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Montag, 4. März 2024

The Undertakers


Hallo meine Mysteryfreunde,

ich bin heute etwas traurig, denn eigentlich wäre ich morgen ein paar Tage weggefahren, zwar für die Arbeit, aber etwas Schönes. Dank Bahnstreik konnte ich das heute alles absagen und es wird stattdessen ein Onlinemeeting. Aber was soll's. Dafür habe ich statt Kofferpacken Zeit euch von einem Buch zu erzählen, das ich kürzlich beendet habe.

Die Fakten:

  • Autor: Nicole Glover
  • Sprecher: Bahni Turpin
  • Titel: The Undertakers
  • Reihe: Murder & Magic 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 14 Std 35min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Nothing bothers Hetty and Benjy Rhodes more than a case where the answers, motives, and the murder itself feel a bit too neat. Raimond Duval, a victim of one of the many fires that have erupted recently in Philadelphia, is officially declared dead after the accident, but Hetty and Benjy’s investigation points to a powerful Fire Company known to let homes in the Black community burn to the ground. Before long, another death breathes new life into the Duval investigation: Raimond’s son, Valentine, is also found dead. Finding themselves with the dubious honor of taking on Valentine Duval as their first major funeral, it becomes clear that his passing was intentional. Valentine and his father’s deaths are connected, and the recent fires plaguing the city might be more linked to recent community events than Hetty and Benji originally thought."

Zur Handlung: Hetty and Benjy versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Dazu klären sie einerseits weiter Verbrechen gegen Schwarze Personen auf, andererseits will Hetty auch ein erfolgreiches Bestattungsgeschäft aufbauen. Allerdings scheint letzterem etwas im Wege zu stehen, denn obwohl Menschen nun einmal sterben, haben sie keinerlei Kunden. Deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mitten in einen neuen Fall zu stürzen.

Hettys Ziehvater hat die beiden gebeten den Tod eines seiner Freunde aufzuklären. Doch die Erklärung, die sie finden, erscheint zu simpel und zu perfekt. Kaum haben die beiden den Fall zu den Akten gelegt, deuten neue Hinweise darauf hin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben. Und das könnte zum Tod von weiteren Personen führen...

Dies ist der zweite Band, der diesen beiden Figuren folgt. Über The Conductors hatte ich euch schon vor einiger Zeit mal berichtet. Ich mochte den ersten Band, war aber nicht völlig verliebt. Daher hatte ich es auch nicht zu eilig, die Fortsetzung zu lesen. Davon abgesehen behandelt jedes Buch seinen eigenen Fall, nur die zentralen Charaktere bleiben gleich. Irgendwie wollte ich nun aber wissen, wie es mit Hetty, Benjy, Penelope und den anderen weitergeht.

Das zweite Buch steht dabei fest in den Fußstapfen des ersten Bandes. Ich mochte die Charaktere, ich finde das Magiesystem spannend aber nicht super gut erklärt, und manchmal ist es einfach viel zu praktisch, und der Fall ist etwas unnötig kompliziert, weil verschiedene Zeitebenen und Geheimnisse miteinander verwoben werden. Daher ist auch meine Gesamteinschätzung ziemlich die gleiche wie nach Band 1: ich mochte das Buch, aber ich bin nicht absolut verliebt.

Im ersten Band lernten wir Hetty und Benjy kennen, die verheiratet sind, aber das eher weil es praktisch ist und nicht aus Liebe. Inzwischen hat sich das allerdings geändert, und die beiden führen eine liebevolle, partnerschaftliche Ehe. Sie wohnen außerdem in einem größeren Haus, zu dem auch die Bestattungsfirma gehört, die Hetty in Schwung bringen will. Ich habe diese beiden Charaktere einfach lieb gewonnen, Hetty die etwas aufmüpfigere, und Benjy mit seiner inneren Ruhe. Ich habe gern gelesen, wie es ihnen weiterhin ergeht. 

Auch die meisten Nebenfiguren kennen wir bereits, da der erste Fall sich in ihrem Freundeskreis abgespielt hatte. Zu diesem Freundeskreis gehören neben Ersatzschwester Penelope, die wundervolle Tränke braut, auch ein schwules Pärchen und ein Transmann. Ich finde es schön, dass die Autorin hier auch Diversität in ein historisches Setting einbaut, denn diese Menschen hat es immer schon gegeben. Außerdem sind alle zentralen Charaktere Schwarz. Zeitlich befinden wir uns hier wieder nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika, allerdings bekommen wir Zeitsprünge zurück in die Zeit, in der es Sklaverei noch gab, und sehen, wie Hetty und Benjy gemeinsam als Teil der Underground Railroad versklavte Menschen befreien.

Das magische System dieser Welt hat verschiedene Teile. Das meiste lernen wir über Celestial Magic, die die Schwarze Bevölkerung praktiziert. Diese Magie hat mit den Sternenbildern zu tun, aber mir bleibt sie auch im zweiten Band zu vage und zu praktisch - für jeden Situation können die Charaktere gefühlt ein beliebiges Sternenbild malen, und das macht dann etwas. Wenn diese sich dann in helfende Figuren verwandeln, muss ich manchmal unfreiwillig an Yu-Gi-Oh denken. Im ersten Band hatte wir außerdem gelernt, dass die Weißen Zauberstäbe für ihre Magie nutzen, das taucht hier am Rande auch auf. Außerdem war die Celestial Magic lange verboten, ein Zeichen der Unterdrückung.

Auch dieser Fall fängt zunächst etwas vage an, und es gibt sogar eine Zeit lang vermeintlich mehrere Fälle, die aber dann doch vielleicht alle auf den gleichen Täter zurückdeuten. Mit dem Verlauf der Geschichte sehen wir, dass er vielleicht auch viel näher an Hetty und Benjy herankommt, als die beiden ursprünglich dachten. Der Fall hat dabei auch mit der Vergangenheit zu tun, die wir in Rückblenden erzählt bekommen. Mir was das schon teilweise zu viel, es ist dann schwer genau zu verfolgen. Ich finde das aber nicht so schlimm, ich gehe einfach mit der Geschichte mit und schaue, wohin sie mich führt. Richtig zum Mitraten ist der Fall aber nicht unbedingt.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es gibt dann noch ein recht explosives Ende, bei dem auch viel auf dem Spiel steht. Die Auflösung des Falls war für mich dann gar nicht unbedingt so interessant, aber ich wollte sehen, dass unsere liebgewonnenen Charaktere in Sicherheit sind. Für mich hat es damit seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt empfehle ich dieses Buch, wenn ihr die Verbindung von Magie und Mystery mögt. Es lebt vor allem von den Hauptfiguren, der realistischen Diversität und dem Funkeln der Sternmagie. Wenn ihr allerdings selber mitraten und Theorien aufstellen wollt, wer der Täter war und warum, dann ist es vielleicht zu unübersichtlich und überfüllt. Außerdem solltet ihr keine zu schnell erzählte Geschichte erwarten, hier baut sich alles langsam auf, auch wenn es am Ende brenzlig wird und man mitfiebern kann. Ich denke, es ist nicht für jeden, aber mir hat es gefallen.

Zukünftige Bücher in dieser Welt scheinen anderen Charakteren zu folgen, aber ein weiterer Band soll dann Ende dieses Jahres erscheinen. Ich werde mir den sicherlich mal anschauen, denn ich mag diese Welt, aber ich werde Benjy und Hetty vermissen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 30. Dezember 2022

Empire of Sand


Hallo meine Fantasyleser,

weiter geht es mit meinem Aufholprojekt von 2022. Heute möchte ich euch ein Fantasybuch vorstellen, dass schon eine ganze Weile auf meiner Wunschlist und dann meinem Bücherstapel war. Es ist der Anfang einer Dilogie, allerdings folgt das zweite Buch anderen Hauptcharakteren. Daher kann es auch alleinstehend gelesen werden, was ich bisher gemacht habe. Ich möchte dann aber nächstes Jahr auch Band 2 endlich lesen.

Die Fakten:

  • Autor: Tasha Suri
  • Titel: Empire of Sand 
  • Reihe: The Books of Ambha 1
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Orbit
  • Seiten: 432
  • Preis: 9,97 Euro
  • Klappentext: "Mehr is a girl trapped between two cultures. Her father comes from the ruling classes of the empire, but her mother's people were outcasts - Amrithi nomads who worshipped the spirits of the sands. Caught one night performing these forbidden rites, Mehr is brought to the attention of the Emperor's most feared mystics, who try to force her into their service by way of an arranged marriage. If she fails in their bidding, the gods themselves may awaken and seek vengeance..."

Zur Handlung: Mehr lebt in einem Palast, wird bedient und wie eine Prinzessin behandelt. Doch sie ist nicht glücklich. Ihre Mutter ist verschwunden und ihre Stiefmutter verachtet Mehrs unreines Blut. Ihre kleine Schwester ist Mehrs ganzes Leben, doch sie wird häufig davon abgehalten mit ihr Zeit zu verbringen. Trost bringt ihr nur eine alte Freundin ihrer Mutter, die es zu viel Geld gebracht hat und Mehr heimlich die Riten ihrer Vorfahren beibringt.

Doch an einem besonders wichtigen Tag, an dem die beiden die Riten gemeinsam durchführen wollten, erscheint die Freundin nicht. Besorgt macht sich Mehr auf die Suche, denn sie weiß, dass Amrithi in ihrer Stadt nicht sicher sind. Vielleicht ist das Cover der Freundin aufgeflogen. Doch im Sandsturm dieses Tages verliert sich Mehr und spürt sich zur Magie ihrer Ahnen hingezogen. Allerdings weckt sie damit das Interesse einer Macht, mit der man sich lieber nicht anlegen sollte.

Ich liebe Fantasy-Bücher, die in der Wüste spielen. Allerdings besteht dabei immer die Gefahr, dass Kulturen, die in der Wüste gelebt haben oder leben, von weißen Autoren verhunzt werden für ihre Fantasyromane. Hier allerdings hatte ich Hoffnung, und ich wurde nicht enttäuscht. Die magische Welt, die hier erzeugt wird, fühlt sich wirklich nach Fantasy an, und nicht nur nach einer Verhunzung von tatsächlich existierenden oder historischen Kulturen. Ich mochte die Verbindung mit Religion und Imperialismus in diesem Buch sehr, auch wenn es im Herzen eine Liebesgeschichte ist.

Mehr als Hauptfigur hat mir von Anfang an gut gefallen. Sie ist im älteren Teenager-Alter und wir lernen sie zunächst als liebevolle große Schwester kennen. Sie würde alles tun, um ihre kleine Schwester zu schützen. Vom Rest ihrer Familie fühlt sie sich entfremdet - ihre Mutter hat sie verlassen, die Riten ihrer Vorfahren darf sie nicht ausüben, ihr Vater hat eine neue Frau und seine Loyalität gegenüber dem Emperor. Mehr allerdings macht sich ihren eigenen Weg durchs Leben und lässt sich nicht so leicht alles vorschreiben. Sie ist schlau, talentiert und hat ein gutes Herz. Wenn sie zu schwierigen Entscheidungen gedrängt wird, entscheidet sie sich für die Sicherheit ihrer Liebsten. Mit ihr konnte ich sehr gut mitfühlen.

Als anderen wichtigen Charakter haben wir Amun, den Ehemann, den Mehr heiraten muss. Dieser ist Teil einer sagenumwobenen mystischen Sekte, die durch geheime Rituale die Macht des Emperors sichert. Wir erfahren schnell, dass Amun das nicht freiwillig macht. Er ist gebunden an den Maha, den Anführer der Sekte. Er ist eher der beschützende Typ, der Mehr retten will, gleichzeitig aber sehr eingeschränkt darin ist, was er tun kann. Ich mochte vor allem die langsame Romanze zwischen den beiden. Obwohl sie sich bei ihrer Hochzeit nicht kennen, können die beiden über die Dauer des Buches zueinander finden. Auch seine Hintergrundgeschichte ist sehr traurig.

Als bösen Gegenspieler fand ich die Figur des Maha schon ziemlich gut. Er ist echt eklig und schreckt auch vor Mord nicht zurück um zu bekommen, was er will. Die Art, wie er über Amun Macht hat, ist sehr unangenehm zu lesen. Das ist Tasha Suri gut gelungen. Auch die Idee dieser Sekte, wie die Anhänger alles rechtfertigen und ihn anbeten, das erscheint mir sehr realistisch.

Die Handlung fand ich sehr spannend. Zunächst erleben wir den Palast und bekommen sie einige Einblicke in die Politik dieser Welt. Wir erfahren, dass die Amrithi vertrieben wurden und mehr und mehr verschwinden. Dann kommen wir mit Mehr von dort in den Tempel dieser religiösen Sekte, und wir lernen mehr darüber, was diese Welt zusammenhält. Dabei spielt Ausbeutung eine sehr große Rolle. Mehr versucht dann dagegen zu gewinnen. Sie leistet Widerstand. Die Gefahr für sie und Amun ist dabei sehr groß, sodass man mitfiebert. Allerdings bekommen wir dann gegen Ende auch noch einen Blick in die Wüste selbst, wie das Leben dort ist. Die Welt öffnet sich dann also noch ein bisschen mehr. 

Das Ende hat mir auch gut gefallen. Ich mochte, wie Mehr dann zurück zu ihrer Herkunft findet und darüber die Stärke gewinnt, die sie braucht. Dabei gelingt es der Autorin, dass die Lösung am Ende nicht zu einfach ist, was ich Jugendbüchern leider immer mal wieder vorkommt. Mehr fühlt sich von der ersten bis zur letzten Seite nach dem gleichen Charakter an, aber sie entwickelt sich auch im Laufe des Buches. Das Ende ist dann auch so geschrieben, dass das Buch allein stehen kann und man keine Fortsetzung braucht.

Alles in allem kann ich das Buch empfehlen. Für ein Fantasybuch, das in der Wüste spielt, hat es für mich absolut alle Anforderungen erfüllt. Auch wenn ich nicht so gern über romantische Gefühle lese, hat mir hier der langsame Aufbau und das Grundsetup der beiden Charaktere gefallen. Der Bösewicht war wirklich gruslig und fies. Ich mochte den Blick auf Herkunft und die Frage, was wir von unseren Vorfahren lernen können und welche Schuldigkeit wir ihnen gegenüber haben. Insgesamt einfach ein solides Fantasybuch.

Habt ihr schon von dem Buch gehört? Es wundert mich sehr, dass es scheinbar noch keine deutsche Übersetzung davon gibt...

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 21. November 2021

Deathless Divide


Hallo meine Fantasy-Leser,

wie versprochen kommen wir heute zum zweiten Teil und dem Finale von Dread Nation. Davon hatte ich ja am Freitag berichtet. Nachdem ich den ersten Band aus der Bibliothek gelesen hatte, habe ich direkt beide Bände bestellt, denn ich war absolut verliebt in die Geschichte. Leider ist es dann aber etwas holprig ausgegangen.

Die Fakten:

  • Autor: Justina Ireland
  • Titel: Deathless Divide
  • Reihe: Dread Nation 2
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Titan Books
  • Seiten: 561
  • Preis: 12,09 Euro
  • Klappentext: "After the fall of Summerland, Jane McKeene hoped her life would get simpler: Get out o town, stay alive, and head west to California to find her mother. But nothing is easy when you're a girl trained in putting down the restless dead, and a devastating loss on the road has Jane questioning everything she thought she knew about surviving. Caught between mysteries and lies, the undead, and her own inner demons, Jane soon finds herself on a dark path of blood and violence that threatens to consume her. But she won't be in it alone. Katherine Deveraux never expected to be allied with Jane McKeene. But after the hell she has endured, she knows friends are hard to come by. Watching Jane's back, however, is more than she bargained for, and when they both reach a breaking poin, it's up to Katherine to keep hope alive even as she begins to fear that there is no happily-ever-after for girls like her."

Zur Handlung: Im ersten Teil wurden Katherine und Jane gemeinsam auf einen Weg geworfen, den sie nicht selbst gewählt hatten. Doch durch Janes Cleverness wurde Katherine als weiße Lady behandelt, während sie selbst mit den anderen schwarzen Kindern die Stadt Summerland verteidigen musste. Gemeinsam haben sie versucht, das Rätsel von Summerland zu lösen, und haben stattdessen seine Zerstörung gesehen.

Nun sind sie auf dem Weg zu einer nächsten kurzzeitigen Sicherheit. Doch es ist völlig klar, dass Sicherheit immer unwahrscheinlicher wird. Wenn sich die Untoten wirklich verändern, wie der ortsansässige Wissenschaftler Gideon meinte, dann wird bald kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Zu diesem Zeitpunkt wollen Katherine und Jane mit ihren Verbündeten so weit weg sein wie nur möglich.

Die erste Besonderheit an diesem Buch ist, dass wir nun nicht nur Janes, sondern auch Katherines Sichtweise bekommen. Das hat mir erstmal sehr gut gefallen, denn Katherine ist eine spannende Figur, die wir ins Band 1 schon kennengelernt haben, und manchmal hat ihre Perspektive fast schon gefehlt. Sie ist außerdem asexuell und auch aromantisch, was eine Sexualität ist, die deutlich mehr Repräsentation in den Medien braucht. 

Auch die Kapitel sind nun etwas anders. Katherine Kapitel beginnen in der Regel mit einem Ausschnitt aus der Bibel, Janes mit einem Shakespeare-Zitat. Danach folgt bei Jane nach dem typischen Format ein Titel, der schon ein bisschen die Handlung vorwegnimmt. Katherines Kapitel heißen immer "Notes on ..." und haben somit auch mit der Handlung zu tun. Dies repräsentiert dabei auch, wie unterschiedlich die beiden Mädchen sind, was mir gut gefallen hat. Ich mochte dieses Stilmittel sehr.

Die erste Hälfte von diesem Buch konnte für mich auch völlig problemlos aus den ersten Band anknüpfen und ich war ab der ersten Seite wieder voll drin. Die Spannung ist sehr hoch, und schon in den ersten Kapiteln kommt es zu Action und auch einer Tragödie. Dabei bleibt das Buch auch weiterhin sehr unvorhersehbar, sodass man immer weiterlesen will.

Doch leider gibt es dann einen Zeitsprung von anderthalb Jahren. Es passiert etwas sehr Dramatisches - und dann treffen wir anderthalb Jahre völlig andere Charaktere wieder. Das hat mich total rausgebracht. Außerdem werden die beiden Hauptfiguren getrennt und finden dann nach einige Kapiteln (aber eben vielen Monaten) wieder zueinander. Doch leider nur körperlich, und nicht in ihrer Freundschaft. Für mich hat sich das angefühlt, als hätte ich von einer Trilogie das erste und letzte Buch gelesen. Das zweite wäre vielleicht langweilig gewesen, aber ohne das fehlt eben ganz viel der Charakterentwicklung, die wir nun so einfach hinnehmen müssen.

Für mich war es dann total schwer, irgendwie wieder in die Geschichte reinzukommen. Die Motivlagen haben sich total verschoben. Und hier kommt dann noch ein Moment dazu, dass bei einer Publikation 2020 noch sehr unproblematisch war, sich 2021 aber leider ganz anders liest: das Thema Impfen. Dabei geht es in dem Buch vor allem um die Herstellung, aber auch Zwangsimpfung von Personen. Und natürlich macht dieses Thema vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung vor allem in Bezug auf schwarze Amerikaner sind - denn da sind schlimme Dinge passiert. Und es ist auch wichtig, bei solchen Themen über Ethik zu diskutieren. Auf der anderen Seite sehen wir heute, wie stark bestimmte Communities leiden, in den USA wohl vor allem auch migrantische Communities, die noch viel Medien in ihrer Muttersprache konsumieren, weil ihnen Lügen über das Impfen aufgetischt werden. Es ist also ein zweischneidiges Schwert, und während die Autorin beim Schreiben natürlich keine Ahnung hatte, in welcher Welt wir 2021 leben werden, so ist es eben doch jetzt ein schwieriges Thema, das hier den Hauptkonflikt und auch den Bösewicht ausmacht.

Jane ist dann im zweiten Teil des Buches wirklich kaum wiederzuerkennen. Sie wird sehr brutal, sehr rücksichtslos und wütend. Außerdem verliert sie einen Arm, was eine körperliche Einschränkung darstellt. Sie ist auch in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, aber auch hier fehlt der komplette Bezug, den wir durch den Zeitsprung verpassen. Mir ist es schwergefallen, wieder Zugang zu dieser Jane zu kriegen, was durchaus auch gewollt ist, aber eben Lesefreude nimmt. Schade fand ich auch, wie das Thema von Janes Mutter dann plötzlich fast gar keine Rolle mehr spielt in diesem Band.

Katherine dagegen hat das Buch für mich deutlich aufgewertet. Ich habe gern ihre Perspektive gelesen, vor allem auch als weiß erscheinender, aber sich deutlich als schwarz identifizierende, sehr gutaussehende junge Frau, die dann auch gern mal jeder heiraten will. Sie ist aber an Romanzen gar nicht interessiert. Auch ihre Beziehungen zu Sue und der kleinen Schwester von Jackson, die die ganze Handlung ursprünglich mal ausgelöst hat, hätte ich gern noch mehr gesehen - aber eben Zeitsprung.

Hier muss ich auch noch kurz erwähnen, dass ich Sue als Charater auch wirklich mochte. Sie wird als sehr groß, breit und stark beschrieben, klassische wäre sie eine Kampfmachine. Aber Sue träumt davon, zu heiraten und Kinder zu haben. Ich mochte es total, wie das Buch so Klischees durchbrochen hat. 

Alles in allem war auch Band 2 gut. Allerdings war die erste Hälfte für mich total genial, die zweite Hälfte nach dem Zeitsprung hat mich dann eher verloren. Es blieb zwar spannend, aber gerade Jane als unsere Hauptfigur war plötzlich gefühlt so weit weg. Aber ich empfehle diese Dilogie trotzdem ganz klar, denn 1,5 geniale Bücher und nur 0,5 gut - das klingt doch trotzdem nach einer Menge Lesespaß. Vor allem fand ich die Charaktere toll, weil sie Klischees aufbrechen, und die Handlung, weil es immer unvorhersehbar war und ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte.

Was ist denn euer Lieblingsbuch mit Zombies?

Bis bald,

Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 19. November 2021

Dread Nation


Hallo meine Horrorleser,

heute möchte ich euch den Anfang einer Dilogie vorstellen - am Sonntag dann den zweiten Teil - die ich im Oktober gelesen habe. Dieses Buch hatte ich in der Bibliothek gefunden, aber nach dem Lesen habe ich mir direkt meine eigene Ausgabe und Teil 2 bestellt, denn ich war wirklich total überrascht, wie wundervoll dieses Buch ist. 

Die Fakten:

  • Autor: Justina Ireland
  • Titel: Dread Nation
  • Reihe: Dread Nation 1
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Titan Books
  • Seiten: 444
  • Preis: 8,99 Euro
  • Klappentext: "Trained at Miss Preston's School of Combat for Negro Girls in both weaponry and etiquette, Jane McKeene is poised for a successful career protecting the wealthy from the encroaching plague of walking dead. But when families begin to go missing, Jane uncovers a conspiracy that pits her against some powerful enemies. Sent far away from home, Jane will need all her resourcefulness, wit and strength of character to survive."

Zur Handlung: In Kampftechniken mag Jane McKeene die Beste ihres Jahrgangs sein, aber mit der Etikette hapert es meist noch für die hitzköpfige Teenagerin. Und niemand erinnert sie mehr daran, was sie nicht kann, als Katherine. Die sehr hellhäutige, blonde Katherine ist nicht nur eine sehr grazile und ordentliche junge Frau, sie ist auch eine fantastische Kämpferin. Und Jane würde nicht im Traum daran denken, mit ihr gemeinsame Sache zu machen...

Als aber Jane's Exfreund sie um einen großen Gefallen bittet, weil seine kleine Schwester verschwunden ist, nimmt Jane die Hilfe von Katherine an. Sie hat keine Ahnung, dass sie damit ihrer beider Leben gefährdet, denn im Kampf gegen die Zombie-Apokalypse ist Jane vielleicht ausgebildet, im Kampf gegen die reiche weiße Oberschichte jedoch ist sie hilflos unterlegen.

Von diesem Buch hatte ich eine zeitlang ziemlich viel gehört, und was mich immer davon abgehalten hat, waren die Zombies. Irgendwie finde ich diese einfach nicht richtig gruslig und auch nicht sehr realistisch. Ich hoffe, ihr seid da nicht wie ich, und wenn doch, dann versuche ich euch heute davon zu überzeugen, dass die Zombies dieses Buch nicht schlechter machen.

Jane ist in diesem ersten Band unsere Hauptfigur, der wir durch diese historische Zombie-Apokalypse folgen, denn das Buch spielt in den Jahren nach dem Bürgerkrieg in Amerika. Jane ist nicht nur körperlich, sondern auch mental sehr stark und lässt sich nicht so schnell von ihrem Weg abbringen. Sie hat ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und versucht auch, Gerechtigkeit irgendwie herzustellen. Da sie selbst das Kind eines weißen und eines schwarzen Elternteils ist, ist in dieser Welt aber alles gegen sie gerichtet.

Spannend fand ich hier vor allem auch die Rückblicke und die Gefühle in Bezug auf Janes Mutter. Diese lebt als weiße Frau eines Plantagenbesitzers im Süden. Während ihr Mann im Bürgerkriegt auf Seite der Konfederierten kämpft, bekommt sie Jane. Natürlich brodelt da die Gerüchteküche. Jane wächst dann auch eher zwischen den schwarzen Haussklavinnen auf, allerdings ist immer klar, dass sie das Kind der Herrin ist. Dies bringt Jane in eine sehr besondere Situation im Vergleich zu ihren Mitschülerinnen und sorgt auch für ein sehr kompliziertes Verhältnis zur Mutter. 

In dem Sinne ist auch der Aufbau der Kapitel spannend. Jeder Kapitel in der ersten Hälfte des Buches beginnt mit einem kleinen Ausschnitt aus einem Brief, den Jane aus der Schule an ihre Mutter sendet. Wir sehen, wie Jane gezielt ein positives Bild von sich und ihrer Situation zeichnet. Danach kommt der Titel des Kapitels, der zumeist einen Teil der Handlung vorwegnimmt - aber nie in einer Art, die die Spannung stört. Ich fand das so genial umgesetzt. Erst dann folgt das eigentliche Kapitel.

Zur eigentlichen Handlung möchte ich nicht zu viel verraten, aber es werden einige Zombies getötet und es gibt auch einige Unglücke. Dabei fand ich die Handlung nie vorhersehbar und das Level an Spannung hat mich ehrlich gesagt an Hunger Games erinnert - ich habe den Großteil dieses Buches an einem einzigen Tag gelesen, als ich Urlaub hatte. Es war einfach total genial.

Das Besondere an diesem Buch ist natürlich der Aspekt der alternate history. Indem die Autorin die Handlung ans Ende des Bürgerkriegs und damit auch ans Ende der Sklaverei in Amerika setzt, kann sie den Alltagsrassismus der Zeit offen legen und gleichzeitig Parallelen zu heute aufzeigen. Es wird im System der Combat School einerseits für die Schwarzen Teenager und andererseits für Indigene deutlich, wie die Trennung der Rassen und damit der Rassismus nach dem Ende der Sklaverei nur neue Wege sucht. Aufgehoben ist es lange nicht.

Das Ende dieses ersten Bandes fühlt sich auch tatsächlich wie ein Ende an. Es lässt zwar genug Spielraum für die Fortsetzung, aber der Handlungsstrang wird hier gut abgeschlossen. Besonders toll war, wie das Buch bis zum letzten Moment die Spannung hochhalten kann.

Alles in allem will ich euch dieses Buch so sehr ans Herz legen. Es ist actiongeladen und super spannend, es lässt sich sehr leicht lesen, die Hauptfigur ist liebenswert und einzigartig, und sie kann den Zombies gut den Arsch versohlen. Ich mochte auch die gesellschaftliche Kritik, die in dem Buch mitschwingt, aber nie die Handlung überlagert, sondern einen einfach zum Denken anregt - was würde wohl heute passieren, wenn eine Zombie-Apokalypse kommt? Wen würde man wohl zum Kämpfen und Schützen der Reichen ausbilden? Bitte gebt dem Buch eine Chance!

Am Sonntag erfahrt ihr mehr zu Band 2.

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Sonntag, 26. September 2021

All the Tides of Fate


Hallo meine Fantasyfreunde,

während wir auf die Ergebnisse der Bundestagswahl warten, möchte ich euch noch vom Finale dieser Dilogie voller Inselmagie, Piraten und Meerjungfrauen erzählen. Den ersten Teil hatte ich euch Freitag bereits beschrieben, und hier möchte ich nun wie immer spoilerfrei berichten, wie ich das Ende fand.

Die Fakten:

  • Autor: Adalyn Grace
  • Sprecher: Natalie Naudus
  • Titel: All the Tides of Fate
  • Reihe: All the Stars and Teeth 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 10 Std 33min
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext:

    "Through blood and sacrifice, Amora Montara has conquered a rebellion and taken her rightful place as queen of Visidia. Now, with the islands in turmoil and the people questioning her authority, Amora cannot allow anyone to see her weaknesses. No one can know about the curse in her bloodline. No one can know that she’s lost her magic. No one can know the truth about the boy who holds the missing half of her soul. To save herself and Visidia, Amora embarks on a desperate quest for a mythical artifact that could fix everything - but it comes at a terrible cost. As she tries to balance her loyalty to her people, her crew, and the desires of her heart, Amora will soon discover that the power to rule might destroy her."

Zur Handlung: Amora Montara ist die Thronfolgerin ihres Königreichs Visidia und hat im ersten Band dieser Reihe bewiesen, dass sie für ihr Volk alles tun musste. Nun jedoch ist das Reich in Aufruhr und ihre Berater haben eine Idee, wie Amora für Ruhe und Frieden sorgen kann, während sie ihre umfassenden politischen Reformen vornimmt: sie soll sich auf die Suche nach einem Ehemann und König machen.

Amora ist von dieser Idee zunächst abgestreckt, denn gerade erst hat sie ihre Verlobung gelöst, weil sie iihren Verlobten zwar als sehr guten Freund und Berater, aber eben nicht als Ehemann sehen konnte. Nun soll sie also dieses politische Spiel um ihr Herz von Neuem beginnen. Allerdings erkennt sie, dass dieses kleine Theater der einfachste Weg für sie ist, ihre wahres Ziel zu erreichen und einen jahrhundertealten Fluch zu lösen, der auf ihrer Familie liegt.

Für Amora haben sich am Ende von Band 1 einige dramatische Veränderungen ergeben, die ich hier nicht spoilern will. Es ist aber sicher, dass sie nicht dieselbe ist, die ihre Zeremonie ruiniert hat und dann mit einem Piraten in See gestochen ist. Sie hat nun deutlich mehr Verantwortung, aber auch Schmerz erlebt. Sie will nach wie vor das Beste für ihr Volk tun, doch es ist deutlich schwieriger geworden zu erkennen, was dieses Beste eigentlich ist. Dennoch fand ich es wieder spannend, ihr als Hauptfigur zu folgen. Ich fand sie generell schon erwachsener und verantwortungsbewusster, aber auch in manchen Momenten etwas anstrengend.

Der Ton dieses Bandes ist nun weniger blutig-abenteuerlastig und stärker politisch. Dennoch gibt es Seereisen, Abenteuer und wir lernen noch mehr der Inseln können. Die Konflikte haben sich aber stärker in politische Maneuver und ideologische Fragen verschoben, und Amora kann nicht mehr alles mit ihrer recht blutigen Magie besiegen. Damit hat das Buch einen anderen Ton als Band 1, was ja auch erfrischend ist.

Mit ihr auf dem Weg sind nach wie vor der Pirat Bastian, der ehemalige Verlobte und nun Berater, eine Meerjungfrau - und neuerdings auch eine kriminelle Freundin von Bastian, die ihr Aussehen verändern kann und gute Verbindungen in alle Arten der Unterwelt hat. Sie mochte ich besonders gern - schon in Band 1 hat sie einen kurzen Auftritt und ich hatte mich direkt verliebt. Darum war ich sehr froh, sie nun hier noch prominenter in Band 2 zu sehen. Dennoch hab ich mir da ein bisschen mehr gewünscht.

Zwischenmenschlich bleibt Band 2 hier aber leider ein bisschen auf dem Level von Band 1 stehen. Die Beziehung von Amora und Bastian ist weiterhin angespannt, wenn auch jetzt aus ganz anderen Gründen. Auch das Thema, das Amora nie Freunde hatte, bis sie ihr erstes Abenteuer bestritten hat und ihre Crew fand, bleibt weiter bestehen. Hier ergeben sich jetzt zwar größere Konflikte, aber so begeistern wie Band 1 konnte es mich nicht. Am Ende gibt es dann noch eine sehr traurige Szene, die mich auch wirklich zu Tränen gerührt hat. Allerdings muss man auch hier sagen, dass die Autorin es am Ende zu sehr ausbuchstabiert und es damit fast schon wieder kaputt macht.

So bleibt auch die Kritik zum Schreibstil bestehen, der sehr jung bleibt. Vieles wird zu offensichtlich nochmal erläutert, obwohl die meisten Leser es vermutlich schon lange verstanden haben. Die Handlung ist zwar schon weniger blutig, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass das Buch ein klassisches Jugendbuch ist - eher für ältere Jugendliche geeignet. Daher passen Handlung, Beweggründe der Charaktere und Schreibstil weiterhin irgendwie nicht so richtig zusammen.

Im Hörbuch hat es für mich aber gut funktioniert, weil es nie schlimm war, wenn man mal nicht ganz genau aufpasst. Dieses Hörbuch wird auch von einer anderen Person gesprochen, was die erste Stunde oder so verwirrend ist (die Meerjungfrau verliert beispielsweise ihren Akzent), aber man kommt rein. So richtig eine Glanzleistung fand ich es aber auch hier nicht - vor allem wieder bei den männlichen Stimmen.

Auch was die Handlung und das Ende betrifft, war für mich Band 2 nicht ganz so gut wie Band 1. Ich hatte das Gefühl, die Reise war irgendwie zielloser und von mehr Side-Quests unterbrochen, das Böse war irgendwie weniger greifbar und am Ende war Vieles einfach sehr praktisch und wenig glaubhaft. 

Alles in allem hatte ich aber trotzdem auch mit Band 2 viel Spaß, gute Unterhaltung und Szenen, die ich sehr mochte. Es ist ein zufriedenstellendes Ende, wenn auch irgendwie traurig. Ich mochte Amoras Entwicklung durch die ganze Reihe hindurch, und ich bin ihr gern auf ihren Reisen gefolgt. Persönlich liebe ich Geschichten auf dem Meer mit Seemonstern, Piraten und Meerjungfrauen einfach, und damit war diese Reihe für mich ein voller Erfolg, wenn ich auch den ersten Teil etwas lieber mochte als den zweiten. Für alle, die sich dafür interessieren, ist es dennoch eine volle Empfehlung.

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Freitag, 24. September 2021

All the Stars and Teeth

 


Hallo meine Fantasyfreunde,

heute möchte ich euch vom ersten Buch einer Dilogie berichten, die ich neulich als Hörbuch gehört habe. Diese hat sehr gut in den Sommer gepasst, denn es geht um Inseln, Magie, Meerjungfrauen und Piraten. Am Sonntag erzähle ich euch dann vom zweiten Buch.

Die Fakten:

  • Autor: Adalyn Grace
  • Titel: All the Stars and Teeth
  • Reihe: All the Stars and Teeth 1
  • Sprecher: Shayna Small
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 12 Std 24min
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "As princess of the island kingdom Visidia, Amora Montara has spent her entire life training to be High Animancer - the master of souls. The rest of the realm can choose their magic, but for Amora, it’s never been a choice. To secure her place as heir to the throne, she must prove her mastery of the monarchy’s dangerous soul magic. When her demonstration goes awry, Amora is forced to flee. She strikes a deal with Bastian, a mysterious pirate: he’ll help her prove she’s fit to rule, if she’ll help him reclaim his stolen magic. But sailing the kingdom holds more wonder - and more peril - than Amora anticipated. A destructive new magic is on the rise, and if Amora is to conquer it, she’ll need to face legendary monsters, cross paths with vengeful mermaids, and deal with a stow-away she never expected...or risk the fate of Visidia and lose the crown forever."

Zur Handlung: Amora Montara ist seit ihrer Geburt dazu trainiert worden, den Thron ihres Vaters eines Tages zu besteigen. Nur eine Hürde steht noch vor ihr, bis sie zur offiziellen Thronfolgerin wird: sie muss ihre besondere Magie vor Zuschauer aus dem ganzen Inselkönigreich zur Schau stellen. Ihre Magie ist der Grund, warum die Montara-Familie herrscht - sie schützt die Inseln vor einem schrecklichen Monster.

Doch der Preis ist hoch, denn Amoras Magie fordert menschliche Opfer. Sie kann mithilfe von Blut, Knochen und Feuer ein Leben beenden. Amora liebt dieses Opfern nicht, aber sie liebt ihr Königreich, sie liebt ihr Volk und sie liebt ihren Vater. Als sie jedoch bei der Zeremonie sieht, wie ihr Volk vor ihren Fähigkeiten zurückschreckt, verliert sie die Kontrolle und alles, worauf sie hingearbeitet hat, steht plötzlich auf dem Spiel.

Ich hatte nicht so richtig feste Erwartungen an diese Reihe, hatte aber Gutes gehört und einfach Lust auf diese Inselmagie. Und dieses Buch konnte mich dann tatsächlich auch überraschen, denn es hat mir richtig gut gefallen. Es gab auch zwei Dinge, die ich nicht ganz so gut fand, aber fangen wir mit dem Positiven an.

Zunächst die Welt, denn die fand ich wirklich faszinierend, wenn auch anfangs etwas verwirrend. Das Königreich Visidia besteht aus verschiedenen Inseln und jede Insel hat ihre eigene Magie. Es gibt zum Beispiel eine Insel mit Menschen, die elementare Fähigkeiten haben, also die Elemente beherrschen. Andere auf einer anderen Insel können verschiedene Glamour erzeugen, ihr eigenes Aussehen oder das von Häusern oder Gegenständen verändern. Wir folgen Amora auf der Reise durch ihr Königreich, das sie zum ersten Mal sieht, denn bisher meinte ihr Vater, reisen sei für sie zu gefährlich. Dadurch lernen wir die Welt mit ihr kennen und durch ihre Augen lieben. Aber da sie mit einem Piraten unterwegs ist, sieht sie auch einige Ecken, die sie als Prinzessin nicht gesehen hätte... Mir hat die Welt total gut gefallen, sie war sehr kreativ und gut beleuchtet, ohne dass man zu viel Info oder Beschreibungen bekommt. Am Anfang waren die Inseln im Hörbuch noch schwer auseinanderzuhalten, aber immer wenn es wichtig war, wurde das nochmal erklärt. Ich glaube im physischen Buch ist vorn eine Übersicht, die das Lesen erleichtert.

Amora als Hauptcharakter mochte ich auch sehr. Sie ist sehr behütet aufgewachsen, hat aber als Thronfolgerin auch sehr viel gelernt, vor allem ihre Magie, aber auch politische und geschichtliche Fakten über ihre Welt. Daher ist sie zwar manchmal naiv, aber in vielen Moment sehr stark und durchsetzungsfähig. Sie ist auch mutig und aufgeschlossen, denn sie will ihre Welt kennenlernen und ihr Volk beschützen. Dadurch gerät sie mit dem besagten Piraten zwar immer mal aneinander, aber sie ist im Kern ein guter Mensch. Ihre Magie liebt sie, weil sie damit ihrem Volk helfen kann, auch wenn sie nach außen sehr hässlich ist.

Bastian, der Pirat, ist ihr Gegenstück. Von ihm wissen wir zunächst recht wenig, aber ich mochte ihn ziemlich schnell. Er ist sehr von sich überzeugt (oder tut zumindest so) und will auch seine Insel beschützen. Diese wurde vor Jahren aus dem Königreich verbannt, was wir im Laufe des Buches dann näher erklärt bekommen. Die beiden geben ein gutes Team ab, was sie sich zu Beginn nicht eingestehen wollen. An Board ist dann auch noch Amoras Verlobter, für den sie aber keine Gefühle hegt. Das ist wirklich ein toller Charakter, denn er ist eher der soft boy, aber eben ein Guter. Er hat die Fähigkeit sich und andere zu heilen. Zum Schluss wird das Team von einer Meerjungfrau komplettiert, aber hier will ich nicht spoilern; nur so viel: ich liebe sie.

Die Handlung der Geschichte braucht ein wenig, um in Gang zu kommen, aber das hat mich überhaupt nicht gestört, denn ich mochte es, die Welt und die Charaktere zuerst besser kennen zu lernen. Am Ende gibt es dann allerdings ein paar Twists, die ich auch nicht unbedingt habe kommen sehen. Ich mochte das Grundmotiv, das am Ende aufgedeckt wurde für alles, was so geschehen war, total gut und realistisch. Es hatte in dem Sinne auch einen femistischen Touch.

Was mich bei dem Buch immer ein wenig verunsichert hat, war der Schreibstil in Kombination mit dem Fakt, wie blutig das Buch ist. Geschrieben ist es eigentlich wie ein Jugendbuch - es wird viel erklärt, man muss wenig mitdenken. Auf der anderen Seite ist vor allem der erste Band schon sehr blutig - allein Amoras Magie ist wirklich nicht schön und ausführlich beschrieben. Daher finde ich es schon schwer, hier eine Alterskategorie anzugeben, die als Zielgruppe gedacht gewesen sein kann. Als Hörbuch hat es für mich als Erwachsene aber gut funktioniert, da ich mich beim Hören nicht zu krass konzentrieren musste. 

Damit kommen wir aber zu dem zweiten Aspekt, der mich ein bisschen gestört hat: die Sprecherin. Leider hat diese die männlichen Stimmen wirklich nicht gut hinbekommen. Ich glaube, ich hätte Bastian noch viel lieber gemocht, wenn die Sprecherstimme nicht so furchtbar gewesen wäre. Das zweite Buch spricht dann auch eine andere Person, aber grandios viel besser war das auch nicht. Also ein bisschen schwierig, denn der Schreibstil war fürs Hörbuch perfekt, aber gesprochen war es nicht gut.

Alles in allem haben für mich aber die positiven Aspekte überwogen. Es war eine spannende Abenteuergeschichte in einer einzigartigen Inselwelt mit guten Charakteren, denen man gern gefolgt ist. Für mich war auch klar, dass ich direkt das zweite Buch hören wollte, denn obwohl es schon ein Ende gibt, ist es doch nicht so befriedigend. Zum Glück sind aber ja bereits beide Bücher erschienen, sodass kein langes Warten nötig ist. Wenn euch das anspricht, was ich hier geschrieben habe, würde ich das Buch empfehlen. Denkt nur dran, dass es ein bisschen jung geschrieben, aber sehr blutig ist.

Habt ihr von dem Buch schon gehört, oder habt ihr andere Inselfantasies zu empfehlen?

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Donnerstag, 13. Mai 2021

Rule of Wolves


Hallo meine Fantasyleser,

vermutlich haben inzwischen alle genug von Shadow and Bone gehört, aber ich noch nicht. Deswegen möchte ich euch heute vom neusten Buch der Reihe berichten, das ich in den letzten Tagen verschlungen habe. Davor hatte ich den ersten Band King of Scars nochmal gelesen und mochte es beim zweiten Lesen sogar noch mehr als beim ersten.

Die Fakten:

  • Autor: Leigh Bardugo
  • Titel: Rule of Wolves
  • Reihe: Nikolai Duology 2 / Grishaverse 7
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Imprint
  • Seiten: 588
  • Preis:
  • Klappentext: "The Demon King. As Fjerda's massive army prepares to invade, Nikolai Lantsov will summon every bit og his ingenuity and charm - and even the monster within - to win this fight. But a dark threat looms that cannot be defeated by a young king's gift for the impossible. The Stormwitch. Zoya Nazyalensky has lost too much to war. She saw her mentor die and her worst enemy resurrected, and she refuses to bury another friend. Now duty demands she embrace her power to become the weapon her country needs. No matter the cost. The Queen of Mourning. Deep undercover, Nina Zenik risks discovery and death as she wages war on Fjerda from inside its capital. But her desire for revenge may cost her country its chance at freedom and Nina the chance to heal her grieving heart. King. General. Spy. Together they must find a way to forge a future in the darkness. Or watch a nation fall.

Zur Handlung: Ravkas größter Feind ist zurück, Fjerda wittert die Chance auf den finalen Sieg, Shu Han und Kerch versprechen sich Frieden und Gewinne von Ravkas Untergang und Nikolais Demon ist zwar ruhig, aber nicht verschwunden. Dazu zieht eine unbekannte Magie durch das Land und zerstört alles, was sie antrifft. Nikolai könnte wirklich ein bisschen Glück gebrauchen, um sein Land vor dem Untergang zu retten.

Zoya hat die Chance nun alles richtig zu machen, was sie bisher nicht konnte. Und ihr erster Punkt auf dieser Liste ist es, den Mönch nicht entkommen zu lassen. Doch dieser scheint Wissen zu haben, das Ravka braucht; und wie immer hat er seine eigenen Pläne. Nina hat es bis ins Sanktum von Fjerda geschafft. Durch ihre unglaubliche Gabe des Täuschens ist sie nun Teil von Brums Haushalt und bekommt viele Informationen mit, die ihrem Land und König helfen können. Doch Nina weiß, dass das für einen Sieg noch nicht ausreicht, und beginnt sich auf gefährliches Terrain.

Was habe ich mich auf diese Fortsetzung gefreut. Nach dem Twist am Ende von King of Scars wusste ich, dass es in diesem Buch hoch her gehen muss. Dafür starten wir dann aber erstmal eher ruhiger. Es geht viel um Krieg und Strategie, neue Waffen und ähnliches. Doch wir sehen auch die neue Zerstörung, die sich auf der ganzen Welt ausbreitet und viele verdächtig an die Shadow Fold erinnert. Und es dauert auch nicht lange, bis der Mönch seinen auftritt hat - ich versuche mal nichts zu spoilern.

Dieses Buch hat für mich sehr gut an King of Scars angeschlossen. Was ich damals schon in dem Buch mochte, mag ich auch hier wieder. Die drei Hauptcharaktere sind ja diejenigen, die in den vorangegangenen Büchern am meisten Mist durchmachen mussten. Dadurch haben sie alle ihre innere Dämonen - wenn auch nicht alle so wörtlich wie Nikolai. Es macht sie zu komplexen Charakteren, in deren Köpfen ich gerne bin. Im späteren Teil des Buches erhalten wir auch Kapitel aus der Sicht von Mayu, die auch ihre inneren Turbulenzen hat, und auch aus Sicht des Mönchs, obwohl diese mich am meisten enttäuscht haben.

Ich hatte ehrlich gedacht, dass aus diesem Twist am Ende von King of Scars mehr gemacht wird. Dass wir überhaupt Kapitel aus dieser Sicht bekommen, ist natürlich neu. Aber während einige Szenen schon irgendwie die Nostalgie angesprochen haben, fand ich andere dann so ein bisschen... ja. Es fühlte sich ein bisschen an, als sei dieser Charakter eher für den Schockvalue eingeführt worden. So ist dann auch das Ende irgendwie überstürzt - und öffnet dann eine Tür.

Dafür habe ich mich umso mehr in Zoya verliebt - ging das noch mehr? Und am Ende des Buches schreibt Leigh Bardugo auch, dass diese Bücher aus der Geschichte von Zoya heraus entstanden sind. Ich finde es so toll, ihren Weg zu sehen und ihre Geheimnisse zu erkunden. Von Zoya wussten wir in den ersten Büchern so wenig, und nun zu sehen, was hinter ihren Aktionen steht, macht mich glücklich. Ich kann so viel in Zoya sehen, das ich kenne. Allen voran ihre Angst davor, machtlos zu sein. Anders als der Darkling sucht sie die Macht nicht, weil sie geliebt werden will oder weil sie andere beherrschen will. Zoya sucht Macht, damit andere nicht über sie bestimmen können. Ich finde das so nachvollziehbar. Ich fand es auch toll, dass wir endlich erfahren, warum Juris sie "Zoya of the garden" nennt. Mit ihrer Storyline habe ich am meisten mitgefiebert, ihre Erfolge am meisten gefeiert und ihren Schmerz am meisten gespürt.

Nikolai tritt in diesem Teil durchaus noch etwas weiter in den Hintergrund für mich. An seinen Motiven, Ideen und Gefühlen ändert sich nicht besonders viel. Er ist immer noch toll, aber ich habe das Gefühl, er weiß eigentlich wer er ist und was er möchte. Wir sehen ihm eher dabei zu, wie er den Weg dahin findet.

Gut gefallen hat mir auch Ninas Geschichte hier. Sie geht wie immer einige Risiken ein, aber sie ist und bleibt auch Nina. Zusammen mit Hanne kommt sie nah an das Königshaus von Fjerda heran. Dabei kommt es auch immer wieder auf den Sexismus in Fjerda zurück, auf die Anforderungen an Frauen und darauf, wie diese sich in der Stille auflehnen. So haben wir sowohl in der Königin als auch in Brums Ehefrau zwei Charaktere, die für die Öffentlichkeit die perfekte fjerdische Frau verkörpern, aber wir sehen auch, wie diese teils gegen die Regeln für ihre Kinder kämpfen. 

Außerdem bekommen wir einen Charakter, der als transgender gesehen werden kann. Ich finde es schön, dass die Reihe sich auch auf dieser Ebene diverser entwickelt, nachdem wir in Six of Crows ja auch bereits LGB-Charaktere haben. Die Repräsentation kann man hier sicherlich diskutieren, und ich hätte mir einfach mehr gewünscht. Die Person ändert zum Beispiel ihre Pronouns nicht und ihre Gefühle werden immer nur angeschnitten, weil wir keine Kapitel aus der Sicht dieser Person bekommen. Das Ende kann dann auch kontrovers gesehen werden, im Verlauf der Story hat es mir eigenlich gut gefallen. Aber hier solltet ihr Reviews von Transpersonen nachlesen, um euch eine Meinung zu bilden.

Der zweite Teil des Buches heißt The Making at the Heart of the World - und besonders spannend an der Reihe fand ich die neue Sichtweise auf die Grischa-Kräfte, die wir in King of Scars bekommen. Daher hatte ich hier erwartet, dass es stärker um den Ursprung und Hintergrund der Magie oder Small Science in dieser Welt geht. Leider hat das aber so nicht stattgefunden, das fand ich sehr schade. Es macht so den Eindruck, als hätte Zoya jetzt ein bisschen mehr Wissen, aber behält es für sich. Ich hatte dann kurz gedacht, dass vielleicht die Geschichte des Mönchs nicht in diesem Buch abgeschlossen wird, sondern in einer neuen Reihe, und ein bisschen deutet sich das auch an aber anders, aber dann wird am Ende doch irgendwie... schnell eine Lösung gefunden? Das fand ich seltsam.

Während des Lesens hatte ich sehr große Angst, dass dies das letzte Grisha-Buch wird. Immerhin haben wir noch einmal so viele Cameos von allen möglichen Charakteren - ALLEN möglichen - dass es sich sehr wie ein Abschied anfühlte. [Vor dem Hintergrund der TV-Serie fand ich es lustig, dass es im Buch einen kurzen Moment gibt, wo Inej tatsächlich auf Alina treffen könnte - und es nicht tut.] Am Ende öffnet Leigh Bardugo aber die Tür für ein nächstes Buch, das auf Goodreads auch angekündigt ist, bisher aber noch kein Erscheinungsdatum hat. Auf dieses werden wir eine Weile warten, aber ich bin sehr dankbar dafür, denn ich kann und will dieser Welt und diesen Charakteren nicht lebewohl sagen.

Alles in allem war dies ein gelungenes Buch für mich. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe gehofft und gefürchtet, ich konnte es gegen Ende nicht mehr weglegen, und ich vermisse es jetzt schon. Auch wenn ich mir an manchen Stellen anderes erhofft habe, habe ich das, was ich bekommen habe, trotzdem geliebt. Und vor allem habe ich Zoya geliebt, Zoya of the Garden. We are the dragon and this is our time.

Habt ihr diese Bücher schon gelesen? Ich kann es wirklich nur aus ganzem Herzen empfehlen!

Bis bald,

Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Mittwoch, 27. Januar 2021

Blakely Brüder - It was always you - It was always love

Hallo zusammen,

heute mal eine Dilogie, die durch wunderschöne Cover besticht.

Fakten:
  • Autorin: Nikola Hotel
  • Jugendroman
  • in 2020
  • Dilogie
  • ca. 450 Seiten
  • Rowohlt Taschenbuch Verlag
  • Preis: 12,99€ (Broschiert)
Klappentext:
"Vier Jahre ist es her, dass Ivy alles verlor. Kurz nach dem Tod ihrer Mutter hat ihr Stiefvater sie ins Internat abgeschoben, weil sie sich ständig mit ihrem älteren Stiefbruder Asher stritt. Doch in diesem Sommer will ihr Stiefvater sie plötzlich unbedingt sehen und ruft sie zurück nach Hause – auf eine Insel an der Küste von New Hampshire. Dort trifft sie auch Asher wieder. Immer noch unausstehlich. Immer noch kompliziert. Und immer noch viel zu gut aussehend. Verdammt. Das Wiedersehen setzt ihr viel mehr zu, als sie erwartet hätte. Doch als Ivy erfährt, warum sie zurückkehren sollte, droht ihre Welt vollkommen auseinanderzubrechen …"

Diese Dilogie handelt von zwei Brüdern die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jeder Band ist dabei einem der Brüder gewidmet. Beide treffen auf Mädchen die ihnen den Kopf verdrehen. Doch natürlich können es keine simplen Liebesgeschichten sein. Im folgenden Absatz könnte sich der ein oder andere gespoilert fühlen, also springt einfach einen weiter, wenn ihr das nicht wollt. Oder besser die nächsten zwei - für jedes Buch einen.

Ivy und Asher sind unsere Hauptfiguren im ersten Band. Sie sind Stiefgeschwister und sehen sich nach einigen Jahren wieder, weil der Vater und Ziehvater sie darum bittet. Doch Ivy ist vor einigen Jahren kurz nach dem Tod ihrer Mutter von ihm weggeschickt worden. Sie weiß bis heute nicht warum und fühlt sich verstoßen. Auch Noah und Asher fühlen sich von ihr nach einem weiteren schweren Schicksalsschlag allein gelassen. Mit all diesen Emotionen treffen sie nun aufeinander. Doch aus anfänglichem Hass wird schnell Eifersucht und schließlich Liebe. 

Aubree und Noah spielen dann im zweiten Teil die Hauptrollen. Noah kennen wir ja bereits aus dem ersten Band. Aubree trifft auf ihn in einer Situation in der sie sich völlig hilflos fühlt. Es sind Nacktbilder von ihr auf Instagram aufgetaucht und nun hat sie Angst vergewaltigt worden zu sein. Das Aufeinandertreffen läuft mit entsprechend viel Misstrauen ab. Stück für Stück verlassen die beiden ihre Komfortzonen und nähern sich immer weiter an, bis auch hier Liebe entsteht.

Mein Lieblingscharakter ist wohl Noah. Er ist unkompliziert und nicht so gezwungen besonders. Von allen ist er am einfachsten gestrickt, auch wenn sowas immer so negativ konnotiert ist. Mit seinen Herzensmenschen geht er immer fair um. Natürlich kann er auch super nerven und ist provokant, doch das mag ich an ihm und auch generell. 

In beiden Bänden werden sehr viele gesellschaftlichen Hindernisse thematisiert. Diese sind manchmal schon sehr prägsam und krass. Ich habe mich hin und wieder unwohl gefühlt und hatte auch Schwierigkeiten in solchen Momenten weiterzulesen. Es war fast schon zu einfach wie einige Momente einfach schnell wieder gut wurden oder ungeschehen wirkten. 

Was mir leider gar nicht gefallen hat war die Sprache. Das Wort fuck kam wahrscheinlich auf jeder Seite mindestens einmal vor, gefühlt eher 20mal. Das hat mich richtig fuchsig gemacht, weil ich es einfach nicht leiden kann und einen anderen Sprachgebrauch habe. Im Gegensatz dazu hat mir die liebevolle Art wenn die Paare sich näher kommen sehr gut gefallen. Das ist sehr kompatibel für Jugendliche, wenn auch etwas optimistisch, wie es sich in guten Schnullis eben gehört. 

Es ist definitiv keine Dilogie, die ich nochmal lesen wöllte, doch vor 10 Jahren hätte ich sie sicher gefeiert. Sie passt zur heutigen Jugend und deren Sprache. Sie ist außerdem sehr schön aufbereitet. Lettering spielt eine große Rolle für die beiden jungen Frauen und so sehen wir einige schöne Darstellungen. Natürlich auch sehr aktuell. 

Empfehlen möchte ich die kleine Reihe vor allem jungen Erwachsenen. An manchen Stellen ist es vielleicht sogar amüsant. Ansonsten kann es eine schöne Auszeit für zwischendurch sein,

eure Blue Diamond.





Sonntag, 11. Oktober 2020

The Deck of Omens

 


Hallo meine Gruselleser,

am Freitag habe ich euch von The Devouring Gray berichtet, heute möchte ich mit der Fortsetzung weitermachen. Dies ist Band 2 der Reihe und auch das Ende. Wenn ihr also auch kein Fan von endlosen Reihen mit 6-7 Bänden seid, dann seid ihr hier richtig. Wir folgen den Charakteren aus Band 1 nun nach den Ereignissen, von denen wir gehört haben, und es gilt, ein noch größeres Geheimnis zu lüften.

Die Fakten:

  • Autor: Christine Lynn Herman
  • Titel: The Deck of Omens
  • Reihe: The Devouring Gray 2
  • Sprecher: Sarah Beth Goer
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Dreamscape Media
  • Dauer: 11 Std. 9 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext: "Although the Beast is seemingly subdued, for now, a new threat looms in Four Paths: a corruption seeping from the Gray into the forest. And with the other Founders preoccupied with their tangled alliances and fraying relationships, only May Hawthorne seems to realize the danger. Saving the town she loves means seeking aid from the person her family despises most - her father. But he isn't the only newcomer in town - Isaac Sullivan's older brother has also returned, seeking forgiveness for the role he played in Isaac's troubled past. But Isaac isn't ready to let go of his family's history, especially when that history might hold the key that he and Violet Saunders need to destroy the Gray and the monster within it. Harper Carlisle isn't ready to forgive either. Two devastating betrayals have left her isolated from her family and uncertain whom to trust. As the corruption becomes impossible to ignore, Harper must learn to control her newfound powers in order to protect Four Paths. But the only people who can help her do that are the ones who have hurt her the most. With the veil between the Gray and the town growing ever thinner, the Founder descendants must put their grievances with one another aside to stop the corruption and kill the Beast once and for all. But maybe the monster they truly need to slay has never been the Beast...."

Zur Handlung: Wir sind zurück in Four Paths und einiges hat sich verändert. Violet kann sich schon kaum mehr an ein Leben vorher erinnern - an ein Leben ohne ihre Kräfte. Allerdings ist die Gefahr noch nicht abgewendet, und Violet und Isaac haben eine gewagten Plan. Sie wollen das Biest und die Welt, in der es lebt, endgültig zerstören. Doch mit ihrem Versuch treten sie eine ganz neue Katastrophe los.

May ist dagegen von allen abgeschnitten. Ihre Mutter sieht sie immer noch als unzureichend an, ihr Bruder hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen und Freunde hatte May noch nie wirklich. Aber eine Sache lag ihr schon immer besonders am Herzen: der Baum, der neben ihrem Haus wächst. Als dieser Baum angegriffen wird, verliert May die Geduld. Es ist Zeit zu handeln...

Dieses zweite Buch ist für mich deutlich besser geworden als Band 1. Ich fand es schön, dass Charaktere, die im ersten Band noch eher im Hintergrund blieben, nun ihre Momente bekommen: May und Isaac. Isaac ist dabei mein Lieblingscharakter. Ich mochte die Informationen, die wir über seine Kindheit, seine Familie und sein Ritual bekommen haben. Für mich ist er eine bessere Ausgabe von Ronan Lynch aus den Raven Boys-Büchern.

Wir bekommen auch neue Charaktere mit Mays Vater, der aus ungeklärten Gründen nicht mehr in Four Paths willkommen ist, und Gabriel, dem Bruder von Isaac. Beide stehen dabei eher auf der Antagonisten-Seite, während die bereits bekannten Charaktere sich eher auf der Protagonisten-Seite einordnen. Allerdings sind viele Charaktere immer noch eher als "grau" einzuordnen, da sie gute und schlechte Seiten haben. Das macht es deutlich realistischer, und die Beziehungen unter den Charakteren deutlich komplexer.

Daneben bekommen wir auch eine neue Bedrohung. Diese äußert sich als eine Art Krankheit, die zunächst erst die Bäume rund um Four Paths und dann auch die Einwohner befällt. Dabei verändern sich die Bäume auf schauerhafte Weise, die ich total interessant und einzigartig fand. Für mich hatte das Buch daher auch eine stimmungsvollere Atmosphäre, so mit den verunstalteten Bäumen. Allerdings muss man sagen, dass eine geheimnisvolle Krankheit, die einen Ort befällt, im Moment vielleicht nicht für alle Leser das Richtige ist. Aber hier folgen zumindest alle ohne zu murren den Sicherheitsvorkehrungen...

In diesem Buch finden wir auch deutlich mehr über Four Paths und seine Entstehung heraus. Ich mochte, dass wir dadurch eine bessere Backstory bekommen. Wir erfahren, woher das Monster kommt, wo es lebt und warum gerade die Gründerkinder besondere Fähigkeiten haben. Wir erfahren auch, warum ausgerechnet Justin bei seinem Ritual versagt hat. Dadurch gewinnt das Buch nochmal an Tiefe und das hat mir sehr gut gefallen.

In den Beziehungen zwischen den Charakteren tut sich einiges, und ich habe mich sehr über die Entwicklungen gefreut, die sich da ergeben haben. Es ist am Ende auch nicht alles in eine rose Wolke aufgelöst, was ich toll fand. Also wer es ein bisschen romantisch neben der Action mag, wird hier auch auf seine Kosten kommen.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Es gab definitiv einiges zu verlieren, die Charaktere hatten es nicht zu leicht in ihrem letzten Kampf gegen das Monster. Ich fand es auch gut, dass die Erwachsenen hier mit beteiligt waren. Es bedient dabei auch die Dinge, die man von so einer eher gruseligen Reihe am Ende erwarten würde, das finde ich immer irgendwie nett. Mich hat das Ende voll überzeugt.

Einige Kritikpunkte aus dem ersten Band bleiben für mich zwar bestehen, aber im Großen und Ganzen konnte mich Band 2 deutlich mehr überzeugen. Ich habe gern gelesen, wie die Gründerkinder hier weiter gegen das Biest und diese seltsame Krankheit kämpfen, aber auch gegen ihre inneren Dämonen und ihre Vergangenheit. Denn diese spielen auch eine große Rolle. Ich fand die Handlung durchgängig glaubhaft und wurde gut unterhalten. Daher kann ich euch das Buch wirklich nur empfehlen.

Wie steht ihr denn zu den Buchreihen: lieber nur Di- oder Trilogien oder gerne auch 6-10 Bücher?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Freitag, 9. Oktober 2020

The Devouring Gray

 


Hallo meine Gruselhasen,

heute möchte ich euch von einem tollen Buch für den Anfang vom Herbst berichten. Dieses Buch ist der erste Teil einer Dilogie und kam schon letztes Jahr raus. Allerdings warte ich immer gern, bis ich Reihen komplett lesen kann, deswegen werde ich euch Sonntag auch direkt den zweiten Band vorstellen. Wenn ihr also etwas sucht, das perfekt zum Wetter passt, lest weiter. 

Die Fakten:

  • Autor: Christine Lynne Herman
  • Titel: The Devouring Gray 
  • Reihe: The Devouring Gray 1
  • Sprecher: Sarah Beth Goer
  • Verlag: Dreamscape Media
  • Erschienen: 2019
  • Dauer: 10 Std 2 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "After the death of her sister, 17-year-old Violet Saunders finds herself dragged to Four Paths, New York. She may be a newcomer, but her mother isn't: They belong to one of the revered founding families of the town, where stone bells hang above every doorway and danger lurks in the depths of the woods. Justin Hawthorne's bloodline has protected Four Paths for generations from the Gray - a lifeless dimension that imprisons a brutal monster. After Justin fails to inherit his family's powers, his mother is determined to keep this humiliation a secret. But Justin can't let go of the future he was promised and the town he swore to protect. Ever since Harper Carlisle lost her hand to an accident that left her stranded in the Gray for days, she has vowed revenge on the person who abandoned her: Justin Hawthorne. There are ripples of dissent in Four Paths, and Harper seizes an opportunity to take down the Hawthornes and change her destiny. The Gray is growing stronger every day, and its victims are piling up. When Violet accidentally unleashes the monster, all three must band together with the other founders to unearth the dark truths behind their families' abilities, before the Gray devours them all."

Zur Handlung: Violet kennt sich aus mit Verlust. Nicht nur ihr Vater, auch ihre Schwester ist verstorben. Violets Mutter lässt sie allein in ihrem Schmerz, hält es allerdings für eine gute Idee, in den Ort zurückzuziehen, aus dem sie ursprünglich stammt. Four Paths ist allerdings kein gewöhnlicher Ort, was Violet schnell feststellt. In diesem Ort gibt es nämlich ein Monster im Wald, und bestimmte Familien sind für die Sicherheit im Ort zuständig.

Zu diesen Familien gehören Justin, seine Schwester May, außerdem Isaac und Harper. Und Violet muss feststellen, dass sie selbst auch zu einer solchen Familie gehört und dass sie plötzlich eine beunruhigende Fähigkeit besitzt. Während Violet versucht sich in dieser neuen Umgebung einzuleben, haben es dunkle Mächte genau auf ihre Fähigkeit abgesehen.

Der Beginn der Geschichte hat mich ehrlich gesagt sehr an Sawkill Girls erinnert - das Mädchen, das in eine Stadt kommt, die ein dunkles Geheimnis hat, und überraschend schnell Freundschaften schließt und plötzlich mitten im Geschehen ist. Dann haben wir da den Teil, der an Strange Grace erinnert - ein Ort irgendwo, der von einem Wald umgeben ist, in dem ein Monster lebt, das mordet. Und schließlich ist da das Raven Cycle Feeling - gerade das Deck of Omens, als eine Art Tarot, aber auch die Konstellation der Charaktere.

Wenn ihr aber darüber hinwegsehen könnt, dann ist dieses Buch auf jeden Fall interessant. Wie die genannten Beispiele ist es eine schaurige Abenteuergeschichte, in der eine Gruppe von Teenagern versucht ihre Welt zu retten. Es geht dabei nicht nur gegen ein schreckliches Monster, sondern auch gegen die menschliche Natur. 

In Four Paths gibt es vier Familien mit besonderen Kräften. Justin und May sind Hawthornes und haben eher psychische Kräfte, Isaac ist der letzte Sullivan und ihre Kräfte heilen oder zerstören, Harper ist eine Carlisle und damit hat sie ein Händchen für Gesteine, und Violet ist eine Saunders und hat damit Kräfte, die mit Leben und Tod zu tun haben. Ich mochte diese Aufteilung total, und auch die einzelnen Formen, die die Kräfte annehmen konnten. All das geht zurück auf die vier Gründer der Stadt, die das Monster in eine andere Dimension - the Gray - verbannt haben, um die Stadt zu schützen.

Neben den schaurigen Aspekten stand für mich in diesem Buch das Beziehungsgeflecht zwischen den Charakteren im Vordergrund. Wir haben Geschwisterbeziehungen bei allen Hauptcharakteren, schwierige Bindungen zu den Eltern und auch ein wenig Teenage-Drama untereinander. Ich hatte das Gefühl, dass all das sehr realistisch und sehr komplex aufgeworfen wird. Das hat mir besonders gut gefallen.

Wenn es dann um die eigentliche Handlung geht, hat mir in diesem ersten Buch noch so ein bisschen das Alleinstellungsmerkmal gefehlt. Wenn man viel in diese Richtung liest, bringt The Devouring Gray nicht viel Neues dazu. Allerdings mochte ich, dass es in diesem Buch einige offen bisexuelle Charaktere gibt. Abgesehen davon lässt es allerdings an Diversität ein bisschen zu wünschen übrig. Mit Harper haben wir einen körperlich behinderte Person, da sie ihre Hand verloren hat. Ansonsten wird in diesem Buch außerordentlich häufig darauf hingewiesen, dass Charaktere weiß sind. Das fand ich irgendwie störend, da gefühlt nichts anderes erwähnt wurde. 

Am Ende wird dann einiges an Geheimnissen aufgedeckt, es geht auch wirklich dann um einiges für so ein Jugendbuch, und es hat einfach alles gut zusammengepasst. Ich kann hier jetzt nicht so viel sagen, ohne zu spoilern, aber ich mochte, dass hier Handlungen nicht ohne Konsequenzen bleiben und alles irgendwie gut abgebunden wurde.

Alles in allem war das Buch in Ordnung. Ich mochte vor allem die Charaktere und ihre Verbindungen untereinander. Auch das Setting war gut gewählt. Dagegen stand für mich ein bisschen die mangelnde Diversität in manchen Bereichen. Auch die Handlung war nicht super originell, aber das Ende hat dann schon gut zu allem gepasst. Insgesamt empfehle ich das Buch vor allem, weil ich Band zwei deutlich besser finde.

Kennt ihr das Buch schon? Oder habt ihr davon gehört, dass es etwas unoriginell ist?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:


 

Sonntag, 5. Juli 2020

Persepolis - Eine Kindheit im Iran

Hallo meine Comicfreunde,

als ich Anfang des Jahres mal einen Schneesturm in der Bibliothek ausgeharrt habe, habe ich einen Aufsteller mit biografischen Graphic Novels gefunden - und darin dieses Buch. Auf meiner Liste hatte ich es schon ganz lange, weil ich so viel Gutes gehört habe. Also nahm ich das Buch mit - dann kam der Lockdown. Nun habe ich das Buch gelesen und möchte euch berichten.

Die Fakten:
  • Autor: Marjane Satrapi
  • Titel: Persepolis - Eine Kindheit im Iran
  • Reihe: Persepolis 1-2
  • Übersetzung: nicht ausgewiesen
  • Erschienen: 2005
  • Verlag: Verlag Carl Ueberreuter
  • Seiten: 160
  • Preis: ab wenige Euro gebraucht
  • Klappentext: "1979 fand im Iran die islamische Revolution statt. "Seither", so schreibt Marjane Satrapi, "wird diese traditionsreiche Zivilisation fast ausschließlich mit Fundamentalismus, Fanatismus und Terrorismus in Verbindung gebracht. Als Iranerin, die mehr als ihr halbes Leben im Iran verbracht hat, weiß ich, dass dieses Bild falsch ist. Darum war es so wichtig für mich, Persepolis zu schreiben. Ich glaube, dass man eine ganze Nation nicht aufgrund der Fehler einer extremistischen Minderheit verurteilen darf. Ich will auch nicht, dass jene Iranerinnen und Iraner vergessen werden, die für die Freiheit gekämpft haben und im Gefängsnis gestorben sind, die ihr Leben im Krieg gegen den Irak verloren und unter verschiedensten repressiven Systemen gelitten haben oder gezwungen waren zu fliehen. Man kann vergeben, aber man soll niemals vergessen.""

Zur Handlung: In diesem autobiographischen Comic verfolgen wir Marjane Satrapi durch ihre Kindheit. Schon früh interessiert sie sich dafür, was um sie herum geschieht. Ihre Eltern sind sehr politisch, und Marjane möchte mit ihnen demonstrieren gehen. Die Eltern verbieten es. Als es zur islamischen Revolution kommt, muss die Familie Schicksalsschläge hinnehmen.

Marjane wächst trotzdem recht behütet in einer privilegierten Familie auf. Sie ist verwirrt, als sie plötzlich nicht mehr mit Jungen in die Schule gehen darf, und kein Fan vom Kopftuch, das sie plötzlich tragen soll. Als dann der Nachbarsjunge ihr sagt, dass er sie heiraten wird, wenn er aus dem Krieg zurückkommt, fühlt sie sich sogar angegriffen - soll sie dabei nicht mitreden? Doch ihre Familie hat letztlich andere Pläne für sie...

Dieses Graphic Novel erzählt sehr episodenhaft an typischen Momenten, wie die Kindheit im Iran war. Ich mochte es, durch die Augen eines Kindes zu schauen. Marjane lässt sich von den Debatten der Erwachsenen hin- und herreißen. Als Kind versteht sie die Komplexität der Wirklichkeit noch nicht. Doch wir sehen sie. Und ich fand es toll, dass auch Szenen und Aussagen hier protokolliert werden, die die erwachsene Marjane sicher nicht mehr so machen würde.

Da ich mich vorher noch nie mit dem Iran beschäftigt habe, habe ich von diesem Buch viel gelernt. Die Vorstellung, dass die Revolution von einer extremistischen Gruppe genutzt wurde, um den Iran wieder zu einem fundamentalistischen Gebiet zu machen, ist wirklich schwierig. So haben damals auch viele Personen gegen Dinge wie die Burka protestiert. Gebracht hat es aber nichts. Das durch die Kinderaugen zu sehen, Marjane zu sehen, wie sie ihre Freundinnen plötzlich unter den Kopftüchern sieht, das war sehr stark.

Der Zeichenstil im Buch ist recht simpel gehalten und es gibt eher wenig Text. Dadurch kann man das Buch sehr schnell lesen. Allerdings sollte man doch die eine oder andere Pause einplanen, denn was hier so simpel beschrieben wird, sind teilweise absolut schreckliche Dinge. Ziemlich genau in der Mitte war so ein Moment, der mich fast zum Weinen gebracht hat.

Mit dem Älterwerden wird Marjane auch rebellischer. Als Tochter von hochgebildeten, insofern privilegierten und eher linken Eltern findet sie nicht viel an der islamischen Ausrichtung ihres Landes. Sie will die Musik hören, die in der westlichen Welt modern ist, und die coolen Klamotten aus dem Westen tragen. Aber das birgt auch seine Gefahr, worauf am Ende des Buches auch nochmal eingegangen wird. Ich finde es einfach gut, wenn solche Kapitel dann den Leser abholen können: wir waren alle mal Teenager und wissen genau, was in Marjane zu dieser Zeit los ist.

Alles in allem bekommt auch dieses Buch von mir eine volle Empfehlung. Es ist (mehr oder weniger) unterhaltsam und trotzdem lernt man dabei sehr viel. Ich habe gemerkt, wie wenig ich über die Geschichte des Iran weiß. Ich möchte auf jeden Fall bald auch den zweiten Band über die Jugend von Marjane lesen. Es ist kurzweilig, aber sehr informativ. Und die Bilder helfen, manche Punkte noch deutlicher zu machen, als reiner Text das je könnte. 

Kennt ihr den Comic? Und interessieren euch solche biographischen Graphic Novels?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung: