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Donnerstag, 29. Februar 2024

Out There Screaming


Hallo meine Horrorleser,

heute möchte ich euch eine Geschichtensammlung vorstellen, die verschiedene Horrorgeschichten von Schwarzen Autoren zusammenträgt. Dabei waren viele Namen dabei, die mich direkt haben aufhorchen lassen. Und bei Horror bin ich ja sowieso gleich interessiert.

Die Fakten:

  • Editor: Jordan Peele
  • Titel: Out There Screaming
  • Erschienen: 2023
  • Verlag: Picador
  • Seiten: 369
  • Preis: 23,82 Euro
  • Klappentext: "A cop begins seeing huge, blinking eyes in place of the headlights of cars that tell him who to pull over. Two freedom riders take a bus that leaves them stranded on a lonely road in Alabama, where several unsettling somethings await them. A young girl dives into the watery depths in search of the demon that killed her parents. Here you'll find monster-hunters fighting monsters, humanoid AIs fighting for their rights and an Igbo woman standing up to a powerful spirit."

Zu den einzelnen Geschichten:

  • Reckless Eyeballing von N K Jemisin

Diese erste Geschichte von einer meiner Lieblingsautorinnen ist knapp unter 20 Seiten lang und ziemlich eklig. Wir folgen einem Schwarzen Polizisten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Übeltäter zu bestrafen. Dabei handelt er nicht immer innerhalb der Linien des Gesetzes. Eines Tages beginnt er dann auffällige Augen zu sehen, und in seinem Versuch herauszufinden, was diese bedeuten, gerät sein Leben auf eine ganz neue Bahn. Ich gebe der Geschichte 4 Sterne, nicht so sehr gruslig, als einfach sehr abstoßend.

  • Eye & Tooth von Rebecca Roanhorse

Die Bücher von Rebecca Roanhorse will ich schon ewig lesen, wenn sie doch endlich mal eine Reihe zu Ende schreiben würde. Daher habe ich mich sehr auf ihre Geschichte gefreut. Sie ist auch knapp unter 20 Seiten lang und erzählt von zwei Geschwistern, die Monster jagen. Sie werden zu einer entlegenen Ranch in Texas gerufen, wo etwas im Kornfeld auf der Jagd ist. Es war eine schöne kleine Gruselgeschichte mit einem guten Twist am Ende, ich gebe auch hier 4 Sterne.

  • Wandering Devil von Cadwell Turnbull

Auch die Bücher von Cadwell Turnbull sind auf meiner Wunschliste, und ich war gespannt auf diese Geschichte. Wir folgen einem Mann, der einer Familie von rastlosen Wanderern entspannt. Aufgewachsen bei der Großmutter macht er sich eines Tages auf den Weg die USA zu erkunden. Inzwischen lebt er in einer Stadt, in der er sich in eine Frau verliebt hat, die bereit ist mit ihm ein Leben zu starten, aber er weiß nicht, ob er bleiben kann oder die Wanderlust ihn wieder packt. Leider war diese Geschichte ziemlich langweilig, wenn auch gut geschrieben. Horror war es für mich nicht. Ich gebe ihr 3 Sterne.

  • Invasion of the Baby Snatchers von Lesley Nneka Arimah

Von dieser Autorin hatte ich bisher nicht gehört und war gespannt auf die Geschichte. Sie ist etwa 20 Seiten lang und setzt an dem Klischee der Alienschwangerschaft an, die mich direkt erstmal an die Sims erinnert hat (denn da können auch männliche Sims nach einer Entführung durch Aliens schwanger werden). Wir folgen einer Protagonistin, die genau solche Alienbabys jagt. Ich fand die Geschichte an sich spannend und kreativ, die Art, wie sie mit diesem Klischee spielt, aber am Ende zu offen. Ich gebe ihr 4 Sterne. Auch hier war für mich etwas wenig Horror und mehr Sci-Fi.

  • The Other One von Violet Allen

Diese Geschichte ist etwa 15 Seiten lang und wieder von einer Autorin, die ich bisher nicht kannte. Wir folgen Angela, die in ihrer Familie das weiße Schaf ist. Allerdings hat ihr Partner sie verlassen, und sie kommt nicht gut damit klar. Plötzlich schreibt ihr allerdings eine andere Frau von seiner Nummer und verlangt, dass sie vorbeikommt. Für Angela beginnt eine seltsame Nacht. Diese Geschichte war nicht wirklich für mich. Eifersucht und Herzschmerz sind für mich einfach keine sehr relevanten Themen, mit denen ich etwas anfangen kann. Daher gebe ich der Geschichte 3 Sterne.

  • Lasirén von Erin E Adams

Von dieser Autorin hatte ich schon ein Buch im Auge, habe allerdings den Namen nicht gleich erkannt, sondern es erst beim Googlen gesehen. Diese Geschichte ist unter 10 Seiten lang und folgt drei Schwestern auf Haiti, die von ihrer Mutter vor dem Meer und seltsamen Frauen darin gewarnt werden. Ich liebe Geschichten über Meerjungfrauen und Sirenen immer, vor allem wenn sie dunkel und gruslig sind. Auch hier war ich sehr begeistert, wie viel die Autorin auf den wenigen Seiten rüberbringt. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.

  • The Rider von Tananarive Due

Auf diese Geschichte war ich so gespannt, denn ich habe ein Buch der Autorin schon so ewig auf meiner Wunschliste und konnte es kaum erwarten ihren Schreibstil zu testen. Wir folgen zwei Schwestern, die sich in den 60er Jahren, während der Jim Crow-Ära in den USA, für die Bürgerrechtsbewegung engagieren. Sie wollen zu einer Demonstration mit dem Bus fahren, allerdings bekommen sie schon bei der Abfahrt ein schlechtes Gefühl. Sie sind die einzigen Reisenden in dem Bus, und nachdem sie eine Zeit eingeschlafen waren, scheinen sie nicht mehr auf der richtigen Strecke zu sein. Ich mochte diese Geschichte sehr, vor allem auch durch die Verortung in der Geschichte und die Frage, wer in dieser Geschichte das Monster ist. Ich gebe ich auch 5 Sterne.

  • The Aesthete von Justin C Key

Diese Geschichte ist mit 28 Seiten ziemlich lang für diese Sammlung. Von dem Autor hatte ich noch nicht gehört. Es ist eine Sci-Fi-Geschichte über künstliche Intelligenz, doch in dieser Welt werden die Roboter Art (also Kunst) genannt. Wir folgen einem männlichen Art, der recht jung seinen Creator verloren hat. Doch dann trifft er eine weibliche Art, die ihn an seinen Creator erinnert. Leider war diese Geschichte nicht für mich. Sie versucht etwas zu machen, aber das ist einfach kein Thema, was mich sehr interessiert. Es hat mich etwas an die beiden Kazuo Ishiguro-Bücher erinnert, die ich bisher gelesen habe: eine Mischung aus Klara and the Sun und Never Let Me Go. Ich gebe dieser Geschichte 3 Sterne.

  • Pressure von Ezra Claytan Daniels

Diese Geschichte, die mit etwa 15 Seiten wieder eher kurz ausfällt, ist in der zweiten Person geschrieben, was ich persönlich liebe, viele andere aber gar nicht mögen. Ich werde nie verstehen warum, weil für mich zieht es einen dann direkt mehr in die Geschichte hinein. Wir folgen einer mixed-race Person, die in einer weißen Familie großgeworden ist und diese Familie besuchen fährt. Dabei befinden wir uns scheinbar in einer Zeit, in der extreme Wetterverhältnisse noch viel häufiger geworden sind, sodass zum Beispiel Flugzeuge nun dauernd abstürzen. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich für die Geschichte einfach ein bisschen zu blöd war, ich habs nicht wirklich verstanden. Ich mochte aber den Schreibstil sehr, also gebe ich 4 Sterne.

  • Dark Home von Nnedi Okorafor

Mit etwa 25 Seiten ist dies eine der längeren Geschichten in diesem Buch. Ich war sehr darauf gespannt, weil ich schon oft von Nnedi Okorafors Büchern gehört hatte. Wir folgen einer Frau, die gerade ihren Vater verloren hat, damit allerdings nicht gut zurecht kommt. Bei seiner Bestattung beschließt sie sich gegen die nigerianischen Traditionen ihrer Familie zu wenden und muss dann mit den Konsequenzen leben. Ihr amerikanisches Leben ist voller technischer Überwachung, doch selbst die kann ihr nun kein Gefühl von Sicherheit mehr vermitteln. Die Szene, wo sie im Auto feststeckt und über die Kamera in ihrem Haus nach ihrem Hund schaut - für alle Haustierbesitzer ein Alptraum. Auch so fand ich die Geschichte sehr spannend und auch schaurig. Ich gebe 4 Sterne.

  • Flicker von L D Lewis

Diese ca 15 Seiten lange Geschichte ist wieder ein schnellerer Lesesnack. Die Autorin kannte ich vorher nicht, aber ich hatte gehört, dass einige Leute diese Geschichte sehr toll fanden. Wir folgen einer jungen Frau, die sehr schlechte Sicht hat und deren Bruder ein Augenarzt ist. An einem normal scheinenden Tag verschwindet für 21 Sekunden für alle Menschen die Sicht - die Welt wird einfach dunkel - und dann stürzt alles in Chaos. Mir war das Ende etwas so abrupt und offen in einer Art, aber es ist schon eine gruslige Vorstellung. Ich gebe 4 Sterne.

  • The Most Strongest Obeah Woman of the World von Nalo Hopkinson

Auch diese Geschichte ist wieder über 25 Seiten lang und damit eine der längeren in diesem Band. Die Autorin kannte ich bisher nicht, aber es fand es spannend, dass wir hier auf karibische Inspiration aufbauen. Die Sprache ist hier auch mit dem Akzent geschrieben, was für Nichtmuttersprachler vielleicht etwas herausfordernd ist, aber bestimmte gerade im Hörbuch toll funktioniert. Wir folgen einem jungen Mädchen, das sich an einer Meereskreatur rächen möchte, die ihre Eltern getötet hat, aber dann eine seltsame Verbindung mit dem Wesen eingeht. Es hat dadurch ein starkes Body-Horror-Element. Für mich war das eher eine traurige Geschichte, da das Wesen sehr wie ein Tintenfisch geschrieben ist, und ich mag es einfach nicht, wenn diese für Horror verwendet werden. Ich gebe der Geschichte trotzdem 4 Sterne, weil sie gut geschrieben war. 

  • The Norwood Trouble von Maurice Broaddus

 Diese Geschichte mit etwa 15 Seiten folgt einem Mädchen, dass in einer Schwarzen Community in Indianapolis lebt. Die Geschichte ist eher historisch und spielt kurz nach dem Bürgerkrieg in den USA. Der Horror hier liegt vor allem in der Geschichte des Kukluxklans und den schrecklichen Verbrechen, die diese begangen haben. Doch in dieser Geschichte schlägt ein kleines Mädchen vielleicht zurück. Ich fand den Schreibstil etwas verwirrend und gebe 4 Sterne.

  • A Grief of the Dead von Rion Amilcar Scott

Diese Geschichte war auch wieder über 25 Seiten lang und leider gar nicht für mich. Es gibt ja einfach unterschiedliche Arten von Horror, und ich bin nicht von allen davon überzeugt. Hier haben wir im Kern eine Zombie-Geschichte, auch wenn viel anderes drumherum passiert. Und es gibt sehr wenige Zombie-Geschichten, die ich mag. Diese Geschichte habe ich tatsächlich über mehrere Tage gelesen, weil es einfach nicht geklickt hat. Es kommen auch noch Riesenvögel vor, die mich an eine Szene in Es erinnert haben. Insgesamt gebe ich 3 Sterne.

  • A Bird Sings by the Etching Tree von Nicole D Sconiers

In dieser etwa 20 Seiten langen Geschichte geht es um Autounfälle. Wir folgen einer Protagonistin, die in den 1990er Jahren bei einem Unfall ums Leben kommt und nun den Straßenabschnitt, auf dem es passiert ist, bespukt. Als an der gleichen Stelle ein anderes Mädchen bei einem Unfall stirbt, finden sie beiden Geistern zusammen und beginnen ein tödliches Spiel. Die Geschichte war auch nicht so richtig für mich, vielleicht auch weil mir für das Thema Straßenverkehr dann doch einige Vokabeln fehlen. Ich gebe 4 Sterne.

  • An American Fable von Chesya Burke

Diese nicht ganz 20 Seiten lange Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Wir befinden uns in den USA nach dem Ersten Weltkrieg, wo Schwarze Soldaten für dieses Land gekämpft haben und nun zurückkehren und weiter wie Dreck behandelt werden. Das hat mich direkt an Mudbound erinnert, einer der besten Filme auf Netflix. In dieser Geschichte geht es allerdings um einen Mann in einem Zug, der von einem mysteriösen Kind vor einem weißen Mob gerettet wird. Ich gebe der Geschichte 5 Sterne.

  • Your Happy Place von Terence Taylor

Auch diese Geschichte ist unter 20 Seiten lang und wir folgen einem Mann, der das perfekte Leben hat. Doch die Firma, für die er arbeitet, ist dubios, und er entschließt sich der Sache auf den Grund zu gehen. Sie bieten ein neues Projekt an, bei dem Gefangene im Gefängnis ihre Strafe mindern können, wenn sie über ein Computerprogramm neue Fähigkeiten erlernen. Ich fand diese Geschichte super, sie ist eine Mischung aus Get Out und Matrix, und verweist auf die großen Probleme des amerikanischen Gefängnissystems. Ich gebe 5 Sterne.

  • Hide & Seek von P Djèlí Clark

Jetzt komme noch einmal eine Geschichte von einem Autor, den ich schon kenne und sehr mag. In dieser Geschichte treffen wir auf ca 20 Seiten zwei kleine Jungen und ihre Mutter. Sie spielen ein seltsames Versteck-Spiel, bei dem es um Magie, und vielleicht sogar um Leben und Tod, geht. Dabei geht es thematisch um Drogenabhängigkeit, und die Hilflosigkeit, die Kinder von abhängigen Eltern erfahren. Ich mochte die Geschichte, ich gebe ihr 4 Sterne.

  • Origin Story von Tochi Onyebuchi

Diesen Autor habe ich schon länger im Auge und war daher gespannt auf seine Geschichte, die das Buch zum Abschluss bringt. Mit etwa 30 Seiten scheint die Geschichte lang, sie ist aber nicht als Fließtext geschrieben, sondern als Theaterstück. Wir haben eine Szene mit vier weißen Jungen, die auf den Beginn eines Kurses warten. Hier merke ich wieder, dass ich für manche Dinge einfach nicht schlau genug bin, denn ich habe mit Sicherheit nicht alles verstanden, was in diesem Text steckt. Ich gebe 4 Sterne. 

Alles in allem hat mir diese Sammlung von Geschichten sehr gut gefallen. Es ist wirklich für jeden und jede etwas dabei. Ich hoffe, ihr seid nun inspiriert sie vielleicht auch irgendwann zu lesen. Für mich war es eine schöne Gelegenheit ein paar neue Autoren zu entdecken. Neben den Geschichten fand ich übrigens auch das Vorwort von Jordan Peele, der den Film Get Out gemacht hat, sehr interessant.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 19. September 2023

Girl Woman Other


Hallo meine Bücherfreunde,

heute kommen wir zu einem Buch, das ich wahrscheinlich nie gelesen hätte, wenn ich es nicht in der Bibliothek gefunden hätte. Ich hatte darüber viel Gutes, aber auch einiges Enttäusches gehört, und irgendwie war ich nicht sicher, ob das so in dem Format für mich ist. Aber no risk, no fun, heute findet ihr es heraus.

Die Fakten: 

  • Autor: Bernadine Evaristo
  • Titel: Girl, Woman, Other (dts. Mädchen Frau etc.)
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Penguin Books
  • Seiten: 452
  • Preis: 9,97 Euro
  • Klappentext: "This is Britain as you've never read it. This is Britain as it has never been told. From the top of the country to the bottom, across more than a century of change and growth and struggle and life, Girl, Woman, Other follows twelve very different characters on an entwined journey of discovery. It is future, it is past. It is fiction, it is history. It is a novel about who we are now." 

Meine Bewertung der einzelnen Geschichten:

  • Ch 1 - Amma, Yazz, Dominique

Wir beginnen mit Amma, die ein Theaterstück inszeniert, was am Ende auch dafür genutzt wird, um verschiedene Stränge der Geschichten miteinander zu verbinden. Wir folgen auch ihrer Tochter, die nun studiert, und Dominique, Amma's bester Freundin, die in eine gleichgeschlechtliche toxische Beziehung gerät. Amma fand ich für den Anfang eher anstrengend, weil ich dieses ganze feministische Künstlerding nicht so interessant finde. Yazz mochte ich, sie ist auch der jüngste Charakter im ganzen Buch, auch wenn sie ein bisschen seltsame Ansprüche hat. Dominique war dann schon hart zu lesen, aber auch interessant. Es hat sehr gut gezeigt, dass es jedem passieren kann, in so eine ungesunde Beziehung zu geraten. Insgesamt für mich ein durchwachsener Anfang.

  • Ch 2 - Carole, Bummi, LaTisha

Mit Carole haben wir eine Figur aus benachteiligten Bedingungen, die es in eine sehr hohe Position schafft und darauf auch stolz ist. Bummi ist ihre Mutter und durch sie sehen wir, welchen Preis Carole und ihre Familie für ihren Erfolg bezahlen. LaTisha war Carole's Schulfreundin, aber ihr Lebensweg ist ein ganz anderer, mit drei Kindern, alle von verschiedenen Männern, bevor sie dreißig ist. In diesen Geschichten geht es viel um sexuelle Gewalt und Vergewaltigung, auch an Minderjährigen. Hier fand ich vor allem Bummis Perspektive interessant, die ihre Tochter nun an eine "weiße" Lebenswelt verloren hat. Für mich hätte so viel Vergewaltigung in so großem Detail nicht sein müssen.

  • Ch 3 - Shirley, Winsome, Penelope

Shirley ist Carole's Lehrerin gewesen, wir folgen ihr aber viel früher in ihrer Karriere. Winsome ist ihre Mutter und Penelope ist eine andere Lehrerin an der gleichen Schule, die allerdings älter als Shirley ist. Ich glaube, an sich hat mir dieses Kapitel am besten gefallen. Ich mochte den Blick auf das Schulsystem, wie Shirley voller Elan in diese Welt startet und dann über die Jahre demoralisiert wird. Wie das britische Schulsystem auch immer schlechter für benachteiligte Kinder wird. Die Geschichte von Winsom hat einen familialen Faux Pas, von dem ich schon gehört hatte und über den sich einige aufgeregt haben, aber das Leben ist eben kompliziert. Bei Penelope fragt man sich ein wenig, warum sie in diesem Buch auftaucht, aber es wird am Ende alles verbunden. Sie steht ein bisschen für die Altfeministinnen, für die Intersektionalität noch kein Konzept ist.

  • Ch 4 - Megan/Morgan, Hattie, Grace

Mit Megan bzw. im Laufe der Geschichte Morgan bekommen wir eine non-binäre Trans-Person präsentiert. Hattie ist deren Großmutter und Grace wiederum deren Mutter. Dieses Kapitel war nicht so meins. Die Trans-Geschichte fühlte sich sehr gezwungen an, als bräuchte die Autorin eine Plattform, um Transgender und Non-Binarität zu erklären. Das fand ich sehr schade. Die Geschichte von Hattie war ziemlich herzzerreißend, ihr eigener Vater hat ihr ihr Kind weggenommen und wer weiß damit gemacht. Und danach bekommen wieder seltsamerweise die Liebesgeschichte von Grace mit dem besagten Vater, was einfach sehr icky war. In der Geschichte geht es dann auch um Post Partum-Depressionen, aber ich weiß nicht, wie gut ich das Thema aufgearbeitet fand. Ein bisschen ein fragwürdiger Abschluss.

  • Ch 5 + Epilogue

An diesem Punkt werden viele der Figuren zusammengeführt, aber da in jeder Geschichte ja auch noch eine Handvoll Nebencharaktere existiert, war ich dann großteils nur noch maximal verwirrt, wer jetzt wer ist und wen kennt und woher. Der Epilog beantwortet dann noch eine Frage, hat mich aber leider emotional dann nicht so berührt, wie er sollte.

Alles in allem war das Buch tatsächlich eher nicht für mich. Es waren schon ein paar interessante Aspekte in den Geschichten, aber auch Vieles, was mich nicht weitergebracht hat oder mich nicht so interessiert hat. Ich fand auch die verschiedenen Timelines so verwirrend, weil wir nie Jahreszahlen zu den Geschichten bekommen und ich beim Generationenzurückrechnen einfach versage. Dadurch hat dann häufig auch Kontext für die Handlungen der Charaktere gefehlt. Ich bin nicht böse, dass ich es gelesen habe, aber werde es auch schnell vergessen.

Habt ihr das Buch gelesen? Wie hat es euch gefallen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 15. September 2023

Deutsche Heldensagen


Hallo meine Lieblingsleser,

für den Magical Readathon im letzten Monat hatte ich eine Leseaufgabe, die mir sehr schwer gefallen ist: ein Buch mit einem Schild auf dem Cover. Nach vielem Stöbern in meinen Regalen habe ich dann dieses Buch gefunden, dass ich vor Jahren aus dem Bücherregal meiner Mutter stibitzt hatte. Und es passte einfach perfekt.

Die Fakten:

  • Autor: Gretel und Wolfgang Hecht
  • Titel: Deutsche Heldensagen
  • Erschienen: 1969
  • Verlag: Insel-Verlag
  • Seiten: 409
  • Preis (einer aktuellen Ausgabe): 16,00 Euro
  • Klappentext (einer aktuellen Ausgabe): "Ob Dietrich von Bern oder Wieland der Schmied, ob Walther und Hildegunde oder Hilde und Kudrun: »Die Gestalten der großen deutschen Heldensagen sind keine Individuen, keine Charaktere im modernen Sinne des Wortes.« Die Sagen selbst gehören aber zum Kanon der überlieferten Weltliteratur, auch wenn wir ihre Autoren nicht kennen. Die »Recken« mit ihren mythischen Waffen und Tarnkappen eignen sich nicht als moralische Vorbilder oder nationale Heroen, ihre Geschichten, Kämpfe, Intrigen und Liebeswirren erzählen vielmehr beispielhaft von der menschlichen Sehnsucht nach Ruhm, Liebe und Anerkennung."

Meine Meinung zu den einzelnen Sagen:

  • Dietrich von Bern

Die ersten 90 Seiten füllen die Geschichten rund um Dietrich von Bern, wir beginnen die deutschen Sagen also im heutigen Italien (denn Bern steht wohl für Verona). An sich mag ich den Schreibstil und die distanziertere Erzählweise von Sagen. Allerdings ist es inhaltlich teilweise nur zum Lachen, teilweise macht es aus heutiger Sicht überhaupt keinen Sinn, vor allem wenn man alle Geschichten nacheinander liest. Vor Jahrhunderten wurden diese Sagen ja sicherlich in einzelnen Episoden erzählt, und so mussten sie inhaltlich nicht übergreifend Sinn machen. Es gibt so viele Personen, die Dietrich erst hasst, dann zu seinen treusten Gefährten macht, und einige davon sind dann wiederum Verräter und Dietrich tötet sie. Die Rolle von Frauen ist auch völlig haarsträubend und erklärt viel, womit wir uns heute noch herumschlagen. So ist eine Königin, die ihren Verehrer ausschickt, um Dietrich an ihren Hof zu holen, damit sie den Helden persönlich treffen kann, und dem sie ihre Hand verspricht, wenn er erfolgreich ist, natürlich schuld an dessen Tod, nicht Dietrich, der den anderen mit dem Schwert tötet. Und Dietrich reitet auch mit dem Kopf extra nochmal zu dem Hof, tötet auch noch den Bruder des anderen, um der Königin zu sagen, dass sie ihren Verehrer getötet hat.... klar. Auch das Heldenhafte hat mich in so vielen Momenten die Augenbrauen hochziehen lassen: ein Dorf von einem Riesen befreien, der es tyrannisiert, ist nicht ehrenvoll genug, lieber einen anderen Helden sonstwo zum Kampf auffordern. Soll das Dorf doch sehen, wo es bleibt. Auch die Rückeroberung seines Reiches macht absolut keinen Sinn. Dietrich gewinnt eine große Schlacht, danach verschwindet er für 30 Jahre zu den Hunnen und lässt sein Volk weiter unter den Besatzern leiden, bis alle seine Mannen getötet sind und er beschließt nach Hause zu gehen, weil hier ist ja jetzt nix mehr für mich... Ähhhh... ja, also diese Geschichte zeigt mir vor allem, dass die Mächtigen und Berühmten schon immer machen konnten, was sie wollten, und die Helden ihrer Geschichte waren. Ich denke, das ist für mich eine 2-Sterne-Geschichte.

  • Die Nibelungen

Die nächsten fast 100 Seiten widmen sich dem Nibelungenschatz. Diese Geschichte kannte ich in Grundzügen schon, und während sie durchaus stringenter ist als die vorhergehende Sage, haben wir doch die gleichen Themen von mächtigen Männern, die immer Helden sind, egal was sie tun, und Frauen, die nie im Recht sind, egal was ihnen angetan wurde. Wie sich der Hass von Brünhild auf Kriemhild fokussiert, obwohl ihr Ehemann und Siegfried sie betrogen und ihre Freiheit und ihr Reich genommen haben... wie die Brüder Kriemhilds zu einem Lehensmann wie Hagen halten, der das Leben ihrer Schwester zerstört... da muss man eben Lust drauf haben. Auch gab es hier ein bisschen zu viele Charaktere, sodass ich dann doch bei den Unwichtigeren den Überblick verloren habe. Trotzdem würde ich der Sage noch 3 Sterne geben.

  • Wieland der Schmied

Ok, diese Sage von rund 30 Seiten ist wirklich die ekelhafteste bisher. Wir folgen Wieland, der der Vater von Witege ist, den wir bereits aus der vorherigen Sage kennen, und auch seine Waffe und sein Pferd kommen hier bereits vor. Ich fand es daher ein wenig seltsam, dass die Sage jetzt erst im Buch ist und sie nicht chronologisch sind. Was diese Geschichte so eklig für mich macht, ist, dass die Rache Wielands daraus besteht zwei Kinder zu ermorden und eine junge Frau zu vergewaltigen, die dann für das Happy End natürlich noch seine Ehefrau wird. Da kann ich nur 1 Stern geben.

  • Walther und Hildegunde

Diese mit etwa 30 Seiten auch eher kurze Sage fängt eigentlich ganz gut, wir ahnen schon eine Liebesgeschichte im Kern des Ganzen. Leider verliert sie sich dann aber am Ende in eine Aufzählung, wer jetzt wen wie tötet. Hier bekommt man allerdings eine andere Sicht auf Hagen als im Nibelungenlied, deswegen frage ich mich auch hier, warum die Anordnung der Sagen nicht chronologisch geschehen ist. Ich gebe 3 Sterne.

  • Ortnit und Wolfdiertrich

Mit etwa 70 Seiten ist diese Sage wieder etwas länger. Diese Geschichte hat mir tatsächlich ganz gut gefallen, auch wenn die Struktur etwas seltsam ist, da wir erst von einem Königreich, dann von einem anderen Königreich lernen. Aber immerhin gab es (fast) keine Vergewaltigung (immerhin eine aus Mitleid???) und die Frauen wurden auch nicht für Dinge verteufelt, die sie nicht getan haben. Auch mit den Drachen und so fühlte es sich einfach nach der Art Sage an, die ich hier eigentlich suche, deswegen gebe ich 4 Sterne. Mir ist allerdings nicht ganz klar, wann diese Geschichte zeitlich spielt, weil es glaube ich schon Verbindungen zu den anderen gibt, zumindest mit dem Schauplatz des Lampartenlandes?

  • Hilde und Kudrun

Und die letzte Sage nochmal etwa 60 Seiten. Diese letzte Geschichte mochte ich, da sie sich viel stärker um Frauen dreht als die anderen. Allerdings ist sie auch unglaublich repetititv, vor allem, wenn man vorher schon die Geschichten über alle entführten Jungfrauen und ihre sturen Väter gelesen hat. In dieser Geschichte werden nämlich gleich zwei Frauen entführt, weil ihre Väter sie nicht verheiraten wollen. Da ich mich leider dann doch sehr gelangweilt habe, weil alles so nach Schema F läuft, gebe ich 3 Sterne.

Insgesamt kann ich es nicht empfehlen, diese Sagen so wie ein anderes Buch zu lesen. Es ist extrem repetitiv, weil die Motive immer wieder die gleichen sind, nur mit verschiedenen Charakteren und Orten. Aber es war schon trotzdem interessant, es bisschen darüber zu lesen, und vor allem die Anmerkungen der Autoren am Ende haben mir sehr gut gefallen. Ich hätte mir gewünscht, dass diese entweder als Vorwort oder als Notizen zu den einzelnen Sagen direkt im Buch gestanden hätten.

Wie steht ihr denn zu alten Sagen? Total spannend oder alt und verstaubt?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 30. Juli 2023

Blackout


Hallo meine Lieblingsleser,

heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass perfekt zu dem Wetter gepasst hat, das uns nun erstmal verlassen hat. Während einer Hitzewelle fällt in New York der Strom auf, und verschiedene Teenager finden in dieser Nacht zueinander. Es handelt sich um eine Sammlung von sechs romantischen Geschichten, die während der Pandemie entstanden sind und ein bisschen Licht in das Dunkel bringen sollten.

Die Fakten:

  • Autor: Dhonielle Clayton, Nic Stone, Tiffany D Jackson, Ashley Woodfolk, Angie Thomas, Nicola Yoon
  • Titel: Blackout
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Electric Monkey
  • Seiten: 250
  • Preis: 8,99 Euro
  • Klappentext: "When a heatwave plunges New York City into darkness, sparks fly for thirteen teenagers caught up in the blackout. When the lights go out, people reveal hidden truth. Love blossoms, friendships transform, and new possibilities take flight."

Wie immer bei solchen Sammlungen von Geschichten sage ich zunächst etwas zu jeder einzelnen, und dann gebe ich mein Gesamtfazit. Meine Meinung zu den einzelnen Geschichten:

  • The Long Walk von Tiffany D Jackson

Hierbei handelt es sich um die Rahmenhandlung, die in 5 Akten erzählt wird. Wir treffen auf Tammi und Kareem, Nachbarn und Ex-Lover, die sich nun auf den gleichen Ferienjob beworben haben. Doch nur einer kann die Stelle haben, doch bevor sie die Entscheidung erfahren, fällt der Strom aus, und notgedrungen machen sie sich zusammen zu Fuß auf den langen Weg nach Hause. Diese Geschichte verbindet die anderen, da die beiden an den Orten vorbeikommen, an denen die anderen Geschichten dann spielen. Das fand ich clever gemacht. Am Ende kommt dann auch alles zur Party zusammen. Dieser Geschichte gebe ich 4 Sterne, weil ich mochte, wie unsere Hauptfigur ein paar Dinge über sich und über ihren Ex lernen musste.

  • Mask off von Nic Stone

In dieser Geschichte folgen wir Tremaine und JJ, die sich schon viele Jahre kennen, aber bisher nicht sehr nah waren. Als der Strom ausfällt, stecken beide in der U-Bahn fest. JJ weiß, dass Tremaine Angst in engen Räumen bekommt, aber er kann sich zunächst nicht überwinden, ihn anzusprechen. Seine Gefühle ihm gegenüber sind einfach zu wirr... ich fand diese Geschichte niedlich, aber hab mir am Ende vielleicht noch etwas mehr erhofft. Vermutlich werde ich sie sehr schnell vergessen. 3 Sterne.

  • Made to Fit von Ashley Woodfolk

Diese Geschichte erzählt von Nella und Joss, die sich im einen Wohnheim für ältere Leute treffen. Nellas Opa lebt dort und Joss bringt regelmäßig ihren Hund vorbei, um die Leute zu unterhalten. Die Geschichte ist sehr sehr süß und niedlich, und im Gegensatz zur vorherigen ein bisschen zu viel für mich. Ich hatte aber trotzdem Spaß beim Lesen, und manchmal muss ja auch ein bisschen Kitsch sein. Ich gebe ihr 4 Sterne, wohlwollend, weil sie doch auch sehr vorhersehbar war.

  • All the Great Love Stories... and Dust von Dhonielle Clayton

In dieser Geschichte treffen wir auf Lana udn Tristán, die schon seit ihrer Kindheit beste Freunde sind. Lana wird die Stadt bald verlassen, und sie hat sich geschworen Tristán vorher noch ihr Geheimnis zu verraten. Als die beiden in der geschlossenen Bibliothek auf der Suche nach einem Buch sind, ergibt sich vielleicht die perfekte Chance dafür. Friends-to-Lovers ist für mich kein Trope, den ich besonders toll finde. Es ist natürlich auch völlig vorhersehbar, was Lana sagen will. Ich mochte die Fußnoten, das hat gut zum Charakter von Lana gepasst. Insgesamt gebe ich nochmal wohlwollend 4 Sterne.

  • No Sleep till Brooklyn von Angie Thomas

Diese Geschichte ist genau die Art Magie, die ich von Angie Thomas erwarte. Wir befinden uns mit Kayla auf einem Schultrip, der ihr Leben verändern könnte. Hin und hergerissen zwischen ihrem Freund und einem neuen Mitschüler weiß sie nicht, mit wem sie zusammensein möchte. Aber im Moment stecken sie eh in einem Tourbus fest, der sich durch den lahmgelegten Verkehr in New York drängt. Das war die Art von erfrischender Romanze, die ich mir erhofft habe, mit ein bisschen Drama und einer Hauptfigur, die ich direkt auf den wenigen Seiten lieb gewonnen habe. 5 Sterne.

  •  Seymor and Grace von Nicola Yoon 
In dieser letzten Geschichte folgen wir Grace auf ihrem Weg zur Block Party. Sie ist im Moment in einem Ryde und ihr Fahrer Seymor hört einen Philosophie-Podcast, der ihr bei ihrem Problem nicht wirklich weiterhilft. Auf besagter Party wird sie nämlich auf ihren Ex und seine neue Freundin treffen. Doch vielleicht ist es ein Zeichen, als das Auto kein Bezin mehr hat. Ich mochte diese Geschichte auch sehr, vor allem weil wir hier beide Perspektiven bekommen. Mir hat gefallen, wie beide Charaktere langsam ihre Vorurteile über einander ablegen und ehrlich zu sich sind. Ich gebe nochmal 4 Sterne.
 

Insgesamt fand ich dieses Buch wirklich sehr niedlich und die Geschichten hatten eine hohe Qualität. Ich bin ja eigentlich kein Romantik-Leser, aber ich hatte hier wirklich Spaß. Natürlich habe mich einige Geschichten mehr gekriegt als andere, das ist aber auch einfach Geschmackssache. Ich würde mir ganz sehr wünschen, dass das Buch verfilmt wird, denn ich glaube, das könnte ein toller Episodenfilm á la Let It Snow (dts. Tage wie diese) werden. Wenn ihr also eine romantische Ader in diese Richtung hab, kann ich das Buch nur empfehlen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 9. Juli 2023

Die letzten Tage des Patriarchats


Hallo meine Lieblingsleser,

dieses Buch habe ich vor einigen Jahren geschenkt bekommen und komme nun endlich dazu es zu lesen. Bei dem Titel dachte ich, es ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Patriarchat und was wir noch alles dagegen tun können, aber bei genauerem Hinsehen habe ich festgestellt, dass es sich um eine Sammlung von Zeitungsartikeln handelt, die die Autorin über die Jahre verfasst hat. 

Die Fakten:

  • Autor: Margarete Stokowski
  • Titel: Die letzten Tage des Patriarchats
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • Seiten: 307
  • Preis: 14,00 Euro
  • Klappentext: "Brauchen wir den Feminismus noch? Oder ist die Revolution bereits geschafft? Margarete Stokowski hat darauf eine eindeutige Antwort. Seit 2011 zeigt sie in ihren Kolumnen, dass es noch einiges zu tun gibt auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Gesellschaft. Sie analysiert den Umgang mit Macht, Sex und Körpern, die #MeToo-Debatte und Rechtspopulismus. Ihre Texte machen Mut, helfen, wütend zu bleiben und doch den Humor nicht zu verlieren."

Da ich es ein bisschen viel finde, meinen Senf zu allen einzelnen Artikeln abzugeben, gehe ich hier stattdessen die Kapitel durch und gebe oder meine Low- and Highlights. 

Meine Meinung zu den einzelnen Kapiteln:

  • Flirten und Vögeln und Liebe

In diesem Kapitel haben wir acht Beiträge, die zwischen 2011 und 2017 geschrieben wurden. Zum ersten Beitrag schreibt die Autorin selbst, dass sie ihn schrecklich findet, aber auch etwas von den sehr frühen nicht sehr guten Sachen einbeziehen wollte. Das ist eine interessante Art das Buch zu beginnen. Allgemein fand ich das Kapitel nur mäßig gut. Die ersten Beiträge haben mir nichts gegeben, vielleicht auch, weil Sex für mich einfach kein so großes Thema im Leben ist. Besonders blöd fand ich den Beitrag zum hessischen Dialekt, und dass der nicht sexy sei. Die späteren Beiträge z.B. zur Bundespräsidentengattin oder zu Sexboykotten fand ich dagegen anregend. 

  • Feminismus

Im zweiten Kapitel haben wir sieben Beiträge von 2015 bus 2018. Es geht dabei vor allem um Einordnungen des Begriffs Feminismus, verschiedene Strömungen, und wer jetzt eigentlich Feministin sein darf und wer nicht. Ich fand diese Beiträge auf jeden Fall ansprechender als im ersten Kapitel, auch wenn jetzt für mich nichts fundamental Neues dabei war. Es ist aber eine interessante kleine Zeitkapsel, so welche Themen wann diskutiert wurden.

  • Bekloppte Zustände

Die acht Artikel in Kapitel 3 stammen von 2012 bis 2018 und versammeln die Meinung der Autorin zu verschiedensten Themen. Es geht um die Jagd nach der Identität von Elena Ferrante, Politiker, die mal wieder einen Realitätscheck bräuchten, den G20-Gipfel in Hamburg und vieles mehr. Dadurch wirkt es etwas eklektisch, und wenn ich der Meinung der Autorin auch in vielen Bereichen zustimme, weiß ich nicht, ob so eine Restkategorie als Kapitel in einem Buch Sinn macht.

  • Männer

In diesen acht Artikeln von 2013 bis 2018 geht es nun um das starke Geschlecht, die Männer. Es geht um den Weihnachtsmann, die Privilegien für Mittelmäßigkeit, Penisse und die Me-Too-Bewegung. Auch hier war es wieder durchwachsen, manche Beiträge haben mir aber sehr gut gefallen. Einiges ist einfach sehr in der Zeit und den Debatten verankert, über die sie erschienen sind. Aber mag aber die kleinen Verweise auf Kommentare und die generelle Rezeption der Artikel an manchen Stellen.

  • Bauch, Beine, Po

In neun Artikeln aus den Jahren 2012 bis 2017 geht es schließlich um weibliche Körper. Das ist ein Thema, das für mich immer gleichzeitig besonders spannend und langweilig ist, denn dazu forsche ich selbst. Daher kann ich meistens in der Populärliteratur nicht Neues dazu lernen, gleichzeitig aber interessiert mich, wie bestimmte Themen für Nicht-Wissenschaftlerinnen heruntergebrochen werden. In dem Sinne war auch dieses Kapitel langweilig und interessant für mich. Besonders schrecklich fand ich den einen Kommentar von einem männlichen Journalist zu diesen Themen... da sieht man eben, dass große Teile der Welt von einem positiven Umgang mit Körpern nichts halten will.

  • Gewalt

Kapitel 6 besteht aus acht Artikeln aus den Jahren 2015 bis 2018 und beschäftigt sich mit dem Thema Gewalt gegen Frauen. Die Beiträge stammen damit zum Teil aus der Zeit vor MeToo, und sind dann vor allem zu diesem Thema geschrieben. Dieses Thema gibt mir persönlich immer noch unglaublich viel Bauchweh, weil man hier für mich am deutlichsten sieht, dass Frauen nach wie vor Menschen zweiter Klasse sind. Jeder neue Mord wirft die gleiche Täter-Opfer-Umkehr auf, warum war sie nachts allein im Park, warum hatte sie das an, warum warum? Das wird in den einzelnen Beiträgen natürlich angeprangert und andiskutiert.

  • Für Rechte

Die acht Artikel aus den Jahren 2014 bis 2017 in diesem Kapitel beschäftigen sich erwartbar mit den vier großen rechtlichen Themen: trans- und non-binary-Rechte, Abtreibungsgesetze, Ehe für alle und der rechtliche Schutz bei sexualisierter Gewalt. Glücklicherweise haben wir in all diesen Bereichen inzwischen Fortschritte gemacht, aber der Weg ist lang und der Blick in andere Länder zeigt, wie schnell die Rolle rückwärts hier geht. Daher vielleicht eher ein deprimierendes Kapitel.

  • Gegen Rechte

Wenig überraschend beschäftigen sich diese sechs etwas längeren Beiträge von 2015 bis 2018 mit der erstarkenden Rechten in Deutschland - zunächst PEGIDA (oh Gott, hatte ich das schon gut verdrängt), und dann AfD. Gleichzeitig geht es natürlich auch um Flüchtlinge und vor allem um die Instrumentalisierung von Frauen als etwas, das für ebenjenen geschützt werden muss. Auch hier habe ich jetzt nix Neues für mich entdeckt, eher die ganzen feinen Sachen, über die ich an einem Sonntagnachmittag lieber mal nicht nachdenken will.

  • Medien und Diskurs

Vom Titel her spricht mich dieses Kapitel wirklich am wenigsten an. Es sind sechs Beiträge von 2016 bis 2018, die sehr unterschiedlich auf Medien schauen. Einige fand ich tatsächlich ziemlich gut, wie das Interview im Tierhimmel, wo verschiedene Tiere zusammenkommen, die aus Gründen von Menschen getötet wurden (oder gerade nicht). Auch der Beitrag zu den Beschreibungen von erfolgreichen Frauen, die irgendwie immer "überraschend zierlich" sind, fand ich sehr anregend.

  • Für die Zukunft

Das letzte Kapitel besteht aus sechs Beiträgen aus den Jahren 2013 bis 2018 und ist wieder ein Sammelsurium an Themen, die auch eher schlecht als recht zur Übersicht passen. Bei manchen Beiträgen war mir völlig unklar, was sie in dem Buch machen (wie der erste zur Kettensägennutzung), bei anderen war schon eher ein Bezug herstellbar. Richtig Zukunft kam mir aber irgendwie nirgendwo hier auf.

So, da haben wir es. Insgesamt bin ich jetzt kein Riesenfan dieses Buches, aber einige Artikel waren schon ganz spannend. Ich habe nicht viel Neues gelernt, aber ein paar kleine Sachen hier und da. Manches war für mich als Bezug irgendwie schon so veraltet, dass ich mich nicht daran erinnere... Die Pandemie hat da sicher viel beigetragen. Daher würde ich das Buch nicht brennend empfehlen, aber wenn ihr es schon im Regal habt, ist es auch flott weggelesen und tut nicht weh.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



 

Montag, 29. Mai 2023

Disability Visibility


Hallo meine Lieblingsleser,

heute möchte ich euch ein Non-Fiction Buch vorstellen, dass schon zum Asian Readathon passt, weil die Editorin eine asiatisch-amerikanische Aktivistin ist, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzt. Allerdings ist das Buch selbst eine Sammlung von Essays, die für den US-amerikanischen und britischen Raum sehr viele diverse Stimmen abbildet.

Die Fakten:

  • Editor: Alice Wong
  • Titel: Disability Visibility
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Vintage
  • Seiten: 275 + Anhang
  • Preis: 13,49 Euro
  • Klappentext: "One in five people in the United States lives with a disability. Some are visible, others less apparent - but all are underrespresented in media and popular culture. Now, just in time for the thirtieth anniversary of the Americans with Disabilities Act, activist Alice Wong brings together this urgent, galvanizing collection of contemporary essays by disabled people. From Harriet McBryde Johnson's account of her debate with Peter Singer over her own personhood to original pieces by authors such as Keah Brown and Haben Girma; from blog posts, manifestos, and eulogies to congressional testimonies, and beyond: this anthology gives a glimpse into the rich complexity of the disabled experience, highlighting the passions, talents, and everyday lives of this community. It invites readers to question their own understandings. It celebrates and documents disability culture in the now. It looks to the future and the past with hope and love."

Ich werde jetzt auf die einzelnen Essays eingehen und dann am Ende meine Gesamteinschätzung des Buches kurz zusammenfassen. Entschuldigt bitte, dass es ein langer Text geworden ist, aber es sind wirklich einige Essays hier zusammengetragen, und ich wollte mir die Zeit nehmen, euch einen umfassenden Einblick in die Themen des Buches zu geben.

Meine Meinung zu den einzelnen Essays:

  • Unspeakable Conversations
In diesem ersten Essay von Harriet McBryde Johnson erzählt uns diese hochgebildete Aktivistin für die Rechte von behinderten Menschen von einer andauernden Diskussion, die sie mit einem Philosophen hatte, der sich für ein Recht von Eltern einsetzt, ihre Kinder mit Behinderung töten lassen zu können. In diesem Essay schreibt sie darüber, wie absurd es ist mit einem an sich nicht unsympathischen Menschen auf einem intellektuellen Level zu diskutieren, ob es Menschen wie sie überhaupt geben sollte. Das Essay und die Debatten stammen aus den frühen 2000ern, als das scheinbar gerade ein großes Thema in den USA war. Es ist sehr gut und anschaulich geschrieben und fängt die Ambivalenz, die Harriet McBryde Johnson gegenüber diesem Philosophen empfunden hat, perfekt ein.
  • For Ki'tay D. Davidson, Who Loves Us
Bei diesem Beitrag von Talila A Lewis handelt es sich um den Nachruf auf den Schwarzen Trans-Mann Ki'Tay D Davidson, der sich neben anderen auch für die Rechte von behinderten Menschen einsetzte. Der Beitrag zelebriert das Leben und Wirken des Aktivisten, sowie seine besondere Art allen anderen Menschen mit Sympathie und Liebe entgegenzutreten, selbst wenn man nicht einer Meinung war. Mich macht es immer traurig jemanden über einen geliebten Menschen sprechen zu hören, der nicht mehr da ist, und so war es auch hier.
  • If You Can't Fast, Give
Dieses kurze Essay von Maysoon Zayid beschäftigt sich mit dem religiösen Fasten während des Ramadan, und welche Bedeutung dies für die Autorin hatte. Ich mochte diesen Blickwinkel, weil es für mich eine völlig neue Perspektive auf den Fastenmonat war. Letztlich fordert Maysoon Zayid ihre muslimischen Mitmenschen, die aus körperlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht fasten können, im Geiste und möglichst finanziell durch Spenden an Bedürftige diese religiöse Tradition dennoch zu unterstützen und keine Scham dafür zu empfinden, dass ihnen das Fasten nicht möglich ist.
  • There's A Mathematical Equation That Proves I'm Ugly - Or So I learned in My Seventh-Grade Art Class
In diesem Essay von Ariel Henley spricht die Autorin über einen Vorfall in ihrer Schulzeit. Im Kunstunterricht behandelt die Klasse den goldenen Schnitt und verschiedene mathematische Vorstellungen zu Schönheit. Die Autorin selbst hat ein Gesicht, das diesen Vorstellungen nicht entspricht, worauf sie auch promt von einem Mitschüler hingewiesen wird. Sie schreibt dann weiter darüber, wie es ist, wenn man mit dem Wissen aufwächst, dass man als hässlich wahrgenommen wird. Für mich war diese Geschichte vor allem herzzerreißend, weil Ariel Henley in den Momenten, die sie beschreibt, so jung war. Ich kann mir die emotionale und psychische Belastung, die sie erlebt hat, gar nicht vorstellen. Der Kunstlehrerin gelingt es schließlich, Ariel Henley eine neue Perspektive auf ihr Aussehen zu eröffnen.
  • The Erasure of Indigenous People in Chronic Illness
Dieses Essay von Jen Deerinwater ist mit sehr viel Wut geschrieben, die man schnell nachfühlen kann. In dem Beitrag geht es um die medizinische Behandlung von indigenen Personen in den USA, wobei sich ähnliche Erlebnisse sicher auch in vielen anderen Gegenden der Welt finden lassen. Es beginnt allein schon damit, dass auf den Fragebögen von Ärzten und Krankenhäusern meist kein Platz für die Selbstbezeichnungen der indigenen Personen ist, sondern diese Begriffe wie "American Indian" ankreuzen müssen oder schlimmstenfalls gar keine Option für sie existiert. Darüber hinaus geht es dann aber um die Stigmatisierung und Diskriminierung im Medizinsystem, z.B. wenn sich Pfleger weigern Schmerzmittel an indigene Patienten zu geben. Auch die systematische Benachteiligung bei der Finanzierung von Gesundheitseinrichtungen für indigene Menschen werden thematisiert.
  • When You Are Waiting to Be Healed
Dieser Beitrag von June Eric-Udorie wird nicht die US, sondern Großbritannien betrachtet. Es geht vor allem darum, wie durch den Glauben der Familie der Autorin, die nigerianische Wurzeln hat, für sie lange Zeit undenkbar war, dass sie eine Behinderung hat. Stattdessen wurde ihr immer wieder gespiegelt, dass sie nur genug Beten muss und dann wird Gott sie heilen. Als sie das erste Mal darauf angesprochen wird, ob sie offiziell den Status einer Behinderung beantragen will, ist sie fassungslos, denn eine Behinderung ist für sie etwas Permanentes, und nichts was Heilung bedarf. Ich fand diesen Blick auf Religion und Behinderung sehr spannend, da in diesem Schnittbereich so viel Stigmatisierung und auch sogenannte "falsche Helfer", die nur selbst Profit schlagen wollen, lauern. Auch hatte ich vorher noch nie von Nystagmus gehört und habe damit auch noch mehr Neues gelernt.
  • The Isolation of Being Deaf in Prison
Dieses Essay von Jeremy Woods wurde von Christie Thompson niedergeschrieben. Jeremy Woods ist gehörlos und war für vier Jahre in einem amerikanischen Gefängnis. In dem Essay beschreibt er, welche enormen Schwierigkeiten und welche Isolation mit dieser Erfahrung verbunden waren. Es ist wenig überraschend, wie schrecklich das US-Gefängnissystem ist, und trotzdem immer wieder hart zu lesen. So wurde Jeremy Woods immer wieder ein Gebärdensprachen-Übersetzer verweigert. Als es schließlich Krebs diagnostiziert bekam, konnte er mit niemandem darüber kommunizieren. In Anhörungen wurden seine Hände gefesselt, sodass er nicht per Gebärdensprache kommunizieren konnte, und sein Schweigen wurde dann als Geständnis gewertet. Auch werden gehörlose und blinde Personen scheinbar häufig zusammen untergebracht, sodass eine Kommunikation für beide Seiten absolut unmöglich ist.
  • Common Cyborg
Nach dem letzten Essay fand ich diesen recht langen Beitrag von Jillian Weise dann ein bisschen unterwältigend. Es geht dabei um Menschen, die aufgrund von Behinderungen Prothesen benutzen, in kurz Cyborgs. Dabei wird auch ein klarer Schnitt zu Menschen gezogen, die technische Implantate etc. nur nutzen, weil sie sich dann cool und zukünftig fühlen. Insgesamt ist hier aber leider nicht so viel für mich hängen geblieben, was vielleicht aber auch an der Zeit lag, als ich das Essay gelesen hatte.
  • I'm Tired of Chasing a Cure
Dieses Essay von Liz Moore fand ich sehr beeindruckend, denn sie spricht von der Ambivalenz zwischen Selbstakzeptanz als Person mit Behinderung und dem Wunsch nach Linderung oder Heilung. Als Person mit chronischen Schmerzen kann sie den Wunsch nach einem Leben ohne Schmerz nicht völlig ablehnen. Sie spricht von Zeiten, in denen bestimmte Medikamente kurzzeitig dazu führten, dass sie schmerzfrei war, und wir sie dann fast gestorben ist bei dem Versuch dies langfristig zu replizieren. Sie spricht davon, wie man so schnell vergisst, wie das Leben ohne Schmerzen ist - und wie das Leben mit Schmerzen ist. Mit meiner chronischen Migräne konnte ich das ein klein wenig nachvollziehen. Dennoch sagt sie, dass sie ihr Leben leben will, ohne jeden Tag nach dem Heilmittel zu suchen, denn sonst zieht ihr Leben einfach nur an ihr vorbei.
  • We Can't Go Back

Dieser Beitrag ist ein Statement, das 2012 vor dem US-Senat vorgetragen wurde. Darin geht es um einen Appell, dass Menschen mit Behinderung nicht mehr in Institutionen und auf Stationen leben sollten, sondern innerhalb von Communities Platz finden müssen. Der Vortragende Ricardo T Thornton Sr beschreibt auf eindrückliche Weise, dass Menschen lernen und über sich hinauswachsen können, wenn sie in einer förderlichen Umgebung sind  mit anderen Menschen, die an sie glauben. Daher auch der Titel: zurück in das von der Gesellschaft weggeschobene Leben in Einrichtungen können Menschen mit Behinderung nicht zurück, denn dort gibt es keinen Platz für echtes Leben.

  • Radical Visibility
Hierbei handelt es sich wieder um einen längeren Beitrag von Sky Cubacub. Die längeren Essays sind für mich hier irgendwie meist die schwächeren. Dabei ist die Grundidee nicht uninteressant. Sky Cubacub hat ein Modelabel gegründet, dass sich an Menschen mit Behinderung, trans* und non-binäre Personen und Personen mit hohem Körpergewicht richtet. Diese sollen mit farbenfrohen Designs mit starken geometrischen Mustern loud and proud mit ihrer Mode ihr Leben feiern. Es war nur einfach ein wenig zu langgezogen für mich.
  • Guide Dogs Don't Lead Blind People. We Wanders as One.
In diesem Essay berichtet Haben Girma von ihrer Erfahrung als blinde Person. Als sie aufs College gehen wollte, war sie sehr unsicher, ob sie sich zurechtfinden würde, und wollte daher einen Blindenhund. Sie bekam dann aber den Rat, dass der Blindenhund nur wirklich hilft, wenn sie auch allein klarkommen würde, was sie sich dann mit viel Training beigebracht hat. Sie betont, dass der Hund nicht ihr Führer ist, sondern sie dem Hund immer noch sagen muss, was er tun soll, wohin er gehen soll. Er kann eben nur Hindernisse besser sehen oder hören - wie mit dem Hindernis umgegangen wird, weiß er nicht. Ein spannendes Interview der Autorin: https://www.youtube.com/watch?v=MOw8CgbFiuY
  • Taking Charge of My Story as a Cancer Patient at the Hospital Where I Work

Dieses Essay erzählt davon, wie Diana Cejas in sehr jungen Jahren einen Schlaganfall erlebte und bei ihr ein sehr seltener Krebs gefunden wurde. Sie selbst war gerade in ihrer Ausbildung zur Ärztin in diesem Krankenhaus, in dem sie dann auch behandelt wurde. Nach ihrer Rückkehr und in Verbindung mit den bleibenden Folgen des Schlaganfalls und den Narben ihrer OPs wird sie wie ein bunter Hund - alle scheinen ihren Fall zu kennen, teilweise haben sie sie in ihrem schlimmsten Momenten erlebt, an die sie sich selbst nicht erinnern kann. Sie spricht dann davon, wie der offene Umgang mit ihrer Geschichte nicht nur dazu geführt hat, dass sie sich nicht mehr so preisgegeben fühlte, sondern sie auch andere Menschen fand, die ähnliche Geschichte zu erzählen hatten.

  • Canfei to Canji - The Freedom of Being Loud
Ich schätze es an diesem Buch sehr, wie vielseitig die Perspektiven auf das Thema Behinderung sind. So haben wir hier die Sichtweise der asiatischen Amerikanerin Sandy Ho, deren Eltern vietnamesische und chinesische Wurzeln haben. Sie spricht darüber, wie einige Verwandte ihren Eltern geraten hatten, sie nach der Geburt aufzugeben, da sie im Sinne des Wortes Canfei nur eine Last wäre. Ihre Eltern haben dies nicht getan, aber die Kluft zwischen den ostasiatischen Werten und der amerikanischen Lebensrealität für Menschen mit Behinderung war dadurch nicht automatisch überbückt.
  • Nurturing Black Disabled Joy
Die Autorin dieses Beitrags Keah Brown hat auch ein ganzes Buch geschrieben (The Pretty One), das ich gern lesen möchte. Hier berichtet sie über die Reaktionen auf ihr Buch und warum sie es geschrieben hat. Zentral darin ist das Streben und das Verlangen nach Freude am Leben. Sie reflektiert, dass in unserer Gesellschaft die Einstellung vorherrscht Menschen mit Behinderungen können keine wirkliche Freude im Leben empfinden - und das will sie auf den Kopf stellen, indem sie jeden Tag nach Freude sucht und sie meistens auch findet.
  • Last but Not Least - Embracing Asexuality
Dieses Essay von Keshia Scott hat mir sehr gut gefallen, da es die Frage nach Asexualität und Behinderung aufwirft. Im Buch ACE über Asexualität wird dieses Thema auch angeschnitten - die Vorstellung, dass Menschen mit Behinderung keine sexuellen Gelüste haben (oder aber in seltenen Fällen eine Übersexualisierung). Als Keshia Scott das erste mal mit dem Label in Berührung kommt, erlebt sie große Abneigung aufgrund der damit verbundenen Stereotype, aber eine tiefergehende Recherche zeigt, dass sie tatsächlich asexuell ist - und das nicht aufgrund ihrer Behinderung, aber eben einfach so.
  • Imposter Syndrome and Parenting with a Disability
Für mich ist dieses Essay von Jessica Slice noch ein ganz wichtiger Beitrag in diesem Buch. Jessica Slice spricht darüber, dass sie sich aufgrund ihrer Behinderung manchmal nicht wie eine richtige Mutter fühlt. Sie hat einen Sohn mit ihrem Mann adoptiert, und während sie die ersten Monate gut allein für ihn sorgen konnte, braucht sie mehr und mehr Hilfe, je mobiler das Kleinkind wird. Aufgrund unserer sehr festgefahrenen gesellschaftlichen Vorstellungen, wie eine Mutter zu sein und zu handeln hat, sind viele Mütter sicherlich in einer ähnlichen Lage des "nicht genug Seins und Tuns". Das sollte sich dringend ändern!
  • How to make a Paper Crane from Rage
Dieses Essay von Elsa Sjunneson beschäftigt sich mit Wut und dem Ausdruck, dem wir ihr geben. Ich mochte den Schreibstil mit den Einschüben zu Origami. Ich mochte die Idee, dass die Wut nicht nach außen gewendet wird, sondern über Vulnerabilität dazu genutzt wird, sich Gehör zu verschaffen. Letztlich geht es darum, dass die Gesellschaft einen als Menschen sieht.
  • Selma Blair Became a Disabled Icon Overnight. Here's Why We Need More Stories Like Hers.

In diesem Essay schreibt Zipporah Arielle über die Schauspielerin Selma Blair, die in Eiskalte Engel und Natürlich Blond zu sehen ist. In 2018 hat sie bekannt gegeben, dass sie an Multipler Sklerose erkrankt ist. Sie benutzte auf dem roten Teppich einen Gehstock und dieser Fakt sowie ihr weiteres öffentliches Auftreten werden hier diskutiert. Es geht vor allem darum, wie wichtig solche Stars sind, die einerseits das öffentliche Interesse an Behinderung und chronischer Erkrankung erhöhen können, und gleichzeitig verschiedene Aspekte, die damit einhergehen, z.B. den Gehstock oder andere Mobilitätshilfen, normalisieren.

  • Why My Novel Is Dedicated to My Disabled Friend Maddy

Dieses Essay von A H Reaume hat mir besonders gut gefallen. Es geht darin um zwei Menschen, die sich zufällig auf einem Event begegnen und beide Erfahrungen mit Verletzungen des Gehirns haben. Beide sind dadurch in ihrem Handeln auf bestimmte Weise eingeschränkt - zum Beispiel durch eine Verkürzung der Zeit, die man auf einen Bildschirm starren kann. Doch beide finden, dass sich ihre Einschränkungen gut ergänzen, sodass sie letztlich gemeinsam den Roman der Autorin beenden konnten. Dieser Blick auf Kollaboration war sehr inspirierend.

  • The Antiabortion Bill You Aren't Hearing About

Dieses Essay von Rebecca Cokley ist inzwischen gleichzeitig veraltet und wichtiger denn je. Nachdem Roe v Wade in Amerika gekippt wurde, sind die Rechte auf Abtreibung und reproduktive Gesundheit so eingeschränkt wie seit Jahrzehnten nicht. In diesem Essay geht es um ein Gesetz, dass es in Texas verboten hätte, Kinder aufgrund von Behinderungen, die in der Frühdiagnostik erkennbar sind, abzutreiben. Die Autorin beschreibt, dass es sich bei diesem Thema um eine komplexe Diskussion handelt, hier aber im Vordergrund steht, dass Kinder mit Behinderung nur genutzt werden um die abtreibungsfeindliche Agenda der Republikaner zu pushen und viele andere Gesetze zeigen, dass ihnen nicht an Menschen mit Behinderung liegt.

  • So. Not. Broken.

In diesem Essay schreibt Alice Sheppard über die vermeintliche Binarität von "heil" und "kaputt". Sie ist Tänzerin und schreibt darüber wie ihre Mobilitätshilfen für sie Teil ihres Körpers sind, die sie zum Ausdruck und zur Erschaffung von Kunst nutzt.

  • How a Blind Astronomer Found a Way to Hear the Stars

Dieser Beitrag ist ein TED Talk von Wanda Díaz-Merced. Die verschriflichte Form war für mich zwar interessant, aber da es hier auch im Töne geht, ist der tatsächliche Beitrag als Video noch spannender: https://www.youtube.com/watch?v=-hY9QSdaReY Es ist ein spannender Vortrag, der zeigt, wie Menschen mit Behinderung zu wissenschaftlichem Fortschritt führen können.

  • Incontinence Is a Public Health Issue - And We Need to Talk About It

Dieses Essay von Mari Ramsawakh war für mich besonders interessant, weil es einen Teil von körperlicher Einschränkung zentriert, über den ich noch nicht nachgedacht hatte: Inkontinenz. Wie im Essay beschrieben wird, verbinden wir Inkontinenz mit Kleinkindern und alten Menschen, die Pflege brauchen. Manchmal tauchen noch traumatisierte Kinder dabei auf. Doch im Sinne von Inkontinenz aufgrund einer Behinderung wird selten bis nie berichtet. Die gesundheitliche Risiken, die mit dem Stigma von Inkontinenz einhergehen, werden hier sehr deutlich herausgearbeitet, wodurch es für mich auch gut an meine Forschung anknüpft.

  • Falling/Burning - Hannah Gadsby, Nanette, and Being a Bipolar Creator

In diesem Essay schreibt Shoshana Kessock über das Komedie-Programm Nanette von Hannah Gadsby (könnt ihr auf Netflix schauen), in dem die Idee von "Leiden für die Kunst" kritisch hinterfragt wird. Diese Idee, dass vor allem Künstler mit psychischen Krankheiten besondere Kunst kreieren und durch Medikation diesen Zugang zu ihrem schaffenden Selbst verlieren und deswegen lieber leider und schaffen sollten, haben wir sicher alle schon einmal gehört. In diesem Essay geht es um die persönliche Erfahrung, die Shoshana Kessock damit gemacht hat.

  • Six Ways of Looking at Crip Time

Dieses Essay beschäftigt sich mit Zeit, was ich wahnsinnig faszinierend finde. Ich habe schon im Studien ein paar Hausarbeiten über Zeit geschrieben, denn es ist ein spannendes soziales Konstrukt. Im Besonderen geht es hier nach Ellen Samuels um Crip Time, also eine spezielle Zeit, die Menschen mit Behinderung und chronischen Krankheiten erleben. Es werden positive und negative Aspekte davon betont, und ich mochte diese sehr differenzierte Sichtweise auf die Bedeutung von Zeit in diesem Kontext.

  • Lost Cause

Reyma McCoy McDeid ist ein hoffnungsloser Fall laut ihrem Großvater, der kein Problem damit hat fremde gesunde weiße Kinder aufzuziehen, aber sein eigenes Enkelkind aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Autismus dem Staat überlässt. Dieses Essay behandelt, wie solche Sätze sich als selbsterfüllende Prophezeihung in unser Leben brennen können - und wie wir darüber hinauswachsen können. So hat Reyma McCoy McDeid schließlich ihren eigenen hoffnungslosen Fall gefunden und zu einem Erfolg gemacht.

  • On NYC's Paratransit, Fighting for Safety, Respect, and Human Dignity

Die Essays in diesem Band haben meistens Content Warning - bei diesem Essay gibt es keine, und dabei ist es für mich definitiv eins der verstörendsten im ganzen Buch. Britney Wilson ist Anwältin und für ihren Arbeitsweg auf das Paratransit-System für Menschen mit Behinderung in New York angewiesen, weil so viele andere öffentliche Verkehrsmittel nicht barrierefrei sind. Sie beschreibt, wie sie als Anwältin gegen die unsinnigen Regeln und Vorschriften dieses Systems kämpft, und am Ende bschreibt sie einen besonders krassen Fall von Diskriminierung und Grenzüberschreitung, den sie mit einem Fahrer erlebt hat. 

  • Gaining Power through Communcation Access

Dieser Beitrag war ein Interview, dass die Editorin des Buches mit einer Person gehalten hat, die technische Assistenzsystem zur Kommunikation nutzt. Ich fand das Interview selbst etwas redundant und nicht ganz so gehaltvoll wie viele andere Beiträge, zumal der Interviewstyle etwas davon weggeht, dass die Personen frei von der Leber weg schreiben können, was sie möchten, aber das Gedicht am ölerEnde hat mir sehr gut gefallen.

  • The Fearless Benjamin Lay - Activist, Abolitionist, Dwarf Person

In diesem Essay von Eugene Grant geht es um die historische Persönlichkeit Benjamin Lay des 17. und 18. Jahrhunderts. Ich kannte ihn nicht, aber ich kenne mich leider auch mit britischer Geschichte sehr wenig aus. Benjmain Lay war allerdings nicht nur politisch engagiert, um Menschenrechte zu verbreiten, sondern er war auch kleinwüchsig. Im Essay wird dann diskutiert, wie wertvoll und wichtig es ist, dass in geschichtlichen Beiträgen zu dieser Person auch erwähnt wird, dass sie Körpernormen nicht erfüllt hat, und dass dieser Fakt auch das politische Wirken beeinflusst hat.

  • To Survive Climate Catastrophe, Look to Queer and Disabled Folks

Dieser Beitrag von Patty Berne (niedergeschrieben von Vanessa Raditz) diskutiert, dass die Folgen von Klimakatastrophen besonders marginalisierte Gesellschaftsgruppen, allen voran Personen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen, treffen. (Gesehen hat man das auch bei anderen Katastrophen wie der Pandemie.) Dabei zeigen dann Beispiele aus diesen Gruppen, wie sich Menschen zusammentun und Hilfe organisieren können, um Menschenleben zu retten, und welches Potential darin für die ganze Menschheit steckt.

  • Disability Solidarity - Completing the "Vision for Black Lives"

Das Harriet Tubman Collective kritisiert in diesem Beitrag die Auslassung von Menschen mit Behinderung in den Texten und Proklamationen der Black Lives Matter-Bewegung. Gerade vor dem Hintergrund, dass in den Schwarzen Communities in Amerika besonders viele Menschen mit Behinderung und chronischen Krankheiten existieren, erscheint das ein ernstzunehmendes Problem. Ziel ist es, dass auch diese Gruppe als eine Stimme in die Bewegung eingeht.

  • Time's Up for Me, Too

Dieses Essay von Karolyn Gehrig beschäftigt sich mit sexueller Gewalt, und wie schwierig es vor allem für Personen mit Behinderung, die besonders häufig Opfer von (sexueller) Gewalt werden, ist dagegen vorzugehen. Dabei kommen Aussagen wie: "Eine Jury wird nicht glauben, dass ein Ehemann seine behinderte Frau missbrauchen würde". Ein sehr sehr wichtiges Thema. Die vielen Bezüge zu Shape of Water waren für mich insofern schwierig, weil der Film vor so langer Zeit herausgekommen ist und bei mir davon nicht viel hängen geblieben war...

  • Still Dreaming Wild Disability Justice Dreams at the End of the World

In diesem Essay beschreibt Leah Lakshmi Piepzna-Samarasinha verschiedene Träume und Utopien, die sie für die Behindertenbewegung hat. Es ist eine Aktualisierung von einem früheren Beitrag, was es für mich etwas schwierig gemacht hat, weil ich den ersten Beitrag nicht kannte. Aber der Bezug zu dem Trauma der Trump-Präsidentschaft, die noch aktiv war, während das Buch entstanden ist, wird hier gut eingefangen und in positive, hoffnungsvolle Gedanken transformiert.

  • Love Means Never Having to Say... Anything

Dieses Essay von Jamison Hill fand ich sehr berührend, obwohl ich eigentlich kein sehr romantischer Mensch bin. Hier geht es um die Liebe, und was Liebe braucht. Was sie laut dem Essay nicht braucht, ist die Fähigkeit zu sprechen. 

  • On the Ancestral Plane - Crip Hand-Me-Downs and the Legacy of Our Movement

Dieses Essay von Stacey Milbern beschäftigt sich mit der Idee von Vorfahren, und dass diese Vorfahren keine Blutsverwandten sein müssen. Außerdem diskutiert sie die Idee, dass nicht nur wir heute von unseren Vorfahren lernen, sondern dass auch unsere Vorfahren durch uns weiter lernen. Ich mochte diesen Blickwinkel sehr und fand das Essay sehr eindrücklich.

  • The Beauty of Spaces Created for and by Disabled People

In diesem letzten Beitrag schreibt s.e. smith von einer Tanzaufführung von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung, und wie das Schaffen von solchen Orten, wo eine Community zusammenkommen und einfach für ein paar Stunden sein kann, ein wichtiges und schwieriges Unterfangen ist. Mir hat diese Diskussion am Ende des Buches gut gefallen.

Darüber hinaus bietet das Buch noch kurze Biographien der Autoren und eine Leseliste mit vielen Vorschlägen, wie man sich weiter in das Thema vertiefen kann. Alles in allem kann ich das Buch nur empfehlen, auch wenn es sehr auf die USA und in wenigen Essays Großbritannien fokussiert bleibt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 17. Dezember 2021

Horizon

Und noch einmal, dann habt ihr es erstmal geschafft ;)

dieses mal habe ich nicht die vollständige Reihe gehört, da der dritte Band noch nicht zum Hören verfügbar ist. Lesen könnt ihr die Reihe aber vollständig. Ich finde die Cover auch sehr hübsch, war aber nicht so überzeugt, dass ich mir Band 3 kaufen oder leihen würde. Hier handelt es sich um historische Fantasy, die eher Highfantasy ist oder so mythologisch in einer anderen Sphäre für sich schwebt. Vielleicht sogar so diese indianisch angehauchte Esoterik. Na ihr wisst schon =D

Fakten:
  • Autorin: Amanda Laurie
  • Erzähler: Hans-Peter Stoll
  • Fantasy
  • Hörbuch 2020 erschienen
  • ca. 11h je
  • Miss Motte Audio
Klappentext von Band 1:
"Nachdem er fernab der Heimat erzogen wurde, wird der sechzehnjährige Corin von seinem Vater an den Königshof nach Carbonn beordert, um sein Erbe anzutreten. Widerwillig fügt er sich dieser Entscheidung. Doch schon das Zusammensein mit seinem Bruder Raoul ist eine Herausforderung, da beide nicht unterschiedlicher sein könnten. Der König von Carbonn verfolgt indes Pläne, die auch das Schicksal seiner Söhne mit einschließen. Es wird Zeit, den Gefallen einzufordern, den das magiebegabte Volk von Lindoras der Familie schuldet. Als Corin davon erfährt und mit seiner besonderen Gabe konfrontiert wird, steckt er bereits mitten in einem großen Abenteuer..."

Diese Reihe hat sich mir wie oben beschrieben als eher historisch herausgestellt, das kann sich natürlich im dritten Band ändern.

Wir verfolgen das Leben von Corin. Er ist eigentlich ein Thronfolger, aber darauf hat er keine wirkliche Lust. Er muss sich gegen andere durchsetzen und macht dabei eine eher bescheidene Rolle. Schließlich wird er auf eine Reise geschickt die er vermeintlich selbst in Angriff nimmt. Dabei lernt er einfache Menschen kennen. Sein potentielles Volk sollte er doch mal herrschen. Er arbeitet für seinen Lebensunterhalt. Schließlich muss er sich in seinem Job bei einem Heiler beweisen. Zusammen retten sie einen anderen Thronfolger. Ich gehe davon aus in Band 3 erhält man dazu mehr Informationen. 
Corin hat jedoch auch bei einem mystischen Volk gelebt welches wohl in Wechselwirkung zu seinem Volk lebt. Wer da nun von wem abhängt, lässt sich nicht so richtig sagen.

Was ich für mich festgestellt habe ist das Corin mehr oder weniger Mittel zum Zweck ist. Es scheint viele alte Traditionen zu geben die dringende Neuerungen brauchen. Doch dort lernt er einiges fürs Leben.

Generell finde ich man hat hier nicht unbedingt das absolute Leseerlebnis, doch moralisch gesehen ist das eine Art Jackpot. Gerade junge Leser können hier mehr oder weniger in Slowmotion etwas über Fantasy und Moral und Historisches lernen. Also eine rund um schöne Sache.

Was mir auch gut gefallen hat war die recht unaufgeregte Erzählung der Geschichte. Man kann als Leser wirklich eintauchen in etwas sehr Natürliches und dennoch Faszinierendes. Generell hatte ich das Gefühl das alles rund um die Charaktere eher eine Rolle spielt. Das ist sicher nichts für jeden Leser.

Empfehlen würde ich es denen die eher historischen Bücher zugetan sind. Trotz das ich nicht die ganze Reihe kenne, hatte mich die Reihe schon gut begeistert, aber eben auch irgendwie nicht soweit dass ich den dritten Band unbedingt lesen muss. 

Kennt ihr solche Bücher die irgendwie zwischen allem liegen?

Eure Blue Diamond.

Mittwoch, 15. Dezember 2021

Kaleidra-Trilogie

Hallo zusammen,

die liebe Kitty hat mir den Vortritt gelassen und auch, wenn ich keine typischen Weihnachtsgeschichten teile, sind das ja vielleicht auch Reihen die ihr verschenken wollt. Dieses mal ist sie eher mystisch angehaucht. Irgendwie geht es auch um Magie, aber eher im alchemistischen Sinne.

Band 1 - Wer das Dunkel ruft

Wenn die 17-jährige Emilia eines liebt, dann sind es Rätsel. Als sie bei einem Museumsbesuch das sagenumwobene Voynich-Manuskript lesen kann, spürt sie, dass sie einem unglaublichen Mysterium auf der Spur ist - denn das Dokument gilt als eines der größten, nie entschlüsselten Geheimnisse der Menschheit. Dann trifft sie auf den attraktiven, aber sehr verschlossenen Goldalchemisten Ben, und die Ereignisse überschlagen sich: Emilia ist eine Nachfahrin des uralten Silberordens! Schnell gerät sie ins Kreuzfeuer rivalisierender Geheimlogen, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt ...
 
Band 2 - Wer die Seele berührt

Emilia und Ben wurden entführt. In den Fängen des Quecksilberordens sollen sie den Tria-Bund schließen und das Voynich-Manuskript entschlüsseln. Dabei kommt es jedoch zu einem Zwischenfall, und auf einmal scheint alles, was die Orden zu wissen geglaubt haben, hinfällig. Doch die Quecks geben nicht auf und lassen Emilia keine Wahl: Gemeinsam mit Ben muss sie nach Kaleidra reisen - zum Ursprung aller Alchemisten -, wohlwissend, dass sie sich dadurch in große Gefahr begeben. Aber die Zeit arbeitet gegen sie, und die beiden stoßen mehr und mehr an ihre Grenzen. Denn Herz und Verstand sind nun mal nicht immer einer Meinung ...
 
Band 3 - Wer die Liebe entfesselt

Nachdem Emilia und Ben aus Kaleidra zurück sind, ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Hohepriesterin Ishtar ist wie vom Erdboden verschluckt, und die Crux greifen unter der Herrschaft der Quecks die Menschen an. Städte werden ins Chaos gestürzt, und auch Rom bleibt nicht unversehrt. Emilia und ihre Freunde versuchen händeringend, einen Ausweg zu finden. Und dann ist da auch noch die Sache mit Emilias wahrer Herkunft, die sie nicht loslässt. Zusammen mit alten und neuen Verbündeten will sie der Sache auf den Grund gehen. Schließlich offenbart sich ihr ein gut gehütetes Geheimnis, das nicht nur das Schicksal aller Alchemisten, sondern auch die Zukunft der gesamten Menschheit verändern könnte ...

Fakten:
  • Autorin: Kira Licht
  • Urban Fantasy
  • 2020 - 2021 erschienen
  • 480-560 Seiten
  • ONE Verlag
  • Preis: 17,00€ je gebundenem Band
Diese Trilogie ist schon eher für Jugendliche geeignet, die sollten aber ruhig schon ein wenig gelesen haben und nicht ganz neu in die Fantasymaterie einsteigen.

Allein für diese wunderschönen Cover lohnt sich die Reihe schon sehr. Und der Inhalt ist auch nicht schlecht. 

Wir lernen Emilia kennen, die mit ihrer Mutter und Hund allein in Italien lebt. Sie hat ein ganz gewöhnliches Leben und wird eines Tages mit totalen Ungewöhnlichkeiten überrascht. Die Welt besteht plötzlich aus geheimen Orden die sich nach seltenen Metallen benannt haben wie Gold und Silber. Scheinbar hat auch sie verschiedene Fähigkeiten die darauf schließen lassen, dass sie einem dieser angehört. Auf dem Weg das zu ergründen trifft sie auf einige tolle Charaktere und viele spannende Gegebenheiten. Dabei spielt Historisches aber auch Naturwissenschaftliches und Mystisches eine wichtige Rolle. 

Mit jedem neuen Wissen was Sie erhält wird sie auch ein ganzes Stück erwachsener und reifer. Für mein Verständnis geht das teilweise schon fast zu schnell. Vor allem wenn es dann auch darum geht dass Menschen getötet werden oder auch Vergiftungen und ähnliches ins Spiel kommen. Klar das gehört zu so einer Geschichte dazu und ist auch wichtig, aber das dem Alter der Figuren angemessen auszubalancieren halt auch irgendwie wichtig.

Ben ist ihr Gegenstück und um beide entwickelt sich im Laufe der Zeit eine verbotene Liebesbeziehung. Hätte es nicht auch ein besonderes Ereignis gegeben könnten die beiden diese auch nicht leben, denn sie gehören unterschiedlichen Orden an und somit "stoßen" sie sich eigentlich ab bzw. rauben sich bei Berührung Energie. Ben ist eigentlich kein typischer Draufgänger und lässt Emilia wirklich jeden Raum den sie braucht um sich zu entwickeln. Er ist eine charakterlich ziemlich wunderbare Figur. Klar ein bisschen spinnt ja jeder mal, aber grundsätzlich jemand an dem man sich ein gutes Beispiel nehmen kann. 

Was ich ja nicht so richtig gecheckt habe ist was Kaleidra so richtig ist - in jedem Fall eine Welt in die nicht jeder kommt. Aber das hat meinem Erlebnis jetzt keinen Abbruch getan. Trotzdem irgendwie blöd denn es ist schließlich der Titel der Reihe. Ist euch sowas schon passiert?

Auch ganz spannend fand ich die Einbindung und den Umgang mit Unsterblichkeit und Gottheiten. Vor allem über moralische Grundsätze lässt sich hier wirklich was lernen. 

Daher auch eine Leseempfehlung wie gesagt vor allem für junge Leser die tiefer in die Fantasymaterie einsteigen wollen,

eure Blue Diamond.