pristine, Edenic landscape; all the members of the second expedition committed suicide; the third expedition died in a hail of gunfire as its members turned on one another; the members of the eleventh expedition returned as shadows of their former selves, and within months of their return, all had died of aggressive cancer. This is the twelfth expedition. Their group is made up of four women: an anthropologist; a surveyor; a psychologist, the de facto leader; and our narrator, a biologist. Their mission is to map the terrain and collect specimens; to record all their observations, scientific and otherwise, of their surroundings and of one another; and, above all, to avoid being contaminated by Area X itself.  They arrive expecting the unexpected, and Area X delivers-they discover a massive topographic anomaly and life forms that surpass understanding-but it's the surprises that came across the border with them, and the secrets the expedition members are keeping from one another, that change everything."


Zur Handlung: Wir folgen einer namenlosen Biologin in die Area X, eine Zone der Welt, in der etwas Schreckliches geschehen ist. Verschiedene Expeditionen haben bereits versucht Antworten zu finden, doch wenn die Teilnehmenden zurückgekehrt sind, dann waren sie stets verändert und haben meist nicht mehr lange gelebt; wenn sie zurückgekehrt sind. Diese Mission besteht nun nur aus Frauen, neben unserer Biologin gibt es eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Ex-Soldatin. Die Linguistin hat es sich angeblich kurz vor Beginn der Mission anders überlegt.

Doch kaum sind die vier Frauen in der Area X gelandet, geht schon einiges schief. Bei einer Erkundungstour finden sie eine Art Tunnel, in dem Treppen tief unter die Erde führen, doch unsere Biologin kann sich den Tunnel nur als Turm vorstellen, der anstatt nach oben nach unten geht. Als die vier beschließen, diesen Turm zu erkunden, beginnt ihre unwiderrufliche Veränderung.

Dieses Buch ist extrem seltsam. Wir lesen die Geschichte in Form von Tagebucheinträgen der Biologin. So sehen wir einerseits, was in der Area X passiert, aber sie erinnert sich auch zurück an Dinge aus ihrem Leben. Wir erfahren, warum sie Biologin geworden ist und warum sie sich für diese hoffnungslose Mission freiwillig gemeldet hat. Dadurch kommen wir nah an sie heran, und gleichzeitig bleibt sie uns auch fern. 

Ich persönlich liebe diese Art von Horror, wo die Protagonisten durch eine Art Portal in eine Welt neben unserer Welt kommen, in der aber unsere Gesetze und Regeln nicht gelten. In dieser Welt kann dann jeden Moment alles geschehen. Ich finde es so faszinierend, weil ich mich dann auch immer frage, wie mein Gehirn wohl auf sie eine grundsätzlich fremde Welt reagieren würde, vor allem wenn sie ihm Kern dann doch vertraut aussieht. Es ist eben nur alles ein kleines bisschen falsch.

Wir haben es in diesem Buch vor allem mit Pflanzen-, Natur- und Bodyhorror zu tun. Es ist alles sehr organisch, weswegen eine Biologin als Hauptfigur auch Sinn macht. Irgendetwas hat die normale Welt in Area X korrumpiert, und nun ist nix so, wie es sein sollte. Trotzdem macht alles irgendwie seltsam Sinn. Ihr solltet aber nicht zu viele Antworten erwarten, auch das gehört zu dieser seltsamen Art von Horror dazu.

Neben der Biologin haben wir noch drei andere Charaktere, die in der Area X sind. Recht früh sagt uns unsere Protagonistin allerdings, dass sie nicht lange an ihrer Seite sein werden. Die Frauen kennen sich kaum, haben nur etwas gemeinsames Training erlebt. Ein tiefes Misstrauen liegt zwischen ihnen, sodass wir den anderen auch nicht vertrauen können. Außerdem spielt dann noch der Ehemann der Biologin eine Rolle, denn wir sehen ihn in Rückblenden. Ich fand ihre Dynamik interessant, aber das müsst ihr selbst ergründen.

Was kann ich noch über dieses Buch sagen, dass keine Spoiler enthält und nicht einfach völlig wirr klingt? Ihr werdet am Ende vermutlich so schlau sein wie am Anfang, aber der Weg lohnt sich, wenn ihr diese Art von Horror liebt. Ich liebe sie. Ich fand es schaurig, aufregend, mitreißend. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, auch wenn ich da nicht so viel Positives gehört habe. Nach dem Ende dieses ersten Bandes will ich aber unbedingt mehr Antworten - und ich habe meine Zweifel, ob ich sie kriege.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 12. März 2024

Cocaine Blues


Hallo meine Mysteryfreunde,

zum Beginn des Jahres ging es mir sehr schlecht, und deswegen habe ich entschieden, dieses Buch zu hören. Ich liebe die Miss Fisher-Serie über Phryne Fisher, die in den 1920er Jahren in Australien Mordfälle aufklärt. Als ich gehört habe, dass die Serie auf Büchern beruht, wollte ich die Bücher unbedingt ausprobieren. Dieses erste Buch ist die erste Folge der Serie, sodass ich mit der Handlung vertraut war, und auch die Charaktere kannte ich quasi schon. Das hat es für mich leicht gemacht zuzuhören, während es mir gesundheitlich nicht gut ging.

Die Fakten:

  • Autor: Kerry Greenwood
  • Sprecher: Stephanie Daniel
  • Titel: Cocaine Blues (dts. Miss Fisher und der Schneekönig)
  • Reihe: Phryne Fisher 1
  • Erschienen: 1989
  • Verlag: Bolinda Publishing
  • Dauer: 5 Std 48min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext: "It's the end of the roaring twenties, and the exuberant and Honourable Phryne Fisher is dancing and gaming with gay abandon. But she becomes bored with London and the endless round of parties. In search of excitement, she sets her sights on a spot of detective work in Melbourne, Australia. And so mystery and the beautiful Russian dancer, Sasha de Lisse, appear in her life. From then on it's all cocaine and communism until her adventure reaches its steamy end in the Turkish baths of Little Lonsdale Street."

Zur Handlung: Phryne Fisher ist eine junge Frau, die in Australien geboren ist, deren Vater dann aber ein unerwartetes Erbe in England antreten konnte. Sie begibt sich zurück in ihre Heimat, um einem Freund des Vaters mit seiner Tochter zu helfen, die eine mysteriöse Krankheit zu haben scheint. Gleichzeitig will sie auch mehr Freiheit für sich selbst und ihr Hobby des Aufklärens von Verbrechen gewinnen.

In Melbourne angekommen, muss sie feststellen, dass es immer noch Gläubiger gibt, denen ihr Vater Geld schuldet. Dennoch kommt sie gut in der High Society an, und sorgt auch schnell für Aufsehen mit ihrem frechen Modegeschmack und ihrer aufwühlenden Sexualität. Doch während sie die feine Gesellschaft der Stadt auf den Kopf stellt, gewinnt sie auch Freundschaften, die ihr nicht nur helfen werden, die Krankheit ihrer Bekannten aufzudecken, sondern auch den größten Vertreiber von Kokain aufzudecken.

Von der Handlung her sind die erste Folge der Serie und dieser erste Band nahezu deckungsgleich. Tatsächlich würde ich sagen, dass die Serie die woke große Schwester des Buches ist. Denn natürlich muss man bei einem Buch, das Ende der 80er Jahre erschienen ist, mit einigen eher problematischen Aspekten rechnen. Im Großen und Ganzen wurde ich hier aber in meinen Erwartungen nicht enttäuscht.

Phryne Fisher als Hauptfigur mag ich einfach sehr. Sie ist schlau, sie ist stark, sie kann sowohl mit einem Revolver als auch mit einem schicken Sportwagen umgehen, sie liebt schöne Kleider und schöne Männer. Für die Zeit des Erscheinens des Buches, war sie vermutlich schon fortschrittlich, und für die 1920er Jahre erst recht. Ich liebe auch ihren Pragmatismus, und ihre leichte Art, die sicher in einer direkten Interaktion mit ihr auch schnell anstrengend sein könnte. 

Neben ihr lernen wir einige Nebenfiguren kennen, die es auch in der Serie gibt. So ist da beispielsweise Dot, eine junge Frau, die Phryne von einem Mordversuch abbringt und als ihre Assisstentin engagiert. Ich liebe Dot wegen der Serie, aber im ersten Buch bleibt sie vielleicht noch ein bisschen blass. Ich musste aber so lachen, als es um ihre Angst vor dem Telefon ging. Dann haben wir den Inspektor, der aber in diesem ersten Band kaum vorkommt, da war ich etwas überrascht. Wir haben den russischen Tänzer Sasha, mit dem es auch ein bisschen heiß hergeht. Und dann sind da noch die beiden Taxifahrer, und die irische Ärztin, mit der Phryne nach Melbourne gereist ist. Man sollte in diesem kurzen ersten Band hier einfach nicht zu viel von den Charakteren erwarten, auch wenn ich einige Entwicklungen wirklich sehr mochte.

Im Kern geht es um Phrynes Ermittlungen, die sich gleich auf mehreren Ebenen ereignen. Denn über ihre Taxifahrer und die Ärztin erfährt sie von Fällen von illegalen Abtreibungen, die so unprofessionell durchgeführt werden, dass die Patientinnen oft mit dem Leben bezahlen. Wenn das kein Thema ist, über das ihr lesen möchtet, dann seid ihr gewarnt. Ich finde den Umgang mit dem Thema hier aber gelungen. Es wird darauf verwiesen, dass Abtreibung kein Verbrechen sind und manchmal auch medizinisch notwendig, aber dass illegal durchgeführte Abtreibungen ein enorm großes Gesundheitsrisiko darstellen, vor allem wenn es Männern nur darum geht, die hilflosen Frauen auszubeuten.

Gleichzeitig wird sie auf das große Problem des Kokainhandelns aufmerksam, dass in den verschiedensten Gesellschaftsschichten zur Mode wird. Hier wird sie vor allem über den russischen Tänzer und seine Familie hineingezogen, die sich an der Person rächen wollen, die einst für den Drogentod der Mutter des Tänzers und seiner Schwester verantwortlich war. Und schließlich ist Phryne ja eigentlich nach Melbourne gekommen, um sich nach der seltsamen Krankheit ihrer Bekanntenzu erkundigen. Dabei muss sie schnell feststellen, wie unangenehm ihr diese Frau ist, aber dennoch will sie herausfinden, wie schwer deren Probleme sind.

Ihr solltet hier also auf viele Handlungsstränge gefasst sein. Das passt aber auch die Phryne, die eben nicht gelangweilt in einer Bibliothek auf einem Anwesen die Verdächtigen interviewt und aus den Beweisen deduktiert. Ihr geht es um das Abenteuer, um den Spaß, und auch um die Gefahr. Und so steckt sie ihre Nase ohne großen Sorgen in alles hinein, was sie nur bedingt etwas angeht. Mir hat das beim Schauen und auch beim Hören immer Spaß gemacht. Und trotzdem kann man schon ein bisschen mitraten, wie alles am Ende zusammenpasst.

Das Ende war dann etwas unerwartet, und hat auch ein paar problematische Aspekte in den Aussagen, die getroffen werden, was mir so aus der Serie nicht in Erinnerung war und was sie glaube ich geändert haben. Hier wird dann die sexuelle Aufgeschlossenheit von Phryne ein bisschen zu stark glorifiziert, und die sexuelle Zurückhalten (die man als Asexualität lesen kann) eines anderen Charakters genutzt um zu zeigen, dass mit dieser Person etwas nicht stimmt und sie deswegen Verbrechen begeht. Das hat mir nicht gut gefallen. Aber davon abgesehen wird es schon brenzlig für Phryne, und man kann mitfiebern, wie sie da wieder rauskommt.

Alles in allem hat mir der erste Band gut gefallen. Das Buch hat einige problematische Aspekte, die man heute vermutlich anders schreiben würde, aber es hat auch einige Jahre auf dem Buckel. Ich habe mich dennoch gut unterhalten gefühlt, und es hat in mir die Nostalgie der Serie ausgelöst. In einer sehr schwierigen Zeit hat es mir positive Momente verschafft, und dafür bin ich dankbar. Ich kann mir vorstellen, die Reihe irgendwann weiterzuhören.

Das Hörbuch würde ich aber nicht empfehlen. Es wurde 2010 aufgenommen, ist aber technisch nicht gut umgesetzt, hat komische Pausen und Hintergrundgeräusche. Dann lieber das Ebook oder so.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 10. März 2024

The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl


Hallo meine Historienhasen,

und schon kommen wir zum Ende dieser Trilogie und auch zum Ende dieser Woche. Nachdem die ersten beiden Bände meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnten, hatte ich jetzt noch einmal Hoffnung für das große Finale. Zumindest gab es Anzeichen, dass hier noch einmal Abenteuer und Mystery aufkommen könnten. Aber konnte das letzte Buch die Reihe retten?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl (dts. Das unheilvolle Geheimnis des faszinierenden Mädchens)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 3
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 434
  • Preis: 12,50 Euro
  • Klappentext: "Life's always an adventure for the Athena Club ... especially when one of their own has been kidnapped! After their thrilling European escapades rescuing Lucinda van Helsing, Mary Jekyll and her friends return home to discover that their friend and kitchen maid Alice has vanished - and so had Mary's employer Sherlock Holmes! As they race to find Alice and bring her home safely, they discover that Alice's and Sherlock's kidnappings are only one small part of a plot that threatens Queen Victoria and the very future of the British Empire. Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine save their friends - and save England?"

Zur Handlung: Während Mary und ihre Gefährtinnen noch in Budapest auf der Suche nach Antworten auf die Fragen ihrer Entstehung sind und sich um einen ethischeren Umgang mit Experimenten in der Alchemistischen Gesellschaft bemühen, bekommen sie ein Telegramm, dass Alice entführt wurde. Sofort machen sie sich auf den Weg zurück nach England.

Inzwischen ist klar, dass Alice nicht einfach nur zufällig in die Hände von Verbrechern gefallen ist, sondern dass sie die Enkelin eines weiteren Alchemisten ist und besondere Fähigkeiten hat. Diese Fähigkeiten sollen nun missbraucht werden, um die Queen zu stürzen. Alice gelingt es, das Vertrauen der Verbrecher zu erlangen, um so möglichst den anderen zu helfen, diese Pläne zu vereiteln.

Wenn man den Klappentext liest, sieht man genau die Probleme, die ich schon beim ersten Buch hervorgehoben habe: die Autorin versucht eine feministische oder zumindest progressive Geschichte zu erzählen mit Charakteren, die das britische Empire und damit ein Kolonialland mit einem Monarchen an der Spitze retten sollen. So richtig haut das natürlich nicht hin, sodass unsere progressiven Heldinnen weiter altbacken und fehl am Platz wirken.

Für die Charaktere kann man hier nicht viel ergänzen, denn wie gesagt machen diese keine nennenswerte persönliche Entwicklung durch. Hervorzuheben ist hier nur Alice, die nun auch Kapitel aus ihrer Sichtweise bekommt. Sie ist dabei deutlich jünger als die anderen und als Waise aufgewachsen. Auch hier wird die Klassengesellschaft als solche wieder nicht in Frage gestellt, denn Alice will auch dann weiter Küchenmagd bleiben, als klar wird, dass sie eigentlich aus einem wohlhabenden Hause stammt. Klar, für andere arbeiten macht halt einfach Spaß. Trotzdem mochte ich Alice als Charakter, sind ich schlau und wird schnell unterschätzt. Sie hat mich auch ein wenig an einen Hobbit erinnert, so Abenteuer sind nix für sie, aber sie schlägt sich dann erschreckend gut darin. Und ihre Fähigkeiten sind auch echt cool.

Durch die vielfältigen Perspektiven, die in diesem Buch zusammenkommen, geht aber leider der Mysteryaspekt völlig unter. Schon zu Beginn wissen wir, wo Alice ist, wer sie warum entführt hat, wo Sherlock ist, und was der Plan des ganzen Verbrechens ist. Jetzt warten wir also wieder darauf, dass die anderen Athena Club-Mädels das auch alles herausfinden und was dagegen tun können.

Gleichzeitig spielt in diesem Buch dann auch die Bösewichtin (quasi) aus dem vorherigen Band noch eine Rolle und wir erfahren noch mehr über ihren Hintergrund. Wie super toll dabei der Blick auf das antike Ägypten gelungen ist, und dann auch auf die Kolonialgeschichte der Welt, darüber kann man dann vielleicht streiten. Ich denke, mit allem, was ich bisher gesagt habe, könnt ihr euch ein Bild machen.

Was hier noch mehr zum Thema gemacht wird, ist Fremdenhass und white supremacy. An sich finde ich das wichtige Themen, die ich auch gern in Büchern aufgegriffen sehe. Allerdings dient es hier eher dazu die Bösen als die Bösen zu markieren. Eine richtige Auseinandersetzung geschieht nicht. Alles bleibt ähnlich wie im Rahmen des zweiten Buchs, als eine Frau of Color unseren Heldinnen vorwirft, dass sie aus rassistischen Gründen verdächtigt wird. Und was mir dann hier noch etwas seltsam aufgestoßen ist, ist, dass diese white supremacy-Gruppe eine Familie als Bedienstete hat, die polnische Juden sind...

Am Ende geht es dann noch einmal hoch her, Mary und ihre Freunde müssen schließlich die Queen retten. Ich muss aber gestehen, dass mir dieser letzte Band am allerwenigsten im Kopf geblieben ist. Dabei hatte ich, als ich den gelesen habe, soweit ich mich erinnere am wenigsten Corona, und somit eigentlich die besten Chancen mich zu erinnern (ja, ich habe einen Teil der Reihe in der Zeit gelesen, als ich mit Corona flach lag - immerhin war es dann nicht allzu schwere Kost für meinen Kopf). Es ist halt dann einfach so weitergeplätschert, wie die Reihe generell war.

Alles in allem war die Reihe für mich eher eine Enttäuschung, nicht weil sie grundsätzlich schlecht war, aber weil ich einfach etwas total Tolles erwartet habe und dann nur eher etwas Mittelmäßiges bekommen habe. Das Buch hat für mich auch einfach zu viele Charaktere und Perspektiven, sodass man keinen Charakter so richtig gut kennen lernen und auch analysieren kann. Auch die Fälle, die hier gelöst waren, sind immer viel zu offensichtlich - oder eben wie hier im letzten Band, wir wissen die Lösung durch die vielen Perspektiven. Also auch die Handlung hält mich nicht richtig bei Laune. Der Schreibstil ist niedlich, so mit den Kommentaren der Charaktere im Manuskript, aber da hätte auch ein Buch gereicht für. Deswegen ist mein Fazit: lest lieber erstmal Band 1 und überlegt dann, ob ihr noch weitere ~1200 Seiten davon lesen wollt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 9. März 2024

European Travel for the Monstrous Gentlewoman


Hallo meine Historienhasen,

gestern hatte ich euch von Band 1 dieser Reihe berichtet, der mir an sich gut gefallen hat, auch wenn er mit meinen Erwartungen nicht mithalten konnte. Heute kommen wir zu Band 2, der aus bis heute ungeklärten Gründen fast doppelt so lang ist wie Band 1. Und die Frage drängt sich auf: ist es das wert?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: European Travel for the Monstrous Gentlewoman (dts. Die wilde Jagd nach der monströsen Dame)
  • Reihe:  The Extraordinary Adventures of the Athena Club 2
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 706
  • Preis: 12,79 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll's life has been peaceful since she helped Sherlock Holmes and Dr Watson solve the Whitechapel Murders. Beatrice Rappaccini, Catherine Moreau, Justine Frankenstein, and Mary's sister, Diana Hyde, have settled into the Jekyll household in London, and although the sometimes quarrel, the members of the Athena Club get along as well as any five young women with very different personalities. As least they can always rely on Mrs Poole. But when Mary receives a telegram that Lucinda Van Helsing has been kidnapped, the Athena Club must travel to the Austro-Hungarian Empire to rescue yet another you woman who has been subjected to horrific experimentation. Where is Lucinda, and what has Professor Van Helsing been doing to his daughter? Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine reach her in time? Racing against the clock to save Lucinda from certain doom, the Athena Club embarks on a madcap journey across Europe. From Paris to Vienna to Budapest, Mary and her friends must make new allies, face old enemies, and finally confront the fearsome, secretive Alchemical Society. It's time for these monstrous gentlewomen to overcome the past and create their own destinies."

Zur Handlung: Um sich weiter ein gutes Leben leisten zu können, müssen im Athena Club-Haushalt alle mit anpacken. Beatrice stellt aus ihren Pflanzen Medizin her, Catherine schreibt Bücher und Mary arbeitet bei Sherlock Holmes als Schreibkraft. Doch als sie ein Telegramm erhalten, dass ihre detektivischen Fähigkeiten erbittet, begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise.

Zwischen Zugfahrt, deutschen Spionen, Zirkuskünstlern, psychiatrischen Anstalten, wissenschaftlichen Konferenzen und viiiielen Törtchen und Dinnern müssen sie versuchen, Lucinda von Helsing zu finden. Dabei treffen sie auch auf neue Verbündete, wie Laura und Carmilla, und machen sich neue quasi-prähistorische Feinde. Und es gibt viele Törtchen und Dinner.

Nach dem ersten Band war ich echt gespannt, was nun hier auf 700 Seiten auf mich wartet. Ich fand den ersten Teil zwar interessant, aber auch enttäuschend. Darum hatte ich Hoffnung, dass es in Band 2 nun richtig losgeht, und die Reihe meine Erwartungen mehr erfüllt, vor allem wenn es um den Punkt Frauenpower geht. In zwei Aspekten passiert das auch: erstens können wir recht früh Holmes abschütteln, und das Buch versucht sogar selbstironisch damit umzugehen, dass er sich so sehr in das erste Buch hineingedrängt hatte; zweitens haben wir jetzt hier bei all den Frauen auch mal ein gleichgeschlechtliches Paar - wenig überraschend inspiriert von dem Klassiker Carmilla.

Trotzdem war dieser Band noch mehr Enttäuschung als Band 1. Das hat viele Gründe. Wir haben als Hauptfigur wieder Mary, die nach wie vor so unnahbar ist wie in Band 1. Wir bekommen aber etwas mehr Einblicke in Justine, was ich sehr mochte, und für Beatrice gibt es eine Liebesgeschichte, die ich an sich auch mochte, die aber so plump geschrieben war und wo ich Catherine so richtig ätzend fand. Ansonsten bleibt Diana weiter laut und nervig. Mrs Poole lassen wir in England zurück, aber die würde es woanders eh nie aushalten. Zum Glück gilt das gleiche für Holmes und Watson. Dazu kommen dann neue Charaktere, wie Lucinda, Carmilla, Laura und Holmes' Ex Irene Adler.

In diesem Buch wartet sehr viel Herumgereise auf uns. Natürlich war reisen zu dieser Zeit nicht unbedingt komfortabel, und hat auch echt eine Weile gedautert. Aber abgesehen davon passiert hier dann auch nicht viel. Was mich allerdings besonders angestrengt hat, war das viele Essen. Ich liebe eigentlich Essen in Geschichten, denn ich bin auch so ein großer Foodie. Hier nimmt es aber so viel Überhand, und in den seltsamsten Momenten wird ein Picknick gemacht oder ein Dinner gegessen. Unser Feind hat uns in eine gruslige Ruine entführt, lasst uns erstmal was essen? Ok. 

Die Länge des Buches ist dabei völlig übertrieben. Die Geschichte gibt letztlich kaum mehr her als in Band 1. Noch dazu ist hier alles noch viel offensichtlicher. Und ich muss ehrlich zugeben, dass die kreativen Entscheidungen in diesem Band für mich keinen Sinn gemacht haben. In Band 1 hat sich die Autorin entschieden eine heutzutage kontrovers diskutierte Figur klar zum Bösen zu machen, was ich so nicht hatte erwartet. In Band 2 jedoch wird jetzt eine eigentlich recht klar böse Figur der Literatur plötzlich zum Guten gemacht und dafür die gute Figur böse? Und sobald ihr ein bisschen Wissen über Klassiker habt und dann van Helsing und Carmilla hört, da wisst ihr ja, was der Mystery-Aspekt ist. Aber unsere Damen nicht, und wir dürfen da dann irgendwie hinterherstümpern.

Wenn das dann endlich soweit abgehakt ist, geht es dann noch weiter nach Budapest, wo der Entgegner der alchemischen Gesellschaft auf sie wartet. Auch hier wird dann viel gesessen, viel beraten, viel gegessen. Dann nochmal kurz Action, aber nicht zu viel. Das hat mir für 700 Seiten einfach nicht gereicht. Das Ende ist dann zwar etwas überraschender als die Hintergründe von Lucindas Entführung, aber konnte das Buch nicht mehr retten für mich.

Genervt hat mich auch, dass so viele kleine Fehler in dem Buch waren. So ist Justine angeblich ein absolutes Sprachgenie und stammt auch aus der Schweiz. Trotzdem sind dann grammatische Fehler in den Sachen, die sie auf Deutsch sagt. Für die anderen Sprachen bin ich dann kein Experte, aber es kommt auch einiges an Französisch, Italienisch und Ungarisch vor. Seltsam ist vor dem Hintergrund, dass das Buch ja von Catherine geschrieben wird, auch, dass sie die ungarischen Namen perfekt buchstabieren kann und dann hinterher schreibt, wie es ausgesprochen wird. Da hätte man glaube ich mehr im Konzept bleiben können. Und neben sprachlichen Sachen waren auch so ein paar Dinge inkonsistent, zum Beispiel wenn über Stockwerke gesprochen wird, die im Englischen anders gezählt werden als im Deutschen. Eine Frau, die seit Jahren als Spionin in Österreich lebt, sollte das wissen, zählt aber weiter britisch. In der deutschen Übersetzung ist das dann vielleicht alles glattgebügelt - man sollte es hoffen.

Alles in allem war das Buch auch wieder eine Enttäuschung, und das nachdem ich meine Erwartungen nach Band 1 schon deutlich gesenkt hatte. Ich habe hier dann auch gemerkt, dass ich mit den Charakteren einfach nicht warm werde, war vor allem daran liegt, dass sie dann doch recht flach bleiben und sich eigentlich auch null entwickeln. Das gilt vor allem für Mary, aber auch Diana und Catherine sind einfach absolut gleich durch alle Bücher hinweg. Etwas mehr Justine fand ich gut, von Beatrice hätte ich etwas mehr erhofft. Aber wenn einem die Charaktere egal sind, kann halt auch in der Handlung passieren, was da will.

Ich würde es also nicht empfehlen, diese Reihe weiterzulesen, außer ihr seid absolut verliebt in Band 1 und wollt unbedingt weiter und lange diesen Charakteren folgen. Band 3 habe ich dann trotzdem auch noch gelesen, dazu morgen mehr.

Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:



Freitag, 8. März 2024

The Strange Case of the Alchemist's Daughter


Hallo meine Historienhasen,

ich liebe es ja, Reihen hintereinander weg zu lesen. Das habe ich letztes Jahr auch wieder mit fünf Reihen gemacht, und ich glaube, ich habe euch keine einzige vorgestellt. Dieses Wochenende werden wir das hoffentlich ändern, und beginnen heute mit dem ersten Band dieser Trilogie. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, weil ich so viel Gutes gehört hatte, und leider ist das manchmal ja gefährlich.

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Strange Case of the Alchemist's Daughter (dts. Der seltsame Fall der Alchimisten-Tochter)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 400
  • Preis: 12,45 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll, alone and penniless, following her parents' death, quickly finds herself drawn into the secrets of her father's mysterious past. A clue leads her to believe that Edward Hyde, her father's former friend and a murderer, may be nearby, and there is still a reward for information resulting in his capture - a reward that would solve all her immediate financial woes. But her hunt brings her not to Edward Hyde but to Diana, his daughter, a near-feral child left to be raised by nuns. With the assistance of Sherlock Holmes and Dr Watson, Mary continues her search for the elusive Hyde, and soon gathers around her more women, all of whom have been created through terrifying experimentation: Beatrice Rappaccini, Catherin Moreau, and Justine Frankenstein. When their investigations lead to the discovery of a secret society of immoral and power-crazed scientists, the horrors of their past soon arrive on their doorsteps as well, and now it is up to the five women to stop the malicious machinations of the Société des Alchimistes. Quite simply, it is time for the monsters to triumph over the monstrous."

Zur Handlung: Als Marys Mutter stirbt, ist sie zunächst am Boden zerstört, doch sehr schnell muss sie sich zusammennehmen, denn mit dem Lebensende ihrer Mutter geht nun auch das Geld aus. Schweren Herzens muss sie das Personal der Familie entlassen, doch die eigenwillige Haushälterin Mrs Poole beschließt vorerst zu bleiben und Mary zu unterstützen. Als Mary die Finanzen ihrer Mutter durchgeht, findet sie allerdings etwas Seltsames.

Sie findet, dass Zahlung mit dem Betreff Hyde an ein Kloster in einem armen Stadtteil von London gemacht werden. Mary erinnert sich an Mr Hyde, der für ihren Vater gearbeitet hat, bevor dieser umgekommen ist, nur sehr vage. Aber sie weiß, dass es ein Kopfgeld für ihn gibt. Doch Mary will sich nicht allein auf die Suche nach so einem gefährlichen Mann machen, und bittet daher um die Hilfe des berühmten Sherlock Holmes.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich immer davon gehört habe, wie hier diese jungen Frauen aus verschiedensten Schauerromanen zusammenkommen und sich das Spotlight holen, das sie schon immer verdienen. Entsprechend war ich auf volle Frauenpower eingestellt - und habe sie ehrlich nicht bekommen. Das hat viele Gründe, die ich jetzt hier versuche darzulegen.

Mary als Hauptfigur ist recht steif und rigide. Das hat auch seine Gründe, aber trotzdem wirkt mit ihr alles immer etwas distanziert. Sie ist sehr rational und kalkuliert, und sie ist wirklich keine Feministin. Allgemein kämpft das Buch damit, dass es im 19. Jahrhundert spielt, und für damalige Verhältnisse progressive Dinge heute irgendwie verstaubt und öde sind. Dagegen sind die damaligen moderaten Vorstellung der Welt heute einfach veraltet. Mary mochte ich trotzdem an sich gern, aber sie reißt einen nicht wirklich mit.

Neben Mary haben wir noch die anderen jungen Frauen. Als erste treffen wir davon Diana, die eigentlich eher noch ein Kind ist, rotzfrech und sehr laut. Dann haben wir Beatrice, die ich eigentlich am liebsten mochte, die aber eher zurückhaltend und leise ist und daher im Buch wenig zu Wort kommt. Dazu kommt noch Catherine, die das Buch schreibt, die ich aber sehr anstrengend fand. Und schließlich Justine, ebenfalls so ein interessanter Charakter, der aber durch seine zurückhaltende Art leider untergeht. Mrs Poole steht für die bürgerliche Sitte und ist für die Versorgung mit Essen zuständig - hier könnte man ja auch mal kritisch über die Klassen der damaligen Zeit werden, oder eben nicht.

Ein zentrales Problem, was ich mit diesem Buch hatte, trägt einen Namen: Sherlock Holmes. Nie, wenn jemand über dieses Buch gesprochen hat, habe ich vernommen, dass Holmes hier eine zentrale Rolle einnimmt. Und ist er einmal da, wird man ihn nicht mehr los. Jede Szene, in der er ist, dreht sich eigentlich nur noch um ihn. Und dass Mary dann zarte Gefühle für ihn entwickelt, macht alles irgendwie noch anstrengender. Hier waren meine Erwartungen einfach völlig anders. Dass in dieser Reihe ein Mann so die Schau stiehlt, das hatte ich einfach nicht gedacht.

Geschrieben ist das Buch übrigens in einem sehr interessanten Stil, denn Catherine, eine Figur aus dem Buch, schreibt das Buch über die Erlebnisse ihrer Freundinnen um Geld für ihr gemeinsames Leben zu verdienen. Die anderen Charaktere bekommen Gelegenheit, das Manuskript mit Kommentaren zu versehen, was sie auch eifrig machen - und das alles bekommen wir dann zu lesen.

Ich denke, der Mystery-Fall war hier noch ganz interessant. Im Stile von Jack the Ripper geht es um Morde an Frauen, die zur Unterschicht in London gehört haben. Die Morde sind blutig und verstörend, aber keiner kann sich erklären, warum sie geschehen. Als Leser hatte ich zumindest recht schnell eine Ahnung, was da dahintersteckt, aber die Erklärung war dann doch noch etwas komplexer als meine ersten Gedanken.

Es kommt am Ende dann auch zu einem Showdown, wo unsere Charaktere ziemlich in Gefahr geraten. Trotzdem ist das Buch im Grundton eher cosy, würde ich sagen. Es hat dieses historische Flair, wir folgen den Charakteren auf ihren Wegen durch London, wobei sie langsam Hinweise sammeln. Und es darf natürlich auch nicht an Schnittchen und Tee fehlen, sonst bräuchten wir Mrs Poole ja nicht.

Alles in allem hat mir das erste Buch ganz gut gefallen. Aber leider waren meine Erwartungen so hoch, dass es sich trotzdem enttäuschend angefühlt hat. Vor allem die unglaublich hohe Aufmerksamkeit auf Holmes hat mich genervt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass ich von den Charakteren, die ich am spannendsten fand, am wenigsten gesehen habe. Aber es ist ein schönes Abenteuer für einen verregneten Tag. Es hat irgendwie was herzerwärmendes.

Morgen erzähle ich dann, wie es mir mit Band zwei ergangen ist, der dann einfach mal fast doppelt so lang ist wie Band 1!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 7. März 2024

A Wizard's Guide to Defensive Baking


Hallo meine Fantasyfreunde,

Cosy Fantasy ist ja inzwischen in aller Munde, und heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das für mich perfekt zu diesem Genre passt. Ich habe damit mein Lesejahr begonnen, und es war absolut die richtige Entscheidung. Außerdem ist es auch noch von einer meiner Lieblingsautorinnen geschrieben - was kann es Besseres geben?

Die Fakten:

  • Autor: T Kingfisher
  • Sprecher: Patricia Santomasso
  • Titel: A Wizard's Guide to Defensive Baking
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Tantor Audio
  • Dauer: 8 Std 30min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Abo
  • Klappentext: "Fourteen-year-old Mona isn't like the wizards charged with defending the city. She can't control lightning or speak to water. Her familiar is a sourdough starter, and her magic only works on bread. She has a comfortable life in her aunt's bakery making gingerbread men dance. But Mona's life is turned upside down when she finds a dead body on the bakery floor. An assassin is stalking the streets of Mona's city, preying on magic folk, and it appears that Mona is his next target. And in an embattled city suddenly bereft of wizards, the assassin may be the least of Mona's worries...."

Zur Handlung: Als Mona eines Morgens in die geliebte Bäckerei ihrer Tante kommt, um mit dem morgendlichen Backen zu beginnen, findet sie die Leiche eines jungen Mädchens. Und damit dreht sich ihre Welt auf den Kopf. Plötzlich wird behauptet, sie habe ein Verbrechen begangen, und sie wird in den Palast der Stadt abgeführt. Dabei hat Mona doch nur magische Fähigkeiten über Teig und Brot.

Doch während Mona noch um ihre Zukunft fürchtet, ist ein gefährlicher Mörder in ihrer Stadt unterwegs, und die Intrigen, die sich um diesen spinnen, sind noch viel gefährlicher, als irgendwer ahnt. Mona wird ihnen jedoch auf die Spur kommen, und am Ende wird sich die Frage stellen, ob das Mädchen mit dem Brot eine ganze Stadt retten kann.

Ich habe dieses Buch als mein erstes Hörbuch des Jahres gewählt, weil ich etwas wollte, das mir ein gutes Gefühl gibt, mich gut unterhält und mich in eine Welt mitnimmt, die nicht wie hier ist. Ich habe dieses Jahr mit blöden gesundheitlichen Problemen begonnen, und so war diese Cosy Fantasy-Geschichte über ein Mädchen mit Brot, ihrem Lebkuchenmann und dem immerhungrigen Sauerteig genau das richtige.

Mona als Hauptfigur hat mir an sich gut gefallen. Allerdings muss ich hier sagen, dass sie sich für mich nicht wirklich wie eine 14-Jährige angefühlt hat. In vielen Momenten erschien sie mir viel zu gefasst und logisch. Sie bleibt auch sehr oft sehr ruhig. Natürlich sind alle Menschen unterschiedlich, und es gibt sicher auch gefasste Teenager, aber ich musste mich immer bewusst daran erinnern, dass sie so jung sein soll. Abgesehen davon fühlt man aber schnell mit ihr mit, denn sie will ja nur ihr Leben leben, ihr Brot backen und gut - doch dann wird sie in all diese Machenschaften hineingezogen.

Neben Mona haben wir noch ein paar andere wichtige Figuren. Es gibt einen Jungen, der der kleine Bruder des toten Mädchens ist, das in Monas Backstube lag. Ihn fand ich einen tollen Sidekick, frech und lustig. Er hat das Ganze immer wieder aufgelockert. Dann haben wir Monas Tante und Onkel, und hier fand ich es schön, dass diese Mona wirklich lieben und sich um sie kümmern wollen. Also keine Märchen-Klischees hier. Und schließlich ist noch eine Herrscherin dieser Stadt wichtig - ich weiß gerade ihren offiziellen Titel nicht mehr. Sie war so schön erwachsen, wie wir uns alle vermutlich erwachsen fühlen. So als hätten uns die anderen irgendein Geheimnis nicht verraten, und wir tun jetzt einfach so, als würden wir schon alles gut hinkriegen. Auch sie mochte ich gern.

Neben den richtigen Figuren haben wir dann die Backwaren. Dabei stechen der Lebkuchenmann heraus, der Mona dann auf ihren Abenteuern begleiten wird und an einem Punkt sogar zum Anführer einer Guerrilla-Truppe von Lebkuchenmännern wird, und der Sauerteig Bob. Ich glaube, Bob kann man so nicht einfach in Worte fassen, den muss man in der Geschichte erleben.

Monas Abenteuer wird sie dann durch ihre ganze Stadt führen, manchmal in Kutschen, manchmal zu Fuß, und manchmal auf einem toten Pferd mitreitend. Aber zu dem toten Pferd will ich nichts weiter sagen, denn vielleicht wird es dann zwischen Abenteuer und Backwaren auch ein paar traurige Momente geben, die einem dann unerwartet ans Herz gehen. Manchmal war es mir ein bisschen zu viel Hin und Hergerenne in der Geschichte, aber das ist wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt.

Das magische System dieser Welt fand ich auch ganz interessant. Hier sollte man allerdings nicht zu viel Hintergrunderklärung erwarten. Allerdings sind die magischen Menschen in dieser Welt häufig Ausgestoßene. Obwohl Mona in einer sehr liberalen Stadt lebt, gibt es trotzdem Nachbarn, die Magie mit einer gerümpften Nase sehen. Dabei kann man sich nicht aussuchen, ob man mit Magie geboren wird oder nicht. Dieser Blick auf Exklusion und Diskriminierung hat mir hier gut gefallen.

Am Ende wird es dann schon auch episch, und es gilt die ganze Stadt zu retten. Ich fand die Art und Weise, wie das dargestellt wurde, total schön. Es geht viel mehr um Kooperation als um die magischen Fähigkeiten irgendeiner Person. Es passt auch gut in das Narrativ, dass auch die Kleinsten ihre Welt retten können. Aber wie gesagt, ganz ohne Verluste kommt die Geschichte nicht aus, und dann wird es auch traurig.

Insgesamt kann ich euch das Buch empfehlen, wenn ihr es ein bisschen gemütlich, ein bisschen albern, und ein bisschen abenteuerreich mögt. Der Humor von T Kingfisher ist für mich einfach unschlagbar. Ihr solltet aber bedenken, dass dieses Buch - im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Bücher - für ein jüngeres Publikum geschrieben ist. Auch wenn man Mona ihr Alter nicht immer anmerkt, liest man hier schon ein Jugendbuch. Aber damit will ich nicht sagen, dass man es als Erwachsener nicht auch genießen kann.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 4. März 2024

The Undertakers


Hallo meine Mysteryfreunde,

ich bin heute etwas traurig, denn eigentlich wäre ich morgen ein paar Tage weggefahren, zwar für die Arbeit, aber etwas Schönes. Dank Bahnstreik konnte ich das heute alles absagen und es wird stattdessen ein Onlinemeeting. Aber was soll's. Dafür habe ich statt Kofferpacken Zeit euch von einem Buch zu erzählen, das ich kürzlich beendet habe.

Die Fakten:

  • Autor: Nicole Glover
  • Sprecher: Bahni Turpin
  • Titel: The Undertakers
  • Reihe: Murder & Magic 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 14 Std 35min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Nothing bothers Hetty and Benjy Rhodes more than a case where the answers, motives, and the murder itself feel a bit too neat. Raimond Duval, a victim of one of the many fires that have erupted recently in Philadelphia, is officially declared dead after the accident, but Hetty and Benjy’s investigation points to a powerful Fire Company known to let homes in the Black community burn to the ground. Before long, another death breathes new life into the Duval investigation: Raimond’s son, Valentine, is also found dead. Finding themselves with the dubious honor of taking on Valentine Duval as their first major funeral, it becomes clear that his passing was intentional. Valentine and his father’s deaths are connected, and the recent fires plaguing the city might be more linked to recent community events than Hetty and Benji originally thought."

Zur Handlung: Hetty and Benjy versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Dazu klären sie einerseits weiter Verbrechen gegen Schwarze Personen auf, andererseits will Hetty auch ein erfolgreiches Bestattungsgeschäft aufbauen. Allerdings scheint letzterem etwas im Wege zu stehen, denn obwohl Menschen nun einmal sterben, haben sie keinerlei Kunden. Deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mitten in einen neuen Fall zu stürzen.

Hettys Ziehvater hat die beiden gebeten den Tod eines seiner Freunde aufzuklären. Doch die Erklärung, die sie finden, erscheint zu simpel und zu perfekt. Kaum haben die beiden den Fall zu den Akten gelegt, deuten neue Hinweise darauf hin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben. Und das könnte zum Tod von weiteren Personen führen...

Dies ist der zweite Band, der diesen beiden Figuren folgt. Über The Conductors hatte ich euch schon vor einiger Zeit mal berichtet. Ich mochte den ersten Band, war aber nicht völlig verliebt. Daher hatte ich es auch nicht zu eilig, die Fortsetzung zu lesen. Davon abgesehen behandelt jedes Buch seinen eigenen Fall, nur die zentralen Charaktere bleiben gleich. Irgendwie wollte ich nun aber wissen, wie es mit Hetty, Benjy, Penelope und den anderen weitergeht.

Das zweite Buch steht dabei fest in den Fußstapfen des ersten Bandes. Ich mochte die Charaktere, ich finde das Magiesystem spannend aber nicht super gut erklärt, und manchmal ist es einfach viel zu praktisch, und der Fall ist etwas unnötig kompliziert, weil verschiedene Zeitebenen und Geheimnisse miteinander verwoben werden. Daher ist auch meine Gesamteinschätzung ziemlich die gleiche wie nach Band 1: ich mochte das Buch, aber ich bin nicht absolut verliebt.

Im ersten Band lernten wir Hetty und Benjy kennen, die verheiratet sind, aber das eher weil es praktisch ist und nicht aus Liebe. Inzwischen hat sich das allerdings geändert, und die beiden führen eine liebevolle, partnerschaftliche Ehe. Sie wohnen außerdem in einem größeren Haus, zu dem auch die Bestattungsfirma gehört, die Hetty in Schwung bringen will. Ich habe diese beiden Charaktere einfach lieb gewonnen, Hetty die etwas aufmüpfigere, und Benjy mit seiner inneren Ruhe. Ich habe gern gelesen, wie es ihnen weiterhin ergeht. 

Auch die meisten Nebenfiguren kennen wir bereits, da der erste Fall sich in ihrem Freundeskreis abgespielt hatte. Zu diesem Freundeskreis gehören neben Ersatzschwester Penelope, die wundervolle Tränke braut, auch ein schwules Pärchen und ein Transmann. Ich finde es schön, dass die Autorin hier auch Diversität in ein historisches Setting einbaut, denn diese Menschen hat es immer schon gegeben. Außerdem sind alle zentralen Charaktere Schwarz. Zeitlich befinden wir uns hier wieder nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika, allerdings bekommen wir Zeitsprünge zurück in die Zeit, in der es Sklaverei noch gab, und sehen, wie Hetty und Benjy gemeinsam als Teil der Underground Railroad versklavte Menschen befreien.

Das magische System dieser Welt hat verschiedene Teile. Das meiste lernen wir über Celestial Magic, die die Schwarze Bevölkerung praktiziert. Diese Magie hat mit den Sternenbildern zu tun, aber mir bleibt sie auch im zweiten Band zu vage und zu praktisch - für jeden Situation können die Charaktere gefühlt ein beliebiges Sternenbild malen, und das macht dann etwas. Wenn diese sich dann in helfende Figuren verwandeln, muss ich manchmal unfreiwillig an Yu-Gi-Oh denken. Im ersten Band hatte wir außerdem gelernt, dass die Weißen Zauberstäbe für ihre Magie nutzen, das taucht hier am Rande auch auf. Außerdem war die Celestial Magic lange verboten, ein Zeichen der Unterdrückung.

Auch dieser Fall fängt zunächst etwas vage an, und es gibt sogar eine Zeit lang vermeintlich mehrere Fälle, die aber dann doch vielleicht alle auf den gleichen Täter zurückdeuten. Mit dem Verlauf der Geschichte sehen wir, dass er vielleicht auch viel näher an Hetty und Benjy herankommt, als die beiden ursprünglich dachten. Der Fall hat dabei auch mit der Vergangenheit zu tun, die wir in Rückblenden erzählt bekommen. Mir was das schon teilweise zu viel, es ist dann schwer genau zu verfolgen. Ich finde das aber nicht so schlimm, ich gehe einfach mit der Geschichte mit und schaue, wohin sie mich führt. Richtig zum Mitraten ist der Fall aber nicht unbedingt.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es gibt dann noch ein recht explosives Ende, bei dem auch viel auf dem Spiel steht. Die Auflösung des Falls war für mich dann gar nicht unbedingt so interessant, aber ich wollte sehen, dass unsere liebgewonnenen Charaktere in Sicherheit sind. Für mich hat es damit seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt empfehle ich dieses Buch, wenn ihr die Verbindung von Magie und Mystery mögt. Es lebt vor allem von den Hauptfiguren, der realistischen Diversität und dem Funkeln der Sternmagie. Wenn ihr allerdings selber mitraten und Theorien aufstellen wollt, wer der Täter war und warum, dann ist es vielleicht zu unübersichtlich und überfüllt. Außerdem solltet ihr keine zu schnell erzählte Geschichte erwarten, hier baut sich alles langsam auf, auch wenn es am Ende brenzlig wird und man mitfiebern kann. Ich denke, es ist nicht für jeden, aber mir hat es gefallen.

Zukünftige Bücher in dieser Welt scheinen anderen Charakteren zu folgen, aber ein weiterer Band soll dann Ende dieses Jahres erscheinen. Ich werde mir den sicherlich mal anschauen, denn ich mag diese Welt, aber ich werde Benjy und Hetty vermissen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 18. Februar 2024

A Dead Djinn in Cairo


Hallo meine Fantasyleser,

heute kommen wir zum Start einer Reihe, auf die ich mich sehr freue. Ich hatte sie schon sehr lange im Auge und habe letztes Jahr endlich die erste Novelle gelesen. Zwar habe ich bisher nicht weitergelesen, aber ich kann es kaum erwarten. Die Geschichten in dieser Welt variieren dabei stark in ihrer Länge, von einer Kurzgeschichte bis zu einem Roman. Dieser erste Band ist eher eine kurze Novelle.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Titel: A Dead Djinn in Cairo
  • Reihe: Dead Djinn Universe 1
  • Sprecher: Suehyla El-Attar
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Erschienen: 2019
  • Dauer: 1 Std 41min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "Egypt, 1912. In an alternate Cairo infused with the otherworldly, the Ministry of Alchemy, Enchantments, and Supernatural Entities investigate disturbances between the mortal and the (possibly) divine. What starts off as an odd suicide case for Special Investigator Fatma el-Sha’arawi leads her through the city’s underbelly as she encounters rampaging ghouls, saucy assassins, clockwork angels, and plot that could unravel time itself."

Zur Handlung: Fatma ist eine Agentin für ein Ministerium für Magie in Kairo und wird zu einem Fall gerufen, bei dem jemand scheinbar Selbstmord begangen hat. Dabei muss sie mit einem Kollegen zusammen arbeiten, mit dem die Luft ziemlich dick ist. Doch die beiden werden schnell in Dinge verwickelt, die ihre persönlichen Gefühle in den Hintergrund treten lassen.

So kämpfen sie sich durch die magische Unterwelt von Kairo, auf der Suche nach einem Wesen, das die ganze Welt in Gefahr bringen könnte. Eine große Rolle spielen dabei Automaten, die Engel beherbergen können, sodass diese auf der Welt umgehen können. Der Fall ist am Ende vielleicht viel weniger verworren, als Fatma denkt.

Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, seit ich diese erste Novelle der Reihe gehört habe, aber ich erinnere mich daran, dass ich sehr viel Spaß damit hatte. Ich lese sehr gern Mystery-Geschichten, aber besonders, wenn sie mit Magie versehen sind. Das macht oft einfach alles noch etwas unvorhergesehener, und kann auch die Bedrohung für die Welt erhöhen, wie wir hier sehen können.

Fatma als Hauptfigur mochte ich sehr. Sie ist als Frau eine Rarität in ihrem Ministerium und deswegen auch einiges von ihren männlichen Kollegen gewohnt. Dennoch lässt sie sich davon wegen einschüchtern, noch in irgendeine Ecke stellen. Sie ist stark und schlau und bereit für ihren Job alles zu machen. Ich mochte, wie das auch mit gängigen Klischees zu arabischen oder muslimischen Frauen steht.

Neben ihr haben wir noch ihren Kollegen, wobei ich hier vor allem die Gespräche der beiden mochte, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Er ist natürlich skeptisch, dass er mit Fatma zusammen arbeiten soll, aber merkt dann doch schnell, dass das gar nicht so schlecht ist. Außerdem haben wir dann noch eine Figur, die erst in der zweiten Hälfte auftaucht, aber vielleicht im Laufe der Reihe noch wichtiger wird? Sie fand ich auf jeden Fall sehr spannend, vor allem auch als möglicher Love Interest.

Hauptsächlich geht es natürlich um den Fall des vermeintlichen Selbstmords. Hier werden verschiedene Personen interviewt, die vielleicht Täter sind, und es wird auch in ein paar Fallen und Hinterhalte getappt. Dabei wird es auf jeden Fall spannend, und ich hatte teilweise schon Angst um die Charaktere und habe sehr mitgefiebert. Also Nervenkitzel garantiert.

Die Auflösung des Falls war dann nicht super spektakulär für mich, was bei so einem sehr kurzen Buch vielleicht auch schwierig ist. Trotzdem mochte ich so viele der anderen Elemente der Geschichte, dass mich das gar nicht gestört hat. Wenn ihr Mystery aber gar nicht mögt, ist das vermutlich keine Reihe für euch.

Das Besondere an diesem Buch ist definitiv das magische System. Wir haben eine alternative Geschichte, in der sich Ägypten erfolgreich gegen die Kolonalisten wehren konnte, aber Europäer trotzdem weiter in Kairo präsent sind. Das liegt auch an der Magie und den magischen Wesen, die es in dieser Welt gibt. Die Welt hat außerdem ein starkes Steam Punk-Gefühl, wie gesagt zum Beispiel aufgrund der Automaten, in denen Engel leben können.

Ich kann es kaum erwarten mehr aus dieser Welt zu lesen. Soweit ich weiß, folgen wir nicht immer Fatma, was ich etwas schade finde, aber sie taucht auf jeden Fall in der Reihe wieder auf, und darauf freue ich mich. Dieser Band war ein guter Einstieg in diese Welt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 13. Februar 2024

Ring Shout


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte ich euch von einer Novelle berichten, die ich letztes Jahr gehört habe, und die mir sehr viel Lesespaß gebracht hat, auch wenn es um ein ernstes und wichtiges Thema geht: Rassismus in den Vereinigten Staaten. Allerdings wird hier eine alternative Geschichte verfasst, in der Monster die Mitglieder des Kukluxklans unterwandern.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Sprecher: Channie Waites
  • Titel: Ring Shout
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 5 Std 36min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "In 1915, The Birth of a Nation casts a spell across America, swelling the Klan's ranks and drinking deep from the darkest thoughts of white folk. All across the nation they ride, spreading fear and violence among the vulnerable. They plan to bring hell to Earth. But even Ku Kluxes can die. Standing in their way are Maryse Boudreaux and her fellow resistance fighters, a foulmouthed sharpshooter and a Harlem Hellfighter. Armed with blade, bullet, and bomb, they hunt their hunters and send the Klan's demons straight to hell. But something awful's brewing in Macon, and the war on hell is about to heat up. Can Maryse stop the Klan before it ends the world?"

Zur Handlung: Maryse ist eine Monsterjägerin, doch die Monster, die sie jagt, sind mehr als außergewöhnlich. Verkleidet als Mitglieder des Kukluxklan sind die Kukluxe einer der Gründe, warum die Gewalt gegen Schwarze Personen in den USA immer mehr eskaliert. Doch diese Monster sind nicht leicht zu töten, sodass Maryse und ihre Kameradinnen sich ausgefallene Taktiken überlegen müssen, wie sie gegen diese Monster bestehen.

Doch als sie nach einem Einsatz zurückkehren zu ihren Kameradinnen, wird deutlich, dass es noch deutlich größere und bösere Monster gibt als die Kukluxe. Maryse muss sich fragen, wie sie diesen neuen Feind besiegen kann - bevor noch mehr weiße Menschen auf die Seite des Hasses wandern.

Ich glaube, wenn ihr bei dem Pitch "Bad-ass Schwarze Frauen gehen auf die Jagd nach Monstern im Kukluxklan" Lust bekommt, dann solltet ihr das Buch einfach lesen. Wenn nicht, dann kann ich euch auch nicht helfen. Dieses alternative Horror-Fantasy-Setting der Geschichte hat mir gut geholfen, denn die Monster sind eine Metapher für das, was so viel Schmerz in die Welt gebracht hat.

Maryse als Hauptfigur hat mir sehr gut gefallen. Sie ist eine starke, begabte Frau, die sich nicht auf einen Mann verlassen muss, sondern selbst gut durchs Leben kommt. Das heißt nicht, dass sie ohne Liebe lebt, sondern dass sie frei ist zu lieben, wie sie möchte. Außerdem ist sie ihren Kameradinnen gegenüber loyal und verlässlich, und würde alles tun sie zu schützen. Und sie hat absolut keine Angst, dem Bösen ins Auge zu blicken - oder in den Mund?

Neben Maryse gibt es noch einige andere Charaktere, die aber nicht so im Fokus stehen, weil es nur eine Novelle ist. Trotzdem habe ich gerade ihre Kampfgefährtinnen so lieb gewonnen. Wer aber dann noch heraussticht, ist der Bösewicht, den Maryse bekämpfen wird. Hier will ich aber nichts spoilern. Nur so viel: ich kann einen Fleischer nie wieder mit den gleichen Augen sehen.

Dieses Buch wird, was die Horror-Fantasy-Elemente angeht, sehr wild. Darauf sollte man sich einlassen können. Ich habe kein Problem damit, ein Buch einfach mal machen zu lassen und zu schauen, wo es mich hinbringt. Aber wenn man lieber schöne stringente Geschichte ohne die wildesten Fantasie-Auswüchse möchte, dann ist das hier vielleicht nicht die richtige Geschichte. Außerdem muss ich warnen: es wird schon auch echt gruslig und eklig. Zumindest war es so für mich.

Wir bekommen dann auch ein recht großes Finale, wo alles auf dem Spiel steht. Also P Djèli Clark hält in diesen wenigen Seiten/Minuten wirklich nichts zurück. Ich habe mit Maryse mitgefiebert und letztlich fand ich das Ende auch sehr befriedigend, wenn auch eben... echt wild und - kann man das kreativ nennen?

Alles in allem kann ich euch diese Novelle nur empfehlen. Wenn ihr eine ähnliche Geschichte möchtet, die nicht ganz so abgespacet und gruslig/eklig wird, dann empfehle ich stattdessen Dread Nation - da geht es ums Zombie-Jagen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Aber irgendwie merke ich, solche Monsterjäger-Geschichten sagen mir wirklich zu, da hab ich viel Spaß mit.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: