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Mittwoch, 3. August 2022

The Girls I've Been


Hallo meine Thrillerleser,

in der Bibliothek hatte ich dieses Buch entdeckt, das mich vor allem aufgrund des Covers angesprochen hat. Ich wusste, dass es darin um die Tochter einer Betrügerin geht, sodass das Buch sich mit Täuschung und Verbrechen beschäftigen wird. Aber viel mehr wusste ich nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Tess Sharpe
  • Titel: The Girls I've Been
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Hodder Children's Books
  • Seiten: 356
  • Preis: 8,99 Euro
  • Klappentext: "To understand my story, you first have to know about the girls I've been. And that starts with my delightful con artist mother - because I didn't choose a life of deception, I was born into it. Five years ago, I escaped and became Nora who has a nice, normal life in a nice, normal neighborhood... Until this morning when I found myself at gunpoint in the middle of a bank heist with my ex-boyfriend and my new girlfriend (talk about awkward). The first thing I thought was get down! The second thing - we're all gonna die because I stopped to buy donuts on the way to the bank. And the third thing? I'm the only one who can get us out of here alive. Because the gunmen have no idea who I really am - that girl has been in hiding for far too long."

Zur Handlung: Der Morgen ging schon gut los, wenn um die Stimmung ein wenig aufzuheitern, besorgte sie Kaffee und Donuts. Mit dem Ex und der neuen Freundin zur Bank gehen um Geld einzuzahlen klingt einfach nicht nach Spaß. Doch dann ist Nora durch den Umweg auch noch zu spät. Die Begeisterung bei den beiden anderen hält sich in Grenzen.

Doch sobald die drei die Bank betreten, wird sie überfallen. Zwei Bankräuber träumen vom großen Glück - doch der Leiter der Bank, der als einziger Zutritt zu den wichtigen Bereichen geben kann, ist heute morgen leider verhindert gewesen und noch nicht da. Schnell entsteht eine Geißelsituation, und nur Nora kann ihre Freunde retten. Denn Nora ist nicht das, was alle anderen in ihr sehen.

Dieses Buch ist von der ersten Sekunde spannend. Von den Donuts über die angespannte Situation der drei Freunde bis hin zum Beginn der Geißelnahme konnte ich das Buch schon nicht mehr aus der Hand legen. Dabei ist es besonders einnehmend, weil es in der ersten Person geschrieben ist und wir somit mitten in Noras Kopf landen. Die Handlung geht sehr flott voran, ohne dass jedoch auf eine Charakterisierung der drei Hauptfiguren verzichtet wird.

Nora steht dadurch natürlich im Mittelpunkt. Als Tochter einer Schwindlerin ist sie mit Alter Egos aufgewachsen. Schon von klein auf musste sie ihrer Mutter bei den Betrügereien helfen. Nach und nach erzählt sie uns von diesen verschiedenen Leben, die sie geführt hat, und welche Gefahren dabei jeweils lauerten. Denn eins ist klar: wenn man als Frau die Grenze des Gesetzes übertritt, so sind die Gefahren nur umso größer. Was ich an Nora mochte, ist, dass sie dieses Leben eigentlich hinter sich lassen will. Die letzten Jahre halt sie als Nora mehr oder weniger das erste Mal ihr eigenes Leben geführt. Auch wenn der Schatten ihres bisherigen Daseins lang ist, so will sie doch ein normales Leben mit bedeutungsvollen Bindungen, und keine Betrügereien. Damit schafft es das Buch neben dem Thrill-Faktor dieser Identitätsbetrüge doch aufzuzeigen, dass diese nicht glamorös sind.

Neben Nora haben wir ihren besten Freund und Ex, der hinter ihr Geheimnis gekommen war und ihr dann nicht mehr vertrauen konnte. Die beiden sind aber immer noch beste Freunde, weil sie neben komplexer Gefühle auch ein gemeinsames Geheimnis verbindet. Ich mochte diesen Charakter sehr und ich fand die Darstellung seiner Vergangenheit auch passend. Noras neue Freundin bekommt dagegen am wenigsten Hintergrundgeschichte, denn sie und Nora sind noch nicht ganz so lang zusammen und Nora weiß auch nicht alles. Dennoch mochte ich auch sie, vor allem ihren ausgefallenen Vintage-Klamotten-Stil und die Darstellung ihrer Endometriose, die sehr organisch in die Geschichte eingebunden wurde. Da die Autorin selbst an dieser Krankheit leidet, vertraue ich hier auf eine adäquate Darstellung.

Ich hatte bei dem Buch ein bisschen Bedenken, dass die ständigen Rückblicke in die bisherigen Leben von Nora irgendwie langweilig oder unnötig sein könnten, habe das aber nicht so empfunden. Ich hatte das Gefühl, dass beide Handlungsstränge gleichermaßen spannend und unterhaltend waren, und die Rückblicke auch für den momentanen Kontext Bedeutung hatten. Das Buch kann das Tempo auf jeden Fall bis zur letzten Seite durchhalten, was es zu einem echten Pageturner macht.

Das Ende hat mir auch gut gefallen. Es gibt schon einen dramatischen Showdown, wo unsere Hauptfigur nochmal alles geben wird, und am Ende vielleicht gerettet wird. Aber es war auch nicht zu übertrieben, dass ich die Augen gerollt habe. Genau das richtige Maß. Und dann erfahren wir noch, wie sich die Enthüllung von Noras wahrer Identität letztlich auf das Leben auswirkt, dass sie führen will. Hier kommt dann auch nochmal der Teenage Genius-Moment durch, den ich so ein bisschen mit Artemis Fowl verbinde. Fand ich alles total stimmig.

Allerdings möchte ich euch noch warnen, dass es in dem Buch um sehr schwierige Themen geht, beispielsweise (sexueller) Missbrauch, Gewalt in der Familie, und generell der Banküberfall mit Geißelnahme und auch da Gewalt. Einiges davon wird nur angedeutet, bei den meisten Sachen sieht man zumindest das Resultat recht ausführlich. Trotzdem ist der Grundton des Buches eher auf Abenteuer und die Cleverness der Charaktere ausgerichtet. Gerade junge Teenager, die das Buch lesen, sollten aber auf die Themen vorbereitet werden.

Alles in allem kann ich das Buch wirklich empfehlen. Wenn ihr etwas lesen wollt, was ihr nicht aus der Hand legen könnt, dann ist das Buch genau richtig. Perfekt ist es auch für Readathons. Es ist unterhaltsam, clever, spricht aber auch wichtige und schwierige Themen an. Obwohl es den Verbrecher-Lifestyle darstellt, glorifiziert es diesen nicht, weil Nora eben nicht mehr so leben will. Die Charaktere fand ich auch sehr gut gewählt und habe gern über sie gelesen. Und natürlich die große Frage, ob alle unsere Charaktere den Überfall überleben werden - und wenn ja, wie.

Habt ihr das Buch schon gelesen oder ähnlich gute Jugendthriller zu empfehlen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 27. Juli 2022

We Are Not Free


Hallo meine Historienhasen,

ich habe nun die letzten Bibliotheksbücher hier ausgeliehen, die ich lesen will, bevor ich wegziehe. Eines davon stelle ich heute vor, denn es möchte dringend zurückgebracht werden. Es war wirklich ein sehr gutes Buch über ein wichtiges Thema, aber es hat so gar nicht zu meinen Leselaunen zur Zeit gepasst, sodass es wirklich lang gedauert hat, eh das Buch gelesen war.

Die Fakten:

  • Autor: Traci Chee
  • Titel: We Are Not Free
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Houghton Mifflin Harcourt
  • Seiten: 365
  • Preis: 12,99 Euro
  • Klappentext: "Following the attack on Pearl Harbor, fourteen Japanese-American teens find their lives irrevocably changed. Registration, Curfew, Eviction, Incarceration. As World War II roars on around them, these teens must ask themselves what it means to be free Americans when their own country has imprisoned them."

Zur Handlung: Nach Pearl Harbor ändert sich das Leben von Tausenden japanisch-amerikanischen Menschen, denn plötzlich verlieren sie ihre Rechte, werden aus ihren Wohnungen verschleppt und in Lager gebracht, die sie nicht verlassen dürfen. Sie können kaum etwas mitnehmen, müssen ihr Leben aufgeben, alles wofür sie gearbeitet hatten. Die Kinder werden aus der Schule und ihren Nachbarschaften gerissen.

Vierzehn solchen Kindern und Teenagern folgen wir hier in diesem Buch. Dabei sind die Schicksale alle verschieden, aber eng miteinander verknüpft. Einige werden die Zeit gut überstehen und am Ende vielleicht sogar Glück finden, andere werden das Kriegsende nicht erleben. In jedem Kapitel folgen wir einem dieser Charaktere und sehen, wohin der Weg sie führt.

Ich war sehr gespannt auf das Buch, aber auch nicht so in der richtigen Stimmung dafür. Ich lese so historische Sachen eigentlich lieber im Winter. Trotzdem wollte ich es aber nutzen, solange ich das Buch über die Bibliothek lesen kann. Und mir hat es auch wirklich gut gefallen. Ich denke, die Kritikpunkte wären immer die gleichen gewesen.

In diesem Buch folgen wir vierzehn Charakteren - und das ist leider eine ganze Menge. Natürlich ist es man es von Fantasy und Co. gewöhnt, dass es mehrere Perspektiven und viele Charaktere gibt, aber hier war die wirklich für mich trotzdem anders, denn jeder Charakter erhält ein Kapitel, und mit jedem Kapitel ändert sich somit der Blick auf die Handlung - und auf die anderen Charaktere. Ich hätte mir glaube ich von Anfang an eine excel-Tabelle machen müssen, um da alle Verbindungen immer richtig mitzukriegen. Ist ein Charakter in einem Kapitel der Bruder, kann er im nächsten dann der beste Freund sein und im übernächsten ein entfernter Bekannter. Da ich eh mit Namen nicht gut bin, war das dann doch verwirrend und ich habe einfach akzeptiert, dass ich die Leute nie richtig zuordnen konnte.

Trotzdem ist dieses Buch sehr lesenswert, zumal gerade auch in Deutschland nur wenige Leute wissen, wie es den japanisch-stämmigen Menschen im Zweiten Weltkrieg in den USA ergangen ist. Man kann hier also viel lernen, und gerade für junge Leser sind die Perspektiven sicherlich auch sehr nachvollziehbar. Außerdem kann über die Fülle an Charakteren auch eine Breite an möglichen Schicksalen abgedeckt werden, die nicht in den Erfahrungsraum einer Hauptfigur gepasst hätten. Damit bekommt man einen guten Überblick darüber, wie die Zeit damals war.

Die Charaktere sind auch wirklich sehr verschieden. Wir starten z.B. mit Minnow, der eigentlich ein kleiner Künstler ist. Wir bekommen Einblick in das Leben eines Mädchens, das am liebsten so hübsch sein will wie all die weißen Schauspielerinnen, die sie anhimmelt - und sie glaubt durch ihr asiatisches Aussehen könne sie nie so schön sein. Andere Charaktere lieben Sport und versuchen darüber dem Alltag im Camp zu entkommen. Aber es gibt auch erwachsenere Charaktere, die für die Geschwister sorgen müssen und viel Verantwortung übernehmen.

Ein großes Thema in diesem Buch ist natürlich Rassismus, denn das ist der Grundstein von allem, was diesen (hier fiktiven) Kindern geschehen ist. Dabei zeigt die jüngste Vergangenheit, dass der Hass gegen asiatisch-amerikanische Menschen in den USA nach wie vor weit verbreitet ist, obwohl diese so viele Jahre als "model minority" betitelt wurden. Damit gehen auch viele Schimpfworte einher, die zur damaligen Zeit gebraucht wurden. Es werden sehr schlimme Szenen gezeichnet, in denen der Hass nur so hervorquillt. Darauf muss man sich einfach einstellen, wenn man dieses Buch liest. Es hält da auch nichts zurück.

Am Ende des Buches geht es dann auch um den Krieg in Europa und wir werden als Leser mit hineingenommen in diesen Schauplatz. Auch da hält sich die Autorin nicht sehr zurück. Manche Passagen waren mir hier etwas zu heroisch, auch geschuldet der Perspektive, der wir dabei folgen, aber im Großen und Ganzen wird schon eher der Schrecken des Krieges transportiert. Und es ist vermutlich schwer so was ganz pazifistisch zu schreiben, wenn man auch Stolz darauf ist, welche Rolle die eigene Gruppe dabei gespielt hat - gegen alle Widerstände. Aber auch auf das Kriegsthema sollte man sich einstellen, wenn man das Buch liest.

Das Buch hat mich am Ende dann auch ein bisschen zum Weinen gebracht. Es hat zwar einen leicht positiven Abschluss, aber so richtig Happy End kriegt man hier nicht. Es ist eher bittersüß. Ich fand das sehr passend, denn natürlich haben sich die Leute nicht einfach gefreut, dass die unbegründete Inhaftierung nach Kriegsende aufhörte. Das, was ich daran auch einfach so gruselig finde, ist, dass dein eigener Staat, dein eigenes Heimatland, dir einfach so alle Rechte nehmen kann. Das hat mich auch ein bisschen an Handmaid's Tale erinnert - da war es bisher nur fiktional, aber kann alles noch kommen. Solche Themen liegen mir sehr schwer im Magen. Hoffen wir, dass sowas nicht mehr passiert.

Alles in allem kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen. Es hat schwere Themen und man sollte sich schon darauf einstellen, dass es hier kein Happy End gibt. Trotzdem ist es so wichtig sich mit dieser Geschichte zu befassen, da viele heutige Probleme auf diese Zeiten und noch weiter zurückgehen. Und das Buch ist auch gut geschrieben, wenn auch etwas verwirrend mit den vielen Charakteren. Wenn ihr euch angesprochen fühlt, dann lest das Buch!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 15. Juli 2022

Legends and Lattes


Hallo meine Fantasyfreunde,

dieses Jahr ist für mich echt anstrengend. Beruflich und privat ist einfach gerade viel los, und da kann ich nicht noch schwierige Bücher lesen. Daher kam mir dieses Buch hier gerade recht, denn es ist letztlich wie eine Umarmung. Nichts daran ist kompliziert, die Charaktere sind zuckersüß und es lädt einem den Akku wieder auf.

Die Fakten:

  • Autor: Travis Baldree
  • Sprecher: Travis Baldree
  • Titel: Legends and Lattes
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: jetzt Tor
  • Dauer: 6 Std 21min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "After decades of raising hell, Viv the orc barbarian is finally hanging up her sword for good. Now she sets her sights on a new dream—one that involves pulling more shots than punches. Armed with hope and a hard-earned secret, she plans to open the first coffee shop in Thune. To build something that will last, Viv needs a new crew. She enlists a gruff hob builder shunned by humans, and a shy baker whose cinnamon rolls are to die for. Then there’s Tandri, a charming succubus who’s determined not to let anyone assume anything about her. But Thune has a shady underbelly that keeps goading Viv to take up her sword once more. New enemies threaten her beloved coffee shop and rag-tag team. And Viv’s adventuring past isn’t so eager to leave her behind—or the fabled piece of loot she took with her."

Zur Handlung: Viv ist ein Ork und damit gehen bestimmte Vorurteile einher. Die meisten Leute haben Angst vor ihr, sodass Viv sich immer klein machen muss, wenn sie nicht gerade Angst verbreiten will. Das lässt sie auch ein wenig an ihrem neuen Plan zweifeln: soll sie wirklich alles aufgeben und ein Café eröffnen? In einer Welt, wo die meisten noch nie von Kaffee gehört haben?

Doch Viv hat mehr als etwas Glück auf ihrer Seite: sie hat ein magisches Artefakt, das ihr bei der Verwirklichung ihres Traums helfen kann. Doch dafür muss sie es gut verbergen. Sobald sie das perfekte Lokal gefunden hat, beginnt sie sich ein Team zusammenzusuchen und ihren Traum von Kaffee und einem ruhigen Leben in die Tat umzusetzen.

Dieses Buch wird häufig als low stakes bezeichnet, und ein bisschen ist es auch so. Hier geht es nicht um Königshäuser, die gestürzt werden könnten, oder Magier, die auf der Suche nach ihrer Macht sind, oder Ungeheuer, die die Welt zerstören werden. Hier geht es darum, dass eine Kriegerin ein neues Kapitel ihres Lebens beginnen will. Und doch geht natürlich nicht alles immer glatt - magisches Artefakt hin oder her. Und dass es hier um einen Traum geht, den Viv hat, macht es für mich trotzdem zu einer wichtigen und spannenden Geschichte.

Viv als Hauptfigur hat mir gut gefallen. Man kann ihren Traum natürlich gut nachvollziehen. Wer will schon immer unterwegs sein, im Freien schlafen, Monster töten und mit anderen Kriegern konkurieren? Sie hat ihr ganzes Leben darauf gespart nun etwas anderes zu tun. Allerdings sehen wir auch, dass einige skeptisch sind, was diesen Lebenswandel angeht, und einige missgönnen ihr ihr Glück auch ganz offen. Manchmal ist Viv etwas naiv und stur, und manchmal fehlen ihr die richtigen Worte, aber letztlich ist ihr Herz am rechten Fleck.

Um Viv versammeln sich im Laufe des Buches viele ganz tolle Charaktere. Zuerst wäre da der Hob, der ihr beim Bau des Cafés hilft. Er ist grummelig, aber hat so ein gutes Herz! Dann haben wir die Bardame, die sich langsam aber sicher zur Teilhaberin hocharbeitet, vor allem mit ihrem Marketingtalent, aber vielleicht auch aus anderen Gründen. Und nicht zu vergessen die backende Ratte, die zum vollen Erfolg wird, und der schüchterne Barde. Und die Katze... und der geheimnisvolle Schachspieler... Naja, müsst ihr dann selbst herausfinden. Geliebt habe ich sie alle.

Es gibt dann auch ein wenig Handlung, wobei die sehr nebensächlich ist. Es gibt eine Art Gang, die Schutzgeld von Viv will, was diese natürlich nicht einsieht. Und am Ende geht es dann schon auch nochmal hoch her, weil das magische Artefakt vielleicht ganz anders funktioniert als sie dachte... Aber grundsätzlich geht es um das Alltägliche in dem Café und die Beziehungen der Charaktere.

Ich fand das Buch total kurzweilig. Ich habe mich sehr schnell in alle Charaktere verliebt, und dieses Hörbuch hören war dann wie mit Freunden sprechen. Ich habe immer mal gekichert, wenn niedliche Sachen passiert sind, habe ich mich reingegrinst, und es einfach genossen. Das Buch hat merklich meine Laune gehoben und ich habe mich immer darauf gefreut weiterzuhören. Gelesen wird es vom Autor selbst, was Vor- und Nachteile hat. Aber insgesamt war es gut gemacht.

Alles in allem kann ich das Buch nur absolut empfehlen. In der Kürze liegt hier die Würze. Die Charaktere sind so super, man fiebert schon auch ein bisschen mit, ob das Café nun ein Erfolg wird. Hab ich schon Katze gesagt? Es kommt Spannung auf, ohne dass die Stimmung im Buch düster und gefährlich werden muss. Letztlich ist es wie eine Umarmung, voller positiver Gefühle! Es gibt nichts, was ich daran ändern würde.

Habt ihr das Buch schon gelesen oder Empfehlungen für andere gute-Laune-Fantasy-Bücher?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 13. Juli 2022

The Hacienda


Hallo meine Horrorhasen,

dieses Jahr frisch erschienen ist dieses Buch, das mit Rebecca und Mexican Gothic verglichen wird. Wenn ihr hier schon eine Weile mitlest, wisst ich vielleicht, dass ich beide Bücher eher enttäuschend fand, aber ich dachte mir, aller guten Dinge sind drei, wir versuchen es nochmal. Naja, ganz von Erfolg gekrönt war es nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Isabel Cañas
  • Titel: The Hacienda
  • Sprecher: Victoria Villarreal, Lee Osorio
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Penguin Audio
  • Dauer: 11 Std 7min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "During the overthrow of the Mexican government, Beatriz’s father was executed and her home destroyed. When handsome Don Rodolfo Solórzano proposes, Beatriz ignores the rumors surrounding his first wife’s sudden demise, choosing instead to seize the security that his estate in the countryside provides. She will have her own home again, no matter the cost. But Hacienda San Isidro is not the sanctuary she imagined. When Rodolfo returns to work in the capital, visions and voices invade Beatriz’s sleep. The weight of invisible eyes follows her every move. Rodolfo’s sister, Juana, scoffs at Beatriz’s fears—but why does she refuse to enter the house at night? Why does the cook burn copal incense at the edge of the kitchen and mark the doorway with strange symbols? What really happened to the first Doña Solórzano? Beatriz only knows two things for certain: Something is wrong with the hacienda. And no one there will save her. Desperate for help, she clings to the young priest, Padre Andrés, as an ally. No ordinary priest, Andrés will have to rely on his skills as a witch to fight off the malevolent presence haunting the hacienda and protect the woman for whom he feels a powerful, forbidden attraction. But even he might not be enough to battle the darkness. Far from a refuge, San Isidro may be Beatriz’s doom.

Zur Handlung: Mit dem Tod von Beatriz' Vater bricht ihre Familie zusammen. Ihre Mutter, die unter ihrem Stand geheiratet hatte, muss zu Verwandten fliehen, die sie wie kostenlose Angestellte behandeln. Beatriz weiß, dass sie nur eine Chance hat, ein besseres Leben für sich und ihre Mutter zu sichern: sie muss gut heiraten. Und mit Rodolfo scheint ihr das gelungen zu sein. Doch ihre Mutter ist gegen die Ehe, da sie will, dass Beatriz aus Liebe heiratet.

So kommt Beatriz zunächst allein nach San Isidro. Nach einem kurzen Aufenthalt reist ihr Ehemann, zu dem sie kaum eine Verbindung spürt, wieder zurück in die Hauptstadt, um seinen politischen Geschäften nachzugehen. Mit Beatriz lebt seine Schwester auf dem Grundstück, doch sie weigert sich die Hacienda zu betreten. Und bald beginnt auch Beatriz das Böse in diesem Haus zu spüren...

Dieses Buch folgt also der altbekannten Formel: geheimnisvoller Ehemann, grusliges Haus, eingeschüchterte neue Braut, die aber nun alles aufklären will. Dabei solltet ihr hier nicht zu viel Neues oder Kreatives erwarten. Das Buch ist vor allem deswegen noch einzigartig, weil es im 19. Jahrhundert in Mexiko spielt und weil Beatriz die Hilfe von einem Priester erhält, und zwischen den beiden beginnt es zu knistern.

Der Schreibstil des Buches war für mich in Ordnung. Am Anfang war ich von den Kapiteln von Andrés sehr verwirrt, aber dann habe ich irgendwann verstanden, wer er eigentlich ist. Zum Glück hatte ich in Videos gehört, dass es einen Priester im Buch geben soll, und habe dann 1 und 1 zusammengezählt. Allerdings fand ich die schaurigen Momente nicht schaurig, und das muss am Schreibstil liegen. Ich liebe Geschichte über heimgesuchte Häuser, aber hier ist mir nicht einmal wirklich vom Buch gruslig geworden. Das fand ich echt schade. Es gibt zwar eine gewisse Atmosphäre, aber wirklich Horror ist es nicht.

Beatriz als Hauptfigur fand ich angenehm. Man versteht, wie sie tickt, weil man auch ihre Vorgeschichte sieht. Außerdem ist sie für die damalige Zeit auch selbstbestimmt und nimmt Dinge in die Hand - es wird aber immer gezeigt, wo dies an Grenzen stößt, weil das damals eben nicht gern gesehen wurde. Auch wird sie als Frau mit einem dunkleren Hautton beschrieben als unter den feinen Damen der Zeit üblich, wodurch Aspekte von Colorism thematisiert werden, und man kann gut nachvollziehen, wie einige Kommentare sich dann so im Kopf festsetzen. Von daher bin ich ihr gern gefolgt.

Andrés ist dann sozusagen der zweite Hauptcharakter, und von ihm erfahren wir auch einige Dinge, aber ich hatte das Gefühl seine Backstory bleibt eher so ein Flickenteppich, der sich nicht unbedingt zu einem ganzen Bild zusammensetzen lässt. Er hat auch bestimmte magische Fähigkeiten, welche nur sehr weich in die Geschichte eingebaut werden, ohne dass man wirklich versteht, woher die Magie kommt, wie sie funktioniert, und warum dann in manchen Situationen diese Fähigkeit jetzt auch noch dazu gehört, jene aber vielleicht nicht. Ihn fand ich eigentlich fast den interessantere Charakter, aber er bekommt nicht die gleiche Aufmerksamkeit.

Zwischen den beiden funkt es dann auch ein wenig, und wenn ihr solche verbotenen Gefühle, etwas Geschmachte und ein sehr langsames Voranschreiten von solchen Beziehungen mögt, dann werdet ihr hier fündig. Die Romanze fand ich tatsächlich deutlich besser als in z.B. Mexican Gothic. Mir hat das tatsächlich zugesagt, und es war auch in einem glaubhaften Rahmen für die Zeit.

Dagegen war dann der ganze Mystery-Aspekt deutlich schwächer als in Mexican Gothic. Die Auflösung ist eigentlich schon relativ früh erahnbar, vielleicht nicht alle Details, aber auch jeden Fall die Frage, wer hier verantwortlich ist und was sich zugetragen hat. Dabei hatte ich mir einfach in der Motivation der Charaktere mehr erhofft, als ich dann geboten bekommen habe. Ich hatte aber auch zwischendurch ein wenig Angst, dass es in eine komische Richtung geht, und das war dann nicht eingetreten. Es war eher basic. Es gibt dann noch einen großen Showdown, aber der konnte mich nicht davon ablenken, dass die Auflösung nicht so kreativ und spannend war.

Alles in allem fand ich das Buch in Ordnung. Es hat mich gut unterhalten, ich mochte die Charaktere und die Romanze. Die Atmosphäre war auch gut gemacht, aber wirkliche Gruselmomente gab es für mich nicht. Die Auflösung war mir dann wirklich zu banal. Das Setting ist natürlich sehr schön, so ein bisschen Sommerfeeling kommt da auf jeden Fall auf. Und ich hätte gern noch ein bisschen mehr über Mexiko in der Zeit gelernt, aber das war wirklich minimal. Trotzdem würde ich das Buch empfehlen, wenn ihr Mexican Gothic und/oder Rebecca mochtet.

Habt ihr denn schon von dem Buch gehört oder eines der beiden Vergleichsobjekte gelesen? Ist das euer Genre?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:




Montag, 11. Juli 2022

Girl, Serpent, Thorn


Hallo meine Fantasyleser,

heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, dass genau meinen Geschmack getroffen hat. Aufgrund des wirklich schönen Covers und der Inspiration durch persische Mythologie war es schon lange auf meinem Wunschzettel, und dann hat es perfekt zu meinem Asian Readathon TBR gepasst. Zum Glück habe ich es endlich gehört.

Die Fakten:

  • Autor: Melissa Bashardoust
  • Titel: Girl, Serpent, Thorn (dts. Die Gefangene von Golvahar)
  • Sprecher: Nikki Massoud
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 10 Std. 6min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext:

    "There was and there was not, as all stories begin, a princess cursed to be poisonous to the touch. But for Soraya, who has lived her life hidden away, apart from her family, safe only in her gardens, it's not just a story. As the day of her twin brother's wedding approaches, Soraya must decide if she's willing to step outside of the shadows for the first time. Below in the dungeon is a demon who holds knowledge that she craves, the answer to her freedom. And above is a young man who isn't afraid of her, whose eyes linger not with fear, but with an understanding of who she is beneath the poison. Soraya thought she knew her place in the world, but when her choices lead to consequences she never imagined, she begins to question who she is and who she is becoming...human or demon. Princess or monster."

Zur Handlung: Soraya hat sich ihr ganzes Leben versteckt, denn seit ihrer Geburt ist sie verflucht. Wer sie berührt, stirbt. Ihre Familie ist die mächtigste im ganzen Reich, ihr Bruder der Schah. Wenn jemand von dem Fluch erfährt, wird ihr Recht auf die Herrschaft in Frage gestellt. Also lebt Soraya in Einsamkeit und versucht die Zeit zu genießen, die sie mit ihrer Mutter verbringen kann. Doch dann bringen die Wachen eine Dämonin in den Palast, die versucht hatte, den Schah zu töten.

Diese Dämonin bietet Soraya die Chance ihres Lebens: vielleicht kann sie endlich einen Weg finden, wie sie den Fluch lösen kann. Doch ihre Mutter verbietet ihr den Zugang zu den Kerkern. Nur mit der Hilfe eines neuen jungen Soldaten, der das Leben ihres Bruders gerettet hat, gelingt es Soraya zu der Dämonin zu kommen. Doch deren Antworten sind vielleicht nicht das, was Soraya hören will...

Dieses Buch hat mich von Beginn an an A Curse of Roses erinnert, das ich letztes Jahr gelesen und geliebt hatte: wir haben die verfluchte Prinzessin, wir haben die Dämonin, die den Fluch vielleicht lösen kann, wir haben einen Widersacher, den wir erst spät im Buch wirklich erkennen, und wir haben Liebe. Allerdings sind beide Bücher auch verschieden, denn sie beruhen auf unterschiedlichen Mythologien und gehen auch mit den Familien der Prinzessin sehr unterschiedlich um. Beide hatten aber auch gemeinsam, dass ich die Handlung sehr unvorhersehbar fand und so dauernd überrascht wurde und einfach weiterhören musste.

Soraya als Hauptfigur muss man einfach mögen. Sie lebt so einsam und sehnt sich eigentlich nur nach Liebe und Freundschaft. Ihr ganzes Leben haben die Menschen aber Angst vor ihr - mit Ausnahme ihrer früheren besten Freundin, die nun aber die Verlobte des Schah ist und somit für immer aus Sorayas Leben verschwinden wird. Schnell merken wir, dass Sorayas Gefühle da vielleicht auch tiefer gingen als pure Freundschaft. Umso größer ist nun ihr Schmerz und ihre Einsamkeit. Ich habe sehr mit ihr gefühlt, die von allen immer nur widergespiegelt bekommt, dass sie eine Gefahr ist. Dabei kann sie ja absolut nichts für ihren Zustand. Wenn Soraya dann in Action tritt, dann macht sie viele Fehler, die ich ihr aber absolut verzeihen konnte, weil ich wusste, wie wenig Erfahrung sie mit dem Leben bisher hat. Wie soll sie es besser wissen?

Auf der anderen Seite haben wir Parvaneh, die Dämonin. Sie ist absolut mein Typ Frau - ich liebe einfach die dämonischen Love Interests. Sie ist geheimnisvoll und ärgert Soraya auch gern, aber sie versucht ihr auf ihre eigene Art zu helfen. Ihr Name bedeutet Schmetterling und sie hat auch die Flügel eines solchen. Leider bekommen Soraya und Parvaneh nur wenig Zeit miteinander, was meine größte Kritik an dem Buch ist.

Der dritte wichtige Charakter ist Azad, der den Schah gerettet hat und nun Soraya bei der Befreiung von ihrem Fluch helfen will. Er zeigt sich als ein Fan ihrer Geschichte - die giftige Prinzessin. Er hat keine Angst vor ihr, sondern steht ihr mit Rat und Tat zur Seite. Auch hier entstehen Gefühle, die für Soraya ganz neu sind. Ich mochte diesen Charakter sehr, auch wenn man relativ schnell seine Zweifel bekommt.

In der Handlung hat es mich tatsächlich überrascht, wie schnell Soraya ihren Fluch los wird, denn das ist dann eigentlich erst der Beginn der wahren Geschichte. Somit war das Buch inhaltlich schon ganz anders als ich dachte. Das Buch hat aber unglaublich viele Bestandteile, die ich liebe: zum Beispiel die tödliche Berührung, das Aufhaben von Flüchen, sexy Dämoninnen, und eine nicht-europäische Mythologie, die nicht so literarisch ausgelutscht ist. Dadurch war ich von der ersten bis zur letzten Sekunde wirklich von dem Buch angezogen und wollte immer weiter hören.

Die Message des Buches hat mir dann auch gut gefallen. Ich fand es auch sehr schön, dass Charaktere am Ende auch ihre Fehler eingestehen und damit auch eine Last von Soraya genommen wird, die sich immer sehr verantwortlich für alles fühlt, was geschieht, obwohl sie häufig von anderen in ausweglose Situationen gedrängt wurde. Damit hat mir auch das Ende sehr gut gefallen. Es ist auch definitiv kein leichtes Ende, sondern es müssen auch Opfer gebracht werden.

Meine größte Kritik bleibt der Fakt, dass wir die Entstehung der Liebe zwischen den beiden wichtigen Charakteren nicht so richtig sehen, sondern das eher wie eine Anziehung wirkt, die sich aber nach dem Ende des Buches erst tatsächlich in wahre Gefühle festigen kann. Das finde ich immer schade, denn obwohl ich die Romanze gut fand, wollte ich gern mehr davon sehen. Abgesehen davon habe ich aber nichts zu meckern. Toll fand ich am Ende auch die Informationen der Autorin zu den ursprünglichen persischen Mythen, die in die Erzählung eingeflossen sind.

Alles in allem kann ich dieses Buch nur empfehlen, wenn die angesprochenen Vibes und Themen euch auch nur ein kleines bisschen interessieren. Ich fand das Buch sehr einzigartig, spannend, schön geschrieben und kurzweilig. Ich mochte die Charakterisierung der einzelnen Figuren, ob sie nun gut oder böse waren, und die darüber stehende Message. Für Teenager ist das Buch auch sehr gut geeignet.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Habt ihr ähnlich empfunden?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 29. Juni 2022

The Henna Wars


Hallo meine Lieblingsleser,

für den Pride Month passt dieses Buch ganz gut, denn es geht um zwei Mädchen, die Gefühle zueinander entwickeln. Der Titel Henna Wars deutet aber schon an, dass hier vielleicht nicht alles glatt und harmonisch laufen wird. Ehrlich gesagt hatte ich unter dem Cover eine niedlichere Geschichte erwartet, aber hier werden schon sehr viele ernste Themen aufgegriffen.

Die Fakten:

  • Autor: Adiba Jaigirdar
  • Titel: The Henna Wars
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Hodder Children's Books
  • Seiten: 383
  • Preis: 7,39 Euro
  • Klappentext: "Nishat's parents say she can be anyone she wants - as long as she isn't a lesbian. She doesn't want to lose her family, but she also doesn't want to hide who she is, which only gets harder once Flávia walks into her life. Beautiful and charismatic, Flávia takes Nishat's breath away. But as their lives become tangled, they're caught up in a rivalry that gets in the way of any feelings they might have for each other."

Zur Handlung: Auf der Hochzeit einer Bekannten beschließt Nishat, ihren Eltern endlich die Wahrheit zu sagen. Sie kann in deren Augen sehen, dass sie jetzt schon von Nishat's Hochzeit träumen, und sollten davon möglichst bald aufwachen. Allerdings wird ihr Coming Out vor den Eltern noch unangenehmer als sie antizipiert hatte, und ihre Eltern scheinen mehr als nur überfordert mit allem.

Das wäre vielleicht nur halb so schlimm, wenn in Nishat's Schule nicht gerade ein Wettbewerb begonnen hätte, bei dem sie ein Henna Business aufbauen will. Ihr Sieg steht auf dem Spiel, als ihre beiden besten Freundinnen sich für ein eigenes Projekt entscheiden und ihre Erzfeindin auch ein Henna Business startet - und das gemeinsam mit Flávia, die nicht nur sehr attraktiv, sondern auch die brasilianische Cousine der Erzfeindin ist.

Dieses Buch startet mit einer Liste von Content Warnings, die ich definitiv hätte ernster nehmen sollen. Ich dachte, dieses Buch würde mir eine schöne romantische Geschichte über zwei Mädchen in Irland bieten, aber so richtig romantisch wird er nur an einigen Stellen, und Themen wie Rassismus, Homophobie und Cultural Appropriation spielen eine deutlich größere Rolle, als ich erwartet habe. Daher musste ich meine Erwartungen beim Lesen deutlich anpassen - und kann euch nur das Gleiche empfehlen, wenn ihr das Buch lesen möchtet.

Nishat als Hauptcharakter hat mir gut gefallen. Sie macht viele Fehler und stellt sich manchmal an, aber da wir die ganze Zeit in ihrem Kopf sind, verstehen wir ihre Gedanken dahinter. Sie ist eben Teenager, und damit auch noch nicht völlig ausgereift. Ich lese gern über solche Charaktere, weil ich mich da auch besser einfühlen kann, aber manchmal ist es auch frustrierend. Nishat kann bisweilen stur sein oder sich zu stark auf ihre eigene Situation fixieren, wodurch ihr das Wohl der anderen entgeht.

Besonders im Zentrum steht zum einen Nishats Beziehung zu ihrer kleinen Schwester. Die beiden halten sehr fest zusammen. Vor allem nach dem Coming Out ist die Schwester definitiv eine Stütze. Doch sie haben auch Meinungsverschiedenheiten und sind charakterlich sehr unterschiedlich. Während Nishat eher etwas zurückhaltend sein kann, will ihre Schwester manchmal auch mehr erleben. Die Komplexität der Beziehung hat mir gut gefallen, auch wenn ich der Schwester an einer Stelle gern die Meinung gegeigt hätte.

Dazu kommt dann die romantische Anziehung mit Flávia. Aber auch die macht eindeutige Fehler in diesem Buch, sodass ich über weite Strecken nicht für sie fühlen konnte. Flávia kommt aus Brasilien und ist Schwarz, allerdings verhält sie trotzdem in einigen Szenen rassistisch gegenüber Nishat, deren Familie aus Bangladesh kommt. Dadurch kommt es zu spannenden Diskussionen darüber, was Kunst darf, aber ich hätte mir hier gewünscht, dass Flávia eher zu den richtigen Schlussfolgerungen findet.

Als Erzfeinding von Nishat haben wir dann Flávias Cousine. Zunächst war die mit Nishat befreundet, hat sich dann aber für coolere Leute entschieden und rassistische Gerüchte über Nishats Familie verbreitet. Der Konflikt kommt dann richtig in Schwung, wenn sie entscheidet die Idee mit dem Henna-Business aufzugreifen und eine Konkurrenz zu Nishat aufzubauen. Dazu braucht sie Flávias künstlerisches Talent und ihre eigenen Kontakte und ihren Ruf an der Schule. Ich fand den Konflikt gut aufgebaut und am Ende auch gut gelöst.

Was ich an dem Buch nicht ganz so gut fand, war, dass es hier wieder zu einem unfreiwilligen Coming Out kommt. Eine Zeit lang war das ja Teil jedes Jugendbuches über LGBTQ+-Teenager. Und diese Plottwists gefallen mir einfach nicht gut. Ich finde, es lässt das Coming Out als etwas Schreckliches erscheinen, vor allem im Schulkontext, und das kann es sicherlich auch sein, aber gleichzeitig hoffe ich, dass es in echt nicht so ist wie in den Büchern. Zumindest in meiner Schule war es damals nicht so, und das ist ja auch einige Jahre her.

Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen. Ich mochte Nishat als Hauptfigur, und ich fand die behandelten Themen sehr wichtig und interessant. Vor allem die Frage, was Kunst darf, wird hier ganz anschaulich aufgearbeitet. Mir wäre trotzdem ein bisschen mehr romantische Stimmung lieb gewesen. Das Ende fand ich sehr gelungen, es wird nicht zu perfekt mit einer Schleife versehen, aber es passt zum Genre. Trotzdem sollte man die Content Warnings ernst nehmen.

Habt ihr das Buch schon gelesen? Und habt ihr schon mal ein solche Henna Tattoo getragen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 24. Juni 2022

Love Marriage


Hallo meine Lieblingsleser,

heute möchte ich euch von einem Buch berichten, das mich positiv überrascht hat. Ich hatte es für den Asian Readathon als Hörbuch gehört. Vermutlich hätte ich es sonst nicht so schnell gelesen. Aber es konnte mich voll überzeugen. Hauptcharakter und Handlung waren so schön chaotisch und dabei realistisch.

Die Fakten:

  • Autor: Monica Ali
  • Titel: Love Marriage (dts. Liebesheirat)
  • Sprecher: Ayesha Dharker
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Hachette Audio UK
  • Dauer: 15 Std. 51min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "Yasmin Ghorami has a lot to be grateful for: a loving family, a fledgling career in medicine and a charming, handsome fiancé, fellow doctor Joe Sangster. But as the wedding day draws closer and Yasmin's parents get to know Joe's firebrand feminist mother, both families must confront the unravelling of long-held secrets, lies and betrayals. As Yasmin dismantles her own assumptions about the people she holds most dear, she's also forced to ask herself what she really wants in a relationship and what a 'love marriage' actually means."

Zur Handlung: Yasmin füchtet diesen Tag: das erste Treffen zwischen ihren indisch-stämmigen Eltern und der femistischen Mutter von ihrem Verlobten Joe. Eigentlich kann alles nur schief gehen. Doch damit fängt das Chaos eigentlich erst an. Die aufkeimende Freundschaft zwischen den Müttern schafft eher mehr als weniger Unruhe in Yasmin. Ihre Gefühle zu Joe durchlaufen eine Berg- und Talfahrt. Und dann ist da noch ihr jüngerer Bruder...

Dieser hat sich beim Vater dadurch unbeliebt gemacht, dass er Soziologie studiert hat. Nachdem er harte Diskriminierung erfahren hat, sitzt er die meiste Zeit Zuhause und hat keinen Job. Doch nun hat er auch noch eine Beziehung, die er vor den Eltern verheimlicht hat, und seine Freundin ist schwanger. Als Yasmin das erfährt, weiß sie, dass es um ihre Traumhochzeit geschehen ist.

In diesem Buch sehen wir Yasmin perfekte heile Welt mit all ihren wohlgeformten Plänen auseinanderbrechen. Mit dem Beginn beim Kennenlernen der Eltern bis hin zu der Frage, ob es überhaupt eine Hochzeit geben wird. Dabei gehen wir mit den Charakteren auf und ab - erleben Neues und auch Schreckliches. Die komplexen Beziehungen zwischen den Figuren stehen dabei im Vordergrund. 

Das Buch greift dabei ganz unterschiedliche Themen auf. Ohne zu spoilern hier nur grob: es geht um Treue in einer Beziehung und Seitensprünge, es geht um Sexsucht und ihre Ursachen, es geht um toxische Eltern-Kind-Beziehungen, es geht um Familie und Ansprüche aneinander, es geht um Medizin und ob der eigene Beruf wirklich die richtige Wahl ist, es geht um sexuelle Gewalt in patriarchalen Gesellschaften, es geht um die Entdeckung von queerer Liebe im höheren Lebensalter, es geht um das Klischee der "migrantischen Hausfrau", es geht um familiale Liebe, die einem schaden kann, es geht um Armut und die Gesundheit von Kindern. Und dann ist da noch mehr. 

Was mir an dem Buch besonders gefallen hat, ist, wie chaotisch es ist. Yasmin startet mit ganz klaren Plänen für den Rest ihren Lebens. Die Ehe steht an, der Job ist gewählt, die Wohnung wird gesucht. Doch nach und nach gerät immer mehr davon in eine offene Frage. Das zeigt, wie das Leben wirklich ist, dass große tolle Pläne schmieden einem manchmal mehr im Weg steht als alles andere. Und Yasmin klammert sich teilweise so verzweifelt an die Ordnung, die ihr Leben hatte, obwohl es anderen oder sie selbst unglücklich gemacht hat.

Als Charaktere mochte ich vor allem Yasmins Mutter und Yasmins beste Freundin. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, aber beide haben mein Herz erwärmt. Interessant waren aber auch Joes Sitzungen bei seinem Psychiater, auch wenn ich hier nicht sagen kann, wie realistisch das alles war. Joes Mutter hat mich sehr an Jean aus Sex Education erinnert. Yasmin selber habe ich auch lieb gewonnen, auch wenn sie einem mitunter auch leid tut und in anderen Momenten vielleicht frustrieren kann, weil sie sich selbst im Weg steht. Auch Yasmins Vater war spannend, auch wenn er auf keinen Fall mein Lieblingscharakter ist.

Das Buch wirft einen aufmerksamen Blick auf die Familie mit Migrationshintergrund. Wir sehen wie Yasmins Vater so vermeintlich viel für die Familie aufgegeben hat, wie die Eltern sich von ihren Familien und ihrer Heimat losgesagt haben, aber in England auch nicht komplett hinpassen, wie die Ansprüche des Vaters Yasmin ins Medizinstudium gedrängt haben und dagegen Yasmins Bruder ins völlige Abseits, und wie diese Erwartungen zwischen den Generationen und die Geheimnisse die Familie fast sprengen können.

Was mir auch gefallen hat und für andere vielleicht nicht so gut passt, ist der Blick auf die Treue in der Beziehung. Yasmin erkundet hier noch einmal Fragen von Liebe und von Lust. Dabei fand ich ihren Weg immer ein Stück weit nachvollziehbar, vor allem weil sie so behütet aufgewachsen ist. So macht sie in ihren Zwanzigern Fehler, die andere vielleicht schon als Teenager oder im Studium hinter sich gebracht haben. An der Stelle fand ich auch das Ende gut.

Das Ende hat dann noch einige Enthüllungen in petto, die ich auch nicht so kommen sah. Das fand ich sehr gut gemacht und sehr nachvollziehbar. Auch hier wird dann nochmal deutlich, dass Yasmin aus ihrem Korsett aus Ansprüchen und Erwartungen ausbrechen muss, um für die Menschen, die sie liebt, wirklich da sein zu können.

Wenn ihr also eine chaotische Geschichte über ein verliebtes junges Paar, das plötzlich mit vielen alten und neuen Wunden aus ihren Familien konfrontiert wird und sich entscheiden muss, ob sie zusammen bleiben, möchtet, seid ihr hier genau richtig. Es gibt Drama, es gibt echte tiefe Gefühle, es gibt Partys und einsame Feiertage. Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen.

Habt ihr es schon probiert?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 22. Juni 2022

Totengraben


Hallo meine Fantasyfreunde,

als Ende letzten Jahres meine Katze verstorben ist, hat mich ein Buch ein bisschen ablenken können: Der letzte Held von Sunder City. Und nun hatte ich den zweiten Teil dazu aus der Bibliothek ausgeliehen um herauszufinden, wie die Geschichte weitergeht, und ob es mich auch jetzt wieder durch eine schwierige Zeit bekommen kann.

Die Fakten:

  • Autor: Luke Arnold
  • Titel: Totengraben (Original: Dead Man in a Ditch)
  • Reihe: Fetch Philips 2
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Knaur Taschenbuch
  • Seiten: 426
  • Preis: 14,99 Euro
  • Klappentext: "Den Glauben an die Welt hat Privatdetektiv Fetch Philips längst verloren - das hindert die Welt jedoch keineswegs daran, plötzlich an ihn zu glauben: Seit Fetch im Fall eines verschwundenen Vampirs ermittelt hat, verbreiten sich Gerüchte, er könne die Magie zurück nach Sunder City bringen. Das führt dazu, dass ihn ausgerechnet die Polizei um Mithilfe in einem mysteriösen Mordfall bittet. Es scheint nämlich, als sei das Opfer durch Magie ums Leben gekommen. Obwohl die Beamten von Sunder City den Privatdetektiv jahrelang schikaniert haben, stellt Fetch Nachforschungen an. Und entdeckt prompt Dinge, die besser verborgen geblieben wären..."

Zur Handlung: Die Magie der Welt ist zerstört und dadurch ist viel Unheil über Sunder City hereingebrochen. Fetch hat es sich zum Ziel gesetzt, so vielen magischen Wesen zu helfen wie er nur kann - als Mann für alles. Doch immer mehr Leute glauben daran, dass die Magie zurückkehren könnte, und sie glauben daran, dass Fetch sie finden kann. Doch er möchte niemandem falsche Hoffnungen machen und bleibt dabei, dass die Magie für immer fort ist.

Als die Polizei ihm einen Mordfall zeigt, bei dem der Tote mit einer bisher völlig unbekannten Waffe getöet wurde, macht sich direkt wieder die alte Hoffnung breit, dass es Magie sein könnte. Und auch Fetch ist sich plötzlich nicht mehr sicher, wie viel Hoffnung er sich erlauben kann, ohne dass alles, was ihm noch etwas bedeutet, dafür zerstört werden kann.

Im ersten Band löst Fetch einen Fall, während wir sehr viel Hintergrundinformationen über sein Leben erhalten. Dabei sehen wir ihn vor und während der Coda - dem Tag, an dem die Magie von den Menschen zerstört wurde. Doch nun wissen wir, wer Fetch ist, was seine Rolle war und wie er nun zur Welt steht. Daher können wir uns in diesem zweiten Band nun ganz der Gegenwart widmen, die vielleicht von der Vergangenheit heimgesucht wird.

Fetch als Charakter ist nach wie vor der schmerzaffine, manchmal sehr sturköpfige oder dämliche, aber im Herzen gute Mensch, der einfach nur helfen will, aber keine Ahnung hat wie. Wir sind die ganze Zeit in seinem Kopf und folgen ihm durch diese fast schon postapokalyptische Fantasy-Welt. Was ich an ihm mag, ist, dass er zwar an dieser Noir Crime-Richtung inspiriert ist, aber wirklich eigentlich ein guter Kerl ist. Er ist kein Sexist und auch kein Rassist, was ihn schon von einigen anderen Charakteren abhebt. Gleichzeitig ist er abhängig von einer Art magischen Droge, die das Rauchen, das klassischerweise zu den Charakteren gehört, ersetzt. Und dem Alkohol und Gewalt ist er doch auch zugeneigt. Ich mag diese Balance, die für mich in so eine Geschichte aus dem Jahr 2020 passt. Es fühlt sich nicht altbacken an, aber es hat genug der Elemente dieser Figuren, um ein nostalgisches Noir-Gefühl hervorzurufen.

Auch in diesem Band gibt es einige relevante Nebencharaktere. Ein paar keinen wir bereits aus Band 1, beispielsweise einige der Cops und den Dämon Baxter (der geschlechtsneutral ist, was sicherlich in der Übersetzung für ein paar Herausforderungen gesorgt hat). Ein paar sind aber auch neu, wie die Werkatze Linda, die Sunder City hasst, aber keine andere Option mehr hat, oder die Brüder Niles, die mit menschlicher Technologie Sunder City wieder zum Aufschwung verhelfen wollen. So richtig tief lernen wir die meisten Nebencharaktere allerdings nicht kennen, wodurch sie alle eher flach bleiben.

Der Fall selbst ist zunächst knifflig, doch Fetch macht bald einige Entdeckungen, die uns vielleicht viel eher etwas sagen als ihm. Ich will nicht zu viel spoilern, aber dieses Buch passt leider gut in die Debatten in den USA, die seit dem letzten School Shooting wieder aufgebrandet sind. Die Nachforschungen führen dann weg vom ursprünglichen Fall oder Fetch' ursprünglichen Auftrag, aber es hat immer alles mit allem zu tun. Mir hat das sehr gut gefallen, weil Fetch wirklich Arbeit reinsteckt und darüber immer weiter vorankommt. Dem armen Mann fällt wirklich nichts einfach so zu.

Dieser Band ist dann gegen Ende auch deutlich emotionaler als erwartet. Wie gesagt, Teile der Vergangenheit holen Fetch ein und das, was ihm am liebsten auf der Welt ist, droht zerstört zu werden. Hier habe ich dann doch immer mal feuchte Augen bekommen, auch wenn das Buch sich nie lange mit diesen Momenten aufhält, sondern sich wieder in die Action stürzt. Dabei kriegt Fetch auch wieder ordentlich aufs Dach - mal mehr und mal weniger verdient. Das ist schon fast satirisch, dass er am Ende überhaupt noch stehen kann. 

Das Ende ist dann auch unerwartet und auch emotional. Es geschehen einige Dinge, die ich nicht habe kommen sehen. Es gibt auch Momente, die schon recht früh als unvermeidlich schienen, die man aber trotzdem nicht kommen sehen will. Ich fand das Ende gut gemacht. Ich glaube, es bisschen mehr Zeit für die Emotionen hätte ich mir gewünscht, aber ich verstehe auch, warum das Buch sich eher auf den düster-humorösen Teil der Erzählung fokussiert. 

Alles in allem fand ich dieses Buch fast noch besser als den ersten Band, weil wir eben nicht mehr so viel Hintergrund lernen müssen, sondern uns ganz auf die Handlung konzentrieren können. Auch der Fall ist dadurch deutlich komplexer und nimmt mehr Windungen. Ich mag Fetch als Hauptcharakter sehr, vor allem auch die angepasste Charakterisierung für diese Fantasy-Welt. Und natürlich frage ich mich nun auch, ob Fetch die Magie im nächsten Band vielleicht wirklich zurückbringen kann...

Habt ihr es schon mal mit der Reihe versucht? Ich kann es nur empfehlen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 17. Juni 2022

Mansfield Park


Hallo meine Historienhasen,

seit Jahren arbeite ich an den Romanen von Jane Austen und heute ist der Tag, wo ich offiziell alle vollendeten Romane von ihr gelesen habe. Mansfield Park war für mich das Buch, von dem ich am wenigstens wusste - nämlich exakt gar nichts. Es ist irgendwie das Stiefkind von Austens Romanen. Und irgendwie weiß ich jetzt auch ein bisschen, warum das so ist.

Die Fakten:

  • Autor: Jane Austen
  • Titel: Mansfield Park
  • Erschienen: 1814
  • Verlag: Anaconda
  • Seiten: 554
  • Preis: 29,95 Euro im Box Set
  • Klappentext: "Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Fanny Price wächst in der Familie ihres Onkels Sir Thomas Bertram im Herrensitz Mansfield Park auf. Von ihren selbstverliebten Kusinen Maria und Julia hat das scheue und gutmütige Mädchen, dem es angeblich an feiner Bildung mangelt, Einiges zu erdulden. Doch nach Jahren voller Rückschläge und Irrtümer ist schließlich sie es, die ihre fast schon verloren geglaubte große Liebe findet."

Zur Handlung: Drei Schwester, die unterschiedlicher nicht sein können: eine heiratet einen reichen Sir, eine heiratet einen Pfarrer und wird knausrig, eine heiratet unter ihrem Stand und bekommt zu viele Kinder. Die ersten beiden entscheiden ihrer armen Schwester unter die Arme zu greifen und adoptieren die 10-jährige Tochter Fanny. Sie nehmen sie in ihrem schicken Anwesen auf und behandeln sie wie ein Kind zweiter Klasse.

Fanny jedoch lässt sich davon nicht beirren. Nach anfänglicher Traurigkeit findet sie Trost in ihrem Cousin Edmund und in der Idee, dass sie den anderen Haushaltsmitgliedern nützlich ist. So wird sie zur Stütze und ständigen Gesellschaft ihrer reichen Tante, während deren Kinder die Welt unsicher machen. Doch als für Fanny Jahre später das Thema Heirat plötzlich relevant wird, steht ihr Glück auf der Kippe.

In einer Review von books by leynes habe ich gelesen, dass sich Mansfield Park von den anderen Austen-Büchern darin unterscheidet, dass es keine Romanze ist, sondern ein Bildungsroman. Das fand ich eine sehr passende Aussage, die ich deswegen hier wiederholen will. Leider hat das für mich bedeutet, dass mir das Buch weniger gut gefallen hat als die bekannteren Werke. Das ist letztlich aber Geschmackssache.

Wir lernen Fanny mit 10 Jahren kennen, da ist sie noch ein sehr verschüchtertes Mädchen. In ihrem Cousin Edmund findet sie aber sowohl Trost als auch einen Freund und Mentor. So wächst sie zu einer jungen Frau heran, der immer sehr viel an ihrer Tugendhaftigkeit liegt. Sie ist zurückhaltend und still, will den anderen von Nutzen und möglichst nie im Weg sein. Besonders schockiert ist sie von ihren Cousinen, die als reiche Töchter deutlich mehr Aufregung vom Leben erwarten. 

Da wir hier einem Mädchen beim Aufwachsen zuschauen, zieht sich der Roman ziemlich hin. Es macht manchmal den Anschein, als gebe es kein richtiges Ziel, wir beobachten eben nur. Mit der Zeit geht es dann mehr und mehr um Fannys Gefühle bezüglich Edmund, aber auch anderen Personen. Dabei fand ich alle Personen um Fanny herum eigentlich ziemlich scheußlich. Und Fanny selbst ist eben einfach nur irgendwie immer dazwischen, mal bestürzt, mal den Tränen nahe. Da hat es mir emotional an einem Anknüpfungspunkt gefehlt.

Es ergibt sich schließlich eine brenzlige Situation, als der Herr im Haus Sir Thomas nach Indien reisen muss, um seine Geschäfte dort selbst in die Hand zu nehmen - Kolonialismus, juchu. Die Cousinen sind direkt glücklich nicht mehr so unter Beobachtung zu stehen. Die älteste - Maria - verlobt sich dann recht gut, allerdings wird auf den Vater gewartet mit der Hochzeit. Das führt dazu, dass eine Bekanntschaft mit einem Geschwisterpaar, den Crawfords, alles ziemlich durcheinanderwirbeln kann. Während Maria und Julia beide meinen, das Herz von Mr Crawford erobert zu haben, der in Wahrheit nur gern Damen verführt, verliebt sich Edmund in Miss Crawford, was Fanny das Herz bricht - was sie natürlich keinem zeigen will und darf. Und in diesen Beziehungsgeflechten vergeht dann das Buch.

Mir ist es tatsächlich ein bisschen schwer gefallen, wirklich mitzufiebern. Von manchen Entwicklungen in der Mitte des Buches war ich zwar entsprechend skandalisiert, aber so richtig wichtig war mit Fannys Schicksal nie - weil für mich total offensichtlich war, was das Ende ist, und ich das Ende nicht besonders toll fand. Und Fanny bleibt halt einfach so.... ja, halt da irgendwie, aber ohne wirkliche eigene Handlungsfähigkeit.

Gegen Ende des Buches wird Fanny dann nochmals eine Weile in ihr Elternhaus zurückgeschickt. Hier kann Jane Austen direkt noch ein bisschen ihren Klassismus ausleben, indem sie zeigt, wie verwahrlost und laut und dreckig Fannys arme Familie ist. Als Charakter hat mich dann aber zumindest Susan irgendwie interessiert, auch wenn sie nicht wirklich viel Aufmerksamkeit bekommt. Immerhin habe ich mich für sie am Ende gefreut. 

Alles in allem war das Buch daher nur in Ordnung für mich. Es ist mit Austens leichtem Witz und einer hochgezogenen Augenbraue geschrieben, was mir immer gefällt. Es gab einige skandalöse Wendungen, aber das Ende konnte mir keine Gefühle entlocken. Ich werde dieses Buch sicherlich nicht noch einmal lesen in meinem Leben, sondern eher zu Persuasion, Emma oder Pride and Prejudice greifen.

Welches ist denn euer liebster Austen-Roman?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 8. Juni 2022

The Colour of Magic


Hallo meine Fantasy-Freunde,

ich habe es getan: ich habe meine Reise durch die Scheibenwelt aka Discworld offiziell gestartet. Spätestens seit Good Omens war für mich klar, dass ich mehr Terry Pratchett lesen möchte, aber ich war immer so abgeschreckt von der großen Zahl an Romanen in der Welt und davon, dass erfahrene Leser mir immer wieder sagten, ich solle nicht mit dem ersten Buch anfangen. Allerdings war das mit meinem Gehirn nicht vereinbar, und ich fand es auch verwirrend, dann einen Anfangspunkt und vor allem danach eine Reihenfolge zu finden. Also hab ich es jetzt einfach gemacht.

Die Fakten:

  • Autor: Terry Pratchett
  • Titel: The Colour of Magic (dts. Die Farben der Magie)
  • Reihe: Discworld 1, Rincewind 1
  • Erschienen: 1983
  • Verlag: Victor Gollancz Ltd (The Unseen University Collection)
  • Seiten: 241
  • Preis: 12,29 Euro
  • Klappentext: "Travelling through space supported on the back of a giant turtle (sex unknown), the unique realm known as the Discworld is about to face an unimaginable threat: its first tourist."

Zur Handlung: Rincewind ist ein Magier, der eigentlich nur in Ruhe leben will. Er war nicht besonders gut in der Ausbildung und hat dann eines Tages einen sehr großen Fehler begangen, wodurch er jetzt nur genau einen Zauber beherrscht und diesen lieber nie verwenden möchte. Doch sein Leben wird auf den Kopf gestellt, als ein Reisender aus einer anderen Welt ihn als Tourguide durch die Scheibenwelt engagiert.

Eigentlich will sich Rincewind mit dem vielen Gold einfach aus dem Staub machen, das er von diesem Touristen erhalten hat, aber davon wird er aufgehalten. Nun muss er also versuchen diesen nichts-ahnenden Menschen davon abzuhalten, beim Zuschauen bei Tavernenschlägereien, beim Reiten von Drachen oder beim Durchwandern alter Tempelanlagen zu sterben. Am Ende führt ihn dieser Weg vielleicht sogar bis über das Ende der Welt hinaus.

Geschrieben wurde dieser erste Band dieser weltberühmten Reihe damals vor allem als Karikatur der Fantasyliteratur. Anstatt eines allmächtigen Magiers haben wir Rincewind, und sein Abenteuer besteht vor allem daraus, einen kleinen Touristen mit Fotokamera, der beruflich Versicherungspolicen verkauft, vor dem sicheren Tod zu retten - aber meist mehr aus Zufall. Der tapfere Held, der ihm dabei teilweise zur Seite steht, ist leider nicht die hellste Kerze, aber irgendwie kann er trotzdem ganz gut heldenhaft sein.

Den einzigen richtigen Lacher hat das Buch mir direkt am Anfang entlockt, als beschrieben wird, was für die Astronomen der Scheibenwelt die Big Bang Theorie ist. Ansonsten habe ich aber viel geschmunzelt, denn das Buch hat einen sehr intelligenten Humor. Es sind keine Schenkelklopfer, aber es ist jetzt nicht so verschachtelt, dass man es ohne Fantasy-Hintergrundwissen (was ich in Bezug auf Literatur vor den 80ern nicht habe) nicht versteht. Damit war es genau mein Fall.

Rincewind als Charakter muss man mögen. Er ist ziemlich unglücklich, und seine große Dummheit aus Studienzeiten begleitet ihn nach wie vor. Ich fand diese Idee total genial und bin sehr gespannt, ob wir den Zauber in einem späteren Buch nochmal sehen. Dadurch ist er eher ein Gauner als ein Magier, aber er ist auch ziemlich bekannt. Ich fand es schön, dass er sich mit dem Gold erstmal aus dem Staub machen wollte - purer Überlebensinstinkt.

Ergänzend haben wir dann Twoflower, den Touristen. Er kommt aus einer Welt, die zwar auf der Scheibe ist, aber unserer mehr ähnelt. Aus seinem langweiligen Bürojob ist er ausgebrochen, um auf diese Abenteuerreise zu gehen. Er will alle klassischen Fantasy-Erlebnisse abarbeiten - Tavernenschlägereien, Helden sehen und fotografieren, Drachen finden. Begleitet wird er dabei von einer Truhe voller Gold, die ihren eigenen Kopf hat. Ehrlich gesagt war diese Truhe echt mein Lieblingsteil der Geschichte. So etwas brauche ich auch. 

Die Geschichte wird dann in vier Teilen erzählt. Die Erzählweise ist dabei auch etwas verschieden, sodass es einen episodenhaften Charakter hat. Es sind also fast vier Kurzgeschichten, aber mit den gleichen Charakteren. Im ersten Teil lernen wir rückblickend, wie Rincewind und Twoflower sich getroffen und dabei die Hauptstadt abgebrannt haben. Im zweiten Teil begleiten wir ein Spiel der Götter, bei denen die beiden ungeahnt einbezogen werden - der Teil hat auch Indiana Jones vibes. Der dritte Teil führt uns dann in das Reich der Drachen - hier ein bisschen Das Letzte Einhorn vibes. Schließlich kommen wir zum Ende der Reise ans Ende der Welt - hier leider Piraten nur kurz angeteasert.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Ich finde den Einstieg durch den Touristen total gut gelungen. Auch lernen wir dadurch bereits vier sehr unterschiedliche Ecken der Scheibenwelt kennen, was auf die große Variabilität der Geschichten verweist. Ich mochte die Dynamik der beiden Hauptfiguren, und natürlich die Truhe. Der Humor ist sehr fein und sehr schlau, aber nicht zu spezifisch als Karikatur. Ich freue mich schon sehr auf mehr aus der Discworld und werde auch mit dem zweiten Band weitermachen. Ich finde nämlich auch diese Ausgaben sehr hübsch zum Sammeln.

Habt ihr schon Bücher aus dieser Welt gelesen? Was sind eure Lieblinge?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 5. Juni 2022

Heimat

Hallo meine Lesemäuse,

heute möchte ich euch ein neues Lieblingsbuch von mir vorstellen. Ich habe es zu Ostern geschenkt bekommen und hab es mehr oder weniger direkt angefangen zu lesen. Dann hat es aber in meine Lesepläne eine Weile nicht reingepasst. Jetzt habe ich es aber endlich beendet und bin sehr glücklich.

Die Fakten:

  • Autor: Nora Krug
  • Titel: Heimat - A German Family Album
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Penguin Books
  • Seiten: 288
  • Preis: 15,99 Euro
  • Klappentext: "Nora Krug grew up as a second-generation German after the end of the Second World War, in the shadow of her country's past. After leaving Germany for the US, she decided she couldn't know who she was without confronting where she'd come from. In Heimat, she documents her journey investigating the lives of her family members under the Nazi regime, visually charting her way back to a country still tainted by war. Beautifully illustrated and lyrically told, Heimat is about identity, history and home."

Zur Handlung: Nora Krug wandert für ihre Karriere nach Amerika aus. In dieser anderen Welt, in der man einfach so auf einer Dachterasse Überlebende aus Konzentrationslagern treffen kann, spürt sie das erste Mal, wie sehr der Zweite Weltkrieg ihre Familie und das, was sie über ihre Familie weiß, beeinflusst hat. Sie spürt das klaffende Loch, das durch kollektives Schweigen entstanden ist. Und sie beginnt sich Fragen zu stellen. Was haben ihr Großvater, ihre Großmutter, ihr Onkel während des Dritten Reichs gemacht? Waren sie Anhänger oder Mitläufer? Haben sie Juden in Schuppen hinterm Haus versteckt? 

Sie begibt sich auf die Reise in die Vergangenheit und gleichzeitig in die Heimat, die sie bisher nie richtig kennen konnte. Sie trifft entfremdete Familienmitglieder, fragwürdige Expert*innen und Verwaltungsangestellte. Langsam puzzlet sie zusammen, was ihre Familie erlebt hat und wie dies auch Noras Leben am Ende geprägt hat.

Dieses Buch hat mich direkt in den Bann gezogen, denn ich versuche seit Jahren meine Großeltern dazu zu bekommen, dass sie mit mir ihr Wissen teilen, bevor es zu spät ist. Ich möchte wissen, woher ich komme, wer meine Familie war, und wer daraus folgend ich geworden bin. Das ist für mich besonders interessant, da ich zumindest für die Hälfte meiner Familie der letzte Ast im Stammbaum sein werde. Wer wird sich dann noch zurückerinnern?

Nora Krug tritt diesen Kampf gegen das Schweigen und das Vergessen an. Sie will sich nicht damit zufriedengeben, dass ihr niemand bereitwillig Antworten gibt. Das habe ich direkt bewundert, denn als Deutsche ist der Umgang mit der familialen Vergangenheit natürlich immer schambehaftet und schwierig. Dürfen wir fragen? Sollten wir fragen? Müssen wir vielleicht sogar fragen? Dabei fand ich auch die Unterschiede zwischen meiner Situation und der der Autorin spannend - sie ist westdeutsch, ich bin ostdeutsch. Ihre Großeltern haben den Krieg erlebt, bei mir waren es dir Urgroßeltern. Und doch ist das Gefühl, wenn ich dieses Buch aufschlage, eins des Gesehenwerdens.

Die Autorin schafft es, viele meiner Gedanken und Gefühle in dieses Buch zu packen. Auch meine Reaktionen auch manche ihrer Rechercheergebnisse waren genau wie die von ihr beschriebenen. Dabei schwingt so sehr diese Hoffnung auf Absolution mit - dass der Großvater kein Nazi war und man selbst daher etwas weniger Schuld trägt. Gleichzeitig weiß die Autorin, dass das Quatsch ist. Einige Situationen sind auch fast schon skurril - wie als der Vater das Grab seines ihm unbekannten großen Bruders auf einen Friedhof findet, während die Familie im Italienurlaub ist.

Es gelingt in diesem Buch, die Komplexität von Familie wiederzuspiegeln. Gerade die Situation des Vaters - nach dem Krieg geboren und quasi von der Familie verstoßen, weil er nicht wie der tote große Bruder war - zeigt auch, wie Familien brechen und wie so ein Bruch durch die Generationen geht. Aber auch die komplexen Gefühle zu unseren Familienangehörigen, die wir uns nicht aussuchen konnten, die wir aber trotzdem irgendwie respektiven und vielleicht lieben können wollen, finden sich hier wundervoll.

Optisch ist das Buch grandios. Alles ist graphisch aufbereitet, mal im eher im Comic-Stil, mal unter Einbezug alter Fotos, manchmal fast schon als Kunstwerk. Das Buch hat für einen Graphic Novel recht viel Text, aber alles passt wundervoll zusammen. Manche Seiten habe ich einfach eine Weile angestarrt. Eingestreut finden sich zwischen den Kapiteln Seiten zu Dingen, die Emigrierte aus Deutschland vermissen, was ich sehr nachvollziehbar fand, und Seiten zu Flohmarktfunden in Bezug zum Dritten Reich, was teilweise echt gruslig war. Dadurch wird das Buch noch etwas aufgelockert.

Alles in allem hat das Buch für mich einfach funktioniert. Es wirft Fragen, Gefühle, Gedanken auf, die wir uns als Deutsche nur ganz ganz leise stellen, oder eben nie. Ich habe mich unglaublich Gesehen gefühlt, obwohl doch viele Erfahrungen bei mir anders waren als bei der Autorin. Die Aufarbeitung durch die Recherche fand ich sehr gelungen und auch nachvollziehbar dargestellt. Letztlich zeigt dieses Buch auf, dass ein Deutschland durch diesen Krieg ein anderes Land geworden ist, und wir alle nach wie vor mit diesem Erbe leben. Ob uns das bewusst ist, ist eine andere Frage. Mich hat es überzeugt.

Habt ihr von dem Buch schon gehört? Eine deutsche Ausgabe ist inzwischen auch erschienen. 

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 29. Mai 2022

Mathilde


Hallo meine Lieblingsleser,

lange habt ihr nix von uns gehört. Ich war viel am Reisen und habe auch nicht viel gelesen in dieser Zeit. Aber heute kommen wir zu einem Buch, das ich vor Jahren aus einem Bücherschrank mitgenommen hatte und über das ich absolut nichts wusste. Es hätte wohl ein deutscher Klassiker werden können, ist es aber nicht. Warum das so ist, dazu kann ich natürlich nur spekulieren.

Die Fakten:

  • Autor: Leonhard Frank
  • Titel: Mathilde
  • Erschienen: 1957
  • Verlag: Aufbau Verlag Berlin
  • Seiten: 399
  • Preis: nur noch gebraucht zu kaufen

Zur Handlung: Mathilde wächst in der Schweiz auf und erlebt eine unbeschwerte Kindheit in einem kleinen Ort mit ihrer Mutter. Ihre beste Freundin träumt davon, einmal die soziale Leiter ganz nach oben zu klettern, doch sie stirbt jung an Tuberkulose. Mathilde dagegen lebt ihr Leben eher in den Tag hinein. Durch Zufall lernt sie bei einem Besuch gleich zwei Männer kennen, die an ihr interessiert sind.

Als Erwachsene ist Mathildes Leben nicht so sorglos. Zunächst ist sie in einer lieblosen Ehe gefangen, dann lebt sie als Geschiedene in ihrem Heimatdorf, schließlich gelingt ihr die Ehe mit ihrer großen Liebe, sogar ein Kind wird geboren, doch dann durchkreuzt der Zweite Weltkrieg das Glück und es bleibt die Frage, ob Mathilde dieses Leid ganz überstehen wird.

Dies ist nicht gerade ein schlanker Klassiker und zieht sich so gerade am Anfang auch sehr. Wir begegnen Mathilde als kleinem Mädchen in einem Dorf in der Schweiz. Sie wächst ohne Vater auf, doch die Mutter kann gut für sie sorgen. Der Anfang liest sich seltsam, denn neben dem nostalgischen Gefühl dieser ländlichen frühen Kindheit, die ich auch hatte, hat mich der maskuline Blick auf dieses Mädchen und ihre seltsame Sexualisierung sehr gestört. 

Doch wie Mathilde etwas älter wird, verschwinden diese seltsamen sexuellen Töne. Sie besucht einen Bekannten und lernt zwei Männer kennen. Einer macht ihr einen Antrag und als unbedarftes Mädchen sagt sie zu. Sie erlebt dann sehr unglückliche Ehejahre, von denen wir nur einige Momente mitbekommen. Schließlich entschließt sie sich zur Scheidung. Ich fand diesen Teil sehr interessant, da Scheidung in den 30er Jahren natürlich noch ganz anders angesehen war als heute. Auch die Rolle der Mutter fand ich dabei interessant, denn zunächst will sie Mathilde überreden, zu ihrem Mann zurückzugehen. Doch dann erfährt sie durch einen Brief, wie schlecht Mathilde behandelt wurde, und stimmt der Scheidung zu. Dabei werden auch Parallelen zu einem Märchen gezogen, das Mathilde als Kind fasziniert hat. Dieses Thema taucht immer mal wieder auf.

Mathilde heiratet dann erneut, und diesmal "den Richtigen". Es beginnt eine glückliche Phase ihres Lebens, und bald bekommt sie auch ein Kind. Hier haben mich die Schilderungen ein wenig an A Farewell To Arms erinnert, doch Mathilde übersteht die Geburt dann doch. Hier verschiebt sich nun langsam die Erzählung auf ihren Ehemann, was dann während des Krieges noch weiter ausgebaut wird. 

Der Zweite Weltkrieg beginnt und Mathildes Ehemann als Brite beschließt sich als Flieger zu melden. Er hat schon im Ersten Weltkrieg gekämpft und will sein Land nochmal verteidigen. Wir folgen dann in einem sehr langen Kapitel dem Ehemann, der über Land von Paris nach England flüchten muss, als die Deutschen Frankreich rasant einnehmen. Diese Teile der Geschichte sind inspiriert an Franks eigener Flucht vor den Nazis. Als links eingestellter, pazifistischer Autor war er nicht mehr in Deutschland sicher. Diesen Teil fand ich auch besonders interessant, und wieder erinnerte es mich ein wenig an A Farewell to Arms.

Mit Blick auf Mathilde sehen wir dann, wie die andauernde Furcht um ihren Mann alle Lebensfreude und alle Kraft aus Mathilde herauszieht. Sie verliert sich selbt immer mehr und rutscht offensichtlich in eine Depression ab. Sie fühlt sich schuldig, weil sie nicht die Ehefrau sein kann, zu der ihr Mann zurückkehrt. Aber natürlich verändern die vielen Jahre auch ihren Mann, und am Ende steht die Frage, ob sie als neue Menschen nach dem Krieg wieder zusammenfinden können.

Der Schreibstil war am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig für mich, da ich lange keine deutschen Klassiker mehr gelesen habe. Durch den Beginn der Geschichte im frühen 20. Jahrhundert war dieses Buch zu seinem Erscheinen in den 50ern vielleicht auch schon ein wenig zu angestaubt, was sich auch im Schreibstil zeigt. Außerdem tut sich der Autor mit dem Fokus auf Mathilde keinen Gefallen, denn die wirklich spannenden Szenen sind dann doch aus Sicht ihres Mannes geschrieben. Dieses Buch hätte mit anderer Fokussetzung ein deutsches A Farewell To Arms werden können, aber dadurch, dass die Geschichte so unfokussiert ist, gelingt das nicht. Vor allem am Anfang ist sehr unklar, was das Buch eigentlich will.

Alles in allem war das Buch für mich zu lang und zu unfokussiert. Es folgt eben dem Leben dieser fiktiven Frau durch alle Irren und Wirren. Ich denke, der Autor hätte bei seiner gelebten Erfahrung bleiben sollen, um eine authetischere Geschichte zu erzählen. Wie sehr der Krieg Menschen verändert, wird am Ende sehr gut gezeigt. Trotzdem braucht es Vieles aus Mathildes Geschichte für diese Aussage nicht. Auch der seltsam sexualisierte Blick auf ihre Kindheit war nichts für mich. 

Habt ihr das Buch gelesen? Was sind eure Gedanken dazu?

Bis bald
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: