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Sonntag, 7. April 2019

Die Stille meiner Worte

Hallo ihr Lieben,


heute habe ich ein Buch für euch, was starke Nerven fordert, denn es geht um den Verlust eines nahen Angehörigen und was das mit einem machen kann.

Fakten:
  • Autorin: Ava Reed
  • Roman
  • 2018 erschienen
  • 320 Seiten
  • Ueberreuter Verlag
  • Preis: 16,95 € (gebundene Ausgabe)
Klappentext:
"Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt.
Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder.
Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist …"

Der Klappentext verrät inhaltlich schon sehr viel, meiner Meinung nach braucht man dieses ganze Wissen vor diesem Buch nicht, um es zu greifen. Schon das Cover ist wunderschön und verspricht wunderbares, was es auch halten kann, zumindest meiner Meinung nach.

In den ersten Kapiteln begegnen wir Hannah und ihren Eltern, es wird schnell klar, dass jemand in der Familie fehlt und starb. Jemand der Hannah sehr nahe stand und es ist ihre Schwester, ihre Zwillingsschwester. Ich kenne kein Zwillingspaar wirklich gut oder weiß selbst wie es ist, aber man weiß ja einfach, dass gerade Zwillinge eine noch engere Verbindung haben, als Geschwister so schon haben. So auch Hannah und Izzy.

Die ersten Kapitel machen es einem wirklich schwer in das Buch zu kommen, aber sie sind wichtig für die Grundstimmung und das Gefühl, welches wir für den Rest benötigen. Dann folgt eine Art neuer Abschnitt wo Hannah auf eine neue Schule soll. Vor dieser steht der Besuch eines Camps an, wo sie ein paar ihrer neuen Schulkameraden kennen lernt. Jeder hat dort sein eigenes Päckchen zu tragen, wie sie so schön sagen. Und so ist es auch, es werden einige Charaktere mit den verschiedensten einschneidensten Erlebnissen präsentiert. Jedes auf seine Weise schrecklich und mitfühlend.

Hannah spricht zwar nicht, aber der Leser bekommt all ihre Gedanken mit und alles was sie sagen würde, wenn sie könnte. Sie ist nicht einfach stumm, sie ist gefangen in einer Welt. Aus dieser Welt will sie heraus, doch sie schafft es nicht allein. Levi, ein Junge, der ebenso viel erlebt hat und mittlerweile ganz gut im Leben steht und die Schule verlassen kann, hilft ihr. Ein bisschen ist er sicher auch verliebt und fühlt sich gut, jemand anderem zu helfen. Allerdings ist das nicht der Fokus des Buches.

Die Katze vom Cover spielt eine sehr niedliche Rolle und ist eine tolle Ergänzung, die das ganze etwas auflockert.

Das Szenenbild ist sehr authentisch. Es bespielt genau richtig die Atmosphäre und was noch so kommen mag. Die letzten Kapitel liefen die Tränen unaufhörlich und es war einfach sehr erleichternd, endlich zu sehen, wie es Hannah immer besser geht und wie alles immer gelöster wird. Doch wie und warum alles passiert, müsst ihr selbst erleben.

Empfehlen kann ich das Buch allen, die emotional gefestigt sind und mit schweren Schicksalsschlägen zurecht kommen. Es ist wunderbar geschrieben und wird mir noch lang im Kopf bleiben. Lest es, wenn ihr darauf gefasst seid,

eure Blue Diamond.


Freitag, 5. April 2019

[Filmkritik] Der Junge der den Wind einfing

Hallo an alle Filmfreunde,

heute kommen wir zu einem autobiografischen Film über William Kamkwamba, ein Mechaniker aus Malawi. Diesen habe ich auf Netflix geschaut.

Er erschien im Januar 2019 und wurde in Großbritannien produziert. Es handelt sich um ein Filmdrama von Chiwetel Ejiofor. Diese Buchadaption dreht sich um eine drohende Hungersnot in Malawi, Afrika.

Hier haben wir es mit einer für meine Begriffe sehr fortschrittlichen afrikanischen Familie zu tun, deren Kinder lernen dürfen und können. Trywell Kamkwamba, gespielt von Chiwetel Ejiofor, ja hier haben wir eine besondere Verknüpfung und nicht nur unsere altbekannten Menschen können mehrere Rollen bei einer Filmproduktion inne haben, ist Williams Vater und eigentlich ein sehr offener und liebenswerter Mann. Doch durch Angst anderer verliert auch sein Leben und damit seine Familie an Halt. Seine Familie hält zwar zu ihm, doch besonders seine Frau lenkt ihn stark. Hier bin ich mir unsicher, ob dies in der Realität wirklich so wäre, oder da nicht viel mehr ausgehalten wird. William ist beinahe noch cleverer als sein Vater, er weiß worauf es ankommt im Leben und hat ein großes Herz.

Dieser Film beschreibt, wie es William schafft, sein Dorf und tendenziell sein Land vor einer Hungersnot bewahrt und eine Windmühle zum Wasserpumpen baut. Der Weg dahin wird gezeigt und die eigentliche Leistung steht nur am Ende im Fokus.

Im tatsächlichen Zentrum stehen hier zwischenmenschliche Themen. Ehrgeiz und Herz stehen Stolz und vielleicht auch vermeintlicher Autorität gegenüber.

Die Szenen sind schlicht und einfach gehalten. William sticht farblich durch seine Schuluniform hervor. Dieser Kontrast wird als Thema durch den ganzen Film gezogen. Er ist emotional sehr tiefgehend und unglaublich mitreißend.

Wenn er seinen verhungerten Hund findet, hat es mir das Herz zerrissen. Aber das soll gar nicht zu sehr spoilern.

Den Film kann ich auf jeden Fall empfehlen und zwar jedem, der nicht immer große Aktion aber viel Emotionen möchte, der vor fortschrittlicher Geschichte keine Panik hat und sich mit freuen kann,

eure Blue Diamond.

Sonntag, 31. März 2019

Moxie

Hallo meine Powerfrauen,

heute soll es um ein Jugendbuch gehen, dass ich in der Bibliothek entdeckt habe. Dieses Buch kannte ich aus englischsprachigen Videos und habe mich gefreut, dass es bereits auf Deutsch übersetzt wurde und Einzug in meine Bibliothek gehalten hat. Es stand zwar in der Kitsch-Mädchen-Sektion, andererseits wüsste ich auch nicht, wo man es sonst hinstellen könnte.

Die Fakten:
  • Titel: Moxie - Zeit zurückzuschlagen
  • Autor: Jennifer Mathieu
  • Übersetzung: Alice Jakubeit
  • Erschienen: 2018
  • Verlag: Arctis Verlag
  • Seiten: 345
  • Preis: 16,00 Euro
  • Klappentext: "Vivian hat die Nase voll. Von den blöden Kommentaren der Jungs während des Unterrichts. Von der absurden Kleiderordnung, die nur für Mädchen zu gelten scheint. Von den Lehrern, die nichts dagegen unternehmen. Aber vor allem hat Vivian es satt, den Mund zu halten. Angeregt durch einen alten Flyer ihrer Mutter, eines ehemaligen Punkrock-Riot-Grrrl, beschließt sie, etwas gegen die Ungerechtigkeit zu tun. Heimlich gestaltet sie ihren eigenen Flyer, MOXIE, und verteilt Kopien in ihrer Schule. Die Mädchen sind begeistert und tragen Vivians Botschaft weiter. Und auch Seth, der neue Junge an der Schule, ist schwer beeindruckt. Doch schon bald begreift Vivian, dass sie damit eine Revolution angestoßen hat, die ihr Leben ganz schön ins Wanken bringt..."

Zur Handlung: Viv geht es eigentlich gut. Sie hat tolle Freundinnen in der Schule, eine liebende Mutter, die alles für sie tut, macht keinen Ärger und hat gute Noten. Doch in letzter Zeit geht Viv die Welt ziemlich auf die Nerven, und das liegt nicht nur daran, dass ihre Großeltern immer wieder betonen, was für eine Musterenkelin sie ist. Ihre Mutter war da ganz anders in ihrem Alter...

Doch vor allem eine neue Schülerin, die sich den BS an der Schule nicht gefallen lassen will, inspiriert Viv schließlich, sich den alten Karton mit Relikten der "vergeudeteten Jugend" ihrer Mutter, Stifte und Papier zu schnappen und ihre Wut auf Papier zu bringen. Wie im Traum lässt sie Kopien ihres Werks anfertigen, verteilt diese morgens heimlich auf den Mädchentoiletten der Schule und beginnt damit eine kleine Revolution...

Über das Buch hatte ich viel Positives gehört. Dennoch bin ich mit gedämpften Erwartungen herangegangen, denn ich bin natürlich kein Teenie mehr und kann manchmal mit der Literatur auch nichts mehr anfangen. Die feministischen Untertöne haben mich dann aber doch gelockt. Zu Beginn liest sich das Buch auch wie ein klassisches Jugendbuch mit süßen Jungs, nervigen Jungs und Schulunterricht. Allerdings wurde das Buch besser und besser und konnte mein Herz am Ende erobern.

Viv ist ein ziemlich durchschnittlicher Teenager. Sie hat Freundinnen, davon eine beste Freundin Claudia, lebt schon ihr ganzes Leben in der Kleinstadt in Texas, findet den Unterricht meist langweilig und hat dennoch gute Noten, liebt ihre Familie und ist eher der brave, stille Typ. Damit kann mein Teenage-Ich sich auf jeden Fall identifizieren. Aber sie ist auch mehr und mehr genervt von bestimmten Praktiken und "Traditionen" ihrer Schule, was ich auch gut nachvollziehen kann. Ich denke, hier können sich viele (Mädchen) einfühlen.

Was mir sehr gut gefallen hat, ist, dass Vivs Zines (im Klappentext Flyer) tatsächlich abgedruckt werden. Auf vier Seiten lässt sie dann jeweils ihre Wut heraus und ruft zu kleinen Aktionen auf. Das erfüllt meiner Meinung nach eine sehr wichtige Funktion, denn in den Zines wird haarklein erklärt, warum manche Dinge, die vielleicht gar nicht so schlimm sind, eben doch sexistisch sind und die Geschlechtertrennung weiter aufrecht halten. Hier bekommt man also ein kleines 101 von Feminismus an ganz konkreten Beispielen.

Auf der anderen Seite mochte ich auch die Ideen, die Viv für die Aktionen hat. Es sind alles kleine Sachen, die niemandem schaden, und können zeigen, dass Protest ohne Gewalt, ohne Auge-um-Auge von statten gehen kann. Es wird ein friedliches, unterstützendes und gemeinschaftliches Bild von Feminismus gegeben. Hier geht es nicht darum, Männer zu hassen, sondern andere Frauen* zu unterstützen, ihnen zu helfen oder ihnen auch nur zu zeigen, dass es einem nicht egal ist. Außerdem wird ein inklusiver Feminismus vertreten, d.h. unabhängig von Hautfarbe, Klasse, etc, sind Mädchen willkommen, es wird aber auch thematisiert, dass das nicht selbstverständlich ist.

Mit Vivs Schwarm Seth bekommen wir zu den ganzen sexistischen Idioten noch einen Gegenpol. Als Charakter mochte ich ihn total und bin auch ein bisschen ins Schwärmen gekommen. Äußerlich zwar der klassische Mädchenschwarm ist er sich der sexistischen Praktiken bewusst und stellt sich gegen sie, indem er bei den Moxie-Aktionen teilweise mitmacht oder diese unterstützt. Dabei ist es aber nie so, dass er sich die Aktionen anreißt, sondern eher ein leises aber klares Zeichen der Solidarität. Dennoch macht auch er in Vivs Augen Fehler, und sie hat dann ein sehr schönes Gespräch mit ihrer Mutter, in dem es darum geht, dass Männer eben nicht alles verstehen können, was Frauen durchmachen, aber dass es eben auch um das Versuchen geht. Dass man ein guter Mensch sein kann, auch wenn man Fehler macht. Das fand ich ebenfalls eine schöne Message. Die Auseinandersetzung mit dem Thema und allgemein zu keimende Beziehung zwischen Viv und Seth fand ich gut umgesetzt.

Obwohl das Buch mit Kleinigkeiten beginnt wie dummen Sprüchen auf T-Shirts und ähnlichem, geht es doch auch um schwierige Themen wie sexuelle Gewalt und Nötigung. Einiges davon wird auch expliziter beschrieben, aber immer noch im Rahmen eines Jugendbuchs. Dennoch wollte ich hier eine Triggerwarnung aussprechen. Dadurch zeigt das Buch aber auch, wie aus Kleinigkeiten eine Kultur entstehen kann, in der Jungs denken, dass sie auch bei größeren Vergehen wie Grabschen und Nötigung ungeschoren davon kommen.

Am Ende liefert das Buch eine positive Aussicht, die nicht unbedingt kitschig ist, aber eben ein schönes Gefühl hinterlässt, wenn man die Buchseiten zuklappt. Ich hatte zumindest ein warmes Kribbeln im Bauch und den Wunsch, das Buch ganz schnell zurück in die Bibliothek zu bringen, damit das nächste Mädchen es lesen kann. 

Mich hat das Buch also überzeugt und ich möchte es euch gern weiterempfehlen. Habt ihr schon davon gehört und es auf eurem Radar? Habt ihr es vielleicht sogar schon gelesen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




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