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Sonntag, 15. Mai 2022

Jade Legacy


Hallo meine Fantasyleser,

heute kommen wir zum großen Finale und Abschluss der Reihe, die ich euch dieses Wochenende vorstellen wollte. Auch in dieser Rezension könnt ihr aus meinem Text schließen, welche Charaktere bis zum dritten Buch überlebt haben, was ein Spoiler sein kann. Ansonsten kann ich nur sagen, dass dieser letzte Band für mich der stärkste der Reihe war.

Die Fakten:

  • Autor: Fonda Lee
  • Sprecher: Andrew Kishino
  • Titel: Jade Legacy
  • Reihe: Greenbone Saga 3
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Orbit
  • Dauer: 28 Std. 29min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Jade, the mysterious and magical substance once exclusive to the Green Bone warriors of Kekon, is now coveted throughout the world. Everyone wants access to the supernatural abilities it provides, from traditional forces such as governments, mercenaries, and criminal kingpins, to modern players, including doctors, athletes, and movie studios. As the struggle over the control of jade grows ever larger and more deadly, the Kaul family, and the ancient ways of the Kekonese Green Bones, will never be the same. Battered by war and tragedy, the Kauls are plagued by resentments and old wounds as their adversaries are on the ascent and their country is riven by dangerous factions and foreign interference. The clan must discern allies from enemies, set aside bloody rivalries, and make terrible sacrifices...but even the unbreakable bonds of blood and loyalty may not be enough to ensure the survival of the Green Bone clans and the nation they are sworn to protect."

Zur Handlung: Für den Krieg gegen Ayt und den Mountain Clan haben die Kaul-Geschwister das Gebiet ihres No Peak-Clans erweitert, und damit auch den Kreis potentieller neuer Feinde. Dennoch war nicht vorherzusehen, wie sich die Schlinge letztlich zu zieht und zwei wichtige Familienmitglieder beinahe das leben geköstet hätte. Nun ist Kaul Hilo auf Rache aus, und dafür sendet er seinen treusten und tödlichsten Freund.

Doch auch politisch ändert sich die Umgebung durch des Ende des Krieges, der vor allem mithilfe von Jade geführt wurde. Friedliche Zeiten führen einerseits zu besseren Möglichkeiten für Handel, andererseits ist Jade nun in manchen Gegenden verpöhnt oder regelrecht verboten. Es entsteht die Frage, ob No Peak weiter an seiner Identität als Greenbone-Clan festhalten soll, oder ob er sich wirtschaftlich in diesen Friedenszeiten auch davon lösen kann. 

In diesem letzten Buch gehen wir wirklich mit den Charakteren aufs Ganze. Es gibt wieder genug Gelegenheiten, bei denen alle uns liebgewonnene Charaktere sterben können - und es teilweise tun. Der Einsatz könnte nicht höher sein, und die Gefahren vermehren sich mit jedem Zug, den der Clan tut um seine Zukunft zu sichern. Auch hier spielen nun wieder Nationen übergreifende Intrigen und Interessen eine große Rolle.

Die Reihe bleibt sich also treu in ihrer Mischung aus politischer und wirtschaftlicher Strategie und kämpferischen Auseinandersetzungen. Neu dazu kommt in diesem Band die Clanless Future Bewegung, womit auch das Thema Extremismus aufgemacht wird. Diese Bewegung versucht die Macht der Clans zu brechen, sowohl in den Köpfen der Leute als auch durch Angriffe auf wichtige Persönlichkeiten der Clans. Ich fand diesen Aspekt ganz interessant, vor allem die Perspektive, wie andere Länder solche Bewegungen gezielt unterstützen können, um ein Land von innen zu gefährden, um dann von außen die Oberhand gewinnen zu können. Hat ein bisschen sehr an Putin und die Rechten erinnert.

Daneben folgen wir aber wieder den bekannten Charakteren. Es kommen ein paar neue dazu, neue Feinde, aber auch beispielsweise ein langfristiger Partner für Anden, was ich sehr schön fand. Da in diesem Buch ein sehr großer Zeitraum abgedeckt wird, sehen wir auch die Kinder aufwachsen und zu eigenen Charakteren werden, die ihre eigenen Leben, Probleme und Ziele bekommen. Einige dieser Dynamiken haben mich ein wenig an Pachinko erinnert, das ich etwas eher dieses Jahr gelesen hatte. Im Vordergrund stehen dabei Niko, Ru, Jaya und ein bisschen auch Tia, die nachfolgende Kaul-Generation. Für mich ist es immer ein bisschen schwierig, auch mit den Kindern der Protagonisten mitzufühlen, weswegen mich manche Ereignisse hier dann nicht so sehr mitgenommen haben. Andererseits waren viele tolle Szenen dabei, die das Thema Familie nun eben auf einer anderen Ebene ansiedeln, denn in den anderen beiden Büchern ging es mehr um das eigene Erbe und die Geschwister.

Damit sehen wir natürlich auch unsere bisherigen Charaktere alt werden, was mir persönlich gut gefallen hat. Das ist etwas, das nicht oft in Büchern geschieht. Ich finde, Fonda Lee hat hier die Balance zwischen viel Zeit, die vergeht, und trotzdem ausreichend Nähe zu den Charakteren ohne zu große Sprünge gut hinbekommen. Dennoch übergeht das Buch einige Szenen, die man gern noch stärker betrachtet hätte. Nichtsdestotrotz war ich emotional hier voll dabei und habe an einigen Stellen geweint.

Ich glaube, insgesamt geht dieser letzte Band noch einmal stark auf Ideen von Ehre ein. Das tauchte auch in den Vorgängern schon auf, aber mit der zunehmend einfachen Verwendung von Jade durch nicht-trainierte Menschen wird der Blick automatisch auf die Frage gelenkt, ob er Jade-Krieger wirklich nur mental und physisch lernt, Jade zu kontrollieren, oder ob vielleicht noch andere wichtige Aspekte in dieser Ausbildung sind. Das sehen wir unter anderen auch in einer Situation, die Söldner betrifft, die mit Jade Aufträge ausführen, aber keine solche Ausbildung hatten. 

Aber es gibt auch andere Momente in dem Buch, in dem sich Charaktere auch entgegen vielleicht ihrer eigenen Interessen ehrenvoll verhalten, und damit die weitere Handlung ungemein beeinflussen. Letztlich ist diese Ehre auch das, was No Peak und den Mountain-Clan trennt, denn Ayt ist ruchlos und will ihre Ehre nur im öffentlichen Ansehen beschützen. Hintenrum spielt sie aber dreckig wie nur geht. Diese Diskussion fand ich auf jeden Fall sehr interessant, denn in unserer westlichen Kultur liegt inzwischen ja nur noch wenig Betonung auf Ehre, was nicht immer gut sein muss.

So oder so bleibt der letzte Band eine Achterbahnfahrt der Gefühle, denn es passieren dauernd schreckliche Dinge und manchmal schöne, und man fürchtet um diese Charaktere, mit denen man schon so viel durchgestanden hat. Besonders hervorheben möchte ich noch, dass ich es sehr schön fand, dass das Ende von Band 2 langfristige Auswirkungen hatte. Der Charakter, der dabei fast gestorben wäre, ist nicht direkt wieder fit, sondern es ist ein langer Prozess. Diese Darstellung hat mir gut gefallen.

Alles in allem konnte das Finale mich überzeugen. Es war befriedigend, es setzt an die Spannung der ersten beide Teile an, die Geschichte wird nicht rund beendet, aber man wird als Leser auch nicht völlig zerstört - oder doch? Es gibt viele sehr traurige Moment, aber auch schöne und glückliche, sodass eine gute Balance entsteht. Ich bin sehr froh, diese Reihe gelesen zu haben.

Welche Reihe würdet ihr mir als nächstes empfehlen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 14. Mai 2022

Jade War


Hallo meine Fantasyfreunde,

heute kommen wir zu Band 2 dieser Reihe über die Clans in Janloon. Gestern habe ich euch vom ersten Band berichtet, der sehr viel aufgebaut hat, um die Basis für die weitere Trilogie zu legen. Ich werde versuchen, spoilerfrei zu bleiben, aber aus manchen Aussagen wird sich schließen lassen, wer das erste Buch überlebt. Ihr wurdet gewarnt.

Die Fakten:

  • Autor: Fonda Lee
  • Sprecher: Andrew Kishino
  • Titel: Jade War
  • Reihe: Greenbone Saga 2
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Hachette Audio UK
  • Dauer: 24 Std. 5min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "On the island of Kekon, the Kaul family is locked in a violent feud for control of the capital city and the supply of magical jade that endows trained Green Bone warriors with supernatural powers they alone have possessed for hundreds of years. Beyond Kekon's borders, war is brewing. Powerful foreign governments and mercenary criminal kingpins alike turn their eyes on the island nation. Jade, Kekon's most prized resource, could make them rich - or give them the edge they'd need to topple their rivals. Faced with threats on all sides, the Kaul family is forced to form new and dangerous alliances, confront enemies in the darkest streets and the tallest office towers, and put honor aside in order to do whatever it takes to ensure their own survival - and that of all the Green Bones of Kekon."

Zur Handlung: Nach dem wuchtigen Finale von Band 1 konnte der Straßenkrieg zwischen dem Mountain Clan und No Peak beendet werden, doch die alte Feindschaft ist keines Wegs begraben. Beide Clans wenden sich nun stärker politischen und wirtschaftlichen Strategien zu, um den Feind zu schlagen. Dennoch kehrt nun etwas Ruhe ein, und die Kaul-Familie muss sich neu formieren. 

Dass der Friede nicht lange währen kann, wird aber schnell klar, denn nun entsteht außerhalb von Janloon ein Krieg, der ohne Jade nicht mehr ausgefochten werden kann. International steigt das Interesse an der Insel, und die gespaltenen Clans müssen sich fragen, wie sie ihr Geburtsrecht und ihre wirtschaftlichen Interessen entsprechend schützen können.

In diesem zweiten Band wird die Welt nun deutlich größer. Im ersten Teil haben wir uns sehr auf Janloon beschränkt und dort spielte die Handlung. Zusammen mit unseren Charakteren kommen wir nun aber in Kontakt mit anderen Ländern. So zieht Anden beispielsweise in ein Land, das sehr an den Westen unserer Welt erinnert. Dies bietet Gelegenheit, um Themen von Migration, Rassismus und Teilhabe stärker zu diskutieren. Das hat mir sehr gut gefallen, da es anschlussfähig an viele echte Erfahrungen von Menschen war.

Außerdem wird Familie nun neu gedacht, denn Hilo und Wen werden Eltern. Damit ändert sich nicht nur ihre Rolle in der Familie, sondern auch ihr Verhalten. Während Wen damit ihre Hauptaufgabe als erfüllt ansieht und beginnt, an ihren eigenen Zielen zu arbeiten, verankert es Hilo stärker in seiner Rolle und löst ihn vom Bild des ungestümen Kämpfers. Er wird ein besserer Anführer. Darüber hinaus spielen auch die Liebesbeziehungen von Shae und Anden eine größere Rolle in diesem Band, wobei man sich auch auf Schmerz einstellen muss. Als Kaul kann man sich nicht einfach so verlieben...

Auch die Aktionen des Clans werden in diesem Band internationaler, was auch die politische Ebene nochmals komplizierter macht. Zu den bisherigen Akteuren kommen nun auch Gangs in anderen Teilen der Welt dazu, die ein Interesse an Jade entwickeln, weil mithilfe einer Droge die Nutzung für normale Menschen immer einfacher und risikoärmer wird. Damit werden auch andere Personen im Clan wichtig, sowohl auf der kämpferischen als auch auf der wirtschaftlichen Seite des Clans. Es gibt, kurz gesagt, noch mehr Personen, die man irgendwie einordnen können muss.

Ayt als Antagonistin lernen wir auch noch etwas besser kennen. Dabei entspinnt sich vor allem eine interessante Kommunikation zwischen ihr und Shae, die uns auch Einblick in ihre Pläne im weitesten Sinne gibt. Ich mochte diese Idee, dass hier zwei Frauen in dieser sehr maskulin dominierten Welt zusammenfinden, obwohl sie so große Feinde sind. Trotzdem bleibt die Feindschaft bestehen, sie nimmt nur eine andere Farbe an, fast schon mit Respekt.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Darstellung von Glaube. Shae ist die einzige unserer Charaktere, die regelmäßig zum Beten in den Tempel geht. Es gibt in diesem und dem nächsten Buch einige Szenen, die damit zu tun haben. Ich mochte, dass sie sich davon von anderen auch nicht abhalten lässt. Dabei ist sie nicht sehr religiös in ihrem Auftreten, es hat sich einfach sehr natürlich und passend für mich angefühlt, wie sie mit ihrem Glauben umgeht. 

Mein Hauptcharakter ist auch hier Wen geblieben, aber auch Anden hat mir in dem zweiten Band so gefallen, und ich war sehr glücklich, wie wichtig seine Perspektive für die Geschichte ist. Shae ist mir auch mehr ans Herz gewachsen, denn sie findet immer mehr ihre Rolle in dem Clanbusiness, und damit wird sie auch für mich als Leserin besser greifbar. Ayt fand ich dagegen manchmal als Antagonistin ein wenig anstrengend, weil sie die einsame, machtbesessene und korrupte starke Frau ist - dieses Bild nervt mich einfach ein wenig. Allerdings werden hier viele mögliche Arten eine "starke" Frau zu sein portraitiert, deswegen war es schon ok.

Das Ende von diesem zweiten Band hat mich fast wahnsinnig gemacht. Ich hatte solche Angst um meine beiden Lieblingscharaktere, und ich war wirklich nicht sicher, ob Fonda Lee mich mit dem Ende töten will. Es war so spannend und intensiv, ich konnte nicht aufhören das Hörbuch zu hören. Fonda Lee weiß wirklich, wie man ein Buch schreibt, bei dem alles möglich erscheint. Sie schreckt vor nichts zurück. Auch nicht vor unseren Gefühlen.

Alles in allem hat mir der zweite Band besser gefallen als der erste, und ich wollte danach unbedingt gleich mit Band 3 weitermachen. Das habe ich dann auch. Ich wusste, dass dieser nochmal ein großes Feuerwerk wird. Dieser zweite Band kann die angestrengte Spannung des ersten Teils aufrechterhalten, auch wenn der offene Straßenkrieg erstmal vorbei ist. Unserer Charaktere sind weiterhin nicht sicher, und sie wachsen uns mit jeder Seite mehr ans Herz. Auch die Welt wird nochmal deutlich geöffnet, was ich sehr spannend fand, da hier dann auch politische Zusammenhänge stärker in den Fokus rücken können. Ansonsten machen einige Charaktere uns das Leben mit ihren Entscheidungen auch schwer, aber irgendwie... liebt man sie trotzdem zum Großteil (Ja, Hilo, ich meine dich).

Morgen gibt es dann noch meine Gedanken zu Teil 3!

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 13. Mai 2022

Jade City


Hallo meine Fantasyfreunde,

dieses Wochenende stelle ich euch wieder einmal eine Trilogie vor, die ich gerade beendet habe. Diesmal habe ich zu den Hörbüchern gegriffen und kann diese auf jeden Fall empfehlen. Wenn man so eine Reihe hört, werden die Figuren irgendwie noch mehr Teil des Alltags und fast schon Freunde. Umso schwerer fällt dann der Abschied. Aber beginnen wir mit Buch 1...

Die Fakten:

  • Autor: Fonda Lee
  • Sprecher: Andrew Kishino
  • Titel: Jade City
  • Reihe: Greenbone Saga 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Hachette Audio UK
  • Dauer: 19 Std. 6 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext:

    "Jade is the lifeblood of the city of Janloon - a stone that enhances a warrior's natural strength and speed. Jade is mined, traded, stolen and killed for, controlled by the ruthless No Peak and Mountain families. When a modern drug emerges that allows anyone - even foreigners - to wield jade, simmering tension between the two families erupts into open violence. The outcome of this clan war will determine the fate of all in the families, from their grandest patriarch to even the lowliest motorcycle runner on the streets."

Zur Handlung: Lan wusste immer, dass er einmal das Oberhaupt seines Clans wird, sozusagen sein Rückrat, die Schultern, die alles tragen. Er fühlt sich nicht unbedingt wohl mit dieser Rolle, doch er hat sie als sein Erbe akzeptiert. An seiner Seite ist Hilo, sein jüngerer Bruder, der die Straßenaktivitäten des Clans beaufsichtigt. Ihm sind die "Muskeln" des Clans unterstellt, und er liebt diese Rolle. Für Hilo gibt es nichts Besseres als ein gutes Duell, bei dem man die Jade des Feindes gewinnen kann.

Ihre Rolle nicht akzeptiert hat allerdings die Schwester Shae. Nach einem Streit mit dem Großvater hat sie die Stadt verlassen und im Ausland studiert. Doch irgendetwas - Einsamkeit, Heimweh, Schicksal - hat sie nach Janloon zurückgebracht. Und es ist auch an der Zeit, denn die Familie wird sie bald bitterer brauchen als je zuvor. Lans Berater, der ein langjähriger Freund des Großvaters ist und die geschäftlichen Belange des Clans betreut (sozusagen der "Kopf" des Ganzen) hat seine eigenen Pläne und gefährdet damit die ganze Familie.

Dieses erste Buch ist ganz klassisch der Beginn einer Reihe. Wir lernen eine Menge Charaktere und die Welt genauer kennen. Darauf muss man natürlich Lust haben. Aber ich fand den Anfang schon sehr spannend. Ich lerne immer gern Neues kennen, deswegen hat mich diese Clan-Welt direkt interessiert. Wir haben hauptsächlich zwei große Clans: No Peak, denen wir folgen, und ihre Freunde Mountain. Dabei waren die beiden einst Verbündete in einem Guerilla-Kampf gegen feindliche Besatzer. Doch nun, da die Insel ihre Unabhängigkeit hat, befinden sich die beiden Clans im Konflikt.

Der Konflikt hat dabei viel mit Jade zu tun. In dieser Fantasywelt hat Jade magische verstärkende Fähigkeiten. Wer Jade trägt und darin trainiert ist, kann schneller, stärker und leichter kämpfen und sogar Energiewellen verwenden, um Kugeln abzuwehren, oder direkt das Herz oder die Lunge des Gegners von innen zu zerstören. Die Clans sind diejenigen, die traditionell die Jade-Krieger ausbilden, wobei der Zugang zu ihren Schulen elitär ist. Die Clans verwalten außerdem gemeinsam die Jademinen, denn diese magische Jade kann nur auf der Insel abgebaut werden, aber viele andere Nationen haben auch ein Interesse daran.

Es klingt schon ein wenig an, es wird recht politisch. Clans mag erstmal den Anschein von Gewalt und Straßenkämpfen haben, aber diese Clans versuchen sich auf politischer Ebene zu zerstören - und darin dringen wir mehr und mehr vor. Unsere Hauptfiguren aus dem No Peak-Clan stehen dabei einer sehr schlauen, rücksichtslosen und mächtigen Feindin gegenüber: Ayt. Sie hat einst alle Konkurrenten getötet, um an die Spitze des Mountain-Clans zu kommen, und ihr Ziel ist es, dass es in Janloon nur noch einen einzigen Clan gibt: mit ihr an der Spitze. Doch die Clans sind wichtige Institutionen in dieser Gesellschaft und müssen daher auch ihr öffentliches Gesicht wahren. Daher werden politische und wirtschaftliche Intrigen so viel wichtiger als grobe Schlägereien. Das alles ändert aber nichts daran, dass Ayt die Kauls tot sehen will. 

Wir folgen den Perspektiven mehrerer Charaktere: Neben Kaul Lan und Kaul Hilo hauptsächlich ihrer Schwester Shae und dem adoptierten Bruder Anden Emery, sowie einem Charakter namens Bero, der keinem Clan angehört und dessen Rolle zunächst unklar bleibt. Zunächst mochte ich dabei Lan am meisten, auch Anden war ein Charakter, mit dem ich mich identifizieren konnte. Shae fand ich schwer einzuschätzen - einerseits war ich froh über einen weiblichen Charakter, andererseits hat es nicht direkt mit ihr geklickt. Hilo fand ich interessant, aber es gibt viele Momente, wo man seinetwegen die Augen verdreht. Aber langsam und sicher kriechen die Charaktere einem ins Herz, und das liegt vor allem daran, dass sie alle sehr realistisch sind. Sie haben einen Charakter, den man nachvollziehen kann und der irgendwie konsistent ist, ohne dass sie sich nicht auch weiterentwickeln würden.

Als meine Lieblingsfigur hat sich dann nach und nach Wen herauskristallisiert. Sie ist die Freundin und später Verlobte und Frau von Hilo. Zu ihr möchte ich hier noch nicht viel sagen, aber ihre Entwicklung und ihre Gedanken habe ich am liebsten verfolgt. Dabei spielt sie auch eine wichtige Rolle, weil sie als Stone-Eye immun gegen den Effekt von Jade ist. Sie ist insofern in der Sichtweise dieser Welt behindert, und Fonda Lee kann im Laufe der Trilogie dadurch viele Kommentare dazu einbauen.

Was mit an der Magie sehr gut gefallen hat, waren die klaren Begrenzungen dieser Macht. So wirkt Jade nur, wenn sie direkt am Körper getragen wird, weshalb sie häufig in Schmuck und Piercings verwendet wird. Außerdem kann nicht jeder diese Macht nutzen, sondern man muss es trainieren. Die Macht überwältigt einen sonst. Und schließlich gibt es eine Krankheit, die Itches, die man bekommen kann, wenn man langfristig zu viel Jade trägt. Diese Krankheit entstammt einer neuronalen Überforderung des Körpers und äußert sich dann in Kribbeln und Jucken, wenn die Neuronen nicht mehr wissen, was sie tun sollen. Diese Krankheit für unweigerlich zum Tod. Auch ein kurfristiger sehr sehr extremer Kontakt mit Jade kann dies auslösen. Wirklich sicher Jade benutzen können nur die ausgebildeten Jade-Krieger, doch eine neue Droge ermöglicht nun die Nutzung auch für andere Personen. Dies führt zu vielen Problemen und hat extreme Nebenwirkungen - die einige allerdings bereits sind auf sich zu nehmen. 

Was einigen Lesern an der Reihe dagegen nicht so gefällt, ist das Fantasy-Setting, denn wir haben es hier mit Urban Fantasy in dem Sinne zu tun, als dass sich diese Welt schon irgendwie nach unserer anfühlt. Es gibt Pistolen, es gibt halbautomatische Waffen, es gibt Autos, Flugzeuge und große Firmen. Es gibt Telefone und Radios und Fernseher. Es ist also nicht klassisch High Fantasy - aber es ist eben auch nicht unsere Welt. Mir hat das gefallen, aber es ist nicht für jeden.

Ich könnte noch so viel sagen, aber möchte mir auch ein paar Sachen für die Folgebände aufheben. Die Handlung dieses ersten Bandes bereitet sehr Vieles vor, was dann in Band 2 und 3 passiert, doch es gibt auch einige sehr spannende Momente in diesem ersten Buch. Vor allem steht bei Fonda Lee immer alles auf dem Spiel, kein Charakter ist wirklich jemals sicher. Das erzeugt eine unglaubliche Grundstimmung, die man ab der ersten Seite spürt. Und daher hat mich die Reihe auch überzeugt, auch wenn das erste Buch für mich eine Berg- und Talfahrt war. Manche Momente waren grandios und genial, andere Szenen doch etwas langweilig und voller Infos.

Habt ihr die Reihe schon probiert? Morgen berichte ich von Band 2!

Bis dahin,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 8. Mai 2022

ACE - What Asexuality Reveals About Desire, Society, and the Meaning of Sex


Hallo meine Lieblingsleser,

heute kommen wir zu einem Buch, das nicht fiktional ist, sondern uns etwas über die Welt, in der wir leben, beibringen soll. Im Fokus steht dabei das Konzept von Asexualität, das viele als den Buchstaben A bei LGBTQIA+ kennen. Das Buch geht allerdings darüber hinaus uns zu erklären, was Asexualität ist, und zu beschreiben, mit welchen Problemen asexuelle Menschen konfrontiert sind, und präsentiert uns die Idee von erzwungener Sexualität, die uns alle glauben lässt, dass Sex in bestimmten Situationen einfach sein muss.

Die Fakten:

  • Autor: Angela Chen
  • Titel: ACE - What Asexuality Reveals About Desire, Society, and the Meaning of Sex
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Beacon Press
  • Seiten: 188
  • Preis: 27,00 Euro (gebunden)
  • Klappentext: "Many people who hear about asexuality consider it an interesting piece of trivia: it's a little-known sexual orientation, some people identify as asexual, and they should be accepted. Next. After all, if you're not asexual, what more is there to learn? Plenty, especially because misconceptions mean that some people are asexual without knowing it. In every place that sexuality touches society, asexuality does too, and the issues that asexuals struggle with are the same issues that people of every orientation are likely to confront. How much sexual desire is a person supposed to have? What does the amount of desire we experience mean about our politics, personalities, and prospects of relationships? What should it mean? The dividing line between romance and friendship seems clear, but what is the difference when you eliminate sex? How do you work through a mismatch of sexual desire in relationships? The questions may be near universal, but the answers look different from the asexual, or ace, perspective. Aces have had to create our own way of looking at the world, offering new perspectives on identity and invisible inequalities."

Dieses Buch beschäftigt sich also einerseits damit, was Asexualität überhaupt ist und mit welchen Probleme es verbunden sein kann, andererseits will es aber auch darüber hinausgehen und auch für Personen, die nicht asexuell sind, anschlussfähig sein. Dies ist sehr ambitioniert, und das Buch hat wirklich sehr viele wichtige und gute Beiträge zur gesellschaftlichen Debatte über Sexualität und normative Zwänge in unserer (westlichen) Gesellschaft. Dennoch würde ich sagen, dass das Buch es nicht immer schafft, diese Linie zu laufen.

Das ist mir aufgefallen, als ich mir die Frage gestellt habe, ob dieses Buch nun für nicht-asexuelle Leute, sich als asexuell identifizierende Leute oder Leute, die asexuell sind aber es nicht wissen, geschrieben ist. Und irgendwie scheint es fast für alle zu sein. Die ersten beiden Kapitel waren für mich eher langweilig, denn hier beschreibt die Autorin, wie sie selber zu Asexualität gefunden hat. Daneben wird auch historisch beschrieben, wie die Bewegung dahinter begonnen hat (natürlich online). Ich glaube, das ist vor allem für asexuelle Menschen spannend, vor allem für die, die vielleicht noch nicht genau wissen, ob sie es sind, und wissen möchten, wie andere Leute sich "sicher" sein konnten.

Danach geht das Buch aber eher in eine gesellschaftliche Sichtweise, für die ich sehr offen war. Dabei wird beleuchtet, wie Asexualität mit Gender (also dem sozialen Geschlecht), Race (oder der ethnischen Herkunft) und Behinderung zusammenhängt, welche Schwierigkeiten sich in diesen Schnittstellen ergeben, und warum dies alles historisch-gesellschaftlich so geprägt ist. Diese Kapitel fand ich alle sehr interessant, wobei man herausliest, dass die Autorin als Frau und als Person mit Migrationshintergrund/ Person of Color mit diesen Intersektionen mehr eigene Erfahrung hat, während die Perspektive von Personen mit Behinderungen eher sehr wenig Platz im Buch einnimmt. Dennoch sind es unglaublich spannende Diskussionen, die da aufgemacht werden, und alle (meiner Meinung nach) wichtigen Argumente werden zumindest angeschnitten. 

Der dritte Teil des Buches wirkte auf mich dann sehr zusammengewürfelt, was die Überschrift "Others" vielleicht schon andeutet. Zunächst geht es dann um das Konzept von Aromantik. Der Unterschied besteht in dem Gefühl oder Verlangen, das die Personen nicht haben: Verlangen nach Sex vs. Verlangen nach romantischer Liebe. Ich fand das Kapitel interessant, aber im Gesamtkontext hat es auch ein völlig neues Fass aufgemacht, indem beispielsweise die Interviewten angesprochen haben, dass sie lange Angst hatten, dass sie Psychopathen sind, weil sie keine romantische Liebe empfinden. 

Danach widmet sich das Buch auch Fragen von Consent, also der freiwilligen Einwilligung in sexuelle Handlungen. Dabei werden verschiedene Arten von Consent unterschieden, und es geht darum, dass es keine binäre Trennung von Vergewaltigung und Sex gibt, sondern eine Vergewaltigung eine (gewaltsame) Form von Sex ist. Auch hier fand ich alles Gesagte sehr interessant, und auch relevant für Personen, die nicht asexuell sind. Inwiefern eine freiwillige Einwilligung in unserer heutigen Gesellschaft überhaupt möglich ist (vor allem für Personen in Minoritätsgruppen), ist eine der wichtigsten Fragen unserer Gesellschaft. Das Bild wird also einerseits sehr groß, andererseits scheint es hier aber fast einschränkend, dass Angela Chen dem Thema Asexualität verhaftet bleibt.

Am Ende bekommen wir dann auch nochmal einen besonderen Fall detailliert dargestellt: Anna. Während dieses Kapitel die verschiedenen Intersektionen mit Religion und Gender noch einmal gut verdeutlicht, so hat sich mir nicht erschlossen, wie es ins Gesamtbild passt. Am Ende gibt es noch einen Ausblick, was die Bewegung hinter der Orientierung (Aro) Ace für die Gesellschaft noch bringen kann, was sie aber auch selbst tun muss, um inklusiv für alle Ace-Personen zu sein, und wie es insgesamt weitergehen kann. Dabei plädiert die Autorin im gesamten letzten Teil des Buches auch dafür, Beziehungen neu zu denken und uns von klassischen "Rolltreppen" vom Händchenhalten zum Sex zu lösen. 

Inhaltlich finde ich das Buch absolut gelungen und stimme den Einschätzungen der Autorin absolut zu. Ich finde, dass normativ eingeschränkte Konzepte von "der Beziehung", "der Ehe" und "dem Sex" keinem helfen. Ich stimme auch völlig zu, dass Kommunikation immer und überall die Lösung ist. Und ich habe von diesem Buch viel gelernt. Dennoch bleibt mein Kritikpunkt, dass das Buch vielleicht doch ein bisschen zu viel anpackt, und dann auch im Adressaten uneindeutig bleibt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass jeder etwas von diesem Buch lernen kann, weswegen ich es euch wärmstens ans Herz lege.

Habt ihr euch schon mal mit der Idee von Asexualität/Aromantik beschäftigt oder hinterfragt, ob es wirklich so "normal" ist, was wir von Sex in Beziehungen erwarten?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Mittwoch, 4. Mai 2022

Conjure Women


Hallo meine Lieblingsleser,

heute kommen wir zu einem Buch mit einer seltsamen Geschichte bei mir. Ich habe das Buch mal auf einem Youtube-Kanal gesehen und es hat mich angesprochen. Dann habe ich es in der Bibliothek gesehen und gleich eingepackt. Allerdings war es dann leider schon vorbestellt und ich durfte es nicht mitnehmen. Bei der nächsten Gelegenheit ist es dann aber mit heimgekommen. Dann hatte ich es monatelang daliegen, habe es angefangen und bin ganze 40 Seiten weit gekommen, bevor die Bibliothek es wiederhaben wollte. Also habe ich es bei der nächsten Gelegenheit wieder ausgeliehen, nur dass es dann wieder monatelang hier lag. Naja, morgen muss es zurück in die Bibliothek und diesmal habe ich es auch gelesen. :D Habt ihr manchmal solche Erlebnisse mit Büchern?

Die Fakten:

  • Autor: Afia Atakora
  • Titel: Conjure Women
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: 4th Estate
  • Seiten: 395
  • Preis: 12,60 Euro
  • Klappentext: "The pale-skinned, black-eyed baby is a bad omen. Rue knows it. But, for once, despite her skill as a midwife, she doesn't know what to do. Times have changed since her mother held the power to influence the life and death of her fellow slaves. Freedom has come. But this new world brings new dangers and when sickness sweeps across her tight-knit community, Rue finds herself th focus of suspicion. What secrets does she keep amidst the charred remains of the Big House? Which spells has she conjured to threaten their children? And why is she so wary of the charismatic preacher man who promises to save them all?"

Zur Handlung: Nachdem die Südstaaten den Bürgerkrieg in den USA gewonnen haben und Sklaverei beendet wurde, versucht Rue ihre Community zu beschützen. Sie leben noch immer auf den Ländereien der Plantage, auf der sie einst als Sklaven schuften mussten. So richtig wissen sie nichts anzufangen mit dieser neuen Freiheit, die sich nicht so viel anders anfühlt als früher. Doch etwas verändert sich in dieser Community, und Rues gutgemeinte Geheimnisse könnten ihr um die Ohren fliegen.

Rues Mutter war dagegen die Heilerin während der Sklaverei-Zeit. Sie genoss gewisse Privilegien, weil sie die anderen Sklaven gesund hielt und half gesunde Nachkommen auf die Welt zu bringen. Doch auch sie war Sklavin und musste so unsägliches Erleiden. Rue hat von ihrer Mutter sehr viel gelernt, auch wenn die Art der Liebe zwischen ihnen nicht immer offensichtlich war. Doch sie muss erkennen, dass auch ihre Mutter schreckliche Geheimnisse hatte.

Dieses Buch verbindet die Zeitebene von Rue nach dem Ende der Sklaverei mit verschiedenen zeitlichen Ebenen während der Sklaverei. Ihr könnt euch vorstellen, dass es dementsprechend kein sehr ermunterndes Buch ist, sondern viele schlimme Szenen beschrieben werden, die nur dadurch noch schlimmer werden, dass wir wissen, dass sie nicht völlig fiktiv sind. Dabei lernen wir immer mehr und mehr über die verschiedenen Geheimnisse, die diese beiden Heilerinnen haben bzw. hatten.

Rue als Hauptfigur hat mir sehr gut gefallen. Wir sehen schon Szenen mit ihr als kleinem Kind, aber vor allem folgen wir ihr als unabhängiger Frau, die versucht ihre Leute zu beschützen. Dabei hatte ich ein sehr gutes Gefühl dafür, wer Rue ist. Ihre verschiedenen Lebensabschnitte haben für mich Sinn gemacht und ich konnte immer nachvollziehen, warum sie sich wie entwickelt. Sie hat viele Facetten, Ängste, Träume, aber vor allem auch Stolz und manchmal Starrsinn. Ich habe sie sehr gemocht und bin ihr gern gefolgt.

Die Beziehung zu Rues Mutter May Belle steht sehr im Zentrum des Buches. Dabei haben sie eine sehr besondere Bindung. Erst sehr spät lernen wir, was May Belles Gefühle waren, als sie mit Rue schwanger war und sie schließlich geboren wurde. Aber dann macht Vieles Sinn. Auch spiegelt die Beziehung etwas wieder, was viele Schwarze Frauen betrifft: sie erlauben sich nicht ihre Kinder auf die gleiche Weise zu lieben oder zu behandeln wie die weißen Kinder, die sie versorgen müssen. Das wird anhand einer Puppe verdeutlicht, die Rue in einem Versteck findet und denkt, es wäre ihr Geburtstagsgeschenk. Die Komplexität dieser Beziehung und ihre außerordentlichen Umstände haben mir sehr gut gefallen.

Darüber hinaus gibt es eine Menge Nebencharaktere, von denen ich zwei betonen möchte. Wir haben einmal Varina, die Tochter des Plantagenbesitzers. Sie ist etwa gleich alt wie Rue und die beiden werden Freundinnen, wobei Rue natürlich den Statusunterschied zwischen ihnen nie vergessen darf. Varina wird für die Handlung sehr essenziell und ich war schockiert davon, welche Dinge ihr im Verlaufe des Buches geschehen. Über Varina wird ein Blick darauf geworfen, dass auch die weiße Frau zu dieser Zeit nicht sicher war, das Thema der Herrschaft der Männer über die Frauen wird aber auch an anderen Stellen sehr sichtbar.

Dazu kommt dann Bean. Er ist das Baby mit den schwarzen Augen, das Rue hilft auf die Welt zu bringen. Die anderen Dorfbewohner sehen in ihm ein schlechtes Omen, das sich zu bewahrheiten scheint, als alle anderen Kinder krank werden und viele sterben. Rue hat jedoch eine sehr seltsame und tiefe Bindung zu diesem Kind und will alles tun um ihn zu schützen. Es gibt dann einige sehr schockierende Wendungen zu diesem Kind, sodass ich nicht mehr sagen möchte.

Rue hat außerdem eine seltsame Konkurrenz zu Bruh Abel, dem Schwarzen Prediger, der alle paar Monate in ihrem kleinen Dorf auftaucht. Dieser beginnt alle möglichen Leute zu taufen, auch kleine kranke Kinder, was Rue nicht zulassen will. Doch er bringt auch etwas Neues in den Ort, vielleicht eine Idee von dieser neuen Freiheit. Und einen neuen Gott, der nicht nur will, dass Schwarze als Sklaven für die Weißen arbeiten. Ich liebe solche Rivalitäten zwischen Frauen, die eher eine naturbasierte Magie verwenden, und Männern, die das Wort Gottes verbreiten. Das ist eines meiner Lieblingsdinge in Geschichten.

In diesem Buch steckt so viel, dass ich am liebsten tagelang darüber schreiben möchte. Aber am besten wäre es natürlich, wenn ihr es selbst lest. Daher komme ich noch kurz zum Ende. Ich konnte das Buch für die letzten 100 Seiten nicht aus der Hand legen. Ich war total gefangen in dieser Geschichte, und es werden dann so viele Geheimnisse ans Licht gebracht und Lügen aufgedeckt, dass plötzlich alles zusammenpasst. Ich fand das wirklich großartig gemacht. Es macht auch völlig den etwas langsamen Start wett. Ich kann das Buch also wirklich nur empfehlen.

Insgesamt haben wir in diesem Buch also eine sehr komplexe aber sympathische Hauptfigur, sehr interessante und von äußeren Umständen beeinflusste Beziehungen zur Mutter, aber auch zu anderen Menschen in der Community, viele schlimme Dinge, die zur Zeit der Sklaverei vermutlich nicht selten waren, und ein Netz aus Lügen und Geheimnissen, das am Ende zusammenbricht. Wenn euch das nicht zum Lesen bewegt, dann weiß ich es auch nicht. Mich hat das Buch voll überzeugt!

Bis bald,

Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:



Sonntag, 1. Mai 2022

Listening to the Orchestra


Hallo meine Lieblingsleser,

heute möchte ich nach langer Zeit mal wieder von Kurzgeschichten berichten. Diese habe ich für den Magical Readathon gelesen, weil mir noch ein Buch fehlte und keine Zeit mehr blieb. Das Buch habe ich im Bücherladen für gebrauchte Bücher entdeckt. Ich finde die Autorin sehr talentiert, aber von diesem Buch hatte ich noch nie gehört. Also habe ich es damals mitgenommen.

Die Fakten:

  • Autor: Susan Hill
  • Titel: Listening to the Orchestra and other stories
  • Erschienen: 1996
  • Verlag: Long Barn Books
  • Seiten: 72
  • Preis: nur gebraucht zu kaufen
  • Klappentext: "A seaside resort... afternoon music... a child and a blind man... a city in Europe... a village in Ireland..."

Wie immer sage ich kurz etwas zu jeder Geschichte und dann meine abschließenden Gedanken.

  • Listening to the Orchestra
In dieser Geschichte folgen wir einer Erzählerin, die sich offensichtlich von ihrem Leben abgesetzt hat und nun in einem Hotel an der Küste arbeitet. Dort trifft sie auf Myrna, eine Frau, die sehr viel über sie zu wissen scheint und ihr ein verlockendes Angebot macht. Ich habe ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden, worum es geht. Ich mag den Schreibstil sehr und die kreierten Bilder, aber eine Handlung oder Aussage konnte ich nicht erkennen. Ich gebe der Geschichte 3 Sterne.
  • The Brooch
In dieser Geschichte folgen wir einem Mädchen, das regelmäßig ihre Tante und ihren blinden Onkel besucht. Als Kind ist sie fasziniert von der Idee, dass ihr Onkel mit seiner Blindheit so gut leben kann, dass niemand merkt, dass er blind ist. Er ist gut mit Zahlen und hat ein unglaubliches Gedächtnis. Doch als sie erwachsen wird, sieht sie, dass Kinder manchmal alles glauben. Irgendwie mag ich den Ton der Geschichte, sie ist toll geschrieben, aber auch hier fehlt mir wieder ein bisschen Verständnis. Vermutlich sind die Geschichten etwas zu kurz für mich. Ich gebe ihr 4 Sterne.
  • Elizabeth
In dieser Kurzgeschichte folgen wir auch einem jungen Mädchen. Als sie mit ihrem Bruder von der Schule nach Hause geht, erzählt ein Junge ihnen, dass ihre Eltern in der Stadt beim Arzt waren. Das ist eine sehr ungewöhnliche Sache, denn der Arzt ist sehr weit weg und die Familie hat kaum Geld. Doch Zuhause angekommen schlägt der Vater plötzlich einen Urlaub vor. Ich mochte diese Geschichte sehr, sie hätte noch länger sein können, aber ich gebe dennoch 5 Sterne.
  • Antonyin's

Die letzte Geschichte ist die einzige aus Sicht eines Mannes. Dieser nimmt einen unattraktiven Job in einem osteuropäisch-erscheinenden Landstrich an. Dort lebt er zurückgezogen aber nicht unglücklich. Nur das Essen behagt ihm gar nicht. Durch einen Tipp eines Kollegen und eine Verirrung findet er aber ein Café, in dem er sich heimisch fühlt, bis eine seltsame Frau auftaucht, die es scheinbar auf ihn abgesehen hat. Auch hier mochte ich den Ton der Geschichte und dieses Unentrinnbare. Das Ende hat auch irgendwie was, und diese Geschichte kann man sicherlich gut auseinandernehmen und analysieren. Ich gebe ihr 4 Sterne.

Insgesamt hat mir diese Kollektion gut gefallen. Die Geschichten sind zwar etwas zu kurz für meinen Geschmack, aber ich liebe den Schreibstil der Autorin und abgesehen von der ersten Geschichte haben mir alle etwas mitgegeben. Susan Hill schreibt sehr atmosphärisch und mit sehr unattraktiven Charakteren, denen man trotzdem etwas abgewinnen kann. Wenn ihr das Buch mal irgendwo seht, würde ich es empfehlen. Und meine Version ist sogar signiert.

Wie steht ihr zu solchen kleinen Geschichtensammlungen?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 22. April 2022

Das Buch der Königin

Wie begrüßt man denn historisch richtig? 

Gerade bei einem historischen Roman wäre das ja ganz schön. Auch wenn ich die Geschichte erst gestern beendet habe, fallen mir nur noch so Sätze ein wie "Ihr habt nach mir gerufen?" und das ist hier nicht so richtig sinnvoll. Wir könnten starten mit - ihr wollt etwas erfahren? Nein, lieber nicht.

Fakten:

  • Autorin: Sabine Weigand
  • Historischer Roman
  • 2015 erschienen
  • 464 Seiten
  •  Fischer Taschenbuch
  • Preis: 9,99€

Klappentext:

"Es ist die berühmteste Geburtsszene des Mittelalters: Konstanze, Frau des deutschen Kaisers Heinrich VI., vierzigjährig, als unfruchtbar verschrieen, hochschwanger. Um jeden Preis muß sie die Legitimität ihres Kindes sicherstellen. Und so bringt sie ihren Sohn öffentlich, auf dem Marktplatz von Jesi, zur Welt. Die Nachwelt kennt sie als Mutter des Stauferkaisers Friedrich II. Aber welcher Weg liegt wirklich hinter Konstanze von Sizilien? Wem gehört ihre Treue: ihrer Heimat Sizilien oder ihrem Mann, dessen Grausamkeit sie entsetzt?"

Kurzer Einwurf, als die liebe Kitty mir zu Weihnachten den dritten Band der Nevermoor-Reihe geschenkt hat und wir dann in meinem Bücherregal festgestellt haben, dass der wieder eine andere Größe hat, haben wir uns kurz darüber aufgeregt und als ich gerade die Fakten aus dem Internet abschrieb, habe ich gesehen, dass die Maße bei manchen Verkaufsportalen stehen - ist das schon immer so? Und hat schon mal jemand von euch ein Buch abgemessen? Das einzige Mal wo ich das mal gemacht und da dann eben auch gebraucht hatte oder besser wissen wollte - war bei der durchschnittlichen Tiefe von Büchern um ein passendes Bücherregal zu kaufen, da ist es mir ganz persönlich zum Beispiel sehr wichtig, das nicht so viel vertaner Raum bleibt und Buch hinter Buch ist jetzt auch nicht so mein präferiertes Mittel. Aber das nur mal so nebenbei.

Dieses Buch ist für mich tatsächlich eher untypisch, denn es handelt sich um so ein richtiges historisches Buch, nicht nur so ein bisschen und dann mit Liebesgeschichte verbaut oder mit Fantasy gespickt, nein nein, so ein richtiger klassischer historischer Roman, wie sie manche lieben - ich eher weniger. Warum ich dieses Buch dann gewählt habe? Ja wegen des Titels. Der klingt nämlich voll nach mir =D Ihr wisst schon wie ich es meine.

Dafür, dass dieses Buch eine durchschnittliche Länge hat, hat es sich bei mir schon etwas gezogen und ist voll gepackt mit Handlung. Grundsätzlich ja ein super Zeichen, denn dann ist es ja auch fesselnd.

Was ich irgendwie gar nicht so toll fand, war der Prolog, denn ja, der ist was er sagt - das Ergebnis der Geschichte und ich mag schon selbst auf Enden von Geschichten hin arbeiten und auch wenn es total berechenbar ist, das auch als Ende erleben und mich freuen und das nicht gleich zu Beginn so serviert bekommen. Klar wollte ich wissen, wie es weitergeht bzw. wie die Geschichte überhaupt geht und bin deswegen am Ball geblieben, aber liebe Autorinnen und Autoren, macht sowas doch nicht, das ist doch doof - oder seh nur ich das so? Meine Mama hat mir erzählt, dass sie schon oft die letzten Seiten eines Buches liest, aber das ist ja dann eine ganz bewusste Entscheidung.

Ich glaube wir spielen im 19. Jahrhundert. Wir befinden uns im heutigen Italien und den Gebieten drumherum. Die Kirche spielt hier eine Schlüsselrolle, denn sie krönt und legt damit den Machthaber fest. Dieser wird eigentlich vererbt, doch es kommt zu dem Moment wo es keinen "alten" Herrscher mehr gibt, sondern nur dessen Nachkommen, der noch ein Kleinkind ist, also nicht in die Fußstapfen treten kann. Dieser Machtkonflikt ist auch der zentrale Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Wir wechseln immer mal die Perspektiven, verfolgen das Geschehen aber hauptsächlich durch die Königin. Also zumindest die Frau die im Titel gemeint ist.

Geschichtlich erfährt man einiges über Kriegsstrategie der damaligen Zeit, Erziehungsmethoden oder besser wie familiäres Leben in solchen hohen Positionen abläuft und auch den Buchdruck bzw. die Entstehung von Büchern zu dieser Zeit. Letzteres war ja genau mein Ding und ich war einfach nur fasziniert von dieser Detailliertheit. Wie Texte und Bilder entstehen, welche Farben genutzt wurden und wer überhaupt schreiben und lesen konnte. Auch der Rang und auch das Ansehen dieser Personen und hach. Natürlich gibt es da drumrum auch Intrigen und böswillige Aktionen. Während der ganzen Geschichte entsteht auch ein Buch. 

Der Hauptcharakter ist die besagte irgendwie Königin. Sie ist für die Zeit ziemlich emanzipiert zumindest in ihrem Denken, wenn auch nicht im Handeln, denn da bestimmt ihr Mann schon hauptsächlich. Doch mit ihrem Wissen, den Erfahrungen und auch der Art wie sie auf diejenigen zugeht, mit denen sie hofft, zusammen arbeiten zu können, schlägt sie sich sehr gut und schafft es ihre Ziele zu erreichen. Auch ihre Liebelei scheint mir für die Zeit eher ungewöhnlich.

Die männlichen Figuren im Buch sind bis auf den Buchschreiber alle irgendwie seltsam. Ist im Kontext des Buches vielleicht auch Absicht um die Frau eben herauszustellen. Sowas finde ich aber immer sehr schade, denn doofe Charaktere zu bauen, nur um eine besonders und sympathisch werden zu lassen.

Empfehlen möchte ich das Buch vor allem Liebhabern von historischen Romanen, aber auch denen, die an solchen Details wie der Buchentstehung interessiert sind. Es ist jetzt weder ein besonders romantisches, noch ein sonderlich dynamisches Buch, es ist aber definitiv sehr solide und nicht langweilig. 

Was vielleicht noch ungewöhnlich ist, ich dachte immer historische Romane sind eher Reihen, das hier ist ein Einzelband. Kennt ihr da noch mehr? Vielleicht ist das ja ein neu entdecktes Genre für mich,

eure Blue Diamond.



Mittwoch, 20. April 2022

Die Philosophie im Boudoir


Hallo meine Lieblingsleser,

heute kommen wir zu einem etwas seltsamen Buch, das nicht so ganz meinem normalen Lesegeschmack entspricht. Ich habe vor vielen Jahren den Film Quills gesehen und daraufhin einige Bücher von de Sade bestellt. Justine und Juliette hatte ich dann auch gelesen und hier vorgestellt, aber die anderen beiden Bücher, die ich gekauft hatte, verstaubten in meinem Regal. Dieses Jahr will ich allerdings meine ungelesenen Bücher im Regal drastisch reduzieren und haben deswegen nun das erste Buch von de Sade in vielen Jahren gelesen.

Die Fakten:

  • Autor: Marquis de Sade
  • Titel: Die Philosophie im Bourdoir (Original: La philosophie dans le boudoir)
  • Erschienen: 2006 (erstmals 1795)
  • Verlag: area verlag
  • Seiten: 798 (Großdruck)
  • Preis: 7,95 (andere Ausgabe)
  • Klappentext: "Skandalös, anstößig, unmoralisch - Die Philosophie im Boudoir von Donatien Alphonse Francois, Marquis de Sade (1740-1814) provozierte und schockierte nicht nur zu Lebzeiten des Autors, sondern wirkt auch heute noch mehr als freizügig. Das Werk handelt von der sexuellen und geistigen Erweckung eines jungen, noch unschuldigen Mädchens, dessen Verführer ihm ausführlich und ohne jedes Tabu zu Diensten stehen - auf der ungehemmten, zügellosen und gewalttätigen Suche nach immer mehr Lustgewinn."

Zur Handlung: Zu Beginn dieses Buches begegnen wir Madame de Saint-Ange und ihrem Bruder Chevalier. Die beiden Planen einen Abend voller Ausschweifungen, zu dem Madame de Saint-Ange auch ein junges Mädchen eingeladen hat, dass sie zu ihrer Art des Lebens verführen will. Daher hat sie ihren Bruder gebeten, einen gewissen Dolmancé einzuladen, der zwar eigentlich nur auf Männer steht, aber für den vorgesehenen Unterricht gern eine Ausnahme macht.

Kurz darauf erscheint das Mädchen, Eugenie, und ist zunächst etwas erschrocken, aber bald Feuer und Flamme für das, was sie hier lernen soll. Was mit Madame de Saint-Ange und Dolmancé beginnt, weitet sich immer mehr aus, bis schließlich Eugenies Mutter auftaucht, um dem ganzen Treiben ein Ende zu setzen. Wird sie ihre Tochter vor all dieser Lust noch retten können?

Die Geschichte entblättert sich hier in Dialogen, ist also eigentlich wie ein Theaterstück geschrieben. Wir haben die Dialoge und gelegentlich Regieanweisungen. Das ist nicht gerade ein Stil, den ich gern lese, und ich hätte auch lieber einen Roman gehabt, aber so ist es ja manchmal. An Justine und Juliette kam dieses Buch deshalb schon für mich nicht heran.

Die Handlung hat mich aber sehr stark an den Charakter Justine in Penny Dreadful erinnert. Wenn ihr mich kennt, wisst ihr, dass das eine meiner absolut liebsten Serien ist. In der Serie gibt es in der finalen Staffel ein junges Mädchen namens Justine, das von Dorian Gray und Lilly, der Schöpfung Frankensteins, in die Welt von Lust und Gewalt eingeführt wird und bald die Lehrmeister zu übertrumpfen scheint. Mir war schon lange klar, dass die Figur der Justine an de Sades Werk inspiriert ist, allerdings ist der Einfluss der Eugenie wirklich unverkennbar. Wenn euch dieser Aspekt in Penny Dreadful also gefallen hat, ist vielleicht auch dieses Buch interessant.

Die wichtigsten Charaktere sind Eugenie - zunächst Unschuld und Lernende, die aber sehr schnell in den Lehren aufgeht; Madame de Saint-Ange, die Lehrerin, die aber durch den Sodomisten Dolmancé in den Hintergrund gerät und eher seine Assistentin ist; und Dolmancé selbst, der in einer Tour philosophische Reden schwingt und Menschen durch die Hintertür vögelt. Daneben haben wir noch Chevalier, der aber zu gutherzig für die Gesellschaft ist und eher wegen seines Glieds eingeladen wird, und Augustin, einen jungen Diener, der helfen darf. Schließlich kommt am Ende Eugenies Mutter dazu, die ihre Tochter retten will.

All diese Charaktere erfüllen klare Rollen und es geschieht im Verlaufe des Buches keine große Entwicklung. Am Anfang ist Eugenie noch etwas schamhaft, aber man kann hier nicht sagen, dass sie groß überredet werden muss. Sie will ganz eindeutig auch einfach gefallen. Alles spielt sich hier im Laufe eines Nachmittags ab. Ich fand die Charaktere jetzt nicht sehr interessant, sondern war eher für die Lustspiele da.

Nebenher wird im Buch viel philosophiert. An einer Stelle liest Chevalier ein Pamphlet vor, dass fast ein Viertel des ganzen Buches einnimmt. Dabei wird vor allem der christliche Glaube und die Idee von Religion kritisiert, weiterhin die Vorstellung, dass es Verbrechen gäbe, die bestraft werden müssten. Alles wird immer von "der Natur" her gedacht, und was natürlich ist, dürfe von der Gesellschaft nicht verboten werden. Dabei driftet es manchmal in eine Sozialdarwinistische, manchmal in einer liberale Richtung ab, die leicht an die Ideen der Republikaner in den USA erinnert. Dabei wird die Republik nicht als Zusammenschluss demokratischer Bürger verstanden, die gemeinsam für eine gute Gesellschaft arbeiten, sondern eher als Vereinigung egoistischer Bürger, die durch gemeinsame Ziele, wie die Verbreitung ihrer Ideologie z.B. durch Kriege, zusammengehalten wird. Dafür braucht es willensstarke, kräftige Bürger, die sich nicht durch Religion oder Mitgefühl verweichlichen lassen. Es ist schon interessant sowas zu lesen, aber entspricht nicht wirklich meiner Weltsicht und wird dann auch etwas zu viel wiederholt in diesem Buch. Auch Elternschaft und vor allem Mutterschaft kommen hier nicht gut weg.

Die Orgien, die beschrieben werden, sind alle sehr strukturiert. Dabei fand ich es schade, dass der Stil des Dialogs natürlich wenig Raum für Beschreibungen lässt. Man liest die Anweisungen zumeist von Dolmancé, wer wo zu stehen und was wo reinzustecken haben, dann liest man ein paar Oh mein Gotts von allen Beteiligten, und dann wird weiter philosophiert. Darauf solltet ihr euch einstellen. Trotzdem fand ich schon einige Szenen ganz reizend.

Alles in allem ist das sicher kein Buch für jeden. Es konnte mich auch nicht völlig überzeugen. Die Mischung aus Sex und Philosophie kann reizvoll sein, aber auch zu sehr in eine Richtung ausschlagen. De Sade findet da nicht immer die goldene Mitte. Daher war es mir auch hier zu viel Geschwafel und zu wenig Action. Aber andere mögen es vielleicht deswegen umso mehr. Wenn ihr aber jetzt denkt, Mensch, mal ein ganz anderer Klassiker als früher in der Schule, dann habe ich vielleicht etwas Gutes getan. Auf jeden Fall was das Buch sehr schnell und gut lesbar.

Habt ihr denn schon de Sade gelesen? Und seid ihr Eroktik gegenüber offen?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 17. April 2022

Normal People


Hallo meine Lieblingsleser,

heute soll es um ein Buch gehen, bei dem ich immer ein wenig Angst hatte es zu lesen. Viele Leute lieben es, aber einige finden es auch total bescheuert, und die häufigste Kritik ist wohl, dass die Autorin keine Anführungszeichen nutzt. Ich wusste einfach nicht, ob dieses Buch etwas für mich ist, da ich inzwischen auch etwas älter bin als die Protagonisten. Dann habe ich es aber zum Geburtstag bekommen und wollte mich nun nicht länger davor drücken.

Die Fakten:

  • Autor: Sally Rooney
  • Titel: Normal People (dts. Normale Menschen)
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Faber & Faber
  • Seiten: 266
  • Preis: 8,99 Euro
  • Klappentext: "Connell and Marianne grow up in the same small town in the west of Ireland, but the similarities end there. In school, Connell is popular and well-liked, while Marianne is a loner. But when the two strike up a conversation - awkward but electrifying - something life-changing begins."

Zur Handlung: Connell ist sehr auf sein Ansehen in der kleinen Community in Irland, in der er lebt, fokussiert und möchte gern von allen gemocht und respektiert werden. Das gelingt ihm als guter Schüler und talentierter Sportler auch. Er hat viele Freunde und einige Verehrerinnen. Was niemand wissen soll, ist, dass seine Mutter für Marianne's Familie putzt und Connell daher immer wieder auf Marianne trifft.

Marianne dagegen schert sich nicht um ihr Ansehen in der Schule. Sie ist unglaublich schlau und hält sich daher für besser als alle anderen. Doch Connell findet sie spannend, und während er auf seine Mutter wartet, die er nach Feierabend abholt, beginnt Marianne Gespräche mit ihm, die meist nicht weit führen. Doch auch Marianne hat ein großes Geheimnis: sie will nicht, dass jemand merkt, wie schlecht sie in ihrem eigenen Zuhause behandelt wird.

Dieses Buch folgt hauptsächlich der komplizierten Beziehung von Marianne und Connell. Dabei betrachten wir schlaglichtartig verschiedene Momente, die meistens ein paar Monate auseinanderliegen, sodass wir in dem recht kurzen Buch doch einige Jahre abdecken. Zu Beginn sind beide noch in der Oberstufe, am Ende geht es darum, was nach dem Bachelorstudium geschieht. Ich bin ja nicht so Freund von Zeitsprüngen, aber der Erzählstil hat trotzdem ganz gut funktioniert.

Marianne als Hauptfigur kann ein bisschen anstrengend sein, gerade am Anfang hält sie sich für sehr überlegen und man weiß nicht so richtig, was mit ihr los ist. Nach und nach erfährt man aber immer mehr darüber, unter welchen Umständen sie aufgewachsen ist, und dass eine reiche Familie keine gute Familie sein muss. Das fand ich dann schon sehr verstörend und wollte einige Charaktere auch gern schlagen. Wo ist Will Smith, wenn man ihn braucht? Trotzdem fand ich es schwierig zu verstehen, warum sich Marianne nie um Selbstständigkeit bemüht, gerade weil sie so eine schlimme Situation hat. Ich will hier nicht zu viel spoilern, aber sie ist einfach sehr passiv, und das macht auch Sinn, aber ist dennoch frustrierend mit anzusehen.

Connell ist dagegen mit seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, die sehr schlau und auch liebevoll ist und ihn meines Erachtens gut erzogen hat. Er hat seinen Platz in der Gemeinschaft dieser kleinen Stadt und ist angesehen. Doch die Bekanntschaft mit Marianne öffnet in ihm ein Verlangen vielleicht aus diesem Bahnen auszubrechen. Auf dem College merkt er dann aber, dass er da nicht hinpasst mit seinem sozialen Hintergrund. Trotzdem zeigt er schulisch Höchstleistungen. Auch er hat gegen Ende des Buches ein paar Probleme, die er aber progressiv angeht. Er ist der aktivere Part, was ihn allerdings nicht davor bewahrt manchmal ein Trottel zu sein.

Die Beziehung der beiden ist ein einziges Hin und Her, und darauf sollte man eingestellt sein. Das ist hier ist keine typische Romanze, wo am Ende dann alles gut ausgeht. Die Fehlkommunikation zwischen den beiden ist teilweise auch unglaublich frustrierend. Gleichzeitig sind das hat Leute Anfang 20, die keine Ahnung vom Leben haben, und das merkt man. Nun bin ich sehr froh, diese Phase hinter mir zu haben, und mag nur selten daran erinnert werden. 

Ein Fokus des Buches liegt auf mentaler Gesundheit. Bei Marianne sehen wir die (selbst-)zerstörerischen Effekte, die Depressionen mit sich bringen können, was sich auch in ihrem Essverhalten niederschlägt. Aber auch ihre Beziehungen abseits von Connell sind von ihrem schlechten Selbstwertgefühl und ihrer Vergangenheit der Demütigung geprägt. Das ist nicht immer leicht zu lesen, da sie sich immer wieder selbst in Situationen bringt, die absolut ungesund sind, oder diesen nicht zu entkommen versucht. Connell dagegen leidet später im Buch an Angstzuständen und sucht sich dafür dann auch professionelle Hilfe. Allerdings muss ich sagen, dass dies jetzt nicht als etwas Positives oder Erfolgreiches dargestellt wird. Daher würde ich das Buch niemandem empfehlen, der selbst mit seiner mentalen Gesundheit hadert. Ich habe das Buch als triggernd empfunden und war froh, dass ich mental gerade in einem recht guten Zustand bin.

Was ich von dem Buch stärker erwartet hatte, war die Auseinandersetzung um Klasse. Marianne, die reiche Tochter, Connell, der arme Sohn. Leider bleiben solche Diskussionen absolute Randphänomene, die sich auch meist nur auf "Schämst du dich für mich?" oder "Vielleicht bist du nicht gut genug für sie" beschränken. Dabei kämpft Connell sehr stark damit, dass er am College nicht reinpasst durch seine Herkunft, aber es wird nie groß genutzt für eine Auseinandersetzung mit dem Thema. Es ist eher der Grund, warum er sich seltsam verhält oder kein Selbstvertrauen in manchen Momenten hat. 

Mein Lieblingscharakter war dann Connells Mutter, die nicht nur die besten Sätze im Buch sagt und manchmal mit sehr viel Geduld sehr dumme Sachen von Connell anhört. Ganz ehrlich, ein Buch über sie hätte mir 10x besser gefallen, sie hat bestimmt einiges zu erzählen. Stattdessen kriegen wir diese beiden weinerlichen, wenn auch teilweise echt traumatisierten Kiddies.

Der Schreibstil des Buches war mir sehr angenehm. Es war leicht zu verstehen und zu folgen, und mir haben auch die Anführungszeichen jetzt nicht gefehlt. Das kann man sich alles über den Zusammenhang erschließen. Trotzdem muss man bei dem Buch einfach sagen, dass häufig Form über Substanz geht, und dieses Buch durch seinen Ausdruck und die angerissenen Themen versucht mehr zu sein, als es ist.

Kann ich das Buch jetzt weiterempfehlen? Nicht wirklich. Ich glaube, diejenigen, die es interessiert, haben es inzwischen gelesen oder die Serie geschaut. Und viele Leute interessiert so eine Geschichte nicht, und das finde ich total nachvollziehbar. Ich bin froh, dass ich es gelesen habe, und mir haben Teile auch gut gefallen, aber einiges bleibt einfach sehr flach. Es ist eben ein Buch für Millenials.

Habt ihr das Buch gelesen? Was waren eure Gedanken dazu?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 13. April 2022

Wild Women and the Blues


Hallo meine Historienleser,

ich glaube viele von uns lieben Geschichten, die auf zwei Zeitebenen spielen und damit ein gewisses Level von Mystery beinhalten. Daher erschien mir dieses Buch sehr vielversprechend. Darüber hinaus spielt der historische Part in den 20ern, was eine Zeitperiode ist, die ich einfach faszinierend finde. Deswegen habe ich erwartet, dass dieses Buch ein neuer Liebling wird.

Die Fakten:

  • Autor: Denny S Bryce
  • Titel: Wild Women and the Blues
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Kensington Books
  • Seiten: 358
  • Preis: 14,85 Euro
  • Klappentext: "1925: Chicago is the jazz capital of the world, and the Dreamland Café is the ritziest black-and-tan club in town. Honoree Dalcour is a sharecropper's daughter, willing to work hard and dance every night on her way to the top. Dreamland offers a path to the good life, socializing with celebrities like Louis Armstrong and filmmaker Oscar Micheaux. But Chicago is also awash in bootleg whiskey, gambling, and gangsters, And a young woman driven by ambition might risk more than she can stand to lose. 2015: Film student Sawyer Hayes arrives at the bedside of 110-year-old Honoree Dalcour, still reeling from a devastating loss that has taken him right to the brink. Sawyer has rested all his hope pn this frail but formidable woman, the only living link to the legendary Oscar Micheaux. If he's right - if she can fill in the blanks in his research, perhaps he can complete his thesis and begin a new chapter in his life. But the links Honoree makes are not ones he's expecting... Piece by piece, Honoree reveals her past and her secrets, while Sawyer fights tooth and nail to keep his. It's a story of courage and ambition, hot jazz and illicit passions. And as past meets present, for Honoree, it's a final chance to be truly heard and seen before it's too late. No matter the cost..."

Zur Handlung: Es ist 1925, Jazz ist überall, die Prohibition treibt die Menschen in zwielichtige Lokale zu illegalem Alkohol und junge Frauen haben die Chance als Tänzerinnen oder Schauspielerinnen große Persönlichkeiten zu werden. Dieses Schicksal hat sich auch Honoree Dalcour als Ziel gesetzt, nachdem ihre Jugendliebe und ihre Mutter sie in Chicago sitzen gelassen haben. Sie will eine große Tänzerin werden, und hat nun vielleicht die Chance dazu.

Doch am Abend, an dem Honoree einen großen Schritt richtig Ruhm wagt, wird ein Mann vor ihren Augen ermordet und Honoree gerät ins Visier sehr gefährlicher Männer. Sie muss feststellen, dass in dieser glitzernden Welt ein dunkler Untergrund existiert, und dass all die feucht-fröhlichen Partys nicht ohne Schmuggler und Kleinkriminelle möglich sind. 90 Jahre später bietet sich ihr die einmalige Chance, ihre Geschichte mit Wahrheit zu füllen und Gehör dafür zu finden.

Ich hatte mir sehr viel von diesem Buch versprochen, weil es ein wenig nach Evelyn Hugo klang, aber eine Schwarze Hauptfigur hat. Allerdings ist dieses Buch dann doch anders gewesen, als ich erwartet hatte. Leider ist der Glitz und Glamour der 20er Jahre hier nur eine Randerscheinung und wir widmen uns viel mehr der dunklen Seite der Schmuggler, Diebe und Mörder. Es geht um Banden und ihre Kriege untereinander. Honoree wird durch einen unglücklichen Abend mitten hineingezogen. Da ich das einfach nicht erwartet hatte, hat mir das Buch dann auch nicht so gut gefallen. Ich wollte etwas anderes.

Honoree als Hauptfigur mochte ich. Man muss hier stark zwischen ihr als junger Frau und als alter Frau unterscheiden. Ich mochte die junge, ambitionierte und willensstarke Honoree. Sie versucht unabhängig zu sein in einer Zeit, als das für Frauen nicht vorgesehen war. Ich mag, wie sie sich den Herausforderungen stellt, und ich hatte nie das Gefühl, dass sie sich dämlich anstellt oder etwas ähnliches. Als alte Frau mochte ich sie prinzipiell auch, aber es ist schon ein ganz anderer Charakter und am Anfang viel es mir schwer mir vorzustellen, dass das die gleiche Figur ist. Das legt sich dann aber.

Die zweite wichtige Figur ist Sawyer in der 2015-Zeitebene. Als erstes hat mich irgendwie gestört, dass das ein Mann ist. Ich weiß auch nicht, warum ich damit nicht konnte. Vielleicht weil Honoree als starke Schwarze Frau am Ende wieder einen Mann braucht, der ihr endlich mal zuhört? Naja. Aber ganz ehrlich gesagt hätte ich die ganze 2015-Zeitebene einfach gelöscht. Sie trägt nichts zur Geschichte bei, stattdessen spoilert sie teilweise die Twists in der 20er-Zeitebene. Ich fand die Hintergrundgeschichte zu Sawyer auch total uninteressant und es hat mich immer wieder aus der Handlung gerissen, die mich tatsächlich interessiert hat. Außerdem gibt es keine harmonische Verknüpfung der Zeitebenen. Es ist nicht so, dass wir Honoree tatsächlich dabei sehen, wie sie die Geschichte erzählt. Es war nicht meins.

Daneben gibt es noch einige andere wichtige Charaktere. 2015 ist das eine Schwester, die sich im Pflegeheim um Honoree kümmert und aus irgendwelchen Gründen Chemie mit Sawyer haben muss. In der 20er-Zeitebene haben wir verschiedene andere Tänzerinne, mit denen sich Honoree mehr oder weniger gut versteht. Wirklich wichtig davon ist eigentlich nur Bessie, die dann auch ihre Mitbewohnerin wird. Bessie hat eine sehr tragische Geschichte, aber ich fand sie als Charakter häufig anstrengend, weil sie irgendwie so an Honoree dranhängt und wenig eigene Handlungsfähigkeit bekommt. 

Und dann ist da noch Ezekiel, Honorees Jugendliebe, der unerwartet und stark verwandelt nach Chicago zurückkehrt. Ich mochte einige Szenen zwischen den beiden sehr - wir haben hier eine lovers to enemies to friends to lovers-Dynamik. Gleichzeitig fand ich es ein wenig schade, wie vage die Gründe für seine Entscheidungen bleiben, denn hier hätte man den Thrill definitiv noch ein bisschen mehr aufdrehen können. Verbunden damit ist auch Honorees ehemaliger Arbeitgeber und dessen Bruder, die beide sehr gewalttätig gegenüber Frauen sind, was wir teilweise auch on page erleben (sexuelle Gewalt wird allerdings nicht explizit beschrieben, aber es ist klar, wann sie auftaucht). Echt eklige Typen.

Zur Handlung möchte ich eigentlich nur sagen, dass ich etwas anderes erwartet hatte. Eine Szene mit Celebrities, die uns im Klappentext versprochen werden, gibt es eigentlich nur einmal, und mir erschien dies auch alles sehr unlogisch. Es hat gar nicht zusammengepasst. Dieser Teil schien mir als Aufhänger für die Story zu dienen, aber nicht wirklich als Teil davon (irgendwie musste es halt ein Video mit Honoree von Micheaux geben, zu dem Sawyer sie befragen will). Ansonsten geht es viel um Gewalt, um Schmuggel und Glückspiele, um Banden und Kriminelle, um Leben und Tod. Wenn ihr euch mehr auf Mafiosos als auf Gatsby einstellt, gefällt euch das Buch sicher besser. Ein paar Kommentare zum Rassismus der Zeit gibt es auch, aber das bleibt doch recht im Hintergrund.

Das Cover finde ich übrigens nach wie vor absolut toll, und es gibt eine Szene, in der die Hauptfigur wirklich genauso aussieht, wie man es auf dem Cover sehen kann. In der Hinsicht bleibt es ein Hingucker.

Das Ende konnte mich dann auch nicht recht überzeugen. Es wird dann irgendwie alles abgerollt, Sawyer bekommt irgendwie sein Happily Ever After, und dann folgt ein Epilog, der in den 40er Jahren spielt. Ich kann hier nicht zu viel sagen, ohne zu spoilern, aber dass die Geschichte in der Vergangenheit durch einen Epilog beendet werden muss, zeigt einfach, wie schlecht die beiden Zeitebenen aufeinander abgestimmt wurden. Da hat einfach was nicht hingehauen.

Alles in allem kann ich euch das Buch empfehlen, wenn euch Jazz, aber eben vor allem die dunkle Seite und solche mafiösen Strukturen interessieren. Wenn ihr wie ich für Glitz und Glamour hier seid, ist es eher enttäuschend. Ich habe auch nicht wirklich etwas über das Jazz Age oder Oscar Micheaux gelernt, was ich mir auch erhofft hatte von diesem Buch. Die Charaktere sind interessant, aber die 2015-Storyline durchbricht immer wieder den Flow und stört leider einfach nur.

Habt ihr denn glitzigere 20er-Bücher zu empfehlen?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 10. April 2022

The Stone Sky


Hallo meine Fantasyfreunde,

so schnell geht es Wochenende zu Ende, denn wir sind nun schon beim letzten Band dieser tollen Reihe. Ich hatte wirklich ein bisschen Angst davor, dass das Buch die Reihe nicht zu einem grandiosen Abschluss bringen kann, aber gleichzeitig habe ich so viel für diese Charaktere gefühlt, dass ich einfach wissen musste, wie es ausgeht.

Die Fakten:

  • Autor: N K Jemisin
  • Titel: The Stone Sky (dts. Steinerner Himmel)
  • Reihe: Broken Earth Trilogy 3
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Orbit
  • Seiten: 398
  • Preis: 9,99 Euro
  • Klappentext: "The final season falls. Essun has mastered the Obelisk Gate. But halfway across the Stillness a pretender rises: Nassun. As the icy white eye of the Moon opens above the world, ancient battle lines are redrawn between mother and daughter, stone eater and orogene, slave and rebel. The destruction of humankind - or something worse - looms nigh."

Zur Handlung: Nachdem Essun das Obelisk Gate geöffnet hat und Castrima dabei zerstört wurde, sind die Überlebenden auf der Flucht. Ihr Ziel ist eine verlassene Stadt im Zentrum des Kontinenten. Als Essen wieder zu sich kommt, muss sie feststellen, dass ihre Verwandlung begonnen hat, denn kein menschliche Körper kann die Kraft verarbeiten, die durch sie geflossen ist. In den folgenden Tagen muss Essun sich die Frage stellen, ob sie weiter nach ihrer Tochter suchen soll, oder ihre Aufgabe beenden soll, die die Welt vielleicht retten kann.

Nassun musste eine der schwersten Entscheidungen treffen und nun mit den Folgen klarkommen. Doch Schaffa ist nach wie vor an ihrer Seite, und das macht es leichter für sie. Die Geschehnisse bestärken sie nur noch weiter darin, dass diese Welt nicht mehr zu retten ist. Zum Glück weiß sie, wie sie all das Leid beenden kann, und nun macht sie sich auf den Weg.

In diesem letzten Band bekommen wir noch einmal eine neue Perspektive. Wir folgen Hoa, als er noch Houwha war, in der Welt von Syl Anagist. Damit bekommen wir nun Einblicke in die weite Vergangenheit dieser Welt und was dazu geführt hat, dass die Seasons überhaupt begonnen haben. Ich habe diesen Teil geliebt, denn es war wirklich noch mal eine ganz andere Geschichte, viel mehr Scifi als Fantasy, wenn man es so will, aber natürlich nicht in unserer Welt. Auch Hoa als Charakter war mir schon im ersten Buch so ans Herz gewachsen, dass ich einfach sehen wollte, wer er ist.

Mit Essun steht uns ein schwerer Weg bevor in diesem dritten Band, der viel Verlust aber auch einige alte Bekannte mit sich bringen wird. Natürlich ist inzwischen ziemlich klar, was ihre Mission ist, aber auch, was sie das am Ende kosten wird. Die ganze Erzählstruktur der Reihe deutet dabei auch darauf hin, was wohl geschehen wird. Es gab sehr viele sehr emotionale Momente in ihrer Story, bei denen ich auch teilweise weinen musste. 

Nassun dagegen bleibt für mich ein schwieriger Charakter, denn sie ist nach wie vor ein Kind, und mir fällt es oft schwer, mich da einzufühlen. Gleichzeitig habe ich aber so oft gedacht, dass ich als Kind vielleicht gar nicht so anders war - nur leider ohne diese magische Macht. Und die Mutter-Tochter-Dynamik kommt in diesem Band nochmal richtig stark hervor und beeinflusst so Vieles. Nassuns Liebe für Schaffa ist für den Leser ein schwieriges Moment, denn wir kennen Schaffa aus einer ganz anderen Perspektive, aber wir sehen auch, wie sie in ihm sieht. Das hat bei mir sehr komplexe Gefühle zu ihrer Storyline ausgelöst.

Ich hatte sehr große Bedenken, wie diese Reihe wohl ausgehen wird. Ob mir das Finale wirklich das geben kann, was ich brauche. Aber ich hätte mir keine Sorgen machen sollen. Ich fand das Ende perfekt, auch wenn es dann doch noch einige Überraschungen bereit hatte. Ich habe das Gefühl, dass dieser letzte Band mit Hoas Storyline viele Fragen beantwortet, aber nicht alles mit einer hübschen Schleife abgeschlossen wird, was diesem komplexen Epos nicht gut getan hätte. Auch die Verarbeitung des Mutter-Tochter-Konflikts am Ende war für mich perfekt und die einzig gute Lösung, die es hätte geben können. In dieser Story lag dann auch nochmal so viel Emotionalität, die durch das Nachwort der Autorin noch einmal unterstrichen wurde.

Die Welt von Syl Anagist, die wir jetzt hier das erste Mal richtig zu sehen bekommen, fand ich so interessant. Ich muss zugeben, dass ich nicht alles davon verstanden habe. Dafür bin ich vermutlich auch nicht Scifi-Leser genug. Aber man konnte sich Vieles bildlich vorstellen, und diese generelle Idee, dass Menschen auf der Suche nach Energie die Welt um sich herum zerstören - nun, die kam mir irgendwie bekannt und äußerst relevant vor. Damit zusammen hing dann auch diese Idee, dass Leben heilig ist und nicht zerstört werden darf - und wie diese Gesellschaft es geschafft hat, selbst diese eigentlich reine Idee zu perversieren und für ihre eigenen Zwecke und Ambitionen zu verdrehen. Darin sind wir Menschen einfach spitze. 

Alles in allem war es für mich der perfekte Abschluss dieser Reihe. Ich habe viel gestaunt, viel gefühlt, viel mitgefiebert. Ich kann euch die ganze Reihe nur ans Herz legen, denn sie ist sehr einzigartig in der Welt, die wir betrachten, in den Charakteren und ihren Beziehungen, in der Handlung und all der Spannung, die aufgebaut wird, und auch im Schreibstil. Für alle Fantasy-Fans ein Muss.

Habt ihr die Reihe gelesen? Oder habt ihr jetzt Lust darauf?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: