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Mittwoch, 7. Dezember 2022

Sand


Hallo meine Bücherwürmer,

aufgrund meines Umzugs hatte ich im August ein kleines Blog-Loch und hier liegen noch einige Bücher, von denen ich euch nicht berichtet hatte. Da es gegen Jahresende geht und dann alle auch über ihre besten und schlechtesten Bücher sprechen, dachte ich, berichte ich heute mal vom vermutlich schlechtesten Buch, das ich in 2022 gelesen habe. Hier ist für mich irgendwie ganz viel schief gegangen.

Die Fakten:

  • Autor: Wolfgang Herrndorf
  • Titel: Sand
  • Erschienen: 2011
  • Verlag: rowohlt
  • Seiten: 475
  • Preis: 19,95 Euro
  • Klappentext: "Während in München Palästinenser des "Schwarzen September" das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis - Nordafrika 1972."

Zur Handlung: [ehrlich gesagt geht schon eine Beschreibung der Handlung über alles hinaus, was meiner Psyche gut tut] Es gibt einen Mord, und es gibt einen Mann ohne Gedächtnis. Ein Koffer ist verschwunden. Eine Amerikanerin kommt nach Nordafrika um Makeup zu verkaufen oder sowas. Alles hängt mit allem zusammen.

Wir folgen vorrangig dem Mann ohne Gedächtnis, allerdings auch schon, als er ein Gedächtnis hat, also wissen wir ganz genau, wer er ist. Die ganze Zeit. Der Mann wird quasi als dumm beschrieben, ja auch schon im Klappentext oben. Also folgen wir diesem dummen Mann ohne Gedächtnis durch ein ganzes Buch voller Rassismus und Sexismus. Aber ist Satire...

Ich hab keine Ahnung, was der Künstler mit diesem Werk sagen wollte. Ich weiß auch nicht mehr, ob irgendwann eine glaubhafte Verbindung zu den Geschehnissen im Olympischen Dorf aufgebaut werden oder warum zur Hölle die im Klappentext genannt werden. Ich hab auch zu der Zeit nicht gelebt und daher kein sinnvolles Wissen, was da eigentlich passiert ist. Und ob die Sahara irgendwas damit zu tun hat.

Also die Hauptfigur ist ein dämlicher, rassistischer Franzose, dessen Vorfahren aber aus dem arabischen Raum kamen. Oder zumindest ein Opa. Er hat auch seine Familie dann in diesen fiktiven Ort mitgebracht, die wir aber nie zu Gesicht bekommen. Vielleicht sind sie am Ende vom Buch auch tot. Wir lernen direkt im ersten Kapitel von ihm, dass er dumm ist. Sein IQ entspricht dem eines 13jährigen. Also er ist nicht schlau. Und das wird einem das ganze Buch lang um die Ohren geknallt. Und natürlich verliert er dann sein Gedächtnis, und während er sich fragt, wer er ist, fragen wir uns, wie er es verloren hat. 

Die Handlung ist voller dämlicher Zufälle und blöder Zusammenhänge. Und unser Hauptcharakter checkt meistens nichts. Ich kann mich auch ehrlich gesagt an nichts erinnern außer die Locations, weil die Handlung für mich nie Sinn ergeben hat. Die Charaktere waren alle so belanglos oder unangenehm, dass mir völlig egal war, was mit ihnen passiert. Und wenn man bedenkt, was mit einigen von ihnen passiert, ist das schon ein starkes Stück.

Besonders negativ hängen geblieben ist mir der unterschwellige Rassismus im ganzen Buch. Die Menschen, die in dieser Gegend leben, werden die ganze Zeit als unzivilisiert, arm, dumm und verbrecherisch dargestellt. In jeder Szene, in jedem Moment, immer. Außerdem kommt dann an einigen Stellen noch Sexismus dazu, denn der Hauptcharakter bekommt Hilfe von einer attraktiven Amerikanerin. Die ganze Dynamik zwischen den beiden war so von einem Mann geschrieben...

Eigentlich mag ich Bücher über Charaktere, die nicht so schlau sind, weil ich es wichtig finde zu zeigen, dass man auch ohne Doktortitel oder grandiose Ideen im Leben beliebt und erfolgreich sein kann. Dieses Buch zeigt aber das Gegenteil, es macht sich lustig über dumme Menschen, vor allem wenn sie nicht weiß sind. Ich glaube, ich verlinke euch einfach die Reading Vlogs, in denen ich das Buch gelesen habe, wenn ihr wirklich mehr darüber hören wollt. Ich hab jetzt schlechte Laune und will noch was Gutes lesen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:





Sonntag, 29. August 2021

Wie du erfolgreich wirst, ohne die Gefühle von Männern zu verletzen

Hallo zusammen,

ich habe über einen Monat nichts gepostet und noch länger nichts gelesen. Derweil hat die liebe Kitty euch mit reichlich Inhalten versorgt. Auch ich habe mir dennoch neue Bücher angeschafft und eines hat mir besonders gut aus dieser Phase heraus geholfen.

Fakten:

  • Autorin: Sarah Cooper
  • Übersetzerin: Anna Dushime
  • Sachbuch
  • 2021 erschienen 
  • 216 Seiten
  • Mentor Verlag
  • Preis: 24,00€ (gebundenes Buch)
Klappentext:
"Wieder mal »klar, schiebe ich ein« statt »NEIN!« gesagt? Im Meeting von einem Kollegen unterbrochen worden? Vergeblich auf eine Gehaltserhöhung oder gar Beförderung gehofft? 
Dann ist dieses schmerzhaft-witzige Sachbuch genau das Richtige für dich! Sarah Cooper hat genug von doppelten Standards für Männer und Frauen. Jetzt mischt die US-Komikerin die Rollenerwartungen, die unser Berufsleben nach wie vor bestimmen, gehörig auf. 
Ob Tipps für das Vorstellungsgespräch, Kommunikation zwischen Mann und Frau oder sexuelle Belästigung Arbeitsplatz: Sarah Cooper klopft alle Bereiche des Arbeitslebens auf Klischees ab und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund."

Ja der Klappentext und sicher auch viel Werbung die ihr auf social Media Plattformen findet haben euch schon einiges über das Buch erzählt. Inhaltlich muss man auch gar nicht wirklich was erzählen, denn der Titel des Buches sagt genau worum es geht. Das teilt sich in ein paar Kapitel, wird einleitend immer mit einem Zitat eröffnet und endet je mit einer Art Übung für jeden Leser. An dieser Stelle würde selbst dieses Buch darauf verweisen dass man eigentlich gendern müsse oder solle. Und ja das lass ich so im Raum stehen ;)

Viel Text haben wir auf den doch vielen Seiten nicht aber einige Grafiken und Illustrationen die mich wirklich häufig zum Lachen gebracht haben. Gerade die Grafiken musste ich auch unbedingt mit einigen Menschen teilen. Sie sind einfach zu gut und so so wahr.

Klar das Buch ist super und schön aufgemacht, so richtig viel Neues hat es mir jetzt nicht gebracht, ich zähle aber vermutlich auch schon zu erfolgreichen Frauen, da ich einen festen Job mit Verantwortung und eigenständiger Arbeit habe. Ja das war sarkastisch und ja dieses Buch ist voll davon und auch ich habe es nicht immer gleich verstanden.

Nicht immer geht das Buch um das klassische Männer und Frauen Problem in der Arbeitswelt. Häufig kann ich für die Beispiele ganz allgemeine Gültigkeit erheben und daher ist das Buch ein eindeutiges Must Read für mich. Hier kann wirklich jeder dazulernen und daher wäre ich dafür das Buch nochmal mit neutralem Titel und Optik zu verlegen, damit nicht eine spezifische Zielgruppe dazu greift, sondern jeder.

Es ist ein sehr empfehlenswertes Buch und auch wenn es zu den Teureren gehört, hier ist für die Wahrnehmung und hoffentlich für alle Alltage einiges dabei, was man sich ruhig häufiger vor Augen führen sollte.

Daher lest es bitte, es dauert nicht lang und ist teilweise richtig witzig,

eure Blue Diamond.

Sonntag, 9. Mai 2021

Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch

Hallo zusammen,

hatte ich beim letzten Mal nicht gesagt, ich wollte dieses Buch schon lang lesen und dann irgendwie doch nicht mehr? Naja nun hab ichs gehört und es ging recht schnell.

Fakten:
  • Autorin: Sophie Passmann
  • Erzählerin: Sophie Passmann
  • Sachbuch
  • 5h 17min
  • 2019 erschienen
  • tacheles!/Roof Music Verlag
  • Preis: 9,19€ (Audio-CD)
Klappentext:
"Sophie Passmann ist Feministin und so gar nicht einverstanden mit der Plattitüde, der alte weiße Mann sei an allem schuld. Es wurde auch nie genau geklärt, was der alte weiße Mann eigentlich genau ist. Sie will wissen, was hinter diesem Klischeebild steckt und geht der Sache auf den Grund. Im Gespräch mit u.a.: Kai Diekmann, Kevin Kühnert, Robert Habeck, Sascha Lobo, Micky Beisenherz, Rainer Langhans, Peter Tauber, Christoph Amend und natürlich: Papa Passmann."

Nachdem ich dieses erste Buch von Sophie Passmann kenne, kann ich das Zweite wesentlich besser nachvollziehen. Klar inhaltlich haben die beiden zwar gar nichts miteinander zu tun, doch ich kann die Autorin jetzt einfach besser verstehen wie sie sich ausdrückt und was sie vermitteln möchte. Auch dieses Buch liest sie selbst vor. Entweder ich hab mich vom letzten mal daran gewöhnt gehabt oder es war besser, fand ich es hier gut vorgetragen.

Die Autorin erklärt uns, dass sie diesem Phänomen des alten weißen Mannes auf den Grund gehen will und dies glaubt am besten zu können, indem sie solche vermeintlichen dazu zu befragen. Sie hat sich hier an Bandbreite an Kandidaten ausgesucht, von denen man teilweise zumindest erwarten würde, dass sie selbst dem Stigma nicht entsprechen und es dann doch auf erstaunliche Art und Weise tun. Alle Interviewpartner scheinen sehr offen und direkt zum Thema zu antworten, was ich schonmal sehr gut fand und auch überrascht war. Natürlich können das auch Lügen sein, die besonders gut verpackt sind, aber naja, das glaub ich nicht.

Besonders gut fand ich die selbstreflektierten Einwürfe der Autorin. Sie beschreibt sehr gut, warum manche Gespräche wie geführt wurden und warum vermutlich diese und jene Antworten dazu kamen. Vielleicht hätte jemand anderes mit anderen Faktoren andere Antworten erzielt. Gerade deswegen finde ich den Untertitel auch so passend. Es geht ihr nicht darum jemand vorzuführen oder furchtbar emanzipiert aufzutreten. Sie möchte einfach nur das Bild des alten weißen Mannes aufzeigen. 

Mir haben diese Dialoge einfach Spaß gemacht und ich fand auch die Gesprächspartner sehr gut gewählt. Die Dynamik war definitiv da und es ging auch flüssig voran. Ich finde die Wortwahl und den Ausdruck der Autorin immernoch sehr eigen, man erkennt sie daran eindeutig und ich glaube, dass ist immer ein gutes Zeichen - eben authentisch.

Dennoch ist das jetzt kein Buch was einen unwiderbringlichen Mehrwert bietet oder ich sage würde - lies es unbedingt. Es ist aber eben auch nicht langweilig. Ich mochte es. Empfehlen kann ich es für ein bisschen offenes Talkshowformat zwischendurch,

eure Blue Diamond.

Freitag, 12. Februar 2021

GRM


Hallo meine Lesefreunde,

heute kommen wir zu einem Buch, das ich letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hatte. Eigentlich habe ich da eine klare Policy - bis zum nächsten Geburtstag müssen diese Bücher gelesen werden. Allerdings ist das so ein dicker Schinken, dass ich ihn zwar auf vielen TBRs hatte, aber dann doch irgendwie immer nicht gelesen habe im letzten Jahr. Damit war es nun allerhöchste Zeit.

Die Fakten:

  • Autor: Sibylle Berg
  • Titel: GRM
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Kiepenheuer und Witsch
  • Seiten: 634
  • Preis: 25 Euro
  • Klappentext: "Die Überwachungsdiktatur ist fast perfekt. Jeden Tag wird ein anderes Land im Westen autokratisch. Algorithmen ersetzen Menschen, Menschen ersetzen einander, es gibt kaum noch Platz für Träume, außer in der Musik. Aber vier Jugendliche versuchen sich in einer Revolution. Begleitet von Grime, der besten britischen Erfindung seit Punk. Das ist keine Dystopie. Es ist die Welt, in der wir leben, heute und vielleicht morgen. Es wird nicht schlimm, nur - anders. Willkommen in der Welt von GRM."

Zur Handlung: In dieser Geschichte geht es um Don, auf der Suche nach ihrem Gender, steht auf Grime, eine aggressive Musikrichtung, hat kein Glück mit ihrer Familie gehabt. In dieser Geschichte geht es um Hannah, eigentlich sehr behütet aufgewachsen und dann nicht mehr, jetzt allein auf der Welt. In dieser Geschichte geht es um Peter, ein polnischer Junge, vielleicht austistisch, von der Mutter in einem fremden Land verlassen. In dieser Geschichte geht es um Karen, zu schlau für ihr eigenes Glück, hat allen IQ ihrer Familie abbekommen.

Diese vier Kinder finden in Lochdale in England zusammen, eine Gegend, die schon abgehängt war, als es noch keinen der vier gab. Sie beschließen aufzubrechen und etwas Neues zu wagen, etwas Großes. Aber ganz in der Manier ihres bisherigen Lebens werden sie von allem immer nur enttäuscht sein. Großwerden ist scheiße.

Zunächst möchte ich betonen, wie schön das Buch gemacht ist. Das Hardcover ist ohne Umschlang, ein toller Rotton und die weiße Schrift. Das fällt echt ins Auge. Das Buch ist auch echt schlank für seine über 600 Seiten, das Papier ist zwar dünn, aber sehr hochwertig. Also wirklich was fürs ins Regal stellen.

Leider kann ich über den Inhalt nicht im gleichen Maße schwärmen. Sofort sticht beim Lesen der Schreibstil heraus. Es handelt sich um einen andauernden Stream of Consciousness - wir lesen also ziemlich wahllos und durcheinander Gedanken der Charaktere mit. Und davon gibt es einige. Diese Gedanken sind meist nicht sehr political correct, meistens sehr rauh, sehr derb, sehr durcheinander. Am Anfang fand ich das total spannend, ü600-Seiten davon... not so much. Das nutzt sich sehr schnell ab.

Kapitel gibt es in diesem Buch keine, aber zwei Sprünge, die so ein bisschen wie Teile bilden. Dafür springen wir immer wieder durch die Köpfe von Charakteren - vielen Charakteren. Während Don, Hannah, Karen und Peter definitiv die Hauptfiguren sind, landen wir in einigen Köpfen und in manchen ist es echt nicht schön. Außerdem ist es übersichtlich - ich habe bei vielen Figuren am Ende keine Ahnung mehr gehabt, wer sie am Anfang waren. 

Am schlimmsten fand ich an diesem Buch, das eigentlich nichts passiert. Und wenn etwas passiert, muss man es sich aus den fließenden Gedanken irgendwie zusammenreimen. Ist mir nicht immer gelungen. Grundsätzlich hätte aber sicher alle Handlung auch auf 350 Seiten gepasst. Das hätte dem Buch echt gut getan. Irgendwie hatte ich in einer anderen Review gelesen, dass die Autorin sich wohl gern reden hört - so liest sich das Buch.

Natürlich ist das Buch total en vogue, weil so alles außer Corona darin vorkommt. Hätte es Corona 2019 schon gegeben, käme es auch darin vor. Und es wird alles echt schwarz gemalt. Da ist keine Hoffnung mehr auf irgendwas. Die Konservativen werden uns alles nehmen. Die Maschinen werden uns alles nehmen. Das Grundeinkommen wird uns alles nehmen. Dann kommen die Chips, die Massenüberwachung - und keinen wird es stören. Alle viel zu bequem. Also... keine Dystopie, eher fleischgewordener Pessimismus. Das Buch will damit gezielt edgy und cool sein, aber 640 Seiten sind too much, sorry.

Mit den Charakteren habe ich nicht wirklich mitgefühlt. Ich fand sie dabei nicht unspannend, nur ist eben nie was interessantes passiert mit ihnen. Sie waren so da, und das mit Absicht. Das ist das ganze Gefühl in diesem Buch: die Leute sind so da, und das mit Absicht. Machen nix, gucken nur zu. Die einzigen, die was machen, das sind die Bösen, und die sind wirklich hardcore ekelböse. Und eigentlich alles Männer, was auch nicht so realistisch ist. Und irgendwie geht es dann auch um Rache aber hab ich dann teilweise nicht verstanden. 

Das Ende ist dann auch so da. Irgendwie. Hab ich nicht verstanden. Werden wir gerettet? Von wem? Wer weiß. Und dann kommt ein Epilog, alle haben aufgegeben, sind angepasst. Keine Revolution. Ist das schlimm? Oder ist jetzt alles gut? Wie ging das eigentlich, nun doch alle gechipt? Wird nicht kommentiert. Na gut.

Also empfehlen kann ich das Buch nicht. Auf der positiven Seite fand ich die Charaktere interessant angelegt, der Schreibstil ist speziell und es lässt sich so gut weglesen. Auf der negativen Seite hat sich das Buch einfach zu doll ausgeleiert auf über 600 Seiten, nichts ist passiert, was passiert ist, habe ich oft nicht verstanden, und am Ende gibt es auch nix, was das Lesen gelohnt hätte. Also kann man machen, muss nicht.

Kennt ihr das Buch oder andere Bücher der Autorin? Eure Meinung wüsste ich gern!

Bis bald,

Eure Kitty Retro

 

PS: GRM steht übrigens für Grime - die Musikrichtung im Buch. Brainfuck für eine Programmiersprache, die ein Charakter spricht? Wird im Buch nicht erklärt, habe ich mir so im Internet ergooglet.

 

 

 

Meine Bewertung:



Freitag, 4. Dezember 2020

QualityLand 1 & 2

Hallo an alle Freunde des schwarzen Humors,

wer von euch kennt und mochte die Känguru-Chroniken? Dann seid ihr auch jetzt genau richtig.

Fakten:
  • Autor: Marc-Uwe Kling
  • Roman
  • 2019 erschienen
  • 384 Seiten
  • Ullstein Taschenbuch Verlag
  • 2 Bände (helle und dunkle Editionen)
  • Preis: 11,00€ (Taschenbuch)
Klappentext:
"Willkommen in QualityLand, in einer nicht allzu fernen Zukunft: Alles läuft rund - Arbeit, Freizeit und Beziehungen sind von Algorithmen optimiert. Trotzdem beschleicht den Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Wenn das System wirklich so perfekt ist, warum gibt es dann Drohnen, die an Flugangst leiden, oder Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung? Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller? Marc-Uwe Kling hat die Verheißungen und das Unbehagen der digitalen Gegenwart zu einer verblüffenden Zukunftssatire verdichtet, die lange nachwirkt. Visionär, hintergründig – und so komisch wie die Känguru-Trilogie."

Ich habe mir dieses Buch geschnappt, weil ich Lust hatte zu lachen in Zeiten wie diesen. Dass ich so begeistert sein würde hätte ich nicht gedacht, dies könnte aber meine Schilderung positiv beeinflusst haben. 

Wir werden ohne große Vorrede direkt in die Geschichte geworfen und lernen, dass in dieser Welt jeder nach seinem gesellschaftlichen Stand mit Nachnamen versehen ist und dieser scheint sich auch nicht anzupassen denn eigentlich kann es zu keinem Aufstieg in der Gesellschaft kommen. Jeder ist außerdem vernetzt und mit einem Ohrwurm ausgestattet. Diesen könnt ihr euch ganz schizophren als Stimme im Kopf vorstellen. Es scheint niemandem wirklich gut oder schlecht zu gehen. Diese ausgewogene Welt scheint aber in ihrer Wahrnehmung total differenziert zu sein. Ein Qualityland scheint so eine Art parallel Welt zu sein um eben für noch mehr Qualität zu sorgen oder besser zu können. Umso mehr die Personen sich von technischen Mitteln eines Landes oder Unternehmen unterstützen lassen umso einfacher gestaltet sich deren Alltag denn umso vorgefertigter ist dieser. Das kennen wir ja auch schon in Ansätzen ;)

Peter ist nun jemand der völlig aus der Reihe fällt und später wird auch klar wieso das überhaupt passieren konnte. Er soll defekte Geräte eigentlich verschrotten. Dass schafft er aber einfach nicht. Diese Maschinen haben hier richtige eigene Charaktere und Emotionen. Er lässt sie in seinem Keller weiter existieren. Dadurch werden sie auch seine Freunde und als er dann den ein oder anderen rebellischen Kontakt hat, sind sie ihm bei seinem Vorstoß gegen die Regierung eine große Hilfe.

Beide Bände wechseln immer mal die Perspektive zwischen wenigen Charakteren. Jedoch erzählen die Bände unabhängige Geschichten voneinander, wobei ich die Reihenfolge schon einhalten würde, solltet ihr nach dem ersten weiter lesen wollen. Heute kann ich sagen Band 1 hätte mir gereicht. Der Zweite ist auch gut, aber so kurz nacheinander wie ich es gelesen habe verpufft der Spaß einfach sehr und das nimmt der Geschichte auf eine Weise den Charme. Meine Empfehlung ist also ruhig eine große Lücke zwischen beiden zu haben.

Die gesamte Geschichte ist unglaublich genial gestaltet und zeigt auf absurdeste Art und Weise Problematiken heutiger Gesellschaften. Sie ist sehr fokussiert auf die technischen Aspekte dabei und weniger darauf wie es überhaupt so kommen konnte. Dennoch wird sehr gewissenhaft mit der Kritik die gezeigt wird umgegangen. So wird kein Schuldiger dargestellt sondern eher allgemein eine Entwicklung als Grund genannt. Das kenne ich auch noch so von den Känguru-Chroniken die gesellschaftliche Kritik ist immens, doch so gestaltet, dass sicher jeder selbst überlegen kann, ist das eine Entwicklung die ich gut oder nicht gut finde. Eigenständiges Denken wird angeregt und das Privileg selbst Entscheidungen treffen zu können hervorgetan.

Eine ganz tolle und moralisch wertvolle Geschichte die einen gleichzeitig die Tränen in die Augen treibt. Das kann und möchte ich einfach jedem empfehlen, auch als Hörbuch ganz prima, werde ich zum Beispiel zu Weihnachten verschenken. Habt ihr eigentlich schon alle Geschenke? Ich habe es leicht und verschenke dieses Jahr nur an Freunde und finde es auch ganz spannend, alles zu verschicken. Ich glaube das kann ein sehr entspanntes Weihnachten werden. Klar anders als sonst, aber auch als Teilaspekt entspannt,

eure Blue Diamond.



Freitag, 28. August 2020

Jane Austens Northanger Abbey

Hallo meine Austen-Freunde,
 
gelegentlich kommen moderne Autoren auf die Idee, die Werke von Jane Austen neu zu erzählen, manchmal mit sehr viel Erfolg und neuen Perspektiven, manchmal nicht. Dieses Buch, von dem ich heute kurz berichten will, gehört leider in die Kategorie "nicht". Aber fangen wir vorn an...
 
Die Fakten:
  • Autor: Val McDermid
  • Titel: Jane Austens Northanger Abbey (Original: Northanger Abbey)
  • Übersetzung: Doris Styron
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Harper Collins
  • Seiten: 304
  • Preis: 19,90 Euro
  • Klappentext: "Lesen ist gefährlich! Zu gern verliert die 17-jährige Pfarrerstochter Cat Morland sich in der Welt der Bücher und träumt von aufregenden Abenteuern - die sie in ihrer Heimat im ländlichen Piddle Valley leider niemals finden wird. Zum Glück darf sie zu einem Kulturfestival nach Edinburgh reisen, wo sie sich in den jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt Henry Tilney verliebt. Als er sie auf seinen schönen aber düsteren Familiensitz Northanger Abbey einlädt, fühlt sich Cat jedoch plötzlich in einen ihrer geliebten Gruselromane versetzt. Denn in dem alten Gemäuer lauern die Schatten der Vergangenheit hinter jeder Ecke und die Anzeichen verdichten sich, dass ein schreckliches Verbrechen geschehen ist..."

Zur Handlung: Cat Morland hat zu viel Fantasie, da sind sich alle einig. Dennoch darf sie mit einem benachbarten Ehepaar, das selbst kinderlos ist, nach Edinburgh reisen und dort endlich mal die große weite Welt erleben. Dabei trifft sie durch Zufall auf Bella Thorpe, die überraschenderweise heißblütig in Cats großen Bruder verliebt ist und in Cat die perfekte beste Freundin sieht.

Doch kurz darauf trifft Cat auf den etwas älteren Henry, der unverhofft ihr Tanzpartner wird. Cat ist sofort hin und weg, aber weiß nicht, ob sie ihn wiedersehen wird. Umso größer ist ihre Freude, als sie in Henrys Schwester Ellie für sich die perfekte beste Freundin erkennt. Und dann verliebt sich auch noch Bellas unausstehlicher großer Bruder in Cat... das Chaos ist perfekt! Achja, und spooky wird es auch noch.

Northanger Abbey ist schon mein wenigsten geliebter Jane Austen-Roman, ohne dass er in die Jetzt-Zeit transferiert wird von jemandem, der definitiv in der Jetzt-Zeit nicht mehr 17 ist. Jetzt fragt ihr euch: Warum lese ich dann ein Retelling davon? Als das Buch damals erschien, habe ich das einfach falsch verstanden. Ich dachte, dies ist eine Krimigeschichte, die an Northanger Abbey inspiriert ist - klingt auf dem Klappentext ja auch ein bisschen so. Aber nein, dieses Buch ist fast eine 1:1 Nacherzählung, nur eben im 21. Jahrhundert.

Alle Charaktere sind ziemlich nervig. Man kann sie allerdings schon staffeln. John Thorpe ist definitiv der schlimmste, das soll auch so. Bella und Cat haben mich in etwas gleich genervt. Henry und Ellie nerven dann am wenigsten. Cats Bruder ist so langweilig, dass ich jetzt gar nicht erst versuchen werde seinen Namen herauszufinden... James vielleicht? Naja, diese Charaktere verwickeln sich nun also in seltsame Liebes-Geometrieformen miteinander. Das ist ziemlich langweilig, wenn einen keiner der Charaktere interessiert. 

Was ich am Original noch mochte, war das Setting. Denn ein besonderer Pluspunkt von Austen ist nun einmal diese Zeitperiode, die Mode, die Gesellschaftformen, die Bälle, und der ewige Kampf um den Ehepartner. Austen setzt in diese Welten gewöhnlich sehr starke, meist wenig angepasste Frauencharaktere, die dennoch am Ende ihr Glück finden - so wie es sich gehört. Northanger Abbey war ein eher satirischer Werk, und sie ist Cat eben nicht wirklich besonders, sondern eine Karikatur der damaligen Heldinnen in Schauergeschichten, die ohne viel Agency in dunklen italienischen Schlössern von viel älteren Ehemännern gefangen gehalten wurden (siehe Mysteries of Udolpho). Jetzt nehmen wir aber dieses klassische Setting und damit auch den satirischen Teil heraus und setzen die Handlung ins 21. Jahrhundert.... jaaaa, ok.

Wir haben dann also Cat, die quasi ein Twilight-Stan ist - auch wenn die Bücher hier anders heißen, ist der Inspirationsursprung nicht stark verschleiert. Sie sucht nach sexy Vampiren, und da kommen die Tilneys genau richtig. Facebook schlägt einem in dem Buch in jedem Moment ins Gesicht - und Twitter. Und man sieht daran wunderbar, wie schnell solche technischen Anleihen veralten - eine Welt ohne What's App kann sich heute keiner mehr vorstellen, warum schicken sich Freunde DMs auf Twitter? All das wirkt schon wieder total angestaubt, dabei ist 2014 gar nicht so lange her.

Während des Lesens war ich die meiste Zeit einfach gelangweilt, konnte dem Ganzen aber immerhin den Schreibstil abgewinnen, der mich zumindest in der Übersetzung schon an Austens Stil erinnert hat. Ich habe so zwischen 2 und 3 Sternen geschwankt - ich brauchte das Buch für den Magical Readathon und es ließ sich schon aushalten...

Dann kam das Ende. Hier endlich weicht das Buch von der Vorlage ab, nur um alles 30 Mal schlimmer zu machen. Und das siehst du nicht kommen - plot twist quasi. Aber ich verrate es euch hier, weil ich finde, das Ende ist der Grund, warum man dieses Buch nicht lesen sollte. Wer keinen Spoiler will, jetzt hier nicht weiterlesen: Anstelle des Motives Geld, das im Original für die Geschehnisse am Ende führt, und was auch in der Neuerzählung immer wieder Andeutung finde, ist es plötzlich der Gedanke, dass Cat und Ellie lesbisch sein könnten, der die Ereignisse auslöst. Henry konfrontiert Cat dann damit, und ... Cat ist entsetzt darüber, dass er das geglaubt hat, und nicht, dass das zu solch krassen Verhaltensweisen gegen sie geführt hat! Und jetzt möchte ich nochmal sagen: die Neuerzählung spielt im 21. Jahrhundert! Und - mehr plot twist - die Autorin lebt selbst mit einer Frau zusammen!

- insert confused gif here -

Ich möchte dieses Buch also niemandem empfehlen. Es ist langweilig, die Charaktere sind platt und unsympathisch, der satirischen Brocken sind uninspiriert (wer lacht denn heute noch über Twilight Fangirls und kommt sich dabei kreativ vor?). Allein der Schreibstil ist nett. Achja, und das Buch trifft homophobe Aussagen, die von den Charakteren nicht als problematisch entlarvt werden.

Zitat: "Na und, wenn Ellie eine Lesbe ist? Allerdings helfe ihr Gott, wenn sie eine ist."

Lest dieses Buch nicht.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

 

Mittwoch, 19. August 2020

Spontaneous

Hallo meine Sommerfreunde, 

im Moment findet die nächste Runde des Magical Readathon statt. Dafür brauchte ich ein lustiges Buch, was so gar nicht mein Ding ist, wenn man es eng definiert, aber gewisse lustige Bücher liebe ich. Ich hatte gehofft, dieses Buch, dass ich jetzt seit vielen Jahren im Regal hatte, könnte genau diese Art von lustig sein. Ob das geklappt hat, erzähle ich euch heute...
 
Die Fakten:
  • Autor: Aaron Starmer
  • Titel: Spontaneous
  • Erschienen: 2016
  • Verlag: Dutton Books
  • Seiten: 365
  • Preis: 12,00 Euro
  • Klappentext: "Katelyn is the first, but she won't be the last senior to blow up without warning or explanation. With the whole country watching, the FBI soon rolls into Mara's suburban New Jersey hometown and the search is on for answers. Whip-smart and blunt, Mara narrates the end of their world as she knows it while trying to make it to graduation in one piece. It's an explosive year punctuated by romance, quarantine, life-long friendship, hallucinogenic mushrooms, bloggers, ice-cream trucks, "Snooze Button", Bon Jovi, and the filthiest language you've ever heard from the president of the United States."
Zur Handlung: Es ist ein ganz normaler Schultag, als im Matheunterricht Mara's Mitschülerin explodiert. Niemand kann feststellen, was zur Explosion geführt hat, aber schnell reden alle von Terrorismus. Doch in den folgenden Tagen explodieren immer mehr von Mara's Mitschülern und bald geraten Drogen in den Verdacht. Mara merkt allerdings schnell, dass eigentlich niemand etwas weiß.
 
In dieser unsicheren Zeit versucht Mara mit ihrer besten Freundin und ihrer neu entdeckten Libido einfach über die Runden zu kommen und bis zum Abschluss zu überleben. Aber je verunsicherter die Erwachsenen werden, desto prekärer wird die Situation der Abschlussklasse, bis sie schließlich alle in Quarantäne gebracht werden, falls es doch ein neuartiges Virus ist...
 
Mit Beginn des Buches sind wir mitten in der Handlung, also mit Mara mitten im Unterricht. Und diese Handlung ist wirklich abstrus - explodierende Teenager? Aber das Buch hat mehr an sich, als es scheint, und ich glaube, gerade im Moment können sich vielleicht viele damit identifizieren, wenn in Amerika trotz Pandemie en masse die Schulen wieder geöffnet werden sollen. Denn Mara's Jahrgang muss sich mit der Frage herumschlagen, ob sie vielleicht am nächsten Tag tot sind - jeden Tag. Niemand hat eine Antwort und so werden sie von Behörde zu Behörde geschoben, bis sie schließlich einfach sich selbst überlassen werden. 
 
Mara als Hauptcharakter fand ich interessant. Einige Personen finden es nicht gut, dass hier ein männlicher Autor eine weibliche Hauptfigur schreibt. Allerdings fand ich es spannend, dass man zu Beginn des Buches - ohne Klappentext - gar nicht weiß, welches Geschlecht die Figur hat. Und man merkt sehr schnell, dass das auch eigentlich egal ist. Mara wird dann als Mädchen identifiziert, aber sie entspricht definitiv keinem Klischee. Ich fand sie sehr erfrischend, sie ist wild, experimentierfreudig, laut und dennoch clever. 
 
Die drei wichtigsten Figuren um Mara herum sind ihre beste Freundin, ihr neuer Freund und eine Agentin, die herausfinden soll, was in dieser Schule los ist. Die beste Freundin hatte für mich deutlich zu wenig Auftritte in diesem Buch - wir hören mehr über die Freundschaft, als wir sehen. Aber das Ende hat das für mich fast schon wett gemacht. Der Freund ist interessant und ich mochte die überraschend explizite Sexszene in diesem Buch, die für mich - auch irgendwann mal Teenager - sehr authentisch war. Die Agentin... naja, deren Rolle verstehe ich immer noch nicht. Aber was soll's.
 
Ich mochte, dass das Buch recht divers ist - durch die Todesfälle lernen wir einiges über den Abschlussjahrgang, und da habe ich keine krassen Klischees wahrgenommen. Natürlich ist der Roman sehr aufmüpfig geschrieben, sodass nicht alles politisch korrekt ist - aber es fühlte sich dennoch ehrlich an, eben für Teenager. 
 
Das Buch beschäftigt sich mit einigen Verhaltensweisen, die manche Personen vielleicht nicht als gut oder altersgerecht für Teenager wahrnehmen. Allen voran ist Mara recht erprobt, wenn es um Drogenkonsum geht. Gegen Ende des Buches nimmt dann exzessiver Alkoholkonsum einen wichtigen Teil in der Handlung ein. Und wie gesagt, es gibt auch eine explizite Sexszene - und es explodieren Jugendliche.
 
Am Ende kann jeder aus dem Buch mitnehmen, was er oder sie möchte. Das Ende ist sehr offen gestaltet, aber ich fand es passend und sehr emotional. Das Buch hat für mich dieses Gefühl eines "Endes" recht gut eingefangen, und dieses Moment, dass man die Schule eigentlich erst zu schätzen weiß, wenn sie vorbei ist. Das Buch ist sicherlich nicht für jeden, aber wenn man sich darauf einlassen mag, hält es viel für einen bereit.
 
Alles in allem fand ich das Buch unterhaltsam und mal ganz andere "Jugendliteratur", als ich sonst kenne. Mara ist eine ungewöhnliche weibliche Hauptfigur und das Buch räumt mir klassischen Tabus des Genres auf. Mara ist weder auf den Kopf, noch auf den Mund gefallen. Man muss sie daher nicht mögen, aber man kann ihre Entwicklung zumindest verstehen, denn explodierende Mitschüler sind einfach... ungewöhnlich... verunsichernd. Und das Buch zeigt, wie viel uns an Teenagern liegt, wie ernst wir sie nehmen und wie gut wir sie schützen. Darüber sollten wir alle mal nachdenken.
 
Kennt ihr das Buch? Oder kennt ihr noch andere Geschichten, wo Menschen ohne Grund explodieren?
 
Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:

Mittwoch, 23. August 2017

Eine Kiste explodierender Mangos

Hallo meine Mangofreunde,

wem läuft da nicht direkt das Wasser im Munde zusammen? Mangos sind mein Lieblingsobst und nur deswegen haben ich damals dieses Buch gekauft. Es stand nun wirklich ewig in meinem Regal, denn irgendwie war mir nie richtig danach. Als nun Booktubeathon war, brauchte ich einen Coverbuy für eine Challenge, und obwohl ich das Buch eher aufgrund des Namens gekauft habe, so ist die Mango doch auch auf den Cover vertreten. 

Die Fakten:
  • Autor: Mohammed Hanif
  • Titel: Eine Kiste explodierender Mangos (Original: A Case of Exploding Mangoes)
  • Übersetzung: Ursula Gräfe
  • Verlag: btb Verlag
  • Erschienen: 2011
  • Seiten: 379
  • Preis: 9,99 Euro
  • Klappentext: "Über Männer, Macht und Militär - anarchisch, komisch und bitterböse. Was führte zum mysteriösen Flugzeugabsturz im August 1988, bei dem der pakistanische Militärdiktator Zia al-Haq, mehrere seiner Generäle und der US-Botschafter ums Leben kamen? Aus dieser bis heute offenen Frage entwickelt Mohammed Hanif eine ebenso geistreiche wie großartig erzählte Satire, in der diverse Mordkomplotte bis zur letzten spannungsreichen Seite um ihr Angriffsziel ringen."
Zur Handlung: Wir treffen zu Beginn des Buches auf Ali Shigri, einen Unteroffizier der pakistanischen Armee. Er wird verhört, weil sein Zimmergenosse und Kampfkumpan Obaid verschwunden ist. Schnell wird klar, dass dieser ein Flugzeug gestohlen hat, doch die Hintergründe und Motive bleiben im Dunkeln. Shigri wird auf verschiedenste Weisen verhört, aber weiß er selbst, was Obaid vorhatte?

Zia al-Haq ist nicht gerade ein beliebter Diktator. Muss er aber auch gar nicht sein, denn ein Team von Generälen und Ministern schottet ihn systematisch von der wahren Meinung des Volkes ab. In den Zeitungen erscheinen nur genehmigte Berichte. Er hat gute Beziehungen in die USA und kann so auch dort für etwas Ordnung sorgen. Doch er weiß selbst gar nicht, wie sehr ihn manche Untertanen verachten. Dennoch ist er besessen von einer Idee: Jemand will ihn töten.

Dieses Buch muss man tatsächlich erst einmal setzen lassen. Direkt nach dem Lesen war ich einfach nur verwirrt und brauchte ein paar Tage, um zu verstehen, was das Buch mir sagen wollte. Dann allerdings stellt man schnell fest, wie clever das Buch eigentlich gemacht ist. Und dann kann man auch wirklich wertschätzen, was man da gerade für ein Leseerlebnis hatte.

Wir bekommen die Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Shigri und al-Haq geschildert, vielleicht ist zwischendrin auch immer mal eine andere Sichtweise von Ministern oder Generälen, aber meist ist sehr schnell erkennbar, wer erzählt. Shigri habe ich beim Lesen als sehr interessanten Charakter empfunden, der aber nicht immer komplett vertrauenswürdig ist. Sein Vater war selbst ein sehr angesehener Militär und hat sich dann scheinbar selbst erhängt. 

Daher ist es zwischenzeitlich immer schwer einzuschätzen, ob Shigri nun der gute Soldat ist, der er vorzugeben scheint, oder ob er doch einen geheimen Racheakt plant, da der Tod seines Vaters kein Zufall war. Außerdem ist er verantwortlich für das Silent Drill Team, was etwas total seltsames für mich war. Dieser Aspekt war wirklich interessant. Und schließlich kommen dann vor allem am Ende immer wieder sehr abfällige Kommentare zu Zivilisten, was ich auch spannend fand, aber vielleicht denken Soldaten ja wirklich, sie sind etwas besseres.

Auf der anderen Seite treffen wir al-Haq selbst, der wirklich verrückt ist und völlig weltfremd. Auch seine Generäle und Minister lernen wir kennen. Dabei fand ich es angenehm, wie gut die verschiedenen Namen von einander unterschieden werden. Ich hatte fast nie Probleme damit, zu verstehen, um wen es gerade geht. Und hier schlägt die Satire natürlich zu, vor allem wenn es um die Gesundheit al-Haqs geht oder den saudischen Prinzen.

Interessant fand ich auch gewisse homoerotischen Tendenzen, die ich in so einem Buch nicht vermutet hatte, die aber noch einen kleinen Nebenaspekt mit hineinbringen. Man sollte hier allerdings nicht zu viel erwarten, immerhin geht es um das pakistanische Militär. 

Insgesamt fällt es schwer, sinnvoll über das Buch zu berichten. Aber ich kann es empfehlen, wenn ihr gern über den Tellerrand schaut und offen seid für seltsame aber spannende und gelegentlich lustige Lektüre. Das Buch hat mir durchaus auch einiges beigebracht, denn Pakistan kenne ich bisher kaum. Auch zeigt es toll auf, wie weltfremd Diktatoren leben. Und da diese wieder mehr werden um uns herum, sollten wir uns vielleicht damit auseinandersetzen. Schließlich kann man über das Buch noch gut im Nachhinein grübeln und entdeckt dabei dann eigentlich erst, wie gut es wirklich war. Das Ende ist wirklich perfekt in meiner Welt, auch wenn ich zunächst wie vor den Kopf gestoßen war. 

Kennt ihr das Buch oder habt ihr schon davon gehört? Würdet ihr es lesen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: 
 

Sonntag, 4. Januar 2015

Für Eile fehlt mir die Zeit

Hallo ihr Lieben,

da es zu diesem Buch keinen wirklich Klappentext gibt, zumindest nicht bei meiner Version, diesmal einfach ohne Ankündigung.

Fakten:
  • Autor: Horst Evers
  • 304 Seiten
  • rororo Verlag
Es handelt sich um ein Buch mit ganz kurzen Kapiteln von 2 bis maximal 5 Seiten ohne zusammenhängende Geschichte.

Es wird aus Männersicht erzählt und dessen Alltag beschrieben. Der Mann der uns hier Geschehnisse aus seinem Leben erzählt, scheint hin und wieder wirklich ein sehr Merkwürdiges zu haben. Ihm passieren immer wieder Dinge, die einen einfach stutzen lassen und immer öfter auch ein Lächeln ins Gesicht treiben.

Über den Inhalt lässt sich gar nicht groß etwas sagen, da es sich wirklich um viele viele viele Alltagssituationen handelt, die manch einer ebenfalls erlebt hat oder noch wird. Was mit so unglaublich gut gefallen hat, ist eben diese Einfachheit. Keine großen Geschichten, keine großen Dramen, Geheimnisse oder Rätsel.

Dieses Buch erinnert einen einfach mal wieder an das eigene reale Leben, es sollte jeder lesen und sich seine eigenen Eindrücke daraus nehmen,

eure Blue Diamond.

Sonntag, 16. November 2014

Er ist wieder da

So meine Lieben,

ich hab wirklich Tränen gelacht.

Fakten
  • Autor: Timur Vermes
  • 400 Seiten
  • Politroman
  • Eichborn Verlag
Wir haben es hier tatsächlich mit Adolf Hitler in der Hauptrolle zu tun. Er erwacht quasi 2011 und begreift erst langsam, in welchem Jahr er sich befindet.
Er hat sich eigentlich nicht verändert, soweit man das als Leser beurteilen kann. Er lernt einen Kioskbesitzer kennen, der ihn unglaublich witzig findet. Generell scheint ihn jeder für einen Spaßvogel zu halten. Klar wenn einer der exakt aussieht wie Hitler in einer Militäruniform durch die Gegend läuft, da denkt man automatisch entweder der ist irre, fanatisch, dreht einen Film oder macht sich einen gewaltigen Spaß aus der Sache.

Nun wird auch eine Produktionsfirma auf ihn aufmerksam. Dort soll er sich als Komiker in einer Show behaupten. Hitler hingegen versteht natürlich nicht, dass ihn alle lustig finden. Für ihn ist es die Hilfe seine alte Macht zurück zu erlangen.

Ich weiß es natürlich nicht, aber der Autor scheint sich unglaublich gut mit Hitler, seinem Charakter, seinem Denken, Gewohnheiten, einfach seinem ganzen Leben auszukennen. An manchen Stellen, und ich weiß, sowas sollte man nicht sagen, scheint einem die Person Hitler schon fast sympathisch. Keiner weiß natürlich wie er wirklich war, zumindest heute nicht, aber in diesem Buch kommt er nicht nur schlecht weg.

Natürlich werden auch alle multimedialen Medien im Buch für die Verbreitung genutzt. Dies verdeutlicht, wie weit und schnell sie heutzutage ausgebaut sind. Erschreckend, wenn sie jemand richtig einsetzt und im selben Moment auch noch einen wunden Punkt der Bevölkerung treffen würde.

Trotz seiner schwere und tiefe, haben ich Tränen gelacht. Dieses Buch ist so unglaublich witzig, wie ich eigentlich noch nie eines gelesen habe. Empfehlen möchte ich es allen, die ein gewisses Interesse an Geschichte und Medien haben und humorvolle Texte mögen.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, ist jeder selbst für das verantwortlich was er tut, von sich zeigt und was er glaubt, meine Meinung,

eure Blue Diamond.