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Mittwoch, 6. März 2024

We Deserve Monuments


Hallo meine Lieblingsleser,

wir machen heute weiter mit meinen guten Vorsätzen, und ich berichte euch direkt von einem Buch, das ich ganz frisch fertig gelesen habe. Und oh boy, war das ein Buch. Ich hatte schon ein bisschen was darüber gehört, tatsächlich nur Gutes, und dann war es auf Audible mit dem Abo kostenlos verfügbar. Da konnte ich nicht nein sagen.

Die Fakten:

  • Autor: Jas Hammonds
  • Titel: We Deserve Monuments
  • Sprecher: Tamika Katon-Donegal
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 10 Std 22min
  • Preis: kostenlos im Abo
  • Klappentext:

    "What’s more important? Knowing the truth or keeping the peace? Seventeen-year-old Avery Anderson is convinced her senior year is ruined when she's uprooted from her life in DC and forced into the hostile home of her terminally ill grandmother, Mama Letty. The tension between Avery’s mom and Mama Letty makes for a frosty arrival and unearths past drama they refuse to talk about. Every time Avery tries to look deeper, she’s turned away, leaving her desperate to learn the secrets that split her family in two. While tempers flare in her avoidant family, Avery finds friendship in unexpected places: in Simone Cole, her captivating next-door neighbor, and Jade Oliver, daughter of the town’s most prominent family—whose mother’s murder remains unsolved. As the three girls grow closer—Avery and Simone’s friendship blossoming into romance—the sharp-edged opinions of their small southern town begin to hint at something insidious underneath. The racist history of Bardell, Georgia is rooted in Avery’s family in ways she can’t even imagine. With Mama Letty's health dwindling every day, Avery must decide if digging for the truth is worth toppling the delicate relationships she's built in Bardell—or if some things are better left buried."

Zur Handlung: Avery kann sich Schöneres vorstellen, als aus DC weg nach Georgia zu ziehen, wo ihre Großmutter, an die sie sich nicht erinnern kann, an Krebs erkrankt ist und nicht mehr lange leben wird. Aber nach ihrer Trennung von ihrer Freundin kann es Neuanfang vielleicht auch gut sein. Zumindest kann sie sich an ihrer neuen Nachbarin Simone kaum satt sehen.

Doch je länger Avery und ihre Familie im Haus ihrer Großmutter Mama Letty verbringen, desto deutlicher wird, wie unwahrscheinlich eine Versöhnung von Großmutter und Mutter ist. Und Avery fühlt sich zwischen den Stühlen, denn sie versucht nun verspätet eine Beziehung zu ihrer Großmutter herzustellen, während sie weiß, dass ihr wichtiges Wissen fehlt, um ihre eigene Familie wirklich zu verstehen.

Wenn man diese Geschichte beginnt, weiß man schon, dass hier kein Happy End wartet. Die Frage ist daher, kann es wenigstens bitter-süß werden. Mich hat es auf jeden Fall durch einen ganzen Haufen von Gefühlen geführt, mit Wut und Freude und Trauer und allem dazwischen. Es hat mich auch an ein paar Dinge erinnert, die in meiner Familie so angefallen sind, und die Mauern, die wir manchmal aufbauen müssen, um uns selbst zu schützen - aber manchmal auch einreißen müssen, um uns selbst vergeben zu können.

Avery als Hauptfigur hat mir größtenteils gut gefallen. Bisher war sie das absolute Vorzeigekind. Sie war gut in der Schule, immer zusammen mit ihren Streberfreundinnen, die schon seit Jahren planen auf welche Top-Colleges sie gehen wollen. Doch angeregt durch ihre neue Situation fokussiert sie sich nun zunehmend auf die Geschichte ihrer Familie und die Geheimnisse, die dort lauern, werden ihr sehr viel abgewinnen. Das führt dann auch zu einigen Wutausbrüchen, die einerseits verständlich sind für eine Teenagerin, andererseits dann schon manchmal schwer zu lesen waren. 

Rund um Avery haben wir verschiedene zentrale Charaktere. Als wichtigstes sind da Mama Letty und Averys Mutter, die eine Astrophysikerin ist. Mama Letty ist eine verbitterte alte Frau, der in ihren jüngeren Jahren etwas geschehen ist, was sie nie verarbeiten konnte. Averys Mutter ist eine zielstrebige Frau, die sich den Weg nach oben erkämpft hat, um ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Doch nun wird sie in diese Erinnerungen hineingesaugt und verliert dadurch auch die Kontrolle, die sie sich so hart erkämpft hat. Dann haben wir noch Simone, zu der Avery romantische Gefühle entwickelt. Ich mochte Simone sehr und habe sehr mit ihr mitgefühlt. Und darüber hinaus haben wir Jade, Simones beste Freundin, die selber wenig Glück mit ihrer Familie hat und mit der ich deswegen auch teilweise mitgefühlt habe, Averys Vater, der sich für einen Mann sehr gekonnt aus dem Mittelpunkt heraushalten kann, wenn es nicht um ihn geht, und Simones Mutter, die über einen steinigen Weg zu Gott gefunden hat und es nun damit vielleicht ein bisschen übertreibt.

Ich würde sagen im Kern ist dieses Buch ein Familiendrama, in dem es vor allem um die langfristigen Auswirkungen von Rassismus und Gewalterfahren über die Generationen hinweg geht. Daneben haben wir ein bisschen Romanze, weil wir sehen, wie sich Avery und Simone annähern, und welche Hindernisse sie als gleichgeschlechtliches Paar im Süden Amerikas überwinden müssen. Und wir haben zwei zentrale Mysterys: was ist das Geheimnis von Averys Familie, was die Großmutter so kaputt gemacht hat, und was ist mit Jades Mutter geschehen, die vor ungefähr 15 Jahren ermordet wurde. Allerdings würde ich hier nicht zu viel Mystery erwarten, wir erfahren die Antworten eher nebenher, während wir das Familiendrama verfolgen.

Von den genannten zentralen Figuren sind nur Jade und Averys Vater weiß, Avery ist damit mixed-race. Dieser Fokus auf das Leben und die Geschichte von Schwarzen Personen in den USA hat mir gut gefallen. Vor allem weil wir manchmal denken, dass bestimmte Geschehnisse so lange her seien, aber dann eben doch nur ein oder zwei Generationen zwischen uns und diesen Verbrechen liegen. Mir gefällt aber auch, dass das Buch es schafft diese grausame Geschichte und die heutigen Schwierigkeiten, die durch Diskriminierung immer noch bestehen, mit Momenten der Freude auszubalancieren, sodass kein pures Trauerspiel daraus wird, sondern ein komplexes Wirken des echten Lebens.

Für das Ende solltet ihr euch dann ein paar Taschentücher bereitlegen. Es gibt Grund für traurige und freudige Tränen - eben bittersüß. Mich hat das Buch auf jeden Fall mitgenommen und auch viel in mir ausgelöst beim Hören. Ich hoffe, dass es mir noch etwas im Kopf bleiben wird, weil mein größtes Bedenken ist, dass dies ein Buch ist, das ich zu schnell wieder vergesse.

Alles in allem will ich es euch aber unbedingt ans Herz legen. Auch wenn ihr vielleicht keine Jugendbücher mehr lest oder hört, würde ich sagen, dass hier für alle Altersgruppen etwas dabei ist. Auch wenn wir uns vielleicht nicht mehr mit Avery identifizieren können, sie sehen wir auch das Innenleben von Averys Mutter zum Beispiel, das ich sehr bewegend fand. Und manche Wahrheiten müssen wir alle immer wieder hören, um sie nicht zu vergessen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 22. Februar 2024

The Changeling


Hallo meine Horrorhasen,

machen wir direkt weiter mit einem Buch, das ich gerade erst beendet habe. Victor LaValle habe ich schon lange auf meiner Wunschliste gehabt, und letztes Jahr war er mit seinem neuen Buch sehr erfolgreich. Ich wollte trotzdem gern mit diesem beginnen, weil es viele Preise gewonnen und viel gelobt worden ist. Und ich bereue diese Entscheidung nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Victor LaValle
  • Sprecher: Victor LaValle
  • Titel: The Changeling
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Random House Audio
  • Dauer: 14 Std 2min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "When Apollo Kagwa's father disappeared, he left his son a box of books and strange recurring dreams. Now, Apollo is a father himself - and as he and his wife, Emma, settle into their new lives as parents, exhaustion and anxiety start to take their toll. Apollo's old dreams return, and Emma begins acting odd. At first, Emma seems to be exhibiting signs of postpartum depression. But before Apollo can do anything to help, Emma commits a horrific act and vanishes. Thus begins Apollo’s quest to find a wife and child who are nothing like he'd imagined. His odyssey takes him to a forgotten island, a graveyard full of secrets, a forest where immigrant legends still live, and finally back to a place he thought he had lost forever."

Zur Handlung: Alles beginnt mit einer jungen Frau, die aus Afrika in die USA flieht, und dort einen weißen Mann kennen lernt. Alles beginnt mit seinem Durchhaltevermögen, wenn sie nicht einwilligen will mit ihm auf ein Date zu gehen. Alles beginnt mit der Geburt ihres Sohnes Apollo, der zu einem Jungen heranwächst, der Alpträume zum Verschwinden seines Vaters hat, und Bücher liebt. Alles beginnt mit einem Bibliotheksverkauf, bei dem dieser Junge, nun selbst erwachsen, die Liebe seines Lebens trifft, und ein Jahr darauf wartet, dass sie von einem Abenteuer zurückkehrt. Alles beginnt mit der Geburt seines Sohnes.

In dieser Geschichte folgen wir den komplizierten Familiendynamiken der Kagwas und den Geheimnissen, die die Familienmitglieder voreinander bewahren. Vermischt wird das ganze mit mythischen Sagen, die vielleicht wahr sind, aber vielleicht auch nur dazu dienen, das Schrecklichste irgendwie verständlich zu machen. Und die Frage, die sich Apollo Kagwa stellen muss: ist er ein guter Vater?

Wenn man dieses Buch zu lesen beginnt, dann ist zunächst nichts davon Horror. Es ist eher eine Familiengeschichte, die auch noch sehr romantisch und mit viel Feingefühl erzählt wird. Das bleibt so für das erste Viertel des Buches. Der Autor nimmt sich Zeit die Charaktere vorzustellen und ein kleines realistisches Idyll einer Familie aufzubauen, sodass dann die Fallhöhe noch größer ist. Und oh mein Gott, war die Fallhöhe große.

Apollo als Hauptcharakter ist an sich gut gewählt, aber war für mich persönlich manchmal anstrengend. Er versucht so sehr ein guter Vater zu sein. Dabei gibt es einige Kommentare zu den "New Dads", und auch einige Fehler, die er begeht, die man im Jahr 2024 meilenweit sehen sollte. Aber natürlich ist das bis heute nicht bei allen angekommen, und 2017 sah das noch ganz anders aus. Was ich hier so kryptisch umschreibe, ist zum Beispiel die Tatsache, dass man keine 100 Fotos seines Kindes einfach ins Internet stellt, egal wie sehr man sich nach Likes sehnt.

Neben Apollo haben wir zwei wichtige Frauen. Einerseits ist da seine Mutter, die ihn zum Großteil allein aufgezogen hat, und wo definitiv Geheimnisse ans Licht komment werden. Ich mochte diese Frau, die so viel auf sich genommen hat, um ein Leben in den USA zu starten. Doch wie das immer so ist mit Eltern und Kindern, weiß Apollo nicht alle ihre Opfer zu schätzen. Und dann haben wir Emma, die ich am Anfang sehr mochte. Sie ist Bibliothekarin und für Apollo nicht leicht herumzukriegen. Doch nach und nach entfremden sich Apollo und Emma, und dadurch wird Emma auch eine Fremde für uns Leser.

In diesem Buch steckt sehr viel drin und es passiert auch sehr viel. Wie gesagt, der Anfang liest sich nicht wie ein Horror. Im zweiten Viertel passieren dann sehr grausame und schreckliche Dinge, sodass da eher Horrorgefühle aufkommen. Dann wandelt es sich aber eher Richtung Thriller, denn Apollo versucht herauszufinden, warum diese schrecklichen Dinge geschehen sind, und begibt sich auf eine Art Jagd. Am Ende erfahren wir dann, was das Übel ist, was hinter allem steht, und dann kommen Horrorelemente zurück. Alles in allem ist das für mich aber kein klassischer Horrorroman, auch wenn viel Schreckliches darin geschieht.

Ich würde auf jeden Fall allen Personen abraten dieses Buch zu lesen, die gerade frisch Eltern geworden sind oder in nächster Zeit (nochmal) Eltern werden. Das Buch beschäftigt sich viel mit dem Verlust von Kindern und mit deren Verschwinden. Gleichzeitig kommen auch Themen wie Post Partum Depressionen vor. Allerdings ist es auch nicht unbedingt das perfekte Buch, wenn ihr nicht gern über Kinder lest, denn vor allem in dem ersten Viertel werden dann doch ziemlich viele Windeln gewechselt. Ich habe mich durch den Teil etwas durchgebissen, ging schon.

Ich fand die Auflösung am Ende nicht perfekt gelungen. Es gibt dann doch noch viele lose Fäden, zu denen ich nicht genug Antworten bekommen habe, um das Buch zu einem neuen Favoriten zu machen. Es ist schwer das ohne spoilern zu erklären, aber für mich hat es gar keinen Sinn gemacht, dass Apollo und Emma die ersten sind, die etwas gegen das Übel unternehmen. Dass sie vielleicht als erste erfolgreich sind, ok, aber niemand hat sich da mal aufgelehnt? Mit allem, was die so wissen?

Trotzdem hat das Buch viele wundervolle Momente, viele schaurige Momente, und es nimmt einen wirklich mit auf eine Reise. Ich bin sehr froh, dass ich das Buch endlich gelesen habe, auch wenn das Grundkonzept von einem Changeling, also einem Kind, das einem von magischen Wesen untergejubelt wird, für mich eher abschreckend war. Aber es hat sich gelohnt und ich werde mehr Victor LaValle lesen.

Wenn ihr Apple TV+ habt, könnt ihr euch zum Buch auch eine Serie anschauen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 20. Februar 2024

Go Tell It on the Mountain


Hallo meine Lesehasen,

wir versuchen es heute mal wieder mit einem Buch, das ich gerade erst gestern beendet habe. Vielleicht werde ich dieses Jahr ja wirklich wieder eine richtige Bloggerin. Na zumindest stand James Baldwin schon ganz lange auf meiner Liste von Autoren, die ich lesen will. Wie das aber oft so ist, wusste ich nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Also habe ich mich jetzt für seinen ersten Roman entschieden. Am Anfang anfangen mag ich immer am liebsten.

Die Fakten:

  • Autor: James Baldwin
  • Titel: Go Tell It on the Mountain (dts. Gehe hin und verkünde es vom Berg / Von dieser Welt)
  • Erschienen: 1954
  • Verlag: Peguin Modern Classics
  • Seiten: 256
  • Preis: 13,00 Euro
  • Klappentext: "Drawing on his boyhood in a religious community in 1930s Harlem, he tells the story of young Johnny Grimes. Johnny is destined to become a preacher like his father, Gabriel, at the Temple of the Fire Baptized, where the church swells with song and it is as if `the Holy Ghost were riding on the air´. But he feels only scalding hatred for Gabriel, whose fear and fanaticism make him cruelly abuse his family. Johnny vows that, for him, things will be different. This blazing tale is full of passion and guilt, of secret sinners and prayers singing on the wind."

Zur Handlung: John ist 14 Jahre alt, als er feststellt, dass er für seinen Vater nur Hass empfindet. Er lebt mit Vater, Mutter, jüngerem Bruder Roy und den beiden jüngeren Schwestern zusammen. Die Familie ist geprägt von den religiösen Ansichten und der Gewalt des Vaters. Die Mutter versucht ihre Familie zusammenzuhalten, doch Roy, der sich von niemandem etwas sagen lässt, stört den fragilen Frieden immer wieder.

So ist es auch an Johns Geburtstag, den er -sündigend- in einem Kino verbringt. Als er mit schlechtem Gewissen nach Hause kommt, hat sein jüngerer Bruder es geschafft von weißen Teenagern in Konflikt zu geraten - und diesen Konflikt hat er verloren. Die ganze Familie -inklusive der Tante Florence- ist in Aufruhr. Am eindrücklichsten ist jedoch, wie es in keiner Szene zu Beginn dieses Buches wirklich um John geht...

Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass das kein Gute-Laune-Buch wird, und das ist auch gut so. Viele Themen, die hier aufgegriffen werden, sind tieftraurig, und das meiste davon macht einen auch wütend auf die Menschheit, wie wir uns immer wieder gegenseitig so viel Mist antun können. Das ist hoffentlich nicht überraschend, sollte euch aber bei diesem Buch, das sich um Rassismus, Religion, Gewalt und Seximus dreht, bewusst sein.

John ist in einer Weise unsere Hauptfigur, und mit ihm fühlen wir als erstes mit, denn wir sehen seine Familie mit seinen Augen. Er ist ein ruhiger Junge, der eigentlich keinen Ärger macht. Alle erwarten, dass er in die Fußstapfen des Vaters treten und sein Leben der Kirche übergeben wird. Das hat John so lange gehört, dass er es nie in Frage gestellt hat - bis jetzt zu seinem Geburtstag. Was John an diesem Tag zu erlebt, hat mich sehr für ihn fühlen lassen, auch wenn ich am Ende dann etwas abgehängt wurde, weil ich mit Glauben nicht viel am Hut habe.

Das Buch hat aber eine interessante Erzählstruktur, wo wir nach dem ersten Teil John etwas hinter uns lassen und in Teil zwei jeweils die Perspektive der Tante Florence, des Vaters Gabriel und der Mutter Elizabeth bekommen. So erfahren wir, welcher Weg diese jeweils dahin geführt hat, wo wir sie durch Johns Augen gesehen haben. Dadurch wird unser Blick auf diese dysfunktionale Familie völlig abgerundet. Die Geschichte von Florence und Elizabeth sind dabei sehr traurig und geprägt von der Unterdrückung der Frauen in dieser Zeit. Beide sind starke und eigensinnige Frauen, die dennoch wissen, dass ihr Glück davon abhängt, einen guten Mann zu finden. Das gelingt allerdings beiden durch verschiedene Gründe nicht.

Am verstörendsten ist allerdings das Kernstück dieses Buches, die Auseinandersetzung die Baldwin mit seinem eigenen Vater hat, und das geschieht im Kapitel von Gabriel. Auf der Rückseite des Buches steht als Zitat von Baldwin "I had to deal with what hurt me most. I had to deal with my father". Gabriel ist ein Mann, der alle Menschen um sich herum verletzt, sei es die Mutter, die Schwester, die erste Ehefrau, die Geliebte oder jetzt seine Familie. Und das tut er in absoluter Ahnungslosigkeit, weil er sich als der Bestimmte von Gott empfindet. Es ist wirklich schwer zu lesen, und gleichzeitig muss ich Baldwin dafür applaudieren, wie er hier die Gefühlswelt so eines Charakters auf die Seiten bringen kann.

Wie gesagt, dieses Buch beschäftigt sich auch mit Rassismus, aber dieser ist etwas, was vor allem im Hintergrund dieser Lebensläufe der Charaktere permanent mitschwingt. Alle Charaktere in diesem Buch sind vom Rassismus in den USA geprägt, und hier allen Geschehnissen steht dieser wie ein Schatten. Aber viel zentraler geht es um Religion, ein Thema, das auch Baldwin lange in seinem Leben beschäftigt hat. Hier hätte ich mir aber noch etwas mehr gewünscht, denn wir bleiben innerhalb dieses einen Tages im Leben von John, und so sehen wir nicht, wie es mit ihm und der Religion schließlich weitergeht.

Was ich kurz noch erwähnen möchte, ist, dass wir zwischen John und einem anderen Jungen in der Kirche eine sehr starke Anziehung sehen. Diese wird nicht explizit als romantisch beschrieben, aber man kann auf jeden Fall homosexuelle Tendenzen in den Interaktionen herauslesen. Das wird hier nicht weiter aufgearbeitet, aber es hat mich gespannt darauf gemacht, Giovanni's Room als nächstes zu lesen.

Alles in allem würde ich euch dieses Buch empfehlen, wenn euch die Themen interessieren. Ich fand es sehr gut und verständlich geschrieben, die Charaktere waren wunderbar herausgearbeitet, und wir bekommen so einen tiefen Blick auf diese Menschen, ihre Fehler, ihre Schwächen, ihre Träume. Ich werde auf jeden Fall mehr Baldwin lesen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 11. Februar 2024

White is for Witching


Hallo meine Lieblingsleser,

eine Autorin, die ich 2023 endlich testen wollte, war Helen Oyeyemi. Ich habe schon viel über ihre Bücher gehört, vor allem dieses, und es war immer alles sehr durchmischt. Das hat meine Neugier aber geweckt, sodass ich letztes Jahr endlich mal selbst geschaut habe, ob mir diese Autorin zusagt.

Die Fakten:

  • Autor: Helen Oyeyemi
  • Titel: White is for Witching
  • Erschienen: 2009
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 245
  • Preis: 12,50 Euro
  • Klappentext: "The mazy house on the cliffs near Dover has been home to generations of Silver women - and it never lets them go. Reeling from the sudden death of her mother Lily, Miranda Silver is newly resident, young and bright and vulnerable. In this place where apples grow in the depths of winter and secret floors are revealed in the night, she starts to eat chalk and to hear voices. As slowly she too begins to disappear, her twin brother Eliot and her best friend Ore are left asking Where is Miranda? But only the house has the answer, and in this spine-tingling tale of magic and memory, the house isn't telling..."

Zur Handlung: Als ihre Mutter Lily stirbt, sind Eliot und Miranda gerade in dem Alter die Schule abzuschließen und an die Uni zu gehen. Allerdings verstärkt der Verlust Mirandas Essstörung, sodass sie in Behandlung muss und viel Schule dadurch verpasst. Als sie nach Hause zurückkehrt und erfährt, dass ihr Bruder ohne sie studieren gehen will, beschließt sie allerdings, trotzdem einen Platz an der Eliteuni zu bekommen, an die er gehen will.

An dieser Uni lernt sie dann Ore kennen, eine Schwarze Mitstudentin. Die beiden verbindet schnell eine intensive Freundschaft und vielleicht auch mehr, und Miranda beschließt irgendwann, Ore nach Hause einzuladen. Aber vielleicht ist es für Ore nicht sicher, Mirandas Haus zu betreten.

Es ist unheimlich schwer, dieses Buch zusammenzufassen, weil die Handlung selbst eigentlich nicht so wichtig ist. Stattdessen geht es vor allem um die Atmosphäre, das Haus und die Charaktere. Aber auch der Schreibstil ist hier sehr besonders, was man direkt auf den ersten Seiten merkt, wo man irgendwie keine Ahnung hat, was eigentlich passiert.

Im Buch haben wir mehr oder weniger drei zentrale Figuren. Das meiste dreht sich um Miranda, die eine Essstörung hat und Kreide essen will. Hier sollte jeder selbst entscheiden, ob das ein Thema ist, worüber ihr lesen wollt und könnt oder nicht. Sie wirkt von der Welt distanziert, manchmal wie aus einer anderen Welt. Aber gleichzeitig ist sie auch eine junge Erwachsene, und vor allem in der Beziehung mit Ore findet sie auch mehr Leidenschaft. Ich fand sie interessant, aber ich wöllte sie jetzt nicht im echten Leben treffen.

Ihr Bruder Eliot tut einem manchmal ein wenig Leid, aber verdient das vielleicht gar nicht. Er ist der Zwilling und hat sein ganzes Leben mit Miranda verbracht. Wir sehen, dass das Spuren hinterlässt. Der Moment, wo sie beschließt an seiner Zieluni angenommen zu werden, hat mir echt weh getan, weil wir so die Welt aus seiner Perspektive an einem perfekten Beispiel sehen. Und man kann sich dann echt streiten, ob er ein gutes Bruder ist oder nicht. Ob er einfach ausgebrannt ist. Ich fand diesen Blick auf jeden Fall auch spannend.

Und schließlich haben wir in der zweiten Hälfte des Buches dann Ore. Hier regt mich erstmal der Klappentext auf, denn wenn man das Buch liest, dann sind Ore und Miranda nicht "beste Freundinnen", sondern zwischen den beiden entspannt sich eine sehr intensive und leidenschaftliche Beziehung. Dennoch ist Ore auch ein bisschen die vernünftige Person in diesem Buch. Sie ist Schwarz und weiß, dass ihr das das Leben schwerer machen wird. Das sehen wir schon bei ihrem ersten richtigen Auftreten im Buch während der Aufnahmetests an der Uni. Trotzdem kann sie sich Mirandas Bann nicht entziehen, auch wenn sie das vielleicht in Gefahr bringt.

Als weiteren Charakter haben wir dann das Haus, und das Haus war für mich am schwersten zu durchschauen. Dieses Haus liebt die Frauen dieser Familie, aber es lässt sie auch nicht los. Gleichzeitig hat das Haus eine ganz klare Einstellung People of Color gegenüber, was wir an mehreren Beispielen sehen können. Und das Haus ist auch nicht super begeistert davon, dass es jetzt ein kleines Hotel ist. Ich bin wirklich gespannt das Buch nochmal zu lesen und zu schauen, wie viel ich dann besser verstehe.

Worum es letztlich wirklich in diesem Buch geht, müsst ihr selbst herausfinden. Es ist auf jeden Fall eins dieser Bücher, für das ich mich zu dumm fühle. Gleichzeitig baut es eine tolle Atmosphäre auf, die fast schon aus den Seiten heraustritt. Ich mochte auch den Blick auf Miranda und ihre Essstörung, auch wenn ich nicht bewerten kann, wie akkurat die Darstellung ist. Aber das Haus geht einem so schnell nicht aus dem Kopf.

So seltsam wie Helen Oyeyemis Bücher sind, so seltsam liest sich sicher auch diese Review. Aber vielleicht hat es ja trotzdem oder gerade deswegen euer Interesse geweckt. Ich habe auf jeden Fall schon das nächste Buch von ihr hier bereit liegen, wenn ich wieder Lust auf weird bekomme.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 6. Februar 2024

Passing


Hallo meine Lesefreunde,

ich möchte mal wieder versuchen, ein paar Bücher aus dem letzten Jahr aufzuholen. Ich habe letztes Jahr das erste Mal über 100 Bücher gelesen, und ich habe nur einen kleinen Bruchteil hier vorgestellt. Keine Ahnung, ob ich je alle hier hochgeladen bekomme, aber zumindest meine Favoriten will ich schaffen. Und damit sind wir bei dem heutigen Klassiker aus der Harlem Renaissance, der mir so gut gefallen hat.

Die Fakten:

  • Autor: Nella Larsen
  • Titel: Passing (dts. Seitenwechsel)
  • Erschienen: 1929
  • Verlag: Signet Classic
  • Seiten: 141
  • Preis: 6,48 Euro
  • Klappentext: "[...] a fascinating exploration of race and identity set amidst the blossoming Harlem Renaissance. Irene Redfield is a Black woman living an affluent, comfortable life with her husband and children in the thriving neighborhood of Harlem in the 1920s. When she reconnects with her childhood friend Clare Kendry, who is similarly light-skinned, Irene discovers that Clare has been passing for a white woman after severing ties to her past - even hiding the truth from her racist husband. Clare finds herself drawn to Irene's sense of ease and security with her Black identity and longs for the community (and, increasingly, the woman) she lost. Irene is both riveted and repulsed by Clare and her dangerous secret, as Clare begins to insert herself - and her deception - into every part of Irene's stable existence."

Zur Handlung: Irene ist eine wohlhabende Schwarze Frau, die an einem besonders heißen Tag in eine Teestube geht und dort eine alte Bekannte trifft: Clare, die als weiße Frau lebt, obwohl sie einer Schwarzen Familie entstammt. Irene ist davon angezogen und abgestoßen zugleich. Es folgt ein sehr aufwühlendes Treffen mit Clare, einer weiteren alten Bekannten und Clare's Ehemann, der viele rassistische Dinge sagt, weil er sich in weißer Gesellschaft wähnt. Danach ist Irene fertig mit Clare, zumindest dachte sie das.

Jahre später erhält Irene einen Brief, und an der Schrift erkennt sie direkt, dass es sich um Clare als Absenderin handelt. Sie möchte ihn am liebsten ignorieren, doch eine gewisse Neugier steckt noch in ihr. Doch mit der Zeit wird Clare sich wieder einen Weg in Irenes Leben bahnen, und sich noch fester darin verwickeln, als Clare geahnt hat.

In dieser Geschichte folgen wir zwei Frauen, die sich früher gut kannten, aber nun Leben führen, die verschiedener nicht sein könnten. Während Irene mit ihrem Ehemann, der Arzt ist, ein gutes Leben führt und eine Familie hat, in ihrer Community eingebunden ist, und nur selten ausnutzt, dass Personen sie nicht als Schwarze, sondern als weiße Frau lesen, lebt Clare als vermeintlich weiße Frau isoliert mit einem Ehemann, der Rassist ist, und sehnt sich offensichtlich nach einer Verbundenheit zu ihrer eigenen Herkunft. Ich persönlich finde dieses Thema so interessant, denn es wirft die Frage aus, wie sich Clares Entscheidung denn lohnen kann bei dem Preis, den sie bezahlt. Und dann sind wir schnell bei Themen wie Diskriminierung, Rassismus und Hass.

Irene als Hauptcharakter hat mir gut gefallen. Mit ihr fühlen wir die gleiche seltsame Anziehung von Clare, die gleichzeitig auch abstoßend ist, weil sie sich für ein Leben in so einem goldenen Käfig entschieden hat. Irene selbst ist von ihren Beobachtungen verwirrt und kann ihre Neugier dahingehend schlecht verstehen. Gleichzeitig hat sie aber auch ihre eigenen Probleme, zum Beispiel mit dem Ehemann, der aus Gründen nach Südamerika gehen möchte, was sie nicht versteht, worüber sie als Frau aber auch keine Macht hat.

Clare betrachten wir durch Irenes Augen und wissen so nie direkt, was eigentlich in ihr vorgeht. Clare wirkt auf vielen Ebenen künstlich und gestellt. Ihr Leben beruht auf einer ganz fundamentalen Lüge. Aber auch in ihrer Beziehung zu Irene, die die Wahrheit ja weiß, fühlt sie sich nie völlig echt an. Darein spielt für mich auch dieses Gefühl der 20er Jahre, wo alles irgendwie auch drüber ist. Das merkt man auch sprachlich sehr, weil gefühlt jede andere Person die beste Freundin auf der ganzen Welt ist. Damit hatte es für mich auch das Gatsby-Feeling.

Der Schreibstil in diesem Klassiker war für mich (im Gegensatz zu Gatsby) wunderbar leicht zu verstehen und zu lesen. Ich bin durch dieses Buch nur so hindurchgeflogen und habe es genossen. Man kann der Geschichte die ganze Zeit sehr gut folgen und es hatte insgesamt ein sehr modernes Gefühl, nicht als würde man ein fast 100 Jahre altes Buch lesen. Und das ist natürlich auch verbunden mit den Themen von Rassismus und Diskriminierung, die heute immer noch nahezu genauso relevant sind wie damals.

Auch wenn das Buch kurz ist, steckt viel darin, vor allem wenn es um Diskussionen von Rasse und Rassismus geht. Es gibt zum Beispiel auch eine Szene, in der sich Irene und ihr Ehemann darum streiten, ob die Kinder von ihnen über Rassismus und den damit verbundenen Hass aufgeklärt werden sollten oder nicht. Während ihr Ehemann dies für notwendig hält, weil sie es sonst unvorbereitet am eigenen Leib erfahren werden, will Irene die Unschuld ihrer Kinder dadurch bewahren, dass sie nicht mit diesem Horror konfrontiert werden. 

Das Ende ist dann auf eine Art explosiv und für mich sehr unvorhergesehen. Es hört damit auf eine Art auch etwas abrupt auf und hat mich sehr sprachlos hinterlassen. Gleichzeitig vervollständigt es dieses Psychogramm, was wir von Irene mehr und mehr sehen in diesem Buch.

Alles in allem hat mir dieses Buch absolut gut gefallen und ich möchte es euch sehr ans Herz legen. Für mich war es absolut eines der besten Bücher, die ich letztes Jahr gelesen habe, und mein Lieblingsklassiker im letzten Jahr. Ich habe es innerhalb von einem Tag gelesen, weil ich gar nich aufhören konnte. Außerdem habe ich dann auch noch den Netflix-Film dazu geschaut, den ich auch gut gemacht fand. Die volle Experience...

Ich hoffe, ihr habt jetzt ein bisschen Lust auf diesen wunderbaren Klassiker bekommen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 4. Februar 2024

The Secret Lives of Church Ladies


Hallo meine Hörbuchhasen,

heute möchte ich euch eine Sammlung von Kurzgeschichten vorstellen, die perfekt in den Februar und damit in den USA Black History Month passt. Geschrieben von einer Schwarzen Frau über Schwarze Frauen war diese Sammlung für mich, was ich mir von Girl, Woman, Other gewünscht hatte. Die Geschichten sind alle mit viel Gefühl erzählt, sie zeigen die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens für sie viele Menschen auf und verbinden sie mit unvergesslichen Charakteren. 

Die Fakten:

  • Autor: Deesha Philyaw
  • Sprecher: Janina Edwards
  • Titel: The Secret Lives of Church Ladies (dts. Church Ladies: Erzählungen)
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Tantor Audio
  • Dauer: 4 Std 6min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Abo bei Audible
  • Klappentext: "The Secret Lives of Church Ladies explores the raw and tender places where Black women and girls dare to follow their desires and pursue a momentary reprieve from being good. The nine stories in this collection feature four generations of characters grappling with who they want to be in the world, caught as they are between the church's double standards and their own needs and passions. There is 14-year-old Jael, who has a crush on the preacher's wife. At 42, Lyra realizes that her discomfort with her own body stands between her and a new love. As Y2K looms, Caroletta's "same time next year" arrangement with her childhood best friend is tenuous. A serial mistress lays down the ground rules for her married lovers. In the dark shadows of a hospice parking lot, grieving strangers find comfort in each other. With their secret longings, new love, and forbidden affairs, these church ladies are as seductive as they want to be, as vulnerable as they need to be, as unfaithful and unrepentant as they care to be, and as free as they deserve to be."

Ich werde nun zuerst auf die einzelnen Geschichten eingehen und dann mein Fazit präsentieren.

  • Eula

Diese Geschichte ist etwa eine Viertelstunde lang und erzählt von zwei Frauen, die sich immer zu Silvester gemeinsam ein Hotelzimmer mieten und sich gegenseitig Vergnügen bereiten. Doch während unsere Erzählerin sich darüber im Klaren ist, was zwischen ihnen passiert, lebt ihre Gefährtin Eula in einer Fantasiewelt, in der sie immer noch eine Jungfrau ist und auf den perfekten Ehemann wartet. Ich fand diese Geschichte sehr eingängig, sehr gefühlvoll und warm, und gebe ihr 4,5 Sterne.

  • Not-Daniel

Diese Geschichte ist nur 6 Minuten lang und erzählt von zwei Menschen, deren Mütter mit Krebs auf der gleichen Palliativstation liegen. Zunächst hat ihre Beziehung damit angefangen, dass sie sich gegenseitig alles erzählen und sich trösten konnten, doch zu diesem Treffen hat unsere Protagonistin nun Kondome mitgebracht. Auch diese Geschichte fand ich seltsam schön, aber sie war mir ein wenig kurz. Ich gebe ihr 4 Sterne.

  • Dear Sister

In dieser etwa halbstündigen Geschichte lesen wir den Brief, den eine Frau an ihre ihr unbekannte Halbschwester schreibt, nachdem der gemeinsame Vater verstorben ist. Dabei beschreibt sie umfangreich all die anderen Personen in ihrer Familie, die vor allem aus Frauen besteht. Diese Geschichte verdeutlicht sehr schön die Komplexität von Familie und den daraus entstehenden Gefühlen. Ich gebe ihr auch 4,5 Sterne.

  • Peach Cobbler

Dies ist mit etwa 50 Minuten die längste Geschichte in dieser Sammlung und konzentriert sich auf eine Mutter-Tochter-Beziehung. Die Mutter hat eine Affäre mit dem Priester der Gemeinde, den die Tochter als Kind für Gott hält. Immer wenn er vorbeikommt, backt sie einen Peach Cobbler, den die Tochter nie kosten darf. Ich mochte die beiden Seiten dieser Beziehung, hätte mir aber tatsächlich gewünscht noch mehr über die Seite der Mutter zu erfahren, die ihrerseits ihre Prägung ja auch irgendwo her hat. So war es etwas einseitig für mich, und daher auch wieder 4,5 Sterne.

  • Snowfall

In dieser etwa halbstündigen Geschichte folgen wir zwei Frauen, die in einer romantischen Beziehung leben, aus der die rosarote-Brille-Phase langsam raus ist. Sie leben in einer Stadt im Norden Amerikas, stammen aber beide aus verschiedenen Regionen im Süden. Beide erfahren von ihrer Familie keine Akzeptanz für ihre Beziehung, doch während unsere Hauptfigur ihre Mutter vermisst und gelegentlich Kontakt hält, ist ihre Partnerin schon als Teenager von Zuhause geflohen. Die Diskussion von Zuhause, und was das für uns bedeutet, hat mir sehr gefallen und passt gerade auch so gut zu meinem Leben. Daher gebe ich 5 Sterne.

  • How to Make Love to a Physicist

Auch diese Geschichte ist etwa eine halbe Stunde lang und in der zweiten Person geschrieben, was ich liebe, aber viele andere Leute nicht mögen. Auch so ist der Schreibstil dieser Geschichte und der Lesestil der Sprecherin hier lyrischer als in den anderen Geschichten. Es geht um eine Lehrerin, die auf einer Konferenz einen Physiker kennenlernt und sich fragt, ob sie sich danach wiedersehen werden. Ich fand diese Geschichte so toll erzählt, so romantisch, und wir gehen wirklich auf eine Reise zu uns selbst mit dieser Figur. Ich gebe 5 Sterne.

  • Jael

Diese Geschichte dauert etwa 45 Minuten und am Anfang etwas verwirrend im Hörbuch, weil wir hier zwei Perspektiven haben. Wir hören vor allem von einer Urgroßmutter, die ihr Urenkel aufzieht. Beim Putzen findet sie in der Matratze das Tagebuch der Urenkelin Jael, das wir nun auch lesen können. Wir hören, dass Jael ein sehr besonderes Kind war und nun als Teenagerin nicht die Ansprüche der Gottesfürchtigen Uroma erfüllt. Ich mochte das Ende der Geschichte, bin aber nicht völlig hin und weg. Ich gebe ihr 4 Sterne.

  • Instructions for Married Christian Husbands

Wieder eine sehr kurze Geschichte mit nur etwa 13 Minuten, dabei geht es um eine Frau, die mit verheirateten Männern schläft. Wir lesen hier ihre Gebrauchsanweisung sozusagen, sodass die Geschichte auch in der zweiten Person geschrieben ist, was ich wie gesagt sehr mag. Trotz der Kürze bekommt man ein gutes Gefühl für diese Frau und den Service, den sie anbietet. Ich gebe der Geschichte 4,5 Sterne.

  • When Eddie Levert Comes

Diese letzte Geschichte ist wieder etwa eine halbe Stunde lang und handelt von einer Tochter, die ihre demenzkranke Mutter pflegt. Dabei ist die Mutter-Tochter-Beziehung sehr angespannt und steht hier im Fokus. Wir sehen, dass der kleine Buder der Tochter sich eigentlich gar nicht um die Mutter kümmert, und trotzdem mehr Lob und Liebe bekommt. Diese Geschichte ist sehr zärtlich erzählt, zeigt aber auch die Ungleichheit und Ungerechtigkeit von Erwartungen in Familien auf, und den Schmerz, den viele Frauen in sich tragen. Ich gebe ihr 4,5 Sterne.

Insgesamt war dies eine extrem erfolgreiche Sammlung von Kurzgeschichten für mich. Es gibt keine Geschichte, die mir nicht gefallen haben, und zwei haben direkt zu meiner Seele gesprochen. Es war auch das erste Mal, dass ich eine Kurzgeschichtensammlung als Hörbuch gehört habe, und am Anfang musste ich mich etwas daran gewöhnen, aber auch aufgrund der tollen Sprecherin hat es dann sehr gut für mich funktioniert. Hier eine absolute Leseempfehlung von mir, vor allem wenn ihr eh Audible habt und es kostenlos hören könnt.

Welche Kurzgeschichtensammlung habt ihr zuletzt gelesen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 22. September 2023

The Handsworth Times


Hallo meine Lesefreunde,

gestern habe ich euch von einem Buch berichtet, dass mir sehr gut gefallen hat und das super in die kommende Jahreszeit passt, und vielleicht wäre es sinnvoll da auch mit den Leseempfehlungen weiterzumachen. Aber heute zum Freitagabend will ich mich einfach ein bisschen aufregen, also kommen wir zum schlechtesten Buch, das ich bisher dieses Jahr gelesen habe.

Die Fakten:

  • Autor: Sharon Duggal
  • Titel: The Handsworth Times
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Bluemoose Books
  • Seiten: 238
  • Preis: 11,50 Euro
  • Klappentext: "Mukesh Agarwal sits alone in the Black Eagle pub, unaware that a riot is brewing or that Billy, his youngest son, is still out on his bike... A mile away, at home in Church Street, Anila, one of the three Agarwal girls, is reading Smash Hits and listening to Radio One as she sprawls across the bottom bunk, oblivious to the monumental tragedy that is about to hit her family. It is 1981 and Handsworth is teetering on the brink of collapse. Factories are closing, unemployment is high, the National Front are marching and the neglected inner cities are ablaze as riots breakout across Thatcher's fractured Britain. The Agarwals are facing their own nightmares but family, pop music, protests, unexpected friendships and a community that refuses to disappear all contribute to easing their personal pain, and that of Handsworth itself."

Zur Handlung: Am Tag als Billy während eines großen Protestes von einem Krankenwagen überfahren wird, zerbricht etwas in der Familie Agarwal. Kein Familienmitglied ist auf diesen Trauerfall vorbereitet. Der Vater versinkt in Alkoholismus, die Mutter in einem Putzwahn. Die älteste Schwester verschwindet so schnell sie kann an die Uni. Die anderen beiden Schwestern stürzen sich in Liebesaffären und kommunistische Jugendverbände. Der Bruder schwänzt die Schule und versteckt sich vor der Welt.

Aber die Welt hält nicht still, und so begleiten wir diese Familie über ein Jahr, während einige Familienmitglieder noch tiefer und tiefer im Morast versinken, während andere sich langsam wieder ans Licht arbeiten. Das alles spielt vor dem Hintergrund der 80er in Großbritannien, eine Zeit, in der es den meisten Briten in der Arbeiterschicht mehr als schlecht ging. Die gute Laune dürft ihr also direkt an der Tür abgeben.

In diesem Buch folgen wir einer indischen Familie in Großbritannien, womit wir nicht nur das Thema Klasse sondern auch ethnische Herkunft vertreten sehen. Es geht viel um die verschiedenen ethnischen Gruppen und inwieweit diese sich zusammenschließen können, wollen und sollen, um ihr Leben zu verbessern und sich Macht von der Regierung zurückzuholen. An sich sind das Themen, die mich generell interessieren.

Ich muss aber auch gleich dazu sagen, dass ich aufgrund des Klappentextes das Buch nie gekauft hätte. Da spricht mich nicht viel an. Auch die 80er mag ich eigentlich nur in der nostalgischen Stranger Things-Richtung. Hier kriegt man aber die 80er, wie sie eben waren: ziemlich scheiße. Ich habe das Buch tatsächlich in einer Buchbox erhalten, vermutlich im Jahr, als es rauskam. Seitdem hat es mich nie wirklich interessiert und so staubte es im Regal herum.

Entsprechend war ich dann auch nicht super enttäuscht, dass das Buch mir nicht gefallen hat. Vor allem mag ich nicht, wie alles so im Elend versinkt. Es gibt eigentlich keinen Lichtblick im ganzen Buch. Aber auch die schwierigen Themen, die hier aufgemacht werden, zum Beispiel Trauer, Alkoholismus, Zwangsgedanken, Vergewaltigung, Homophobie, und so weiter, werden nicht in einer Art und Weise diskutiert, dass ich daraus irgendetwas gewonnen hätte. Stattdessen wird das Buch irgendwie so zum Tragedy Porn, dass ich nur noch mit den Augen gerollt habe, wenn dieser Familie die nächste schlimme Tragödie passiert ist. Auf den wenigen Seiten ist kein Platz sich mit so vielen Themen sinnvoll auseinander zu setzen.

Die Charaktere wirkten für mich dann auch wie austauschbare Figuren, die eben irgendwie diesen ganzen Mist erleben sollten. Am meisten habe ich noch mit der Mutter gefühlt, die durch ihre Erziehung und die Ansichten ihres Ehemanns ja eigentlich eher passiv für alle sorgen soll, aber auch merkt, dass sie damit in dieser Welt und dem Elend nicht weiterkommen wird. Sie hat eine weiße Freundin, die sie immer wieder dazu motiviert, aktiver in ihre Familie und ihre Community einzugreifen. Die restlichen Figuren.... keine Ahnung. Der Vater ging mir so auf den Keks. Ich weiß, das ist eine schlimme Krankheit, aber so wie es hier dargestellt war, habe ich kein Mitgefühl gefunden.

Alles in allem bin ich froh, wenn ich dieses Buch langsam aber sicher vergesse. Trotz der wenigen Seiten hat es mich in eine absolute Leseflaute gebracht, und ich habe über eine Woche an diesem Buch gelesen. Jetzt darf es bald ohne schlechtes Gewissen in den Bücherschrank wandern, und vielleicht findet es so ja jemandem, der diesem Buch etwas abgewinnen kann.

Was war euer entäuschendstes Buch bisher dieses Jahr?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 19. Mai 2023

Sea Change


Hallo meine Lieblingsleser,

es scheint ganz so, als würde das Bloggen mit unseren Leben im Moment auf keinen grünen Zweig kommen. Für mich persönlich ist es so, dass ich gerade an meinem eigenen Buch arbeite - allerdings eine wissenschaftliche Publikation - und dadurch Einblick erhalte, wie anstrengend und aufwühlend es ist, ein Buch zu veröffentlich. Natürlich wollte das gute Stück erstmal geschrieben werden, und jetzt will es nochmal überarbeitet werden, und da war für mich die Vorstellung hier auch noch zu schreiben einfach nicht attraktiv.

Heute hat mich jetzt aber mal wieder die Lust gepackt. Ich habe eine riesige Liste mit vielen vielen Büchern, die ich euch vorstellen könnte, aber ich habe beschlossen mit etwas Aktuellem anzufangen, nämlich meinem letzten beendeten Hörbuch. Es handelt sich hierbei um Literary Fiction passend zum Asian Readathon. Außerdem ist das Buch recht neu erschienen.

Die Fakten:

  • Autor: Gina Chung
  • Sprecher: Jeena Yi
  • Titel: Sea Change
  • Erschienen: 2023
  • Verlag: Random House Audio
  • Dauer: 8 Std 14 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Ro is stuck. She's just entered her thirties, she's estranged from her mother, and her boyfriend has just left her to join a mission to Mars. Her days are spent dragging herself to her menial job at the aquarium, and her nights are spent drinking sharktinis (Mountain Dew and copious amounts of gin, plus a hint of jalapeño). With her best friend pulling away to focus on her upcoming wedding, Ro's only companion is Dolores, a giant Pacific octopus who also happens to be Ro's last remaining link to her father, a marine biologist who disappeared while on an expedition when Ro was a teenager. When Dolores is sold to a wealthy investor intent on moving her to a private aquarium, Ro finds herself on the precipice of self-destruction. Wading through memories of her youth, Ro realizes she can either lose herself in the undertow of reminiscence, or finally come to terms with her childhood trauma, recommit to those around her, and find her place in an ever-changing world."

Zur Handlung: Unsere Erzählerin Aurora, kurz Ro, hat es gerade nicht leicht im Leben. Ihr Partner hat sie verlassen, um an einer neuen Marsmission teilzunehmen und in ihrem Job geht es gerade nicht vorwärts. Sie arbeitet in einem Aquarium, in dem ein Riesentintenfisch lebt, den einst ihr Vater aus einem der verschmutztesten Teile des Pazifiks mitgebracht hat, bevor er auf einer Mission verschwand. Doch dieser Tintenfisch, Dolores genannt, soll nun verkauft werden, um die missliche finanzielle Lage des Aquariums aufzubessern.

Durch ihre akutelle Misere muss sich Ro die Frage stellen, wer sie ist und wer sie sein will. Diese Frage wird sich nicht beantworten lassen, ohne dass sie sich auch einen Blick darauf erlaubt, wer sie war und was sie geprägt hat. Dabei ist ihre Vergangenheit geprägt von den Streitigkeiten ihrer Eltern, ihrem Gefühl nie unkonditional geliebt worden zu sein und ihrer nie eingestandenen Trauer darüber, ihren Vater verloren zu haben, die hinter ihrer Hoffnung, dass er noch irgendwo da draußen ist, versteckt liegt.

Da ich es in einer negativen Rezension zu diesem Buch gelesen habe, möchte ich zu Beginn ganz klar machen: das hier ist kein Buch über den Klimawandel. Auch wenn an einigen Stellen die Veränderungen unserer Erde angesprochen werden und z.B. die geplante Marskolonie der Rettung der Menschheit vor der Klimakrise dienen soll, spielt das Buch leicht in einer etwas stärker verschmutzten Zukunft, aber es geht vorrangig um die innere Lebenswelt unserer Protagonistin. 

Ro als Hauptfigur fand ich sehr interessant. Sie hat viele seelische Wunden, die sie eher vor sich selbst versteckt und durch ein Abschotten von der Welt auch versucht vor anderen zu verstecken. Die Trennung von ihrem quasi-perfekten Freund hat sie noch mehr in die Defensive gebracht, da sie nun erst recht nicht weiß, was sie mit ihrem Leben machen soll. Aber auch die Beziehung selbst war für sie nicht nur Liebe, sondern ein weiterer Bereich ihres Lebens, der ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten für sie hervorgehoben hat.

Ro ist in diesem Sinne eher eine unsichere Person. Ihr Rückzug erscheint ihr vielleicht erstmal als eine sinnvolle Strategie, um nicht weiter damit konfrontiert zu werden, dass sie nicht die Version ihrer selbst ist, die sie sein möchte oder von der sie denkt, dass andere sie haben wollen. Doch zwischen Alkohol und ihrem Job, der ihr keine Zukunft bieten kann, muss sie sich schließlich doch fragen, wer sie denn nun eigentlich ist. Das kann natürlich anstrengend zu lesen sein, wenn man solche Charaktere nicht mag oder solche Fragen die eigene Lebenswelt nicht mehr beeinflussen, aber mir hat das zugesagt.

Wir bekommen im Buch dann auch Ros Familiengeschichte erzählt, die von vielen traurigen Events geprägt ist. Hier würde ich im Zweifel dringend empfehlen content warning nachzuschauen. Ros Eltern sind aus Korea in die USA eingewandert. Ihr Vater war ein erfolgsversprechender Wissenschaftler, ihre Mutter wollte Musiklehrerin werden. Allerdings wurde dann Ro geboren, und beide Eltern trafen Entscheidungen die mehr Stabilität und Sicherheit bieten sollten, gleichzeitig aber auch zu sich kumulierenden negativen Gefühlen beitragen. So ist die Familie in Ros Leben von viel Streit und wenig gegenseitigem Verständnis geprägt.

Eine besondere Rolle in dem Ganzen spielt dann Dolores, der Oktopus. Sie ist ein besonders riesiges Exemplar, das in einem besonders verschmutzten Teil des Pazifiks entdeckt wurde. In diesem Teil führen die Chemikalien im Wasser dazu, dass alle Meerestiere viel größer werden als anderswo. Ros Vater hat damals Dolores mitgebracht und sie lebt seit vielen Jahren in dem Aquarium. Für Ro stellt sie die letzte Verbindung zu ihrem verschwundenen Vater da, von dem sie nicht glauben kann, dass er tot ist. Dolores ist in diesem Sinne symbolisch viel mehr für Ro als ein Tier, das sie versorgt. Hier würden sich sicherlich einige wünschen, dass man noch etwas mehr Tintenfisch im Buch bekommt. Aber mir haben die Szenen mit ihr auf jeden Fall gefallen und ein paar spannende Fakten über die Tiere wurden auch eingebaut.

Am Ende muss Ro sich fragen, ob sie wirklich so weiterleben will, wie sie es gerade tut. Und welche Schritte vielleicht dazu führen können, dass sie mit sich und ihrem Leben zufriedener wird. Dazu muss sie bestimmte Dinge auch gehen lassen und sich eingestehen. Besonders schön fand ich, dass ihre Kindheitsfreundin am Ende dabei eine große Rolle spielt.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Es werden viele tragische, aber wichtige Themen angesprochen. Ich mochte Ro als Hauptfigur, zumal sie auch an einer ähnlichen Stelle im Leben ist wie ich. Die Familiengeschichte war spannend und traurig, und hat sehr gut erläutert, warum Ro ist, wie sie ist. Und auch wenn ich gern etwas mehr Dolores gesehen hätte, fand ich es schön, dass hier mal ein etwas anderes Tier im Zentrum steht als die klassische Auswahl an Säugetieren.

Habt ihr schon Oktopus-Bücher gelesen? Oder findet ihr sie eher gruslig? Ich bin ein großer Fan.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 26. Februar 2023

Bittere Orangen


Hallo meine Lieblingsleser,

ich habe hier noch ein Buch vorzustellen, dass ich letztes Jahr im August für den Magical Readathon gelesen habe. Ich war damals ja mitten im Umzug, und dadurch ist es irgendwie liegen geblieben. Ich hoffe, ihr könnt mir die lange Zeit verzeihen.

Die Fakten:

  • Autor: Claire Fuller
  • Übersetzung: Susanne Höbel
  • Titel: Bittere Orangen (original: Bitter Oranges)
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Piper
  • Seiten: 347
  • Preis: 11,00 Euro
  • Klappentext: "Vom Dachboden des Herrenhauses beobachtet Frances die beiden: Cara und Peter, das undurchschaubare Paar, das mit ihr auf Lynton lebt. Dort verbringen sie gemeinsam den Sommer 1969, um den Zustand des Hauses und seiner Gärten zu dokumentieren. Doch die unheilvolle Dynamik zwischen den dreien wird Francis' Leben weit über diesen Sommer hinaus verändern."

Zur Handlung: Francis ist eine einsame Frau, die aus Verzweiflung einen Job annimmt, bei dem sie den Garten eines alten Herrenhauses auf seinen Wert prüfen soll. Sie hofft auf eine seltene und kunstvolle Brücke über dem See. Doch vor allem ist sie froh ihrem alten Leben zu entkommen, in dem sie ihre Mutter bis zum Ende gepflegt hat.

In diesem Haus trifft sie auf ein Ehepaar und wird mehr und mehr in deren Bann gezogen. Vor allem die Frau, Cara, ist einerseits charmant, andererseits mysteriös. Die beiden bilden eine labile Freundschaft, vor der der Pfarrer der Gegend Francis eindringlich warnt. Doch Francis sehnt sich nach einer Freundschaft, wie sie sie noch nie hatte, und was soll schon schiefgehen?

Ich habe dieses Buch vor einigen Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen und war nicht sicher, was mich erwartet. Die Beschreibung des Buches ist sehr vage und hat mir nur den Eindruck vermittelt, dass es hier um literary fiction geht, die in einem historischen Setting spielt. Ich war skeptisch, ob das Buch wirklich meinen Geschmack treffen wird, aber es war auf jeden Fall mal etwas anderes.

Francis als Hauptfigur ist nicht unbedingt charismatisch oder interessant. Sie ist eine sehr einsame Frau, die ihr bisheriges Leben ihre Mutter gepflegt hat. Wir erfahren, dass die Mutter verstorben ist und Francis deswegen den Job im Herrenhaus akzeptiert hat. Ihren Chef treffen wir nie, aber wir wissen, dass sie den Sommer vor Ort im Haus verbringen darf, um den Garten zu analysieren. Zunächst nimmt sie ihre Aufgabe und diese Chance ernst, zumal sie eine Expertin für die architektonische Ausstattung von Gärten ist, doch mehr und mehr wird sie von ihren beiden Mitbewohnern abgelenkt.

Francis wird außerdem als dick beschrieben, wobei die Beschreibung ihres Körpers manchmal ein wenig zu negativ bewertend war. Einerseits ist es sicherlich so, dass viele Frauen ihren Körper so negativ sehen, andererseits wurde es im Buch aber nie angefechtet, sodass es nicht wirklich als etwas Schlechtes gewertet wurde. Trotzdem bestimmt dieser Aspekt, zusammen mit ihrer Einsamkeit, wie Francis auf die Aufmerksamkeit von Cara und Peter reagiert.

Cara und Peter sehen wir nur durch die Außensicht. Wir wissen nicht, was in ihnen vorgeht. Cara scheint eine pathologische Lügnerin zu sein - zumindest wird sie so dargestellt. Man weiß nie, welche ihrer Geschichte wahr sind, und trotzdem hat sie eine spannende Ausstrahlung. Peter ist für mich vor diesen beiden Frauen etwas verblasst und ich kann mich kaum an ihn erinnern. Es bleibt so viel zu sagen: alle drei Charaktere sind nicht unbedingt nette freundliche Menschen, und man spürt die explosive Natur dieses Dreiecks.

Im Buch gibt es neben dieser Zeitebene in 1969 auch eine Ebene in der Gegenwart. In dieser Gegenwart ist Francis selbst pflegebedürftig und in einer Institution. Sie bekommt Besuch von einem weiteren Charakter - der vierte, der in allem eine Rolle spielt. Dieser versucht aus ihr die Wahrheit über die Zeit 1969 herauszubekommen, und hat selbst ein großes Geheimnis. Hier fand ich allerdings die Auflösung am Ende ziemlich fragwürdig - für mich hat das gar nicht in die Geschichte gepasst.

Am besten lässt sich dieses Buch als eine sehr langsame Geschichte über einen Sommer Ende der 60er Jahre in England beschreiben, in der drei wenig freundliche Personen in einem alten zerfallenden Haus aufeinander treffen und eine explosive Freundschaft zwischen ihnen entsteht, die sie am Ende alle das Leben kosten kann. Wenn ihr gern über toxische Beziehungen lest, die sehr langsam eskalieren, dann empfehle ich euch dieses Buch.

Alles in allem war es mal etwas anderes für mich, aber kein Buch, das mir groß im Kopf geblieben ist. Die Charaktere sind alle ziemlich unberechenbar, aber so richtig kümmerte es mich nicht, was mit ihnen passiert. Ich mochte das Setting dieses alten Herrenhauses, das während des Krieges von Soldaten halb zerstört wurde. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass mir dieses Buch langfristig etwas gegeben hat.

Habt ihr schon von dem Buch gehört? Und interessiert die Geschichte euch?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 5. September 2022

Behold the Dreamers


Hallo meine Lieblingsleser,

lang ist es her und viel ist passiert, seit ich das letzte Mal hier von einem Buch berichtet habe. Ich bin wieder einmal quer durch die Republik gezogen, habe meine Promotion beendet und irgendwie zwischendrin auch ziemlich viel gelesen. Damit gibt es jetzt einen ordentlichen Stapel Bücher, der hier Beachtung finden will. Wir starten heute mit einem Buch, das ich aufgrund von Torschlusspanik gelesen habe. Es war nämlich in meiner alten Bibliothek, zu der ich jetzt keinen Zugang mehr habe. Interessiert hat es mich vor allem wegen der Autorin, deren zweiten Roman ich gerade lese.

Die Fakten:

  • Autor: Imbolo Mbue
  • Titel: Behold the Dreamers (dts. Das Geträumte Land)
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Random House
  • Seiten: 382
  • Preis: 9,49 Euro
  • Klappentext: "Jende Jonga, a Cameroonian immigrant living in Harlem, has come to the United States to provide a better life for himself, his wife, Neni, and their six-year-old son. In the fall of 2007, Jende can hardly believe his luck when he lands a job as a chauffeur for Clark Edwards, a senior executive at Lehman Brothers. Clark's wife, Cindy, even offers Neni temporary work at their summer home in the Hamptoms. With these opportunities, Jende and Neni can at last imagine a brighter future. However, the world of great privilege conceals troubling secrets, and soon Jende and Neni notice cracks in their employers' facade. Then the financial world is rocked with the collapse of Lehman Brothers and the global economy. Desperate to keep Jende's job, which grows more tenuous by the day, the Jongas try to protect the Edwarses from certain truths, even as their own marriage threatens to fall apart. As all four lives are dramatically upended, Jende and Neni are forced to make an impossible choice."

Zur Handlung: Jende ist vor einigen Jahren in die USA eingereist und versucht seitdem Asyl zu bekommen. In dieser Zeit hat er in niedrigen Jobs gearbeitet, um seiner Familie ein zukünftiges Leben weit weg von der Heimat Kamerun aufzubauen. Inzwischen sind auch seine Frau Neni und der gemeinsame Sohn mit in den USA. Um die Kosten des Studiums seiner Frau, die mit einem Studentenvisum in der USA ist, zu decken, braucht es allerdings einen besseren Job.

Jende kann es daher kaum glauben, als er als Fahrer von Clark Edwards engagiert wird. Dieser ist ein hohes Tier bei den Lehman Brothers, einer großen New Yorker Bank. Doch durch diese Verbindung wird Jende zusammen mit seiner Frau in die Geschicke dieser weißen Oberschicht-Familie hineingezogen. Sie erleben Dinge mit, die sie nicht sehen wollten, und stellen schnell fest, dass die schöne Fassade zu bröckeln beginnt.

Dieses Buch beschäftigt sich mit der Finanzkrise rund um den Zusammenbruch der Lehman Brothers Bank aus der sehr einzigartigen Perspektive einer immigrierten Familie. Allerdings geht es in diesem Buch um mehr, vor allem die Verbändelung dieser beiden Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Neben Clark, der ganz der Business-Typ ist und seine Familie höchstens mal zu einer Mahlzeit sieht, lernen wir seine Frau kennen, die selbst auch schwierigen Verhältnissen kommt und einfach nur eine glückliche Familie will. Der erwachsene Sohn überlegt das Jura-Studium hinzuschmeißen und nach Indien auszuwandern, während der jüngere Sohn zwischen der Liebe der Mutter und der Kälte des Vaters festhängt. 

Diese Familie wird kontrastiert mit den Jongas, die mit anderen Werten und anderen Erwartungen ans Leben aufgewachsen sind. So ist Neni eine starke, eigensinnige und wundervolle Frau, in die ich mich völlig verliebt habe, gleichzeitig ist für sie aber auch klar, dass sie für immer komme was wolle an der Seite ihres Mannes stehen wird. Die Beziehung der Jongas ist zunächst so viel wärmer und inniger, auch weil sie so lange Zeit getrennt waren, doch auch hier fängt es an zu bröckeln, je tiefer sie mit den Edwardsens zu tun haben müssen.

Dabei sehen wir die Geschichte zwar aus der Perspektive der Jongas, aber wir lernen beide Familien fast gleich gut kennen. Als Hauptfigur begegnen wir vor allem Jende. Am Anfang mochte ich ihn sehr. Er hat sich in die USA geschmuggelt, weil er aus Kamerun raus will. Die mangelnden Aufstiegschancen und der geringe Status seiner Familie sind ihm immer ein Klotz am Bein. Nenis Vater verweigert die Ehe mit ihm, weil er nicht hoch genug in der Gesellschaft steht - Amerika ist der einzige Ausweg. Wir treffen ihn auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch mit Clark Edwards, und ich habe direkt so mit ihm mitgefiebert, denn er will ja nur seine Familie versorgen und ihnen ein gutes Leben bieten.

Allerdings habe ich Jende dann im Verlauf des Buches immer weniger gemocht. Auch wenn ich verstehen kann, warum er als Charakter in bestimmten Situationen auf seine Weise reagiert, konnte ich ihm einiges doch nicht verzeihen. Und das hat vor allem damit zu tun, wie er Neni und seinen Sohn gegen Ende des Buches behandelt. 

Einige Kapitel sind dann aus Nenis Sicht geschrieben, und wie bereits gesagt, in sie habe ich mich als Charakter direkt verliebt. Sie ist so schlau, so stark, trotzdem auch manchmal unsicher. Sie hat sehr viel Intuition, die ihr aber häufig von Jende abgesprochen wird. Und am Ende zeigt sie auch, was sie alles bereit ist zu tun. Hätte sie sich am Ende selbst von der Leine gelassen, ich hätte es so gefeiert. Aber leider ist sie eben anders erzogen wurden, und muss sich letztlich eben auch dem Willen ihres Mannes beugen. Das ist der Teil, der mir an der Geschichte nicht so gut gefallen hat, weil ich einfach etwas Besseres für diese Powerfrau wollte.

Das Ende hat mir dann persönlich auch nicht so gut gefallen, aber ich verstehe, warum es das Ende sein musste. Ich finde, dass Imbolo Mbue hier zeigt, was für ein außergewöhnliches Schreibtalent sie hat, denn das ist immerhin ihr erster Roman gewesen. Auch wenn ich inhaltlich einiges schade fand, hat es doch von der Erzählung und den Themen, die hier angerissen werden, total Sinn gemacht. Es ist dann wirklich einfach persönlicher Geschmack.

Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen. Thematisch hat mich die Finanzkrise so gar nicht angesprochen, aber das Buch hat mir dann trotzdem sehr gut gefallen. Ich fand die Charaktere faszinierend, die Diskussionen, die sie haben, wenn diese Welten aufeinanderprallen. Ich mochte auch, wie sich eben zeigt, dass manche Träume letztlich nur Träume sind, die zerplatzen, wenn man zu nah an sie herantritt. Ich denke, das Buch ist eine sehr ehrliche und erschütternde Darstellung der Erfahrung von Migrant*innen auf der Welt. Wenn euch das anspricht, lest es auf jeden Fall!

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 29. Juni 2022

The Henna Wars


Hallo meine Lieblingsleser,

für den Pride Month passt dieses Buch ganz gut, denn es geht um zwei Mädchen, die Gefühle zueinander entwickeln. Der Titel Henna Wars deutet aber schon an, dass hier vielleicht nicht alles glatt und harmonisch laufen wird. Ehrlich gesagt hatte ich unter dem Cover eine niedlichere Geschichte erwartet, aber hier werden schon sehr viele ernste Themen aufgegriffen.

Die Fakten:

  • Autor: Adiba Jaigirdar
  • Titel: The Henna Wars
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Hodder Children's Books
  • Seiten: 383
  • Preis: 7,39 Euro
  • Klappentext: "Nishat's parents say she can be anyone she wants - as long as she isn't a lesbian. She doesn't want to lose her family, but she also doesn't want to hide who she is, which only gets harder once Flávia walks into her life. Beautiful and charismatic, Flávia takes Nishat's breath away. But as their lives become tangled, they're caught up in a rivalry that gets in the way of any feelings they might have for each other."

Zur Handlung: Auf der Hochzeit einer Bekannten beschließt Nishat, ihren Eltern endlich die Wahrheit zu sagen. Sie kann in deren Augen sehen, dass sie jetzt schon von Nishat's Hochzeit träumen, und sollten davon möglichst bald aufwachen. Allerdings wird ihr Coming Out vor den Eltern noch unangenehmer als sie antizipiert hatte, und ihre Eltern scheinen mehr als nur überfordert mit allem.

Das wäre vielleicht nur halb so schlimm, wenn in Nishat's Schule nicht gerade ein Wettbewerb begonnen hätte, bei dem sie ein Henna Business aufbauen will. Ihr Sieg steht auf dem Spiel, als ihre beiden besten Freundinnen sich für ein eigenes Projekt entscheiden und ihre Erzfeindin auch ein Henna Business startet - und das gemeinsam mit Flávia, die nicht nur sehr attraktiv, sondern auch die brasilianische Cousine der Erzfeindin ist.

Dieses Buch startet mit einer Liste von Content Warnings, die ich definitiv hätte ernster nehmen sollen. Ich dachte, dieses Buch würde mir eine schöne romantische Geschichte über zwei Mädchen in Irland bieten, aber so richtig romantisch wird er nur an einigen Stellen, und Themen wie Rassismus, Homophobie und Cultural Appropriation spielen eine deutlich größere Rolle, als ich erwartet habe. Daher musste ich meine Erwartungen beim Lesen deutlich anpassen - und kann euch nur das Gleiche empfehlen, wenn ihr das Buch lesen möchtet.

Nishat als Hauptcharakter hat mir gut gefallen. Sie macht viele Fehler und stellt sich manchmal an, aber da wir die ganze Zeit in ihrem Kopf sind, verstehen wir ihre Gedanken dahinter. Sie ist eben Teenager, und damit auch noch nicht völlig ausgereift. Ich lese gern über solche Charaktere, weil ich mich da auch besser einfühlen kann, aber manchmal ist es auch frustrierend. Nishat kann bisweilen stur sein oder sich zu stark auf ihre eigene Situation fixieren, wodurch ihr das Wohl der anderen entgeht.

Besonders im Zentrum steht zum einen Nishats Beziehung zu ihrer kleinen Schwester. Die beiden halten sehr fest zusammen. Vor allem nach dem Coming Out ist die Schwester definitiv eine Stütze. Doch sie haben auch Meinungsverschiedenheiten und sind charakterlich sehr unterschiedlich. Während Nishat eher etwas zurückhaltend sein kann, will ihre Schwester manchmal auch mehr erleben. Die Komplexität der Beziehung hat mir gut gefallen, auch wenn ich der Schwester an einer Stelle gern die Meinung gegeigt hätte.

Dazu kommt dann die romantische Anziehung mit Flávia. Aber auch die macht eindeutige Fehler in diesem Buch, sodass ich über weite Strecken nicht für sie fühlen konnte. Flávia kommt aus Brasilien und ist Schwarz, allerdings verhält sie trotzdem in einigen Szenen rassistisch gegenüber Nishat, deren Familie aus Bangladesh kommt. Dadurch kommt es zu spannenden Diskussionen darüber, was Kunst darf, aber ich hätte mir hier gewünscht, dass Flávia eher zu den richtigen Schlussfolgerungen findet.

Als Erzfeinding von Nishat haben wir dann Flávias Cousine. Zunächst war die mit Nishat befreundet, hat sich dann aber für coolere Leute entschieden und rassistische Gerüchte über Nishats Familie verbreitet. Der Konflikt kommt dann richtig in Schwung, wenn sie entscheidet die Idee mit dem Henna-Business aufzugreifen und eine Konkurrenz zu Nishat aufzubauen. Dazu braucht sie Flávias künstlerisches Talent und ihre eigenen Kontakte und ihren Ruf an der Schule. Ich fand den Konflikt gut aufgebaut und am Ende auch gut gelöst.

Was ich an dem Buch nicht ganz so gut fand, war, dass es hier wieder zu einem unfreiwilligen Coming Out kommt. Eine Zeit lang war das ja Teil jedes Jugendbuches über LGBTQ+-Teenager. Und diese Plottwists gefallen mir einfach nicht gut. Ich finde, es lässt das Coming Out als etwas Schreckliches erscheinen, vor allem im Schulkontext, und das kann es sicherlich auch sein, aber gleichzeitig hoffe ich, dass es in echt nicht so ist wie in den Büchern. Zumindest in meiner Schule war es damals nicht so, und das ist ja auch einige Jahre her.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Ich mochte Nishat als Hauptfigur, und ich fand die behandelten Themen sehr wichtig und interessant. Vor allem die Frage, was Kunst darf, wird hier ganz anschaulich aufgearbeitet. Mir wäre trotzdem ein bisschen mehr romantische Stimmung lieb gewesen. Das Ende fand ich sehr gelungen, es wird nicht zu perfekt mit einer Schleife versehen, aber es passt zum Genre. Trotzdem sollte man die Content Warnings ernst nehmen.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Und habt ihr schon mal ein solche Henna Tattoo getragen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung: