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Mittwoch, 8. Januar 2025

A Sorceress Comes to Call


Hallo meine Bücherfreunde,

letztes Jahr habe ich es mit dem Bloggen einfach nicht hinbekommen. Heute starten wir einen neuen Versuch im neuen Jahr. Wird es besser klappen? Wer weiß das schon... Ich dachte aber, ich starte mit einem Buch, das ich gerade erst beendet habe. Es ist auch erst letztes Jahr erschienen, also fühlt es sich frisch und neu und aufregend an. Und dann ist es auch noch von meiner Lieblingsautorin geschrieben, also was kann schief gehen?

Die Fakten:

  • Autor: T Kingfisher
  • Titel: A Sorceress Comes to Call
  • Erschienen: 2024
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Dauer: 11 Std 8min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Cordelia knows her mother is . . . unusual. Their house doesn’t have any doors between rooms—there are no secrets in this house—and her mother doesn't allow Cordelia to have a single friend. Unless you count Falada, her mother's beautiful white horse. The only time Cordelia feels truly free is on her daily rides with him. But more than simple eccentricity sets her mother apart. Other mothers don’t force their daughters to be silent and motionless for hours, sometimes days, on end. Other mothers aren’t evil sorcerers. When her mother unexpectedly moves them into the manor home of a wealthy older Squire and his kind but keen-eyed sister, Hester, Cordelia knows this welcoming pair are to be her mother's next victims. But Cordelia feels at home for the very first time among these people, and as her mother's plans darken, she must decide how to face the woman who raised her to save the people who have become like family."

Zur Handlung: In dieser Neuinterpretation des Märchens über die Gänsemagd und Falada, da du hangest, geht es um zwei weibliche Charaktere: auf der einen Seite haben wir ein junges Mädchen, dessen Mutter eine Magierin ist. Durch die Magie kann die Tochter gefügig gemacht werden, am Ende ist sie dann wie eine Marionette. Die Mutter setzt es sich nun zum Ziel, einen Ehemann zu finden, damit sie finanziell abgesichert ist.

Auf der anderen Seite haben wir eine Frau im mittleren Alter, die ein ruhiges Leben mit ihrem Bruder führt. Beide sind unverheiratet, und das auch aus Überzeugung. Doch nun taucht eines Tages die Magierin auf und will den Bruder verführen. Bald merkt die Schwester jedoch, dass mit der Tochter der Magierin etwas nicht stimmt, und damit beginnt der Kampf gegen die Magierin und ihre Intrigen.

Ich liebe ja die Bücher von T Kingfisher. Sie haben immer einen ganz eigenen Charme und eine einzigartige Ausdrucksweise. Hier verbindet die Autorin nun zwei verschiedene Charaktere, die sehr typisch für sie sich. Während Cordelia, die Tochter der Magierin, sehr zurückgezogen, schüchtern und verletzt ist, ist Hester, die Schwester des auserkorenen Ehemanns, selbstsicher, eigenständig, aber immer freundlich und unterstützend. Daraus ergibt sich ein sehr angenehmes Gespann, dem ich gerne gefolgt bin.

Wie auch schon das Originalmärchen, so wirft auch diese Geschichte dunkle Themen auf. Durch Cordelia sehen wir den Einfluss von Traumata schon früh in der Kindheit. Sie wird immer wieder von ihrer Mutter für vermeintliches Fehlverhalten bestraft, indem diese Kontrolle über sie nimmt und sie fernsteuert. Cordelia hat kaum Freunde und ist eher eine Angestellte als eine Tochter. Cordelias Mutter hat auch keine Probleme damit, Personen, die ihr im Weg stehen, recht final loszuwerden. Dennoch wird alles mit T Kingfishers bekanntem Humor erzählt, sodass es nie zu schmerzlich wird, weiterzulesen.

Neben den beiden Hauptfiguren haben wir gar nicht so viele andere Charaktere. Cordelias Mutter ist sehr eindeutig die Bösewichtin der Geschichte. Hesters Bruder ist ein guter Mann, aber auch etwas simpel, wenn es um Intrigen geht. Später werden dann noch weitere Charaktere hinzugezogen. Wir haben zwei Freundinnen von Hester, eine davon eine ehemalige Geliebte von Hesters Bruder, und den Mann, der in Hester seit Jahren verliebt ist, den sie aber nicht heiraten möchte, um unabhängig zu bleiben. Auch spielt der Großteil der Geschichte am gleichen Ort, im Haus von Hesters Bruder. Nur am Anfang und Ende sind wir in anderen Häusern, allerdings macht das recht wenig Unterschied, die Geschichte hat in der Beziehung eher ein statisches Gefühl.

Besonders mochte ich auch, wie das Originalmärchen der Gänsemagd hier auf den Kopf gestellt wird. Vor allem wenn es um Falada, das treue Pferd, geht, geht T Kingfisher hier ihren ganz eigenen Weg und baut sogar einen kleinen Seitenhieb ein, wenn unsere Charaktere darüber sprechen, dass noch kein Lebewesen es überlebt hat geköpft zu werden. Durch die völlig neue Geschichte bleibt auch alles frisch und unerwartet, es ist nicht einfach eine Neuerzählung der alten Geschichte.

Am Ende wird es dann auch nochmal wirklich gefährlich für unsere Charaktere, obwohl sich so ein Gefühl der immanenten Gefahr schon durch das ganze Buch aufbaut. Ich mochte, wie es am Ende dann auch nicht eine Heldin allein gibt, sondern alle ihren Beitrag leisten, dass dann vielleicht doch alles gut ausgehen kann. Hier hat mich das Buch nicht enttäuscht.

Insgesamt war das eine tolle Neuerzählung eines Märchens, das zwar vom Original in gewisser Hinsicht inspiriert ist, aber doch seinen eigenen Weg zu gehen weiß. Ich mochte die Charaktere, die wie bei T Kingfisher üblich sehr liebenswert sind. Mit der Magierin haben wir auch eine tolle Antagonistin, die es einem kalt den Rücken runterlaufen lässt. Für mich war die Geschichte, auch wenn sie nicht rasant erzählt ist, zu jeder Zeit spannend und hat mir ein gemütliches Gefühl für den Jahreswechsel gegeben.

Ich hoffe, ihr schaut in dieses Werk von T Kingfisher auch bald rein.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:


Samstag, 29. Juni 2024

The Tangleroot Palace


Hallo meine Lieblingsleser,

ein Buch, das ich letztes Jahr beim Buchwichteln bekommen habe, möchte ich euch heute vorstellen. Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von der Autorin der Monstress Comics, die ich liebe. Diese Geschichte sind in den letzten ca. 10 Jahren geschrieben wurden und nun hier gemeinsam veröffentlicht. Ich war sehr gespannt, wie die Autorin Geschichten nicht grafisch, sondern nur mit Text erzählt.

Die Fakten:

  • Autor: Marjorie Liu
  • Titel: The Tangleroot Palace
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Tachyon Publications
  • Seiten: 239
  • Preis: 11,40 Euro
  • Klappentext: "New York Times bestselling author Marjorie Liu (Monstress) leads you deep into the heart of the tangled woods. In her dark, romantic, and spellbinding short fiction you will find dangerous magic and even more dangerous women: a body-stealing sorceress, a bone-collecting apprentice-witch, a princess-turned-actress, and a warrior protecting China from her jealous ex. Concluding with a gorgeous full-length novella, Liu's short fiction collection is an unflinching sojourn into her thorny tales of love, revenge, and new beginnings."

Nun zunächst zu den einzelnen Geschichten, bevor mein Gesamtfazit kommt:

  • Sympathy for the Bones

In dieser etwa 20 Seiten langen Geschichte folgen wir einer jungen Frau, die für eine alte Frau arbeitet, die Woodoo-Puppen und -Zauber herstellt. Wir sehen, wie diese Puppen dazu dienen, Männer zu bestrafen und aus dem Weg zu räumen. Dabei scheint unsere Erzählerin aber Geheimnisse zu haben und ihre ganz eigenen Pläne zu verfolgen. Ich hatte am Anfang einige Probleme mit der Sprache, und ich weiß auch nicht ganz, wie ich die Verwendung von Woodoo hier finde, aber am Ende hatte die Geschichte eine faszinierende Atmosphäre. Ich gebe ihr 4 Sterne.

  • The Briar and the Rose

Diese Geschichte kenne ich tatsächlich schon aus einer anderen Geschichtensammlung, aber ich habe extra nicht geschaut, wie ich die Geschichte vor Jahren empfunden habe.  Die Geschichte ist etwa 30 Seiten lang und wir folgen eine Duellistin, die angeheuert wurde um eine wunderschöne Kurtisane zu beschützen. Allerdings hat letztere ein dunkles Geheimnis, und unsere Hauptfigur ist ihr auf die Schliche gekommen. Diese Geschichte ist inspiriert von Dornröschen und versucht diese Geschichte so neu zu erzählen, dass Frauen in ihr Macht haben. Tatsächlich spielen auch die Männer hier kaum eine Rolle. Ich finde die Geschichte großartig und gebe ihr 5 Sterne. Beim ersten Lesen hatte ich ihr nur 4 Sterne gegeben, aber so ändert sich der Geschmack eben.

  • The Light and the Fury

In dieser etwa 25 Seiten langen Geschichte geht es um eine Frau, die besondere Fähigkeiten hat. Mit diesen hat sie lange ihrem Land geholfen, bis die feindlichen Briten mit Experimenten begonnen haben, um ihre eigenen Super-Soldaten zu kreieren. Man wird hier ziemlich hineingeworfen, ohne dass man wirklich weiß, worum es eigentlich geht. Man muss einfach mitgehen und abwarten, ob es sich schließlich erklärt. Dabei steht im Zentrum eine Freundschaft von zwei Frauen, die an Eifersucht scheitert, und das in einer Welt mit viel Magie und Gewalt. Ich gebe ihr 4 Sterne.

  • The Last Dignity of Man

Diese etwa 30 lange Geschichte erzählt uns von Alexander Lutheran, der in seinem Kopf Lex Luther heißt. Er ist der Chef einer Gentechnik-Firma, die an geheimen Projekten für die US-Regierung arbeitet. Nachts sucht er jedoch nach seinem Clark Kent. Er trifft in einer Mittagspause einen wohnungslosen Mann, der sein Leben verändert. Ich mochte diese Geschichte, auch wenn sie ziemlich wild ist. Ich gebe ihr 4 Sterne. 

  • Where the Heart Lives 

In dieser Geschichte, die auch etwa 30 Seiten lang ist, hören wir die Geschichte von einem Mädchen, das von seiner Familie sehr lieblos weggeschickt wird und bei sonderbaren Menschen tief in einem unheimlichen Wald ein Zuhause findet. Die Geschichte fühlt sich definitiv wie ein Märchen an, und sie ist mit einer Buchreihe verknüpft, die die Autorin geschrieben hat. Allerdings funktioniert die Geschichte auch sehr gut, wenn man die Reihe nicht kennt. Ich gebe ihr für die wunderbar dunklen Märchenvibes 5 Sterne.

  • After the Blood 

Diese Geschichte ist etwa 45 Seiten lang und erzählt von einer dystopischen Welt, in der eine Pandemie den Großteil der Menschheit getötet hat. Nun sind die Amish diejenigen, die Communities anführen, weil sie noch wissen, wie man ohne Technologie überlebt. Wir treffen auf eine Frau, die ihren Hof und ihre Katzen nachts gegen seltsame Monster verteidigt, bis eines Nachts zwei Männer bei ihr auftauchen und Unterschlupf suchen. Ich fand leider, dass viel zu viel der Geschichte unklar war, und bis zum Ende keine wirklichen Erklärungen folgten. Daher gebe ich 3 Sterne.

  • Tangleroot Palace 

Diese titelgebende ist die längste in der Sammlung mit etwa 60 Seiten. Wir folgen Prinzessin Salinda, die von ihrem Vater an einen gefährlichen Warlord verheiratet werden soll. Doch diese Prinzessin wird nicht einfach ihr Schicksal still ertragen, sie flieht und sucht einen Weg zum verzauberten Wald, wo eine träumende Königin ihr vielleicht helfen kann. Auf dem Weg trifft sie einen mysteriösen Schausteller, der ihr nicht aus dem Kopf gehen wird. Ich mochte diese Geschichte sehr, in Teilen hat sie mich an den Stil von T Kingfisher erinnert, was ich liebe, und daher gebe ich ihr 5 Sterne.

Insgesamt kann ich diese Geschichtensammlung empfehlen, wenn ihr auch gern dunkle Märchen mit einem aufregenden Twist lest. Hier wird viel aus einer feministischen Perspektive geschrieben, was mir sehr zusagt. Außerdem gibt es auch Geschichten, die nicht so märchenhaft sind und die Sammlung dadurch abwechslungsreich machen. Wenn euch gefällt, was in Monstress gemacht wird, ihr den Comic aber etwas zu verwirrend findet, werdet ihr mit den meisten Geschichten hier garantiert Freude haben.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 10. März 2024

The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl


Hallo meine Historienhasen,

und schon kommen wir zum Ende dieser Trilogie und auch zum Ende dieser Woche. Nachdem die ersten beiden Bände meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnten, hatte ich jetzt noch einmal Hoffnung für das große Finale. Zumindest gab es Anzeichen, dass hier noch einmal Abenteuer und Mystery aufkommen könnten. Aber konnte das letzte Buch die Reihe retten?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Sinister Mystery of the Mesmerizing Girl (dts. Das unheilvolle Geheimnis des faszinierenden Mädchens)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 3
  • Erschienen: 2019
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 434
  • Preis: 12,50 Euro
  • Klappentext: "Life's always an adventure for the Athena Club ... especially when one of their own has been kidnapped! After their thrilling European escapades rescuing Lucinda van Helsing, Mary Jekyll and her friends return home to discover that their friend and kitchen maid Alice has vanished - and so had Mary's employer Sherlock Holmes! As they race to find Alice and bring her home safely, they discover that Alice's and Sherlock's kidnappings are only one small part of a plot that threatens Queen Victoria and the very future of the British Empire. Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine save their friends - and save England?"

Zur Handlung: Während Mary und ihre Gefährtinnen noch in Budapest auf der Suche nach Antworten auf die Fragen ihrer Entstehung sind und sich um einen ethischeren Umgang mit Experimenten in der Alchemistischen Gesellschaft bemühen, bekommen sie ein Telegramm, dass Alice entführt wurde. Sofort machen sie sich auf den Weg zurück nach England.

Inzwischen ist klar, dass Alice nicht einfach nur zufällig in die Hände von Verbrechern gefallen ist, sondern dass sie die Enkelin eines weiteren Alchemisten ist und besondere Fähigkeiten hat. Diese Fähigkeiten sollen nun missbraucht werden, um die Queen zu stürzen. Alice gelingt es, das Vertrauen der Verbrecher zu erlangen, um so möglichst den anderen zu helfen, diese Pläne zu vereiteln.

Wenn man den Klappentext liest, sieht man genau die Probleme, die ich schon beim ersten Buch hervorgehoben habe: die Autorin versucht eine feministische oder zumindest progressive Geschichte zu erzählen mit Charakteren, die das britische Empire und damit ein Kolonialland mit einem Monarchen an der Spitze retten sollen. So richtig haut das natürlich nicht hin, sodass unsere progressiven Heldinnen weiter altbacken und fehl am Platz wirken.

Für die Charaktere kann man hier nicht viel ergänzen, denn wie gesagt machen diese keine nennenswerte persönliche Entwicklung durch. Hervorzuheben ist hier nur Alice, die nun auch Kapitel aus ihrer Sichtweise bekommt. Sie ist dabei deutlich jünger als die anderen und als Waise aufgewachsen. Auch hier wird die Klassengesellschaft als solche wieder nicht in Frage gestellt, denn Alice will auch dann weiter Küchenmagd bleiben, als klar wird, dass sie eigentlich aus einem wohlhabenden Hause stammt. Klar, für andere arbeiten macht halt einfach Spaß. Trotzdem mochte ich Alice als Charakter, sind ich schlau und wird schnell unterschätzt. Sie hat mich auch ein wenig an einen Hobbit erinnert, so Abenteuer sind nix für sie, aber sie schlägt sich dann erschreckend gut darin. Und ihre Fähigkeiten sind auch echt cool.

Durch die vielfältigen Perspektiven, die in diesem Buch zusammenkommen, geht aber leider der Mysteryaspekt völlig unter. Schon zu Beginn wissen wir, wo Alice ist, wer sie warum entführt hat, wo Sherlock ist, und was der Plan des ganzen Verbrechens ist. Jetzt warten wir also wieder darauf, dass die anderen Athena Club-Mädels das auch alles herausfinden und was dagegen tun können.

Gleichzeitig spielt in diesem Buch dann auch die Bösewichtin (quasi) aus dem vorherigen Band noch eine Rolle und wir erfahren noch mehr über ihren Hintergrund. Wie super toll dabei der Blick auf das antike Ägypten gelungen ist, und dann auch auf die Kolonialgeschichte der Welt, darüber kann man dann vielleicht streiten. Ich denke, mit allem, was ich bisher gesagt habe, könnt ihr euch ein Bild machen.

Was hier noch mehr zum Thema gemacht wird, ist Fremdenhass und white supremacy. An sich finde ich das wichtige Themen, die ich auch gern in Büchern aufgegriffen sehe. Allerdings dient es hier eher dazu die Bösen als die Bösen zu markieren. Eine richtige Auseinandersetzung geschieht nicht. Alles bleibt ähnlich wie im Rahmen des zweiten Buchs, als eine Frau of Color unseren Heldinnen vorwirft, dass sie aus rassistischen Gründen verdächtigt wird. Und was mir dann hier noch etwas seltsam aufgestoßen ist, ist, dass diese white supremacy-Gruppe eine Familie als Bedienstete hat, die polnische Juden sind...

Am Ende geht es dann noch einmal hoch her, Mary und ihre Freunde müssen schließlich die Queen retten. Ich muss aber gestehen, dass mir dieser letzte Band am allerwenigsten im Kopf geblieben ist. Dabei hatte ich, als ich den gelesen habe, soweit ich mich erinnere am wenigsten Corona, und somit eigentlich die besten Chancen mich zu erinnern (ja, ich habe einen Teil der Reihe in der Zeit gelesen, als ich mit Corona flach lag - immerhin war es dann nicht allzu schwere Kost für meinen Kopf). Es ist halt dann einfach so weitergeplätschert, wie die Reihe generell war.

Alles in allem war die Reihe für mich eher eine Enttäuschung, nicht weil sie grundsätzlich schlecht war, aber weil ich einfach etwas total Tolles erwartet habe und dann nur eher etwas Mittelmäßiges bekommen habe. Das Buch hat für mich auch einfach zu viele Charaktere und Perspektiven, sodass man keinen Charakter so richtig gut kennen lernen und auch analysieren kann. Auch die Fälle, die hier gelöst waren, sind immer viel zu offensichtlich - oder eben wie hier im letzten Band, wir wissen die Lösung durch die vielen Perspektiven. Also auch die Handlung hält mich nicht richtig bei Laune. Der Schreibstil ist niedlich, so mit den Kommentaren der Charaktere im Manuskript, aber da hätte auch ein Buch gereicht für. Deswegen ist mein Fazit: lest lieber erstmal Band 1 und überlegt dann, ob ihr noch weitere ~1200 Seiten davon lesen wollt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Samstag, 9. März 2024

European Travel for the Monstrous Gentlewoman


Hallo meine Historienhasen,

gestern hatte ich euch von Band 1 dieser Reihe berichtet, der mir an sich gut gefallen hat, auch wenn er mit meinen Erwartungen nicht mithalten konnte. Heute kommen wir zu Band 2, der aus bis heute ungeklärten Gründen fast doppelt so lang ist wie Band 1. Und die Frage drängt sich auf: ist es das wert?

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: European Travel for the Monstrous Gentlewoman (dts. Die wilde Jagd nach der monströsen Dame)
  • Reihe:  The Extraordinary Adventures of the Athena Club 2
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 706
  • Preis: 12,79 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll's life has been peaceful since she helped Sherlock Holmes and Dr Watson solve the Whitechapel Murders. Beatrice Rappaccini, Catherine Moreau, Justine Frankenstein, and Mary's sister, Diana Hyde, have settled into the Jekyll household in London, and although the sometimes quarrel, the members of the Athena Club get along as well as any five young women with very different personalities. As least they can always rely on Mrs Poole. But when Mary receives a telegram that Lucinda Van Helsing has been kidnapped, the Athena Club must travel to the Austro-Hungarian Empire to rescue yet another you woman who has been subjected to horrific experimentation. Where is Lucinda, and what has Professor Van Helsing been doing to his daughter? Can Mary, Diana, Beatrice, Catherine, and Justine reach her in time? Racing against the clock to save Lucinda from certain doom, the Athena Club embarks on a madcap journey across Europe. From Paris to Vienna to Budapest, Mary and her friends must make new allies, face old enemies, and finally confront the fearsome, secretive Alchemical Society. It's time for these monstrous gentlewomen to overcome the past and create their own destinies."

Zur Handlung: Um sich weiter ein gutes Leben leisten zu können, müssen im Athena Club-Haushalt alle mit anpacken. Beatrice stellt aus ihren Pflanzen Medizin her, Catherine schreibt Bücher und Mary arbeitet bei Sherlock Holmes als Schreibkraft. Doch als sie ein Telegramm erhalten, dass ihre detektivischen Fähigkeiten erbittet, begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise.

Zwischen Zugfahrt, deutschen Spionen, Zirkuskünstlern, psychiatrischen Anstalten, wissenschaftlichen Konferenzen und viiiielen Törtchen und Dinnern müssen sie versuchen, Lucinda von Helsing zu finden. Dabei treffen sie auch auf neue Verbündete, wie Laura und Carmilla, und machen sich neue quasi-prähistorische Feinde. Und es gibt viele Törtchen und Dinner.

Nach dem ersten Band war ich echt gespannt, was nun hier auf 700 Seiten auf mich wartet. Ich fand den ersten Teil zwar interessant, aber auch enttäuschend. Darum hatte ich Hoffnung, dass es in Band 2 nun richtig losgeht, und die Reihe meine Erwartungen mehr erfüllt, vor allem wenn es um den Punkt Frauenpower geht. In zwei Aspekten passiert das auch: erstens können wir recht früh Holmes abschütteln, und das Buch versucht sogar selbstironisch damit umzugehen, dass er sich so sehr in das erste Buch hineingedrängt hatte; zweitens haben wir jetzt hier bei all den Frauen auch mal ein gleichgeschlechtliches Paar - wenig überraschend inspiriert von dem Klassiker Carmilla.

Trotzdem war dieser Band noch mehr Enttäuschung als Band 1. Das hat viele Gründe. Wir haben als Hauptfigur wieder Mary, die nach wie vor so unnahbar ist wie in Band 1. Wir bekommen aber etwas mehr Einblicke in Justine, was ich sehr mochte, und für Beatrice gibt es eine Liebesgeschichte, die ich an sich auch mochte, die aber so plump geschrieben war und wo ich Catherine so richtig ätzend fand. Ansonsten bleibt Diana weiter laut und nervig. Mrs Poole lassen wir in England zurück, aber die würde es woanders eh nie aushalten. Zum Glück gilt das gleiche für Holmes und Watson. Dazu kommen dann neue Charaktere, wie Lucinda, Carmilla, Laura und Holmes' Ex Irene Adler.

In diesem Buch wartet sehr viel Herumgereise auf uns. Natürlich war reisen zu dieser Zeit nicht unbedingt komfortabel, und hat auch echt eine Weile gedautert. Aber abgesehen davon passiert hier dann auch nicht viel. Was mich allerdings besonders angestrengt hat, war das viele Essen. Ich liebe eigentlich Essen in Geschichten, denn ich bin auch so ein großer Foodie. Hier nimmt es aber so viel Überhand, und in den seltsamsten Momenten wird ein Picknick gemacht oder ein Dinner gegessen. Unser Feind hat uns in eine gruslige Ruine entführt, lasst uns erstmal was essen? Ok. 

Die Länge des Buches ist dabei völlig übertrieben. Die Geschichte gibt letztlich kaum mehr her als in Band 1. Noch dazu ist hier alles noch viel offensichtlicher. Und ich muss ehrlich zugeben, dass die kreativen Entscheidungen in diesem Band für mich keinen Sinn gemacht haben. In Band 1 hat sich die Autorin entschieden eine heutzutage kontrovers diskutierte Figur klar zum Bösen zu machen, was ich so nicht hatte erwartet. In Band 2 jedoch wird jetzt eine eigentlich recht klar böse Figur der Literatur plötzlich zum Guten gemacht und dafür die gute Figur böse? Und sobald ihr ein bisschen Wissen über Klassiker habt und dann van Helsing und Carmilla hört, da wisst ihr ja, was der Mystery-Aspekt ist. Aber unsere Damen nicht, und wir dürfen da dann irgendwie hinterherstümpern.

Wenn das dann endlich soweit abgehakt ist, geht es dann noch weiter nach Budapest, wo der Entgegner der alchemischen Gesellschaft auf sie wartet. Auch hier wird dann viel gesessen, viel beraten, viel gegessen. Dann nochmal kurz Action, aber nicht zu viel. Das hat mir für 700 Seiten einfach nicht gereicht. Das Ende ist dann zwar etwas überraschender als die Hintergründe von Lucindas Entführung, aber konnte das Buch nicht mehr retten für mich.

Genervt hat mich auch, dass so viele kleine Fehler in dem Buch waren. So ist Justine angeblich ein absolutes Sprachgenie und stammt auch aus der Schweiz. Trotzdem sind dann grammatische Fehler in den Sachen, die sie auf Deutsch sagt. Für die anderen Sprachen bin ich dann kein Experte, aber es kommt auch einiges an Französisch, Italienisch und Ungarisch vor. Seltsam ist vor dem Hintergrund, dass das Buch ja von Catherine geschrieben wird, auch, dass sie die ungarischen Namen perfekt buchstabieren kann und dann hinterher schreibt, wie es ausgesprochen wird. Da hätte man glaube ich mehr im Konzept bleiben können. Und neben sprachlichen Sachen waren auch so ein paar Dinge inkonsistent, zum Beispiel wenn über Stockwerke gesprochen wird, die im Englischen anders gezählt werden als im Deutschen. Eine Frau, die seit Jahren als Spionin in Österreich lebt, sollte das wissen, zählt aber weiter britisch. In der deutschen Übersetzung ist das dann vielleicht alles glattgebügelt - man sollte es hoffen.

Alles in allem war das Buch auch wieder eine Enttäuschung, und das nachdem ich meine Erwartungen nach Band 1 schon deutlich gesenkt hatte. Ich habe hier dann auch gemerkt, dass ich mit den Charakteren einfach nicht warm werde, war vor allem daran liegt, dass sie dann doch recht flach bleiben und sich eigentlich auch null entwickeln. Das gilt vor allem für Mary, aber auch Diana und Catherine sind einfach absolut gleich durch alle Bücher hinweg. Etwas mehr Justine fand ich gut, von Beatrice hätte ich etwas mehr erhofft. Aber wenn einem die Charaktere egal sind, kann halt auch in der Handlung passieren, was da will.

Ich würde es also nicht empfehlen, diese Reihe weiterzulesen, außer ihr seid absolut verliebt in Band 1 und wollt unbedingt weiter und lange diesen Charakteren folgen. Band 3 habe ich dann trotzdem auch noch gelesen, dazu morgen mehr.

Bis bald,
Eure Kitty Retro






Meine Bewertung:



Freitag, 8. März 2024

The Strange Case of the Alchemist's Daughter


Hallo meine Historienhasen,

ich liebe es ja, Reihen hintereinander weg zu lesen. Das habe ich letztes Jahr auch wieder mit fünf Reihen gemacht, und ich glaube, ich habe euch keine einzige vorgestellt. Dieses Wochenende werden wir das hoffentlich ändern, und beginnen heute mit dem ersten Band dieser Trilogie. Ich hatte sehr hohe Erwartungen, weil ich so viel Gutes gehört hatte, und leider ist das manchmal ja gefährlich.

Die Fakten:

  • Autor: Theodora Goss
  • Titel: The Strange Case of the Alchemist's Daughter (dts. Der seltsame Fall der Alchimisten-Tochter)
  • Reihe: The Extraordinary Adventures of the Athena Club 1
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Saga Press
  • Seiten: 400
  • Preis: 12,45 Euro
  • Klappentext: "Mary Jekyll, alone and penniless, following her parents' death, quickly finds herself drawn into the secrets of her father's mysterious past. A clue leads her to believe that Edward Hyde, her father's former friend and a murderer, may be nearby, and there is still a reward for information resulting in his capture - a reward that would solve all her immediate financial woes. But her hunt brings her not to Edward Hyde but to Diana, his daughter, a near-feral child left to be raised by nuns. With the assistance of Sherlock Holmes and Dr Watson, Mary continues her search for the elusive Hyde, and soon gathers around her more women, all of whom have been created through terrifying experimentation: Beatrice Rappaccini, Catherin Moreau, and Justine Frankenstein. When their investigations lead to the discovery of a secret society of immoral and power-crazed scientists, the horrors of their past soon arrive on their doorsteps as well, and now it is up to the five women to stop the malicious machinations of the Société des Alchimistes. Quite simply, it is time for the monsters to triumph over the monstrous."

Zur Handlung: Als Marys Mutter stirbt, ist sie zunächst am Boden zerstört, doch sehr schnell muss sie sich zusammennehmen, denn mit dem Lebensende ihrer Mutter geht nun auch das Geld aus. Schweren Herzens muss sie das Personal der Familie entlassen, doch die eigenwillige Haushälterin Mrs Poole beschließt vorerst zu bleiben und Mary zu unterstützen. Als Mary die Finanzen ihrer Mutter durchgeht, findet sie allerdings etwas Seltsames.

Sie findet, dass Zahlung mit dem Betreff Hyde an ein Kloster in einem armen Stadtteil von London gemacht werden. Mary erinnert sich an Mr Hyde, der für ihren Vater gearbeitet hat, bevor dieser umgekommen ist, nur sehr vage. Aber sie weiß, dass es ein Kopfgeld für ihn gibt. Doch Mary will sich nicht allein auf die Suche nach so einem gefährlichen Mann machen, und bittet daher um die Hilfe des berühmten Sherlock Holmes.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich immer davon gehört habe, wie hier diese jungen Frauen aus verschiedensten Schauerromanen zusammenkommen und sich das Spotlight holen, das sie schon immer verdienen. Entsprechend war ich auf volle Frauenpower eingestellt - und habe sie ehrlich nicht bekommen. Das hat viele Gründe, die ich jetzt hier versuche darzulegen.

Mary als Hauptfigur ist recht steif und rigide. Das hat auch seine Gründe, aber trotzdem wirkt mit ihr alles immer etwas distanziert. Sie ist sehr rational und kalkuliert, und sie ist wirklich keine Feministin. Allgemein kämpft das Buch damit, dass es im 19. Jahrhundert spielt, und für damalige Verhältnisse progressive Dinge heute irgendwie verstaubt und öde sind. Dagegen sind die damaligen moderaten Vorstellung der Welt heute einfach veraltet. Mary mochte ich trotzdem an sich gern, aber sie reißt einen nicht wirklich mit.

Neben Mary haben wir noch die anderen jungen Frauen. Als erste treffen wir davon Diana, die eigentlich eher noch ein Kind ist, rotzfrech und sehr laut. Dann haben wir Beatrice, die ich eigentlich am liebsten mochte, die aber eher zurückhaltend und leise ist und daher im Buch wenig zu Wort kommt. Dazu kommt noch Catherine, die das Buch schreibt, die ich aber sehr anstrengend fand. Und schließlich Justine, ebenfalls so ein interessanter Charakter, der aber durch seine zurückhaltende Art leider untergeht. Mrs Poole steht für die bürgerliche Sitte und ist für die Versorgung mit Essen zuständig - hier könnte man ja auch mal kritisch über die Klassen der damaligen Zeit werden, oder eben nicht.

Ein zentrales Problem, was ich mit diesem Buch hatte, trägt einen Namen: Sherlock Holmes. Nie, wenn jemand über dieses Buch gesprochen hat, habe ich vernommen, dass Holmes hier eine zentrale Rolle einnimmt. Und ist er einmal da, wird man ihn nicht mehr los. Jede Szene, in der er ist, dreht sich eigentlich nur noch um ihn. Und dass Mary dann zarte Gefühle für ihn entwickelt, macht alles irgendwie noch anstrengender. Hier waren meine Erwartungen einfach völlig anders. Dass in dieser Reihe ein Mann so die Schau stiehlt, das hatte ich einfach nicht gedacht.

Geschrieben ist das Buch übrigens in einem sehr interessanten Stil, denn Catherine, eine Figur aus dem Buch, schreibt das Buch über die Erlebnisse ihrer Freundinnen um Geld für ihr gemeinsames Leben zu verdienen. Die anderen Charaktere bekommen Gelegenheit, das Manuskript mit Kommentaren zu versehen, was sie auch eifrig machen - und das alles bekommen wir dann zu lesen.

Ich denke, der Mystery-Fall war hier noch ganz interessant. Im Stile von Jack the Ripper geht es um Morde an Frauen, die zur Unterschicht in London gehört haben. Die Morde sind blutig und verstörend, aber keiner kann sich erklären, warum sie geschehen. Als Leser hatte ich zumindest recht schnell eine Ahnung, was da dahintersteckt, aber die Erklärung war dann doch noch etwas komplexer als meine ersten Gedanken.

Es kommt am Ende dann auch zu einem Showdown, wo unsere Charaktere ziemlich in Gefahr geraten. Trotzdem ist das Buch im Grundton eher cosy, würde ich sagen. Es hat dieses historische Flair, wir folgen den Charakteren auf ihren Wegen durch London, wobei sie langsam Hinweise sammeln. Und es darf natürlich auch nicht an Schnittchen und Tee fehlen, sonst bräuchten wir Mrs Poole ja nicht.

Alles in allem hat mir das erste Buch ganz gut gefallen. Aber leider waren meine Erwartungen so hoch, dass es sich trotzdem enttäuschend angefühlt hat. Vor allem die unglaublich hohe Aufmerksamkeit auf Holmes hat mich genervt. Auch hatte ich ein wenig das Gefühl, dass ich von den Charakteren, die ich am spannendsten fand, am wenigsten gesehen habe. Aber es ist ein schönes Abenteuer für einen verregneten Tag. Es hat irgendwie was herzerwärmendes.

Morgen erzähle ich dann, wie es mir mit Band zwei ergangen ist, der dann einfach mal fast doppelt so lang ist wie Band 1!

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 7. März 2024

A Wizard's Guide to Defensive Baking


Hallo meine Fantasyfreunde,

Cosy Fantasy ist ja inzwischen in aller Munde, und heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das für mich perfekt zu diesem Genre passt. Ich habe damit mein Lesejahr begonnen, und es war absolut die richtige Entscheidung. Außerdem ist es auch noch von einer meiner Lieblingsautorinnen geschrieben - was kann es Besseres geben?

Die Fakten:

  • Autor: T Kingfisher
  • Sprecher: Patricia Santomasso
  • Titel: A Wizard's Guide to Defensive Baking
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Tantor Audio
  • Dauer: 8 Std 30min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Abo
  • Klappentext: "Fourteen-year-old Mona isn't like the wizards charged with defending the city. She can't control lightning or speak to water. Her familiar is a sourdough starter, and her magic only works on bread. She has a comfortable life in her aunt's bakery making gingerbread men dance. But Mona's life is turned upside down when she finds a dead body on the bakery floor. An assassin is stalking the streets of Mona's city, preying on magic folk, and it appears that Mona is his next target. And in an embattled city suddenly bereft of wizards, the assassin may be the least of Mona's worries...."

Zur Handlung: Als Mona eines Morgens in die geliebte Bäckerei ihrer Tante kommt, um mit dem morgendlichen Backen zu beginnen, findet sie die Leiche eines jungen Mädchens. Und damit dreht sich ihre Welt auf den Kopf. Plötzlich wird behauptet, sie habe ein Verbrechen begangen, und sie wird in den Palast der Stadt abgeführt. Dabei hat Mona doch nur magische Fähigkeiten über Teig und Brot.

Doch während Mona noch um ihre Zukunft fürchtet, ist ein gefährlicher Mörder in ihrer Stadt unterwegs, und die Intrigen, die sich um diesen spinnen, sind noch viel gefährlicher, als irgendwer ahnt. Mona wird ihnen jedoch auf die Spur kommen, und am Ende wird sich die Frage stellen, ob das Mädchen mit dem Brot eine ganze Stadt retten kann.

Ich habe dieses Buch als mein erstes Hörbuch des Jahres gewählt, weil ich etwas wollte, das mir ein gutes Gefühl gibt, mich gut unterhält und mich in eine Welt mitnimmt, die nicht wie hier ist. Ich habe dieses Jahr mit blöden gesundheitlichen Problemen begonnen, und so war diese Cosy Fantasy-Geschichte über ein Mädchen mit Brot, ihrem Lebkuchenmann und dem immerhungrigen Sauerteig genau das richtige.

Mona als Hauptfigur hat mir an sich gut gefallen. Allerdings muss ich hier sagen, dass sie sich für mich nicht wirklich wie eine 14-Jährige angefühlt hat. In vielen Momenten erschien sie mir viel zu gefasst und logisch. Sie bleibt auch sehr oft sehr ruhig. Natürlich sind alle Menschen unterschiedlich, und es gibt sicher auch gefasste Teenager, aber ich musste mich immer bewusst daran erinnern, dass sie so jung sein soll. Abgesehen davon fühlt man aber schnell mit ihr mit, denn sie will ja nur ihr Leben leben, ihr Brot backen und gut - doch dann wird sie in all diese Machenschaften hineingezogen.

Neben Mona haben wir noch ein paar andere wichtige Figuren. Es gibt einen Jungen, der der kleine Bruder des toten Mädchens ist, das in Monas Backstube lag. Ihn fand ich einen tollen Sidekick, frech und lustig. Er hat das Ganze immer wieder aufgelockert. Dann haben wir Monas Tante und Onkel, und hier fand ich es schön, dass diese Mona wirklich lieben und sich um sie kümmern wollen. Also keine Märchen-Klischees hier. Und schließlich ist noch eine Herrscherin dieser Stadt wichtig - ich weiß gerade ihren offiziellen Titel nicht mehr. Sie war so schön erwachsen, wie wir uns alle vermutlich erwachsen fühlen. So als hätten uns die anderen irgendein Geheimnis nicht verraten, und wir tun jetzt einfach so, als würden wir schon alles gut hinkriegen. Auch sie mochte ich gern.

Neben den richtigen Figuren haben wir dann die Backwaren. Dabei stechen der Lebkuchenmann heraus, der Mona dann auf ihren Abenteuern begleiten wird und an einem Punkt sogar zum Anführer einer Guerrilla-Truppe von Lebkuchenmännern wird, und der Sauerteig Bob. Ich glaube, Bob kann man so nicht einfach in Worte fassen, den muss man in der Geschichte erleben.

Monas Abenteuer wird sie dann durch ihre ganze Stadt führen, manchmal in Kutschen, manchmal zu Fuß, und manchmal auf einem toten Pferd mitreitend. Aber zu dem toten Pferd will ich nichts weiter sagen, denn vielleicht wird es dann zwischen Abenteuer und Backwaren auch ein paar traurige Momente geben, die einem dann unerwartet ans Herz gehen. Manchmal war es mir ein bisschen zu viel Hin und Hergerenne in der Geschichte, aber das ist wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt.

Das magische System dieser Welt fand ich auch ganz interessant. Hier sollte man allerdings nicht zu viel Hintergrunderklärung erwarten. Allerdings sind die magischen Menschen in dieser Welt häufig Ausgestoßene. Obwohl Mona in einer sehr liberalen Stadt lebt, gibt es trotzdem Nachbarn, die Magie mit einer gerümpften Nase sehen. Dabei kann man sich nicht aussuchen, ob man mit Magie geboren wird oder nicht. Dieser Blick auf Exklusion und Diskriminierung hat mir hier gut gefallen.

Am Ende wird es dann schon auch episch, und es gilt die ganze Stadt zu retten. Ich fand die Art und Weise, wie das dargestellt wurde, total schön. Es geht viel mehr um Kooperation als um die magischen Fähigkeiten irgendeiner Person. Es passt auch gut in das Narrativ, dass auch die Kleinsten ihre Welt retten können. Aber wie gesagt, ganz ohne Verluste kommt die Geschichte nicht aus, und dann wird es auch traurig.

Insgesamt kann ich euch das Buch empfehlen, wenn ihr es ein bisschen gemütlich, ein bisschen albern, und ein bisschen abenteuerreich mögt. Der Humor von T Kingfisher ist für mich einfach unschlagbar. Ihr solltet aber bedenken, dass dieses Buch - im Gegensatz zu vielen anderen ihrer Bücher - für ein jüngeres Publikum geschrieben ist. Auch wenn man Mona ihr Alter nicht immer anmerkt, liest man hier schon ein Jugendbuch. Aber damit will ich nicht sagen, dass man es als Erwachsener nicht auch genießen kann.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Montag, 4. März 2024

The Undertakers


Hallo meine Mysteryfreunde,

ich bin heute etwas traurig, denn eigentlich wäre ich morgen ein paar Tage weggefahren, zwar für die Arbeit, aber etwas Schönes. Dank Bahnstreik konnte ich das heute alles absagen und es wird stattdessen ein Onlinemeeting. Aber was soll's. Dafür habe ich statt Kofferpacken Zeit euch von einem Buch zu erzählen, das ich kürzlich beendet habe.

Die Fakten:

  • Autor: Nicole Glover
  • Sprecher: Bahni Turpin
  • Titel: The Undertakers
  • Reihe: Murder & Magic 2
  • Erschienen: 2021
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 14 Std 35min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro (im Abo)
  • Klappentext:

    "Nothing bothers Hetty and Benjy Rhodes more than a case where the answers, motives, and the murder itself feel a bit too neat. Raimond Duval, a victim of one of the many fires that have erupted recently in Philadelphia, is officially declared dead after the accident, but Hetty and Benjy’s investigation points to a powerful Fire Company known to let homes in the Black community burn to the ground. Before long, another death breathes new life into the Duval investigation: Raimond’s son, Valentine, is also found dead. Finding themselves with the dubious honor of taking on Valentine Duval as their first major funeral, it becomes clear that his passing was intentional. Valentine and his father’s deaths are connected, and the recent fires plaguing the city might be more linked to recent community events than Hetty and Benji originally thought."

Zur Handlung: Hetty and Benjy versuchen sich ein neues Leben aufzubauen. Dazu klären sie einerseits weiter Verbrechen gegen Schwarze Personen auf, andererseits will Hetty auch ein erfolgreiches Bestattungsgeschäft aufbauen. Allerdings scheint letzterem etwas im Wege zu stehen, denn obwohl Menschen nun einmal sterben, haben sie keinerlei Kunden. Deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich mitten in einen neuen Fall zu stürzen.

Hettys Ziehvater hat die beiden gebeten den Tod eines seiner Freunde aufzuklären. Doch die Erklärung, die sie finden, erscheint zu simpel und zu perfekt. Kaum haben die beiden den Fall zu den Akten gelegt, deuten neue Hinweise darauf hin, dass sie etwas Entscheidendes übersehen haben. Und das könnte zum Tod von weiteren Personen führen...

Dies ist der zweite Band, der diesen beiden Figuren folgt. Über The Conductors hatte ich euch schon vor einiger Zeit mal berichtet. Ich mochte den ersten Band, war aber nicht völlig verliebt. Daher hatte ich es auch nicht zu eilig, die Fortsetzung zu lesen. Davon abgesehen behandelt jedes Buch seinen eigenen Fall, nur die zentralen Charaktere bleiben gleich. Irgendwie wollte ich nun aber wissen, wie es mit Hetty, Benjy, Penelope und den anderen weitergeht.

Das zweite Buch steht dabei fest in den Fußstapfen des ersten Bandes. Ich mochte die Charaktere, ich finde das Magiesystem spannend aber nicht super gut erklärt, und manchmal ist es einfach viel zu praktisch, und der Fall ist etwas unnötig kompliziert, weil verschiedene Zeitebenen und Geheimnisse miteinander verwoben werden. Daher ist auch meine Gesamteinschätzung ziemlich die gleiche wie nach Band 1: ich mochte das Buch, aber ich bin nicht absolut verliebt.

Im ersten Band lernten wir Hetty und Benjy kennen, die verheiratet sind, aber das eher weil es praktisch ist und nicht aus Liebe. Inzwischen hat sich das allerdings geändert, und die beiden führen eine liebevolle, partnerschaftliche Ehe. Sie wohnen außerdem in einem größeren Haus, zu dem auch die Bestattungsfirma gehört, die Hetty in Schwung bringen will. Ich habe diese beiden Charaktere einfach lieb gewonnen, Hetty die etwas aufmüpfigere, und Benjy mit seiner inneren Ruhe. Ich habe gern gelesen, wie es ihnen weiterhin ergeht. 

Auch die meisten Nebenfiguren kennen wir bereits, da der erste Fall sich in ihrem Freundeskreis abgespielt hatte. Zu diesem Freundeskreis gehören neben Ersatzschwester Penelope, die wundervolle Tränke braut, auch ein schwules Pärchen und ein Transmann. Ich finde es schön, dass die Autorin hier auch Diversität in ein historisches Setting einbaut, denn diese Menschen hat es immer schon gegeben. Außerdem sind alle zentralen Charaktere Schwarz. Zeitlich befinden wir uns hier wieder nach der Abschaffung der Sklaverei in Amerika, allerdings bekommen wir Zeitsprünge zurück in die Zeit, in der es Sklaverei noch gab, und sehen, wie Hetty und Benjy gemeinsam als Teil der Underground Railroad versklavte Menschen befreien.

Das magische System dieser Welt hat verschiedene Teile. Das meiste lernen wir über Celestial Magic, die die Schwarze Bevölkerung praktiziert. Diese Magie hat mit den Sternenbildern zu tun, aber mir bleibt sie auch im zweiten Band zu vage und zu praktisch - für jeden Situation können die Charaktere gefühlt ein beliebiges Sternenbild malen, und das macht dann etwas. Wenn diese sich dann in helfende Figuren verwandeln, muss ich manchmal unfreiwillig an Yu-Gi-Oh denken. Im ersten Band hatte wir außerdem gelernt, dass die Weißen Zauberstäbe für ihre Magie nutzen, das taucht hier am Rande auch auf. Außerdem war die Celestial Magic lange verboten, ein Zeichen der Unterdrückung.

Auch dieser Fall fängt zunächst etwas vage an, und es gibt sogar eine Zeit lang vermeintlich mehrere Fälle, die aber dann doch vielleicht alle auf den gleichen Täter zurückdeuten. Mit dem Verlauf der Geschichte sehen wir, dass er vielleicht auch viel näher an Hetty und Benjy herankommt, als die beiden ursprünglich dachten. Der Fall hat dabei auch mit der Vergangenheit zu tun, die wir in Rückblenden erzählt bekommen. Mir was das schon teilweise zu viel, es ist dann schwer genau zu verfolgen. Ich finde das aber nicht so schlimm, ich gehe einfach mit der Geschichte mit und schaue, wohin sie mich führt. Richtig zum Mitraten ist der Fall aber nicht unbedingt.

Das Ende hat mir gut gefallen. Es gibt dann noch ein recht explosives Ende, bei dem auch viel auf dem Spiel steht. Die Auflösung des Falls war für mich dann gar nicht unbedingt so interessant, aber ich wollte sehen, dass unsere liebgewonnenen Charaktere in Sicherheit sind. Für mich hat es damit seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt empfehle ich dieses Buch, wenn ihr die Verbindung von Magie und Mystery mögt. Es lebt vor allem von den Hauptfiguren, der realistischen Diversität und dem Funkeln der Sternmagie. Wenn ihr allerdings selber mitraten und Theorien aufstellen wollt, wer der Täter war und warum, dann ist es vielleicht zu unübersichtlich und überfüllt. Außerdem solltet ihr keine zu schnell erzählte Geschichte erwarten, hier baut sich alles langsam auf, auch wenn es am Ende brenzlig wird und man mitfiebern kann. Ich denke, es ist nicht für jeden, aber mir hat es gefallen.

Zukünftige Bücher in dieser Welt scheinen anderen Charakteren zu folgen, aber ein weiterer Band soll dann Ende dieses Jahres erscheinen. Ich werde mir den sicherlich mal anschauen, denn ich mag diese Welt, aber ich werde Benjy und Hetty vermissen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung:



Donnerstag, 22. Februar 2024

The Changeling


Hallo meine Horrorhasen,

machen wir direkt weiter mit einem Buch, das ich gerade erst beendet habe. Victor LaValle habe ich schon lange auf meiner Wunschliste gehabt, und letztes Jahr war er mit seinem neuen Buch sehr erfolgreich. Ich wollte trotzdem gern mit diesem beginnen, weil es viele Preise gewonnen und viel gelobt worden ist. Und ich bereue diese Entscheidung nicht.

Die Fakten:

  • Autor: Victor LaValle
  • Sprecher: Victor LaValle
  • Titel: The Changeling
  • Erschienen: 2017
  • Verlag: Random House Audio
  • Dauer: 14 Std 2min (ungekürzt)
  • Preis: 9,95 Euro im Abo
  • Klappentext: "When Apollo Kagwa's father disappeared, he left his son a box of books and strange recurring dreams. Now, Apollo is a father himself - and as he and his wife, Emma, settle into their new lives as parents, exhaustion and anxiety start to take their toll. Apollo's old dreams return, and Emma begins acting odd. At first, Emma seems to be exhibiting signs of postpartum depression. But before Apollo can do anything to help, Emma commits a horrific act and vanishes. Thus begins Apollo’s quest to find a wife and child who are nothing like he'd imagined. His odyssey takes him to a forgotten island, a graveyard full of secrets, a forest where immigrant legends still live, and finally back to a place he thought he had lost forever."

Zur Handlung: Alles beginnt mit einer jungen Frau, die aus Afrika in die USA flieht, und dort einen weißen Mann kennen lernt. Alles beginnt mit seinem Durchhaltevermögen, wenn sie nicht einwilligen will mit ihm auf ein Date zu gehen. Alles beginnt mit der Geburt ihres Sohnes Apollo, der zu einem Jungen heranwächst, der Alpträume zum Verschwinden seines Vaters hat, und Bücher liebt. Alles beginnt mit einem Bibliotheksverkauf, bei dem dieser Junge, nun selbst erwachsen, die Liebe seines Lebens trifft, und ein Jahr darauf wartet, dass sie von einem Abenteuer zurückkehrt. Alles beginnt mit der Geburt seines Sohnes.

In dieser Geschichte folgen wir den komplizierten Familiendynamiken der Kagwas und den Geheimnissen, die die Familienmitglieder voreinander bewahren. Vermischt wird das ganze mit mythischen Sagen, die vielleicht wahr sind, aber vielleicht auch nur dazu dienen, das Schrecklichste irgendwie verständlich zu machen. Und die Frage, die sich Apollo Kagwa stellen muss: ist er ein guter Vater?

Wenn man dieses Buch zu lesen beginnt, dann ist zunächst nichts davon Horror. Es ist eher eine Familiengeschichte, die auch noch sehr romantisch und mit viel Feingefühl erzählt wird. Das bleibt so für das erste Viertel des Buches. Der Autor nimmt sich Zeit die Charaktere vorzustellen und ein kleines realistisches Idyll einer Familie aufzubauen, sodass dann die Fallhöhe noch größer ist. Und oh mein Gott, war die Fallhöhe große.

Apollo als Hauptcharakter ist an sich gut gewählt, aber war für mich persönlich manchmal anstrengend. Er versucht so sehr ein guter Vater zu sein. Dabei gibt es einige Kommentare zu den "New Dads", und auch einige Fehler, die er begeht, die man im Jahr 2024 meilenweit sehen sollte. Aber natürlich ist das bis heute nicht bei allen angekommen, und 2017 sah das noch ganz anders aus. Was ich hier so kryptisch umschreibe, ist zum Beispiel die Tatsache, dass man keine 100 Fotos seines Kindes einfach ins Internet stellt, egal wie sehr man sich nach Likes sehnt.

Neben Apollo haben wir zwei wichtige Frauen. Einerseits ist da seine Mutter, die ihn zum Großteil allein aufgezogen hat, und wo definitiv Geheimnisse ans Licht komment werden. Ich mochte diese Frau, die so viel auf sich genommen hat, um ein Leben in den USA zu starten. Doch wie das immer so ist mit Eltern und Kindern, weiß Apollo nicht alle ihre Opfer zu schätzen. Und dann haben wir Emma, die ich am Anfang sehr mochte. Sie ist Bibliothekarin und für Apollo nicht leicht herumzukriegen. Doch nach und nach entfremden sich Apollo und Emma, und dadurch wird Emma auch eine Fremde für uns Leser.

In diesem Buch steckt sehr viel drin und es passiert auch sehr viel. Wie gesagt, der Anfang liest sich nicht wie ein Horror. Im zweiten Viertel passieren dann sehr grausame und schreckliche Dinge, sodass da eher Horrorgefühle aufkommen. Dann wandelt es sich aber eher Richtung Thriller, denn Apollo versucht herauszufinden, warum diese schrecklichen Dinge geschehen sind, und begibt sich auf eine Art Jagd. Am Ende erfahren wir dann, was das Übel ist, was hinter allem steht, und dann kommen Horrorelemente zurück. Alles in allem ist das für mich aber kein klassischer Horrorroman, auch wenn viel Schreckliches darin geschieht.

Ich würde auf jeden Fall allen Personen abraten dieses Buch zu lesen, die gerade frisch Eltern geworden sind oder in nächster Zeit (nochmal) Eltern werden. Das Buch beschäftigt sich viel mit dem Verlust von Kindern und mit deren Verschwinden. Gleichzeitig kommen auch Themen wie Post Partum Depressionen vor. Allerdings ist es auch nicht unbedingt das perfekte Buch, wenn ihr nicht gern über Kinder lest, denn vor allem in dem ersten Viertel werden dann doch ziemlich viele Windeln gewechselt. Ich habe mich durch den Teil etwas durchgebissen, ging schon.

Ich fand die Auflösung am Ende nicht perfekt gelungen. Es gibt dann doch noch viele lose Fäden, zu denen ich nicht genug Antworten bekommen habe, um das Buch zu einem neuen Favoriten zu machen. Es ist schwer das ohne spoilern zu erklären, aber für mich hat es gar keinen Sinn gemacht, dass Apollo und Emma die ersten sind, die etwas gegen das Übel unternehmen. Dass sie vielleicht als erste erfolgreich sind, ok, aber niemand hat sich da mal aufgelehnt? Mit allem, was die so wissen?

Trotzdem hat das Buch viele wundervolle Momente, viele schaurige Momente, und es nimmt einen wirklich mit auf eine Reise. Ich bin sehr froh, dass ich das Buch endlich gelesen habe, auch wenn das Grundkonzept von einem Changeling, also einem Kind, das einem von magischen Wesen untergejubelt wird, für mich eher abschreckend war. Aber es hat sich gelohnt und ich werde mehr Victor LaValle lesen.

Wenn ihr Apple TV+ habt, könnt ihr euch zum Buch auch eine Serie anschauen.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Sonntag, 18. Februar 2024

A Dead Djinn in Cairo


Hallo meine Fantasyleser,

heute kommen wir zum Start einer Reihe, auf die ich mich sehr freue. Ich hatte sie schon sehr lange im Auge und habe letztes Jahr endlich die erste Novelle gelesen. Zwar habe ich bisher nicht weitergelesen, aber ich kann es kaum erwarten. Die Geschichten in dieser Welt variieren dabei stark in ihrer Länge, von einer Kurzgeschichte bis zu einem Roman. Dieser erste Band ist eher eine kurze Novelle.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Titel: A Dead Djinn in Cairo
  • Reihe: Dead Djinn Universe 1
  • Sprecher: Suehyla El-Attar
  • Verlag: Macmillan Audio
  • Erschienen: 2019
  • Dauer: 1 Std 41min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "Egypt, 1912. In an alternate Cairo infused with the otherworldly, the Ministry of Alchemy, Enchantments, and Supernatural Entities investigate disturbances between the mortal and the (possibly) divine. What starts off as an odd suicide case for Special Investigator Fatma el-Sha’arawi leads her through the city’s underbelly as she encounters rampaging ghouls, saucy assassins, clockwork angels, and plot that could unravel time itself."

Zur Handlung: Fatma ist eine Agentin für ein Ministerium für Magie in Kairo und wird zu einem Fall gerufen, bei dem jemand scheinbar Selbstmord begangen hat. Dabei muss sie mit einem Kollegen zusammen arbeiten, mit dem die Luft ziemlich dick ist. Doch die beiden werden schnell in Dinge verwickelt, die ihre persönlichen Gefühle in den Hintergrund treten lassen.

So kämpfen sie sich durch die magische Unterwelt von Kairo, auf der Suche nach einem Wesen, das die ganze Welt in Gefahr bringen könnte. Eine große Rolle spielen dabei Automaten, die Engel beherbergen können, sodass diese auf der Welt umgehen können. Der Fall ist am Ende vielleicht viel weniger verworren, als Fatma denkt.

Es ist jetzt schon eine ganze Weile her, seit ich diese erste Novelle der Reihe gehört habe, aber ich erinnere mich daran, dass ich sehr viel Spaß damit hatte. Ich lese sehr gern Mystery-Geschichten, aber besonders, wenn sie mit Magie versehen sind. Das macht oft einfach alles noch etwas unvorhergesehener, und kann auch die Bedrohung für die Welt erhöhen, wie wir hier sehen können.

Fatma als Hauptfigur mochte ich sehr. Sie ist als Frau eine Rarität in ihrem Ministerium und deswegen auch einiges von ihren männlichen Kollegen gewohnt. Dennoch lässt sie sich davon wegen einschüchtern, noch in irgendeine Ecke stellen. Sie ist stark und schlau und bereit für ihren Job alles zu machen. Ich mochte, wie das auch mit gängigen Klischees zu arabischen oder muslimischen Frauen steht.

Neben ihr haben wir noch ihren Kollegen, wobei ich hier vor allem die Gespräche der beiden mochte, die mich oft zum Lachen gebracht haben. Er ist natürlich skeptisch, dass er mit Fatma zusammen arbeiten soll, aber merkt dann doch schnell, dass das gar nicht so schlecht ist. Außerdem haben wir dann noch eine Figur, die erst in der zweiten Hälfte auftaucht, aber vielleicht im Laufe der Reihe noch wichtiger wird? Sie fand ich auf jeden Fall sehr spannend, vor allem auch als möglicher Love Interest.

Hauptsächlich geht es natürlich um den Fall des vermeintlichen Selbstmords. Hier werden verschiedene Personen interviewt, die vielleicht Täter sind, und es wird auch in ein paar Fallen und Hinterhalte getappt. Dabei wird es auf jeden Fall spannend, und ich hatte teilweise schon Angst um die Charaktere und habe sehr mitgefiebert. Also Nervenkitzel garantiert.

Die Auflösung des Falls war dann nicht super spektakulär für mich, was bei so einem sehr kurzen Buch vielleicht auch schwierig ist. Trotzdem mochte ich so viele der anderen Elemente der Geschichte, dass mich das gar nicht gestört hat. Wenn ihr Mystery aber gar nicht mögt, ist das vermutlich keine Reihe für euch.

Das Besondere an diesem Buch ist definitiv das magische System. Wir haben eine alternative Geschichte, in der sich Ägypten erfolgreich gegen die Kolonalisten wehren konnte, aber Europäer trotzdem weiter in Kairo präsent sind. Das liegt auch an der Magie und den magischen Wesen, die es in dieser Welt gibt. Die Welt hat außerdem ein starkes Steam Punk-Gefühl, wie gesagt zum Beispiel aufgrund der Automaten, in denen Engel leben können.

Ich kann es kaum erwarten mehr aus dieser Welt zu lesen. Soweit ich weiß, folgen wir nicht immer Fatma, was ich etwas schade finde, aber sie taucht auf jeden Fall in der Reihe wieder auf, und darauf freue ich mich. Dieser Band war ein guter Einstieg in diese Welt.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Donnerstag, 15. Februar 2024

Even Though I Knew the End


Hallo meine Lesefreunde,

heute möchte ich euch eine Noir-Krimi-Geschichte mit Fantasy-Elementen vorstellen. Ich hatte so viel Gutes über diese Novelle gehört und war interessiert, ob dieser Genre-Mix für mich funktionieren würde. Außerdem folgen wir auch einem lebischen Paar, die bereits in einer Beziehung sind. Das fand ich eine spannende Perspektive.

Die Fakten:

  • Autor: C L Polk
  • Sprecher: January LaVoy
  • Titel: Even Though I Knew the End
  • Erschienen: 2022
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 3 Std 52min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible Abo
  • Klappentext: "A magical detective dives into the affairs of Chicago's divine monsters to secure a future with the love of her life. This sapphic period piece will dazzle anyone looking for mystery, intrigue, romance, magic, or all of the above. An exiled augur who sold her soul to save her brother's life is offered one last job before serving an eternity in hell. When she turns it down, her client sweetens the pot by offering up the one payment she can't resist—the chance to have a future where she grows old with the woman she loves. To succeed, she is given three days to track down the White City Vampire, Chicago's most notorious serial killer. If she fails, only hell and heartbreak await."

Zur Handlung: In dieser Geschichte folgen wir Helen, die eine verbotene Art von Magie verwendet um Verbrechen aufzuklären. Vor vielen Jahren hat sie einen Deal gemacht, und sie weiß, dass der Tag, an dem sie ihre Rechnung begleichen muss, bald kommt. Doch sie erhält die Möglichkeit den Deal neu zu verhandeln, wenn sie einen berüchtigten Serientäter findet: den White City Vampire.

Allerdings führen ihre Recherchen sie bald zu der Annahme, dass dieser Serientäter vielleicht kein Mensch ist. Und vielleicht wird sie übernatürliche Hilfe brauchen, um ihre Zukunft mit ihrer Partnerin Edith zu sichern. Doch auch andere Mächte sind Helen auf der Spur. Wird sie den Fall lösen, eh ihre Zeit abläuft?

Wie gesagt war ich sehr gespannt auf diese Geschichte, von der alle so geschwärmt haben, und da ich kostenlos darauf Zugriff hatte, gab es keinen Grund mehr, es nicht zu probieren. Wir fallen in dieser Novelle ziemlich plötzlich in die Geschichte hinein, und es gibt relativ wenig Erklärungen z.B. zu der Magie, die in dieser Welt existiert. Mich stört sowas meist nicht, ich kann sehr gut erstmal mit der Geschichte mitgehen und schauen was passiert. Das hat sich hier bewährt.

Helen als Hauptfigur mochte ich direkt gern. Wir haben in dieser Welt dieses klassische Noir-Feeling. Alles ist irgendwie gemuted und dunkel und es regnet - oder so ähnlich. Aber Helen spielt nicht zu sehr in diese Klischees hinein, allein schon mal, weil sie kein Mann ist. Außerdem lebt sie in einer funktionalen Beziehung. Doch sie hat ein großes Geheimnis, nämlich das ihre Tage gezählt sind. Auch die Hintergrundgeschichte dazu mochte ich. Von daher war ich bereit Helen in diese Ermittlungen zu folgen.

Neben Helen haben wir noch einige andere wichtige Charaktere. Zum Beispiel eine Dämonin als Auftraggeberin, die ich absolut gefeiert habe. Die Art und Weise, wie sie beschrieben wurde, und was sie so tut, was einfach genial. Dann haben wir Edith, Helens Partnerin, die ihr eigenes Geheimnis vor Helen hat und vielleicht mehr weiß, als wir dachten. Und schließlich gibt es noch eine wichtige männliche Figur, dazu will ich aber aus Spoilergründen nix sagen. Aber diese Figur ist auch sehr zentral für die Handlung.

Woran ich mich nun nach fast einem Jahr dagegen fast nicht erinnern kann, ist die Auflösung des Falls im Detail. Grob weiß ich noch, dass es einen echten Showdown gibt, der durch die Fantasy-Elemente auch nicht so seltsam erzwungen wirkte, wie oft in anderen Krimis und Thrillern. Aber für mich war es eher der Weg als das Ziel, was dieses Buch für mich ausgemacht hat. Dennoch war das Ende explosiv und zufriedenstellend.

Eine Sache, die mir nicht so gut gefallen hat, kann ich ohne Spoiler nicht gut diskutieren. Sagen wir, im Buch geht es im weitesten Sinne um die Frage, ob man sein Leben gegen das einer anderen Person tauschen sollte, wenn man es kann. Und mir hat in der Ausarbeitung dieser Frage die kritische Perspektive gefehlt, denn ich finde, wenn man so etwas tut, dann ist das eine zutiefst egoistische Entscheidung. Und da hat es sich das Buch in der Kürze dann vielleicht einfach zu einfach gemacht.

Insgesamt würde ich die Novelle auf jeden Fall empfehlen, wenn ihr nix gegen das Lösen von Fällen in Fantasy-Settings habt. Ich mochte die Atmosphäre, die in diesem Buch aufgebaut wird, und die spannenden Charaktere, die diese Welt bevölkern. Vor allem mochte ich auch den Blick auf Helen und Edith als ein Paar, dass schon lange zusammen lebt und nicht erst beginnt sich zu verlieben. Auch wenn ich am Ende nicht die volle Message des Buches geliebt habe, war die Handlung auf jeden Fall spannend und mitreißend.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:



Dienstag, 13. Februar 2024

Ring Shout


Hallo meine Horrorhasen,

heute möchte ich euch von einer Novelle berichten, die ich letztes Jahr gehört habe, und die mir sehr viel Lesespaß gebracht hat, auch wenn es um ein ernstes und wichtiges Thema geht: Rassismus in den Vereinigten Staaten. Allerdings wird hier eine alternative Geschichte verfasst, in der Monster die Mitglieder des Kukluxklans unterwandern.

Die Fakten:

  • Autor: P Djèli Clark
  • Sprecher: Channie Waites
  • Titel: Ring Shout
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Recorded Books
  • Dauer: 5 Std 36min (ungekürzt)
  • Preis: kostenlos im Audible-Abo
  • Klappentext: "In 1915, The Birth of a Nation casts a spell across America, swelling the Klan's ranks and drinking deep from the darkest thoughts of white folk. All across the nation they ride, spreading fear and violence among the vulnerable. They plan to bring hell to Earth. But even Ku Kluxes can die. Standing in their way are Maryse Boudreaux and her fellow resistance fighters, a foulmouthed sharpshooter and a Harlem Hellfighter. Armed with blade, bullet, and bomb, they hunt their hunters and send the Klan's demons straight to hell. But something awful's brewing in Macon, and the war on hell is about to heat up. Can Maryse stop the Klan before it ends the world?"

Zur Handlung: Maryse ist eine Monsterjägerin, doch die Monster, die sie jagt, sind mehr als außergewöhnlich. Verkleidet als Mitglieder des Kukluxklan sind die Kukluxe einer der Gründe, warum die Gewalt gegen Schwarze Personen in den USA immer mehr eskaliert. Doch diese Monster sind nicht leicht zu töten, sodass Maryse und ihre Kameradinnen sich ausgefallene Taktiken überlegen müssen, wie sie gegen diese Monster bestehen.

Doch als sie nach einem Einsatz zurückkehren zu ihren Kameradinnen, wird deutlich, dass es noch deutlich größere und bösere Monster gibt als die Kukluxe. Maryse muss sich fragen, wie sie diesen neuen Feind besiegen kann - bevor noch mehr weiße Menschen auf die Seite des Hasses wandern.

Ich glaube, wenn ihr bei dem Pitch "Bad-ass Schwarze Frauen gehen auf die Jagd nach Monstern im Kukluxklan" Lust bekommt, dann solltet ihr das Buch einfach lesen. Wenn nicht, dann kann ich euch auch nicht helfen. Dieses alternative Horror-Fantasy-Setting der Geschichte hat mir gut geholfen, denn die Monster sind eine Metapher für das, was so viel Schmerz in die Welt gebracht hat.

Maryse als Hauptfigur hat mir sehr gut gefallen. Sie ist eine starke, begabte Frau, die sich nicht auf einen Mann verlassen muss, sondern selbst gut durchs Leben kommt. Das heißt nicht, dass sie ohne Liebe lebt, sondern dass sie frei ist zu lieben, wie sie möchte. Außerdem ist sie ihren Kameradinnen gegenüber loyal und verlässlich, und würde alles tun sie zu schützen. Und sie hat absolut keine Angst, dem Bösen ins Auge zu blicken - oder in den Mund?

Neben Maryse gibt es noch einige andere Charaktere, die aber nicht so im Fokus stehen, weil es nur eine Novelle ist. Trotzdem habe ich gerade ihre Kampfgefährtinnen so lieb gewonnen. Wer aber dann noch heraussticht, ist der Bösewicht, den Maryse bekämpfen wird. Hier will ich aber nichts spoilern. Nur so viel: ich kann einen Fleischer nie wieder mit den gleichen Augen sehen.

Dieses Buch wird, was die Horror-Fantasy-Elemente angeht, sehr wild. Darauf sollte man sich einlassen können. Ich habe kein Problem damit, ein Buch einfach mal machen zu lassen und zu schauen, wo es mich hinbringt. Aber wenn man lieber schöne stringente Geschichte ohne die wildesten Fantasie-Auswüchse möchte, dann ist das hier vielleicht nicht die richtige Geschichte. Außerdem muss ich warnen: es wird schon auch echt gruslig und eklig. Zumindest war es so für mich.

Wir bekommen dann auch ein recht großes Finale, wo alles auf dem Spiel steht. Also P Djèli Clark hält in diesen wenigen Seiten/Minuten wirklich nichts zurück. Ich habe mit Maryse mitgefiebert und letztlich fand ich das Ende auch sehr befriedigend, wenn auch eben... echt wild und - kann man das kreativ nennen?

Alles in allem kann ich euch diese Novelle nur empfehlen. Wenn ihr eine ähnliche Geschichte möchtet, die nicht ganz so abgespacet und gruslig/eklig wird, dann empfehle ich stattdessen Dread Nation - da geht es ums Zombie-Jagen nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Aber irgendwie merke ich, solche Monsterjäger-Geschichten sagen mir wirklich zu, da hab ich viel Spaß mit.

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung: