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Freitag, 3. Juli 2020

Blau ist grüner als Gelb

Hallo zusammen,

dieser Schnulli flog geradeso dahin und wurde zum Ende besser.

Fakten:
  • Autorin: Anna Licht
  • Roman
  • 2010 erschienen
  • 256 Seiten
  • Aufbau Taschenbuch Verlag
  • Preis: 14,90€ (Taschenbuch)
Klappentext:
"Große Mädchen weinen nicht Dass sie in ihrem Leben etwas ändern muss, merkt die junge Ärztin Lena erst, als sie bei einer Transsexuellen vergeblich die Gebärmutter sucht. Und auch Mia, ihre beste Freundin, zieht es hinaus aus ihrer kleinen Welt mit Mann und Kindern. Mit dem Plan, die Liebe neu zu entdecken, nehmen sie sich eine gemeinsame Auszeit. Wenn die Männer nerven, müssen sie eben selbst für ihr Wohlergehen sorgen. Das Einmaleins der emanzipierten Frau von heute - herrlich offen, ironisch und selbstkritisch."

Dieses Buch wechselt sich zwischen zwei Rollen und damit pro Kapitel ab. Lena und Mia sind außerdem beste Freundinnen. Eigentlich mag ich solche Formate ja sehr, ich warte immer auf eine Geschichte die der lieben Kitty und mir nahe kommt. Hab ich aber noch nicht gefunden, wie auch ;)
Aber ich erwarte halt etwas ähnlich intensives. Und nein mit den beiden ist das nicht so. Sie führen eher total einfache Leben, die eben wie die anderer verlaufen.

Lena ist unsere liebere Figur. Sie ist so ein bisschen treudoof aber auch liebenswert. Sie ist lieb und nett und hat deswegen auch den guten Glauben daran, dass alle anderen auch so sind.

Mia ist eine sehr selbstbewusste und selbstsichere Person. Sie hat eigentlich ein ziemlich perfektes Leben, doch dieses ist eben auch irgendwie langweilig, zumindest kommt es ihr so vor. Langweilig im Sinne von nervig und eintönig.

Wir erleben die beiden also in ihrem Alltag der eines Tages, und das ziemlich weit am Ende des Buches erst, durch Männer und die Liebe verändert wird. Dabei hat Lena endlich mal etwas Schwung, doch Mia passiert ein Fehler nach dem anderen.

Lena mochte ich lieber als Mia. Trotzdem finde ich, dass die beiden in ihren Charakteren total durcheinander. Für mich passen ihre Eigenschaften so nicht zusammen. Vielleicht ist das auch nur meine Welt, aber überzeugt euch am besten selbst ;)

Ja empfehlen kann ich das Buch trotzdem, denn es fliegt total durch die Seiten und ist ein schöner Happen für zwischendurch. Am Ende versteht man auch wie der Titel zustande kommt und das passt und ist amüsant. Achtung nicht erschrecken, das Buch ist politisch nicht aktuell, macht aber nix.

Die Männerwelt kommt in diesem Buch irgendwie nicht gut weg, das ist teilweise spürbar übertrieben und irgendwie nicht nett.

Ich habe es nicht recherchiert aber gefühlt könnte das ein erstes Buch der Autorin sein. Es hat einfach lange gebraucht um in Schwung und zum Thema zukommen.

Mögt ihr solche Schnullis zwischendurch?

Eure Blue Diamond.


Mittwoch, 1. Juli 2020

Ich bin eure Stimme

Hallo meine Lesefreunde,

heute möchte ich euch wieder eine sehr interessante Autobiografie vorstellen. Nadia Murad ist vor einiger Zeit im Weißen Haus auf Donald Trump getroffen und hat vom schrecklichen Schicksal ihrer Familie und ihres Dorfes berichtet. Nachdem sie mehrfach erwähnt hat, dass ein Großteil ihrer Familie getötet wurde, fragte Trump sie, wo ihre Familie heute ist. Das Video ging um die Welt. Ich hoffe, ein paar, die damals schockiert über den Präsidenten waren, lesen nun dieses Buch, um die ganze Geschichte von Nadia Murad zu erfahren.

Die Fakten:
  • Autor: Nadia Murad mit Jenna Krajeski
  • Titel: Ich bin eure Stimme (Original: The Last Girl)
  • Übersetzung: Ulrike Becker, Jochen Schwarzer, Thomas Wollermann
  • Verlag: Knaur
  • Erschienen: 2017
  • Seiten: 363
  • Preis: 9,99 Euro
  • Klappentext: "Als Gefangene des Islamischen Staats erlebt Nadia Murad ein unvorstellbares Martyrium: Sie verliert ihre Familie, wird zum Opfer von Demütigung, Folter und Vergewaltigung. Als sie erstmals vor den Vereinten Nationen von ihrem Schicksal berichtet, hört ihr die Weltöffentlichkeit schockiert zu. Heute setzt die UN-Sonderbotschafterin und Friedensnobelpreiskandidatin sich ein für jesidische Frauen, die noch immer in der Gewalt der Terroristen sind, und kämpft dafür, dass die Täter strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden."

Zur Handlung: Die Geschichte von Nadia Murad ist nichts für schwache Nerven. Sie wächst in einem jesidischen Dort im Irak, nah an der Grenze zum Iran, auf. In ihrer Kindheit ist sie immer eng in die Dorfgemeinschaft und ihre Familie eingebunden. Wenn sie groß ist, möchte sie einen Makeup- und Friseursalon eröffnen und Bräute für die Hochzeit stylen.

Doch eines Tages wird das Dorf vom IS umstellt. Die Peschmerga-Miliz zieht sich ohne Vorwarnung zurück und hinterlässt das Dorf völlig schutzlos. Mehrere Wochen harren die jesidischen Bewohner in diesem Zustand aus und versuchen lokal und global Unterstützung zu finden. Schließlich werden alle Menschen vom IS abtransportiert - die Männer werden getötet, die Kinder mit Gehirnwäscheprogrammen zu IS-Kämpfern gemacht und die Frauen als Sexsklavinnen verschleppt. Nur die wenigsten können diesem Schicksal entkommen - und Nadia ist nicht dabei.

Ich fand dieses Buch sehr interessant. Obwohl ich bereits von Jesiden gehört hatte, wusste ich doch sehr wenig von dieser Gruppe. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind sie einerseits ethnisch verschieden von den anderen Gruppen im Nahen Osten. Gleichzeitig haben sie aber auch eine Religion, die nicht im Islam verankert ist. Der Grund, warum der IS Jesiden sozusagen zu Nicht-Menschen erklärt hat, ist, dass die Jesiden den ersten Engel anbeten und der IS dies als den Teufel auslegt, was die Jesiden quasi zu Satanisten macht. Deswegen ist es nach dem Recht des IS absolut richtig, die Frauen zu vergewaltigen und als Sklavinnen zu halten.

Neben dieser Einordnung der Debatte, die für ein europäisches Publikum sicherlich nötig ist, stellt Nadia Murad eindrucksvoll das Leben in ihrem Dorf dar. Man fühlt sich mit ihr geborgen, manchmal vielleicht auch ein bisschen gelangweilt, aber nie unzufrieden. Ich mochte beispielweise die Schilderungen davon, wie die ganze Familie auf dem Dach übernachtet, wenn es im Sommer sehr heiß ist. Im ersten Teil des Buches bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie das Leben war.

Danach kommt die Umstellung des Dorfes durch den IS. In der gegenwärtigen Situation kann man sich fast vorstellen, wie das sein muss. Man kann das Haus nicht mehr verlassen, trifft sich nur noch mit den nächsten Verwandten, und weiß nicht, ob man sicher ist oder nicht. Dennoch nehme ich es jederzeit lieber mit dem Coronavirus auf als mit dem IS. Für einige ist jetzt vielleicht aber gerade nicht die richtige Zeit, so etwas zu lesen. Ich fand es passend.

Wie man erwarten kann, wird es richtig schlimm in dem Moment, wo der IS die Menschen zusammentreibt und abtransportiert. Hier war das Lesen wirklich am schwierigsten für mich und ich musste Pausen einbauen. Ein Kapitel ist dann auch aus der Sicht eines der Brüder, das war für mich so hart. Aber auch für die Frauen und Mädchen geht es nicht gerade rosig weiter.

Nadia Murad gelingt es, trotz weniger expliziter Beschreibungen der sexuellen Gewalt zu verdeutlichen, was sie durchmacht. Es werden schon einige Dinge deutlich beschrieben, aber sie schafft diese Gradwanderung, dass wir uns genau ein Bild machen können, aber auch nicht zu deutlich mitlesen müssen, sodass es schon wieder eine komische Faszination auslösen könnte. Ich fand das richtig stark gemacht.

Über den weiteren Weg möchte ich gar nicht mehr so viel sagen, aber: es war auf jeden Fall zwischendurch fast schon ein Thriller. Ich habe das Buch kaum weglegen können und es hat mir viel Neues gezeigt und erklärt. Ich wurde gut unterhalten und gleichzeitig weitergebildet. Das heißt, das Buch hat seinen Zweck für mich absolut erfüllt.

Auch der Schreibstil war sehr angenehm. Das Buch verfügt außerdem über eine Karte für Personen wie mich, die keine Ahnung von Geografie haben. Was mir ein bisschen gefehlt hat an dem Buch, ist allerdings etwas mehr Anknüpfungspunkte. Ich habe nicht das Gefühl gehabt, ich hätte jetzt etwas für mein eigenes Leben gelernt - und wenn nur, wie ich helfen kann. Das fand ich ein bisschen schade. Gleichzeitig ist das Schicksal von Nadia Murad doch sehr weit weg von allem, was wir uns in Europa vorstellen können. Ich glaube nur, ich hätte mir da noch ein bisschen mehr Gefühl und nicht ausschließlich Deskription gewünscht.

Alles in allem kann ich euch das Buch aber ans Herz legen. Es ist keine leichte Geschichte, aber eine wichtige. Nadia fand ich als Person total ansprechend und ich konnte absolut mit ihr mitfühlen. Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass das Schicksal sich endlich wendet für sie und sie in Sicherheit kommt. Und zumindest ihr ist es am Ende ja irgendwie zum Glück gelungen.

Kennt ihr das Buch oder die Autorin? Und habt ihr euch schon mal mit Jesiden beschäftigt?

Bis bald,
Eure Kitty Retro





Meine Bewertung:

Sonntag, 28. Juni 2020

The Hand on the Wall

Hallo meine Krimifreunde,

heute möchte ich euch den letzten Teil dieser Jugend-Krimi-Reihe vorstellen. Da ich alle drei Teile hintereinander weg gehört habe, verschwimmen Teil 2 und Teil 3 ein bisschen für mich. Daher bitte ich zu entschuldigen, wenn ich hier etwas erwähne, was eigentlich noch zu Teil 2 gehören würde. Aber ich lasse euch am Ende auch wissen, wie ich die Trilogie insgesamt bewerte.

Die Fakten:
  • Autor: Maureen Johnson
  • Titel: The Hand on the Wall
  • Reihe: Truly Devious 3
  • Erschienen: 2020
  • Verlag: Harper Audio
  • Dauer: 8 Std. 36 min (ungekürzt)
  • Preis: 9,90 Euro im Abo
  • Klappentext: "Ellingham Academy must be cursed. Three people are now dead. One, a victim of either a prank gone wrong or a murder. Another, dead by misadventure. And now, an accident in Burlington has claimed another life. All three in the wrong place at the wrong time. All at the exact moment of Stevie's greatest triumph.... She knows who Truly Devious is. She's solved it. The greatest case of the century.  At least, she thinks she has. With this latest tragedy, it's hard to concentrate on the past. Not only has someone died in town, but David disappeared of his own free will and is up to something. Stevie is sure that somehow - somehow - all these things connect. The three deaths in the present. The deaths in the past. The missing Alice Ellingham and the missing David Eastman. Somewhere in this place of riddles and puzzles there must be answers.  Then another accident occurs as a massive storm heads toward Vermont. This is too much for the parents and administrators. Ellingham Academy is evacuated. Obviously, it's time for Stevie to do something stupid. It's time to stay on the mountain and face the storm - and a murderer."


Zur Handlung: Stevie sollte inzwischen fast an das Auf und Ab von Ellingham gewöhnt sein. Ihre größten Entdeckungen sind zeitgleich immer wieder mit den größten Katastrophen verbunden. Sie findet die verschwundene Schülerin - tot. Sie löst, wer Truly Devious ist, und ein Haus geht in Flammen auf. Sie weiß, sie ist einer großen Sache auf der Spur, aber irgendwer scheint alles zu tun, um sie von der Lösung der Fälle abzuhalten.

Aber noch immer kann Stevie sich auf ihre Freunde und auf ihr Gespür für Mysterys verlassen. Sie weiß, dass sie jetzt nicht aufgeben darf. Und ein Schneesturm gibt ihr vielleicht die Gelegenheit, auf die sie gewartet hat - nicht nur ein Abenteuer mit ihren Freunden, aber ein langes Wochenende mit ihren Tatverdächtigen und allen Clues.

Dieser dritte Band schließt recht nahtlos an den zweiten an. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr genau, wo der Übergang war. Aber die Handlung spult sich weiter ab. Zusammen mit ihren Freunden muss Stevie herausfinden, ob die Todesfälle wirklich alle tragische Unfälle waren, bevor noch jemand einem Mörder zum Opfer fällt. Und die Hinweise verdichten sich.

Währenddessen erhalten wir auf der 1930er Zeitebene weitere Hinweise, was sich wirklich abgespielt hat. Ich muss sagen, hier habe ich deutlich mehr mitgefiebert. Die Intrigen und Geheimnisse schaukeln sich auf ein neues Niveau auf. Zu erfahren, was mit Alice geschehen ist, hat mich unglaublich gerührt. Ich hatte fast Tränchen in den Augen. Und auch die anderen Charaktere hatten es wirklich nicht leicht. Ein bisschen wünschte ich, es wäre nur um diesen Fall gegangen.

In der Jetzt-Zeit fällt vor allem David auf, der immer weiter wegtrudelt. Während die Autorin versucht, ihm mit seinem politischen Motiv irgendwie Charakter zu verleihen, sind meine Augenbrauen weit oben verharrt. Mir ging er leider nur auf den Keks und ich habe diesen Handlungsstrang einfach gar nicht verstanden. Es schien wie eine sehr seltsame Ablenkungen... als sei der Autorin kein anderer Grund eingefallen, warum die Teenager illegal auf dem Berg bleiben.

Ich fand auch, dass im Zuge dessen Hunter in eine komische Ecke gerutscht ist. Ich mochte ihm im zweiten Band sehr, und auch im dritten war ich froh, dass er da war, aber er war so gar nicht mehr relevant und wirkte irgendwie wie ein Überbleibsel, mit dem die Autorin jetzt nichts mehr anfangen konnte. Ich glaube, ähnlich hätte er sich auch in der Situation gefühlt, wenn er ein echter Mensch wäre.

Ansonsten hatte das Szenario mit dem eingeschneiten Berg natürlich schon Flair. Allerdings gab es dann einige Szenen, die ich irgendwie nicht wirklich verstanden habe. Allgemein war mir nicht wirklich immer klar, wie bestimmte Clues 1. Stevie genau zu den Erkenntnissen geführt haben, die sie hatte, und 2. von den Personen, die dafür notwendig waren, dass es die Clues überhaupt gibt, erstellt wurden. Ich weiß nicht, ob ich hier nicht genug aufgepasst habe, oder das dann doch alles nicht so gut durchdacht war, aber es war manchmal doch schon sehr viel guter Wille von mir nötig, um die Handlung weiter abzukaufen. Auch tauchen dann zwei Charaktere auf dem eingeschneiten Berg auf, von denen ich nicht genau weiß, ob sie wirklich realistisch hätten da sein können...

Das Ende ist auf jeden Fall befriedigend. Es werden alle Rätsel gelöst und alle Antworten gegeben - abgesehen davon, dass mir manchmal nicht klar war, wie Stevie das ermittelt hatte. Außerdem bekommen wir noch ein schönes Happy End mit Schleife. Hier gibt es nicht viel zu meckern, außer dass viele die romantischen Entwicklungen nicht gut heißen. Demnächst wird es ja tatsächlich einen vierten Band mit brandneuem Fall geben - ich denke aber nicht, dass ich den lesen werde.

Alles in allem war die Reihe unterhaltsam. Leider war für mich der beste Aspekt daran die Diversität der Charaktere und die tolle Darstellung von Freundschaft. Danach kommt die 1930er-Handlung. Den Fall in der Jetzt-Zeit dagegen fand ich nicht wirklich überzeugend. Und Stevies Ermittlungstätigkeiten konnten mich auch nicht überzeugen. Aber für Teenager ist das sicherlich eine schöne Reihe. Richtige Thriller-Leser kommen hier aber nicht auf ihre Kosten.

Das war es von mir. Habt ihr die Reihe gelesen?

Bis bald,
Eure Kitty Retro




Meine Bewertung: