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Sonntag, 7. April 2024

Acceptance


Hallo meine Sci-Fi-Hasen,

heute kommen wir zum vorerst letzten Band in der Southern Reach-Reihe. Vorerst, weil gerade ein vierter Band angekündigt wurde. Mal schauen, ob ich den dann noch irgendwann lese. Aber erstmal reden wir heute über Band 3, der mir wirklich wahnsinnig gut gefallen hat. Es wird aber schwierig, komplett spoilerfrei zu erklären, warum. Ich versuche mein Bestes.

Die Fakten:

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Acceptance (dts.)
  • Reihe: Southern Reach 3
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 232 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "It is winter in Area X, the mysterious wilderness that has defied explanation for thirty years, rebuffing expedition after expedition, refusing to reveal its secrets. As Area X expands, the agency tasked with investigating and overseeing it—the Southern Reach—has collapsed on itself in confusion. Now one last, desperate team crosses the border, determined to reach a remote island that may hold the answers they've been seeking. If they fail, the outer world is in peril."


Zur Handlung: Nach dem Fall der Southern Reach finden sich verschiedene Charaktere in der Area X wieder. Sie beschließen, sich zusammen zu tun und Antworten zu suchen. Doch jeder von ihnen hat seine eigenen Pläne, und nicht alle von ihnen sind wirklich menschlich. Aber vielleicht sind sie die letzte Hoffnung der Menschheit wie wir sie kennen.

Über allem schwebt das Bewusstsein der Psychologin. Sie erinnert sich zurück an den Weg, der zu ihrer Auflösung geführt hat, von einer Kindheit an einem Leuchtturm zu einem Job, der ihr Leben vereinnahmt hat. Und wir lernen Saul kennen, der sich nur ein neues ruhiges Leben mit seinem Liebhaber aufbauen will, aber gegen unsichtbare Windmühlen kämpft, und vielleicht auch gegen sein eigenes Bewusstsein.

Wie gesagt, es ist so schwer, über dieses Buch zu sprechen, denn allein zu sagen, wer noch lebt, ist ja schon ein Spoiler. Dennoch versuche ich euch jetzt rüberzubringen, dass dies mein Lieblingsbuch in der Reihe war. Das lag vor allem auch daran, dass wir hier das erste Mal mehrere Perspektiven bekommen, und ein davon hat mir ganz besonders gut gefallen.

In einer ersten Perspektive folgen wir zwei Charakteren direkt nach Buch 2 auf ihrem Weg, der sie in Area X geführt hat. Dazu kann ich nicht viel mehr sagen, außer dass sie versuchen herauszufinden, ob sie Area X noch aufhalten können, und ob sie das wollen. Die zweite Perspektive gehört zur Psychologin und ist in der zweiten Person geschrieben, was ich absolut liebe. Hier bekommen wir einige Antworten, die wir schon in Band 1, spätestens in Band 2 haben wollten.

Die dritte Perspektive ist aber die, die mich absolut begeistert hat. Wir folgen einem Charakter namens Saul vor dem Entstehen der Area X. Dieser Blick auf einen Mann, der einfach nur sein Leben leben will, seinen Freund lieben will, aber davon abgehalten wird von seltsamen Leuten, die immer wieder in seinen Alltag einbrechen.... und dann wissen wir, was kommen wird. Boah, das hat mir Gänsehaut gemacht. Spannend fand ich daran auch, dass wir mit dieser Perspektive mitten drin sind in der Entstehung von Area X, aber trotzdem immer noch nicht alles verstehen, weil es selbst für diese Figur alles rätselhaft bleibt.

Durch die verschiedenen Perspektiven erhalten wir nochmal ein deutlich umfassenderes Bild von Area X, ohne dass dadurch wirklich alle Fragen beantwortet werden können. Wir sehen eigentlich nur, wie viel größer alles ist, als wir bisher vielleicht dachten. Dennoch gibt es genug Antworten, dass ich befriedigt aus diesem vorerst letzten Band herausgegangen bin. Es hat für mich alles einfach gut abgerundet und gleichzeitig die Faszination und den Grusel dieser Welt aufrecht erhalten.

Alles in allem hatte ich das Gefühl, dass dadurch die Reihe hier zu einem guten Ende findet. Während das erste Buch vor allem Horror und Grusel auslöst, wenn wir diese Welt sehen, in der alles möglich scheint und nix ist, wie es soll, sehen wir im zweiten Band die Frustration, mit der man hier nach Antworten suchen muss. Band 3 gibt uns jetzt eine seltsame Traurigkeit und Melancholie, wenn wir auf Saul und seine Träume sehen, wenn wir den inneren Kampf in Ghost Bird sehen, wenn wir das lebenslange Streben nach einer verlorenen Heimat der Psychologin sehen. Mir hat das so gut gefallen.

Ich hoffe, ihr seid jetzt begeistert für diese Reihe.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 6. April 2024

Authority


Hallo meine Sci-Fi-Freunde,

wir kommen heute zum zweiten Band der Southern Reach-Reihe, in dem wir einem neuen Protagonisten folgen, der aus einer anderen Perspektive auf Area X schaut. Für viele scheint das der schlechteste Band der Reihe zu sein, ich habe viele enttäuschte Rezensionen gesehen, und auch wenn ich diesen Band nicht so gut fand wie den ersten, blieb bei mir eine große Enttäuschung aus. Aber dazu gleich mehr.

Die Fakten:

  • Titel: Authority (dts. Autorität)
  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Reihe: Southern Reach 2
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 226 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "After thirty years, the only human engagement with Area X—a seemingly malevolent landscape surrounded by an invisible border and mysteriously wiped clean of all signs of civilization—has been a series of expeditions overseen by a government agency so secret it has almost been forgotten: the Southern Reach. Following the tumultuous twelfth expedition chronicled in Annihilation, the agency is in complete disarray. John Rodríguez (aka "Control") is the Southern Reach's newly appointed head. Working with a distrustful but desperate team, a series of frustrating interrogations, a cache of hidden notes, and hours of profoundly troubling video footage, Control begins to penetrate the secrets of Area X. But with each discovery he must confront disturbing truths about himself and the agency he's pledged to serve."


Zur Handlung: Control hat wenig Glück mit seiner Karriere. Nachdem ihm ein tödlicher Fehler während einer Mission unterlaufen ist, wird er von einer Position auf die nächste geschoben, meist mit suboptimalen Folgen. Nun erhält er seine letzte Chance - weil seine Mutter ein hohes Tier in der Organisation ist: er soll der neue Direktor der Southern Reach werden und die Area X überwachen.

Kaum in seiner neuen Position angekommen, bekommt Control schnell einen Eindruck des chaotischen Treibens in Southern Reach. Von der feindlichen Vizedirektorin zu den verwirrten Wissenschaftlern scheint niemand wirklich mehr einen klaren Kopf für seine Stelle zu haben. Control will diesen Dingen auf den Grund gehen - und kann sich dabei nicht sicher sein, wie klar sein Kopf eigentlich noch ist.

Der Sprung in eine neue Perspektive auf die Area X kann im ersten Moment etwas desorientierend sein, macht aber im weiteren Verlauf der Geschichte Sinn. Ich kann nicht zu viel dazu sagen, weil es das erste Buch spoilern würde, aber ich fand, dass wir dadurch auf eine bestimmte Figur eine notwendige Perpektive bekommen. Wir schauen eben nochmal aus einer ganz anderen Richtung auf die Ereignisse und können neue Fragen stellen.

Control als Hauptfigur scheinen viele Leute nicht zu mögen. Ich hatte mit ihm kein Problem. Klar, er ist irgendwie nicht ganz richtig im Kopf, aber wer kann das von sich behaupten, wenn er auf so eine Stelle unter solche Kollegen bzw. eigentlich Angestellte kommt. Ich konnte zumindest die tiefe Frustration mitfühlen, die Control in seiner Rolle empfindet, weil es ihm eben nicht gelingt, Southern Reach in seine Kontrolle zu bringen. Außerdem hat er eine Katze...

Neben Control sind noch ein paar andere Charaktere relevant. Wir lernen einiges über seine Familie. Entgegen der üblichen Klischees ist seine Mutter ein hohes Tier in der Organisation hinter Southern Reach, die Tochter eines sehr berümten Agenten, die es selber weit gebracht hat. Control ist da das schwarze Schaf. Der Vater war ein eher erfolgloser Künstler mit hispanischen Wurzeln. In Southern Reach ist dann Carol wichtig, die sofort mit Control auf Kriegsfuß zu sein scheint. Ich habe mich das ganze Buch gefragt, was eigentlich ihr Problem ist - und es ist vor allem ihre Verbindung zur vorherigen Direktorin, dessen Job Control einnimmt. Schließlich haben wir noch zwei Mitarbeiter aus dem wissenschaftlichen Bereich, die relevant sind. Beide erscheinen ein bisschen verrückt, und man fragt sich, ob das zum Wissenschaftlersein gehört, oder ob mehr dahinter steckt. Dann gibt es noch eine Figur, die aus Area X zurückkehrt, zu der Control eine große Faszination hinzieht, und von der er sich Antworten verspricht.

Während wir also im ersten Band in Area X sind und diese wahnwitzige Welt erleben, schauen wir nun von außen darauf. Und es gibt so viele offene Fragen, dass man gar nicht weiß, an welcher Ecke man ziehen soll in der Hoffnung, dass sich der Knäul dann auflöst. Control versucht es in verschiedene Richtungen, aber dieses Buch steht ganz im Zeichen von Frustration. Er scheint immer einen Schritt hinterher zu sein, und jede Antwort stellt gleichzeitig zwanzig neue Fragen. Die größte Frustration besteht allerdings darin, dass niemand zu wollen scheint, dass er Antworten findet - und dies aktiv verhindert wird. 

Diese Frustration führt vielleicht dazu, dass viele Leute das Buch so schlecht finden. Für mich war es aber absolut nachvollziehbar. Wir schauen hier auf eine Organisation, die seit mindestens 30 Jahren Geheimnisse hat. Noch dazu hat die letzte Direktorin ganz offensichtlich ihre eigene Agenda verfolgt und Southern Reach teilweise dazu benutzt. Und auch andere Player in dem Gefüge scheinen ihre Pläne und Ziele mit Southern Reach zu verfolgen. Control ist dabei nur ein kleiner Spielstein, und vielleicht ein Bauernopfer. Trotzdem gibt er nicht auf, bis die Situation völlig eskaliert.

Alles in allem hat mir deswegen auch der zweite Band der Reihe gut gefallen. Auch wenn ich ihn etwas schwächer finde als Band 1, erhalten wir hier wichtige Einsichten in Southern Reach, ohne die die Geschichte nicht erzählt werden kann. Control als Charakter hat mir eigentlich immer eher Leid getan, bzw. habe ich mit ihm gefühlt, denn in seiner Haut wollte ich nicht stecken. Das Ende ist dann auch sehr ereignisreich und etwas verwirrend, aber danach wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 5. April 2024

Annihilation


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte euch mit euch über einen Sci-Fi-Horror sprechen, den ich schon recht lange lesen wollte. Eigentlich schon, seit der Film auf Netflix erschienen ist, und wer weiß, wie viele Jahre das inzwischen schon wieder her ist. Es ist außerdem das erste Buch in einer Trilogie, und ich werde euch dieses Wochenende alle drei Bände vorstellen.

Die Fakten: 

  • Autor: Jeff Vandermeer
  • Titel: Annihilation (dts. Auslöschung)
  • Reihe: Southern Reach 1
  • Erschienen: 2014
  • Verlag: Farrar, Strauß and Giroux (Bind-up aller drei Bände)
  • Seiten: 128 (im Bind-up)
  • Preis: 22,99 Euro (Bind-up aller drei Bände)
  • Klappentext: "Area X-a remote and lush terrain-has been cut off from the rest of the continent for decades. Nature has reclaimed the last vestiges of human civilization. The first expedition returned with reports of a pristine, Edenic landscape; all the members of the second expedition committed suicide; the third expedition died in a hail of gunfire as its members turned on one another; the members of the eleventh expedition returned as shadows of their former selves, and within months of their return, all had died of aggressive cancer. This is the twelfth expedition. Their group is made up of four women: an anthropologist; a surveyor; a psychologist, the de facto leader; and our narrator, a biologist. Their mission is to map the terrain and collect specimens; to record all their observations, scientific and otherwise, of their surroundings and of one another; and, above all, to avoid being contaminated by Area X itself.  They arrive expecting the unexpected, and Area X delivers-they discover a massive topographic anomaly and life forms that surpass understanding-but it's the surprises that came across the border with them, and the secrets the expedition members are keeping from one another, that change everything."


Zur Handlung: Wir folgen einer namenlosen Biologin in die Area X, eine Zone der Welt, in der etwas Schreckliches geschehen ist. Verschiedene Expeditionen haben bereits versucht Antworten zu finden, doch wenn die Teilnehmenden zurückgekehrt sind, dann waren sie stets verändert und haben meist nicht mehr lange gelebt; wenn sie zurückgekehrt sind. Diese Mission besteht nun nur aus Frauen, neben unserer Biologin gibt es eine Psychologin, eine Anthropologin und eine Ex-Soldatin. Die Linguistin hat es sich angeblich kurz vor Beginn der Mission anders überlegt.

Doch kaum sind die vier Frauen in der Area X gelandet, geht schon einiges schief. Bei einer Erkundungstour finden sie eine Art Tunnel, in dem Treppen tief unter die Erde führen, doch unsere Biologin kann sich den Tunnel nur als Turm vorstellen, der anstatt nach oben nach unten geht. Als die vier beschließen, diesen Turm zu erkunden, beginnt ihre unwiderrufliche Veränderung.

Dieses Buch ist extrem seltsam. Wir lesen die Geschichte in Form von Tagebucheinträgen der Biologin. So sehen wir einerseits, was in der Area X passiert, aber sie erinnert sich auch zurück an Dinge aus ihrem Leben. Wir erfahren, warum sie Biologin geworden ist und warum sie sich für diese hoffnungslose Mission freiwillig gemeldet hat. Dadurch kommen wir nah an sie heran, und gleichzeitig bleibt sie uns auch fern. 

Ich persönlich liebe diese Art von Horror, wo die Protagonisten durch eine Art Portal in eine Welt neben unserer Welt kommen, in der aber unsere Gesetze und Regeln nicht gelten. In dieser Welt kann dann jeden Moment alles geschehen. Ich finde es so faszinierend, weil ich mich dann auch immer frage, wie mein Gehirn wohl auf sie eine grundsätzlich fremde Welt reagieren würde, vor allem wenn sie ihm Kern dann doch vertraut aussieht. Es ist eben nur alles ein kleines bisschen falsch.

Wir haben es in diesem Buch vor allem mit Pflanzen-, Natur- und Bodyhorror zu tun. Es ist alles sehr organisch, weswegen eine Biologin als Hauptfigur auch Sinn macht. Irgendetwas hat die normale Welt in Area X korrumpiert, und nun ist nix so, wie es sein sollte. Trotzdem macht alles irgendwie seltsam Sinn. Ihr solltet aber nicht zu viele Antworten erwarten, auch das gehört zu dieser seltsamen Art von Horror dazu.

Neben der Biologin haben wir noch drei andere Charaktere, die in der Area X sind. Recht früh sagt uns unsere Protagonistin allerdings, dass sie nicht lange an ihrer Seite sein werden. Die Frauen kennen sich kaum, haben nur etwas gemeinsames Training erlebt. Ein tiefes Misstrauen liegt zwischen ihnen, sodass wir den anderen auch nicht vertrauen können. Außerdem spielt dann noch der Ehemann der Biologin eine Rolle, denn wir sehen ihn in Rückblenden. Ich fand ihre Dynamik interessant, aber das müsst ihr selbst ergründen.

Was kann ich noch über dieses Buch sagen, dass keine Spoiler enthält und nicht einfach völlig wirr klingt? Ihr werdet am Ende vermutlich so schlau sein wie am Anfang, aber der Weg lohnt sich, wenn ihr diese Art von Horror liebt. Ich liebe sie. Ich fand es schaurig, aufregend, mitreißend. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, auch wenn ich da nicht so viel Positives gehört habe. Nach dem Ende dieses ersten Bandes will ich aber unbedingt mehr Antworten - und ich habe meine Zweifel, ob ich sie kriege.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 17. März 2024

What Moves the Dead


Hallo meine Horrorhasen,

heute berichte ich wieder ganz frisch von einem Buch, das ich gerade beendet habe. Dieses war neu in meiner Bibliothek verfügbar, und das habe ich direkt zum Anlass genommen, es heute innerhalb von einem Tag zu lesen. Ich weiß gar nicht, wann ich das das letzte Mal mit einem Buch gemacht habe. Vielleicht Passing letzten Februar?

Die Fakten:

  • Autor: T Kingfisher
  • Titel: What Moves the Dead (dts. Was die Toten bewegt)
  • Reihe: Sworn Soldier 1
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Tor Nighfire
  • Seiten: 165
  • Preis: 7,99 Euro
  • Klappentext: "When Alex Easton, a retired soldier, receives word that their childhood friend Madeline Usher is dying, they race to the ancestral home of the Ushers in the remote countryside of Ruravia. What they find there is a nightmare of fungal growths and possessed wildlife, surrounding a dark, pulsing lake. Madeline sleepwalks and speaks in strange voices at night, and her brother Roderick is consumed with a mysterious malady of the nerves. Aided by a redoubtable British mycologist and a baffled American doctor, Alex must unravel the secret of the House of Usher before it consumes them all."

Zur Handlung: Alex Easton ist ehemaliger Soldat eines kleinen vergessenen europäischen Landes, das gern Krieg mit anderen Ländern führt, aber immer verliert. Aufgrund dessen hat das Militär eine sehr besondere Rolle, die auch mit eigenen Pronomen geehrt wird. Alex ist also weder sie noch er, sondern ka. Alex erhält einen Brief einer früheren Freundin, dass diese krank ist und vielleicht sterben wird. Daher macht sich Alex auf zu deren Villa.

Doch kaum dort angekommen, ist Alex entsetzt davon, wie zerfallen diese Villa ist. Überall wachsen Pilze und Pflanzen, ein Teil des Hauses ist eingestürzt, und es scheint nur zwei Bedienstete zu geben. In der Villa befinden sich Alex' alte Freunde, ein Geschwisterpaar, und deren Bekannter, ein amerikanischer Arzt. Doch Alex wird das Gefühl nicht los, dass noch mehr in diesem Haus lebt als diese paar Menschen.

In dieser Neuerzählung des Fall of the House of Usher, eine Kurzgeschichte von Edgar Allen Poe, die ich letzten Herbst gelesen habe, bekommen wir eine etwas ausführlichere Ausgestaltung der Ereignisse mit etwas mehr Antworten als im Original. Auch Alex als Charakter ist neu erfunden. Trotzdem folgt die Geschichte recht nah den Geschehnissen aus dem Original.

Alex als Charakter fand ich sehr spannend. Die Idee, dass Soldaten eigene Pronomen erhalten und damit über der simplen Geschlechtertrennung stehen, fand ich sehr interessant. Wir haben auch Charaktere, die mit diesem Konzept ihre Problemchen haben, was für viele Leser vielleicht auch eine Hilfe ist. Alex spricht auch darüber, dass einige Personen daher den Militärdienst nutzen, um Geschlechterrollen zu entkommen. Alex dagegen hat sich dafür entschieden, damit Alex' Familie genug Geld hat.

Als weitere Charaktere lernen wir Madeline und Roderick kennen. Die beiden letzten Ushers haben die zerfallende Villa geerbt und aus finanziellen Gründen müssen sie dort wohnen. Madeline hat eine ominöse Krankheit, Roderick scheint aber auch nicht ganz fit zu sein. Außerdem ist ihr Freund Denton vor Ort, der Arzt ist, aber nicht wirklich qualifiziert, Madeline zu helfen. Das sind, wenn ich mich nicht völlig täusche, die Figuren aus der Originalgeschichte, die hier etwas mehr Charakter erhalten. Daneben haben wir Miss Potter, die Pilze studiert und immer wieder in der Umgebung des Hauses auftaucht. Sie fand ich auch besonders spannend. Allerdings bekommen sowohl die Briten als auch die Amerikaner hier ein bisschen ihr Fett weg.

Die Geschichte fand ich nicht sehr spannend, wenn man die Originalgeschichte kennt und das Cover anschaut, dann weiß man ja, was los ist. Dennoch fand ich es gut geschrieben und sehr atmosphärisch. Kingfisher hat sich auch bemüht, die Verbindungen zwischen dem Befall und dem Effekt - um mal nicht zu viel zu sagen - realistischer aufzuziehen als andere Geschichten in dieser Richtung. Es gibt auf jeden Fall eine schaurige Momente, und in einem davon wird auch ein Hase seziert, nur dass ihr gewarnt seid.

Ich denke, dass die Geschichte hier wirklich in der Kürze die Würze findet. Länger hätte sie nicht sein können, ohne dass es sich zu sehr zieht. Hier macht die Autorin für mich alles richtig. Mir hat ein bisschen der klassische Kingfisher-Schreibstil gefehlt. Ich habe jetzt schon recht viele ihrer Bücher gelesen, und ich liebe ihren Humor. Der hält sich hier aber sehr zurück. Es gibt schon Schmunzler, vor allem auch wenn es um Alex' Pferd Hob geht, aber kein Vergleich zu anderen Büchern. Mir hat dadurch was gefehlt, auch wenn es tonal hier vielleicht nicht gepasst hätte.

Alles in allem empfehle ich die Geschichte - und jetzt sage ich etwas schockierendes: ich mag sie lieber als Mexican Gothic. Was da der Vergleich ist, könnt ihr euch entweder denken, oder ihr müsst beide Bücher lesen und es herausfinden. Es ist nicht mein liebstes Kingfisher-Buch (das bleibt Nettle & Bone), und auch nicht mein liebster Horror von ihr (da fand ich sowohl Hollow Places als auch House with Good Bones besser). Aber es ist trotzdem eine solide Novelle mit Gruselfaktor. Ich werde bald auch Band 2 lesen und davon berichten.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Donnerstag, 29. Februar 2024

Out There Screaming


Hallo meine Horrorleser,

heute möchte ich euch eine Geschichtensammlung vorstellen, die verschiedene Horrorgeschichten von Schwarzen Autoren zusammenträgt. Dabei waren viele Namen dabei, die mich direkt haben aufhorchen lassen. Und bei Horror bin ich ja sowieso gleich interessiert.

Die Fakten:

  • Editor: Jordan Peele
  • Titel: Out There Screaming
  • Erschienen: 2023
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 369
  • Preis: 23,82 Euro
  • Klappentext: "A cop begins seeing huge, blinking eyes in place of the headlights of cars that tell him who to pull over. Two freedom riders take a bus that leaves them stranded on a lonely road in Alabama, where several unsettling somethings await them. A young girl dives into the watery depths in search of the demon that killed her parents. Here you'll find monster-hunters fighting monsters, humanoid AIs fighting for their rights and an Igbo woman standing up to a powerful spirit."

Zu den einzelnen Geschichten:

  • Reckless Eyeballing von N K Jemisin

Diese erste Geschichte von einer meiner Lieblingsautorinnen ist knapp unter 20 Seiten lang und ziemlich eklig. Wir folgen einem Schwarzen Polizisten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Übeltäter zu bestrafen. Dabei handelt er nicht immer innerhalb der Linien des Gesetzes. Eines Tages beginnt er dann auffällige Augen zu sehen, und in seinem Versuch herauszufinden, was diese bedeuten, gerät sein Leben auf eine ganz neue Bahn. Ich gebe der Geschichte 4 Sterne, nicht so sehr gruslig, als einfach sehr abstoßend.

  • Eye & Tooth von Rebecca Roanhorse

Die Bücher von Rebecca Roanhorse will ich schon ewig lesen, wenn sie doch endlich mal eine Reihe zu Ende schreiben würde. Daher habe ich mich sehr auf ihre Geschichte gefreut. Sie ist auch knapp unter 20 Seiten lang und erzählt von zwei Geschwistern, die Monster jagen. Sie werden zu einer entlegenen Ranch in Texas gerufen, wo etwas im Kornfeld auf der Jagd ist. Es war eine schöne kleine Gruselgeschichte mit einem guten Twist am Ende, ich gebe auch hier 4 Sterne.

  • Wandering Devil von Cadwell Turnbull

Auch die Bücher von Cadwell Turnbull sind auf meiner Wunschliste, und ich war gespannt auf diese Geschichte. Wir folgen einem Mann, der einer Familie von rastlosen Wanderern entspannt. Aufgewachsen bei der Großmutter macht er sich eines Tages auf den Weg die USA zu erkunden. Inzwischen lebt er in einer Stadt, in der er sich in eine Frau verliebt hat, die bereit ist mit ihm ein Leben zu starten, aber er weiß nicht, ob er bleiben kann oder die Wanderlust ihn wieder packt. Leider war diese Geschichte ziemlich langweilig, wenn auch gut geschrieben. Horror war es für mich nicht. Ich gebe ihr 3 Sterne.

  • Invasion of the Baby Snatchers von Lesley Nneka Arimah

Von dieser Autorin hatte ich bisher nicht gehört und war gespannt auf die Geschichte. Sie ist etwa 20 Seiten lang und setzt an dem Klischee der Alienschwangerschaft an, die mich direkt erstmal an die Sims erinnert hat (denn da können auch männliche Sims nach einer Entführung durch Aliens schwanger werden). Wir folgen einer Protagonistin, die genau solche Alienbabys jagt. Ich fand die Geschichte an sich spannend und kreativ, die Art, wie sie mit diesem Klischee spielt, aber am Ende zu offen. Ich gebe ihr 4 Sterne. Auch hier war für mich etwas wenig Horror und mehr Sci-Fi.

  • The Other One von Violet Allen

Diese Geschichte ist etwa 15 Seiten lang und wieder von einer Autorin, die ich bisher nicht kannte. Wir folgen Angela, die in ihrer Familie das weiße Schaf ist. Allerdings hat ihr Partner sie verlassen, und sie kommt nicht gut damit klar. Plötzlich schreibt ihr allerdings eine andere Frau von seiner Nummer und verlangt, dass sie vorbeikommt. Für Angela beginnt eine seltsame Nacht. Diese Geschichte war nicht wirklich für mich. Eifersucht und Herzschmerz sind für mich einfach keine sehr relevanten Themen, mit denen ich etwas anfangen kann. Daher gebe ich der Geschichte 3 Sterne.

  • Lasirén von Erin E Adams

Von dieser Autorin hatte ich schon ein Buch im Auge, habe allerdings den Namen nicht gleich erkannt, sondern es erst beim Googlen gesehen. Diese Geschichte ist unter 10 Seiten lang und folgt drei Schwestern auf Haiti, die von ihrer Mutter vor dem Meer und seltsamen Frauen darin gewarnt werden. Ich liebe Geschichten über Meerjungfrauen und Sirenen immer, vor allem wenn sie dunkel und gruslig sind. Auch hier war ich sehr begeistert, wie viel die Autorin auf den wenigen Seiten rüberbringt. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.

  • The Rider von Tananarive Due

Auf diese Geschichte war ich so gespannt, denn ich habe ein Buch der Autorin schon so ewig auf meiner Wunschliste und konnte es kaum erwarten ihren Schreibstil zu testen. Wir folgen zwei Schwestern, die sich in den 60er Jahren, während der Jim Crow-Ära in den USA, für die Bürgerrechtsbewegung engagieren. Sie wollen zu einer Demonstration mit dem Bus fahren, allerdings bekommen sie schon bei der Abfahrt ein schlechtes Gefühl. Sie sind die einzigen Reisenden in dem Bus, und nachdem sie eine Zeit eingeschlafen waren, scheinen sie nicht mehr auf der richtigen Strecke zu sein. Ich mochte diese Geschichte sehr, vor allem auch durch die Verortung in der Geschichte und die Frage, wer in dieser Geschichte das Monster ist. Ich gebe ich auch 5 Sterne.

  • The Aesthete von Justin C Key

Diese Geschichte ist mit 28 Seiten ziemlich lang für diese Sammlung. Von dem Autor hatte ich noch nicht gehört. Es ist eine Sci-Fi-Geschichte über künstliche Intelligenz, doch in dieser Welt werden die Roboter Art (also Kunst) genannt. Wir folgen einem männlichen Art, der recht jung seinen Creator verloren hat. Doch dann trifft er eine weibliche Art, die ihn an seinen Creator erinnert. Leider war diese Geschichte nicht für mich. Sie versucht etwas zu machen, aber das ist einfach kein Thema, was mich sehr interessiert. Es hat mich etwas an die beiden Kazuo Ishiguro-Bücher erinnert, die ich bisher gelesen habe: eine Mischung aus Klara and the Sun und Never Let Me Go. Ich gebe dieser Geschichte 3 Sterne.

  • Pressure von Ezra Claytan Daniels

Diese Geschichte, die mit etwa 15 Seiten wieder eher kurz ausfällt, ist in der zweiten Person geschrieben, was ich persönlich liebe, viele andere aber gar nicht mögen. Ich werde nie verstehen warum, weil für mich zieht es einen dann direkt mehr in die Geschichte hinein. Wir folgen einer mixed-race Person, die in einer weißen Familie großgeworden ist und diese Familie besuchen fährt. Dabei befinden wir uns scheinbar in einer Zeit, in der extreme Wetterverhältnisse noch viel häufiger geworden sind, sodass zum Beispiel Flugzeuge nun dauernd abstürzen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich für die Geschichte einfach ein bisschen zu blöd war, ich habs nicht wirklich verstanden. Ich mochte aber den Schreibstil sehr, also gebe ich 4 Sterne.

  • Dark Home von Nnedi Okorafor

Mit etwa 25 Seiten ist dies eine der längeren Geschichten in diesem Buch. Ich war sehr darauf gespannt, weil ich schon oft von Nnedi Okorafors Büchern gehört hatte. Wir folgen einer Frau, die gerade ihren Vater verloren hat, damit allerdings nicht gut zurecht kommt. Bei seiner Bestattung beschließt sie sich gegen die nigerianischen Traditionen ihrer Familie zu wenden und muss dann mit den Konsequenzen leben. Ihr amerikanisches Leben ist voller technischer Überwachung, doch selbst die kann ihr nun kein Gefühl von Sicherheit mehr vermitteln. Die Szene, wo sie im Auto feststeckt und über die Kamera in ihrem Haus nach ihrem Hund schaut - für alle Haustierbesitzer ein Alptraum. Auch so fand ich die Geschichte sehr spannend und auch schaurig. Ich gebe 4 Sterne.

  • Flicker von L D Lewis

Diese ca 15 Seiten lange Geschichte ist wieder ein schnellerer Lesesnack. Die Autorin kannte ich vorher nicht, aber ich hatte gehört, dass einige Leute diese Geschichte sehr toll fanden. Wir folgen einer jungen Frau, die sehr schlechte Sicht hat und deren Bruder ein Augenarzt ist. An einem normal scheinenden Tag verschwindet für 21 Sekunden für alle Menschen die Sicht - die Welt wird einfach dunkel - und dann stürzt alles in Chaos. Mir war das Ende etwas so abrupt und offen in einer Art, aber es ist schon eine gruslige Vorstellung. Ich gebe 4 Sterne.

  • The Most Strongest Obeah Woman of the World von Nalo Hopkinson

Auch diese Geschichte ist wieder über 25 Seiten lang und damit eine der längeren in diesem Band. Die Autorin kannte ich bisher nicht, aber es fand es spannend, dass wir hier auf karibische Inspiration aufbauen. Die Sprache ist hier auch mit dem Akzent geschrieben, was für Nichtmuttersprachler vielleicht etwas herausfordernd ist, aber bestimmte gerade im Hörbuch toll funktioniert. Wir folgen einem jungen Mädchen, das sich an einer Meereskreatur rächen möchte, die ihre Eltern getötet hat, aber dann eine seltsame Verbindung mit dem Wesen eingeht. Es hat dadurch ein starkes Body-Horror-Element. Für mich war das eher eine traurige Geschichte, da das Wesen sehr wie ein Tintenfisch geschrieben ist, und ich mag es einfach nicht, wenn diese für Horror verwendet werden. Ich gebe der Geschichte trotzdem 4 Sterne, weil sie gut geschrieben war. 

  • The Norwood Trouble von Maurice Broaddus

 Diese Geschichte mit etwa 15 Seiten folgt einem Mädchen, dass in einer Schwarzen Community in Indianapolis lebt. Die Geschichte ist eher historisch und spielt kurz nach dem Bürgerkrieg in den USA. Der Horror hier liegt vor allem in der Geschichte des Kukluxklans und den schrecklichen Verbrechen, die diese begangen haben. Doch in dieser Geschichte schlägt ein kleines Mädchen vielleicht zurück. Ich fand den Schreibstil etwas verwirrend und gebe 4 Sterne.

  • A Grief of the Dead von Rion Amilcar Scott

Diese Geschichte war auch wieder über 25 Seiten lang und leider gar nicht für mich. Es gibt ja einfach unterschiedliche Arten von Horror, und ich bin nicht von allen davon überzeugt. Hier haben wir im Kern eine Zombie-Geschichte, auch wenn viel anderes drumherum passiert. Und es gibt sehr wenige Zombie-Geschichten, die ich mag. Diese Geschichte habe ich tatsächlich über mehrere Tage gelesen, weil es einfach nicht geklickt hat. Es kommen auch noch Riesenvögel vor, die mich an eine Szene in Es erinnert haben. Insgesamt gebe ich 3 Sterne.

  • A Bird Sings by the Etching Tree von Nicole D Sconiers

In dieser etwa 20 Seiten langen Geschichte geht es um Autounfälle. Wir folgen einer Protagonistin, die in den 1990er Jahren bei einem Unfall ums Leben kommt und nun den Straßenabschnitt, auf dem es passiert ist, bespukt. Als an der gleichen Stelle ein anderes Mädchen bei einem Unfall stirbt, finden sie beiden Geistern zusammen und beginnen ein tödliches Spiel. Die Geschichte war auch nicht so richtig für mich, vielleicht auch weil mir für das Thema Straßenverkehr dann doch einige Vokabeln fehlen. Ich gebe 4 Sterne.

  • An American Fable von Chesya Burke

Diese nicht ganz 20 Seiten lange Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Wir befinden uns in den USA nach dem Ersten Weltkrieg, wo Schwarze Soldaten für dieses Land gekämpft haben und nun zurückkehren und weiter wie Dreck behandelt werden. Das hat mich direkt an Mudbound erinnert, einer der besten Filme auf Netflix. In dieser Geschichte geht es allerdings um einen Mann in einem Zug, der von einem mysteriösen Kind vor einem weißen Mob gerettet wird. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.

  • Your Happy Place von Terence Taylor

Auch diese Geschichte ist unter 20 Seiten lang und wir folgen einem Mann, der das perfekte Leben hat. Doch die Firma, für die er arbeitet, ist dubios, und er entschließt sich der Sache auf den Grund zu gehen. Sie bieten ein neues Projekt an, bei dem Gefangene im Gefängnis ihre Strafe mindern können, wenn sie über ein Computerprogramm neue Fähigkeiten erlernen. Ich fand diese Geschichte super, sie ist eine Mischung aus Get Out und Matrix, und verweist auf die großen Probleme des amerikanischen Gefängnissystems. Ich gebe 5 Sterne.

  • Hide & Seek von P Djèlí Clark

Jetzt komme noch einmal eine Geschichte von einem Autor, den ich schon kenne und sehr mag. In dieser Geschichte treffen wir auf ca 20 Seiten zwei kleine Jungen und ihre Mutter. Sie spielen ein seltsames Versteck-Spiel, bei dem es um Magie, und vielleicht sogar um Leben und Tod, geht. Dabei geht es thematisch um Drogenabhängigkeit, und die Hilflosigkeit, die Kinder von abhängigen Eltern erfahren. Ich mochte die Geschichte, ich gebe ihr 4 Sterne.

  • Origin Story von Tochi Onyebuchi

Diesen Autor habe ich schon länger im Auge und war daher gespannt auf seine Geschichte, die das Buch zum Abschluss bringt. Mit etwa 30 Seiten scheint die Geschichte lang, sie ist aber nicht als Fließtext geschrieben, sondern als Theaterstück. Wir haben eine Szene mit vier weißen Jungen, die auf den Beginn eines Kurses warten. Hier merke ich wieder, dass ich für manche Dinge einfach nicht schlau genug bin, denn ich habe mit Sicherheit nicht alles verstanden, was in diesem Text steckt. Ich gebe 4 Sterne. 

Alles in allem hat mir diese Sammlung von Geschichten sehr gut gefallen. Es ist wirklich für jeden und jede etwas dabei. Ich hoffe, ihr seid nun inspiriert sie vielleicht auch irgendwann zu lesen. Für mich war es eine schöne Gelegenheit ein paar neue Autoren zu entdecken. Neben den Geschichten fand ich übrigens auch das Vorwort von Jordan Peele, der den Film Get Out gemacht hat, sehr interessant.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 22. Februar 2024

The Changeling


Hallo meine Horrorhasen,

machen wir direkt weiter mit einem Buch, das ich gerade erst beendet habe. Victor LaValle habe ich schon lange auf meiner Wunschliste gehabt, und letztes Jahr war er mit seinem neuen Buch sehr erfolgreich. Ich wollte trotzdem gern mit diesem beginnen, weil es viele Preise gewonnen und viel gelobt worden ist. Und ich bereue diese Entscheidung nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Victor LaValle
  • Sprecher: Victor LaValle
  • Titel: The Changeling
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Random House Audio
  • Dauer: 14 Std 2min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "When Apollo Kagwa's father disappeared, he left his son a box of books and strange recurring dreams. Now, Apollo is a father himself - and as he and his wife, Emma, settle into their new lives as parents, exhaustion and anxiety start to take their toll. Apollo's old dreams return, and Emma begins acting odd. At first, Emma seems to be exhibiting signs of postpartum depression. But before Apollo can do anything to help, Emma commits a horrific act and vanishes. Thus begins Apollo’s quest to find a wife and child who are nothing like he'd imagined. His odyssey takes him to a forgotten island, a graveyard full of secrets, a forest where immigrant legends still live, and finally back to a place he thought he had lost forever."

Zur Handlung: Alles beginnt mit einer jungen Frau, die aus Afrika in die USA flieht, und dort einen weißen Mann kennen lernt. Alles beginnt mit seinem Durchhaltevermögen, wenn sie nicht einwilligen will mit ihm auf ein Date zu gehen. Alles beginnt mit der Geburt ihres Sohnes Apollo, der zu einem Jungen heranwächst, der Alpträume zum Verschwinden seines Vaters hat, und Bücher liebt. Alles beginnt mit einem Bibliotheksverkauf, bei dem dieser Junge, nun selbst erwachsen, die Liebe seines Lebens trifft, und ein Jahr darauf wartet, dass sie von einem Abenteuer zurückkehrt. Alles beginnt mit der Geburt seines Sohnes.

In dieser Geschichte folgen wir den komplizierten Familiendynamiken der Kagwas und den Geheimnissen, die die Familienmitglieder voreinander bewahren. Vermischt wird das ganze mit mythischen Sagen, die vielleicht wahr sind, aber vielleicht auch nur dazu dienen, das Schrecklichste irgendwie verständlich zu machen. Und die Frage, die sich Apollo Kagwa stellen muss: ist er ein guter Vater?

Wenn man dieses Buch zu lesen beginnt, dann ist zunächst nichts davon Horror. Es ist eher eine Familiengeschichte, die auch noch sehr romantisch und mit viel Feingefühl erzählt wird. Das bleibt so für das erste Viertel des Buches. Der Autor nimmt sich Zeit die Charaktere vorzustellen und ein kleines realistisches Idyll einer Familie aufzubauen, sodass dann die Fallhöhe noch größer ist. Und oh mein Gott, war die Fallhöhe große.

Apollo als Hauptcharakter ist an sich gut gewählt, aber war für mich persönlich manchmal anstrengend. Er versucht so sehr ein guter Vater zu sein. Dabei gibt es einige Kommentare zu den "New Dads", und auch einige Fehler, die er begeht, die man im Jahr 2024 meilenweit sehen sollte. Aber natürlich ist das bis heute nicht bei allen angekommen, und 2017 sah das noch ganz anders aus. Was ich hier so kryptisch umschreibe, ist zum Beispiel die Tatsache, dass man keine 100 Fotos seines Kindes einfach ins Internet stellt, egal wie sehr man sich nach Likes sehnt.

Neben Apollo haben wir zwei wichtige Frauen. Einerseits ist da seine Mutter, die ihn zum Großteil allein aufgezogen hat, und wo definitiv Geheimnisse ans Licht komment werden. Ich mochte diese Frau, die so viel auf sich genommen hat, um ein Leben in den USA zu starten. Doch wie das immer so ist mit Eltern und Kindern, weiß Apollo nicht alle ihre Opfer zu schätzen. Und dann haben wir Emma, die ich am Anfang sehr mochte. Sie ist Bibliothekarin und für Apollo nicht leicht herumzukriegen. Doch nach und nach entfremden sich Apollo und Emma, und dadurch wird Emma auch eine Fremde für uns Leser.

In diesem Buch steckt sehr viel drin und es passiert auch sehr viel. Wie gesagt, der Anfang liest sich nicht wie ein Horror. Im zweiten Viertel passieren dann sehr grausame und schreckliche Dinge, sodass da eher Horrorgefühle aufkommen. Dann wandelt es sich aber eher Richtung Thriller, denn Apollo versucht herauszufinden, warum diese schrecklichen Dinge geschehen sind, und begibt sich auf eine Art Jagd. Am Ende erfahren wir dann, was das Übel ist, was hinter allem steht, und dann kommen Horrorelemente zurück. Alles in allem ist das für mich aber kein klassischer Horrorroman, auch wenn viel Schreckliches darin geschieht.

Ich würde auf jeden Fall allen Personen abraten dieses Buch zu lesen, die gerade frisch Eltern geworden sind oder in nächster Zeit (nochmal) Eltern werden. Das Buch beschäftigt sich viel mit dem Verlust von Kindern und mit deren Verschwinden. Gleichzeitig kommen auch Themen wie Post Partum Depressionen vor. Allerdings ist es auch nicht unbedingt das perfekte Buch, wenn ihr nicht gern über Kinder lest, denn vor allem in dem ersten Viertel werden dann doch ziemlich viele Windeln gewechselt. Ich habe mich durch den Teil etwas durchgebissen, ging schon.

Ich fand die Auflösung am Ende nicht perfekt gelungen. Es gibt dann doch noch viele lose Fäden, zu denen ich nicht genug Antworten bekommen habe, um das Buch zu einem neuen Favoriten zu machen. Es ist schwer das ohne spoilern zu erklären, aber für mich hat es gar keinen Sinn gemacht, dass Apollo und Emma die ersten sind, die etwas gegen das Übel unternehmen. Dass sie vielleicht als erste erfolgreich sind, ok, aber niemand hat sich da mal aufgelehnt? Mit allem, was die so wissen?

Trotzdem hat das Buch viele wundervolle Momente, viele schaurige Momente, und es nimmt einen wirklich mit auf eine Reise. Ich bin sehr froh, dass ich das Buch endlich gelesen habe, auch wenn das Grundkonzept von einem Changeling, also einem Kind, das einem von magischen Wesen untergejubelt wird, für mich eher abschreckend war. Aber es hat sich gelohnt und ich werde mehr Victor LaValle lesen.

Wenn ihr Apple TV+ habt, könnt ihr euch zum Buch auch eine Serie anschauen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 13. Februar 2024

Ring Shout


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte ich euch von einer Novelle berichten, die ich letztes Jahr gehört habe, und die mir sehr viel Lesespaß gebracht hat, auch wenn es um ein ernstes und wichtiges Thema geht: Rassismus in den Vereinigten Staaten. Allerdings wird hier eine alternative Geschichte verfasst, in der Monster die Mitglieder des Kukluxklans unterwandern.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Sprecher: Channie Waites
  • Titel: Ring Shout
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 5 Std 36min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "In 1915, The Birth of a Nation casts a spell across America, swelling the Klan's ranks and drinking deep from the darkest thoughts of white folk. All across the nation they ride, spreading fear and violence among the vulnerable. They plan to bring hell to Earth. But even Ku Kluxes can die. Standing in their way are Maryse Boudreaux and her fellow resistance fighters, a foulmouthed sharpshooter and a Harlem Hellfighter. Armed with blade, bullet, and bomb, they hunt their hunters and send the Klan's demons straight to hell. But something awful's brewing in Macon, and the war on hell is about to heat up. Can Maryse stop the Klan before it ends the world?"

Zur Handlung: Maryse ist eine Monsterjägerin, doch die Monster, die sie jagt, sind mehr als außergewöhnlich. Verkleidet als Mitglieder des Kukluxklan sind die Kukluxe einer der Gründe, warum die Gewalt gegen Schwarze Personen in den USA immer mehr eskaliert. Doch diese Monster sind nicht leicht zu töten, sodass Maryse und ihre Kameradinnen sich ausgefallene Taktiken überlegen müssen, wie sie gegen diese Monster bestehen.

Doch als sie nach einem Einsatz zurückkehren zu ihren Kameradinnen, wird deutlich, dass es noch deutlich größere und bösere Monster gibt als die Kukluxe. Maryse muss sich fragen, wie sie diesen neuen Feind besiegen kann - bevor noch mehr weiße Menschen auf die Seite des Hasses wandern.

Ich glaube, wenn ihr bei dem Pitch "Bad-ass Schwarze Frauen gehen auf die Jagd nach Monstern im Kukluxklan" Lust bekommt, dann solltet ihr das Buch einfach lesen. Wenn nicht, dann kann ich euch auch nicht helfen. Dieses alternative Horror-Fantasy-Setting der Geschichte hat mir gut geholfen, denn die Monster sind eine Metapher für das, was so viel Schmerz in die Welt gebracht hat.

Maryse als Hauptfigur hat mir sehr gut gefallen. Sie ist eine starke, begabte Frau, die sich nicht auf einen Mann verlassen muss, sondern selbst gut durchs Leben kommt. Das heißt nicht, dass sie ohne Liebe lebt, sondern dass sie frei ist zu lieben, wie sie möchte. Außerdem ist sie ihren Kameradinnen gegenüber loyal und verlässlich, und würde alles tun sie zu schützen. Und sie hat absolut keine Angst, dem Bösen ins Auge zu blicken - oder in den Mund?

Neben Maryse gibt es noch einige andere Charaktere, die aber nicht so im Fokus stehen, weil es nur eine Novelle ist. Trotzdem habe ich gerade ihre Kampfgefährtinnen so lieb gewonnen. Wer aber dann noch heraussticht, ist der Bösewicht, den Maryse bekämpfen wird. Hier will ich aber nichts spoilern. Nur so viel: ich kann einen Fleischer nie wieder mit den gleichen Augen sehen.

Dieses Buch wird, was die Horror-Fantasy-Elemente angeht, sehr wild. Darauf sollte man sich einlassen können. Ich habe kein Problem damit, ein Buch einfach mal machen zu lassen und zu schauen, wo es mich hinbringt. Aber wenn man lieber schöne stringente Geschichte ohne die wildesten Fantasie-Auswüchse möchte, dann ist das hier vielleicht nicht die richtige Geschichte. Außerdem muss ich warnen: es wird schon auch echt gruslig und eklig. Zumindest war es so für mich.

Wir bekommen dann auch ein recht großes Finale, wo alles auf dem Spiel steht. Also P Djèli Clark hält in diesen wenigen Seiten/Minuten wirklich nichts zurück. Ich habe mit Maryse mitgefiebert und letztlich fand ich das Ende auch sehr befriedigend, wenn auch eben... echt wild und - kann man das kreativ nennen?

Alles in allem kann ich euch diese Novelle nur empfehlen. Wenn ihr eine ähnliche Geschichte möchtet, die nicht ganz so abgespacet und gruslig/eklig wird, dann empfehle ich stattdessen Dread Nation - da geht es ums Zombie-Jagen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Aber irgendwie merke ich, solche Monsterjäger-Geschichten sagen mir wirklich zu, da hab ich viel Spaß mit.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:




Sonntag, 11. Februar 2024

White is for Witching


Hallo meine Lieblingsleser,

eine Autorin, die ich 2023 endlich testen wollte, war Helen Oyeyemi. Ich habe schon viel über ihre Bücher gehört, vor allem dieses, und es war immer alles sehr durchmischt. Das hat meine Neugier aber geweckt, sodass ich letztes Jahr endlich mal selbst geschaut habe, ob mir diese Autorin zusagt.

Die Fakten:

  • Autor: Helen Oyeyemi
  • Titel: White is for Witching
  • Erschienen: 2009
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 245
  • Preis: 12,50 Euro
  • Klappentext: "The mazy house on the cliffs near Dover has been home to generations of Silver women - and it never lets them go. Reeling from the sudden death of her mother Lily, Miranda Silver is newly resident, young and bright and vulnerable. In this place where apples grow in the depths of winter and secret floors are revealed in the night, she starts to eat chalk and to hear voices. As slowly she too begins to disappear, her twin brother Eliot and her best friend Ore are left asking Where is Miranda? But only the house has the answer, and in this spine-tingling tale of magic and memory, the house isn't telling..."

Zur Handlung: Als ihre Mutter Lily stirbt, sind Eliot und Miranda gerade in dem Alter die Schule abzuschließen und an die Uni zu gehen. Allerdings verstärkt der Verlust Mirandas Essstörung, sodass sie in Behandlung muss und viel Schule dadurch verpasst. Als sie nach Hause zurückkehrt und erfährt, dass ihr Bruder ohne sie studieren gehen will, beschließt sie allerdings, trotzdem einen Platz an der Eliteuni zu bekommen, an die er gehen will.

An dieser Uni lernt sie dann Ore kennen, eine Schwarze Mitstudentin. Die beiden verbindet schnell eine intensive Freundschaft und vielleicht auch mehr, und Miranda beschließt irgendwann, Ore nach Hause einzuladen. Aber vielleicht ist es für Ore nicht sicher, Mirandas Haus zu betreten.

Es ist unheimlich schwer, dieses Buch zusammenzufassen, weil die Handlung selbst eigentlich nicht so wichtig ist. Stattdessen geht es vor allem um die Atmosphäre, das Haus und die Charaktere. Aber auch der Schreibstil ist hier sehr besonders, was man direkt auf den ersten Seiten merkt, wo man irgendwie keine Ahnung hat, was eigentlich passiert.

Im Buch haben wir mehr oder weniger drei zentrale Figuren. Das meiste dreht sich um Miranda, die eine Essstörung hat und Kreide essen will. Hier sollte jeder selbst entscheiden, ob das ein Thema ist, worüber ihr lesen wollt und könnt oder nicht. Sie wirkt von der Welt distanziert, manchmal wie aus einer anderen Welt. Aber gleichzeitig ist sie auch eine junge Erwachsene, und vor allem in der Beziehung mit Ore findet sie auch mehr Leidenschaft. Ich fand sie interessant, aber ich wöllte sie jetzt nicht im echten Leben treffen.

Ihr Bruder Eliot tut einem manchmal ein wenig Leid, aber verdient das vielleicht gar nicht. Er ist der Zwilling und hat sein ganzes Leben mit Miranda verbracht. Wir sehen, dass das Spuren hinterlässt. Der Moment, wo sie beschließt an seiner Zieluni angenommen zu werden, hat mir echt weh getan, weil wir so die Welt aus seiner Perspektive an einem perfekten Beispiel sehen. Und man kann sich dann echt streiten, ob er ein gutes Bruder ist oder nicht. Ob er einfach ausgebrannt ist. Ich fand diesen Blick auf jeden Fall auch spannend.

Und schließlich haben wir in der zweiten Hälfte des Buches dann Ore. Hier regt mich erstmal der Klappentext auf, denn wenn man das Buch liest, dann sind Ore und Miranda nicht "beste Freundinnen", sondern zwischen den beiden entspannt sich eine sehr intensive und leidenschaftliche Beziehung. Dennoch ist Ore auch ein bisschen die vernünftige Person in diesem Buch. Sie ist Schwarz und weiß, dass ihr das das Leben schwerer machen wird. Das sehen wir schon bei ihrem ersten richtigen Auftreten im Buch während der Aufnahmetests an der Uni. Trotzdem kann sie sich Mirandas Bann nicht entziehen, auch wenn sie das vielleicht in Gefahr bringt.

Als weiteren Charakter haben wir dann das Haus, und das Haus war für mich am schwersten zu durchschauen. Dieses Haus liebt die Frauen dieser Familie, aber es lässt sie auch nicht los. Gleichzeitig hat das Haus eine ganz klare Einstellung People of Color gegenüber, was wir an mehreren Beispielen sehen können. Und das Haus ist auch nicht super begeistert davon, dass es jetzt ein kleines Hotel ist. Ich bin wirklich gespannt das Buch nochmal zu lesen und zu schauen, wie viel ich dann besser verstehe.

Worum es letztlich wirklich in diesem Buch geht, müsst ihr selbst herausfinden. Es ist auf jeden Fall eins dieser Bücher, für das ich mich zu dumm fühle. Gleichzeitig baut es eine tolle Atmosphäre auf, die fast schon aus den Seiten heraustritt. Ich mochte auch den Blick auf Miranda und ihre Essstörung, auch wenn ich nicht bewerten kann, wie akkurat die Darstellung ist. Aber das Haus geht einem so schnell nicht aus dem Kopf.

So seltsam wie Helen Oyeyemis Bücher sind, so seltsam liest sich sicher auch diese Review. Aber vielleicht hat es ja trotzdem oder gerade deswegen euer Interesse geweckt. Ich habe auf jeden Fall schon das nächste Buch von ihr hier bereit liegen, wenn ich wieder Lust auf weird bekomme.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 26. Oktober 2023

Turn of the Screw and Other Ghost Stories


Hallo meine Gruselleser,

wie lange ist es inzwischen her, dass ich Haunting of Bly Manor geschaut habe und dachte, ich muss unbedingt Turn of the Screw lesen? Einige Jahre. Aber nun ist es endlich soweit. Dieses Jahr wird dieses Buch gelesen! (Wenn ihr diesen Post seht, ist es dann tatsächlich auch passiert - ich manifestiere es hier.)

Die Fakten:

  • Autor: Henry James
  • Titel: Turn of the Screw and Other Ghost Stories
  • Erschienen: 2017 (die Geschichten sind aus dem späten 19. Jahrhundert)
  • Verlag: Penguin Classics
  • Seiten: 326 + Notes und Introduction
  • Preis:
  • Klappentext: "'I see ghosts everywhere', wrote Henry James, who retained a fascination with the supernatural and sensational throughout his writing career. This new collection brings together eight of James's tales exploring the uncanny, including his infamous ghost story, 'Turn of the Screw', a work saturated with evil, in which a fraught governess becomes convinced that malicious spirits are menacing the children in her care. The other masterly works here include 'The Jolly Corner', 'Owen Wingrave' and further tales of visitations, premonitions, madness, grief and family secrets, where the living are just as mysterious and unknowable as the dead."

Ich werde wie immer kurz auf jeden Geschichte eingehen und am Ende mein Gesamtfeedback geben:

  • The Romance of Certain Old Clothes (1868)

Die erste Geschichte ist 20 Seiten lang und ist in dieser Form auch Teil der TV-Serie Haunting of Bly Manor. Das hat dazu geführt, dass ich von der Geschichte beim Lesen nicht sehr überrascht war, denn die Adaption war sehr genau. Diese Geschichte folgt zwei Schwestern, die den gleichen Mann ins Auge fassen. Eine Schwester gewinnt seine Liebe, doch als sie plötzlich stirbt, kommt die andere Schwester zum Zuge. Allerdings wird die Eifersucht auch nach dem Tode noch zwischen ihnen stehen. Ich mochte die Geschichte schon in der Serie, daher gebe ich ihr 4 Sterne.

  • The Last of the Valerii (1874)

Die zweite Geschichte füllt etwa 30 Seiten. Wir befinden uns in Italien, wo eine junge Amerikanerin einen Italiener in Rom heiratet. In ihrer Villa beginnen sie mit Ausgrabungen, und treffen dabei tatsächlich auf alte Schätze. Doch diese Schätze scheinen den italienischen Ehemann auf seltsame Weise in Beschlag zu nehmen, und es fraglich, ob man ihn noch retten kann. Ich mochte den Flair der Geschichte, aber es war etwas langgezogen, und hat auch einen fremdenfeindlichen Unterton. Daher gebe ich 3 Sterne.

  • Sir Edmunde Orme (1891)

In dieser Geschichte von etwa 30 Seiten begleiten wir einen jungen Mann, der ein schönes Mädchen und ihre Mutter kennen lernt und deren Leben sich dann miteinander verbandeln. Während er sich in das Mädchen verliebt, muss er allerdings feststellen, dass sie von etwas heimgesucht wird, und dass dies mit der Familiengeschichte zusammenhängt. Die Frage ist, ob er sich nun wirklich in dieses Feld begeben will. Irgendwie habe ich einfach ein bisschen Probleme mit der Sprache in diesen Geschichten - definitiv ein Me-Problem. Dadurch wirkt es dann auf mich etwas zäh, und auch am Ende hätte ich mir noch etwas mehr Closure gewünscht. Ich gebe 3 Sterne.

  • Owen Wingrave (1892)

In dieser ebenfalls etwa 30 Seiten langen Geschichte folgen wir einem angehenden Soldaten und dessen Ausbilder. Als der junge Owen Wingrave beschließt, dass er nicht ins Militär möchte, beginnt eine seltsame Abfolge von Dingen, die schließlich tödlich enden wird. Allerdings fand ich den Verlauf der Handlung sehr klassisch für Geistergeschichten. Ich habe mich dann eher gefragt, welche Aussagen über das Militär Henry James hier treffen wollte. Ich gebe auch hier 3 Sterne.

  • The Friends of the Friends (1896 as The Way It Came)

Diese Geschichte ist ebenfalls knapp 30 Seiten lang. Die Erzählerin ist hier tatsächlich mal eine Frau, die uns von einem Mann erzählt, den sie getroffen hat, und der ihr erzählt, dass er den Geist seiner Mutter gesehen hat, als diese gestorben ist. Die Frau ist daraufhin überzeugt davon, dass es Schicksal ist, dass der Mann eine sehr gute Freundin von ihr trifft, die ebenfalls den Geist ihres Vaters gesehen hat, und sie versucht die beiden zu einem gemeinsamen Treffen zu bringen. Diese Geschichte hat mich leider völlig kalt gelassen, vermutlich auch aufgrund des sehr eingeschränkten Frauenbilds, was hier portraitiert wird. Am Ende geht es um Eifersucht, die so (unbegründet und) langlebig ist, dass sie selbst über den Tod der vermeintlichen Rivalin hinausgeht. Dabei mag ich vor allem Geistergeschichten, die im Kern mit Trauer zu tun haben - aber um die tote Freundin wird hier überhaupt nicht getrauert. 2 Sterne von mir.

  • The Turn of the Screw (1898)

Im Gegensatz zu den Kurzgeschichten handelt es sich hier um eine Novelle mit etwa 110 Seiten. Wir folgen einer jungen Frau, die behütet aufgewachsen ist und nun ihre erste Stelle als Gouvernante für zwei Kinder antritt. Dazu reist sie zu einem abgelegenen Landhaus namens Bly, wo sie vor allem die kleine Flora, später auch ihren größeren Bruder Miles beaufsichtigt. Obwohl sie zunächst Schlimmes befürchtet, lebt sie sich jedoch gut ein und ist verzaubert von der Schönheit der beiden Kinder. Mehr und mehr wird ihr dann aber klar, dass etwas Unsägliches in Bly umgeht. Vor allem diese Geschichte hatte mich sehr interessiert, da sie die größte Inspiration für die Serie Spuk in Bly Manor bietet. Dabei sieht man schon, wie einige Ideen für die Serie übernommen oder ausgebaut wurden. Für mich ist die Geschichte einerseits schon gruslig, weil es um Kinder geht, die sich nicht so verhalten, wie man es von Kindern erwarten würde, gleichzeitig sehe ich aber die beiden Kinder aus der Serie vor mir, und überhaupt die Darsteller, die das so einzigartig zu Leben erweckt haben. Alles in allem hat die Geschichte mir dann gut gefallen und ich würde ihr 4 Sterne geben.

  • The Third Person (1900)

Diese wieder etwa 30 Seiten lange Geschichte erzählt von zwei Frauen, die zwar Verwandte sind, sich aber nie getroffen haben, bis sie gemeinsam ein Haus erben. Sie beschließen dort gemeinsam zu wohnen, beide sind unverheiratet und damit zufrieden. Doch bald stellt sich heraus, dass eine dritte Person in diesem Haus lebt - und doch nicht mehr lebt. Die beiden überlegen nun, wie sie diesen Dritten loswerden. Für mich hat sich die Geschichte etwas gezogen, aber das Ende fand ich gut. Ich mochte auch, dass hier die beiden Damen komplexer dargestellt werden als in den frühen Geschichten - da hat jemand dazugelernt. 4 Sterne von mir.

  • The Jolly Corner (1908)

Diese letzte Geschichte des Buches ist etwa 35 Seiten lang und berichtet von einem Mann, der viele viele Jahre nicht in seiner Heimatstadt New York City gelebt hat, nun aber zurückkommt und in seinem Kindheitszuhause nach einem Geist sucht. Dabei wird er getrieben von der Frage, was aus ihm geworden wäre, wenn er nicht den Großteil seines Lebens in Europa verbracht hätte. Auch der enorme Wandel von New York wird angesprochen. Alles in allem habe ich diese Geschichte nur schlecht verstanden. Es kommt darin auch noch eine Frau vor, und die Beziehung der beiden war mir völlig unklar. Ich würde ihr vermutlich 2 Sterne geben.

Und damit habe ich es endlich geschafft, alle Geschichten des Buches sind gelesen. Ich habe festgestellt, dass Henry James einfach nicht für mich ist. Ich fand es interessant zu sehen, wo einige Ideen für die Serie Spuk in Bly Manor herkamen, aber so richtig gelohnt hat sich das Leseerlebnis dafür nicht. Vielleicht hätte ich hier etwas von einer Übersetzung profitiert, weil das Buch auch sprachlich eine Herausforderung war. Aber ich fand viele Geschichten leider eher langweilig. Eine Leseempfehlung kann ich nicht geben.

Habt ihr Henry James schon gelesen? Und hat euch die Serie zu Bly gefallen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Montag, 23. Oktober 2023

Our Last Echoes


Hallo meine Horrorfreunde,

heute möchte ich euch von einem Buch berichten, dass mir zumindest ein bisschen Gruselstimmung im Oktober beschert hat. Irgendwie bin ich dieses Jahr nicht in Halloween-Stimmung, es ist wirklich traurig. Aber Kate Alice Marshall schreibt meine Art von Horror, und ich bin sehr froh, dass ich noch einige ihrer Bücher vor mir habe. Von diesem hier hatte ich vorher gar nichts gehört, aber es war in Publication Order das nächste nach Rules for Vanishing, und ich würde empfehlen, die Reihenfolge einzuhalten.

Die Fakten:

  • Autor: Kate Alice Marshall
  • Sprecher: Kathleen McInerney, Robbie Daymond, Rob Shapiro
  • Titel: Our Last Echoes
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Listening Library
  • Dauer: 10 Std 38min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext: "Sophia's earliest memory is of drowning. She remembers the darkness of the water and the briny taste as it filled her throat, the sensation of going under. She remembers hands pulling her back to safety, but that memory is impossible - she's never been to the ocean. But then Sophia gets a mysterious call about an island named Bitter Rock, and learns that she and her mother were there 15 years ago - and her mother never returned. The hunt for answers lures her to Bitter Rock, but the more she uncovers, the clearer it is that her mother is just one in a chain of disappearances. People have been vanishing from Bitter Rock for decades, leaving only their ghostly echoes behind. Sophia is the only one who can break the cycle - or risk becoming nothing more than another echo haunting the island."

Zur Handlung: Sophia ist als Pflegekind aufgewachsen, nachdem sie sehr früh ihre Mutter verloren hat. Als sie 18 Jahre alt wird und das erste Mal ganz auf sich allein gestellt ist, bekommt sie jedoch einen Anruf, der sie schließen lässt, dass ihre Mutter nicht bei einem Unfall gestorben ist - vielleicht gar nicht gestorben ist - sondern auf einer Insel in Alaska verschwunden ist. Sophia beschließt nun, ihre Mutter zu suchen.

Als sie auf Bitter Rock ankommt, gibt sie sich als Praktikantin für die Ornithologen aus, die auf dieser Insel eine seltene Vogelart beobachten. Sie hofft, dass sie so unerkannt und ohne Probleme die verschiedenen Ecken der Insel erkunden kann. Doch die Menschen auf der Insel wissen vielleicht mehr, als sie zugeben. Und Sophia ist vielleicht genau die Person, auf die das Böse auf der Insel gewartet hat...

Diese Geschichte wird in Form von Mixed Media erzählt. Wir folgen Sophia's Geschichte vor allem in Form eines Protokolls, dass sie über ihre Zeit auf Bitter Rock geschrieben hat. Gleichzeitig bekommen wir allerdings auch Transkripte von Videoaufnahmen von verschiedenen Personen, die Zeit auf der Insel verbracht haben, und kurze Interviewausschnitte, die ein aus Rules for Vanishing bekannter Charakter mit Sophia und anderen Personen führt. Das Setup ist also genau wie in Rules for Vanishing, was ich direkt toll fand.

Kate Alice Marshall schreibt genau die Art von Horror, die ich liebe: absurd, aber angsteinflößend. Die Art von Horror, bei der unsere Vorstellungen von Realität ins Wanken geraten. Dabei gibt es auch inhaltlich eine Verbindung zwischen den Geschehnissen auf Bitter Rock und den Geschehnissen auf der Straße in Rules for Vanishing. Wenn ihr ersteres also mochtet, auch die Auflösung am Ende, dann lest hier auf jeden Fall weiter!

Mit Sophia haben wir aber eine ganz neue Hauptfigur. Sie hatte bisher ein schwieriges Leben, vor allem weil sie häufig von Gefühlen überwältigt wird, die sie nicht zuordnen kann. Das führt teilweise zu einer Art Anfall, sodass sie schon als Kind nur sehr schwer Freunde gefunden hat. Inzwischen ist sie dadurch eine sehr selbständige Person, der es jedoch auch schwer fällt Menschen an sich heranzulassen. Ich mochte sie als Hauptfigur, sie hat auf jeden Fall ihre Geheimnisse - und einige kennt sie selbst noch nicht. 

An Sophias Seite haben wir dann vor allem Liam und Abby. Liam ist der Sohn der Wissenschaftlerin, bei der Sophia ihr Praktikum machen will. Er ist auf die Insel verbannt, aber hat eigentlich kein gutes Verhältnis mit seiner Mutter. (Tatsächlich hat Liam zwei Mütter und er lebt eigentlich bei seiner anderen Mutter.) Abby kennen wir bereits aus Rules for Vanishing, und ich möchte hier nicht zu viel sagen. Sie ist auf ihrer eigenen Suche. Ich mochte die Kombination der drei, die eine unterhaltsame Chemie haben. 

Darüber hinaus haben wir auch ein bisschen Einblick in die wissenschaftliche Arbeit, die bleibt allerdings sehr am Rande. Denn wir werden immer wieder von einem seltsamen Nebel erwischt, in dem sich Dinge zu bewegen scheinen. Der Horror in diesem Buch ist sehr verknüpft mit Natur, mit dem Nebel, mit Vögeln und mit Echos. Ihr solltet euch auch darauf einstellen, dass einige Vögel zu Schaden kommen in der Geschichte. Ich fand das Setting und die Dinge im Nebel wirklich gruslig und gut gemacht.

Wenn ich es jetzt mit Rules for Vanishing vergleiche, dann fand ich es schon etwas grusliger und kreativer. Hier gibt es zwar auch wieder unterschiedliche Elemente mit dem Bunker und der Kirche, aber es ist nicht ganz so kreativ. Trotzdem hat mir die Geschichte gut gefallen, wir haben auch ein bisschen romantische Untertöne, und ich hatte einfach so viel Spaß beim Hören und wollte unbedingt wissen, wie alles endet.

Das Ende fand ich dann auch gut gelungen. Die Charaktere müssen definitiv Opfer bringen und es wird auch wieder ziemlich abgespacet, was mich aber gar nicht stört bei Horrorgeschichten. Es gibt dann aber auch Lichtblicke und schöne Momente. Und es wird angedeutet, dass die Rahmengeschichte noch nicht zu Ende ist, also auch weitere Companion-Bücher folgen können. Ob das bei These Fleeting Shadows, dem nächsten Buch der Autorin, schon der Fall ist, konnte ich bisher nicht herausfinden. 

Habt ihr denn ein besonders gutes Horrorbuch gelesen in letzter Zeit?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: